Ich Carl Krackhart, ein deutscher Konditor und Autor wurde als Sohn eines Landarztes in Meßkirch geboren. Mit 14 begann ich in der Konditorei Vogel, später Braun in Ansbach die Lehre. Nach der Ausbildung begab ich mich auf Wanderschaft in Richtung Darmstadt, Kassel, Bad Soden, Hamburg, Flensburg und Berlin. Eine Anstellung in Paris kam wegen der politischen Spannungen nicht zustande. So machte ich mich in Bayern für 2 Jahre selbständig.
Aufgrund einer Einladung des Verlegers Heinrich Killinger (den ich aus meiner Lehrzeit kannte) brachte ich 1872 ein illustriertes Conditoreibuch heraus. Danach ging ich 1873 zur Weltausstellung nach Wien und blieb 7 Jahre in Berchtesgaden, um mich dann neuen Herausforderungen zu stellen. Mein Weg führte mich über Verona, Mailand, Genua, Nizza, Marseille und Lyon nach St. Etienne, und dann nach Münden (Landkreis Göttingen).
Kollegen sagen über mich: Das Verdienst von Krackhart liegt darin, dass er mit dem Illustrierten Conditoreibuch ein Buch auf den Markt brachte, welches zum Ende des 19. Jhdt. seinesgleichen suchte. Erstmals in Deutschland wurde das Medium der Chromolithographie für ein Buch der Gastronomie voll ausgenutzt. Auch die Qualität der Rezepte ist sehr überzeugend, da sie auch heute noch funktionieren.
In meinem bekannten Lehrbuch für Konditoren von Carl Krackhart aus dem Jahr 1895 ist ein Rezept für eine Torte mit Buttercreme enthalten, nämlich die Prinzregententorte. In einer späteren Auflage aus dem Jahr 1912 heißt es: „Buttercreme ist erst in neuester Zeit in größerer Verbreitung in den Konditoreien eingeführt.
In meiner Kindheit lernte ich Klavier und später Orgel spielen. Eine Familienfreundin - Frau Hulda Mürner - nahm mich in den Schulferien mit in die Schweiz. Dort lernte ich in späteren Jahren den berühmten Musiker und Orgelbauer Wilhelm Lützi kennen.
Barcelona 1896
Ich ging Anfang 1896 für eine kurze Studienreise nach Barcelona, um die Herstellung der dortigen Köstlichkeiten zu erlernen. Meine damaligen Erlebnisse hielt ich in meinem Tagebuch fest.
Mit Pablo, einem jungen Kunststudenten, ging ich Samstag am frühen Nachmittag durch die Straßen. Zur nächsten Zuckerbäckerei war es nicht weit. Die Markthalle verliessen wir in Richtung La Rambla und standen nach ein paar Metern vor Hausnummer 83, der Filiale von Escribà. Die Fassade der Traditions-Patisserie ist für Jugendstil-Freunde ein wahrer Augenschmaus.
Welch eine Wonne war der Genuss der hiesigen Xuxos! Das zarte, frittierte Gebäck gab unter dem Druck der Zähne nach, um seinen Kern aus kühler Crema Catalana preiszugeben – eine Verbindung von heißem Fettgebackenem und feiner Süße, die unter einer Kruste aus grobem Zucker förmlich auf der Zunge zerging.
Weiter ging es durch das Barri Gòtic, das gotische Viertel. Auch hier fanden sich viele alte traditionsreiche Geschäfte. Von außen erstmal relativ unscheinbar ist die Xurreria Manuel San Roman in der Carrer dels Banys Nous 8.
Es gab hier leckere Xurros, das ist katalanisch für „Churros“, ein typisches spanisches Siedegebäck. Im Querschnitt sind Xurros sternförmiger, frittierter Brandteig, der mit Zucker bestreut wird. So simpel, aber so genial.
Wer es nicht ganz so süß mag und trotzdem eine katalanische Spezialität probieren mag, dem empfehle ich Orxata de Xufa (auch: Horchata de Chufa). Die Erdmandelmilch ist besonders im Sommer eine tolle Erfrischung. Pablo empfahl mir La Campana (Carrer de la Princesa, 36) und verabschiedete sich dann. Er hatte einen Termin an der Kunstakademie „La Llotja“.
Ein tiefer Glockenton rief mich zur Kathedrale. Ich folgte dem Strome der Gebetsbedürftigen in das hehre, lichtdurchflutete Schiff. Doch ach! Was meine Ohren dort vernehmen mussten, war ein Jammer. Der Organist, ein Männchen von geringer Statur, traktierte das ehrwürdige Instrument auf eine Weise, die selbst die Engel zum Weinen gebracht hätte. Er missverstand das Registrieren derart gründlich, dass die feine Melodie von Palestrina wie ein hilfloses Bächlein im tosenden Meere der Bässe versank.
Es packte mich der heilige Zorn des Musikfreundes. Ungeachtet des Anstandes huschte ich zur Orgelbank, schob die lärmenden Stimmen hinein und setzte neu an...