Als wir morgens losfahren, stellen wir fest, dass unsere geplante Route die Richtung nimmt, von der uns gestern ein Biker abgeraten hat. Da kämen wir nicht weit. Ein älterer Herr im Hotel hat uns just diese Route heute Morgen empfohlen, er scheint unsere Wägelchen etwas zu überschätzen. Wir probieren es trotzdem. Die gestrige Passstrecke war dagegen ein Ponyhof!
An einer Stelle müssen wir einen Jeep vorbeilassen, der uns im Vorbeifahren wild gestikulierend zu verstehen gibt: "No impossibol to continü!" Aber Mr. Jeep scheint uns wiederum etwas zu unterschätzen. ;-)
Wir denken tatsächlich einen Moment darüber nach umzukehren, entscheiden uns dann aber doch dagegen, da es außer der weißen Straße, die es planmäßig von da aus weitergehen soll, alternativ auch eine gelbe gibt. Das war allerdings nur ein Lesefehler durch das Overlay der gpx-Route: der Plan ist tatsächlich ab der Passhöhe auch eine gelbe. Bis dahin ist die Straße allerdings wirklich nur etwas für die hartgesottensten unter den Offroad-Liebhabern! Wir arbeiten uns langsam und vorsichtig zum Colle d'Esischie vor, dahinter wird die Straße tatsächlich befahrbar!
Wendepunkt!
Wir entscheiden uns - bereits östl. des Colle d'Esischie - wider besseren Wissens für die Fahrt über den Colle dei Morti!
Colle del Vallonetto
Colle dei Morti / Colle Fauniera
Colle Valcavera
Im weiteren Verlauf wird die Straße an zwei Stellen zur Einbahnstraße, was für den Nord-Süd-Verkehr - also uns! - bedeutet, auf einen provisorischen, großzügig mit Felsbrocken abgestreuten Feldweg ausweichen zu müssen.
Colle di Caccia
Zurück in der Zivilisation geht es über den Col de Larche / Colle della Maddalena zurück nach Frankreich. Die italienische Seite ist in allen Belangen etwas langweilig - aber es gibt nochmal einen guten Caffè - aber auf der anderen Seite macht sie Spaß.
Von Jausier aus wird die Straße sensationell! Die Fahrt hoch vorbei am Col de Restefond zum Col de la Bonette ist Wahnsinn! Die Abfahrt Richtung Süden ist hier und da etwas holprig, alles in allem sehr schön und führt über den Col de Raspaillon. Auch der "Zubringer" über Isola ist erstaunlich schön: wunderbar glatter Asphalt durch ein Hochtal, schön abzuwedeln. Dann geht es mit einer Handbremseinlage auf einem Briefumschlag um 180° gewendet in eine klitzekleine Gasse, die zum Col de la Couillole hinaufführt, die M30, die tatsächlich die offizielle Route des Grandes Alpes ist: Ein wirklich würdiger Abschluss für den heutigen Tag! Bordeaux-roter Schiefer wächst senkrecht direkt aus der Straße, die einfach wunderschön ist!!
Col de Sainte-Anne
Wir fahren bis Valberg, da es in unserem Wunschort Beuil nur zwei Hotels gibt, die uns aus verschiedenen Gründen eher nicht zusagen.
Das Vallée Blanche gefällt im ersten Moment nicht allen, doch während wir noch bei einigen Kühlen auf der Terrasse sitzen, wechselt der nette Herr von der Rezeption plötzlich in ein Küchenkostüm und zaubert uns eins der besten Menüs der ganzen Fahrt! Nach dem Essen erscheint er noch mit fünf Gläschen und einer Flasche selbst angesetztem Rhum-Digestif, und der Abend ist endgültig unser Freund!