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2017 Grenoble & Stella Alpina

Nach vielen Berichten über die Stella Alpina, stand für mich fest: Das will ich mindestens einmal mitmachen. Eine kurze Nachfrage bei meinen üblichen Mitfahrern, sagten Tremor und Blahwas spontan zu. Wir entschieden uns für die Anreise mit Auto und Hänger. Unser Basislager sollte in den französischen Seealpen liegen und im Juli bietet sich Camping natürlich an. Ich fand einen Campingplatz südlich von Grenoble direkt am Grand Lac de Laffrey. Der See liegt einige hundert Meter höher als Grenoble, was sich als Segen heraus gestellt hat. Während es in Grenoble teilweise über 40° heiß war, lagen die Temperaturen am See bei angenehmen 25-27° ohne, dass es in der Nacht unter 15° abkühlte.

Zudem sind von hier aus endlos viele Pässe ohne lange Anfahrt zu erreichen. Fahrspaß vom ersten Meter an.

Wir entscheiden uns, wie beim letzten Urlaub in den Cevennen und Pyrenäen, für die Anreise mit Auto und Hänger. Dann können wir auch einen Pavillon mit Tisch, Stühlen und einer kleinen Kühltruhe mitnehmen. Sehr angenehm sowas, wenn man Abends noch etwas zusammen sitzen möchte.

Ich fahre mit Blahwas über Nacht, Tremor kommt im Laufe des Tages nach. Nach der Ankunft fährt Blahwas noch eine Runde, die ich mir spare, weil die 1.000 Km Anfahrt mit vier Stunden Schlaf ihre Spuren hinterlassen haben.

Der Campingplatz hat ein kleines Restaurant, die Eigentümer sind sehr nett und die Plätze großzügig. Die Lage am See ist einfach traumhaft. Der wird natürlich sofort getestet.

Am Abend planen wir den kommenden Tag. Wir entschließen uns gegen die Übernachtung bei der Stella Alpina und für unbepackte Motorräder. Der Weg dorthin über den Col de Lautaret, Col de Galibier und den Col de Telegraphe ist ohne Gepäck einfach noch reizvoller. Auch im Nachhinein eine gute Entscheidung. Insgesamt wird die Anreise ca. 300 Kilometer lang werden, also geht's früh los. Na ja, fast jeden falls. Statt 7:30 Uhr wird's 9:00 Uhr, aber wir sind ja nicht auf der Flucht.

Stella Alpina - Tag 1

Die Anfahrt über die Pässe wäre alleine schon ein Traum, aber es ist ja "nur" die Anfahrt.

Es gibt schlimmere Schicksale. Natürlich ist auf dem Galibier am Wochenende einiges los. Vor allem jede Menge Radfahrer. Aber unser Timing war goldrichtig.

Die kommen uns nur entgegen und wir haben freie Fahrt.

Die Stella Alpina nimmt uns direkt gefangen. Wir fahren Richtung Basislager, machen unterwegs einen kurzen Halt an einer Versorgungsstation und kommen nach einer sehr staubigen aber problemlos zu befahrenen Strecke am Lager an.

Wir halten uns nicht lange auf, da wir uns zu Höherem berufen fühlen und mach uns an den Aufstieg. Noch ein Blick zurück. Man kann kaum schöner zelten.

Der Weg hinauf ist sehr staubig, was allerdings kaum stört, solange man sich nicht direkt hinter der Dreckfahne eines Vorausfahrenden aufhält. Ich will mir aber nicht vorstellen, wie das bei Regen aussähe. Ob man den Schlamm dann mit Straßenreifen bezwingen könnte? Ich habe Zweifel. So aber geht es ohne Probleme. Fast. Kurz hinter einer Kehre halte ich an, weil meine Mitreisenden nicht mehr in Sicht sind. Ich versuche sie zu entdecken. Ich hätte besser erst mal angehalten und dann geschaut. So aber greift mein rechter Fuß beim Anhalten ins leere. Das hier tiefere Rinnen und Löcher vorkommen, hätte ich inzwischen ja mal merken können. Also lege ich eine kurze Pause ein - also horizontal - und warte auf die Beiden.

Nachher erfahre ich, warum die beiden solange gebraucht haben. Tremor hatte die gleiche Idee wie ich. Die Gegend wird immer karger und wilder. Die Temperatur fällt zwar, aber das ist bei der Anstrengung sehr angenehm.

Wir legen eine kleine Pause ein und kühlen die Getränke in einem Schmelzwasserbach. Wir stellen fest, dass es Leute gibt, die noch viel bekloppter sind als wir. Auf die Idee hier mit einem Gespann hoch zu fahren, muss man erst mal kommen. Während der 100m, die wir ihn beobachten, setzt er viermal heftig auf; scheint ihn aber nicht zu stören.

Wir knacken die 3.000m-Marke und schaffen es auf das kleine Plateau. Wir stärken uns etwas und schauen uns um. Ein unerwarteter aber eindeutiger Sound kündet von der Ankunft einer italienischen Schönheit.

Eine Ducati 848 auf abgefahrenen Pirelli Supercorsa Hypersportreifen (womit sollte man auch sonst hier hoch fahren) stellt sich neben uns, was zu spontanem Szenenapplaus führt. Eine Gruppe französischer Genießer gibt dem italienischen Fahrer erstmal ein Glas Rotwein aus. Die sind auf so etwas bestens vorbereitet. Daran müssen wir noch arbeiten.

Da kann man über den deutschen KTM SuperAdventure-Fahrer nur müde lächeln, der es tatsächlich schafft, innerhalb von 3 Minuten seine komplette Zusatz-Ausrüstung des Motorrads und seiner Bekleidung inkl. der jeweils vierstelligen Preise lückenlos aufzuzählen. Zum Glück erzählt er es einem etwas hilflos drein schauenden Transalp-Fahrers und nicht uns.

Die Abfahrt verläuft unspektakulär, wenn man davon absieht, dass mein Koffer aus der Halterung springt und auf dem Kardan seine Spuren hinterlässt. Aber nichts was sich nicht mit Kabelbindern und Spanngurten in den Griff bekommen lässt. Abends mache ich noch einen Zwischenstopp an einem Baumarkt und befestige den Koffer mit Lochband und Schrauben; danach hält er für den Rest des Urlaubes auch Schotterwege klaglos durch.

Aber vorher geht's runter ins Basislager, wo wir uns an einer Hütte ein Eis gönnen und durch das Lager streifen. Eine Wassertränke ist willkommen um die gröbste Dreckschicht aus dem Gesicht zu waschen. Nach einer guten Stunde machen wir uns auf den Rückweg. Wir erreichen gerade die erste befestigte Straßen, als der Himmel seine Pforten öffnet. Gutes Timing. Ich will mir gar nicht ausmalen, wir wir bei Regen das oben rum geeiert wären.

Abends nutzen wir die große Waschmaschine auf dem Campingplatz, um den Dreck aus den Klamotten zu bekommen und beschließen den Tag bei einem Essen auf der Terrasse direkt am See.

Die Stella Alpina kann ich nur jedem empfehlen. Wen Schotterstrecken nicht abschrecken, findet hier einen bunten Haufen Motorradbegeisterter in einer tollen Atmosphäre. Es macht einfach Spaß dabei zu sein.

Vercours - Tag 2