Der Vortrag fand am 19.03.2017 um ca. 20 Uhr OOC in der SkyBox von AZ Arizona statt.
SLURL: http://maps.secondlife.com/secondlife/AZ%20Arizona/112/128/1000
…
K.: Da brauch' ich Sie nicht dazu. Das seh' ich selbst, dass der (Paukist) nicht da ist.
V.: Nein, der ist nicht da!
K.: Ja, ist schon recht. Das seh' ich ja, dass er nicht da ist!
V.: Wenn er nicht da ist? Der ist nicht da heut'!
K.: Ja, hör'n denn Sie schlecht! Ich sag doch eben, das seh' ich selbst, dass er nicht da ist.
V.: Ja, wie kann man denn einen seh'n, wenn er nicht da ist?
…
Zitat aus Die Orchesterprobe, Karl Valentin/Liesl Karlstadt
Im Rahmen des WildWest-Roleplays in SecondLife (SL) ist das spontane Ableben eines Charakters eher unwahrscheinlich. Dieser tritt in der Regel ein, wenn der Spieler seinen Charakter gezielt beendet, 1. um einen anderen Charakter zu steuern oder 2. wenn er aus dem Wild West-Roleplay gezielt aussteigen will. Eine dritte, eher unglückliche Variante ist, dass er ungewollt aus technischen oder gesundheitlichen Gründen das Roleplay nicht mehr fortsetzt. Derlei traurige Anlässe hatten wir leider in der letzten Zeit mehrmals und so denke ich ist es konsequent, das Thema allgemein als TC-Vortrag zu behandeln. Praktisch gleichzeitig hatten Julianne Stewart und Wahleeah, aber bestimmt auch andere mit mir solche Gedanken, als wir dem Apachen 'Schwarze Eule' die letzte Ehre im Bergwald der Apachen erwiesen. Unvergessen bleiben wohl auch die Auswirkungen durch den Tod von Tina Winkler, und dass nicht nur, weil es hier eine Ownerin traf.
Dieser Vortrag wird die Fragestellungen hieraus bestimmt nicht in Gänze klären. Ich versuche jedoch, einige Aspekte zu benennen und damit auch Wege aufzuzeigen, wie die Auflösung eines elektronischen Nachlasses im Allgemeinen von Statten gehen könnte und welche Hilfsmittel eingesetzt werden können, um den Ausstieg aus dem Roleplay zu regeln. Im worst case ist der Spieler verstorben und hat keine Regelung für seine ‚elektronische Identität‘ getroffen. Wenn ich hier von 'Ableben' spreche, so ist damit sinngemäß jegliche Form der Verhinderung einer Anteilnahme am digitalen Geschehen gemeint, also auch Unfall, Koma, Entführung durch Außerirdische oder ähnliches. Ich gehe vom worst case aus, denn alle anderen ‚Abschwächungen‘ davon können in die Fragestellungen zum digitalen Nachlass einbezogen werden.
Betrachten wir nun zuerst eine beispielhafte Situation. Viele Rollenspieler in internetgestützten Systemen kennen sich nicht physisch. Soll heißen, die wenigsten kennen einander persönlich oder haben direkten, Brief- oder Telefonkontakt. Oftmals weiß man nicht einmal, ob der Spieler eines Charakters männlich oder weiblich ist. Das Internet lässt hier eine große Anonymität zu. Das kann für den Spieler angenehm sein, denn diese Effekte bedeuten auch, dass die Hürden zur Kontaktaufnahme im Rahmen des digitalen unterstützten Roleplays minimal sind. Ausgrenzende Voraussetzungen sind hier eher technischer Natur. Fällt die Technik aus, ist eine Steuerung des Avatars jedoch nicht mehr möglich und die wichtigste Kommunikationsebene fällt damit weg. Die Problematik wird augenscheinlich auch im gleichnamigen Film ‚Avatar‘ aufgegriffen. Der gehandikapte Spieler erlebt als Avatar Freiheiten und soziale Kontakte in und durch die virtuelle Existenz. Ein Ausfall der Technik oder das Ableben des Spielers führt zum Ende des an ihn gekoppelten virtuellen Charakters.
Dieses Ausscheiden aus welchen Gründen auch immer wird von den anderen Mitspielern über die Schnittstelle der virtuellen Welt als dauerhafte Abwesenheit des betroffenen Avatars wahrgenommen. Und hierin liegen Unwägbarkeiten oder auch Interpretationsfreiheiten. Ist der Spieler in Urlaub, ist seine Hardware ‚abgeraucht‘, ist er krank, verunfallt oder gar verstorben? Das wissen die anderen nicht, wenn nicht im Vorfeld entsprechende Informationen geflossen sind. Oft weiß man also nicht, ob andere Mitspieler kurzfristig oder dauerhaft abwesend sind, ob man sich Sorgen um den Spieler machen muss – also sorgt man sich.
Obwohl man durch die technische Schnittstelle nur ein Avatar unter Vielen ist, baut ein Spieler über seinen Avatar Beziehungen zu anderen Spielern auf. Hier mag ich vor allem für mich selbst sprechen, doch ich denke, dass der Effekt so oder so ähnlich auch bei den anderen Rollenspielern spürbar ist. Ich komme zum Roleplay, weil mir – als Spieler – die Art und Weise wie die Umgebung aufgebaut ist und mit welchen Avataren ich dort interagieren kann, gefällt. Mir gefällt also, wie sich der andere Avatar in der virtuellen Umgebung darstellt – unabhängig von dessem Spieler in der realen Welt.
Klingt erstmal komisch, ist aber so. Ich reagiere auf das Bild, was mir geliefert wird. Doch ist es im richtigen Leben nicht genauso? Was daraus erwächst, sind Stimmungen und Gefühle, Sympathie oder Abneigung. Sind die Effekte der Sympathie groß genug und die der Abneigung nicht zu groß, werde ich als Spieler in der Gemeinschaft bleiben – sofern nichts dazwischenkommt. Ich spreche hier über Empathie, also emotionale Beziehungen, welche bei einer Trennung durch dauerhafte Abwesenheit einer Bezugsperson verarbeitet werden wollen, auch wenn der soziale Kontakt rein virtuell war. Ein Appell an die Vernunft hilft da nur bedingt.
...
As time goes bye – Digitaler Nachlass und Trennung auf Dauer im Rollenspiel
Präambel 1
As time goes bye - Trennung auf Dauer 2
Digitaler Nachlass 3
Hardware und Infrastruktur 3
Datenschutz 3
Digitaler Nachlass in SL 5
Emotionen 6
Ohne Todesanzeige geht es auch 7
Spontaner Ausstieg ist planbar 7
Ansprechpartner 7
Ideen und Mustervorlagen für SL-Nachlassregelungen 7
Stufe 1: Abwesenheitsprüfung 7
Stufe 2: SL-Testament 7
Anhang 9
Quellen 10
Endnoten 11
Den gesamten Vortrag gibt es als PDF unten als Downloadangebot.