Mittwoch, 13. Juni - Der letzte Tag

Nachdem Blahwas und Manuel für heute keine Motivation für einen letzten Fahrtag aufbringen konnten, starten Tremor und ich noch einmal Richtung Mugello, um einige Strecken nachzuholen bzw. noch einmal zu fahren.

Das Wetter lässt allerdings nichts gutes ahnen, aber wir schaffen es die erste Stunde trocken zu bleiben und immer knapp am Regen vorbei zu navigieren. Die Nicht-Nass-Werden-Serie für diesen Urlaub muss halten.

Wie das so mit den Vorsätzen so ist, fängt es wenige Kilometer vor Mugello an wie aus Eimern zu schütten. Wir haben rechtzeitig unsere Regenkombis angezogen, nur meine Stiefel sind nicht wasserdicht. Aber egal es ist warm und die werden auch schnell wieder trocken, wenn es dann mal wieder aufhört.


In Mugello angekommen, lässt der Regen kurzzeitig etwas nach. Auf der Rennstrecke fahren nur wenige Tourenwagen, und leider keine Motorräder. Schade, aber nicht zu ändern. Die schöne Strecke nördlich der Rennstrecke zum Passo del Giogo di Scarperia, wegen der wir unter anderem hier sind, können wir aufgrund des starken Regens nicht wirklich genießen. Nach ein paar Kilometern im nächsten Tal legt sich der Regen und die Sonne meldet sich wieder zurück. Wir lassen uns lufttrocknen und fahren zum Passo Carnevale, ein schöner zu fahrender Pass, praktisch ohne jeden Verkehr.

Nach einer Weile will ich zu einem kurzen Trink-Stopp neben der Straße und schaue mich nach Tremor um. Dabei achte ich nicht auf den Untergrund auf dem ich meinen Fuß abstellen möchte, was mir schon im letzten Jahr auf der Stella Alpina einem dämlichen Umfaller eingebracht hat. "Nicht schon wieder!" denke ich als, mein Fuß in einer Rinne deutlich später als erwartet Bodenkontakt findet. Ich kann mein Motorrad so gerade noch halten, aber es ist eindeutig zu schräg, um es wieder aufzurichten. Wo bleibt Tremor, wenn man ihn braucht! Aber er ist schon hinter mir und fährt geistesgegenwärtig direkt neben mich, so dass ich mich an ihm abstützen kann und das Motorrad sogar wieder aufgerichtet bekomme.

Ich habe ja den Verdacht, dass er seine Felle bei unserer internen Ereignis-Rangliste davon schwimmen sah und mich deshalb aus meiner misslichen Lage befreit hat. Wir einigen uns auf einen halben Punkt in der Wertungskategorie. Zwischenstand: Blahwas 1, Tremor 3, Manuel 0 und ich 3,5. Aber der Tag ist ja noch lang.

Neben uns hält ein Geländewagen und der Fahrer fragt uns etwas auf italienisch.

Ich antworte ihm auf italienisch, dass ich kein Italienisch verstehe "Scusi, non parlo Italiano. Vengo dalla Germania.", was meist erst mal etwas Verwirrung stiftet, aber mein Minimal-Italienisch reicht nur zum Überleben, aber nicht für eine Konversation.

Er fragt uns dann auch Englisch, ob wir seinen Hund gesehen haben, der ihm entlaufen ist. Leider können wir nicht weiter helfen.

Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und meine Stiefel sind längst wieder trocken. Wir erklimmen den Passo del Muraglione und den Valico dei Tre Faggi. Auf der folgenden Abfahrt verliert Tremor immer wieder den Anschluss und ich wundere mich schon, da ich nicht sonderlich zügig unterwegs bin.

Beim der folgenden Trinkpause wissen wir auch warum. Tremor hat sich einen Platten eingefahren, der Reifendruck liegt nur noch bei ca. einem Bar Überdruck. Da es wieder ein paar Tropfen regnet und wir keinen Kompressor dabei haben, beschließen wir einen kleinen Umweg von 5 Kilometern zu einer Tankstelle, in der vagen Hoffnung dort Pressluft, aber zumindest ein trockenes Plätzchen zum Flicken des Reifens zu finden.

Wir rollen vorsichtig zur Tankstelle, die aber leider geschlossen ist und keine Pressluft anbietet. Dafür haben sich die Regenwolken verzogen ohne uns einzunässen.

Wir informieren Blahwas und Manuel, dass wir eine Stunde später als geplant zurück sein werden und machen uns an die Arbeit. Blahwas und Manuel bieten uns netterweise an, Tremors Maschine mit dem Anhänger abzuholen, aber das würde viel länger dauern.

Es dauert etwas, bis wir das winzige Loch finden. Die Ursache für das Loch ist nicht mehr erkennbar. Das Loch wird mit der Reibahle durchstochen und erweitert. Dann pressen wir den mit Vulkanisierungskleber eingeschmierten Flicken in das Loch und warten 10-15 Minuten.

CO2-Patronen habe ich keine mehr dabei, weil bei meinem letzten Platten drei Stück verbraucht habe und das trotzdem nur für 1,2 Bar gereicht hat. Stattdessen habe ich eine einfache sehr kleine Fahrradpumpe, die auch für Schrader-Ventile geeignet ist, dabei. Ich habe damit noch keinen Motorradreifen aufpumpen müssen und wir richten uns auf eine lange Sitzung ein.

Erstaunlicherweise füllen wir den Reifen trotz der kleinen Handpumpe in deutlich weniger als 10 Minuten auf über 2,5 Bar. Die Pumpe wird zwar sehr heiß und wir gönnen ihr zwischendurch mal eine kurze Pause zum Abkühlen, aber sie funktioniert tadellos. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mit einem kleinen 12V-Kompressor wäre das auch nicht schneller gegangen.

Nach einer halben Stunde sind wir wieder unterwegs und überwinden noch den Passo Braccina (Monte Guffone) und den Passo della Calla, bevor wir wohlbehalten den Campingplatz erreichen. Ganz dicht war der Flicken wohl nicht, oder es gibt noch ein zweites Loch. Das kann man aber durch einen zusätzlichen Streifen noch beheben. Tremor will das aber erst zuhause angehen oder sich direkt einen neuen Reifen gönnen.

Leider war's das schon wieder mit dem Urlaub und nach der Kür kommt die Pflicht und wir packen den Pavillon, Tische und Stühle ein und verladen die Motorräder. Beim Zusammenpacken fällt mir auf, dass ich meinen Autoschlüssel heute unterwegs verloren haben muss. Und das kurz vor Schluss, super! Problematisch ist das nicht, weil ich Blahwas für den Urlaub meinen Ersatzschlüssel gegeben habe, allerdings kostet ein Ersatzschlüssel 120€ zzgl. 30€ für die Kodierung. Aber egal, nicht zu ändern. Hauptsache alle sind gesund und es gibt auch keine substantiellen Materialschäden.

Der für den Abend angekündigte Starkregen hat sich sehr rücksichtsvoll noch Zeit gelassen und wir können alles komplett trocken einpacken.

Zum Abschluss des Urlaubes lassen wir uns von Tremor zu der Pizzeria chauffieren, die wir am vergangenen Sonntag ausfindig gemacht haben und speisen dort in mehreren Gängen.

Durch den Plattfuß hat Tremor in der Urlaubsereignisrangliste mein Überholmanöver mit dem Beinaheunfall auf der Zielgeraden noch gekontert und gewinnt die Gesamtwertung:

  • Platz 1 : Tremor mit 4 Punkten (2 Umfaller, 1 Auffahrunfall und 1 Plattfuss)
  • Platz 2 : Michael mit 3,5 Punkten (1 Umfaller, 1 Rutscher mit Bodenkontakt, 1 ohne Sprit liegen geblieben, 1 Beinahe-Umfaller, von Tremor verhindert (0,5 Punkte).
  • Platz 3 : Blahwas mit 1 Punkt (1 Umfaller)
  • Platz 4 : Manuel mit 0 Punkten

Manuel steht mit diesem Totalausfall damit eindeutig in der Pflicht, sich im nächsten Urlaub etwas einfallen zu lassen, um diese Schmach nicht zu wiederholen.

Die Nacht verläuft stürmisch und der Himmel öffnet seine Schleusen. Das schlimmste ist aber morgens überstanden und es tröpfelt nur noch. Die Zelte sind zwar klatschnass, aber wir kommen wir geplant um 7:00 Uhr los.