Wo Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät in Filmen mit goldenen Körperteilen im Titel von Staudämmen springen und Bösewichte mit geparkten Rolls Royces auf Passstraßen beobachten, werden wir in diesem Jahr unsere britischen Warmhalteboxen entlangführen.
Dieses Mal erreichen wir unser erstes Etappenziel ohne Probleme oder Ausfälle!
Das Rohrmoos ist ein einfacher, urgemütlicher Gasthof mit toller Küche am Ende einer Mautstraße, erreichbar von Tiefenbach in der Nähe von Oberstdorf.
Sonnenterrasse mit Ausblick und Kuhglockengeläut inklusive.
Der Riedbergpass ist unser Einstieg in die wilde Kurvenhatz, und seit wir das letzte Mal hier waren, hat sich einiges verändert.
Zum einen hat die Holperpiste einer 1a Asphaltdecke weichen müssen, zum anderen ist endlich dieses doofe runde Schild mit der 30 weg!
Wunderbar!
Die Fahrt von Dornbirn und durch Liechtenstein in Richtung Walensee möchte man sich eigentlich ersparen, ist aber der Zugang zu den immer wieder gern genommenen Klausen und Susten. Unterhalb des Walensees hindurch ist es auch schon wieder malerisch!
Kerenzerberg
Klausenpass
Leider können wir die wunderschöne Alternative zum schon öfter genutzten Klausenpass wieder nicht nehmen: Der Pragelpass ist (zumindest in den Sommermonaten?) an Wochenenden für den Fahrzeugverkehr gesperrt.
Hinter dem Sustenpass gibt es einen kleinen Abzweig hinauf zur Engstlenalp. Die Strecke ist toll, die Alp selbst - wenn man nicht gerade Wandern will - ist ein bisschen ereignislos, und so fahren wir zurück zur Mautschranke, um in der dortigen Hütte Wagenkehr einen ausgesprochen leckeren Snack zu nehmen.
Überhaupt: Wie schon in den Dolomiten festgestellt, kann man auf den Alpen/Almen überwiegend ausgezeichnet essen!
Da es schon wieder eher spät ist, lassen wir den Abstecher zu den Sherlock-Holmes-Fällen ausfallen (Reichenbachfall bei Meiringen).
Auf dem Weg zum Grimselpass beginnt es leider zu regnen, und so wollen wir die Überfahrt eigentlich nicht machen. Also machen wir eine längere Kaffeepause.
Bei einer Fotopause auf der Grimselpasshöhe entdecken wir mehr aus Versehen einen unscheinbaren, ampelbewährten Abzweig. Beim Studium des angehängten Schildes erfahren wir, dass es sich um eine wenige Kilometer lange, offenbar einspurige Straße zum Oberaarsee handelt, die uns nicht geläufig war. Da planmäßig die Ampel in wenigen Minuten unsere Fahrtrichtung freigeben soll, beschließen wir sofort, diese Gelegenheit zu nutzen. Und, ja: äußerst empfehlenswert - auch wenn wir noch mit teilweise die halbe Straßenbreite einnehmenden Schneeverwehungen oder -abbrüchen zu tun hatten.
...oder gerade deshalb.
Grimselpass
Wir fahren noch ein Stück die Furkapassstraße hinauf, um einen Blick auf Zimmer und Preisliste des Hotel Belvedère zu werfen, weil es eigentlich eine Hammerlocation ist...
Ein absolutes No-Go aus den 60ern übergeblieben!
Fündig werden wir, als wir ein Stück Richtung Obergoms hinunterfahren, an Schweizer Preise ist allerdings schwer gewöhnen.
Am nächsten Tag geht es über das bekannte Dreieck Furka-Gotthard-Nufenen!
Furkapass
...und selbstverständlich fahren wir über die Tremola !
St.-Gotthard-Pass
Nufenenpass / Passo della Novena
Simplonpass / Passo del Sempione
Die "Autobahn" den Simplon hinauf ist zwar nichts für landschaftsverliebte Fotografen, führt aber über die Ostrampe hinunter durch die Gondoschlucht, die wiederum sehr eindrucksvoll ist. Außerdem bringt sie uns in das Formazza-Tal zu der Herberge unserer Wahl, deren Geschichten und Erinnerungen wir uns heute noch gerne erzählen, wenn wir bierselig in den Erinnerungen an die ersten Fahrten Anfang der 2000er schwelgen.
Und es hat sich kaum etwas verändert! Bis zur Übelkeit vollgefressen und leidlich angetrunken von der Versuchsreihe der verschiedenen vorrätigen Amari haben wir - neben Schnappatmung - ein leicht debiles Lächeln auf den Lippen.
Zunächst fahren wir noch hinauf ins Talende an den Lago di Morasco, bevor wir uns Richtung Lago Maggiore bewegen.
Hinter Santa Maggiore und dem Abzweig direkt hinunter zum See nach Cannobio wird die SS337 einfach herrlich: über viele Kilometer in dem engen Tal auf halber Höhe in den Berg gebaut und somit jeder noch so kleinen Biegung folgend, macht sie biestig Spaß. Ein bisschen eng ist sie allerdings, somit immer schön Obacht!
Am italienischen Seeufer suchen wir eigentlich ein Hotel, das wir auch noch von unseren früheren Fahrten kennen, das aber bei den Vorbereitungen zur Tour einfach nicht zu finden war. Nun wird klar warum nicht. Das wunderschön gelegene Haus ist geschlossen und dem Verfall preisgegeben.
Zum Glück sind die Frauen sehr flexibel, und so finden sie nur wenige Meter weiter eine wunderschöne Alternative, wo wir unser Geld verprassen können!
Schnell etwas Gepäck abgeladen und dann die Uferstraße weiter hinunter zu den Anlegern der Bootszubringer für einen Ausflug hinüber zu den Isole Borromee. Ja, natürlich sind sie touristisch völlig überlaufen, aber irgendwie ganz hübsch sind sie trotzdem!
Abends genießen wir das Menü im Hotel-Restaurant und schauen danach in einem benachbarten Café auf der Promenade noch ein Spiel der laufenden Fußball-WM.
Der aus dem Intro des ersten Brosnan-Bonds unbekannte Verzasca-Staudamm befindet sich etwas nördlich des Lago, und selbstverständlich kann man da heute auch seinen eigenen Gummiseil-Absprung wagen. Wir haben zugunsten körperlicher wie geistiger Unversehrtheit darauf verzichtet und stattdessen lieber unsere Fahrt fortgesetzt.
Diese führt uns heute über den St.-Bernhardin-Pass / Passo del San Bernardino, auf dem wir recht lange pausieren, und den Splügenpass nach Chiavenna.
Hier wollen wir uns heute eigentlich an einem Deutschland-Spiel delektieren, scheitern aber an den beleidigten Italienern. Das Spiel wird im Gegensatz zu nahezu allen anderen bisher nicht im öffentlichen Fernsehen übertragen, da diese Sender sich nach dem Ausscheiden der eigenen Mannschaft plötzlich nicht mehr für Fußball interessieren. Übers Notebook ist zum einen als Ausländer nicht auf die dortigen Privat-Sender zuzugreifen, im Ausland wiederum nicht auf die heimischen, und wir haben wirklich einiges unternommen. Auf der Suche nach einer Sportsbar oder irgendeinem anderen Laden mit Fernseher und Sport-Abo scheitern wir grandios. Und die einzige echte Sportsbar hat heute geschlossen.
Frustriert widmen wir uns auf der Hotelterrasse einem Hefe und machen uns dann auf die Suche nach einem Restaurant.
Wir kommen bis zum Malojapass / Passo del Maloja, als es unter dem Silberfisch am Straßenrand nach Alienblut aussieht: Kühlerschlauch! Zum Glück sind wir wenige hundert Meter zuvor an einer Werkstatt vorbeigekommen, und dort versorgt man uns mit einem ollen Schlauchstück, das wir in den Motorraum frickeln.
Über den Julierpass / Passo del Giulia fahren wir zur Via Mala. Endlich mal, dazu hat es auf früheren Fahrten immer irgendwie nicht gereicht. Auf dem Parkplatz müssen wir an unserem Reparaturwerk nochmal etwas nachbessern.
Auf der Westrampe des Albulapass / Passo d'Alvra müssen wir nochmal bei, die Schläuche sind weich, die Neukonstruktion löst sich auf und das Loch wandert. Auf dem Weg zu unserem Etappenziel bleiben wir daher auf der Suche nach professioneller Hilfe hinter dem Bernina auf der Hauptstraße und müssen auf die Forcola di Livigno und den Foscagno verzichten.
Berninapass / Passo del Bernina
In Bormio finden wir eine Werkstatt, die zuversichtlich ist, uns helfen zu können, allerdings wird dies einige Zeit in Anspruch nehmen, und auch besteht inzwischen die Notwendigkeit, einen beruflich veranlassten eMail-Stau abzuarbeiten. Wir vereinbaren deshalb, uns vorübergehend zu trennen: Der Silberfisch bewegt sich schonmal auf direktem Wege über den Stelvio zum Reschenpass, das Fröschlein setzt die geplante große Runde fort.
Bevor wir uns Richtung Gardasee bewegen, wollen wir aber noch schnell die gestern versäumten Pässe sehen. Und wenn man schonmal da ist: Das Bild der Aufahrt zu den Torri Fraele im Denzel hat mich schon immer fasziniert.
Passo di Foscagno
Passo d'Eira
Forcola di Livigno
Forcola di Livigno
Passo d'Eira
Passo di Foscagno
Der Gaviapass / Passo di Gàvia gehört eindeutig zu unseren Lieblingspässen, darauf freuen wir uns schon seit Wochen, dass die Seen hier jedoch noch zugefroren sind, überrascht uns schon ein wenig, und in dicker Jacke sind wir bisher auf dieser Tour noch nicht gefahren...
Auch die Strecke von Breno von Westen an den Gardasee heran gehört zu den eindrucksvolleren und immer wieder gerne gefahrenen Straßen.
Passo di Croce Domini
Goletto di Cardino
Goletto Gaver
Passo di Capovalle
Was unser Hotel angeht, so haben wir uns etwas von Lage, Website und Bewertung blenden lassen. Es ist kein schlechtes Hotel, wir haben ein Zimmer mit Terrasse zum See und auch das leckere Abendessen nehmen wir auf der Restaurant-Terrasse. Aber es ist irgendwie... naja, seelenlos. Das nächste Mal wieder eines der kleineren Familienhotels, von denen es ein paar Meter weiter in Tignale ein paar gibt.
...und dazu den hübschen Ort und sicher die eine oder andere Trattoria!
Am nächsten Morgen erwartet uns kräftiger Regen, der uns auch bis deutlich nördlich vom See nicht verlässt. Wolkig und immer wieder mit Schauern durchsetzt, sind wir auf dem Weg zu unserer reunion !
Passo del Ballino
Andalosattel / Sella di Andalo
Gampenjoch / Passo delle Pallade
Ganz hart wird es dann noch mal bei der Auffahrt zum Haidersee kurz vor unserem Ziel, sowas haben wir selten gesehen! Das Wasser steht zentimeterhoch auf der Straße, es ist praktisch nichts zu sehen, es ist bereits am Nachmittag stockdunkel und der Regen kommt waagerecht von Seite - und das ist keine Metapher! Der Wind, der den Regen vor sich hertreibt, bläst uns nahezu von Straße, öffneten wir beide Fenster, würde das Wasser geradewegs durch das Auto hindurch fliegen.
Am Hotel angekommen, müssen wir uns mit dem Hintern rückwärts in eine geöffnete Garage stellen, damit wir überhaupt ein paar Sachen aus dem Wärmefach bekommen.
In diesem Haus finden wir, was wir am Vorabend vermisst haben - also abgesehen von unserer Reisebegleitung eine sehr persönliche und angenehme Atmosphäre.
...und Fußball gibt es auch wieder!
Vorbei am Reschensee mit seinem versunkenen Kirchturm geht es bei strahlendem Sonnenschein Richtung Samnaun. Was gestern als Regen fiel, kam in höheren Lagen als Schnee, und so sind die Berge um Samnaun wie ein Napfkuchen leicht mit Puderzucker bestäubt.
Reschenpass / Passo di Resia
Norberthöhe
Auch die Silvretta-Hochalpenstraße stand schon lange mal auf der Wunschliste! ... und sie ist landschaftlich einfach wahnsinnig schön.
Bielerhöhe
Über den Flexenpass geht's ins Lechtal und zu unserer Unterkunft für die heutige Nacht hoch über dem Örtchen Bach.
Im Zick-zack über Hahntennjoch und Namlospass sollte es eigentlich zum Plansee und durch den Ammerwald gehen (etwas was wir letztes Jahr ja leider auslassen mussten), der Namlospass ist allerdings gesperrt - also wieder nix!
Am Plansee verabschiedet sich das Kühlsystem dann erneut und zwar big time, so dass nur der Anruf beim ADAC bleibt. Der Schlepper kommt allerdings direkt aus dem Nachbarort, so dass es relativ schnell geht, und auch die Werkstatt die er empiehlt anzusteuern, liegt dort. Die ist auch eine Schau, das Büro voller Bilder von Ferraris, Lambos und weiss ich was, die die vier(?) Brüder dort alle schon aus ihren Notlagen befreit haben. Auch der Silberfisch landet nach höflicher Nachfrage innerhalb weniger Minuten auf Facebook und Konsorten.
Danach bauen die Jungs aus dem gerissenen und inzwischen mehrfach geflickten Fünfender am Wassertank geradezu eine Skulptur! Sie geben sich richtig Mühe, uns wieder flott zu machen und es dauert auch seine Zeit. Doch leider endet unsere Fahrt, die wir erst am Spätnachmittag wieder fortsetzen können, bereits an der Kreuzung zur B23 wieder. Diesmal ist endgültig Schluss! Wir rollern noch bis Ettal und nehmen vorsorglich schonmal unser Abendessen, während wir erneut auf den Schlepper warten.
Ammersattel
Bis dann auch noch der Mietwagen organisiert ist, ist es inzwischen 19°°, bevor wir uns endgültig auf den Heimweg machen, und so erreichen wir nach einem wundervollen, über einstündigen Stau - um Mitternacht!! - hinter einem Schwerlasttransporter in einer Baustelle um 2°° endlich die heimische Stadtgrenze.