Auch wenn das Thema der Generationen von verschiedenen Autoren (Dromel, Lorenz, Petersen, Wechssler, Pinder, Drerup, Mannheim, usw.) behandelt worden ist, haben wir es Ortega zu verdanken, in seiner Theorie der Generationen den Anhaltspunkt zum Verständnis der inneren Bewegung des geschichtlichen Prozesses aufgestellt zu haben.30
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
Kapitel III. Geschichte und Zeitlichkeit, 2. Horizont und zeitliche Landschaft
1878 Geboren am 5.Nov. in Straßburg / Elsass
seit 1897 Studium der deutschen Philologie, Kunstgeschichte und Philosophie in Lausanne, München, Leipzig und Berlin. (Schüler von Köster, Dilthey, Schmidt)
1903 Promotion in Berlin bei Erich Schmidt (1853–1913) mit einer Arbeit über „Schiller und die Bühne“.
1912/13 Lehre an der Yale-University in New Haven und an der Univ. Basel.
1914 Professor an der Univ. Frankfurt/M. ab 1920 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte in Berlin (als Nachfolger Erich Schmidts)
1923 Gründung des Theaterwissenschaftlichen Instituts an der Universität Berlin
1941 Gestorben am 22.Aug. in Murnau / Deutschland
Vortragsreisen führten ihn nach Portugal (1927), Nordamerika (1933), England und Estland (1935).
Petersen war einer der einflussreichsten Germanisten der Zwischenkriegszeit. Er war maßgeblich an der Gleichschaltung seiner Disziplin mit der Ideologie des Nationalsozialismus beteiligt. Seit 1934 war er Herausgeber der Zeitschrift Euphorion, in der er 1934 in seinem Aufsatz Die Sehnsucht nach dem Dritten Reich in deutscher Sage und Dichtung schrieb: „Der Glaube an die gottgewollte Sendung eines Heilsbringers und Führers zum Guten wird religiöse Gewißheit“.
Themen
Deutsche Literaturgeschichte: Petersen war Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Berlin und Direktor des Germanischen Seminars. Dies deutet auf einen Schwerpunkt in der Erforschung und Lehre der deutschen Literatur hin.
Theaterwissenschaft: Er leitete das neu gegründete Theaterwissenschaftliche Institut, zunächst gemeinsam mit Max Herrmann und später allein. Er engagierte sich für die Entwicklung der Theaterwissenschaft als eigenständige Disziplin.
Literaturtheorie und Methodologie: Petersen beschäftigte sich mit grundlegenden Fragen der Literaturwissenschaft. Dies wird durch Werke wie "Literaturgeschichte als Wissenschaft" und seine Beiträge zur "Literaturwissenschaft und Deutschkunde" deutlich.
Hauptwerke
"Die Wesensbestimmung der deutschen Romantik" (1926)
"Fontanes erster Berliner Gesellschaftsroman" (1929)
"Die literarischen Generationen" (1930)
"Die Wissenschaft von der Dichtung" (Jahr nicht angegeben)
Darüber hinaus war Petersen maßgeblich an der Herausgabe wichtiger Editionen beteiligt:
Er arbeitete an der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Hölderlins mit, die von 1943 bis 1985 erschien
Er bereitete den ersten Band (Gedichte 1796-1799) der Schiller-Nationalausgabe vor, die seit 1943 erscheint
Einfluss
Er hatte einen erheblichen Einfluss auf die Germanistik und Literaturwissenschaft durch seine methodischen Ansätze und wissenschaftlichen Beiträge:
Strukturwissenschaftlicher Ansatz: Julius Petersen war bekannt für seinen strukturwissenschaftlichen Ansatz in der Literaturwissenschaft. Er legte großen Wert auf die systematische Analyse literarischer Werke und die Untersuchung ihrer formalen und inhaltlichen Strukturen. Dieser Ansatz trug zur Etablierung der Literaturwissenschaft als systematische und analytische Disziplin bei.
Beitrag zur Goethe-Forschung: Petersen leistete bedeutende Beiträge zur Goethe-Forschung. Er analysierte und interpretierte die Werke Goethes und trug zur Vertiefung des Verständnisses von Goethes literarischem Schaffen bei. Seine Arbeiten zu Goethe sind noch heute von Bedeutung für die Germanistik.
Einfluss auf die Germanistik als akademische Disziplin: Durch seine Tätigkeit als Professor und seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen beeinflusste Petersen die Ausbildung und Entwicklung der Germanistik als akademische Disziplin. Viele seiner Studenten und Kollegen wurden durch seine Ansätze und Methoden geprägt.
Mitherausgeber bedeutender Werke: Petersen war Mitherausgeber mehrerer wichtiger wissenschaftlicher Publikationen und Fachzeitschriften. Diese Veröffentlichungen trugen dazu bei, neue Forschungsansätze und Diskussionen in der Literaturwissenschaft zu fördern.
Interdisziplinäre Ansätze: Julius Petersen setzte sich auch für interdisziplinäre Ansätze in der Literaturwissenschaft ein, indem er Verbindungen zwischen Literatur, Philosophie, Geschichte und anderen Disziplinen herstellte. Dies erweiterte das Verständnis literarischer Texte und deren Kontextualisierung.
Petersens Arbeiten haben somit wesentlich zur Entwicklung der Literaturwissenschaft als analytische und systematische Disziplin beigetragen und nachfolgende Generationen von Literaturwissenschaftlern beeinflusst. Petersen untersuchte die Dynamik zwischen älteren und jüngeren Generationen, besonders im Hinblick auf literarische Traditionen und Innovationen. Durch die Betrachtung spezifischer Autoren und Werke zeigte er, wie historische und soziale Veränderungen die Literatur prägten. Sein Ansatz fand weitreichenden Einfluss in der Germanistik und Geschichtswissenschaft und wird besonders in der Literatursoziologie und historischen Literaturwissenschaft weiter genutzt.
Silo erwähnt ihn mit einer Reihe von Autoren, Wissenschaftlern, die ungefähr in der gleichen Zeit (Anfang des 20. Jahrhunderts) die Bedeutung der Generationendynamik auf verschiedenen Feldern des menschlichen Lebens (Literatur, Kunst, Geschichte) erkannt haben. Gleichzeitig hebt Silo aber auch vor, dass der für ihn relevanteste Ansatz in Bezug auf die Rolle der Generationen von José Ortega y Gasset kam.
Julius Petersen hat durch die Einführung des Generationenkonzepts in die Literaturwissenschaft bedeutende Beiträge geleistet. Er analysierte, wie verschiedene Generationen von Autoren und Denkern aufeinander reagierten und sich beeinflussten, was ein besseres Verständnis der literarischen und intellektuellen Geschichte ermöglichte. Petersen untersuchte die Dynamik zwischen älteren und jüngeren Generationen, besonders im Hinblick auf literarische Traditionen und Innovationen. Durch die Betrachtung spezifischer Autoren und Werke zeigte er, wie historische und soziale Veränderungen die Literatur prägten. Sein Ansatz fand weitreichenden Einfluss in der Germanistik und Geschichtswissenschaft und wird besonders in der Literatursoziologie und historischen Literaturwissenschaft weiter genutzt.