Alpen Extra 2026 Mont Ventoux
Bésoin - Malaucène - Sault
14.05. - 16.05.2026
181 km, 5.593 Höhenmeter
Wahrscheinlich werden die meisten halbwegs sportlich agierenden Radlfahrenden davon träumen, einen oder mehrere der legendärsten Berge einmal gefahren zu haben. Zu diesen Auffahrten zählen etwa Alpe d`Huez, Tourmalet, Stilfser Joch und Gaviapass und in ganz besonderer Weise der "Riese der Provence", der Mont Ventoux. Gaviapass und Stilfser Joch haben wir im Rahmen unserer Alpencrosse bereits einmal gemacht, den Tourmalet habe ich im Rahmen eines Südfrankreichurlaubs erklommen. Deshalb sollte in diesem Jahr der Mont Ventoux dran glauben, von Kelten veehrt und von Mythen umrankt. Der Gipfel kann über drei Zufahrten erreicht werden: der Klassiker von Bésoin, die Strecke über Malaucène und die Fahrt über das hübsche Örtchen Sault. Alle drei sind Straßenauffahrten mit mehr oder weniger steilen Passagen. In Summe peilen wir 5.600 Höhenmeter in drei Tagen an.
Mit von der Partie sind Tom und Frank. Beide waren bereits vor zwei Jahren gemeinsam dort und wollen das tolle Erlebnis noch einmal mit mir teilen. Eigentlich verrückt: Wir fahren am 13. Mai mit dem Auto mal eben 1.000 Kilometer runter in die Provence, radeln an drei Tagen auf den Berg und kommen am 5. Tag wieder retour. Crazy, aber auch einmalig.
Wir haben uns in ein sehr nettes kleines Hotel oberhalb von Bédoin eingemietet mit reichhaltigem Frühstück und gutem, recht günstigem Abendessen. Das Haus liegt unmittelbar an der Auffahrt zum Mont Ventoux, schon morgens sieht man am Frühstückstisch die ersten Radler nach oben ziehen, ehe man sich selbst in den Zug einreiht.
Unterkunft:
Restaurant- Bar-Hôtel Le Guintrand
3807 Route du Mont-Ventoux
Hameau de Sainte Colombe
84410 Bédoin
Donnerstag, 14.05.2026
Die erste Etappe: Bédoin - Mont Ventoux - Malaucène - Bédoin
Unser erster MV-Tag. Frühstück gibt es ab 8.00 Uhr. Punkt 8.00 sitzen Tom und ich am Frühstückstisch. Das Angebot ist für ein französisches 2-Sterne-Hotel bombastisch. Croissants, Baguette, O-Saft, Kaffee, Ei, Marmelade, Aufschnitt, Joghurt. Wir schlagen ordentlich zu und schaffen eine gute Grundlage für unsere erste Etappe. Schon am Frühstückstisch sehen wir zahlreiche Radler wie an einer Perlenkette an unserer Unterkunft vorbeiziehen in Richtung Ventoux.
Eigentlich wollen wir um 10.00 Uhr losdüsen. Doch Frank braucht etwas länger, bis er alles bereitet und seine Pedalen gewechselt hat. Egal, wir haben ja Zeit. Also geht es eine Viertel Stunde später los. Das Wetter ist bewölkt, trocken und etwa 11 Grad.
Das Hotel liegt etwas oberhalb von Bédoin, unmittelbar an der Straße, die zum Mont Ventoux führt. Das bedeutet, kein Warmlaufen, sondern direkter Einstieg in eine ordentliche Steigung. Schon bald merke ich, dass ich heute irgendwie nicht gut in Form bin. Bereits die ersten 200 Höhenmeter fallen mir schwer. Ich falle zurück und zweifele daran, ob ich das heute wirklich alles schaffe. Immerhin stehen heute 1.700 Höhenmeter auf dem Programm. Ich erinnere mich an mein bewährtes Alpencrossmotto: "Alles Kopfsache!", also durchhalten. Ich kämpfe mich brav weiter. Freundlicherweise wartet Tom alle 200 Höhenmeter auf mich. Zusammen kommen wir um halb eins bei unserem Zwischenziel, dem Châlet Reynard, einem viel besuchten Lokal auf 1.400 Meter Höhe an. Hier wird erst einmal Pause gemacht. Es herrscht ordentlich Betrieb, meist Radler, die entweder von oben herunter kommen oder noch - wie wir - herauf wollen.
Von hier aus sind es noch knapp 500 Meter zum Gipfel. Wir genehmigen uns einen Kaffee und quatschen ein wenig mit anderen Radlern. Wir erfahren, dass es oben ziemlich kalt ist und sogar schneit. Frank war schon ganz früh voraus gefahren, hat bereits den Gipfel erreicht und kommt zurück, um mit uns noch einmal hochzufahren. Der Jeck.
Bevor es weitergeht, ziehe ich mir angesichts der ausgesprochenen Warnungen eine lange Hose und eine wärmere Jacke an, die ich im Rucksack mitgenommen habe. Es ist tatsächlich ziemlich kühl geworden. Der Kaffee hat scheinbar Kräfte bei mir freigesetzt, jedenfalls läuft es bei mir ab jetzt viel besser. Je höher wir kommen, desto kälter wird es. Dann fängt es an zu schneien. Kurz vor dem Gipfel passieren wir das Denkmal des hier gestorbenen Tour-de-France-Fahrers Tom Simpson. Kaum sind wir oben angekommen, wandelt sich der leichte Schneefall in einen sehr unangenehmen Schneesturm. Schnell ein paar Fotos gemacht und ab nach unten in den Ort Malaucène, der auf der anderen Seite des Passes liegt. Die Fahrt ist zunächst ziemlich schwierig, weil der Schnee eine dicke Schicht auf der Straße gebildet hat. Mit meinen dünnen Gravelreifen muss ich echt aufpassen. Aber noch unangenehmer ist der durch den starken Wind getriebene Schnee, der mir wie kleine Geschosse heftig ins Gesicht peitscht. Zudem bin ich inzwischen klatschnass und friere. Durch den Fahrtwind wird die Kälte noch unangenehmer.
Irgendwann erreichen wir dann den Ort Malaucène. Hier ist es schön warm und die Sonne scheint. Schon seltsam, wie unterschiedlich das Wetter auf wenige Kilometer Entfernung ist. Wir setzen uns auf die Terrasse einer Patisserie und genießen einen Kaffee mit Törtchen und Croissant.
Danach haben wir noch 17 Kilometer und 300 Höhenmeter vor uns, die wir aber bei schönem Wetter hinter uns bringen können. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir endlich unser Hotel. Zum Ausdampfen bestellen wir uns auf der Terrasse ein Tourabschlussbier.
Um 19.30 Uhr gibt es Abendessen. Menü mit drei Gängen. Wir bestellen uns einen regionalen Wein dazu und lassen den Tag gemütlich ausklingen. Um 22.00 Uhr werfen wir uns ermattet in die Betten.
Tag 1 Auffahrt von Bédoin
Entfernung: 55,71 km
Fahrzeit: 04:31:25 (in Bewegung)/05:42:58 (Gesamtzeit)
Höhenmeter: 1.829 m
Kalorienverbrauch: 3.010
Freitag, 15.05.2026
Die zweite Etappe: Bédoin-Malaucène-Ventoux-Bédoin
Heute der 2. Tag und die zweite Auffahrt zum Mont Ventoux, und zwar über Malaucène, genau andersherum wie gestern. Nach dem Frühstück fahren Tom und ich los. Frank kommt später nach, ist ja eh schneller als wir.
Gleich nach dem Start - noch in Bédoin - passiert mir ein kleines Malheur. An meinem Rad löst sich der Ring, der die Kassette hält. Das passende Werkzeug habe ich logischerweise nicht bei der Hand, so suche ich den nächsten Fahrradladen auf, aber der glücklicherweise gleich nebenan liegt. Die sind so nett und fixen für einen kleinen Tip die Kassette in wenigen Minuten. Allerdings musste ein verbogener Distanzring entfernt werden und dadurch hat sich die Schaltung verstellt. Trotz verschiedener Versuche kann ich die Schaltung nicht richten, der kleinste Gang lässt sich nicht mehr verwenden. Muss ich zu Hause in Ruhe einstellen.
Weiter geht`s. Zunächst müssen wir ein paar kleinere Steigungen bewältigen. Nun hat es angefangen zu regnen. Nach einer halben Stunde erreichen wir Malaucène, wo der Aufstieg beginnt. Glücklicherweise hat es erst einmal aufgehört zu regnen.
Von hier müssen wir rund 1.500 Höhenmeter zum Gipfel überwinden. Zunächst ist die Steigung halbwegs moderat, später wird es steiler. Bei den ganz steilen Stücken vermisse ich schon meinen kleinsten Gang. Aber hilft nichts, ich muss durch und es geht.
Mit jedem Höhenmeter wird es merklich kühler, so dass ich mir immer mehr anziehe. Um etwa 14.00 Uhr erreichen wir ein Restaurant, das uns regelrecht anzieht. Nix wie rein, aufwärmen und stärken. Es ist ziemlich voll und nach einer kleinen Ewigkeit kommt ein Keller vorbei. Wir bestellen Crêpe, leider heute nicht verfügbar. Der Kellner bietet uns etwas mit Brioche an, das nehmen wir. Mit einem Milchkaffee.
Irgendwann taucht auch Frank auf. Gemeinsam machen wir uns auf die letzten 450 Höhenmeter. Es wird immer kühler, nebeliger, bleibt aber trocken. Um 16.30 Uhr sind wir endlich oben. Hier ist es unter 0 Grad und unangenehm windig. Nichts um länger zu verweilen, zumal die Sicht völlig vernebelt ist. Wir ziehen uns noch eine Lage Klamotten mehr an und rauschen ab nach unten. Jetzt geht es nur noch abwärts bis zum Hotel. Um viertel nach 5 sind wir da. Nach dem obligatorischen Tourabschlussbier wird wohlig geduscht.
Gegen 19.30 Uhr laufen wir zu einem sehr schönen Restaurant im Nachbarort und speisen vorzüglich.
Tag 2 Auffahrt von Malaucène
Entfernung: 55,32 km
Fahrzeit: 04:21:27 (in Bewegung)/05:44:12 (Gesamtzeit)
Höhenmeter: 1.759 m
Kalorienverbrauch: 2.516
Samstag, 16.05.2026
Die dritte Etappe
Der dritte Tag unseres Mont-Ventoux-Abenteuers. Nach dem gewohnt guten Frühstück ziehen wir los. Die heutige Strecke geht über das Örtchen Sault. Tom und ich starten um 09.30 Uhr, Frank kommt nach. Das Wetter ist sonnig, aber nicht sehr warm und so soll es auch den ganzen Tag bleiben.
Dazu müssen wir aber erst einen 600 Meter hohen Hügel überwinden. Die Steigung ist moderat und der Weg führt durch ein wunderschönes, ruhiges Waldgebiet. Anders als an den Tagen zuvor ist hier kaum etwas los. Nur selten andere Radler und fast keine Autos. Nach rund zwei Stunden erreichen wir dann eine größere Straße, der wir bis nach Sault folgen. Ein sehr schönes kleines Städtchen, das von Horden von Rad- und Motorradfahrern regelrecht überquillt. Wir finden ein schönes Restaurant und setzen uns auf die Terrasse, von der man einen herrlichen Blick über breite Tal hat. Nicht nur wegen dieses hübschen Örtchens ist diese Strecke nach meinem Eindruck die schönste der drei Auffahrten, sondern auch deshalb, weil es viel durch Waldgebiete geht und es weniger Verkehr gibt. Oder einfach deshalb, weil das Wetter heute so herrlich ist.
Dann müssen wir weiter. Es ist schon nach 13.00 Uhr und haben noch 44 Kilometer vor uns. Nun beginnt der lange Aufstieg zum Mont Ventoux. Die ersten 6 Kilometer steigen nur moderat an, so dass ich trotz fehlendem kleinsten Gang gut fahren kann.
Mit jedem Kilometer wird es kühler. Ich tausche das dünne gelbe Radshirt mit einer wärmeren Jacke aus. So geht es bis auf etwa 1.450 Meter Höhe, wo das Châlet Reynard alle Radfahrende anzieht. Das Lokal kennen wir schon vom ersten Tag, hier treffen sich die Auffahrten von Bésoin und Sault. Ich esse eine Crêpe und bestelle dazu eine Cola. Meine Trinkflasche ist leer, ich habe trotz der Kühle ordentlich Durst - und der letzte schwere Anstieg folgt ja noch. Also fülle ich die Flasche noch einmal mit Wasser nach, bevor es weitergeht.
Frank ist wieder vorgefahren und kommt uns nun entgegen. Er war schon oben und warnt uns vor dem starken Wind. "Wir bekommen heute nichts geschenkt." meint er lakonisch.
Es sind jetzt noch knapp 500 Höhenmeter, allerdings durchgängig mit einer etwa 10 bis 12 Grad Steigung. Ich komme an meine Grenzen, da mir der kleine Gang fehlt. Mindestens genauso anstrengend ist der Kampf gegen den starken und kalten Wind. Ich muss öfter als gewöhnlich einfach mal stehen bleiben und ausschnaufen. 50 Höhenmeter vor dem Gipfel, ich mache gerade wieder einen kleinen Stopp, holen Tom und Frank mich ein. Gemeinsam kämpfen wir uns die letzten Meter hoch.
Oben ist die Hölle los. Radfahrer, Motorradfahrer und Leute, die mit dem Auto hochgekommen sind, drängen sich auf der Plattform. Trotz des herrlichen Sonnenscheins ist es bitter kalt, insbesondere durch den Wind. Franks App klärt uns auf, dass es minus 1 Grad kalt ist, gefühlt aber minus 11. Zur Erinnerung an dieses einmalige Erlebnis kaufe ich mir in dem Andenkenladen, der im Gegensatz zu den letzten Tagen heute geöffnet hat, einen dieser kleinen Kilometersteine mit der Aufschrift "D 974 Mont Ventoux".
Dann fahren wir abwärts, nicht ohne dass ich mir eine weitere Jacke gegen den bitterkalten Fahrtwind übergezogen habe. 17 Kilometer bergab. Sehr vorsichtig, weil immer wieder Windböen das Gleichgewicht auf dem Rad ins Wanken bringen. Um 18.00 Uhr treffen wir bei unserem Hotel ein. Wir gönnen uns erst einmal ein Tourabschlussbier auf der Terrasse, ehe wir duschen und uns für das Abendessen fertig machen.
Dieses nehmen wir im Hotel ein, drei Gänge dazu zwei Flaschen des leckeren örtlichen Rotweins.
Tag 3 Auffahrt von Sault
Entfernung: 69,93 km
Fahrzeit: 05:08:27 (in Bewegung)/06:49:05 (Gesamtzeit)
Höhenmeter: 2.005 m
Kalorienverbrauch: 3.028