Der öffentliche Vortrag am 28. August 2016 20:15 MESZ (1867 in AZ Arizona) stand unter dem Arbeitstitel "Die zweite Haut". Er schließt gewissermaßen an den zuvor schon thematisierten Bereich von Textilien und Fasern an. Der Vortrag fand im Theater von Tucson statt und wurde auch mit Voice abgehalten. Der Vortrag wurde aus Zeitgründen geteilt (Teil 1: Geschichte und Anatomie des Fells, Zurichten, Gerben und Lederherstellung sowie Teil 2 Kürschnerei und Pelze).
Wir alle gleichen sehr dem Leder,
„Gesalzen“ wird vom Schicksal jeder.
Und wills uns manchmal auch nicht passen,
Wir müssen tüchtig Haare lassen.
Und dass der Mensch zum Leben tauge,
Kommt oftmals er in bittre Lauge.
Gar wenig wird des Lichts er frohe
Denn öfters kommt die scharfe Lohe.
Die ziemlich uns am Felle ätzt.
Man wird, und wills nicht, oft „versetzt“!
Wir können meistens nicht begreifen,
Im Grubendunkel muß man reifen,
Bis Fehler, Flausen, Irrtum sterben,
So lange heißt es: gerben, gerben!
Dann endlich für des Daseins Rest
ist unsre Faser hart und fest,
Voll Widerstand in den Geweben,
dank unserm Gerbermeister - Leben.
-mündliche Überlieferung- Quelle: http://www.lederpedia.de/gerber_sprueche_redensarten_lieder/gerbersprueche_lieder_redensarten
Ein wenig Anschauungsmaterial, auch als Vorbereitung zu Teil 2 geeignet:
<<Bild 02>> Ausbalgen
Quelle: http://www.auenlaender-wochenblatt.de/erfinderisches-aus-mittelerde-die-vielseitigkeit-der-baumrinde-teil-5/
Die einzelnen Teile ein und derselben Haut sind in ihrer Qualität auch sehr verschieden. Der beste Teil befindet sich in der Mitte der Haut, und zwar vom Schweife bis zum Anfange des Nackens und seitwärts bis über die Mitte des Bauches hinab; man bezeichnet denselben als Kern oder Croupon und unterscheidet bei ihm zwei Teile: den nach dem Schweife zu liegenden, Schild, und den nach dem Nacken zu liegenden, Rücken genannt.
Der Abfall ist derjenige Teil, welcher verbleibt, wenn man aus der Haut den Kern herausschneidet (Crouponnieren); derselbe besteht aus dem Kopfe (den mittleren Teil desselben nennt man Stirnling und die Seitenteile Laschen), dem Halse, den Vorderklauen, den Flämen oder Schlampen (das sind die weichen lockeren Teile um die Schultergelenke, die Vorderfüße und die sich nach hinten zu anschließenden Teile), den beiden Bauchstreifen und den Hinterklauen.
Das Randstück des Schildes mit dem Schweife, Kratze genannt, wird bei Häuten, die zu Sohlleder verarbeitet werden, auch zum Abfall gerechnet. Die besten Abfallteile sind der Hals und die Kratze und die schlechtesten die Flamen.
Quelle: Lueger, Otto; Lexikon der gesamten Technik; 2. A. 1904-1929, S. 82 ff. http://www.zeno.org/Lueger-190
s. s. http://www.lederpedia.de/rohhaut_rohware/flaecheneinteilung_der_haut
<<Bild 01>>
Mandan-Häuptling Mató Tópe mit verziertem Büffelfellumhang (1833, Aquarell von Karl Bodmer)
Vor dem Kontakt mit Weißen benutzten die Prärie-Indianer vornehmlich Hirsch- und Büffelleder zur Anfertigung ihrer Kleidung. Sie gehörte zum Aufgabenbereich der Frauen. Die Alltagskleidung des Präriejägers bestand aus einem Lendenschurz, den bis zur Hüfte reichenden und dort an einem Gürtel befestigten Leggings (Gamaschen) und Mokassins.
Quelle:
http://www.indianerwww.de/indian/praerie.htm
Haut:
<<Bild 04>>
Ägypten 3.500 v. Chr.
Altägyptische Kürschner. Aus dem Bilderzyklus im Grab des Kammerherrn To in Saggara (fünfte Dynastie, um das Jahr 3500 v. Chr).
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leder
<<Bild 03>>
Partien der Tierhaut von Vierbeinern
Quelle: http://www.keiler.net/service/das-leder/
Partien der Haut
<<Bild 06>> Aufbau der Haut
<<Bild 05>>
Tipi aus Büffelleder (1869)
Die Plains-Indianer mussten häufig ihre Lagerplätze wechseln, da ihre Jagd auf den Bison spezialisiert war. Für diese nomadische Lebensweise fanden die Indianer im Tipi, dem kegelförmigen Stangenzelt, die geeignete Behausung. Die Stangen werden von den Frauen so aufgestellt, dass die in den Erdboden gerammten Enden einen Kreis bilden und sich die oberen Enden kreuzen. Über dieses Gerüst legen die Frauen zusammengenähte Planen aus Büffelleder und später auch aus Leinwand. Oben bleibt ein Abzug für den Rauch des sich in Zeltmitte befindenden Feuers offen. (nach:http://www.indianerwww.de/indian/praerie.htm)
Damit waren die vorbereitenden Arbeiten an den Häuten abgeschlossen.
Die in der Wasserwerkstatt vorbereiteten Häute nennt man im Fachjargon Blößen.
<<Bild 08>>
Enthaaren und Entfleischen in der Wasserwerkstatt,
Druck von 1568
<<Bild 10>>
teilenthaarte Häute auf Schabebäumen in einer walisischen Gerberei (St. Fagans)
<<Bild 09>>
diverse Felleisen aus der Wasserwerkstatt, Freilichtmuseum Hagen
Quelle: Von Zureks - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2663618
Strauß
http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserwerkstatt
<<Bilderserie 11>>
Rind
typische Narbenbilder:
Quelle:http://www.lederpedia.de/narbenbilder/start
Schwein
Pferd
Reh
Lachs
Ziege
Hirsch
Schaf
Python (Schuppen)
<<Bild 14>> Schabeisen
<<Bild 24>> Grubenzange
<<Bild 20>> Putzmesser
<<Bild 25>> Schlichtzange
<<Bild 12>>
Gerber beim Befüllen der Einsetzgrube mit Lohe
Quelle: http://www.gerberei-rudolph.de/grubengerbung/
Exemplarische Auswahl von Werkzeugen des Gerbers und Zurichters:
<<Bild 15>> Fleischeisen für Rauchwaren
<<Bild 26>> Kalk- oder Äscherzange
<<Bild 16>> Haar- oder Pöhleisen
<<Bild 21>> Schrauben- oder Lohfalz
<<Bild 27>> Lederschere
<<Bild 13>> Crouponiermesser
<<Bild 17>> Doppelter Scherdegen
<<Bild 22>>Stoßeisen, Recker oder Schlicker
<<Bild 18>> Schersense
<<Bild 23>> Glättsteine
Durch die Hand des Arbeiters wird diese Bewegung vermittelt und zugleich dem Werkzeuge, nach Maßgabe des zu erreichenden Zweckes, eine Führung erteilt, wobei die Geschicklichkeit des Gerbers eine große Rolle spielt.
<<Bild 19>> Glätteisen
Gerberwerkzeuge sind selbst in den größten Lederfabriken nicht ganz zu entbehren. Besonders in der Wasserwerkstatt haben die Werkzeuge des Gerbers noch teilweise ihren Platz behauptet.
<<Bild 28>> Armkrispelholz
Wo man Lederspezialitäten herstellt gibt es mannigfaltige Arbeiten, zu deren Verrichtung es noch keine Maschinen gibt, und die nur mittels Werkzeugen von Hand verrichtet werden können.
In diesem Falle bleibt das Werkzeug noch immer eine der wichtigsten Grundlagen des Betriebes. Wie bei den Gerbereimaschinen bringt jede Vervollkommnung der Werkzeuge eine Verbilligung der Herstellungskosten des fabrizierten Leders. Aus diesem Grunde werden heute an die Qualität der Gerberwerkzeuge von Seiten der Konsumenten die höchsten Anforderungen gestellt.
Für jeden Gerbereibetrieb ist es von Vorteil, wenn sämtliche Schneide Werkzeuge, wie Scherdegen, Falze usw. aus Stahlsorten gleicher Art sind und das Nachschleifen einheitlich an einer Zentralstelle vorgenommen wird. In diesem Falle läßt sich das zeitraubende individuelle Schleifen seitens der Arbeiter vermeiden und schaltet diese einfache Wiederinstandsetzung abgenützter Werkzeuge jede Qualitätsverminderung aus und schützt den Lederfabrikanten vor Verlusten.
Quelle: http://www.lederpedia.de/lederbegriffe/gerberwerkzeuge_wie_gerberbaum_scherdegen_haareisen
<<Bild 32>> Stollpfahl oder Stollbock
<<Bild 34>> Hand-Chagrinierapparat
Um eine gute Schneide zu erhalten, ist es eine Hauptbedingung, die Werkzeuge sauber und akkurat zu schleifen. Im Allgemeinen werden sie zuerst auf einem Schleifstein vorgeschliffen, dann auf einem Abziehstein von mittlerem Korn weiter behandelt und schließlich auf einem feinen Abziehstein fertig abgezogen. Werkzeuge, deren Schneide umgelegt, resp. mit einem Faden oder Draht versehen wird, müssen zuerst so fein geschliffen sein, dass keine Spur vom Korn des Sandsteines darauf zu sehen ist und die geschliffene Fläche ganz blank erscheint.
<<Bild 29>> Armpantoffelholz
<<Bild 35> Abziehsteine>
<<Bild 30>> Stollmond
<<Bild 33>> manuelles Stollen auf dem Stollpfahl
Als Gerberwerkzeuge können alle diejenigen Vorrichtungen gelten, die bei der Bearbeitung der Häute und Felle sämtliche durch die Hand des Gerbers damit ausgeführten Bewegungen unmittelbar auf das Werkstück übertragen. Diese manuelle Arbeit macht entweder eine Bewegung des Werkzeuges gegen das Leder erforderlich oder umgekehrt, das letztere wird gegen das Werkzeug geführt (Stollen auf dem Stollpfahl).
<<Bild 31>> Schlichtmond