Für uns überwiegt das Interesse für eine Interpretation der Geschichte oder aber für eine Philosophie der Geschichte, die über die sorgfältige Erzählung oder —wie B. Croce spottete— die einfache Chronik hinausgeht.
in: „Historiologische Diskussionen“, Silo
Vorwort
Philosoph, Historiker, Politiker, Kunsthistoriker, Kritiker
1866 Geboren am 25.2. in Pescasseroli / Italien
1886 Abschluss des Studiums in Philosophie und Literatur in Neapel
1902 Veröffentlichung von "Estetica come scienza dell'espressione" (Ästhetik als Wissenschaft der Ausdrucksformen)
1915 Gründung der Zeitschrift "La Critica"
1925 Veröffentlichung von "Teoria e storia della storiografia" (Theorie und Geschichte der Geschichtsschreibung)
1944 Minister für Erziehung der italienischen Regierung
1952 Gestorben am 20.11. in Neapel / Italien
Philosophie des Geistes: Croce entwickelte ein vierstufiges System der Geistesphilosophie, stark beeinflusst von Hegel und Giambattista Vico.
Ästhetik und Literaturkritik: Er verfasste einflussreiche Werke zur Ästhetik, insbesondere zur Rolle der Intuition und des Gefühls in der Kunst.
Geschichte und Geschichtsschreibung: Croce begründete die erzählende Geschichtsschreibung und betonte die Subjektivität und Zeitgebundenheit jeder historischen Darstellung.
Politik und Freiheit: Er vertrat einen emphatischen Freiheitsbegriff und sah diesen als Grundvoraussetzung für eine europäische Einigung.
Kritik des Positivismus: Croce positionierte sich als Gegner des vorherrschenden Positivismus seiner Zeit.
Marxismus-Kritik: Er setzte sich kritisch mit dem Marxismus auseinander, wie in seinem Werk Materialismo storico ed economia marxistica (1900).
"Ästhetik als Wissenschaft des Ausdrucks und allgemeine Linguistik" (1902): Dies war der erste Teil seines Systems der "Philosophie des Geistes" und ein grundlegendes Werk zur Ästhetik.
"Logik als Wissenschaft vom reinen Begriff" (1905): Der zweite Baustein seines philosophischen Systems.
"Philosophie der Praxis" (1909): Dieser Band enthielt den dritten und vierten Teil seines Systems der "Philosophie des Geistes".
“Geschichte Europas im neunzehnten Jahrhundert": Dieses Werk wird in den Suchergebnissen erwähnt, obwohl keine spezifischen Details dazu gegeben werden.
"Die Geschichte als Gedanke und als Tat": Auch dieses Werk wird in den Suchergebnissen erwähnt, ohne weitere Details.
Croce entwickelte ein vierstufiges System der Geistesphilosophie, das einen bedeutenden Beitrag zur idealistischen Philosophie darstellt. Dieses System umfasste Intuition, logisches Denken, wirtschaftliches und moralisches Handeln.
Seine Arbeiten zur Ästhetik, insbesondere sein Werk "Ästhetik als Wissenschaft des Ausdrucks und allgemeine Linguistik" (1902), hatten einen erheblichen Einfluss auf die Kunsttheorie und Literaturkritik.
Croce leistete wichtige Beiträge zur Geschichtstheorie und -schreibung. Er begründete die erzählende Geschichtsschreibung und betonte die Subjektivität und Zeitgebundenheit jeder historischen Darstellung.
Er positionierte sich als Gegner des vorherrschenden Positivismus seiner Zeit, was die philosophische Debatte beeinflusste.
Seine kritische Auseinandersetzung mit dem Marxismus, wie in seinem Werk "Materialismo storico ed economia marxistica" (1900), trug zur Debatte über politische und ökonomische Theorien bei.
Silo erwähnt hier Benedetto Croce, weil er schon ganz klar unterschied zwischen einer rein aufzählenden, chronologisch nebeneinanderstellenden Geschichtsschreibung und einer Geschichtsphilosophie.
Die ironische Verwendung des Begriffs „Chronik“ durch B.Croce für manche rein aufzählenden Geschichtsschreibungen, was Silo hier nebenbei erwähnt, findet sich zum Beispiel in Croces Werk „Die Geschichte auf den allgemeinen Begriff der Kunst gebracht“ (Neapel 1893):
“...Wie ich schon an anderer Stelle bemerken musste, sind die Geschichtswerke Leopold Rankes oder Burckhardts oder, um einige italienische Beispiele zu nennen, »Karl V« von De Leva und »Leo X« von Nitti für einen Hegelianer nicht viel mehr als eine Chronik, Geschichtswerke, die das Höchste an Arbeit darstellen, das der menschliche Geist leisten kann; um ein genaues Bild von den vorgefallenen Ereignissen zu geben.
Und doch ist die Frage nach der Bedeutung der Geschichte, die Hegel gewiß nicht als erster stellt, durchaus legitim, aber sie gehört in keinem Fall mehr zur Geschichte, sondern zur Philosophie der Geschichte. Ein Thema der Geschichte ist es, den Gang der Ereignisse zu erzählen, durch welche die Freiheits- und Einigungsbewegung Italiens entstand, die schließlich in den Ereignissen von 1859-70 gipfelte. Ein Problem der Philosophie der Geschichte dagegen wäre, in der Entwicklung der Idee und dem Plan Gottes nach der Bedeutung dieses Ereignisses zu forschen. Dem ersten Thema wird man gerecht, indem man erzählt oder eine »Chronik« erstellt, wenn Mariano diese Formulierung lieber ist.”