Hier waren wir nun. Weit entfernt von unserem Lager, nur wenig Ausrüstung dabei und ein schwer beschädigtes Flugzeug. Ich besann mich meiner Pflichten. Tecumseh Miller hatte einen leichten Schock und durch die harte Landung einige kleine Schürfwunden. Ein Mann seines Kalibers beachtete solche Kleinigkeiten nicht. Er prüfte sofort die Ausrüstung und schaute sich in der Gegend um.
Mr. Flood machte mir jedoch Sorgen. Helles Blut lief aus seiner Nase, etwas über der Schläfe schien er eine größere Schnittwunde zu haben, zudem schien er auch noch eine Platzwunde hinter dem Ohr zu haben. Er machte völlig den Eindruck eines Patienten mit einer mittelschweren Gehirnerschütterung. Die dünne Luft hier oben auf dem antarktischen Plateau machte uns allen das Atmen schwer, wir litten an der Höhenkrankheit.
Die Ursache liegt darin, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe absinkt und damit auch der Sauerstoff-Partialdruck. Dies führt zu einer Verengung der Blutgefäße in der Lunge, einer hypoxischen pulmonalen Vasokonstriktion. Die Sauerstoffaufnahme in der Lunge verringert sich, es tritt eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) ein. Die körpereigene Atemregulation wirkt dem nicht entgegen, da sie vornehmlich auf den Kohlendioxidgehalt des Blutes reagiert. Dieser steigt bei abnehmendem Luftdruck aber nicht an.
Die Hauptgefahr besteht darin, dass sich durch die Blutdruckerhöhung in der Lunge und anderen Körpergeweben (z. B. dem Gehirn) Flüssigkeit ansammelt und dort Ödeme bildet.
Aufgrund des herrschenden Sauerstoffmangels kommt es zu einer reflektorischen Hyperventilation, die durch vermehrtes Abatmen von CO₂ zu einer respiratorischen Alkalose führt (eine Anhebung des pH-Wertes im Blut, das Blut wird entsäuert bzw. alkalischer).
Dies erzeugt Kopfschmerzen, Verwirrung und Sinnestäuschungen. Durch eine gute Akklimatisierung kann die Niere diesen Effekt teilweise kompensieren, aber oberhalb der 7000 Meter ist auch diese Gegenregulation nicht mehr ausreichend möglich. Außerdem kommt es aufgrund der Entwässerung (Dehydration) zu einer akuten Nierenleistungseinschränkung und die metabolische Kompensation der Alkalose (Stoffwechsel-Ausgleich) fällt weg.
In Lunge und Gehirn verengen sich die Blutgefäße aufgrund der Selbstregulation. Im Gehirn ist der niedrige CO₂-Partialdruck, in der Lunge der niedrige O2-Partialdruck für diese Gefäßverengung ausschlaggebend.
Im großen Kreislauf stellt sich ein hoher systolischer Blutdruck aufgrund der sympathischen Aktivierung ein, wodurch es im Hirn zum Abpressen von Flüssigkeit kommt und sich lebensgefährliche Ödeme bilden. Das Höhenlungenödem ist von zunehmender Luftnot und Flüssigkeitsübertritt in die Lungenbläschen mit möglichem schaumig bis blutigem Auswurf gekennzeichnet.
Gerne hätte ich eine der mobilen Überdruckkammern dabei gehabt, welche 1919 in Deutschland entwickelt wurde. Hier jedoch musste ich mich mit der Gabe von Aspirin, um das Blut zu verdünnen und dem regelmäßigen Atmen von reinem Sauerstoff begnügen.
Mr Flood schien jedoch auch an Hirnblutungen zu leiden. Der Absturz und sein Aufprall müssen sehr hart gewesen sein.
Ein für eine epidurale Hirnblutung typisches Anzeichen ist das beschwerdefreie Intervall: Zuerst tritt eine kurze Phase der Bewusstlosigkeit auf, gefolgt von einer vermeintlich beschwerdefreien Phase. Im weiteren Verlauf fallen die Betroffenen in eine tiefe Bewusstlosigkeit, wobei sie schwere neurologische Symptome zeigen und ihre Pupillen unterschiedlich groß sind. Bei Kopfverletzungen mit ausgeprägten Einblutungen tritt nach kurzer Zeit eine Ateminsuffizienz, eventuell auch ein Atemstillstand auf.
Insgesamt ein reduzierter Allgemeinzustand, Trinkschwäche, Trinkunlust, Nahrungsverweigerung, Irritabilität, Schläfrigkeit, Erbrechen (Hirndruck), Muskelhypotonie, zerebrale Krampfanfälle, Apnoe, Temperaturregulationsstörungen, Bradykardie, Somnolenz, Apathie.
Nach einiger Zeit der Wundversorgung blickte ich auf und sah Mr. Miller in südwestliche Richtung blicken. Mir schien, als gäbe es dort - kaum 3-4 Meilen entfernt einen Platz mit riesigen Skulpturen; Schlangenförmigen, dicken Glasnudeln. Ich schätzte die Höhe auf gut 30 m. Nicht weit davon entfernt, schienen mehrere 5-eckige Zellen zu sein, ich konnte mich gut daran erinnern, sie vom Flugzeug aus gesehen zu haben. Es sah aus, als würde man die Waben eines Bienenkorbs überfliegen.
Jetzt als Mr. Miller mich ansprach, fiel es mir auf. Die Stille.
Ich denke, dies war das erste bewusste Geräusch, welches ich seit der letzten halben Stunde hörte. Mr. Millers Stimme zerschnitt diese furchteinflößende Stille.
Heute war der 6. Dezember. Die Christen feierten Nikolaus. Ich musste mich etwas ausruhen und versuchen an die Höhe zu akklimatisieren. Mir fiel dabei ein altes Lied aus meiner Heimat ein.
昨日
僕の悩みは全て消え去ったように思えた
どうやら、それは変わらずここにあるみたいだ
ああ、僕は昨日を信じている
突如として
僕はこれまでの自分ではなくなったかのように思えた
僕を覆いかぶせるように影が伸びていた
ああ、昨日は突如としてやってきたのだ
In meinem Inneren summte ich mir die Melodie vor und versuchte - trotz des melancholischen Textes meine Stimmung nicht hinabziehen zu lassen.
Gestern
Es schien, dass all meine Probleme verschwunden waren
Anscheinend scheint es hier unverändert zu sein
Oh, ich glaube an gestern
Plötzlich
Ich schien, als wäre ich nicht meine eigene
Der Schatten war gespannt, um mich zu bedecken
Oh, gestern kam plötzlich
…
Ich hatte viel erlebt in den letzten Wochen, wenn ich gesund nach Hause kommen wollte, so musste ich mit meinen Kräften haushalten. Ab und zu kümmerte ich mich um Mr. Flood. Er schien jetzt in einem tiefen Traum gefangen zu sein.
„Ertrinke nicht“ erklang seine verzweifelte Stimme. Flehentlich rief er, „Ich musste es tun. Bitte verzeih mir!“ Es fröstelte mich, welche Dämonen haben von seinem Inneren Besitz ergriffen, was hat Mr. Flood getan?
“Wo bist du?” rief er in die antarktische Nacht hinein. Eine Nacht, die mich an einen kalten Wintermorgen in Kyoto erinnerte. Ich hatte die Nachtwache im kaiserlichen Krankenhaus und musste einen der wichtigen Patienten in seinen letzten Lebensstunden begleiten.
Ich wollte, nein ich durfte keine Schwermütigkeit aufkommen lassen. Mr. Miller entschloss sich, eine Erkundungstour zu unternehmen. Evtl. wäre es möglich, das Plateau zu verlassen und ggf. unseren hoffentlich ausschwärmenden Rettern entgegenzugehen.
Ich erinnerte mich an das oberflächliche Funktraining von Mr. Flood und Douglas Carrington. Ich nahm mir vor, stündlich das Funkgerät einzuschalten und einen kurzen Lagebericht zu senden. Mit etwas Glück hatten unsere Expeditionskollegen mitbekommen, dass wir verunglückt sind und nicht mehr zurückkönnen.