Alpencross 2026 Garmisch-Partenkirchen - Innsbruck
Die Sella-Ronda-Tour - Der doppelte Alpencross
22.08.-30.08.2026
475 km, 10.000 Höhenmeter
Die Tour 2026 sieht eine außergewöhnliche Besonderheit vor. Wir wollen nämlich den Alpenhauptkamm zweimal überwinden: Einmal von Nord nach Süd über das Timmelsjoch und ein zweites Mal auf dem Rückweg von Süd nach Nord über den Brenner. Das Timmelsjoch wird mit seinen 2.510 Meter Höhe der höchste Punkt der Tour sein. Wir werden also erstmals nördlich des Hauptkamms starten und enden. Der emotionale und landschaftliche Höhepunkt wird die Runde um den Sellastock sein, eine legendäre Strecke, die jeden Radler, sei es Mountainbiker, sei es Renn- oder Tourenfahrer, in seinen Bann zieht. Wir nehmen uns für diese Runde über die Mountainbiketrails einen Tag Zeit, so dass wir in Corvara zwei Nächte verbringen werden.
In diesem Jahr werden wir wieder zu viert sein, Norbert, Tom, Winz und ich. Laut Komoot-Planung sollen die sechs vorgesehenen Etappen rund 475 Kilometer und 11.480 Höhenmeter umfassen.
Samstag, 22.08.2026
Die Anreise
Heute heißt es früh aufstehen. Nach einigem Hin und Her bei den Bahnabfahrzeiten und -orten steht nun fest, dass unser ICE für mich in Köln-Deutz abfährt. Eigentlich wollte ich wie immer in Düsseldorf zusteigen, wo der Zug aber wegen Bauarbeiten heute nicht hält. Also besteige ich um kurz nach 8.00 Uhr zunächst in Solingen einen Regionalzug, der mich pünktlich nach Köln transportiert. Tom ist - wie immer - schon "drin", Norbert kommt wie ich auch nach Köln. Winz stößt in Mannheim zu uns. Traditionell gibt es leckeren Kuchen von Dagmar, heute zitroniger Art.
Allen Befürchtungen zum Trotz kommt der ICE pünktlich in München Hbf an. Hier sollten wir eigentlich in einen Regionalexpress nach Garmisch-Partenkirchen steigen. Der fährt heute aber baustellenbedingt ab München-Pasing. Da wir ja unsere Bikes dabei haben, radeln wir die knapp 8 Kilometer locker dorthin.
Hier treffen wir auf den ersten bayerischen Grantler. Der sitzt genau dort, wo die Bahn den Platz für Räder reserviert hat. Alles Zureden hilft nichts, der von einer Bierflasche begleitete Asi weigert sich unter Ausstoß unfreundlicher Worte beharrlich, unseren Rädern Platz zu machen. Ob des aufkommenden Unmuts nimmt ein Vater mit Kinderwagen Reißaus, so dass sich dann ausreichend Raum für unsere Bikes eröffnet.
Vom Bahnhof Garmisch-Farchant radeln wir zur 2 Kilometer entfernt liegenden Jugendherberge. Nach einem Käffchen schlendern wir zu einem bayerischen Gasthof, wo wir regionaltypisch speisen.
Unterkunft: Jugendherberge Garmisch-Partenkirchen
Sonntag, 23.08.2026
Die erste Etappe: Garmisch-Partenkirchen - Oetz
Heute geht die Tour endlich los. Nach einer für mich eher unruhigen Nacht im 4-Bett-Zimmer stehen wir um 7.00 Uhr auf. Das Frühstück ist für eine Jugendherberge überraschend vielseitig. Das Büffet erfüllt mindestens das Niveau eines 3-Sterne-Hotels, Kaffee und Säfte soviel man will, Brötchen, Käse, Wurst, Rührei und andere Brotaufstriche. Wir dürfen uns - gegen Aufschlag - sogar ein extra Lunchpaket zusammenstellen. Tisch selbst abräumen und abwischen gehört dann aber zum Selbstverständnis einer Jugendherberge dazu.
Anschließend machen wir uns für die Tour fertig und um 8.45 Uhr starten wir, nachdem zuvor ein anderer Jugendherbergsgast das obligatorische Alpencross-Startphoto geschossen hat.
Zunächst geht es aus Garmisch hinaus Richtung Zugspitze. Bis zum Eibsee ist die Strecke einfach und halbwegs eben. Dann beginnt die erste Steigung, und zwar ordentlich. Zunächst auf der Straße, dann ab in den Wald. Wir müssen 750 Höhenmeter überwinden bei Steigungen bis 12/13 Prozent. Der Weg führt auf gut fahrbaren Schotterwegen aufwärts bis zum Hochthörle auf 1600 Metern. Wie aus früheren Alpencrossen bewährt, wird nach jeweils 200 Höhenmetern durchgeschnauft. Zwischendurch werden wir immer wieder von anderen Radlern überholt, alle auf E-Bikes, die das normale, also richtige Fahrrad immer mehr verdrängen, invasiv sozusagen. Um halb 12 sind wir oben. Die erste Steigung des Tages ist geschafft. Jetzt geht es erst einmal kräftig abwärts nach Ehrwald und von dort direkt in die nächste Bergfahrt. Der Marienberg erwartet uns mit weiteren 800 Höhenmetern, und zwar noch steiler als der erste Anstieg. Lästig sind ganz viele kleine Roller, ähnlich wie Kettcars, die sich von oben hinunter rollen lassen und uns ständig mit Affenzahn und nicht immer sicher entgegengerast kommen.
Der Weg ist grobschottrig und erfordert Radbeherrschung. Aber für so erfahrene Alpincyclisten kein Problem. Oder doch? An einer besonders steilen Stelle, an der ich - im Gegensatz zu meinen Mitradlern - immer noch nicht schiebe, sondern mit minimalstem Tempo hochtrete, komme ich ob der Steilheit zum Stehen, kann mich nicht schnell genug aus den Klickpedalen befreien und kippe auf der Schotterstraße einfach um. Bumm! Nicht schlimm und kein Bruch, aber einige Schürfwunden am rechten Arm und am rechten Knie. Tom hilft mir beim Säubern und Verbinden der Wunden und weiter geht’s.
Der Weg wird nicht besser, aber irgendwann haben wir das Joch erreicht, auf 1.800 Meter Höhe. Wir quatschen kurz mit einer dänischen Radlertruppe, die selbst ihre E-Mountainbikes schieben mussten, und rauschen dann auf dem Schotterweg abwärts. Nach einiger Zeit taucht die Marienberalm auf, die eine einladende, ja geradezu anziehende Wirkung auf uns ausübt. Auf der Terrasse schnaufen wir bei einem hopfenhaltigen, aber alkoholfreiem Kaltgetränk erst einmal kräftig aus.
Nach einer halben Stunde müssen wir weiter. Wir haben noch über 30 Kilometer vor uns und es ist bereits nach 16.00 Uhr.
Jetzt müssen wir erst kräftig abwärts, aber vorsichtig fahren, weil der Schotter nicht ungefährlich ist. Ich fahre angesichts meiner Erfahrungen besonders defensiv. Unten treffen wir auf den Inn, den wir eine Zeit lang begleiten. Dann biegen wir links ab ins Oetztal, wo wir schon bald auf unseren Zielort Oetz stoßen.
Das Hotel Stern im ältesten Haus der Stadt wird gerade renoviert. Wir kommen in einem modernen Anbau unter. Sehr freundlich: Zur Begrüßung dürfen wir uns in der verwaisten Bar des Hauses selbst ein kühles Begrüßungsbier zapfen - phantastisch! Nach dem Frischmachen laufen wir zu einem netten Restaurant in der kleinen Innenstadt, um den Tag bei gutem Essen zu beschließen.
Garmisch-Partenkirchen - Oetz
Entfernung: 72,71 km
Fahrzeit: 06:17:11 (in Bewegung)/09:46:35 (gesamt)
Höhenmeter: 1.900 m
Tiefenmeter: 1.778 m
Unterkunft: Hotel Stern, Oetz
Montag, 24.08.2026
Die zweite Etappe: Oetz - Timmelsjoch
Heute soll es unsere „Königsetappe“ werden. Weil wir nämlich die meisten Höhenmeter aller diesjährigen Touretappen machen und den höchsten Punkt der gesamten Tour erreichen werden, das Timmelsjoch auf 2.510 Meter Höhe.
Aber zunächst gibt es um 7.30 Uhr ein tolles Frühstück, mit allem, was ein mittelklassiges deutsches Frühstücksherz begehrt. Jedenfalls meines. Die Bedienung ist sehr aufmerksam und freundlich. Der Inhaber ist sogar so nett, mir für meine Schürfwunden aus eigenem Bestand noch ein paar Mullbinden und Wundpflaster mitzugeben, womit wir uns den Besuch einer Apotheke ersparen.
Um kurz vor neun sitzen wir auf den Rädern. Es geht heute von Oetz Richtung Sölden über das Timmelsjoch nach Südtirol. Ca. 10 Kilometer hinter dem Jochs liegt auf italienischer Seite der Gasthof Hochfirst, unsere heutige Unterkunft. Insgesamt 65 Kilometer und rund 2.000 Höhenmeter stehen auf dem Programm.
Von Oetz aus geht es direkt nach oben, mal mehr, mal weniger. Bis zum Timmelsjoch werden wir heute nur Anstiege haben, was ordentlich in die Muskeln geht. Mittags erreichen wir Sölden, ein klassischer Wintersportort. Hier versorgen wir uns mit frischen Getränken in einem M-Preis-Supermarkt.
Hinter Sölden steigt es kräftig an. Wir radeln nun Richtung Gurgl, leider müssen wir die Straße nehmen, weil der wunderschöne Oetztalradweg nicht weiterführt. Die Steigung wird immer heftiger. Mal mehr mal weniger, aber immer um die 10-12 Prozent. An Hochgurgl vorbei erreichen wir die Mautstation vor dem Joch. Hier müssen Autofahrer und Motorradfahrer Gebühren für die Weiterfahrt blechen, wir als Radfahrer jedoch nicht.
Nach der Mautstation verläuft die Straße zunächst kurz abwärts, dann folgt der letzte Anstieg von 400 Metern bis zum Joch. Die Steigung ist noch einmal sehr kräftezehrend und fordert unsere letzten Kräfte heraus. Um 17.00 Uhr sind wir oben. Leider hat es sich inzwischen zugezogen und hat auch schon die ersten Tropfen gegeben. Zudem ist es recht kühl.
Wir machen die zwingend erforderlichen Erinnerungsphotos mit dem Passschild, ich verteile meine Alpencrossaufkleber auf verschiedenen Schildern und dann rauschen wir auf der Südtiroler Seite abwärts zu unserem in ca. 10 Kilometer liegenden Gasthof, den wir um viertel vor sechs erreichen.
Geschafft. Unsere „Königsetappe“ ist ohne Stürze und Probleme vollbracht.
Das Haus bietet full Service, d. h. auch Abendessen mit (süd-) tirolerischen Köstlichkeiten, die wir uns nun schmecken lassen.
Oetz - Timmelsjoch
Entfernung: 66,40 km
Fahrzeit: 05:56:49/08:46:17
Höhenmeter: 1955 m
Tiefenmeter: 923 m
Unterkunft: Gasthof Hochfirst, Moos in Passeier
Dienstag, 25.08.2026
Die dritte Etappe: Timmelsjoch - Compatsch
Die ganze Nacht über hat es geregnet. Und auch morgens hört der Regen nicht auf. Das Frühstück im sehr beengten Raum ist zwar nicht so reichhaltig wie zuletzt, bietet aber alles, was wir brauchen. Vor allem dieses leckere Vinschgauer Brot, welches mir besonders mundet.
Um 8.30 Uhr meinen wir, eine Regenlücke ausgemacht zu haben. Drum beschließen wir, schnell loszuradeln, ehe es wieder zuzieht. Aber Pustekuchen, kaum treten wir aus den Haus, ist es wieder am regnen. Nicht heftig, aber unaufhörlich. Wo wir nun mal fertig sind, starten wir trotzdem, zumal Besserung nicht so schnell absehbar ist. Zunächst geht es auf der Staatsstraße bergab nach Moos, dann 25 Kilometer weiter auf Straße hinunter nach Meran. Insgesamt über 1.500 Höhenmeter abwärts. Das wirklich unangenehme neben dem Regen ist, dass die Straße sehr befahren ist und wir ständig von Autos, LKWs und Bussen überholt werden oder diese uns auf der schmalen Straße begegnen. Zunächst ist es auch noch diesig bis neblig, macht nicht wirklich Freude.
Endlich erreichen wir den Ort St. Leonhard. Von hier aus können wir auf einen schönen Radweg nach Meran wechseln, immer entlang des Flusses Passer. Um halb 11 treffen wir in Meran ein. Inzwischen hat es etwas aufgehört zu regnen, was aber leider nicht lange anhält. Kaum aus Meran raus, regnet es wieder.
Bis Bozen sind es noch 33 Kilometer auf einem wunderschönen Radweg entlang der Etsch. Trotz des anhaltenden Regens fahren wir weiter. Immerhin ist es nicht kalt. Nur Winz überlegt es sich anders, er nimmt von Lana aus den Zug nach Bozen.
In Bozen sind wir kurz nach 12. Dort treffen wir unseren Bahnfahrer wieder. Gemeinsam gehen wir in die Innenstadt, wo wir uns in einem Straßencafé Cappuccino und Croissant einverleiben. Inzwischen hat es glücklicherweise endgültig aufgehört zu regnen und die Sonne ist herausgekommen. Gleich ist es angenehm warm, so dass wir uns trocken legen können.
Nach der Pause, die uns nach der Regenfahrt echt gut getan hat, schwingen wir uns wieder auf die Räder. Zunächst radeln wir ein Stück Eisack-aufwärts. Wir wollen heute noch auf die Seiser Alm. Dafür müssen wir noch 1.300 Höhenmeter überwinden.
Von der Eisack geht es dann rechts ab und heftig den Berg herauf. Bei anfänglich 16 Prozent, später kaum weniger quälen wir uns den Berg herauf. Bis zum Örtchen Seis. Eigentlich hätten wir noch weitere 400 Höhenmeter zu überwinden. Nach kurzer Diskussion, keiner wehrt sich, beschließen wir, eine Seilbahn zu nehmen, die glücklicherweise just hier parat steht. Diese bringt uns bis fast zu unserem heutigen Ziel, den Gasthof Frommer in Compatsch. Wir müssen nur ein paar hundert Meter herunter rollen und sind kurz nach 17.00 Uhr da. Auf dem Tacho stehen fast 100 Kilometer und 1.000 Höhenmeter.
Das war die richtige Entscheidung. Abgesehen davon, dass wir schon ganz schön geschafft sind, fängt es - kaum dass wir den Gasthof erreicht haben - wieder an zu regnen. Und ein zweites Mal in den Regen kommen, wollen wir nun wirklich nicht.
Der Gasthof ist wirklich süß. Schon ziemlich in die Jahre gekommen, aber mit dem Charme der 1960er Jahre. Auch die zuvorkommende Wirtin, die scheinbar selbst die einzige Servicekraft ist, ist nicht mehr die jüngste. Wir sind die einzigen Gäste und werden fürstlich bedient. Obwohl das Haus eigentlich keine Restauration anbietet, bekommen wir von der Wirtin ein selbst produziertes Hausmannskost-3-Gänge-Menü, rustikal, ein wenig improvisiert, aber schmackhaft. Herrlich, wieder einmal so eine nette Begegnung, die man unter normalen Umständen überhaupt nicht erlebt hätte.
Timmelsjoch - Compatsch
Entfernung: 97,58 km
Fahrzeit: 05:15:11/08:09:18
Höhenmeter: 890 m
Tiefenmeter: 1.829 m
Unterkunft: Gasthof Frommer, Compatsch
Mittwoch, 26.08.2026
Die vierte Etappe: Compatsch - Corvara
Unsere sehr sehr bemühte und freundliche Wirtin, deren Alter sicher bei 80+ liegt, bereitet uns um 7.30 Uhr ein ordentliches Frühstück zu. Mit allem, was auch ein mehrsterniges Hotel bieten würde. Da wir die einzigen Gäste des Etablissements sind, ist die Bedienung besonders persönlich und Nachordern kein Problem. Meist antwortet die liebe Frau mit einem krächzend ausgestoßenen „Ja, ja, passt schoo“. So überholt das Ambiente ausschaut, so viel Charme hat das Haus. Neben der Wirtin schleichen Hühner, Gänse, eine Katze und ein Hund mit südtiroler Gelassenheit umher.
Um kurz vor 9.00 brechen wir auf. Die Wirtin wünscht uns noch eine gute Fahrt und auch der Hund verabschiedet uns sehr freundlich.
Nun heißt es für uns erst einmal 250 Höhenmeter zu bewältigen, um auf die Seiseralm zu gelangen. Dort geht es immer wieder auf und ab. Die Landschaft hier ist wirklich wunderschön. Die sanften grünen Hügel und die Aussicht auf die umliegende Berge ist einmalig. Leider wissen das auch viele andere Urlauber, so dass sich zahlreiche Touristen hier herum treiben, zumal das Wetter heute sehr einladend ist, sonnig bis heiter und 21 Grad warm. Perfekt für unsere Tour.
Nach einem kräftigen Anstieg erspähen wir eine sehr schöne Hütte unterhalb des Langkofels. Wir lassen uns nicht lange bitten und setzen uns auf die Terrasse. Ein alkoholfreies Bier und Kaiserschmarrn werden vertilgt, ehe wir weiterziehen.
Nachdem wir uns durch Horden italienischer Wander- und Bikergruppen gekämpft haben, erreichen wir am frühen Nachmittag Wolkenstein, den letzten Ort im Grödnertal. Hier kaufen Tom und Norbert noch einmal Trinkbares ein. Eigentlich Quatsch, weil wir nicht mehr lange unterwegs sein werden.
Dann geht es auf den letzten Anstieg zum Grödner Joch. 600 Straßenhöhenmeter bei einer mittelschweren Steigung bewältigen wir mit zwei Päuschen in knapp zwei Stunden, so dass wir gegen halb vier den Pass erreichen.
Dann müssen wir nur noch ca. 8 Kilometer hinunter und wir erreichen unser Tagesziel Corvara.
In den nächsten zwei Tagen werden wir im Hotel Miramonti wohnen, etwas in die Jahre gekommen, aber völlig okay. Allerdings auch ortsüblich sehr teuer.
Zum Abendessen laufen wir ein Stück in die Innenstadt und genießen wunderbare Pizza. Meine heißt „Ladina“ und ist wirklich außergewöhnlich mit Tiroler Schinken, Hüttenkäse und Streusel aus landestypischem Brot. Zurück im Hotel gelüstet es uns noch nach einem Bier. Wir sind die einzigen Gäste in der kleinen Hotelbar, wo uns die nette italienische, gebrochen englisch sprechende Bardame ihre halbe Lebensgeschichte erzählt.
Compatsch - Corvara
Entfernung: 41,13 km
Fahrzeit: 04:13:20/06:02:50
Höhenmeter: 1.293 m
Tiefenmeter: 1.432 m
Unterkunft: Hotel Miramonte, Corvara
Donnerstag, 27.08.2026
Die fünfte Etappe: Sella Ronda
Heute bleiben wir noch einen weiteren Tag in Corvara, weil wir die berühmte Sellaronda mit unseren Mountainbikes fahren wollen. Das Konzept so angelegt, dass man sich einen „Dolomiti Super Sommer Pass“ für 67,00 € kauft und damit alle Seilbahnen um die Sella nutzen darf. Man fährt also mit verschiedenen Seilbahnen hoch und rast dann auf Downhill-Trails abwärts. Auf die Art kommt man in 65 Kilometern um den gesamten Sellastock herum.
Sparsam wie wir sind, wollen wir uns das im Hotel angebotene Frühstück für 25€ sparen und suchen stattdessen eine Kaffeebar auf, bevor wir starten. Leider gibt es hier nur jeweils ein Pistazien- oder Schokocroissant für jeden. Das reicht nicht. Deshalb holen wir uns in einer Bäckerei noch etwas mehr Proviant. Dann geht es los.
Die erste Seilbahn fährt hoch zum Grödner Joch. Von dort fährt man anfänglich recht bequem auf Schotter- und Waldwegen hinunter nach Wolkenstein. Dort bringt uns die nächste Seilbahn auf den nächsten Berg, den wir wieder hinunterbrettern. Die Trails werden schon anspruchsvoller, teilweise angelegte Downhilltrails, die die ganze Konzentration erfordern.
So geht es immer rauf und runter. Am Mittag gelangen wir dann auf den Sass Becè, bei 2.360 Meter Höhe. Hier finden wir eine wunderschöne Hütte, die zum Verweilen einlädt. Leider sehr stark besucht, aber nach einigem Warten bekommen wir einen schönen Tisch mit toller Aussicht. Kaiserschmarn gibt es hier nicht, aber Pizza, Pommes und Fisch. Und alkoholfreies Bier.
Nach dem Essen radeln wir weiter. Leider ist es heute wegen des guten Wetters wieder sehr belebt, insbesondere durch zahlreiche Wanderer, durch die wir uns durchschlagen müssen.
Nach dem nächsten Seilbahnaufstieg am Pordoi werden Trails richtig schwer, steil und ausgefahren. Norbert, der kein richtiges Fullybike fährt, steigt aus Sicherheitsgründen aus. Er fährt über die Straße zurück nach Corvara. Wir drei anderen setzen unbeirrt die Runde fort. Eine letzte Seilbahn oberhalb von Arraba bringt uns nochmals auf einen Berg. Hier beginnt ein Supertrail, der wirklich toll ist, aber eine extreme Konzentration erfordert. Auch diese Abfahrt schaffen wir ohne Sturz.
In Arraba versorgen wir uns noch einmal mit Getränken, beschließen aber gleichzeitig, den Rest der Runde über die Straße nach Corvara abzuschließen. Es ist bereits später Nachmittag.
Allerdings müssen wir noch den Passo Campolongo überwinden, ehe wir um kurz nach 17.00 Uhr in unserem Hotel einrollen.
Abends laufen wir wieder ins Städtchen, trinken ein Bier in einem Straßencafé und finden uns dann erneut in der Pizzeria wieder, die wir schon von gestern kennen.
Sella Ronda
Entfernung: 57,51 km
Fahrzeit: 05:08:24/08:48:07
Höhenmeter: 785 m (ohne Seilbahnen)
Tiefenmeter: 3.352 m
Unterkunft: Hotel Miramonte, Corvara
Freitag, 28.08.2026
Die sechste Etappe: Corvara - Schabs
Auch heute verzichten wir auf das überteuerte Frühstück im Hotel Miramonte. Als wir gegen 8.00 Uhr starten, ist das Wetter regnerisch und verheißt noch mehr Regen für den Tag. Statt des Hotelfrühstücks fahren wir zum nächsten Örtchen Stern (deutsch) bzw. La Ila (ladinisch) oder La Villa (italienisch). Die Orte hier sind alle dreisprachig. In diesem Ort Stern haben wir eine schöne Bäckerei ausgemacht, die auch ein Cafe und eine Terrasse hat. Und tatsächlich bekommen wir hier nicht nur einen leckeren Cappuccino, sondern auch Croissants und belegte Vinschgauer Brötchen. So gestärkt starten wir frohgemut in den Tag.
Die Tour führt uns zunächst durch das Gader- bzw. Badiatal. Am Anfang sehr schön, auf einem Feldweg. Dann radeln wir wunderbar über einen Radweg am Rand des Tals, der allerdings nicht besonders gepflegt, eigentlich sogar gesperrt und ziemlich zugewachsen ist, teils sogar Wegabbrüche aufweist. Man glaubt nicht, dass man in Südtirol ist.
Dann müssen wir hinunter auf die stark befahrene Talstraße mit zahlreichen Tunnels. Zwar gibt es immer eine Umfahrung der Tunnels, die wir aber wegen Felsstürzen nicht immer nehmen können. Also müssen wir uns notgedrungen mit den zahlreichen Fahrzeugen durch die Tunnels bewegen, was weder für uns noch für die Autos ein Vergnügen ist, zumal mein Frontlicht und Winz' Rücklicht nicht funktionieren.
Irgendwann geht es dann doch wieder ab von der Hauptstraße. Ruhige Nebenstraßen führen uns zum Örtchen Ehrenburg mit einer mächtigen Burganlage. Hier müssen wir uns entscheiden, ob wir den leichteren, aber längeren Pustertalweg oder die Bergwertung über den 900-Meter-Anstieg durch den sog. Bannwald nehmen. Winz entscheidet sich für den wunderschönen, aber Höhenmeter-freien Pustertalweg, Tom, Norbert und ich wählen - wen wunderts - die Bergvariante.
Der Aufstieg beträgt insgesamt knapp 900 Meter, zunächst auf Straße, später auf gut befahrenem Schotter. Die Auffahrt ist anstrengend, aber nicht so wie die Anstiege vergangener Tage. Das Wetter hat sich übrigens sehr positiv entwickelt. Die befürchtete Regenfront ist an uns vorbeigezogen und die Sonne scheint bei 25 Grad vom blauen Himmel. Perfekt.
Nach 2 Stunden erreichen wir den Gipfel. Kurz darauf liegt ein wunderschönes Hofcafe am Wegesrand. Wir lassen uns nicht zweimal bitten und kehren ein. Bei Kaffee und Kuchen genießen wir die wunderschöne Aussicht auf das tief unter liegende Pustertal. Einmalig.
Dann geht es mit Volldampf abwärts in den Ort Mühlbach und anschließend in den Ort Schabs, wo unser heutiges Quartier, der Putzerhof liegt. Hier erwartet uns Winz bereits.
Die Wahl dieser Unterkunft stellt sich als Volltreffer heraus. Nicht nur dass das Hotel herausragend ist, hier können wir auch vorzüglich speisen und werden mit einer außergewöhnlichen Freundlichkeit bedient.
Corvara - Schabs
Entfernung: 62,27 km
Fahrzeit: 04:39:46/08:30:02
Höhenmeter: 785 m
Tiefenmeter: 3.352 m
Unterkunft: Hotel Putzerhof, Schabs
Samstag, 29.08.2026
Die siebte Etappe: Schabs - Innsbruck
Heute wird erst um 8.00 Uhr in unserem schönen Hotel in Schabs das Frühstück eröffnet. Wir sind bereits soweit abfahrbereit, als wir den Frühstücksraum betreten, um nachher gleich zu starten. Die Auswahl ist reichhaltig und sollte jedermann vollends befriedigen. Der Putzerhof ist rundum eine Empfehlung wert.
Nach dem reichhaltigen Frühstück starten wir um 9.00 Uhr. Heute ist unser letzter Tourtag aus dem Pustertal hinauf zum Brennerpass bis Innsbruck. Das Wetter ist wieder wie geschaffen für Radler. Sonnig und ca. 25 Grad.
Zunächst geht es ganz kurz über eine vielbefahrene Straße, um dann auf einen Radweg abzubiegen. Leider führt uns der Komoot-Track fälschlicherweise auf einen Bauernhof ohne Ausgang. Der leicht erzürnte Hofbewohner weist uns den „richtigen Radlweg“ unterhalb des Hofs und droht mit seinem Hunderl, der aber keine feindliche Absicht erkennen lässt. Nicht viel weiter kommt es zum nächsten Irrweg, eine - in diesem Fall wirklich sehr freundliche - Dame weist uns darauf hin, dass die eingeschlagene Route wegen Steinschlags nicht passierbar ist und wir besser auf dem „Radlweg“ an der Straße verkehren sollten. Dem Hinweis folgend kommen wir tatsächlich gut voran. Der "Radlweg" zum Brenner ist größtenteils sehr gut ausgebaut und asphaltiert. Die Steigung hält sich in Grenzen und ist den Anstiegen der letzten Tage nicht vergleichbar. Allerdings weht uns bald ein heftiger Gegenwind ins Gesicht, der den Aufstieg zusätzlich erschwert. Die Steigung ist bis auf zwei bissige Stücke erst einmal moderat.
Im schönen Städtchen Sterzing, ca. 15 Kilometer vor dem Brennerpass machen wir in einem Straßencafe in der Innenstadt Pause, um uns für den letzten Anstieg zu stärken.
Kurzfristig wird es dann etwas steiler, aber nichts, was uns aufhält. Wir sind immer noch auf dem gepflegten Radlweg. Wenige Kilometer vor der Grenze lacht uns eine kleine Gaststätte am Wegesrand an. Ein alkoholfreies Bier muss jetzt unbedingt sein.
Um 15.00 Uhr sind wir dann oben. Am Grenzstein zwischen Italien und Österreich, also zwischen Nord- und Südtirol, machen wir halt und schießen die unvermeidlichen Erinnerungsphotos.
Eigentlich müssen wir nun auf der Bundesstraße nur noch nach Innsbruck hinunterrollen, was locker in einer guten Stunde erledigt werden könnte. Weil wir das aber schon zweimal auf früheren Touren gemacht haben, wollen wir heute einmal über Radwege und Nebenstraßen fahren. Das stellt sich in der Tat als viel ruhiger und landschaftlich schöner heraus, birgt aber noch eine ganze Reihe von kleinen, teils steilen Anstiegen in sich. Die Strecke oberhalb des Tals bietet dafür phantastische Ausblicke.
Um 15.30 Uhr steigt mein Puls aus anderem Grund an. Die Bundesliga startet in die neue Saison und minge FC spielt gegen Hoffenheim. Insbesondere als Tom mir dann nach einiger Zeit die 1-0 Führung der Hoffenheimer mitteilt. Dann komme ich auf die Idee, während der Fahrt über mein Smartphone die Radioübertragung zu verfolgen. Meine Laune steigt im Laufe des Spiels immer mehr an, insbesondere als am Ende tatsächlich ein Sieg der Kölner herausspringt. Mit dem Gefühl des Überschwangs rollen wir kurz vor 18.00 Uhr in Innsbruck ein. Gerade noch rechtzeitig, um von der Wirtin des Hostels die Schlüssel für unser Zimmer überreicht zu bekommen.
Den Abend verbringen wir in einem Biergarten in der Innenstadt, heute mal etwas, nein viel länger als die letzten Tage.
Wir haben eine wunderschöne Tour ohne (größere) Schäden an Fahrern und Fahrrädern erfolgreich hinter uns gebracht. Wenn das kein Grund zu feiern ist.
Schabs - Innsbruck
Entfernung: 89,97 km
Fahrzeit: 05:48:04/08:41:08
Höhenmeter: 1.322 m
Tiefenmeter: 1.496 m
Unterkunft: Nepomuk's Backpackers Hostel Innsbruck
Sonntag, 30.08.2026
Die Abreise
Nach dem gestrigen ausgiebigen Feiern fällt das Aufstehen nicht leicht, zumal der Wecker bereits um 6.00 Uhr klingelt. Der Zug fährt um 7.14 Uhr ab Innsbruck Hauptbahnhof. Allerdings nur für Tom, Winz und mich. Norbert fährt mit einem späteren Zug zunächst zum Lago Maggiore, danach nach Antibes zu seiner Familie.
Dass wir schon so früh los müssen, haben wir der deutschen Bahn zu verdanken. Eigentlich sollte uns ein ICE direkt von Innsbruck in die Heimat bringen. Zwei Wochen vor der Tour erreichte uns aber die Mitteilung, dass dieser nicht fährt und wir uns eine Alternative suchen sollten. Schwierig, weil so kurzfristig Fahrradstellplätze in Fernzügen nicht mehr buchbar sind. Nach einigem Recherchieren stellte sich dann heraus, dass der gebuchte ICE erst ab Friedrichshafen fährt, weil hinter Lindau eine Baustelle die Strecke absperrt.
Für uns bedeutet das, dass wir irgendwie nach Friedrichshafen kommen müssen, und zwar so rechtzeitig, dass wir den gebuchten Zug erreichen. Die österreichische Bahn bringt uns bis Bregenz. Dort steigen wir auf unsere Räder und radeln bis Wasserburg, das zwischen Lindau und Friedrichshafen liegt. Das Wetter ist heute sehr schön und diese kleine Flachtour entlang des Bodensees ist nach der anstrengenden Woche richtig entspannend. Den Rest der Strecke erledigt dann noch eine Regionalbahn.
Der ICE fährt absolut pünktlich in Friedrichshafen ab und alles scheint zu unserer Freude zunächst glatt zu laufen. Winz muss sich in Mannheim verabschieden, um nach Trier umzusteigen.
Kaum ist er ausgestiegen, kommt vom Zugleiter die ernüchterne Durchsage, dass die Strecke zwischen Frankfurt und Köln wegen eines Stellwerkschadens gesperrt ist und der Zug umgeleitet werden muss. Zu allem Überfluss müssen wir in Frankfurt auch noch eine Stunde auf einen neuen Lokführer warten. Kurz vor Köln bleibt der Zug dann noch einmal lange Zeit stehen, weil es sich im Hauptbahnhof staut. Kurzum, als wir in Solingen ankommen, hat der Zug fast drei Stunden Verspätung angesammelt. Kleiner Trost: Morgen wird ein Erstattungsantrag gestellt, wodurch wir die Hälfte der ursprünglichen Ticketpreise zurückerhalten werden.