Gepostet am: 08.07.2014 11:32:54
Die Idee, den Energieträger Methan aus biologischen Abfällen zu gewinnen, war ursprünglich eine sinnvolle Idee. Bereits früher wurden in manchen Kläranlagen Faultürme errichtet, in denen man dieses Gas sammeln und so Wärme oder Elektroenergie produzieren konnte. In der Landwirtschaft bekam man mit Biogasanlagen die Möglichkeit, das in Gülle entstehende klimaschädliche Treibhausgas Methan zumindest teilweise aufzufangen und so zur Energiegewinnung zu nutzen. Möglich wurde auch, pflanzliche Abfälle so zu verwerten. Inzwischen hat sich dieser positive Ansatz aber längst ins Gegenteil verkehrt. Durch den Einsatz von Biogasanlagen entstehen Probleme, sie richten Schaden an und diese Nachteile können nicht ohne Kritik bleiben. Mittlerweile wird auf großen Ackerflächen Mais nur noch speziell für Biogasanlagen angebaut. Dabei werden nicht etwa nur die Pflanzenreste verwendet, die nach Nutzung der Maiskolben für Nahrung oder Tierfutter übrig bleiben – stattdessen werden die kompletten Pflanzen, also die gesamte Ernte verwendet. Dass angesichts weltweit existierenden Hungers eine solche Perversion möglich ist, viel Getreide kontrolliert verfaulen zu lassen, verdanken wir der Idee, jede noch so unsinnige Energiegewinnungsmethode mit Subventionen zu fördern, sobald sie irgendwie grün oder erneuerbar wirkt. Stromerzeugung aus Biogas ist aber keinesfalls als „grün“ bzw. „öko“, sondern ist für den Naturschutz genauso eine Katastrophe wie für den Klimaschutz und hätte ohne Subventionen keine Chance am Energiemarkt.
Biogas schadet der Natur und dem Umweltschutz
Biogas wird hauptsächlich aus Mais produziert. Maisfelder bilden eine ökologische Wüste, denn auf diesen Flächen lebt nichts. Solche Effekte kann man zwar auch beim Anbau anderer Getreidesorten feststellen, aber bei Mais ist es besonders drastisch. Mais wächst höher als andere Sorten, der Boden wird dadurch kaum noch von der Sonne erreicht, dort bleibt es dunkel und kühl. Insekten, Spinnen, sonstige Kleinlebewesen und kleinere Pflanzen sind dort praktisch nicht zu finden. Durch die Höhe überschattet Mais zu entsprechenden Tageszeiten auch die Randbereiche der Felder, die eigentlich gute Lebensräume z.B. für Reptilien wären. Je größer die mit Mais bebauten Flächen werden, desto mehr wirkt sich das negativ auf die Natur aus. Ornithologen beobachten seit Jahren einen deutlichen Rückgang vieler Vogelarten in solchen Gebieten. Dieser Artenrückgang betrifft alle Wiesenbrüter und Singvögel. Z.B. sind Feldlerche und Kuckuck in solchen Gebieten fast schon verschwunden, bedroht sind u.a. auch der Kiebitz und Schwalben. Kleinsäuger wie Mäuse fehlen Greifvögeln als Nahrung. Andere Säugetiere wie der Feldhase und Rehe sind ebenfalls betroffen, da sie in Maisfelder praktisch nicht vordringen. Einen Nutzen vom Maisanbau haben nur Wildschweine, die sich dort gut vermehren können. Dass letzteres in den betroffenen Gegenden auch zu mehr Verkehrsunfällen führt, ist einer der wenigen Effekte, den auch andere Menschen als Naturschützer wahrnehmen. (Quellen niederelbe.de, WELT,ZEIT)
Wie sich herausgestellt hat, sind Biogasanlagen darüber hinaus auch schädlich für das Grundwasser, weil durch sie zu viel Nitrat dahin gelangt. Die Zusammenhänge werden in dem Beitrag der ARD-Sendung „Plusminus“ anschaulich erklärt.
Außerdem werden im gesamten Produktionsprozess von Biogas auch Emissionen freigesetzt. Abgesehen von Klimagasen* gehören dazu Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Stickstoffoxide. Vor allem letztere fallen im Vergleich zur Verwendung fossiler Brennstoffe wie Kohle durch ihre deutlich höhere Konzentration auf. Eine Erwähnung von Filtern findet man in technischen Beschreibungen von Biogasanlagen kaum. Die einzige überall angewandte Maßnahme ist eine Entschwefelung – allerdings nur deshalb, weil es zum Schutz der eigenen Technik unvermeidbar ist. (Quelle, ab S. 13)(* siehe Textabschnitt „Klimaneutral?”)
Unverhältnismäßig großer Flächenverbrauch
Für den Betrieb von Biogasanlagen wird je 1kW Anlagenleistung der Ertrag von 0,5 ha Silomais oder 0,8 – 1,2 ha Grünland benötigt (Quelle). Da man normalerweise den hochwachsenden und dadurch viel Pflanzenmasse pro Fläche erzeugenden Mais in Biogasanlagen verwendet, bedeutet das, dass für eine übliche 500-kW-Anlage 250 ha Anbaufläche benötigt wird. Prof Friedhelm Taube gibt in einem Beitrag der ARD-Sendung „Plusminus“ nur 200 ha für eine Anlage dieser Leistung an. Aus diesen unterschiedlichen Angaben resultiert bei der Verwendung von Mais eine produzierbare elektrische Leistung im Bereich von 2-2,5 kW/ha.
Das ergibt einen sehr hohen Flächenbedarf für diese Stromproduktion. Wenn man lediglich den Aspekt betrachtet, wie viel Natur dadurch zur bereits erwähnten ökologisch toten Fläche wird, erscheinen selbst Kohlekraftwerke mit ihren Tagebauen als das geringere Übel, denn in diesem Vergleich kommt man für Biogasanlagen auf eine etwa 90x so hohen Flächenvernichtung.
Nimmt man als Vergleich die drei Kohlekraftwerke in Brandenburg und Sachsen, dann ergeben sich folgende Werte: Die pro Jahr erzeugte Energie in diesen Kraftwerken beträgt insgesamt 54,3 TWh/a (Jänschwalde 25,8 TWh/a, Schwarze Pumpe 12 Twh/a und Boxberg 16,5 TWh/a). Beliefert werden diese Kraftwerke gegenwärtig aus fünf Tagebauen mit der Gesamtfläche von 34.738 ha. Die Größenangaben der Tagebaue stammen von Greenpeace (falls man dort bei der Größenangabe versehentlich etwas übertrieben haben sollte, würde das hier das Ergebnis für Biogasanlagen verbessern).
Man könnte vereinfacht nur die Gesamtleistung dieser Kohlekraftwerke (6,8 GW) auf den Hektar Tagebaufläche umrechnen und diesen Wert mit dem uns bereits bekannten 2-2,5 kW/ha erreichbaren Wert von Biogasanlagen vergleichen. Kohlekraftwerke kommen so auf 196 kW/ha, was schon sehr deutlich den Unterschied zeigt. Noch etwas genauer kann man es ausrechnen, wenn man die über ein Jahr produzierbare Energiemenge vergleicht. Biogasanlagen können nicht ununterbrochen betrieben werden, da gelegentlich Wartungsarbeiten und Neubefüllungen nötig sind. In der Realität wird die Zeit der Energiegewinnung auf 85 – 90% der Gesamtzeit veranschlagt.
So ergibt sich im für Biogas günstigsten Fall (90% Betriebszeit, 2,5 kW/ha) mindestens 80x so viel benötigte Fläche wie für ein Kohlekraftwerk, im ungünstigsten Fall (85%, 2 kW/ha) sogar 105x so viel Fläche.
Hinweis: Dieser Vergleich betrifft nur den ökologischen Aspekt des Flächenverbrauches! Für einen physikalischen Vergleich der Energiedichte dieser beiden Energiequellen ist die Berechnung irrelevant. Die unter einem Quadratmeter Boden liegende Menge Kohle hat nicht lediglich die 100fache Energiedichte wie das auf derselben Fläche Maisanbau entstehende Methan, sondern viel mehr. In einem Tagebau wird immer nur auf einem kleinen Teil der gesamten Tagebaufläche Kohle abgebaut – das müsste man für solche Vergleiche mit berücksichtigen.
Selbstverständlich ist dieser Vergleich der Schädlichkeit auf die Natur etwas vereinfacht. Kohleabbau verändert zusätzlich auch den Grundwasserpegel und die später dort entstehende neue Seen-Landschaft entspricht nicht mehr der ursprünglichen Natur. Ein Tagebau ist eine geschlossene tote Fläche, während sich Maisanbaugebiete auch über Gebiete mit verbleibenden Natur-Inseln dazwischen erstrecken können. Andererseits wird ein Tagebau irgendwann wieder zu Natur, während man die viel größeren Maisanbauflächen dauerhaft für die Natur blockieren würde, wenn man an Biogasproduktion im aktuellen Umfang festhält.
Biogasanlagen im Vergleich zu Photovoltaikanlagen
Vergleichen kann man Biogasanlagen auch mit Photovoltaik, denn letztlich wächst der Mais auf Basis derselben Energiequelle, der Sonne. Photovoltaik wird zwar von Kritikern als unergiebig bewertet, wenn sie bei uns in Mitteleuropa eingesetzt wird, aber was würde passieren, wenn man dieselbe Ackerfläche statt mit Mais mit PV-Panels bestücken würde? Wie würde sich das auf den Energiegewinn auswirken?
Für Photovoltaik-Freilandanlagen lässt sich als Faustregel annehmen, dass damit in Deutschland pro Hektar und Jahr 400.000 bis 500.000 kWh Strom erzeugt werden können (Quelle). Da sind bereits die Zeiten mit berücksichtigt, in denen PV keinen oder wenig Strom liefern kann, also nachts und im Winter. Für die gewinnbare Strommenge aus Biogas ergeben sich pro Hektar Werte zwischen 14.892 kWh (bei 85% angenommener Betriebszeit und einer erzielbaren Leistung von 2 kW/ha) und 19.710 kWh/a (bei 90% und 2,5 kW/ha). Im ungünstigsten Fall für die PV-Anlage würde diese also immer noch mehr als 20x so viel Strom liefern, wenn man mit ihr dieselbe Fläche nutzen würde, statt sie mit Mais zu bebauen.
Im Unterschied zur Biogasanlage könnte eine PV-Anlage das zwar nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt erbringen, aber selbst in Verbindung mit uneffektiven Speichertechnologien wäre das noch die bessere Alternative. Würde man den mit PV gewonnenen Strom mit der (momentan aber erst im Entwicklungsstadium befindlichen) „power-to-gas“-Methode in Methan umwandeln, käme man selbst mit noch schlechteren als dem dafür angenommenen Wirkungsgrad von 30 – 40% auf weit bessere Gesamtergebnisse als mit Biogasanlagen.
Klimaneutral? Angeblich ist Energiegewinnung aus Pflanzen klimaneutral, weil der im Pflanzenmaterial enthaltene Kohlenstoff zuvor aus der Atmosphäre gewonnen wurde. Diese Rechnung geht selbstverständlich schon deshalb nicht auf, weil für Anbau, Düngung, Ernte, Verarbeitung und Entsorgung der Energiepflanzen bereits selbst viel Energie verbraucht wird.
Viel problematischer ist aber die Tatsache, dass die Produktion von Biogas schädliche Treibhausgase freisetzt. Ein großer Anteil des entstehenden Methans wird gar nicht genutzt, sondern gelangt direkt in die Atmosphäre. Bereits vor der Verwendung entsteht Methan, wenn in der „Vorgrube“ die mit zum Einsatz kommende Gülle mit den anderen Substraten vermischt wird. Eine schlecht geplante Vorgrube kann bereits der größte Emissionsherd der Verarbeitungskette sein. Auch die eigentlichen Biogasanlagen sind meist nie komplett dicht. Sie sind oben nur mit einer Folie geschlossenen, weshalb dort oft Gas entweicht. Bei drohendem Überdruck wird das Gas sogar absichtlich direkt nach draußen abgelassen. Eine weitere Ursache für entweichendes Methan sind manuelle Arbeiten im Inneren dieses Bereiches. Wenn das verbrauchte Pflanzenmaterial ausgewechselt werden soll, müssen die Anlagen sehr gründlich gelüftet werden, weil sonst Vergiftungsgefahr besteht. Dasselbe muss passieren, bevor (immer einmal wieder auftretende) technische Störungen beseitigt werden können. Weiterhin wird bei der späteren Verbrennung nicht das gesamte Methan verbrannt, sondern es entweicht ein gewisser Anteil mit in die Umgebung („Methanschlupf“). Nach der Nutzung in der Anlage ist das Substrat auch noch nicht komplett verbraucht, sondern gibt weiterhin mehrere Monate lang in der „Endgrube“ Reste von Methan direkt in die Umgebung ab. Man geht davon aus, dass in Biogasanlagen bis zu 15% des entstehenden Methans so verloren gehen*. Wie viel es tatsächlich ist, weiß niemand. Bei Untersuchungen der Dichtheit von Anlagen versuchen Experten, zumindest hier auf weniger als 4% Methanschlupf** zu kommen. Allerdings lassen nur wenige Betreiber ihre Anlagen überhaupt untersuchen und gesetzliche Verpflichtungen dazu existieren nicht.
(* Bei Erdgas entsteht durch Förderung und Transport wahrscheinlich nur ca. 1% Verlust. Leider sind auch hier aussagekräftige Quellen kaum zu finden)
Ein zusätzliches Problem ist mangelnde Sicherheit durch schlechte Ausbildung der Betreiber: „Biogas-Anlagen sind hoch technische Bauten mit sehr komplexen Abläufen, doch der Landwirt muss keinerlei Nachweis erbringen, eine solche Anlage auch bedienen zu können. Und so kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Teile der Anlagen explodieren, es tritt Methangas aus, giftige Gärreste gelangen in Flüsse und Bäche.“
Diese Kritik des NDR versuchte übrigens ein Kommentator mit dem Argument zu widerlegen, er als Betreiber einer Biogasanlage hätte immerhin einen 2- tägigen Lehrgang besucht, in dem „alle sicherheitsrelevanten Aspekte besprochen und erklärt“ wurden. Dass eine nur 2-tägige Ausbildung für solche komplexen Zusammenhänge ausreichen soll, ist fast schon lustig. Man stelle sich diese Verfahrensweise in einem beliebigen anderen technischen Bereich vor …
Entweichendes Methan ist jedenfalls ein Problem, denn es wirkt wie CO2 als Treibhausgas, aller- dings ca. 25x so stark. Noch drastischer ist das ebenfalls entstehende Lachgas (N2O), welches ein etwa 300x so großes Treibhauspotenzial wie CO2 hat und rund 10x solange wie Methan in der Atmosphäre verweilt.
Da für den Maisanbau teilweise sogar Naturflächen wie Moore als Ackerland genutzt wird, entweichen von dort zusätzlich große Mengen CO2, die vorher im Boden gebunden waren. Durch solche falschen Maßnahmen und auch durch den Einsatz von Dünger und Pestiziden entstehen auf den Anbauflächen mehr Treibhausgase, als die Pflanzen aus der Luft jemals wieder aufnehmen könnten.
Längst wird der benötigte Mais für Biogasproduktion sogar importiert. Abgesehen von dem damit verbundenen Treibstoffverbrauch wird bei uns gern ausgeblendet, was das für die Natur in den Anbaugebieten bedeutet. Eine große Menge Mais kommt neben Argentinien auch aus Brasilien*. Dort werden immer weitere Flächen des noch vorhandenen Urwalds im Amazonas vernichtet. Was das und die dabei oft angewendete Brandrodung für den Klimaschutz bedeutet, muss hier sicher nicht weiter erklärt werden.
Biogas hat gegenüber Erdgas eine schlechte Qualität
Biogas enthält weitaus weniger Methan als Erdgas und besteht deshalb noch aus weiteren Bestandteilen. Das senkt seinen Heizwert, im Vergleich zu reinem Erdgas ist er nur etwa halb* so hoch. Das bei uns verwendete „H-Gas“ aus den GUS-Staaten besteht zu circa 98 % aus Methan, bei H-Gas aus der Nordsee sind es 89 %. Den Rest des Gasgemisches bilden hauptsächlich andere brennbare Kohlenwasserstoffe (Alkane). Diese setzen zwar bei der Verbrennung eine geringere Energiemenge frei, aber sie können immerhin eine solche beitragen und verbrennen wie Methan zu Wasser und CO2.
(* Heizwert Biogas: 4-7,5 kWh/m3 (abhängig vom Methangehalt, ca. 5 kW/m3 bei 50% Methangehalt). Heizwert Erdgas: 8,2 – 11,1 kWh/m3.)
Bei Biogas ist das anders. Die wichtigsten Bestandteile darin sind: Methan 40 – 75 %, CO2 ca. 25 – 55 %, Wasserdampf 0 – 10 %, Stickstoff 0 – 5 %. Bei der Verwendung von Mais beträgt der Methananteil etwa 50%, bei Verwendung von Gülle etwa 60%. Der Rest besteht hauptsächlich aus CO2. Wenn Biogas mit in das Erdgasnetz eingespeist werden soll, muss das CO2 entfernt werden. Da aber viele Biogasanlagen durch ihre ländliche Lage gar nicht an dieses Netz angeschlossen sind, sondern ihr Gas direkt zur Stromerzeugung nutzen, gelangt das CO2 beim Verbrennen unverändert direkt mit in die Luft. So wird der Vorteil von Erdgas, gegenüber Kohle pro erzeugter Energiemenge weniger CO2 zu emittieren, bei der Verwendung von Biogas praktisch wieder zunichte gemacht.
Biogas wäre ohne Subvention unrentabel
Vor der Einführung der Subventionen ist nie ein Landwirt auf die absurde Idee gekommen, seine komplette Ernte verfaulen zu lassen, nur um so Methan erhalten und daraus etwas Strom produzieren zu können. Momentan wird das ausschließlich wegen der Subventionen getan. Doch was wird passieren, wenn die für Biogas gezahlten Subventionen eines Tages auslaufen? Wird sich Strom aus Biogas dann ausreichend billig produzieren lassen, so dass er normal am Strommarkt verkauft werden kann.
Sehr aufschlussreich ist hierfür diese Kostenberechnung für eine 200kW-Anlage. Die durchschnittlichen Leistungen von Biogasanlagen sind zwar seitdem gestiegen und erreichen möglicherweise* bald die 500kW-Grenze. Da die Leistungsklasse 150 – 500 kW aber die am häufigsten eingesetzte ist und in diesem Bereich alle Leistungen gleich vergütet werden, erscheint diese Kostenberechnung durchaus noch sinnvoll, um sich einen grundsätzlichen Eindruck zu verschaffen. Da die Einnahmequelle hauptsächlich aus der produzierten Elektroenergie besteht, müssen zu dieser lediglich die gesamten Produktionskosten gegengerechnet werden (Daten siehe S. 6-7):
(* in verschiedenen Quellen werden unterschiedliche Angaben zu aktuellen Durchschnittsleistungen gemacht)
Die Gesamtkosten der vorgestellten Beispielanlage betragen pro Jahr 249.904 €, für den Stromverkauf werden in diesem Zeitraum 1.514.141 kWhel angenommen. Das bedeutet, dass der Verkaufspreis mindestens 16,5 Ct/kWh betragen müsste, um lediglich die Kosten zu decken. Für einen in der Rechnung veranschlagten Jahresgewinn* von nur 25.000 € müssten bereits 18 Ct/kWh eingenommen werden. Wie unrealistisch das unter normalen Marktbedingungen wäre, zeigt ein Blick auf die tagesaktuellen Preise an der Strombörse** und auf die in den letzten Jahren dort erzielten Preise. Meist lagen diese um die 5Ct/kWh.
(* Was hier noch fehlt, sind zu entrichtende Steuern)
(** Umrechnungshinweis: z.B. 30 €/MWh entspricht 3Ct/kWh)
Es ist zwar vorstellbar, dass man mit größeren Anlagen als nur 200 kW und auf damit verbundenen größeren landwirtschaftlichen Flächen noch Potentiale für Kosteneinsparungen findet, aber wenn man sich die konkreten Ausgabeposten betrachtet, erscheint es sehr unrealistisch, dass dort derartig umfassende Einsparungen möglich sind, dass Biogas jemals marktfähig sein könnte.
Insofern ist es auch völlig sinnlos, jetzt überhaupt erst Subventionen in diese Technologie zu stecken. Subventionen können durchaus zweckmäßig sein, um neue Technologien zu fördern und sie über erste Hürden zu bewegen. Wenn aber von vornherein klar absehbar ist, dass sich diese Technologie niemals selbst tragen können wird, sollte man das Geld besser in sinnvollere Dinge investieren. Selbst das als teuer geltende Erdgas ist mit Herstellungskosten von 4,90 Ct/kWh noch weitaus billiger als Biogas. Seit der Einführung des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz* hat sich die Zusammensetzung der – vorher aus mehreren Anteilen bestehenden – Subvention für Biogas deutlich vereinfacht, ihr Gesamtbetrag stieg dabei allerdings noch. Momentan setzt dieser sich zusammen aus der Grundvergütung und der Vergütung für den verwendeten Einsatzstoff (Quelle, S.6 – 7). Bei hauptsächlicher Verwendung von Mais bedeutet das (Quelle, S. 6-10) für eine 2012 in Betrieb genommene Anlage ≤ 500 kW: 12,3 Ct/kWh Grundvergütung + 6 Ct/kWh Vergütung für Einsatzstoff Klasse 1, also insgesamt 18,3 Ct/kWh.
(* EEG vom 04. August 2011 „EEG 2012“)
Es wirkt sehr aufschlussreich, wenn in der bereits erwähnten Wirtschaftlichkeitsberechnung (S. 5) der Satz zu finden ist: „Die benötigte elektrische Prozessenergie (für die Biogasproduktion, Anm. F. Nagel) quantifiziert man überschlägig mit 5-10% der Stromerzeugung und kauft sie in der Regel kostengünstiger separat zu als sie durch den selbsterzeugten Strom des BHKWs abzudecken“. Den benötigten Strom woanders billig einzukaufen, als den teuren selbst produzierten zu verwenden – das sagt eigentlich bereits alles über die Rentabilität von Biogas aus.
Biogas treibt die Bodenpreise hoch und schadet so der Landwirtschaft
Diese durch Subventionen ermöglichte Methode, regelrecht Geld zu drucken, lockt natürlich große Investoren an. Längst zeichnet sich der marktübliche Prozess ab, dass kleine Betreiber von Biogasanlagen durch Großbetreiber „geschluckt“ werden. Der Bedarf nach Maisanbaufläche treibt die Bodenpreise in die Höhe, zum Beispiel in Norddeutschland explodierten sie geradezu:
Diese durch Subventionen ermöglichte Methode, regelrecht Geld zu drucken, lockt natürlich große Investoren an. Längst zeichnet sich der marktübliche Prozess ab, dass kleine Betreiber von Biogasanlagen durch Großbetreiber „geschluckt“ werden. Der Bedarf nach Maisanbaufläche treibt die Bodenpreise in die Höhe, zum Beispiel in Norddeutschland explodierten sie geradezu:
Diese Entwicklung hängt eindeutig auch mit dem Ausbau von Biogas zusammen:
„Damit haben sich die Kaufpreisniveaus für Acker- und Grünland gegenüber 1996, also in einer Zeitspanne von 15 Jahren, um knapp 50 bzw. knapp 30 % erhöht. Davon fiel der Preisauftrieb in den letzten 3 Jahren besonders stark aus. Dabei war die landesweite Entwicklung aber in den Regionen von ganz unterschiedlicher Dynamik getragen. Ganz offensichtlich haben die Veredelung und der Biogasboom in der Weser-Ems-Region die Dynamik der Kaufpreissteigerung am meisten befeuert. Hier hat sich der Kaufpreis für Ackerland seit 1996 von 17.376 €/ha um 18.375 € bzw. 106 % (!) auf durchschnittlich 35.751 €/ha erhöht.“ (Landwirtschaftskammer Niedersachsen)
Eine Folge davon ist, dass sich für immer mehr Bauern „richtige“ Landwirtschaft nicht mehr lohnt, weil sie sich die Pacht für Ackerflächen nicht mehr leisten können. Paradox wirkt es, dass der angebliche Öko-Strom aus Biogasanlagen dadurch ausgerechnet auch die Biolandwirtschaft schädigt, die von der Bodenverteuerung logischerweise ebenso betroffen ist. Dies wird z.B. vom Erzeugerring DEMETER kritisiert, aber auch in anderen Quellen beschrieben.
Fast nebensächlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass der Mais für den Bedarf der Biogasanlagen keineswegs unter den Aspekten der Ökolandwirtschaft angebaut wird, obwohl das für Ökostrom doch gerade angemessen wäre.
Keine Regelleistung
Ein fast nebensächlich erscheinender Nachteil von Biogasanlagen ist, dass sie in ihrer Leistung nicht geregelt werden, um sie an unterschiedlichen Strombedarf im Netz anzupassen. Betreiber von Biogasanlagen sind im Gegensatz zu den Betreibern konventioneller Kraftwerke nicht verpflichtet, Regelleistung vorzuhalten, um solche Schwankungen im Netz mit auszugleichen. Stattdessen laufen ihre Anlagen einfach unabhängig vom Strombedarf möglichst mit konstanter Leistung durch. Biogasanlagen könnten aber prinzipiell z.B. die unstetige schwankende Leistung von Wind- und Solarkraft schnell genug ausgleichen. So könnten sich diese Erneuerbare-Energie-Quellen eigentlich gut ergänzen. Das wird allerdings nicht gemacht. Die Gründe dafür sind organisatorische, ökonomische und technische. Zunächst erhalten die Betreiber von Biogasanlagen üblicherweise gar keine Informationen über die Netzauslastung, so dass sie diese nicht auswerten können. Eine Regelmöglichkeit würde auch die Investition in entsprechende Technik voraussetzen, die sich aber gerade Kleinbetreiber lieber sparen. Genau solche finanziellen Gründe sorgen auch dafür, dass keine Speicherbehälter gebaut werden, mit denen man entstehendes Biogas in Zeiten geringen Strombedarfes zwischenspeichern könnte. Letztlich ist es auch eine finanzielle Frage für den Betreiber: Warum sollte er seine Anlage drosseln und so in dieser Zeit weniger einnehmen, nur weil (ihm völlig unbekannte) andere Betreiber von Windkraft- oder PV-Anlagen gerade Geld einnehmen? Der Betreiber der Biogasanlage erhält ja keinen Ausgleich für diesen Verlust.
Quelle: http://www.frankshalbwissen.de/2013/11/13/faktensammlung-biogasanlagen/
Weitere Informationen zu Biogasanlagen:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87908006.html
http://www.biogasanlagen-versus-anwohner.de/index.php/eeg2012.html