Selbstverständlich wird in diesem Werk die «Geschichte» nicht in dem Sinne verstanden, der diesem Begriff klassischerweise zugeordnet wurde. Erinnern wir uns daran, dass Aristoteles in seinem Werk «Historia animalium» die Geschichte als eine Tätigkeit beschrieb, die darin besteht, nach Information zu suchen. Diese Tätigkeit wurde im Laufe der Zeit zur bloßen Erzählung aufeinanderfolgender Ereignisse. Also endete die Geschichte (bzw. Geschichtsschreibung) darin, die Kenntnis von nach ihrem zeitlichen Ablauf geordneten «Tatsachen» zu sein. Diese Kenntnis war immer von den zur Verfügung stehenden Urkunden abhängig, die mal dürftig, mal im Überfluss vorhanden waren.
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
Vorwort
Hegel hat uns über die Dialektik der Bewegung aufgeklärt, aber nicht in Bezug auf die Zeitlichkeit. Diese wird von ihm als die «Abstraktion des Verzehrens» definiert und neben den Ort und die Bewegung eingestuft, wobei er der Tradition des Aristoteles folgt (insbesondere in seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Kapitel «Philosophie der Natur»).
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
III. Geschichte und Zeitlichkeit, 1. Zeitlichkeit und Prozess
Auch wenn das Thema der Generationen von verschiedenen Autoren (Dromel, Lorenz, Petersen, Wechssler, Pinder, Drerup, Mannheim, usw.) behandelt worden ist, haben wir es Ortega zu verdanken, in seiner Theorie der Generationen den Anhaltspunkt zum Verständnis der inneren Bewegung des geschichtlichen Prozesses aufgestellt zu haben.30 Wenn man über das Werden der Ereignisse Auskunft geben will, wird man sich wohl ähnliche Mühe geben müssen wie Aristoteles zu seiner Zeit, als er mittels der Begriffe von Potentialität und Akt die Bewegung zu erklären versuchte. Die auf die Sinneswahrnehmung gestützte Begründung war nicht ausreichend, um die Bewegung zu rechtfertigen, so wie es heute ungenügend ist, das geschichtliche Werden aufgrund von Faktoren zu erklären, die auf den Menschen in Form einer Beziehung angewandt werden, bei der wie ein bloßer Erleidender oder, in jedem Fall, wie ein Übertragungsmechanismus auf eine äußerliche Triebkraft antwortet.
in: "Historiologische Diskussionen", Silo
III. Geschichte und Zeitlichkeit, 2. Horizont und zeitliche Landschaft
384 v. Chr. Aristoteles wurde in Stageira geboren. Sein Vater war der Leibarzt des makedonischen Königs, was Aristoteles schon früh einen Zugang zum Hof und zur Wissenschaft ermöglichte.
367 v. Chr. Mit 17 Jahren ging Aristoteles nach Athen und trat in die Akademie von Platon ein. Er verbrachte dort rund 20 Jahre und wurde stark von Platons Philosophie geprägt, auch wenn er später eigene Wege in der Philosophie einschlug.
347 v. Chr. Nach Platons Tod verließ Aristoteles die Akademie und reiste zunächst nach Assos (Kleinasien), wo er die Philosophie und Naturforschung weiterentwickelte und neue Bekanntschaften schloss.
343/342 v. Chr. Aristoteles wurde von König Philipp II. nach Makedonien berufen, um dessen Sohn Alexander (später Alexander der Große) zu unterrichten. Diese Lehrtätigkeit hatte möglicherweise Einfluss auf Alexanders spätere Weltsicht und politischen Stil.
335 v. Chr. Aristoteles kehrte nach Athen zurück und gründete das Lykeion, eine eigene Schule, die sich neben Philosophie auch der Naturwissenschaft und empirischen Forschung widmete. Hier entstand ein Großteil seiner Schriften.
323 v. Chr. Nach Alexanders Tod schlug die politische Stimmung in Athen gegen die Makedonier um. Aristoteles, als Sympathisant der Makedonier, geriet unter Druck und verließ Athen. Er zog sich nach Chalkis zurück.
322 v. Chr. Tod in Chalkis Aristoteles stirbt im Exil in Chalkis.
Philosophie und Metaphysik: Aristoteles erweiterte die Definition der Philosophie als Suche nach Wissen um seiner selbst willen. Er entwickelte grundlegende Konzepte wie die Unterscheidung zwischen natürlichen und künstlichen Wesen und die Idee, dass "die Kunst die Natur nachahmt". In seiner "Metaphysik" erforschte er Konzepte wie Akt (energeia) und Potenz (dunamis) und beschäftigte sich mit dem Werden und der Natur des Einen.
Ethik: das Streben nach Glück, und Tugend (Arete), indem sie die Charaktereigenschaften untersucht, die notwendig sind, um moralische Exzellenz zu erreichen.
Wissenschaft: Aristoteles wird aufgrund seiner Arbeiten zur Klassifizierung der Tiere und seiner detaillierten Naturbeobachtungen oft als Vater der Biologie angesehen. Sein Werk "Historia Animalium" (Tierkunde) ist eine der ersten Abhandlungen über Biologie, in der er die Funktionen der Organe und das Verhalten der Tiere untersuchte und damit die Grundlage für die vergleichende Anatomie legte.
Im Bereich der Physik entwickelte Aristoteles ein Weltbild, in dem er Begriffe wie Materie, Form, Bewegung und Kausalität einführte. Er schlug vor, dass die Welt ewig ist und schon immer so existiert hat, wie sie ist, was ihn von den kosmogonischen Theorien seiner Zeit unterscheidet. Seine Physik ist heute zwar veraltet, dominierte aber das wissenschaftliche Denken bis in die Neuzeit.
Aristoteles begründete die formale Logik mit seinem "Organon", einer Reihe von Texten, die Grundsätze des systematischen Denkens aufstellten. Diese aristotelische Logik wurde jahrhundertelang als Grundlage für die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens verwendet.
Hauptwerke
"Metaphysik": Eine philosophische Abhandlung, die die grundlegenden Konzepte von Sein und Wirklichkeit erforscht.
"Physik": Eine Sammlung von Texten, die sich mit den Prinzipien der Natur und der Bewegung befassen, in denen er Raum und Zeit definiert.
"Nikomachische Ethik": Ein Werk über Ethik und Tugend, in dem Aristoteles seine Theorie der Freundschaft und des Glücks entwickelt.
"Politik": Eine Abhandlung über die politische Philosophie und die Struktur der menschlichen Gesellschaften.
"Poetik": Ein Text über Literaturtheorie, insbesondere über die Tragödie und das Epos.
"Organon": Eine Reihe von Texten über die Logik, die Werke wie die "Kategorien" und die "Erste Analytik bzw. Zweite Analytik" umfasst.
Folgendes Werk wird von Silo in HD erwähnt:
« Historia Animalium » :
Aristoteles schrieb die "Historia Animalium" (Tierkunde/ Zoologisische Schriften) um 350 v. Chr. bis 330 v. Chr., während seiner Zeit an Platons Philosophenschule, der Akademie, und später, als er an der von ihm selbst gegründeten Schule, dem Lyzeum, lehrte. Das "Historia Animalium" ist eines der ältesten und einflussreichsten zoologischen Werke des Altertums, in dem Aristoteles Beobachtungen über eine Vielzahl von Tieren zusammenstellte und klassifizierte.
Einfluss
Aristoteles hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Philosophie und viele weitere Wissensgebiete. In der Philosophie entwickelte er grundlegende Theorien zur Logik, Ethik, Metaphysik und Erkenntnistheorie, die Jahrhunderte lang als Standardwerke galten. Seine Logiksysteme, insbesondere der Syllogismus, bildeten das Fundament der formalen Logik bis ins Mittelalter.
In der Naturwissenschaft führte er systematische Beobachtungen und Klassifikationen durch, die die Biologie, Physik und Psychologie prägten.
Aristoteles’ Auffassung von Tugendethik beeinflusst bis heute moralische und ethische Überlegungen, da sie sich auf das Erreichen eines ausgewogenen und glücklichen Lebens konzentriert.
Auch in der politischen Theorie und Rhetorik leistete er wichtige Beiträge, die die europäische Philosophie und politische Praxis bis in die Neuzeit hinein beeinflussten.
Zitat
Silo geht bis in die Antike zurück, wo das Konzept der Geschichte ein anderes war als heute. Zu Zeiten von Aristoteles war Geschichte ein viel weiter gefasster Begriff, der alle Aktivitäten der Informationssuche umfasste. Aristoteles suchte zum Beispiel nach Informationen über Tiere.
Zitat
In Buch IV der 'Physik' definiert Aristoteles den Raum als die Dimension, in der Objekte existieren und sich bewegen, während die Zeit das kontinuierliche Maß für Veränderung und Bewegung ist. Raum und Zeit sind also Werkzeuge zur Messung von Bewegung.
Auch Hegel sieht die Zeit als Rahmen für Bewegung und Veränderung.
Zitat
Aristoteles definiert Bewegung als den Übergang von der Potenz zum Akt, ein Konzept, das er als "Entelechie" bezeichnet. Für Aristoteles ist Bewegung intrinsisch mit der Natur der Dinge verbunden, stellt die kontinuierliche Verwirklichung ihres Potenzials dar und manifestiert sich in verschiedenen Formen je nach den Kategorien des Seins.
Bewegung ist also dem Menschen immanent. Er unterliegt nicht einfach äußeren Tatsachen (Thema der Absicht).