Es ist bestimmt mehr als 70 Jahre her, als ich zum letzten Mal hier war. Die Rylands Library strahlt noch immer die große Erhabenheit aus, die ich bei meinem letzten Besuch fühlte. Damals, kurz nach dem Krieg, war ich einer der wenigen Deutschen, die frei in der Stadt umhergehen durften. Der Pub in der Nähe der King Street war mein vorübergehendes Zuhause. Ich war damals dem Wahnsinn näher als mir lieb war.
Jahrelang hatte ich es gesucht, aber das berühmte Necromonicon hatte ich noch immer nicht gefunden. Meines Wissens gab es mindestens eine gute englische Übersetzung des Werkes Abdul al Hasrets. Die letzten Spuren hatte ich vor einiger Zeit in Leeds, in dem berühmten Hinterhofantiquariat gesehen. Mehrere duzend Seiten konnte ich damals, nachmittags bei meinen Gesprächen mit dem Eigentümer des Antiquariats lesen und auch zwei Seiten vollständig abschreiben. Die beschriebenen Grausamkeiten machten es mir unmöglich, mehr abzuschreiben. Täglich konnte ich eine Seite lesen und etwa eine halbe Seite ins Deutsche übersetzen. Es kostete mich große Kraft, daran nicht zugrunde zu gehen und halbwegs sorgenfrei zu schlafen. Die schrecklichen Bilder raubten mir alle innere Ruhe.
Dem Besitzer des Antiquariates erging es alleine durch den Besitz und das Wissen um die große Gefahr, die von dem Buch hervorging ebenso, fast zwanzig Jahre hatte er eine der wenigen englischen Abschriften des Necronimums im Besitz gehabt. Einen Käufer zu suchen, hatte er schon lange aufgegeben. Er wusste um seine große Verantwortung, nur große, starke Geister hatten die Macht dieses Buch zu besitzen, nur sehr wenige könnten es lesen, ohne großen Schaden zu nehmen. . So ein Buch kann man nicht einfach auf dem freien Markt zum Kauf anbieten. Wie war sein Name?
John Dee aus Leeds, ja das war er. Er erzählte mir, dass er das Buch ursprünglich aus Manchester besorgte, und sollte er jemals sterben, so würde er versuchen es dorthin zurückbringen zu lassen.
Die Rylands Library wäre inzwischen der beste Platz, ein Buch solcher Macht vor kleinen Geistern zu verstecken. Die Library wäre ein Beispiel für herausragende Neogotische Architektur.
Der Lesesaal umfasst annähernd 100.000 Bücher und nicht alle sind für das Publikum erreichbar.
Vermutlich gelangte die Library in den Besitz des Necronimums als Anfang 1900 die ca. 6000 Manuskripte der Bibliotheca Lindesiana aufgekauft wurden.
Aber noch hatte er nicht vor, das Buch wirklich abzugeben. Ich hatte in meinen Gesprächen mit ihm den Eindruck gewonnen, er glaubte, das Buch gäbe ihm die Macht länger zu leben und er gab mir gegenüber über an, er hätte das Buch seit Ende des 18. Jahrhunderts. Einmal erzählte er mir bei Scones und Clotted Cream er hätte, das Buch in Manchester, eher unabsichtlich gestohlen. Aber ich hielt John für einen Aufschneider und Schwätzer, wir kehrten damals häufig im Richmond Teahouse ein und plauderten bei einigen Brandies und High Tea über Politik, Psychologie und den Menschen im Allgemeinen. John war eine faszinierende Person.