Schöne Grüße aus der Toskana. Am Freitag das lange erwartete Highlight.
Ein Viehtrieb zu Pferde – mitten im Herzen der Maremma, einem staatlichen Naturschutzgebiet und Arbeitsplatz der legendären Butteri. Die italienischen Viehhirten sind stolz auf ihre Traditionen, ihre Arbeitsweise und ihre besondere Reitkunst.
Die Butteri – mehr als nur Viehhirten
Ihr Stil ist unverkennbar: geschmackvolle Kordsamt-Anzüge, Breeches, Krawatte, Hut. Ihre Reitweise? Präzise, ruhig, sachlich – ohne übertriebene Härte. Die Butteri bewegen sich mit balanciertem Sitz, die Beine leicht vorgestreckt. Ihre Pferde beherrschen fliegende Wechsel, enge Wendungen und abrupte Stopps mit beeindruckender Genauigkeit.
Ihr Sattel – ein Relikt der Vergangenheit – ist entweder die robuste Scarfada mit Holzbaum oder die flexiblere Bardella (Tolfetana) ohne Sattelbaum. Hoch gepolstert, mit tiefem Sitz und hohem Sattelknauf erinnert er an iberische oder maurische Modelle. Die Kandare? Einfach und funktional.
Das Abenteuer beginnt
Kurz vor dem Eingang des Naturschutzgebiets liegt der Hof. Hier treffen wir auf unsere Pferde. Meines, ein kräftiges Tier, wird mir mit den Worten übergeben: „Die Beine nicht zu stark anlegen.“
Nach einem kurzen Warmreiten gewöhne ich mich an mein Pferd, das ich Gamba nenne. Namen werden uns nicht genannt. Er hat einen kraftvollen Schritt und reagiert präzise auf Gewichtsverlagerung. Wir waren 6 Deutsche und zwei Buttero. Leichtes, beidseitiges klopfen genügte für den Trab, evtl. noch ein lauteres brr. Genauso wie es uns gestern beim Essen erklärt wurde. Die mitreitende Polizei-Kommissarin lächelte bei diesen brrrts und wusste nun, warum ihr Pferd die letzten Tage an einigen Stellen plötzlich immer schneller wurde, statt langsamer.
Die Rinder treiben
Wir betreten das erste Paddock. Beim Öffnen des Gatters springen die Maremmana-Rinder auf. Der erste Buttero treibt sie mit lauten Rufen auseinander. Ich folge ihm – die Hörner der Rinder nur wenige Meter entfernt.
Ein kurzer Ritt, das Gatter öffnen, und die Herde setzt sich in Bewegung. Durch einen langen Korridor führen wir die Tiere zur Weide, wo auch Pferde mit Fohlen leben. Die nächsten vier Stunden bestehen aus Kontrolle, weiteren Viehtrieben – und der Herausforderung, sich gegen die Stiere durchzusetzen. Sie sind an Reiter gewöhnt, doch Fußgänger würden sie angreifen.
Ein perfekter Tag
Der Tag beginnt um 07:00 Uhr bei 7 °C – unser Atem kondensiert in der kühlen Morgenluft. Doch mittags, zurück am Hof, strahlt die Sonne bei über 20 °C. Als besonderes Highlight machen wir einen kurzen Abstecher ans Meer – 200 Meter Umweg, die sich lohnen. Zum Abschluss noch ein bayerisches Bier.
Bis nächsten Samstag