Alpen Extra 2024 Sella Ronda
Sellapass - Pordoijoch - Passo Campolongo - Grödnerjoch
15.07.2024
51,55 km, 1608 Höhenmeter
Die Sella Ronda übt einen magischen Zauber auf Radler und Skifahrer aus. Kann man doch mit dem Radl (immer Winter mit Skiern) rund um diesen phantastischen Bergstock in den Dolomiten fahren. Ein maximal grandioses Erlebnis, das man sein Leben lang nicht vergisst. Als Radfahrer hat man die Wahl zwischen Mountainbiketrails und einer Straßenrunde.
Wie der Zufall es will, überschneiden sich im Juli 2024 die Urlaube von Tom und mir, zeitlich und örtlich. Er weilt im Fassatal, ich im Grödnertal. Was liegt näher, uns zu einer "kleinen" gemeinsamen Radtour zu verabreden. Wir beschließen, die legendäre Sellaronda zu fahren, und zwar über die Straßenstrecke gegen den Uhrzeigersinn. Die gut 50 Kilometer lange Strecke geht über vier Alpenpässe: das Sellajoch, das Pordoijoch, den Passo Campolongo und das Grödnerjoch. Alle Pässe sind über 2.000 Meter hoch, außer dem Campolongo, der "nur" auf eine Höhe von 1.875 Meter kommt. Das bedeutet viermal nach oben und vier rasende Abfahrten. Das Höhenprofil zeigt dementsprechend vier aneinandergereihte Zacken auf, flache Streckenabschnitte gibt es hier - bis auf ein kleines 2-km-Stückchen - nicht.
Das Sellajoch ist von beiden Urlaubsorten gut zu erreichen und verfügt über Parkplätze und Gaststätten, so dass wir es als unseren Start- und Zielort auswählen. Ich fahre zwar mit meinem Fullybike, weil ich es für andere Ausflüge in diesem Urlaub dabei habe, aber die Straße erscheint uns heute angesichts der Länge und der Höhenmeter besser als Trails geeignet, um die Runde in der zur Verfügung stehenden Zeit zu bewältigen.
Punkt 09.30 Uhr treffen wir, Tom und ich, uns am Sellajoch. Wir sind nicht die einzigen. Zahlreiche Wanderer tummeln sich hier und natürlich viele andere Fahrradfahrer, meist mit Rennrad ausgestattet, die wie wir die legendäre Runde machen wollen. Das Wetter ist phantastisch. Sonnig, einige Cummuluswolken und nicht zu warm. Während Tom vor dem Start noch ein Nippeslädchen aufsucht, werde ich von einem jungen Mann in Englisch angesprochen. Er sucht "Versuchskanninchen" für ein neuartiges Nasenspray für Sportler. Es bestehe aus verschiedenen Kräutern und erfrische maximal. Ich bin wieder einmal gutmütig und schnuppere daran. Es riecht wirklich frisch und befreit die Atemwege, Tom ist skeptischer. Mit dieser Prise "Aufputschmittel" geht es dann aber zügig los.
Der erste Pass: Pordoijoch
Zunächst geht es 6 Kilometer runter Richtung Canazei. Dann muss man links abbiegen Richtung Arabba. Wir überqueren die Grenze zwischen Südtirol-Trentino und Venetien. Die Straße hat nun eine stetige Steigung von 6 bis 7 Prozent, ist also durchaus anspruchsvoll. Rund 6 Kilometer geht es so hinauf. Sehr spektakulär, die Straße windet sich durch Schluchten, rechts und links hohe Felswände. Nach eineinhalb Stunden sind wir am Pass, wo wir natürlich erst einmal die obligatorischen Fotos am Passschild schießen. Bei dem großen und stark frequentierten Andenkanladen besorgen wir uns das Kilometersteinchen und etwas zu trinken. Ich verspeise dazu ein mitgebrachtes Brötchen. Leicht chaotisch hier, Busse, Wanderer, Radfahrer in Hülle und Fülle. Nichts wie weiter.
Der zweite Pass: Passo Campolongo
Der Campolongo ist nicht nur der niedrigste Pass auf der Strecke, sondern auch der einfachste und am wenigsten spektakuläre. Aber er liegt nun einmal auf der Route und wir müssen ihn mitnehmen. Vom Pordoijoch geht es über eine phänominale 600-Tiefenmeter-Abfahrt durch zahlreiche Kehren nach Arabba. Dann sind es nur noch 260 Höhenmeter und 4 Kilometer zum Campolongo. Die Steigung ist verhältnismäßig moderat, etwa 4 bis 5 % im Durchschnitt.
Hier gibt es keinen Nippesladen wie bei den anderen Pässen. Nur ein Hotel, das aber die netten Kilometersteinchen nicht anbietet. Ich muss daher versuchen, dieses begehrte Andenken beim Grödnerjoch zu erwerben (was dann auch funktioniert). Im Gegensatz zu den anderen Pässen wird hier kein Deutsch gesprochen, wir sind in Venetien.
Der dritte Pass: Grödnerjoch
Vom Passo Campolongo runter nach Corvara sind es schnelle sechseinhalb Kilometer und 330 Tiefenmeter. Schon von weitem sieht man das große dreidimensionale "Corvara"-Schild. In der Stadt geht es scharf nach links in Richtung Kolfuschg und schon beginnt die nächste Steigung. Von hier sind es noch 9 Kilometer bis zum Grödner Joch. Hinter Kolfuschg schlängeln sich 18 Kehren bis hoch zum Joch. Ich finde diese Auffahrt die schönste von allen vieren, insbesondere weil hier die Aussicht auf die Berge und gleichzeitig ins Tal hinunter einfach phänominal ist. Die 600 Höhenmeter schaffen wir in eineinviertel bis eineinhalb Stunden. Auf dem Grödner Joch ist wieder der Teufel los. Eine asiatische Reisegruppe wird genau an der Stelle, wo ich und mein Radl gerade rasten, mit einem Reisebus angekarrt und schwirrt fotografierend aus.
Ich besorge mir schnell in dem Andenkenlädchen den Kilometerstein vom Grödner Joch und - siehe da - den vom Campolongo. Kurze Pause, dann fahren wir weiter.
Der vierte Pass: Sellajoch
Nun geht es zurück zu unserem Ausgangspunkt. Vom Grödnerjoch müssen wir erst einmal wieder 6 Kilometer abwärts, aber nicht so steil wie die anderen Abfahrten, sogar ein kurzes Flachstück ist dabei. Dann kommt eine Kreuzung, vor der sich eine lange Autoschlange gebildet hat, rechts führt die Straße nach Wolkenstein, wir müssen aber links Richtung Sellajoch abbiegen. Die Autoschlange wird elegant überholt, dann kommt der letzte Aufstieg. Gut 4 Kilometer mit knapp 400 Höhenmeter. Die Steigung ist meist moderat, erst ganz zum Schluss wird es noch einmal zaaaach. Freundlicherweise hat die viel befahrene Straße hier einen breiten Radweg, der es angenehmer macht.
Um kurz vor 16.00 Uhr, nach gut 6 Stunden, sind wir zurück am Sellajoch. Ein Tourabschlussbier auf der Terrasse eines Lokals muss jetzt sein. Aber nur eins, weil wir ja noch mit den Autos zu unseren jeweiligen Urlaubsorten fahren müssen. Ich zahle die nicht gerade günstige Parkgebühr an einem Automaten, schnalle mein Rad auf den Fahrradträger und fahre zurück nach St. Ulrich. Es war eine anstrengende, aber total schöne Radtour. Kann man wirklich nur jedem empfehlen, der gerade in der Gegend ist.