Hegel hatte uns (in seiner Wissenschaft der Logik, zweiter Teil, zweiter Abschnitt) bereits gelehrt, zwischen mechanischen, chemischen und vitalen Prozessen zu unterscheiden. Ihm zufolge » ist das Resultat des mechanischen Prozesses nicht schon vor ihm selbst vorhanden; sein Ende ist nicht in seinem Anfang, wie beim Zwecke. Das Produkt ist eine Bestimmtheit am Objekt als äußerlich gesetzte«. Sein Prozess ist außerdem Äußerlichkeit, die weder seine Selbstheit verändert noch durch diese erklärt wird. Ferner sagt Hegel: » Der Chemismus selbst ist die erste Negation der gleichgültigen Objektivität und der Äußerlichkeit der Bestimmtheit; er ist also noch mit der unmittelbaren Selbstständigkeit des Objekts und mit der Äußerlichkeit behaftet. Er ist daher für sich noch nicht jene Totalität der Selbstbestimmung, welche aus ihm hervorgeht, und in welcher er sich vielmehr aufhebt. « Beim Lebensprozess tritt die Zweckbestimmtheit in Erscheinung, sofern sich das lebende Individuum in einem Spannungsverhältnis gegen seine ursprüngliche Voraussetzung stellt und sich als Subjekt an und für sich gegenüber der vorausgesetzten objektiven Welt einordnet...
[…] Hegel hat uns über die Dialektik der Bewegung aufgeklärt, aber nicht in Bezug auf die Zeitlichkeit. Diese wird von ihm als die »Abstraktion des Verzehrens« definiert und neben den Ort und die Bewegung eingestuft, wobei er der Tradition des Aristoteles folgt (insbesondere in seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Kapitel »Philosophie der Natur «).
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
Kapitel III. Geschichte und Zeitlichkeit, 1. Zeitlichkeit und Prozess
Philosoph
1770 Georg Friedrich Hegel wird am 27. August in Stuttgart geboren.
1773 Erster Schulbesuch, ab 1775 Lateinschule, 1780 Gymnasium Illustre.
1788 Maturum und Eintritt in das Tübinger Stift als Stipendiat, Studium der Philosophie und Theologie an der Universität
1790 Freundschaft mit Schelling und Hölderlin, mit denen Hegel dasselbe Zimmer bewohnt
1793 Konsistorialexamen und Hauslehrerstelle in Bern
1797 Hauslehrerstelle in Frankfurt/M.; enge Kontakte mit Hölderlin.
1799 Tod des Vaters; die Erbschaft ermöglicht Hegel die akademische Laufbahn
1801 Auf Vermittlung Schellings Habilitation in Jena; die Differenzschrift (Differenz des Fichteschen und Schellingsschen System der Philosophie) erscheint als erste Publikation Hegels.
1802 Gemeinsam mit Schelling Herausgabe des Kritischen Journals der Philosophie; darin mehrere große Aufsätze Hegels.
1805 Ernennung zum außerordentlichen Professor in Jena.
1806 Nach der Schlacht bei Jena und Auerstadt verlässt Hegel Jena; Beginn der Drucklegung der Phänomenologie des Geistes, die 1807 in Bamberg erscheint
1807 Redakteur der Bamberger Zeitung
1808 Professor und Rektor am Ägidiengymnasium in Nürnberg.
1812 Die Wissenschaft der Logik erscheint, der zweite Band erst 1816.
1816 Berufung nach Heidelberg
1817 Erste Ausgabe der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften.
1818 Berufung nach Berlin als Fichtes Nachfolger.
1821 Die Grundlinien der Philosophie des Rechts erscheinen.
1831 Am 18. November stirbt Hegel nach kurzer Krankheit. Hegel wird neben Fichte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.
Themen
Hegels Methode ist die Dialektik, der Dreischritt von These und Antithese zur Synthese.
Mit jeder Synthese passiert ein Aufhebungsprozess:
Aufheben:
= 1. Ein Ende setzen, aufhören, weg sein, ein Widerspruch wird aufgehoben.
= 2. behalten, ein Foto aufheben, aufbewahren, konservieren (das Wissen aus der These und Antithese bleibt erhalten).
= 3. höher heben, auf eine höhere Ebene hochheben.
„Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, dass es soviel als aufbewahren, erhalten bedeutet und zugleich soviel als aufhören lassen, ein Ende machen.“
Wissenschaft der Logik, Bd. 1., Die Lehre vom Sein
https://hegel-system.de/de/logik2.pdf
Die Dialektik bei Hegel hat 3 Perspektiven:
Der Mensch
Die Geschichte
Die Entfaltung des Weltgeistes
Über die Geschichte:
[…] die Geschichte ist das […] Werden. Dieses Werden stellt eine träge Bewegung und Aufeinanderfolge von Geistern dar, eine Galerie von Bildern, deren jedes, mit dem vollständigen Reichtume des Geistes ausgestattet, eben darum sich so träge bewegt, weil das Selbst diesen ganzen Reichtum seiner Substanz zu durchdringen und zu verdauen hat.
Phänomenologie des Geistes, Absolutes Bewusstsein, Die Religion
Wo gipfelt die Dialektik?
„Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit – ein Fortschritt, den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben.“
Vorlesung über die Philosophie der Weltgeschichte, Einleitung
„Denn die Weltgeschichte ist die Darstellung des göttlichen, absoluten Prozesses des Geistes in seinen höchsten Gestalten, dieses Stufenganges, wodurch er seine Wahrheit, das Selbstbewusstsein über sich erlangt.“
Vorlesung über die Philosophie der Weltgeschichte
Hauptwerke
Phänomenologie des Geistes (1807)
Dieser Band stellt das werdende Wissen dar. Die Phänomenologie des Geistes soll an die Stelle der psychologischen Erklärungen oder auch der abstrakten Erörterungen über die Begründung des Wissens treten. Sie betrachtet die Vorbereitung zur Wissenschaft aus einem Gesichtspunkte, wodurch sie eine neue, interessante, und die erste Wissenschaft der Philosophie ist. Sie fasst die verschiedenen Gestalten des Geistes als Stationen des Weges in sich, durch welchen er reines Wissen oder absoluter Geist wird. Es wird daher in den Hauptabteilungen dieser Wissenschaft, die wieder in mehrere zerfallen, das Bewusstsein, das Selbstbewusstsein, die beobachtende und handelnde Vernunft, der Geist selbst, als sittlicher, gebildeter und moralischer Geist, und endlich als religiöser in seinen unterschiedenen Formen betrachtet. Der dem ersten Blicke sich als Chaos darbietende Reichtum der Erscheinungen des Geistes ist in eine wissenschaftliche Ordnung gebracht, welche sie nach ihrer Notwendigkeit darstellt, in der die unvollkommenen sich auflösen und in höhere übergehen, welche ihre nächste Wahrheit sind. Die letzte Wahrheit finden sie zunächst in der Religion, und dann in der Wissenschaft, als dem Resultate des Ganzen.
Wissenschaft der Logik (1812-1816)
Hegels Wissenschaft der Logik ist ein komplexes und tiefgründiges Werk, das die Struktur des reinen Denkens und die Einheit von Subjekt und Objekt untersucht und die klassischen Disziplinen der Philosophie, Logik und Metaphysik vereint. Es wird dargestellt, wie das Denken sich selbst begreift und sich zu einer vollständigen Erkenntnis entwickelt.
Das Werk lässt sich in drei Hauptteile (in zwei Bänden) gliedern:
Die Lehre vom Sein (Es werden die grundlegendsten Kategorien des Denkens, wie Qualität, Quantität und Maß. Diese Kategorien sind die einfachsten und unmittelbarsten Bestimmungen des Seins.)
Die Lehre vom Wesen (Hegel unterscheidet hier zwischen dem Sein und dem Wesen und beschreibt das Wesen als das „Innerlich-Werden“ und „In-sich-Gehen". Die Kategorien des Wesens treten paarweise auf, wie Identität und Unterschied, Positives und Negatives, Grund und Begründetes.)
Die Lehre vom Begriff (Hier wird der Begriff als die höchste Form der logischen Bestimmung behandelt, die alle vorherigen Kategorien in sich aufnimmt und auf eine höhere Ebene hebt.)
Einfluss
Karl Marx: Marx übernahm Hegels dialektische Methode, wandte sie jedoch materialistisch an. Während Hegel die Dialektik auf Ideen und das Bewusstsein anwandte, übertrug Marx sie auf die materielle Welt und die gesellschaftlichen Verhältnisse. Marx' historischer Materialismus ist direkt aus Hegels dialektischer Methode abgeleitet.
Friedrich Engels: Engels, ein enger Mitarbeiter von Marx, nutzte ebenfalls Hegels Dialektik, um die Natur und die Geschichte zu analysieren. Er sah in Hegels Dialektik ein Werkzeug, um die Gesetzmäßigkeiten der Natur und der menschlichen Gesellschaft zu verstehen.
Martin Heidegger: Heidegger setzte sich intensiv mit Hegels Logik auseinander und kritisierte sie. Er sah in Hegels System einen Höhepunkt der abendländischen Metaphysik, die er zu überwinden suchte. Heideggers eigene Philosophie ist in vielerlei Hinsicht eine Reaktion auf Hegels Denken.
Jean-Paul Sartre: Sartre, ein führender Vertreter des Existentialismus, war ebenfalls von Hegel beeinflusst. Besonders in seinem Werk "Das Sein und das Nichts" ist der Einfluss von Hegels Dialektik und seiner Auffassung des Bewusstseins spürbar.
Jürgen Habermas: Habermas, ein führender Vertreter der Frankfurter Schule, setzte sich kritisch mit Hegels Logik auseinander. Er erkannte die Bedeutung von Hegels Dialektik für die kritische Theorie, versuchte jedoch, sie in einen kommunikationstheoretischen Rahmen zu integrieren.
Bertrand Russell: Russell kritisierte Hegels Logik scharf und sah in ihr ein Beispiel für die Fehler der traditionellen Metaphysik. Trotz seiner Kritik hat Hegels Einfluss auch in der analytischen Philosophie Spuren hinterlassen, insbesondere in der Diskussion um die Natur der Logik und der Metaphysik.
Seine Philosophie zeichnet sich durch deren systematischen Anspruch und die Betonung von Prozess und Entwicklung in allen Bereichen des Denkens und der Realität aus. Seine Unterscheidung zwischen dem mechanischen, chemischen und dem Lebensprozess ist von Bedeutung. Im Lebensprozess erscheint die Zweckbestimmtheit und nimmt damit Dilthey vorweg, der 100 Jahre später das Leben und die Geschichte als Prozess mit Richtung definiert.
In Bezug auf die Zeitlichkeit vertritt Hegel immer noch die naturalistische Auffassung, den handelnden Menschen nicht in Betracht zu ziehen (Abstraktion des Verzehrens der Zeit).
Quellenverzeichnis:
Herbert Schnädelbach: Georg Wilhelm Friedrich Hegel zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg, 1999
Einführung in Hegels Philosophie:
https://hegel-system.de/de/v0-vortrag.htm
https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/phaenomenologie-des-geistes/4211
Externe Links
Hegel in 60 Minuten, erklärt von Dr. Walther Ziegler