Checkliste für den kleinen Gabelservice
Für die Performance eines vollgefederten Mountainbikes ist naturgemäß die Federung von entscheidender Bedeutung. Deshalb sollte den federnden Teilen des Bikes eine besondere Beachtung entgegengebracht werden. Ich selbst werde dem dadurch gerecht, dass ich im Rahmen meines Frühjahrschecks einerseits alle zwei Jahre die Federlager öffne, säubere und neu schmiere und andererseits einen sog. "kleinen Gabelservice" durchführe. Der kleine Gabelservice unterscheidet sich vom großen Service dadurch, dass "nur" die Reinigung der Tauchrohre sowie der Austausch von Staubabstreifern, Schwammdichtungen und Schmierölen in den Tauchrohren stattfindet. Insgesamt soll die Gabel dadurch geschmeidig bleiben und weniger stark abgenutzt werden. Beim "großen Gabelservice" wird zusätzlich die Gabel völlig auseinander genommen und alle Teile überholt. Dies sollte man aber besser einem Fachbetrieb überlassen.
Im Folgenden habe ich eine Checkliste für den kleinen Service zusammengestellt, die auch ein einigermaßen geübter Laie gut bewältigen kann. Der Zeitaufwand liegt bei etwa 2 bis 2 1/2 Stunden.
In meinem Radon Fully ist eine Fox-Gabel Float 32 2016 mit FIT4-Dämpfung verbaut. Der dargestellte Ablauf bezieht sich dementsprechend auf diese Gabel, ist aber auch auf andere Modelle übertragbar. Allerdings unterscheiden sich die Art und Menge des einzufüllenden Öls, die Bauteile und Anzugsmomente. Deshalb sollte vorher überprüft werden, was bei der konkreten Gabel verwendet werden muss.
Benötigtes Zubehör
Wenn man nicht bereits ausgestattet ist, sollte man sich vor Beginn der Arbeiten mit dem benötigten Zubehör, Werkzeugen und Ersatzteilen versorgen. Dazu gehört zum einen das für seine Gabel passende Öl, ein Abstreiferset mit Dichtungen und Unterlegscheiben sowie ein Einschlagwerkzeug für die Montage der Abstreifringe. Ich kann nur dringend raten, die 20 Euro (Bike Discount) für dieses Werkzeug zu investieren. Ich habe es auch schon einmal mit einem selbstgebastelten Provisorium versucht, das hat nur so la-la hingehauen. Das Abstreiferkit besteht aus den beiden Abstreifringen, Schaumstoffringe und Unterlegscheiben für die Verschlussschrauben, Kosten ca. 25 Euro. Außerdem sollte eine Dämpferpumpe für das Ablassen und Füllen der Luft sowie verschiedene Nüsse, Inbusschlüssel und möglichst ein Drehmomentschlüssel vorhanden sein.
Das Öl ist modell- und herstellerabhängig. Bei Foxgabeln findet man auf der Internetseite tech.ridefox.com die Bezeichnung und Menge des zu verwendenden Schmierstoff. Bei meiner Gabel heißt das Öl "20wt. Gold Oil".
Die Gabel wird aus dem Fahrrad ausgebaut, ordentlich gereinigt und an einen Montageständer befestigt, zunächst "richtig herum". Die Luft wird mittels Dämpferpumpe oder durch Drücken des Ventilstifts vollständig aus der Luftkammer herausgelassen. Das Luftablassen ist enorm wichtig, weil andernfalls die Gefahr besteht, dass sich beim Öffnen der Gabel Teile lösen und umherfliegen.
Vor dem Ablassen kann man sich den vorhandenen Luftdruck merken, um ihn am Ende wiederherzustellen. Es wäre aber auch nicht falsch, nach dem Service die Gabel völlig neu einzustellen. Am Ende der Darstellung gibt es hierfür einige Tipps.
Das rote Einstellrad am unteren Ende der Dämpferseite (Rebound-Verstellung) wird abgeschraubt. Vorsicht: Das Schräubchen nicht ganz herausschrauben, sonst Gefahr des Verlustes. Sinnvollerweise wird die Position des Rades gemerkt, indem man die Anzahl der Klicks nach rechts (oder nach links) zählt. So kann das Rädchen später wieder so eingestellt werden, wie es zuvor war, wenn es am Ende nicht sowieso neu justiert wird.
Die äußeren Gabelschafte sind mittels Schrauben am unteren Ende der Gabel an Luftkammer (links) und Dämpferkammer (rechts) befestigt. Die Schrauben werden in meinem Fall beidseitig mit einer 10er Nuss geöffnet (in anderen Fällen auch mit 5er-Inbus-Schlüssel) und sodann mit wenigen Umdrehungen wieder leicht aufgeschraubt. Ratsam wäre es, sich beim Abschrauben zu merken, welche Unterlegscheiben bzw. Dichtungen an welcher Stelle verwendet werden; neue befinden sich im Service-Kit, die alten werden entsorgt. Auf die aufgesetzte Nuss wird ein Brettchen gelegt (um die Bits und Schrauben zu schonen); mittels Gummihammer-Schlag werden die beiden Schaftseiten dann vorsichtig gelöst.
Vorsicht: Die Gabel sollte dabei kopfüber an dem Ständer hängen, da sonst das innen befindliche Öl ausläuft.
Die Gabel wird nun nach unten gedreht, so dass das Öl auslaufen kann. Zu diesem Zweck wird vor dem Umdrehen der Gabel ein Eimer über die Gabel gestülpt. Die Gabelschafte werden abgezogen und in den Eimer gestellt, damit das Öl ablaufen kann. Die Schafte werden sodann außen und innen gründlich mit Alkohol, Bremsenreiniger o.ä. gereinigt.
Vorsicht: Mit Bremsreiniger nicht an Gummidichtungen kommen.
Mit einer 26er Nuss oder einem Maulschlüssel wird die Luftkammer (Schaftseite mit dem Ventil) geöffnet. Das vorhandene Öl wird ausgeschüttet, die Spacer werden her-ausgenommen, sie und die Kammer werden sauber gewischt.
In die Luftkammer wird 3ml des Öls eingefüllt und die Spacer werden wieder eingeführt. Die Kammer wird sodann zugeschraubt (Drehmoment 25 NM).
Nun werden die oben befindlichen Abstreifer/Dichtungen an den Schaften ausgetauscht. Die neuen Schaumgummiringe des Abstreifkits werden zunächst in etwas Öl gut getränkt.
Dann werden die alten Abstreifringe mit einem Maulschlüssel vorsichtig herausgehoben und zusammen mit den alten Schaumstoffringen entfernt. Die nun offenen Ränder werden mit Bremsenreiniger gereinigt.
Die neuen Abstreifer werden zum besseren Flutschen mit Öl beschmiert und mit einem Spezialwerkzeug und Gummihammer eingeschlagen, bis sie plan auf dem Gabelende aufliegen. Die eingelegten Ringe werden in die vorgesehene Nut unterhalb der Abstreifer eingebracht.
Vor dem Aufbringen wird zunächst der SAG-Ring auf das rechte Tauchrohr gesteckt. Die Abstreifringe werden innen mit etwas Öl bestrichen, dann kann man die Tauchrohre besser aufschieben. Die Tauchrohre werden in die Schafte eingeschoben, bis die beiden Stifte aus den unteren Löchern herausschauen. Die Gabel wird wieder kopfüber an den Ständer befestigt.
Sodann wird das Gabelöl eingefüllt. Die Luftseite erhält 25 ml des Öls, die Dämpferseite 15 ml.
Die beiden Schafte werden nun mit den beiden Schräubchen (6 NM) angeschraubt.
Achtung: nicht vergessen, zuvor die neuen Dichtungsringe auf die Schrauben zu schieben. Anschließend die Gabelenden noch einmal gründlich reinigen.
Das rote Einstellrädchen wird wieder in die ursprüngliche Position gebracht. Die Luftkammer wird mit dem vorher eingestellten bzw. dem passenden Druck aufgepumpt.
Achtung: Empfehlenswert ist es, die Gabel vor dem Aufpumpen ganz zusammenzudrücken, damit sich möglichst wenig Luft in der Luftkammer befindet.
Der Service ist abgeschlossen. Die Gabel kann wieder in den Rahmen eingesetzt werden. Gute Gelegenheit, dabei gleich auch den Vorbau und die Gabellager zu checken, zu reinigen und zu schmieren.
Der sog. Sag, also der Abstand, den die Gabel bei Aufsitzen auf das Rad einsackt (= Federhärte) soll ca. 20-25% des gesamten Federwegs sein. Meine Gabel hat einen Federweg von 120 mm, so dass der Sag etwa 2,5-3,0 cm betragen sollte. Diese Federhärte kann ermittelt werden, indem man sich vorsichtigs auf das Rad im Stand setzt, ohne bewusst einzufedern. Die Gabel wird eingestellt, indem man sich durch Aufpumpen an den richtigen Wert herantastet.
Der Rebound (= Zugstufe) wird durch Drehen des roten Einstellrads eingestellt, bis sich das Vorderrad beim Einfedern gerade nicht mehr vom Boden abhebt, wenn man die Gabel etwa zur Hälfte herunterdrückt und loslässt. Gewünscht ist ein gleichmäßig schnelles Ausfedern. Je weiter das Rädchen nach + gedreht wird, desto langsamer federt die Gabel aus.
Die Druckstufe des Dämpfers wird am oberen Einstellrad (rechte Gabelseite) eingestellt. Das hängt sehr vom bevorzugten Gelände ab; je offener der Dämpfer ist, desto mehr gibt er nach. Ich selbst nutze eine mittlere Position.
Wenn die Gabel oft zu hoch einfedert, kann man die Anzahl der Klötzchen (Volume Spacer) in der Luftkammer erhöhen, je mehr Klötzchen, desto härter ist die Federung.
Stand: 18.01.2026