Wir sind einigermaßen früh beim Frühstück verabredet, da die "Belegungsampel" sagt, dass es nach 8°° voll wird. So sind wir zeitig mit allem fertig und können die Einfahrt in den Tynemouth an Deck beobachten.
Als wir dem Fähranleger näherkommen, gibt es die erwartete Lautsprecherdurchsage für die "Fahrzeugführer", und wir machen uns unter Deck. Auf dem Deck des Fußgänger-Ein- und Ausstiegs, über dessen Treppen auch wir von unseren Kabinen zum Autodeck müssen, steht das Volk mit Koffern und Taschen, versperrt Wege und Treppen und hat offenbar Sorge, die Fähre fährt mit ihnen wieder zurück.
Nach kurzer Entladung tieferer Decks mit LKW und Campern fährt unsere Zwischenrampe hinunter und wir rollen von Bord. Wir bringen die Einreisekontrolle hinter uns und stürzen uns ins überwiegend rechtsgesteuerte Getümmel.
Als erstes steht Tanken und Geldaufsammeln auf dem Programm. Ersteres funktioniert, der Co-op-ATM verschmäht allerdings unsere Karten.
In einem nahegelegenen Shopping-Center soll es laut Karte einen Starbucks geben, an der eingezeichneten Stelle ist davon jedoch nichts zu sehen, ein Stück weiter ist immerhin Costa.
Nun geht es endgültig los!
Das Wetter ist durchwachsen, es ist kühl, bald darauf beginnt es zu nieseln - so, dachten wir, würde es werden in Schottland!
Schon die ersten schmalen Gassen vermitteln den Eindruck eines Britanniens aus dem Bilderbuch: hecken- und mauerngesäumte schmale Straßen, kein Haus, das nicht aus dem typischen Stein gemauert wäre.
Auf der A68 geht es gen Schottland: Auf der Passhöhe Carter Bay ist die Grenze erreicht, markiert durch einen mächtigen Stein. Wind, Regen von der Seite.
Bei Jedburgh verlassen wir kurz die Hauptstraße, bei dem Wetter und dem Weg vor uns hat aber niemand so richtig Lust auf eine Besichtigung der ABBEY.
Bei Melrose biegen wir ebenfalls noch einmal kurz ab, im Gegensatz zur Jedburgh Abbey kann man die MELROSE ABBEY allerdings von der Straße aus nicht einmal sehen. Es ist voll, gibt keine Parkplätze, es nieselt - Lieschen bekommt Temperatur, der Lüfter beginnt sich zu drehen, heftiges Winken aus dem zweiten Fahrzeug: Es dampft heftig hinter der Heckscheibe, Elisabeth spuckt mal wieder ihr Wasser aus. Wir steuern einen Bankautomaten an und beschließen, eine Pause zu machen. ABBEY FINE WINES bietet im hinteren Bereich noch einen Coffee Shop und bildet somit unsere erste zünftige Begegnung mit Schottland!
Kurz vor Verlassen des Ortes geht die Temperatur heftig rauf. Links (!) ran, Deckel auf, Ausgleichsbehälter leer. Es schüttet mittlerweile. Also wiedermal eine Rettungsaktion: Wasser kaufen gehen!
Zweieinhalb Liter passen in ihren Bauch, dann geht es unter ständiger Kontrolle der Temperatur vorsichtig weiter. - Um es kurz Vorwegzunehmen: Das war es dann für den restlichen Urlaub, das Problem tauchte nie wieder auf! (s. Kroatien 2017)
Nicht weit vor Edinburgh verlassen wir erneut die A68. Zwischen Humbie und Pancaitland liegt die erste Whiskydestille auf unserer Reise: die GLENKINCHIE DISTILLERY. Wir kommen gerade noch recht, in wenigen Minuten beginnt eine Führung, und es wird wohl die letzte des Tages sein. Brian erläutert uns alles, was man über das Whiskybrennen und vieles, das man über Glenkinchie wissen muss. Eine kleine Probe gibt es auch noch - der Beginn unseres Schottlandurlaubes ist fast komplett.
Wir machen noch den Hopser nach Edinburgh und finden unser vorgebuchtes Hotel. Parkplätze gibt es keine, an der Straße sind alles ausgewiesene Anwohnerparkplätze und wir werden gewarnt. Empfohlen wird ein Parkhaus zwei Ecken weiter, dem wir nach schnellem Bezug unserer Zimmer die Wagen anvertrauen.
Zwischenzeitlich hatten wir in einem Restaurant einen Tisch vorbestellt, jetzt stehen wir in strömendem Regen am Straßenrand im Irgendwo und versuchen, ein Taxi zu ergattern - bei diesem Wetter alle belegt. Das Restaurant zu Fuß pünktlich erreichen zu wollen ist illusorisch, doch es bleibt uns nichts anderes übrig, als loszulaufen.
Natürlich kommen wir zu spät, nach einer Viertelstunde war unser Platz an diesem Samstagabend bereits weitervergeben. Demotiviert, nass von Schweiß und Regen (Edinburgh kann hier und da steil sein, und kalt ist es im Moment nicht), machen wir uns auf die Suche nach einer Alternative.
Als wir uns zwischen einigen Pubs entscheiden wollen (die allerdings meist auch keine Plätze mehr zu vergeben haben oder uns nicht spontan hinreißen), stolpern wir in einer Nebenstraße über ein Lokal, das schon bei der Tourvorbereitung auffällig, aber nicht weiter in Betracht gezogen wurde, da es ja "nur" ein Italiener ist und man ja zünftig essen will. Nun - auf der Suche nach etwas Essbarem - kommen wir zufällig daran vorbei, und in unserer Not schreiten wir an. Im offenen Schaufenster wird auch gerade ein Tisch frei, und auf die Frage, ob das unserer sei, herrscht zunächst leichte Verwirrung.
Der schottische Inhaber rekrutiert sein Personal scheinbar ausschließlich aus der italienischen Provinz. Einer der Bedienkörper hat heute auch noch seinen ersten Tag (servierte gestern wahrscheinlich noch in Siena), kann keinerlei Fragen zur Karte beantworten, und vermutlich warten alle noch auf ihren Sprachaufbesserungskurs. Uns ficht das alles nicht an: Wir sind dem Regen entronnen, der Laden macht was her, die Karte ist sehr vielversprechend und das Personal ist ausgesprochen nett! Und so hat das Ganze im Zusammenspiel auch einen unerhörten Charme. Wir tauen wie üblich in Kürze alle um unseren Tisch herum wieder an und feiern einen wundervollen Einstand in unseren Schottland-Urlaub.
...und von hier nimmt das Schottische Dessertwunder dann seinen Lauf!
Wie der Name vermuten lässt, ist das LA LOCANDA ein italienisches Restaurant. Wir essen hervorragend, als es an den Nachtisch geht, bestellen wir querbunt aus der Kuchen- und Tarte-Auslage, die vier Teller kreisen!
...und wir sind uns einig: Wir alle hatten nie zuvor so guten Kuchen.
Wir überlegen sogar, dafür(!) auf dem Rückweg noch einmal Edinburgh zu streifen!
Vollgefressen schlendern wir zurück zu unserem Hotel, auf direktem Weg in das mit Abstand Beste an unseren Zimmern: das Bett.