Ca. Dezember 1933
Geliebte Katharina,
Erinnerst du dich noch daran, wie ich einmal gesagt habe, die gesamte Reise steht nicht unter einem guten Stern? Dieser Eindruck und diese Vorahnung haben sich aufs schrecklichste bewahrheitet.
Das Erste, was er von der Katastrophe wahrnahm, war ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch, eine Erschütterung, die, wie wir jetzt wissen, die gesamte Südhalbkugel unserer Erde umfasste.
Die Tsunami, die nordwärts rasten, Teile von Indien, Bangladesch komplett, pazifische Inseln, Teile von Australien, überströmten und tausende und hunderttausende von Menschenleben forderten.
Zum Glück, ist dieses ganze Entsetzen nicht in die Nordhalbkugel gelangt. Und auch wenn die Antarktis, die zu dieser Jahreszeit eigentlich keine Nacht und keine Dunkelheit kennt, für einige Wochen in die Dunkelheit dieses Ausbruchs getaucht war, so nicht mehr besteht, so sind wir doch froh und glücklich, dass einige wenige der drei Expeditionen sich haben retten können.
Das Luftschiff der Deutschen wurde weit in den Pazifik hinaus getrieben, wir haben den Funkkontakt verloren. Die Wilhelmina, das deutsche Schiff, wurde von der Tsunamiwelle in die Tiefe gerissen, genauso auch das Schiff der Lexington Expedition versunken, mit Mann und Maus, wir konnten keinen mehr retten.
Unser Schiff, die gute alte Gabrielle hat bis auf wenige Schäden alles soweit gut überstanden. Wir haben zusammen gesammelt, was noch da war.
Das Basislager wurde geräumt, von dem Lake-Lager kam außer Hilfe rufen keine Meldung, von dem Lager in der Nähe einer vermeintlichen uralten Stadt haben wir keine Nachricht erhalten. Obwohl, das stimmt nicht ganz, kurz bevor wir aufbrechen wollten näherte sich aus dieser Richtung ein deutsches Flugzeug. Eine Ju 52. Sie landete vor uns auf dem Eis, aus der Maschine stiegen ein kreidebleicher Tecumseh Miller, zwei deutsche Piloten, und auf einer Trage Frederic Flood.
Sie müssen direkt aus dem Zentrum herausgekommen sein, sie müssen sich direkt aus der Hölle zu uns auf den Weg gemacht haben. Aber sie sprechen nicht über das, das sie gesehen oder wahrgenommen haben. War es ein Vulkanausbruch? War es ein Erdbeben? Oder war es etwas Schlimmeres? Was ist aus den anderen geworden? Wo sind Starkweather, Mrs. Lexington und all die anderen? Dr. Moore war im Basislager, als die Katastrophe geschah. Er hat sich und einige wenige Fundstücke auf das Schiff retten können. Aber der größte Teil der Expedition ist verschollen, vermutlich in der Katastrophe untergegangen.
Ich muss dazu sagen, ich habe noch niemals einen solchen Ausbruch erlebt. Es war wie ein Licht, das von den Bergen ausging und hell in den Himmel schien. Irgendwie schien diese Lichtwolke sich in den Himmel zu erleben. Dann war es verschwunden. Das Beben und das Entsetzen begann. Wir haben zwar noch ein Flugzeug, aber keiner der überlebenden Piloten ist bereit sich da hineinzusetzen, noch einmal zurückzufliegen und zu schauen, was dort sich ereignet hat, vielleicht noch überlebende?
Vielleicht muss dies eine andere Expedition klären. Wir kehren auf jeden Fall mit mehr Fragen als Antworten wieder zurück.
Ich vermisse die nachdenkliche japanische Ärztin, das Letzte, was wir von ihr haben sind Briefe, die mit der JU 52 mitgekommen sind. Prof Clemons ist verschwunden, genauso wie der geniale Funktechniker Corrigan und der für mich stets mysteriöse Dr. Lands. Bei Starkweather denke ich, hat er entweder irgendwo in einer Höhle überlebt oder er das Ende gefunden, dass er auf seinen vielen Abenteuerreisen immer irgendwo gesucht hat.
Wir werden jetzt zurückkehren, unsere Vorräte sind zu Ende. Wir haben im Basislager noch Vorräte zurückgelassen, falls Überlebende sich dorthin noch retten können.
Jetzt, wo wir allmählich die Antarktis hinter uns lassen und das Eismeer passiert haben, werde ich innerlich auch ruhiger. Meine Träume sind nicht mehr so intensiv, eigentlich haben sie schlagartig aufgehört nach diesem gewaltigen Beben.
Irgendwie bin ich auch ein Stück weit erleichtert. Ich kann das schon alles hinter mir lassen, obwohl alles so schlimm endet, bin ich froh, dass ich noch lebe.
Ich bin froh, dass ich noch lebe und wieder zu dir kommen kann. Dann werde ich dich wieder besuchen, ich werde auch mit Rosen kommen, so wie ich es versprochen habe, wann immer ich dich verlasse, und wieder zurückkehre, ich dir diese Blumen mitbringen.
Ich hoffe, dass sich Emmy gut um deine Angelegenheiten gekümmert hat und ab und an auch nach dir geschaut hat.
Ich hoffe, das Wetter ist besser als das letzte Mal, wo wir voneinander Abschied nahmen. Dort war Regen, der auch meine eigene Traurigkeit nicht fortspülen konnte.
Ich zünde jeden Tag eine Kerze für dich an und denke im Gebet an dich.
Zu früh bist du gegangen. In Gedanken stehe ich oft vor deinem Sterbebett, das auch für einen Teil von mir zur Totenstatt geworden ist.
Ruhe sanft in deinem Grab, bis zu der Zeit, wo wir gemeinsam nebeneinander gebettet werden, bis hin zu dem Zeitpunkt, wo wir gemeinsam zu unserem Herrgott hin auferstehen werden und in der Ewigkeit zusammen bleiben können, die uns in unserem irdischen Leben nicht geschenkt war.
Dir zu schreiben vermittelt mir das Gefühl, dass du immer noch da bist in unserem Haus, noch immer auf mich wartest und mich in die Arme schließen wirst, wenn ich wiederkomme… Wenn ich wiederkomme…
In den vergangenen Wochen habe ich so sehr von dir geträumt, und du warst mir so unglaublich nahe, dass ich jedes Mal, wenn ich morgens erwacht bin, noch meinte dein Parfum riechen zu können. Jetzt, wo diese Träume aufgehört haben, bin ich wieder ein Stück einsamer geworden.
Ich werde aus den Gedanken gerissen, ein Sturm taucht auf. Die Stürme im Pazifik sind intensiver als im Atlantik. Zum Glück ist die Ladung bereits am Zielort.
Ich muss ins Ruderhaus und die notwendigen Befehle geben.
Alles Liebe
Dein Henry
so vieles haben wir hinter uns gelassen und so vieles ist neu geschehen.
haben endlich den Saboteur geschnappt. Es war der Steward Henning, er hatte Spielschulden und war für seinen Auftraggeber eine sehr gut ausgewählte Zielp