Some years ago a reference draw my attention to the last paragraph of Franz Kafka's "The Trial":
But the hands of one of the gentleman were laid on K.'s throat, while the other pushed the knife deep into his heart and twisted it there, twice. As his eyesight failed, K. saw the two gentlemen close in front of his face, cheek by cheek, watching the outcome. "Like a dog!" he said, it was as if the shame should outlive him.
The last sentence, … it was as if the shame should outlive him, let its imprint upon my memory's world like a signpost - a blank and mute signpost. One day the mute signpost spoke; it begun to narrate itself.
Recently one evening I left my office and was heading for the car park, some 5 minutes walking distance away. I was cold and in discomfort. I thought: If I were to die in a cold night like this, I would be freezing down there. The corrective thought that the dead feels neither warm nor cold, was not able to persuade me really. It was as if the cold should outlive me.
Being out in the cold, unprotected, is an image of death. There is a variety of such images:
- The coffin as enclosure / loneliness
- Death as punishment / relief / redemption
- Death as loss of the self / of the world
- Death as complete exposure / total defencelessness
- Death as final end
- etc.
Everywhere here enclosure and loneliness, punishment and relief and redemption, loss of the self and of the world, exposure and defencelessness, the final end outlive me.
What does that mean? It means that the image of death I may have, produces my existence beyond death. It surpasses it: It does not let me die.
Mortal fear is expressed as anxiety in front of such an image. This anxiety does not pertain to death itself though, but to the notion that, having died, for example, I will be helplessly cold. Mortal fear refers to the vision that my existence does not die exactly in death. It is not mortal fear, but rather the fear of not dying in death!
Vor einigen Jahren ein Hinweis machte mich auf den letzten Paragraphen von Franz Kafkas "Der Prozess" aufmerksam:
Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm tief ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinandergelehnt, die Entscheidung beobachteten. "Wie ein Hund!" sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.
Der letzte Satz, ... es war, als sollte die Scham ihn überleben, hat sich in meiner Erinnerungswelt tief eingeprägt. Er setzte sich da wie eine Wegmarke - eine ungeschriebene und stumme. Einmal die stumme Wegmarke sprach doch, sie fing an, sich selbst zu erzählen.
Vor kurzem an einem Abend verliess ich meine Praxis und ging zum 5 Gehminuten entfernten Parkplatz. Es war mir kalt und ich fühlte mich unbehaglich. Ich dachte, sollte ich in solch einer kalten Nacht sterben, dann würde ich da unten frieren. Die Korrektur, der Tote empfinde weder Wärme noch Kälte, vermochte nicht, mich wirklich zu überzeugen. Es war, als sollte die Kälte mich überleben.
Wehrlos der Kälte ausgesetzt, ist ein Bild vom Tod. Es gibt eine Vielzahl solcher Bilder:
- Der Sarg als Eingeschlossensein / Einsamkeit
- Der Tod als Strafe / Ruhe / Erlösung
- Der Tod als Verlust des Selbst / der Welt
- Der Tod als volles Ausgesetztsein / totale Wehrlosigkeit
- Der Tod als Ende und Schluss
- usw.
Überlall hier Eingeschlossensein und Einsamkeit, Strafe und Ruhe und Erlösung, Verlust des Selbst und der Welt, volles Ausgesetztsein und totale Wehrlosigkeit, Ende und Schluss überleben mich.
Was heisst das? Es heisst, dass jedes Bild, das ich mir vom Tod mache, meine Existenz über ihn hinaus verlängert. Es läuft an ihm vorbei. Es lässt mich nicht sterben.
Die Angst vor dem Tod zeigt sich als Angst vor einem solchen Bild. Aber die Angst betrifft nicht den Tod selbst, sondern die Vorstellung, dass der Tode z.B. hilflos frieren würde. Die Angst vor dem Tod ist Angst davor, dass meine Existenz gerade nicht mit dem Tod stirbt. Sie ist keine Angst vor dem Tod, sondern Angst vor den Nichtsterben beim Tod!