Ich schlief eines Nachmittags bei der Lektüre eines Bandes iranischer Erzählungen ein.
Der Feueranbeter und andere Erzählungen
... brauner Uniform lief eilig vorbei. Soweit das Auge reichte, Wasser und nur Wasser, eine Welle schlug über die andere.
In ganz weiter Ferne schimmerte der dünne, blasse Rand der Küste. Nassrollah besah sich aufmerksam das ganze Schiff, er entdeckte, dass an dem Geländer der ersten Klasse weiße Rettungsringe angebracht waren, auf denen das Wort "Wallaroo" stand, dasselbe Wort, das er auch auf der Speisekarte gelesen hatte. Daraus schloß er, daß der Name des Schiffes "Wallaroo" sei. Eine indische Frau im Sari und mit goldenen Ringen in Ohren und Nase ging an ihm vorüber ...
Mir stockte der Atem. Nun, fast 65 Jahre später, fiel mir der Name Wallaroo wieder ein. Nur schwer konnte ich mich wieder beruhigen, mein Puls war noch immer sehr schnell und mein Atem raste sehr schnell. Es bestand die Gefahr, dass ich hyperventilierte, daher bemühte ich mich, durch die Technik des autogenen Trainings meinen Geist zu entspannen und ruhig werden zu lassen. Die Technik richtig angewendet würde mir helfen, meinen Atem und meinen Puls zu kontrollieren.
Nach einigen Minuten hatte ich mich wieder im Griff und blätterte in meinen alten Aufzeichnungen.
Am 17. Oktober 1933 legte unser Schiff in Melbourne ab. Das Wetter war noch so warm, dass ich das Bewegungs- und Fitness-Programm für die Mannschaft abends an Bord durchführen konnte.
Ab dem 24. Oktober wurde es dann aber merklich kälter, mit jedem Tage mehr. Da erahnte ich, auf welches Abenteuer ich mich eingelassen hatte. Der Brief der japanischen Regierung - unterzeichnet vom Tenno höchstpersönlich - belastete mich sehr. Die Zeit der USA im Pazifik sei vorbei und auch in Europa wehe ein neuer Wind. Ich kenne meine Aufgaben, als treue und ehrgeizige Japanerin. Ich erinnerte mich an die Jugendjahre des Tennos, wie wir zusammen in Kyoto die Ausbildung an der Akademie absolvierten.
"Weiß voraus" erscholl es aus dem Krähennest am 25. Oktober. Der Kapitän versprach demjenigen, der zuerst einen Eisberg sah, eine extra Portion Rum. Die Mannschaft riss sich darum, das Krähennest zu besetzen und Ausschau zu halten. Männer, sie können so leicht manipuliert werden.
Ende Oktober: Eine leichte Schwermut befiel mich - Der Todestag meines Großonkels.
3. November 1933: Wir erreichen das Packeis der Scott-Inseln. Sturm peitscht über das Schiff. Mehrmals müssen wir - in höchster Not - das Schiff vom Schnee befreien.
Plötzlich. Eine unheimliche Windstille trat ein und vom Krähennest ertönt der Ruf: "Ahoi! Voraus ist etwas im Eis!". Bei näherer Betrachtung sieht man einen verlassenen australischen Segler - die "Wallaroo". Wie ich von unserer Mannschaft erfuhr, ist dieses Schiff letztes Jahr im Herbst von Melbourne losgefahren und nie wieder zurückgekommen und auch nirgendwo anders aufgetaucht. So sieht es also aus: Ein Geisterschiff.