Heute touren wir entlang der malerischen Nordküste, und weil man von Leuchttürmen nie genug gesehen haben kann, machen wir hinter Strathy einen spontanen und ungeplanten Abstecher zum Lighthouse at Strathy Point.
Bevor wir den Kyle of Tongue überqueren gibt's erstmal wieder einen Kaffee. Das WEAVERS erscheint hierfür als ein geeigneter Ort und bietet mit dem Blick von der hinteren Terrasse auf den Kyle eine tolle Aussicht.
Am SMOO CAVE HOTEL machen wir dann Halt für einen herzhaften Snack in deren Gaststube!
Nicht weit davon entfernt befindet sich das Balnakeil Craft Village, das im Vorfeld einzig wegen des COCOA MOUNTAIN, einer Schokoladen-Manufaktur, unsere Aufmerksamkeit erregte.
Wenige Meter weiter ist der BALNAKEIL BEACH erreicht, an dem wir einen ausgiebigen Spaziergang machen.
Ab hier wird die Strecke für Tage einfach traumhaft! Vorwärts geht es fast ausschließlich noch auf single file roads, alle paar Meter mit passing places versehen, ausdrücklich beschildert, um sowohl entgegenkommenden Verkehr passieren als auch Nachfolgende überholen zu lassen. Letzteres klappt meist sogar richtig gut! ;-)
Blind summits - kurze, scharfe Kuppen - sowie Kurven ohne Ende: beides macht ein Einsehen des weiteren Straßenverlaufs schwierig, zuweilen auch unmöglich.
Man kann sich nicht sattsehen!
Zwischen SCOURIE und Ullapool dann der Schrei der zweitbesten Ehefrau von allen*: "Anhalten!". An einer Brücke über einen See parkt bereits das Auto eines anderen Fahrers mit scharfem Auge, und seit Kanada weiß man: Wo in der Wildnis Autos am Straßenrand herumstehen, gibt es etwas zu sehen! Im sumpfigen Uferbereich grast ein Hirsch! Ausgiebiges Beobachten ist angesagt.
Hinter ULLAPOOL verlassen wir die A894 und der weitere Straßenverlauf wird noch enger. Um diese Zeit etwa machen wir dann auch einen nahezu verhängnisvollen Fehler, was uns allerdings auch urlaubs- und erinnerungsbereichernde Erlebnisse bescheren wird: Wir haben nicht mehr getankt! 50% der Mannschaft sind wegen vermeintlich noch großzügiger Anzeige extrem entspannt, die anderen 50% stellen dieses Grundgefühl wegen mittlerweile dauerhaft refill ausweisender Anzeige wenigstens infrage!
Da es eh eigentlich keine Alternativen zur Weiterfahrt nach Lochinver gibt - zurückfahren bis nach Scourie wäre die einzige! - tun wir genau das!
Endlich erreichen wir in der Nähe von STOER unsere Unterkunft. Bei den erstgenannten 50% kommen erste Zweifel an der Richtigkeit der Einschätzung der Situation, die anderen 50% beschließen endgültig, den Versuch nicht zu unternehmen, nun 7,5 Meilen nach Lochinver zum Essen zu fahren, anschließend wieder zurück und dann am nächsten Morgen erneut dorthin - die Befragung unserer Gastgeber ergab, dass die Tankstelle dort heute bereits geschlossen sei.
...und dann waren da ja noch die 4 Meilen hinaus zum Stoer Lighthouse...
Durch die Verweigerungshaltung vereinbaren wir, uns zu trennen - Schokolade und Kekse als Abendbrot sind nicht für alle die Wunschvorstellung!
Die gegebene Situation so nicht akzeptierend, wird im Gehen unser Gastgeber erneut befragt, ob er jemanden kennt, der vielleicht einen Kanister Sprit im Keller bunkert. Kopfschütteln - nach einigem Zögern der Tip: "Two miles down the road - ask 'The Lady in the Blue Van'! She knows everything."
Im Hinterkopf noch die Frage umherwälzend, ob wir essen gehen und dann etwas mitbringen, nur etwas holen gehen oder beim Blue Van ein paar Hot Dogs oder Burger besorgen - was bei dem Essensangebot in dieser Gegend eine Schande wäre! - stellt sich der Blue Van als eine Imbissbude auf der Wiese neben der Straße inmitten von Irgendwo heraus (Flossie's Beach Store). In der Hoffnung, hier eine Information zu erhalten, wird der junge Wurstbräter hinter der Ausgabe befragt: "I was told you know everything! ...".
An ihn ist diese Anspielung allerdings verloren, denn er ist nur die Aushilfe. Der Herr des Hauses erscheint, nächster Versuch! ...und er verschwindet wortlos um die Ecke der Imbissbude... und kehrt mit einem Zehn-Liter-Kanister zurück, den er uns in die Hand drückt!
Auf die Frage, was er dafür haben will und ob er noch einen Trichter hat, legt er noch ebenjenen und einige Putzlappen drauf, während aus dem Off nun endlich "The Lady" auftaucht, die hier anscheinend die Preise macht. Für Handgeld und mit dem Versprechen, in 20 Minuten mit Kanister und Trichter wieder da zu sein, nimmt - quasi als Beruhigungspille und Nachweis unserer Rückkehrabsichten und auf einen Cappuccino - die zweitbeste Ehefrau von allen in der Abendsonne Platz, während der Kanister vorm Beifahrersitz verstaut den Rückweg antritt.
Der andere Teil der Reisegruppe, der im Salon erwartet worden wäre, hat sich bereits zu einem Spaziergang aufgemacht und ist nicht schlecht überrascht, als ihm nach so kurzer Zeit eine Else entgegenkommt. Als der Blick auf den Kanister fällt, bricht lautes Gelächter aus.
Das Umfüllen des Treibstoffs stellt uns noch vor eine ernsthafte Aufgabe, da der Scottish sized Trichter die Sache etwas erschwert. Als wir schon dabei sind, beschließen wir, auch der anderen Else ein Literchen zu gönnen.
Zurück am Blue Van bedanken wir uns ausgiebigst und führen die Mannschaft wieder zusammen.
Die Lady in the Blue Van ist hier in der Gegend die Mutti für alles: Sie kennt jeden, sie weiß alles, sie organisiert alles! Mit den Jahren ist das Angebot von Burgern ausgeweitet worden auf Fahrradflickzeug, die Vermittlung von Automechanikern und Ferienhäusern für gestrandete Touristen, das Gästezimmer in ihrem Haus hält sie immer frei für Notfälle und selbst einen Liter laktosefreie Milch können wir erstehen.
Endlich in LOCHINVER, hat unser Wunschziel, das LOCHINVER LARDER, natürlich längst zu. Das direkt nebenan liegende THE CABERFEIDH gewährt nach Rücksprache mit dem Koch noch Einlass!
Nach einem ereignisreichen Tag sind wir erst recht spät im Bett...