Schwelm – Witten

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Schwelm – Witten (Elbschetalbahn)

Die Strecke hat eine glanzvolle Geschichte. Über sie schafften es Dampflokgeführte Eilzüge schon in den 30ern Jahren in anderthalb Stunden von Dortmund nach Köln. Die etwa 20 km lange, eingleisige Eisenbahnstrecke Schwelm – Witten (Elbschetalbahn) wurde von 1912 bis 1934 erbaut und sollte ein Teil einer Entlastungsstrecke aus dem Ruhrgebiet in Richtung Köln werden.

Der Streckenverlauf war durch einige aufwendige Brücken und Tunnel gekennzeichnet. Ursprünglich sollte die Strecke von Schwelm aus nach Süden über Lennep nach Köln verlängert werden, wozu es aber durch die Ereignisse des Ersten Weltkrieges nicht mehr kam. Bedingt durch die späte Bauausführung war die Bahn optimal trassiert und völlig kreuzungsfrei. Wahrscheinlich war sie eine der teuersten Linien Deutschlands mit der längsten Bauzeit von über 22 Jahre.


Lange Bauzeit

Der Bau der Strecke Witten – Schwelm begann im Frühjahr 1912 und dauerte bis zum Beginn des 1. Weltkrieges. Durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Krieg konnte der Bau erst 1926 fortgesetzt werden, wurde aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Auf Druck von Industrie und Verwaltung wurden dann aber die Arbeiten im Sommer 1933 wieder aufgenommen, so dass die Strecke am 15. Mai 1934 eingeweiht werden konnte.

Der wirtschaftliche Niedergang während und nach dem Krieg war auch der Grund für die lange Bauzeit an der Strecke, wobei die meisten Arbeiten bereits vor 1914 fertig gestellt waren. Die notwendigen Restarbeiten wurden erst zu Beginn der 1930er Jahre als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeführt. Die Baukosten für die Strecke beliefen sich schließlich auf 50 Millionen Reichsmark.

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Dampfzug mit 78 128 am Abzweig Präsident-Hoefft-Tunnel, Schwelm im April 1964 (Foto: H.Dahlhaus)

Wenig Betrieb

Dennoch blieb die Strecke als Torso liegen. In der Zeit von 1934 bis 1939 verkehrten auf der Strecke insgesamt 23 Personenzüge, davon fünf Eilzüge. Hinzu kam ein nicht unerheblicher Güterverkehr. Im Zweiten Weltkrieg nutzte man die Tunnel als Rüstungsfabriken, in denen Zwangsarbeiter dringend benötigte Waffen herstellen mussten.

Der Fahrbetrieb wurde nach 1945 wieder aufgenommen, der Verkehr nahm aber in der Nachkriegszeit kontinuierlich ab. Als Folge dieser Abnahme wurde der mittlere Teil zwischen den Bahnhöfen Witten-Höhe über Wengern-West und Albringhausen nach Gevelsberg-West im November 1979 stillgelegt.

Nach Sommerfahrplan 1938 verkehrten werktäglich 23 Reisezüge, darunter 5 Eilzüge. Die Belegung ging im Sommerfahrplan 1970 auf werktäglich 14 Züge zurück. Im Winterfahrplan 1979/80 verkehrten dann nur noch 2 Züge. Die Stilllegung erfolgte am 1. Januar 1983.

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Gevelsberg Linderhausen, Schwelmer Tunnel, Nord-Portal, 1999 (Foto: A.Völmicke)

Bild oben: Am 11.12.1999 veranstaltete der Arbeitskreis Bergische Eisenbahn mit dem Förderverein Schienenbus e.V. Menden eine exklusive Fotofahrt kurz vor der Stillegung der Strecke von Hagen über Gevelsberg-West und Schwelm-Loh nach Wuppertal-Heubruch.

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Sonderzug mit 053 075 am Haltepunkt Bahnhof Albringhausen am 7. Februar 1976 (Foto: H.Dahlhaus)

Am Bahnhof Albringhausen, der heute in Privatbesitz ist und ein Restaurant beherbergt, konnte man vor Jahren noch den ehem. Fussgängertunnel betreten und einige Überreste eines Fahrplans aus dem Jahr 1974 (im Bild Rechts) erblicken.


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38 2366 Richtung Schwelm um 1959 (Foto: Sauer, Samlg. Stadtarchiv Ennepetal)

Schwierige Bauausführung

Die Strecke war wegen der starken Höhenunterschiede schwierig zu trassieren. Unter anderem waren große Steinbrücken, das Ruhr-Viadukt bei Witten, in Wengern (Elbschetal-Viadukt) und Gevelsberg (Stefansbachtal-Viadukt), sowie vier Tunnel bei Silschede, Gevelsberg und nördlich von Schwelm erforderlich.

Bauwerke

Ergänzung eines Lesers zur ehemaligen Bahnstrecke Witten – Schwelm:

Im Winterfahrplan 1979/80 verkehrten nur noch ein Akkutriebwagenpaar am Tag, morgens einer von Schwelm kommend, mit 30-40 Minuten Pause in Gevelsberg-West über Witten bis nach Bochum-Langendreer und am späten Nachmittag einer zurück. Besetzt mit Triebfahrzeugführer (TfZ) und Schaffner und -inklusive meiner Wenigkeit – mit jeweils 2 Stammfahrgästen.

(Bericht von Michael)

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Akkumulatortriebwagen ETA 150 011 am Haltepunkt in Asbeck 1959 (Foto: Sauer, Samlg. Stadtarchiv Gevelsberg)

Henriette Davidis

Beim Bau der Strecke musste in Wengern das Haus der berühmten Kochbuchautorin Henriette Davidis dem Bau einer Eisenbahnbrücke nahe dem Elbschetal-Viadukt weichen. Zum Andenken wurden zwei Platten ihres Herdes und eine Gedenktafel in das Brückenbauwerk eingelassen. Ironie der Zeitgeschichte: Während das Kochbuch der Henriette Davidis in mehr als 60 Auflagen erschien, wurde die Bahnlinie nach nur 46 Betriebsjahren stillgelegt!

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Brückenbauwerk in Wengern

14-Herdplatte

Gedenktafel (Fotos: Privat)

Heutige Situation

Der nördliche Teil diente bis 1. Juli 2006 dem Güterverkehr und wurde 1983 stillgelegt und abgebaut. Von Albringhausen besteht auf der Trasse der Von-Ruhr-zur-Ruhr-Radweg bis nach Wengern, der nach Gevelsberg (im Bau) verlängert werden soll.

Der südliche Abschnitt zwischen Gevelsberg und Schwelm ist noch in Betrieb und wird von der S-Bahn Rhein-Ruhr (Hagen-Gevelsberg, Schwelm, Wuppertal, Düsseldorf, Mönchengladbach) durch den Linderhauser Tunnel geführt.

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S-Bahn vor dem Linderhauser Tunnel bei Schwelm (Foto: A.Völmicke)

Quelle: EFW Aktuell Sonderausgabe - Die "Elbschetalbahn Witten-Schwelm" 2009, A.Völmicke

Streckenverlauf

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