Gepostet am: 01.09.2013 10:26:15
NH 4 Ammonium, wirkt in allen Organismen als Nervengift
P2O5 Phosphorpentoxid, verursacht schwere Verätzungen, Atemschutz und Handschuhe erforderlich
K2O Kaliumoxid, nichtbrennbarer aber ätzender Stoff, Staubbildung vermeiden, ist in Bezug auf Gefährlichkeit noch nicht eingestuft
Abhängig vom Mischungsverhältnis, der Verweildauer und der Fermentertemperatur enthält das Gärrestesubstrat folgende Mengen pro m³:
Gesamtstickstoff (N) 2,4 bis 9,1 kg
Ammonium (NH4) 1,5 bis 6,8 kg
Phosphorpentoxid (P2O5) 0,9 bis 6,0 kg
Deshalb ist eine fach- und umweltgerechte Ausbringung erforderlich.
Schwermetalle unterliegen keinem biologischen Abbau, deshalb kann es zu Grenzwertüberschreitungen kommen. Gärreste erfordern einen gezielten Einsatz zeitnah zum Bedarf der Pflanzen. Bei Grünland ist eine bodennahe Ausbringung und bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden erforderlich. Vor der Ausbringung ist der Düngebedarf der Kulturen festzustellen (Nmin und N-Nachlieferung). Die Ausbringung darf nur erfolgen, wenn der Gehalt an Gesamtstickstoff, Ammoniumstickstoff und Phosphat festgestellt wurde. Gärreste sind mindestens einmal jährlich auf der Grundlage wissenschaftlicher Messmethoden zu untersuchen.
Bei Ausbringung auf unbestelltes Ackerland sind die Gärreste unverzüglich einzuarbeiten.
Keine Ausbringung vom 1.Nov. Bis 31.Januar auf Ackerland, keine Ausbringung auf Grünland vom 15.November bis 31.Januar.
Ungeklärt ist derzeit noch die Wirkung der Gärreste auf Ertragsstabilität, Humusgehalt und Bodenfauna.
Quelle: LfL Bayern,(Landesanstalt f. Landwirtschaft)
Gärreste tragen zur Versauerung der Böden bei, in denen die ökologisch unersetzlichen Regenwürmer nicht mehr überleben können.
Quelle: Umweltbundesamt
Der wissenschaftliche Disput über die Anwendung der Humusbilanzmodelle inklusive der Humusproduktionsleistung der Gärreste ist aktuell noch nicht gänzlich geklärt und zeigt den enormen Forschungsbedarf auf diesem Gebiet. Dünge- und Humuswirkung von zurückzuführenden Gärresten sind zu überdenken und ggf. im Fachrecht zu regeln. Die Humuswirkung ist höher zu beurteilen als die von unvergorener Gülle: auch hier bedarf es einer fachlichen Überprüfung.
Der mittlere Gesamtstickstoffgehalt sinkt durch die Vergärung von 0,48 % auf 0,42 %. Gleichzeitig ist der NH4-N-Anteil am Gesamt-N-Gehalt von 41 % in der Substratmischung vor der Vergärung auf 73 % in der Biogasgülle gestiegen. Die Vergärung bewirkt einen Anstieg des ph-Wertes von 7,0 auf 7,7 und infolge dessen zu einer verstärkten Umwandlung von Ammonium in Ammoniak. Bei den im Biogasreaktor vorherrschenden ph-Werten und den Temperaturbedingungen besteht ein Übergang dieses Ammoniaks in die Gasphase und der Stickstoff führt bei der Verwertung im Blockheizkraftwerk zu Problemen.
Quelle: Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
Bei der Biogasproduktion ist die Wirkung der kohlenstoffreduzierten fermentierten Gülle auf den Humusgehalt zu hinterfragen. Darüber hinaus ist die Wirkung von im Futter oder akut eingesetzten Arzneimitteln, Kupfereinträgen aus Klauenpflege sowie Desinfektionsmittel auf den Biogasprozess kritischer zu betrachten. Neben einem Verbot der prophylaktischen Antibiotika-Anwendung würden hier artgerechte Stallvarianten, die Produktion eigenen Futters sowie die Weidehaltung in eine positive Richtung deuten. Der Einsatz von schnell wirksamer und direkt pflanzenverfügbarer Biogasgülle wird auch für – vor allem viehlose – Betriebe des ökologischen Landbaus in einigen Publikationen begrüßt. Ein vermehrter Einsatz wäre aber gerade hier unter Bodenschutz-Aspekten kritisch zu sehen, weil er dem Bodenfruchtbarkeit förderndem Prinzip des ökologischen Landbaus (Bodenfütterung statt Pflanzenfütterung) widerspricht. Über den Stellenwert der Biogasgülle und mögliche negative oder auch positive Wirkungen auf den Boden ist insgesamt wenig bekannt. Es gibt nur Hinweise darauf, dass Biogasgülle -falsch behandelt- deutlich negative Wirkungen auf den Boden, die Pflanzen/Futterqualität und Tiergesundheit haben kann. Abgesehen von der Umweltverträglichkeit ist die Flächenkonkurrenz der unterschiedlichen Bodennutzung (Energiepflanzenanbau versus nachhaltiger Nahrungs- und Futtermittelanbau, Gewerbe-, Verkehrs- und Siedlungsflächen, Naturschutzflächen etc.) weiterhin ungeklärt.
Die verspätete Wahrnehmung der Nachhaltigkeitsfrage wird letztlich in der Landwirtschaft ausgetragen.
Quelle: Dr. Andrea Beste, Büro für Bodenschutz und Ökologische Agrarkultur, Mainz
03.05.2019 Flur 7 Weidegrundstück mit Gärresten gegüllt 07.05.2019 Kühe grasen auf dieser Weide (mehrere Zeugen)
Phosphan PH3: Die Aufdeckung immer neuer Emissionsquellen von Phosphan stellt angesichts seiner toxischen und mutagenen Wirkung ein unkalkulierbares Gefährdungspotenzial dar.