Heute soll es nach Dubrovnik gehen. Dazu müssen wir zunächst mal die Autos auslösen. Beim Einschieben des ersten Parktickets werden wir blass! Es wird ein gänzlich anderer Kurs aufgerufen, als an der Preistafel steht. Lesen allerdings hilft, die etwas kompliziert anmutende Art der Parkticketumprogrammierung zu verstehen. In den Tiefen des Automatenmenüs verbirgt sich eine Tastenkombination zur Kenntlichmachung des Tickets als Tagesticket - statt der konsequent stundenweisen Abrechnung.
Auf diese Weise befreit, beladen wir an bewährter Stelle die Autos und begeben uns gegen Mittag zurück auf die Magistrala.
Bei Omiš steht der Verkehr still - so richtig! Die Echtzeit-Navigation verspricht nichts Gutes! Beim erstmöglichen Abzweig rücken wir aus zur Lagebesprechung und kommen überein, die restliche Magistrala bis Bosnien/Herzegowina und den Strand von Brela als ″ungesehen″ in unseren Geschichtenbüchern zu markieren und die Rennbahn zu nehmen. Am Ende geht das vermutlich gar nicht mal bedeutend viel schneller, aber wir sind immerhin in Bewegung. Hinter dem Ende der Bahn verlassen wir als Premiere für unsere kleinen Engländerinnen für wenige Kilometer die EU!
Es ist Nachmittag, und kein Tag kann ohne eine Einkehr auf einen Kaffee vergehen. Hierzu finden wir in einer kleinen geschützten Bilderbuch-Bucht ein sehr hübsches Restaurant, das seine Tische auf der angrenzenden Mole aufgestellt hat. Hätten wir unsere Übernachtungen in Dubrovnik nicht schon in der Tasche - hier könnten wir uns alle vorstellen zu bleiben!
Gegen 17:00 erreichen wir Dubrovnik. Die Umgebung der Altstadt ist der Horror für be-auto-te Zeitgenossen: Keinerlei Möglichkeit, auch nur irgendwo in der Nähe der Mauern das Auto anzuhalten, um auszuladen. Wir entscheiden uns für das Parkhaus des nahegelegenen Hilton - die Preistafel am Parkhaus ist ein Schock! Es hilft nichts, das Gepäck durch ganz Kroatien zu tragen ist keine Alternative.
Die zweite Premiere: Die Elsen fahren Fahrstuhl!
Das Gepäck auf der Suche nach unserer Unterkunft inmitten der Altstadt dorthin zu schleppen, wird zur Herausforderung. Ein ″Ich hab's ja gleich gesagt″-Blick trifft den einen oder anderen: Die Entscheidung, smack in the middle zu wohnen, wurde am Vortag nicht ganz einstimmig getroffen.
Bei der Bude sind - im Vergleich zu allen anderen auf dieser Fahrt - mindernde Umstände angesagt: Direkt hinter der Eingangstür geht es eine Hühnerleiter hinauf in den ersten Stock, wo sich eine Sitzecke, eine Küchenzeile und ein größeres Bad befinden. Eine weitere Stiege hinauf findet auf der Fläche der darunterliegenden Küche immerhin ein Zweisitzer Platz, und dort befindet sich auch das erste Schlafzimmer. Im dritten Stock liegt ein weiteres Schlafzimmer mit angeschlossenem Bad. Das Alter macht es hin und wieder notwendig, in der Nacht das Bett verlassen zu müssen, und laut unserer Vermieterin sollen ältere Leute auch nicht mehr so viele Treppen steigen (!), womit die Zimmeraufteilung klar ist.
Unsere Wirtin ist so alt wie wir (na gut, einige von uns), wirkt aber altersmäßig eher wie unsere Mütter und ist etwas anstrengend. Das Geld will sie sofort in bar, wovon bei Buchung noch keine Rede war, und überhaupt ist sie sehr redselig. Als es beginnt, um ihre Krankheiten zu gehen, nutzen zwei von uns in Notwehr die Ansage, dass wir ja die Autos noch umparken müssen.
Die Internetrecherche in einschlägigen Reiseforen hat die Wegbeschreibung zu einer bedeutend günstigeren Parkmöglichkeit ergeben. Die Kosten für das Auslösen der beiden Pretiosen für die gefühlte Stunde Aufenthalt lässt einen am eigenen Verstand zweifeln. Rasch geht es die zwei Kilometer hinüber zu einem öffentlichen Parkhaus.
Offensichtlich hat sich die Kommune, oder wer auch immer diese Schutzhütte für fahrbares Blech auch betreibt, von den Managern des dubrovnikschen Ablegers des Hilton-Konzerns inspirieren lassen! Nicht nur, dass wir eben bereits erheblich zu Paris' Reichtum beigetragen haben: Die Kosten bei der Alternativ-Parkung sind mit denen im Hotel identisch - nur dass wir jetzt auch noch deutlich weiter weg stehen! Über den aufgerufenen Kurs sollen wir noch einige Tage nicht hinwegkommen!
Zurück am Apartment plagt uns mittlerweile allesamt nicht wenig der Hunger. Das Angebot ist riesig, und in Anbetracht der Park-Rechnung, die uns übermorgen präsentiert werden soll, fällt die Wahl - völlig untypisch für uns - ausnahmsweise mal auf eine Pizzeria. Mit dem Wein, den wir uns zum Essen gönnen, erreichen die Kosten für die gar nicht mal so gute Labung allerdings doch wieder absolut typische Höhen.
Wir machen uns noch auf Erkundungstour durch den hysterischen Stadtkern von Dubrovnik... und gleichsam als Entschädigung für das alles, macht die cocktail-affine Fraktion unserer Reisegruppe - 100%! - noch eine wundervolle Entdeckung: Das Poco Loco ist eine ungeahnt ambitionierte Cocktailbar mit allem, was dazugehört, von selbst Angesetztem und -gerührtem, Schäumchen und ohne das ganze Saftgemische mit üppiger Gemüsegarnitur - wir sind halbwegs besänftigt!