Auch wenn das Thema der Generationen von verschiedenen Autoren (Dromel, Lorenz, Petersen, Wechssler, Pinder, Drerup, Mannheim, usw.) behandelt worden ist, haben wir es Ortega zu verdanken, in seiner Theorie der Generationen den Anhaltspunkt zum Verständnis der inneren Bewegung des geschichtlichen Prozesses aufgestellt zu haben.
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
Kapitel III. Geschichte und Zeitlichkeit, 2. Horizont und zeitliche Landschaft
Rechtsanwalt, politischer Publizist
1826 geboren in Marseille / Frankreich
18?? gestorben
Hauptwerke + Themen
(1869) La Loi des révolutions, les générations, les nationalités, les dynasties, les religions (Das Gesetz der Revolutionen, Generationen, Nationalitäten, Dynastien, Religionen)
(1869) Bourgeois et socialistes (Bürgerliche Und Sozialisten)
(1875) L'assainissement de Paris et la Société provisoire de Bondy; ses travaux, son programme (Die Sanierung von Paris und die Provisorische Gesellschaft von Bondy; ihre Arbeit, ihr Programm)
(1875) Les Actions de priorité (Die Prioritätsmaßnahmen)
Das bis heute zitierte Buch „La Loi des révolutions, les générations, les nationalités, les dynasties, les religions“ befasst sich mit Folgendem:
Zyklische Natur der Geschichte: Dromel argumentiert, dass die Geschichte sich in Zyklen von Revolutionen bewegt. Jede gesellschaftliche Ordnung hat eine begrenzte Lebensdauer und wird irgendwann durch eine revolutionäre Veränderung abgelöst. Diese Revolutionen sind unvermeidlich und Teil eines natürlichen Prozesses der Erneuerung.
Einfluss der Generationen: Dromel betont, dass jede Generation eine spezifische Rolle in diesem Zyklus spielt. Junge Generationen neigen dazu, die bestehenden Strukturen in Frage zu stellen und revolutionäre Bewegungen zu unterstützen. Sobald sie älter werden und die Macht übernehmen, etablieren sie jedoch eine neue Ordnung, die wiederum von der nachfolgenden Generation herausgefordert wird.
Nationalitäten und Identitäten: Er behandelt auch die Rolle der Nationalität und Identität in diesen Zyklen. Nationalitäten und ethnische Identitäten sind starke Kräfte, die soziale Bewegungen und Revolutionen antreiben können, insbesondere in Zeiten der nationalen Erweckung oder des Strebens nach Unabhängigkeit.
Dynastien und Herrschaftsstrukturen: Dromel analysiert, wie Dynastien und Machtstrukturen im Laufe der Zeit stabil bleiben oder zusammenbrechen. Er argumentiert, dass Dynastien oft durch interne Korruption oder äußeren Druck zerfallen, was den Weg für revolutionäre Umwälzungen ebnet.
Rolle der Religion: Die Religion spielt laut Dromel ebenfalls eine zentrale Rolle in den Zyklen der Geschichte. Religion kann sowohl eine konservative Kraft sein, die bestehende Ordnungen stabilisiert, als auch eine revolutionäre Kraft, die soziale Umbrüche unterstützt. Ihre Wirkung hängt von den historischen und sozialen Kontexten ab.
Einfluss
Über Justin Dromel ist nicht viel bekannt. Selbst in den Dateien der Bibliothèque National de France lässt sich nichts Biografisches finden, außer dass er Rechtsanwalt und Publizist war, in Marseille geboren, sowie eine Liste von 8 bis 10 Veröffentlichungen. Darüber hinaus wird sowohl in der BnF aber auch in anderen Publikationen im Zusammenhang mit Dromel ein Pseudonym erwähnt (Écorcheville), wobei nicht gänzlich klar wird, ob es sich nicht auch bei dem Namen Justin Dromel um ein Pseudonym handelt. Aber sein Werk „La Loi des révolutions, les générations, les nationalités, les dynasties, les religions“ (Das Gesetz der Revolutionen, Generationen, Nationalitäten, Dynastien, Religionen) wird bis heute in einschlägigen Dissertationen und anderen wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit dem Thema der „Generationen in der Geschichte“ befassen, zitiert und benannt.
Dromel wird von Silo in einem Atemzug mit einer Reihe von Autoren genannt, ohne weiter auf seine Thesen einzugehen, weil er herausstellen will, dass es Ortega y Gasset war, der den generationellen Motor der Geschichte zutreffend beschrieben und begründet hat. Die von Silo in seinen Fußnoten zitierte „Revista de Occidente“ ist möglicherweise ein Grund oder zumindest Quelle für die Erwähnung in den Historiologischen Diskussionen:
Die spanischsprachige Revista de Occidente wurde 1923 von Jose Ortega y Gasset als mehr oder weniger monatliche Publikation begründet. Sie hatte und hat (denn sie besteht noch immer) eine große Bedeutung als Publikation zu Themen der Philosophie, Literatur und Wissenschaft im Allgemeinen für die spanischsprachige Welt, soll heißen auch Lateinamerika. Eine große und illustre Schar an Persönlichkeiten der Geisteswelt hat in dieser Zeitschrift veröffentlicht oder wurde dort behandelt.
Bis zum heutigen Tag sind die Herausgeber die Familie Ortega.
Aus dem Jahr 1949 stammt eine Publikation der Revista de Occidente unter dem Titel „El método histórico de las generaciones / Julián Marías”. Dieser Julian Marias – Freund und Schüler Ortegas – bespricht in diesem Werk nicht nur die maßgeblichen Ideen Ortegas sondern beschäftigt sich ausführlich auch mit den anderen Autoren, die bis dato zum Thema der Generationen in der Geschichte beigetragen hatten: Dromel, Mannheim und die anderen von Silo erwähnten Autoren finden sich auch dort.
https://www.cervantesvirtual.com/obra/el-metodo-historico-de-las-generaciones/
So ist zu vermuten, dass Silo diese Publikation der Revista de Occidente nicht nur gekannt, sondern auch gelesen hat.