Auch wenn das Thema der Generationen von verschiedenen Autoren (Dromel, Lorenz, Petersen, Wechssler, Pinder, Drerup, Mannheim, usw.) behandelt worden ist, haben wir es Ortega zu verdanken, in seiner Theorie der Generationen den Anhaltspunkt zum Verständnis der inneren Bewegung des geschichtlichen Prozesses aufgestellt zu haben.
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
Kapitel III. Geschichte und Zeitlichkeit, 2. Horizont und zeitliche Landschaft
österreichisch-deutscher Historiker und Genealoge
1832 Geburt in Iglau (Mähren) am 17. September, damals Teil des Kaisertums Österreich.
1851–1854 Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Wien, wo er sich auf Geschichte spezialisierte.
1861 Habilitation in Geschichte an der Universität Wien und Beginn der akademischen Laufbahn.
1865 Er wurde Professor an der Universität Jena, wo er Vorlesungen zur Geschichte und Genealogie hielt. In Jena etablierte er sich als führender Genealoge seiner Zeit.
1871 Veröffentlichung von Lehrbuch der gesamten wissenschaftlichen Genealogie: Dieses Werk wurde zu einem Standardwerk in der genealogischen Forschung und machte Lorenz weithin bekannt.
1885 Lorenz wechselte an die Universität Straßburg, wo er seine Forschungen zur Geschichte des Mittelalters und der Genealogie fortsetzte.
1890 Veröffentlichung seiner Autobiografie, in der er seine wissenschaftliche Arbeit und seine Lebensstationen reflektierte.
1904 Tod in Jena am 13. Mai 1904 in Jena, wo er sich nach seiner Pensionierung niedergelassen hatte.
Themen
Genealogie: Lorenz leistete bedeutende Beiträge zur wissenschaftlichen Genealogie und entwickelte Methoden zur systematischen Erforschung und Darstellung von Stammbäumen und Familiengeschichten. Seine Arbeiten trugen zur Etablierung der Genealogie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin bei.
Geschichte des Mittelalters: Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung lag in der mittelalterlichen Geschichte, insbesondere der politischen und sozialen Strukturen sowie den dynastischen Entwicklungen dieser Epoche. Er analysierte die Machtverhältnisse und Herrschaftsdynastien des Mittelalters.
Methoden der Geschichtswissenschaft: Lorenz setzte sich intensiv mit den methodischen Grundlagen der Geschichtswissenschaft auseinander. Er legte Wert auf eine wissenschaftlich fundierte und methodisch rigorose Herangehensweise an historische Untersuchungen und Quellenkritik.
Familiengeschichten und Dynastien: Neben der allgemeinen Genealogie beschäftigte sich Lorenz auch mit spezifischen Familiengeschichten und Dynastien, insbesondere mit deren Einfluss auf die politischen und sozialen Entwicklungen. Seine detaillierten Studien zu verschiedenen Adelsfamilien und deren Netzwerken sind bis heute von Bedeutung.
Hauptwerke
"Lehrbuch der gesamten wissenschaftlichen Genealogie" (1886): Dieses Lehrbuch ist eines der grundlegenden Werke zur wissenschaftlichen Genealogie. Es behandelt die Methodik und Systematik der genealogischen Forschung und etablierte wichtige Standards in diesem Bereich.
"Deutsche Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert" (1873): In diesem Werk untersucht Lorenz die politischen und sozialen Strukturen Deutschlands im 13. und 14. Jahrhundert und bietet detaillierte Analysen der dynastischen Entwicklungen und Machtverhältnisse dieser Epoche.
"Geschichte des Elsasses" (1871): Dieses Werk behandelt die Geschichte des Elsass von der Antike bis in die Neuzeit. Lorenz bietet eine umfassende Analyse der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Region.
"Genealogisches Handbuch der europäischen Staatengeschichte" (1895): In diesem Handbuch fasst Lorenz die genealogischen Verbindungen und dynastischen Entwicklungen der europäischen Staaten zusammen. Es dient als wichtige Referenz für Historiker und Genealogen.
Einfluss
Ottokar Lorenz hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Genealogie und Geschichtswissenschaft. Durch sein "Lehrbuch der gesamten wissenschaftlichen Genealogie" etablierte er wichtige methodische Standards für die genealogische Forschung.
Seine detaillierten Studien zur mittelalterlichen Geschichte und dynastischen Entwicklungen, wie in "Deutsche Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert", trugen wesentlich zum Verständnis dieser Epochen bei. Lorenz' Werke dienten als Referenz für Historiker und Genealogen und halfen, die Genealogie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin zu etablieren.
Silo erwähnt ihn mit einer Reihe von Autoren, Wissenschaftlern, die ungefähr in der gleichen Zeit (Ende des 19. / Anfang des 20.Jahrhunderts) die Bedeutung der Generationendynamik auf verschiedenen Feldern des menschlichen Lebens (Literatur, Kunst, Geschichte) erkannt haben. Gleichzeitig hebt Silo aber auch vor, dass der für ihn relevanteste Ansatz in Bezug auf die Rolle der Generationen von José Ortega y Gasset kam.
Ottokar Lorenz analysierte die Rolle von Generationen in der Geschichte durch seine detaillierten Studien zu genealogischen und dynastischen Entwicklungen. Er zeigte auf, wie Macht und Einfluss innerhalb von Familien über Generationen weitergegeben wurden und wie diese intergenerationellen Dynamiken historische Prozesse prägten. Seine Arbeiten trugen dazu bei, ein tieferes Verständnis für die Kontinuität und den Wandel in der politischen und sozialen Geschichte zu entwickeln.