Auch wenn das Thema der Generationen von verschiedenen Autoren (Dromel, Lorenz, Petersen, Wechssler, Pinder, Drerup, Mannheim, usw.) behandelt worden ist, haben wir es Ortega zu verdanken, in seiner Theorie der Generationen den Anhaltspunkt zum Verständnis der inneren Bewegung des geschichtlichen Prozesses aufgestellt zu haben. (30)
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
Kapitel III. Geschichte und Zeitlichkeit, 2. Horizont und zeitliche Landschaft
deutscher Romanist, Philologe und Literaturwissenschaftler
1869 Geburt in Leipzig, Deutschland
1892 Promotion an der Universität Leipzig mit einer Arbeit zur altenglischen Dichtung
1899 Habilitation an der Universität Freiburg im Breisgau, Beginn der Lehrtätigkeit als Privatdozent
1900 Berufung als Professor an die Universität Halle, wo er sich auf romanische Sprachen spezialisierte.
1904 Berufung als Professor für deutsche Sprache und Literatur an die Universität Königsberg
1914 Wechsel an die Universität Wien als Professor für Germanistik
1926 Rückkehr nach Deutschland und Lehrtätigkeit an der Universität Berlin
1926-34 Organisation der „Conférences françaises“ an der Berliner Universität, eine Plattform für kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich.
1936-39 Leitung des Instituts für Portugal und Brasilien in Berlin, mit Fokus auf die Förderung kultureller Beziehungen.
1949 Tod in Berlin
Themen
Deutsch-französische Beziehungen und Wesensunterschiede
Wechsslers zentrales Anliegen war die Definition der deutschen Identität im Vergleich zu Frankreich. Sein einflussreichstes Werk dazu war "Esprit und Geist" (1927), in dem er die "Wesenskunde" der Deutschen und Franzosen untersuchte. Dieses Werk wurde jedoch als "rassistisch" und chauvinistisch kritisiert.
Generationstheorie
In "Die Generation als Jugendreihe und ihr Kampf um die Denkform" (1930) beschäftigte sich Wechssler mit generationellen Denkformen und deren Wandel. Er vertrat die These, dass jede Generation eine neue "Denkform" entwickelt und sich in einem "Kampf" mit der vorherigen Generation befindet.
Mittelalterliche Literatur und Kultur
Wechsslers frühe Arbeiten widmeten sich der mittelalterlichen Literatur, insbesondere dem Minnesang. Sein Hauptwerk dazu war "Das Kulturproblem des Minnesangs" (1909).
Romanische Literaturen
Als Romanist beschäftigte sich Wechssler intensiv mit den romanischen Literaturen, besonders der französischen Literatur vom Mittelalter bis zur Moderne. Er hielt zahlreiche Vorlesungen zu diesem Thema.
Hauptwerke
Die Sage v. hl. Gral in ihrer Entwicklung bis auf Richard Wagners Parsifal, 1898, Nachdr. 1966;
Molière als Philos., 1910, ²1915;
Die Auseinandersetzung d. dt. Geistes mit d. franz. Aufklärung (1732–1832), in: DVjS 1, 1923, S. 613–35;
Eros u. Minne, in: F. Saxl (Hg.), Vortrr. d. Bibl. Warburg, 1923, S. 69–93;
Dt. u. franz. Mystik, Meister Eckehart u. Bernhard v. Clairvaux, in: Euphorion 30, 1929, S. 40–93;
Dante d. universale Denker, in: Dt. Dante-Jb. 1931, S. 45–133;
Die Generation als Jugendreihe u. ihr Kampf um d. Denkform, 1930;
Jugendreihen d. dt. Menschen 1733–1933, 1934;
Das Prinzip d. geistigen Ordnung in der kastilian. Lit. u. Kunst, in: Marburger Jb. f. Kunstwiss. 13, 1944, S. 69–84;
Einfluss
Wechsslers Hauptwerk "Esprit und Geist" (1927) über die Wesensunterschiede zwischen Deutschen und Franzosen war sehr einflussreich, wurde aber auch als "rassistisch" und chauvinistisch kritisiert.
Seine Schrift "Die Generation als Jugendreihe" (1930) setzte sich mit generationellen Denkformen auseinander und regte viele Diskussionen an, blieb aber hinter den hohen Zielen zurück.
Wechssler versuchte, die deutsch-französischen Beziehungen aus einer geistig-seelischen Perspektive zu durchdringen, was ihm Vorwürfe der Hetze und Nähe zu Hitler einbrachte.
Wechssler war in der Nachkriegszeit eine unbeliebte Persönlichkeit und wurde für seinen Chauvinismus und seine angeblich rassistische Fundierung kritisiert.
Insgesamt übte Wechssler durch seine akademische Lehre, seine einflussreichen theoretischen Schriften und die kontroversen Debatten um seine Werke einen prägenden, wenn auch umstrittenen Einfluss auf die Romanistik und Literaturwissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus.
Silo erwähnt Wechssler zusammen mit anderen Autoren, die sich - insbesondere Anfang des 20.Jhdts. - mit der Frage der Generationen in der Geschichte beschäftigt haben. Wechsslers Schrift "Die Generation als Jugendreihe und ihr Kampf um die Denkform" aus dem Jahr 1930 beschäftigte sich eingehend mit generationellen Denkformen und deren Wandel. Darin vertrat er die These, dass jede Generation eine neue "Denkform" entwickelt und sich in einem "Kampf" mit der vorherigen Generation befindet.