Der Boden ist eines unserer wichtigsten Güter. Er ist die Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen.
Boden ist wie Luft eine natürliche und unentbehrliche Lebensgrundlage. Nur auf intakten Böden kann die Landwirtschaft dauerhaft gesunde Lebensmittel produzieren. Sauberes Grundwasser kann nur garantiert werden, wenn unsere Böden unversehrt bleiben. Der Boden ist kaum erneuerbar und steht damit als Ressource nur begrenzt zur Verfügung.
Böden sind wichtige Kohlenstoffspeicher und stehen mit der Atmosphäre im Austausch verschiedener klimarelevanter Gase, sie haben einen maßgeblichen Anteil am Klimageschehen, z.B. Gülleausbringung bei Sonnenschein im Sommer, hier entsteht Distickstoff (siehe Beitrag "Stickstoff"). Schadstoffeinträge können das Bodengefüge zumindest Zeit- und Gebietsweise schädlich verändern.
Landwirtschaftsflächen erholen sich ohne aktive Renaturierungsmassnahmen nur langsam und auch nach Jahrzenten nicht vollständig. Das hat ein Team herausgefunden, darunter Forschende des Zentrums für Biodiversitätsforschung des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung sowie der Universitäten Halle-Wittenberg und Leipzig. Demnach hatten sich stillgelegte Felder selbst nach 80 Jahren noch nicht vollständig erholt. 63 heimische Arten hätten sich gar nicht mehr angesiedelt, dafür seien vermehrt fremde Gräser und Unkräuter zu finden gewesen.
Bundesbodenschutzgesetz 2017:
§ 4 Abs. 1: Jeder, der auf den Boden einwirkt, hat sich so zu verhalten, dass schädliche Bodenveränderungen nicht hervorgerufen werden können.
§ 7: Der Grundstückseigentümer bzw. derjenige der Verrichtungen auf einem Grundstück durchführt, die zu Veränderungen der Bodenbeschaffenheit führen können, sind verpflichtet, Vorsorge gegen das Entstehen schädlicher Bodenveränderungen zu treffen, die durch ihre Nutzung auf dem Grundstück oder in dessen Einwirkungsbereich hervorgerufen werden können.
§ 17: Landwirtschaft: Gute fachliche Praxis
Die Hälfte der Gesamt-Bodenfläche in Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt. Davon werden 12,6 Millionen Hektar für Tierfutter- und NaWaRo-anbau (nachwachsende Rohstoffe für Biogasanlagen) und nur 4 Millionen Hektar für die Lebensmittelproduktion genutzt.
Die Biodiversität in der Agrarlandschaft verringert sich immer mehr; insbesondere die Vielfalt der Bodenorganismen ist durch die Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet. Die Befahrung mit schweren Maschinen führt zu Bodenverdichtung und Staunässe.
Außerdem erhöhen größere Schläge, einseitige Anbauverfahren mit hohem Pestizid-Einsatz und der fortschreitende Klimawandel das Risiko von Wind- oder Wassererosion. Stabile Erträge sind bei zukünftig häufiger auftretenden Extremwetterereignissen nicht mehr gesichert. Der Erholungswert der Landschaft nimmt ab. Der Flächenanteil an Dauergrünland hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen, durch Entwässerung und Nutzungsintensivierung haben Artenvielfalt und Kohlenstoffvorräte auf Grünlandflächen abgenommen.
Universität Hohenheim 2012: Eine Gefährdung der Menschen durch den Antibiotikaeinsatz bei Tieren ist durch mehrere Fakten gegeben: Der Eintrag von Antibiotika in Böden führt zu einem erhöhten horizontalen Transfer von in der Gülle enthaltenen Resistenzgenen.
Durch jahrelange Überdüngung mit Gülle konnten bleistiftdicke Stengel des Klee's von der Mähmaschine nicht erfasst werden, nur der obere grüne Teil des Klee's konnte abgemäht werden.
24.02.2014 Güllelache
24.03.2015 Güllelache an gleicher Stelle wie vorheriges Bild
2024, auf den übergüllten Flächen der beiden vorhergehenden Bilder zeigt sich jetzt, dass die Bodenfruchtbaarkeit erschöpft ist
Es liegen noch zahlreiche Bilder vor, die den Erschöpfungszustand der Bodenfruchtbarkeit durch Übergüllung der landwirtschlichen Böden zeigen.
Ackerboden gilt als endlich, weil Bodenbildungsprozesse sehr lange brauchen. Im Schnitt dauert es zwischen 100 und 300 Jahren, bis sich 1 cm fruchtbarer Bode entwickelt hat. Demgegenüber stehen Prozesse, die den Boden erodieren lassen, oder ihn auf andere Art und Weise unfruchtbar machen, etwa durch Versalzung oder den Eintrag von Mikroplastic oder Umweltgiften. Schließlich schwindet der Boden durch Wassermangel . Quelle: agrarheute
Bodenfruchtbarkeit Laut einer Studie der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO ist die Qualität von einem Drittel der weltweit nutzbaren Böden schlecht. Jedes Jahr verliert die Menscheit etwa zehn Millionen Hektar fruchtbaren Boden. Die Böde der Erde können demnach nur noch für etwa 60 Erntejahre ausreichende Erträge liefern.
"Nach 60 Erntejahren, dann ist Schluss!" Maria Helena Sameda, Expertin für Ressourcenschutz der Ernährungs- und Landwirtschaftorganisation der Vereinten Nationen schockte mit diesem Satz die Öffentlichkeit im Frühherbst 2015. Wenn nicht innegehalten werde mit der Verschlechterung der Böden, die weltweit nicht nur sehr fortgeschritten sei, sondern auch rasant weiter wachse, dann gäbe es im Jahr 2076 nichts mehr zu essen für den größten Teil der Menschheit. Täglich und oft unbemerkt findet weltweit die Bodenverschlechterung statt. Zunehmend sehr rasant durch den Verlust an organischer Substanz und die Verringerung der biologischen Vielfalt im und auf den Böden. Der Humus, die Gesamtheit der toten organischen Substanz im Boden ist entscheidend für die Bodenqualität und beeinflusst alle Bodenfunktionen. Humus ist Speicher- und Pufferrmedium für Wasser, Nähr- und Schadstoffe, steuert wesentlich das Nähr- und Schadstoffrückhaltevermögen der Böden und wirkt Bodenstrukturbildend. Die letzte bundesweite Bodenuntersuchung aus dem Jahre 2008 ergab, daß 34% der Böden nur 1-2% Humus enthielten und 47% zwischen 2-4% Humus. Die aktuellen Ergebnisse einer bundesweiten Bodenzustandserhebung ergaben insgesamt "abfallende" Humuswerte. In Mecklenburg-Vorpommern weisen zwei Drittel der Ackerböden geringe Humusgehalte unter 2% auf.
Grundlegend ist eine ausreichende Versorgung des Bodens mit organischem Material durch Mischkulturen, Untersaaten oder Zwischenfrüchte, belassen von Ernterückständen auf den Feldern und durch Wirtschaftsdünger, ob Festmist oder Kompost. Wir fordern mehr Ökolandbau für mehr Bodenschutz, denn ökologische Landbaumethoden schützen nachweislich den Boden, fördern die Humusbildung und das Bodenleben. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird dadurch nachhaltig erhöht.
Das Julius-Kühne-Institut ist der Frage nachgegangen, inwiefern weit verbreitete Bodentiere wie Regenwürmer, pilzfressende Springschwänze und Fadenwürmer der Entwicklung von Fusarien und einer Kontamination mit ihren Toxinen auf natürlichem Wege Einhalt bieten können. Im Rahmen des europäischen BiodivERsA-Projektes SoilMan wurden Bodenorganismen und die von ihnen erbrachten Ökosystemleistungen im Ackerbau in fünf europäischen Regionen (Frankreich: Bretagne; Spanien: Andalusien; Rumänien: Transsilvanien; Schweden: Uppland; Deutschland: Niedersachsen) vergleichend untersucht. Dabei lag der Fokus auf dem Mais- und Getreideanbau. Unter anderem wurde das bioregulatorische Potenzial von Bodentieren als Antagonisten wirtschaftlich relelevanter Schadpilze bei nicht wendender, also pflugloser Bodenbearbeitung quantifiziert. Ein landwirtschaftliches Management, das die Bedürfnisse und Lebensraumansprüche pilzfressender Bodentiere, und insbesondere der Art L. terrestris, berücksichtig, kann somit zu einer Synergie führen, bei der das Zusammenspiel von anthropogenen Top-down-Effekten und natürlichen Bottom-up-Effekten langfristig zu einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion auf gesunden und fruchtbaren Böden beiträgt.
Im Juni 2020 wurde im Steckfeld Bauschutt als "Bodenverbesserer" eingesetzt.