Die neuen Freunde und der Flug der Phoenix
Alles war weiß, die hellen Sonnenstrahlen spiegelten sich an jeder Schneeflocke tausendfach. Durch den Absturz hatte ich mir den Kopf stark angeschlagen, nur mit Mühe konnte ich meine Augen aufhalten, meine Schläfe schmerzte. Links von mir saß, nein lag vornübergebeugt Tecumseh Miller.
Trotz meiner guten Ausbildung in der Shiatsu-Massage bin ich nicht in der Lage gewesen, ihn von seinem Schock zu befreien. Nein, ich glaube, eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, mein halbherziger Versuch ihn zu massieren hatte die Sache verschlimmert. Wir waren dadurch in große Gefahr geraten.
Ich konnte es nicht fassen. Wir waren in einem halb zerstörten Flugzeug mitten in der Antarktis auf einem Bergmassiv in ca. 6000 m Höhe.
Da sah ich sie, die Schneefrau Yuki Onna (雪女), sie wird auch Yuki omba (Schneegreisin) genannt.
Wie ihr Name schon vermuten lässt, lebt sie in Gegenden mit viel Schnee – sehr gerne zum Beispiel in Bergregionen. Dort erscheint sie Reisenden, als vollendete, zierliche Schönheit mit langen schwarzen oder weißen Haaren, weiß-transparenter Haut und violetten Augen. Ihr Körper selbst ist makellos, aber so kalt wie Eis und eine Berührung verursacht eine tiefe Kälte. Gekleidet ist sie ganz in Weiß, meist in einem leichten Kimono. Im Schnee ist sie kaum sichtbar und hinterlässt auch keine Fußabdrücke. Sie ernährt sich von der menschlichen Lebenskraft, indem sie diese durch ihren Mund einsaugt. Dabei hält sie die Menschen durch ihren eisigen Atem gefangen. Yuki Onna kann sich unter anderem in Schnee oder Nebel verwandeln.
Unheimlich, sie winkte mir zu. Ich hörte sie deutlich sagen: „Haruko, dein Ende ist gekommen“.
Es schüttelte mich, meine Augen schlossen sich gegen meinen Willen. Ich sah mich in den Armen meines 父 (Chichi / Vater). Seine Umarmungen hielten mich seit frühester Kindheit warm, zärtlich strich er mir die Locken aus dem Gesicht, vorsichtig blies er mir warme Luft ins Gesicht, meine Augen öffneten sich wieder. Das Flugzeug brannte an einigen Stellen. Yuki Onna war nicht mehr da. Mein Vater hat mich wieder einmal beschützt.