Borreliose – verstehen, was eine Infektion im Körper auslösen kann
Hier findest du meine Mitschrift zum Vortrag „Borreliose – erkennen, verstehen und Zusammenhänge einordnen“.
In diesem Vortrag geht es darum, wie es nach einer Infektion mit Borrelien zu unterschiedlichen Beschwerdebildern kommen kann – und warum Symptome manchmal vielschichtig und schwer einzuordnen sind.
Es werden Zusammenhänge zwischen Infektionsgeschehen, Immunsystem, Entzündungsreaktionen, Nervensystem und Regulationsfähigkeit des Körpers erklärt. Dabei wird verständlich gemacht, warum Beschwerden wie Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, neurologische Symptome, Konzentrationsprobleme oder wechselnde Allgemeinsymptome auftreten können – und weshalb eine ganzheitliche Betrachtung wichtig ist.
Der Vortrag wurde von Alessandro Rochira gehalten, der dabei seine Erfahrung und sein Wissen praxisnah weitergibt. Der Text ist als Mitschrift entstanden und folgt bewusst dem gesprochenen Wort.
Bitte sieh mir Rechtschreibfehler oder Ungenauigkeiten nach – es handelt sich um eine Mitschrift, nicht um ein ausgearbeitetes Lehrskript.
Ich wünsche dir beim Lesen wertvolle Einblicke und ein besseres Verständnis für dieses komplexe Thema.
Vortrag Borreliose vom 10.02.2026
Borreliose – historische Einordnung und grundlegendes Verständnis des Erregers
Borreliose ist eine Erkrankung, die der breiten medizinischen Öffentlichkeit erst relativ spät bewusst geworden ist. Erst ab etwa Mitte der 1980er‑Jahre begann man, diese Krankheit systematisch wahrzunehmen, zu erforschen und in einen größeren medizinischen Zusammenhang einzuordnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Borreliose vorher nicht existierte. Sie war bereits lange vorhanden, wurde jedoch nicht als eigenständiges Krankheitsbild erkannt oder verstanden. Es fehlte sowohl an Aufklärung als auch an einem klaren Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen.
Der entscheidende Durchbruch in der Erforschung der Borreliose geht auf einen Biochemiker namens Willy Burgdorfer zurück. Er konnte in den USA nachweisen, dass es sich bei der Borreliose um eine bakterielle Erkrankung handelt. Der Erreger gehört zu einer Bakterienfamilie, mit der der Mensch bereits seit sehr langer Zeit in Konflikt steht: den Spirochäten.
Spirochäten sind spiral‑ oder schraubenförmige Bakterien, die sich aktiv fortbewegen können. Diese Beweglichkeit unterscheidet sie von vielen anderen Bakterienarten und verleiht ihnen besondere Eigenschaften im menschlichen Körper. Borrelien sind jedoch nicht die einzigen Vertreter dieser Familie, die beim Menschen Krankheiten auslösen können. Es existieren verschiedene Stämme von Spirochäten, die jeweils unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen.
Ein historisch bedeutsames Beispiel für den Umgang des Menschen mit Spirochäten ist die Syphilis. Auch ihr Erreger gehört zu dieser Familie. Interessanterweise war die medizinische Diagnostik im Fall der Syphilis vergleichsweise früh sehr präzise und zuverlässig. Die Menschheit war gezwungen, sich intensiv mit dieser Erkrankung auseinanderzusetzen, wodurch sich klare diagnostische Verfahren entwickelten.
Umso erstaunlicher ist es, dass die heutige Analytik und Diagnostik bei Borreliose trotz moderner Labortechnik und medizinischem Fortschritt deutlich weniger zuverlässig ist. Während Syphilis heute sehr genau nachgewiesen werden kann, bereitet der Nachweis von Borrelien nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten. Trotz hochentwickelter Labormethoden „beißt man sich“ bei der Borreliose diagnostisch noch immer die Zähne aus. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, warum dies so ist und welche Mechanismen dahinterstecken.
Der Überträger: Die Zecke als zentraler Faktor der Borreliose
Im Zusammenhang mit Borreliose muss zwingend ein weiterer Faktor berücksichtigt werden: der Überträger der Erkrankung. Dabei handelt es sich um die Zecke. Zecken sind keine Insekten, sondern Milben und gehören damit zur Klasse der Spinnentiere. Diese Milbenart ist in der Lage, Borrelien auf den Menschen zu übertragen.
Im Verlauf der weiteren Betrachtung wird deutlich, dass es nicht nur eine einzige Form von Borrelien gibt, sondern zahlreiche unterschiedliche Varianten. Besonders in Europa ist die Situation komplex. Aufgrund historischer und biologischer Entwicklungen existieren hier mehrere Borrelien‑Stämme gleichzeitig. Diese Stämme können sich gegenseitig überlagern, genetisch vermischen und dadurch sehr breit gestreute genetische Pools bilden. Das erschwert sowohl die Diagnostik als auch das Verständnis der Erkrankung erheblich.
Bevor man sich jedoch mit den Borrelien selbst beschäftigt, ist es notwendig, die Biologie der Zecke genauer zu betrachten. Nur wenn man versteht, wie Zecken leben, sich verhalten und Krankheiten übertragen, wird nachvollziehbar, warum sie ein so großes Problem darstellen.
Zecken als besonders gefährliche Überträger
Zecken gehören zu den gefährlichsten wirbellosen Tieren für den Menschen. Insgesamt sind heute über 900 verschiedene Zeckenarten bekannt. Viele von ihnen sind in der Lage, eine Vielzahl von Erregern zu übertragen, die man als parasitär bezeichnen kann.
Der in Europa weit verbreitete Gemeine Holzbock, dessen Verbreitungsgebiet sich bis nach Asien erstreckt, zeigt dabei ein sehr differenziertes Verhalten. Dieses unterscheidet sich nicht nur zwischen den einzelnen Entwicklungsstadien, sondern auch deutlich zwischen männlichen und weiblichen Tieren.
Männliche Zecken saugen in der Regel kürzer und weniger aggressiv. Weibliche Zecken hingegen nehmen größere Blutmengen auf und verbleiben deutlich länger am Wirt. Diese längere Saugdauer erhöht das Risiko der Übertragung von Krankheitserregern erheblich.
Zecken besitzen kein Blut im klassischen Sinn. Sie benötigen jedoch eine Blutmahlzeit von einem Wirt, in der Regel einem warmblütigen Wirbeltier. Ihr eigenes Körpersystem basiert auf Lymphsaft. Diese Besonderheit macht sie weitgehend unempfindlich gegenüber den Erregern, die sie in sich tragen. Sie sind dadurch extrem resistent und können eine Vielzahl von Krankheitserregern über lange Zeiträume hinweg beherbergen, ohne selbst Schaden zu nehmen.
Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft der Zecke ist ihre enorme Überlebensfähigkeit. Mit nur einer einzigen Blutmahlzeit pro Jahr kann sie überleben und sich weiterentwickeln. Nach der Blutaufnahme häutet sie sich und geht in das nächste Entwicklungsstadium über – vom Larvenstadium zur Nymphe und schließlich zur erwachsenen Zecke. Mit jeder Häutung wird sie größer und leistungsfähiger.
Wahrnehmung des Wirts und Jagdverhalten
Zecken sind nicht in der Lage, ihre Wirte visuell wahrzunehmen. Stattdessen orientieren sie sich über chemische Signale. Sie reagieren auf ganz bestimmte Botenstoffe, die der menschliche Körper abgibt. Dazu gehören Milchsäure, Buttersäure, Ammoniak sowie Kohlendioxid, das über die Atmung freigesetzt wird.
Im Laufe ihres Lebens entwickeln Zecken unterschiedliche Verhaltensstrategien. Einige Arten warten passiv auf ihren Wirt. Sie positionieren sich auf Gräsern, Sträuchern oder an Waldrändern in einer bestimmten Höhe und lassen sich beim Vorbeigehen eines Wirts abstreifen. Andere Zeckenarten zeigen ein aktives Jagdverhalten. Sie nehmen potenzielle Wirte wahr und begeben sich gezielt an Stellen, an denen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf sie treffen.
Dieses Verhalten führt dazu, dass Zecken längst nicht mehr nur in Wäldern oder auf Wiesen vorkommen. Sie dringen zunehmend in städtische Gebiete vor, besiedeln Gärten und Grünanlagen und stellen dort ein wachsendes Problem dar.
Feuchtigkeit, Überleben und jahreszeitliche Aktivität
Ein entscheidender Faktor für das Überleben der Zecke ist Feuchtigkeit. Trockenheit schwächt sie erheblich und kann sogar zum Absterben führen. In sehr trockenen, ariden Gebieten sind Zecken daher kaum anzutreffen. Sie benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Sinkt diese unter etwa 80 %, verlassen sie die Pflanzen und ziehen sich in feuchte Bodenschichten zurück.
Aus diesem Grund ist das Risiko eines Zeckenbefalls im Frühjahr und im frühen Herbst besonders hoch. In sehr heißen Sommerperioden mit geringer Luftfeuchtigkeit nimmt die Aktivität der Zecken hingegen ab. In Europa begünstigen jedoch niederschlagsreiche Sommer ihre Ausbreitung zusätzlich.
Zecken sind erstaunlich widerstandsfähig gegenüber Wasser. Sie können bis zu drei Wochen unter Wasser überleben, ohne zu sterben. Zwar lassen sich Zecken, die am Körper hochkrabbeln, mit Wasser abspülen, doch das bedeutet nicht, dass sie dadurch abgetötet werden. Auch die Annahme, dass eine in die Toilette gespülte Zecke stirbt, ist falsch. Sie kann das Abwassersystem überleben und erneut aktiv werden.
Abtöten von Zecken und ihre Anpassungsfähigkeit
Um eine Zecke sicher zu töten, ist mechanische Gewalt erforderlich. Sie muss zwischen zwei harten Gegenständen zerdrückt werden, nach dem Prinzip von Hammer und Amboss. Dabei ist es wichtig, den Kopfbereich zu zerstören, nicht nur den Hinterleib. Zecken sind in der Lage, sich aus schweren Verletzungen zu regenerieren, wenn lebenswichtige Strukturen intakt bleiben.
Diese enorme Anpassungsfähigkeit zeigt sich nicht nur bei den Zecken selbst, sondern auch bei den Erregern, die sie übertragen. Die Reproduktionsrate der Zecken ist extrem hoch. Ein einziges Weibchen kann zwischen 20.000 und 80.000 Eier pro Fortpflanzungszyklus produzieren. Ohne regulierende Maßnahmen führt dies zu einem exponentiellen Wachstum der Population.
Natürliche Feinde und menschliche Eingriffe
In natürlichen Ökosystemen existieren Gegenspieler, die die Zeckenpopulation begrenzen. Ein auffälliges Beispiel sind Ameisen. In der Umgebung von Ameisenhaufen bricht die Zeckenpopulation regelrecht zusammen, da Ameisen Zecken erbeuten und verwerten. Ein Ameisenhaufen im Garten kann daher einen natürlichen Schutz vor Zecken darstellen.
Ein weiterer natürlicher Feind sind Nematoden – mikroskopisch kleine Würmer im Boden. Während der Überwinterungsphase graben sich Zecken in den Boden ein, wo sie von Nematoden gefressen werden. Diese natürliche Regulation wird jedoch durch die moderne Landwirtschaft massiv gestört.
Um Kulturpflanzen vor Schäden zu schützen, werden Nematodengifte eingesetzt. Dadurch verschwinden diese Würmer aus dem Boden, was zur Folge hat, dass Zecken im Winter kaum noch natürliche Feinde haben. Die Zeckenpopulation kann sich dadurch ungehindert vermehren.
Diese Eingriffe erklären, warum die Zeckenpopulation seit dem Ende der 1970er‑ und Anfang der 1980er‑Jahre regelrecht explodiert ist. Während Zecken früher zwar vorhanden waren, stellen sie heute ein massives Problem dar. Inzwischen versuchen sogar staatliche Stellen, die Zeckenpopulation mit biologischen Methoden zu kontrollieren, etwa durch Pilze, die Zecken befallen, oder durch Wespen, die ihre Eier in Zecken ablegen.
Milde Winter ohne starke Frostperioden verstärken dieses Problem zusätzlich, da immer mehr Zecken überleben und die Wahrscheinlichkeit der Krankheitsübertragung weiter steigt.
Weitere durch Zecken übertragene Erkrankungen
Zecken übertragen nicht nur Borrelien. Sie können eine ganze Reihe weiterer Krankheitserreger weitergeben. Ein bekanntes Beispiel ist die FSME, eine virale Hirnhautentzündung. Die Frage der Impfung gegen FSME ist umstritten und wird später noch differenzierter betrachtet.
Biologie der Zecke und Mechanismus der Krankheitsübertragung
Wenn man sich intensiver mit der Zecke beschäftigt, wird deutlich, dass ihr Verhalten und ihre Biologie entscheidend dafür sind, wie und mit welcher Wahrscheinlichkeit Krankheiten übertragen werden. Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich das Verhalten männlicher und weiblicher Zecken deutlich. Das männliche Tier nimmt in der Regel eine einzelne Blutmahlzeit auf, lässt sich anschließend vom Wirt fallen und ist damit entweder für die Fortpflanzung oder für den Übergang in das nächste Entwicklungsstadium gestärkt, in dem es sich häutet und weiter wächst.
Die weiblichen Zecken hingegen sind größer und verhalten sich deutlich aggressiver. Sie können über mehrere Tage hinweg Blut saugen oder sogar mehrere Blutmahlzeiten aufnehmen. Diese intensive Nahrungsaufnahme dient vor allem der Eibildung, insbesondere dann, wenn das Weibchen zuvor befruchtet wurde. Daraus ergibt sich eine wichtige praktische Konsequenz: Nach Aufenthalten in Wald oder Wiese reicht es nicht aus, lediglich zu duschen. Der Körper sollte sorgfältig abgesucht werden, insbesondere nach größeren Zecken, da diese ein deutlich höheres Potenzial haben, Krankheitserreger zu übertragen.
Verdauung und Blutverwertung der Zecke
Ein besonders bemerkenswerter Aspekt der Zeckenbiologie ist ihre Art der Blutverwertung. Zecken besitzen keine klassischen Verdauungsenzyme, wie sie bei anderen blutsaugenden Organismen vorkommen. Die Art und Weise, wie sie menschliches Blut nutzen, ist für den Menschen biologisch kaum nachvollziehbar.
Zecken entziehen den roten Blutkörperchen nahezu vollständig die Flüssigkeit. Zurück bleibt eine kollabierte, leere Hülle, vergleichbar mit einer ausgepressten Zellmembran. Diese Form der Blutverwertung ist außergewöhnlich und verdeutlicht, wie spezialisiert diese Tiere sind.
Aufenthaltsort der Erreger und Übertragungsweg
In der frühen Forschung ging man davon aus, dass sich die Krankheitserreger im Darm der Zecke befinden und durch den kontinuierlichen Saugvorgang in den Wirt gelangen. Diese Annahme hat sich als falsch erwiesen. Tatsächlich wandern die Erreger – darunter die Borrelien – in das Stechorgan der Zecke, den sogenannten Rüssel, und verbleiben dort im Speichel.
Diese Erkenntnis ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis der Übertragung. Beim Stich der Zecke gibt es eine sogenannte Latenzzeit. Die Zecke sticht nicht oberflächlich wie eine Mücke, sondern gräbt sich mit ihrem Stechapparat tief in die Haut ein. Sie sucht gezielt nach einer dünnen Hautstelle, an der sie ein Kapillargefäß oder sogar ein größeres Blutgefäß erreichen kann. Erst wenn sie dieses Gefäß erreicht hat, beginnt der eigentliche Saugvorgang.
Man geht davon aus, dass es etwa sechs Stunden dauert, bis dieser Prozess abgeschlossen ist. Erst ab diesem Zeitpunkt beginnt die eigentliche Übertragung der Erreger über den Speichel der Zecke. Ein Zeckenstich bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Infektion stattgefunden hat. Es braucht Zeit, bis sich Blut und Speichel der Zecke vollständig vermischen und die Erreger in den menschlichen Organismus gelangen.
Der Zeckenspeichel als biochemische Waffe
Der Speichel der Zecke stellt eine hochkomplexe Mischung aus Enzymen und biologisch aktiven Substanzen dar. Er wirkt wie eine regelrechte Enzymbombe. Eine seiner wichtigsten Funktionen ist die Schmerzunterdrückung. Der Stich bleibt in der Regel völlig unbemerkt – es gibt keinen Juckreiz, keine Schmerzen und keine unmittelbare Reaktion.
Darüber hinaus legt der Zeckenspeichel das lokale Immunsystem lahm. Die Zecke gibt Substanzen in das Gewebe ab, die die Immunabwehr sedieren und lähmen. Die Abwehrzellen werden gewissermaßen „blind“ gegenüber dem Stich. Dadurch kann die Zecke ungestört Blut saugen, ohne eine Entzündungsreaktion auszulösen.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Fähigkeit der Zecke, die Stichwunde während der Blutmahlzeit infektionsfrei zu halten. Sie sorgt aktiv dafür, dass sich an der Einstichstelle keine anderen Erreger vermehren und keine lokale Entzündung entsteht. Eine solche Reaktion würde die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf sich ziehen und den Saugvorgang gefährden. Erst nachdem sich die Zecke vom Wirt gelöst hat, verlieren diese Schutzmechanismen ihre Wirkung, und die übertragenen Erreger können sich ungehindert ausbreiten. Die Zecke liefert ihren Erregern somit gewissermaßen ein „Schutzhemd“ mit.
Anpassung der Zecke an den Menschen als Wirt
Die Fähigkeiten der Zecke sind bemerkenswert und zeigen, wie hochgradig angepasst sie ist. Ursprünglich nutzten Zecken vor allem klassische Wildtiere als Wirte – sogenannte Reservoirtiere wie Nagetiere, Rehe oder Hirsche. Mit der zunehmenden Verknappung dieser Tiere und der gleichzeitigen Explosion der Zeckenpopulation begannen sich die Zecken an neue ökologische Nischen anzupassen.
Der Mensch wurde zunehmend als alternativer Wirt genutzt. Dabei dient der Mensch nicht der Fortpflanzung der Zecke und auch nicht als Reservoir für die Weitergabe der Erreger an andere Zecken. Das menschliche Immunsystem reagiert anders als das vieler Wildtiere.
Ein interessanter Vergleich zeigt sich bei Tieren wie Schafen oder Wildschweinen. Diese entwickeln im Laufe ihres Lebens einen spezifischen Abwehrmechanismus gegen Zeckenstiche. Ihr Immunsystem „merkt sich“ die Enzyme, die die Zecke beim Stich überträgt, und reagiert zunehmend effektiver darauf. In der Folge werden diese Tiere im Laufe ihres Lebens immer seltener gestochen.
Grundsätzlich ist auch der menschliche Organismus zu einer solchen Anpassung fähig. Voraussetzung dafür ist jedoch ein ausreichend leistungsfähiges Immunsystem. Genau hier liegt der zentrale Punkt der Borreliose‑Problematik: Nicht allein der Erreger ist entscheidend, sondern der Zustand des Immunsystems des Wirts.
FSME – regionale Verbreitung und Einordnung
Im Zusammenhang mit zeckenübertragenen Erkrankungen wird häufig die FSME, die Frühsommer‑Meningoenzephalitis, genannt. Diese virale Hirnhautentzündung tritt jedoch nicht flächendeckend auf, sondern ist auf bestimmte Regionen beschränkt.
Zu den endemischen Gebieten zählen vor allem Bayern, Baden‑Württemberg und Südhessen. Darüber hinaus sind Teile der Nordostschweiz sowie einzelne Regionen Frankreichs betroffen. Außerhalb dieser Gebiete nimmt die Häufigkeit deutlich ab. Der Grund dafür liegt in den spezifischen Umweltbedingungen, die das FSME‑Virus benötigt: bestimmte Temperatur‑ und Feuchtigkeitsverhältnisse sind notwendig, damit es überleben und übertragen werden kann.
Die jährlichen Fallzahlen sind vergleichsweise niedrig. Laut offiziellen Statistiken des deutschen Gesundheitsministeriums werden maximal etwa 700 FSME‑Fälle pro Jahr registriert. Diese Zahl steht in starkem Kontrast zur Borreliose. Allein in Baden‑Württemberg werden jährlich rund 180.000 Borreliose‑Fälle verzeichnet.
FSME betrifft vor allem ältere oder immungeschwächte Menschen schwerer als junge oder gesunde Personen. Zudem erfolgt die Übertragung der FSME‑Viren nicht primär über das Blut, sondern über die Haut an der Einstichstelle. Eine infizierte Zecke hinterlässt die Viren lokal, sodass sich andere Zecken beim Überkrabbeln infizieren können. Der Mensch spielt dabei als Reservoir kaum eine Rolle, die Wahrscheinlichkeit ist statistisch sehr gering.
Klimatische Veränderungen und Ausbreitung der Zecken
In den letzten Jahrzehnten hat sich die geografische Verbreitung der Zecken deutlich verschoben. Durch klimatische Veränderungen sind Zecken heute in Regionen anzutreffen, in denen sie früher kaum vorkamen. Die sogenannte Zeckengrenze hat sich in den letzten zwanzig Jahren bis nach Finnland und Schweden verschoben.
Auch in Höhenlagen ist eine deutliche Veränderung zu beobachten. Während Ende der 1990er‑Jahre Zecken oberhalb von 800 bis 900 Metern kaum vorkamen, sind sie heute bis in Höhen von etwa 1.200 Metern anzutreffen. Diese Verschiebung ist eine direkte Folge veränderter Temperaturverhältnisse.
Zecken sind hochgradige Anpassungskünstler. Sie passen sich nicht nur selbst an neue Umweltbedingungen an, sondern auch die Erreger, die sie in sich tragen, zeigen eine enorme Anpassungsfähigkeit.
Wahrnehmung des Menschen durch die Zecke
Um sich vor Zecken zu schützen, ist es wichtig zu verstehen, wie sie den Menschen wahrnehmen. Zecken verfügen über ein spezielles Sinnesorgan – das Hallersche Organ. Dieses ist in der Lage, chemische Stoffe wie Gase wahrzunehmen, darunter Kohlendioxid, Ammoniak und andere Duftstoffe. Darüber hinaus kann es Wärmestrahlung, Schall und Lichtveränderungen in Form von Schatten registrieren.
Alle Sinneswahrnehmungen der Zecke sind in diesem einen Organ gebündelt. Dadurch ist sie äußerst zielstrebig und kann sehr präzise auf potenzielle Wirte reagieren. Sie ist in der Lage, an einer Stelle zu verharren, ihre Umgebung zu analysieren und gezielt zuzuschlagen.
Pflanzen und ätherische Öle als natürliche Abwehr
Bestimmte Pflanzen werden von Zecken gemieden. Dazu gehören unter anderem Lavendel und Rosmarin. Der Grund dafür liegt in den ätherischen Ölen, die diese Pflanzen absondern. Ätherische Öle stören die Wahrnehmung des Hallerschen Organs. Die Zecke kann wichtige Signale wie Buttersäure, Ammoniak oder Kohlendioxid nicht mehr eindeutig erkennen.
In einer Umgebung mit vielen ätherischen Ölen wird die Wahrnehmung für die Zecke so komplex, dass sie ihren Wirt nicht mehr orten kann. Sie „sieht“ gewissermaßen nichts mehr und verlässt das Gebiet. Aus diesem Grund können entsprechende Pflanzen im Garten dazu beitragen, Zecken fernzuhalten.
Eine besonders wirksame Pflanze ist die dalmatinische Insektenblume. Gelangt eine Zecke mit dieser Pflanze in Kontakt, wirkt dies tödlich auf sie. Die Nervrezeptoren der Zecke befinden sich nicht im Inneren des Körpers, sondern auf der Oberfläche ihres Panzers. Die Wirkstoffe der Blüte greifen diese Rezeptoren direkt an, sodass die Zecke abstirbt.
Neben ihrer Wirksamkeit bietet diese Pflanze auch einen ästhetischen Nutzen. Sie ähnelt einer Margerite und kann problemlos im Garten kultiviert werden. Bei richtiger Aussaat vermehrt sie sich stark. Aus ihr lassen sich sogar natürliche Insektizide herstellen.
Borrelien‑Stämme, Fehlschlüsse in der Diagnostik und die Rolle des Immunsystems
Wenn von Borreliose gesprochen wird, ist zunächst eine klare begriffliche Unterscheidung notwendig. Der klassische Erreger der Lyme‑Borreliose wird lateinisch als Borrelia burgdorferi sensu stricto bezeichnet. Dieser Begriff bezieht sich ausschließlich auf den ursprünglichen, eng definierten Stamm, der erstmals beschrieben wurde. In Europa ist die Situation jedoch deutlich komplexer. Hier spricht man von Borrelia burgdorferi sensu lato, also im erweiterten Sinn. Darunter fallen zahlreiche weitere Borrelien‑Stämme, die sich im Laufe der Zeit entwickelt und miteinander gekreuzt haben.
Allein im Schwarzwald lassen sich nach aktuellen Erkenntnissen 24 verschiedene Unterstämme der Borrelien nachweisen. Jeder dieser Stämme besitzt eigene Eigenschaften, eigene Strategien und eigene Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Es würde den Rahmen eines einzelnen Vortrags sprengen, jeden dieser Stämme im Detail zu besprechen. Entscheidend ist jedoch das Verständnis dafür, dass diese Vielfalt existiert und dass sie direkte Konsequenzen für Diagnostik und Therapie hat.
Wanderröte
Ein besonders folgenschwerer Irrtum besteht in der weit verbreiteten Annahme, dass das Vorhandensein oder Ausbleiben einer Wanderröte ein verlässliches Kriterium für das Vorliegen einer Borreliose sei. Viele Menschen gehen davon aus, dass sie nach einem Zeckenstich lediglich die Einstichstelle beobachten müssen. Tritt innerhalb von etwa zehn Tagen keine Wanderröte auf, wird daraus geschlossen, dass keine Borreliose vorliegt.
Diese Annahme ist falsch. Nicht alle Borrelien‑Stämme produzieren eine Wanderröte. Das Fehlen eines Erythems bedeutet daher keineswegs, dass keine Infektion stattgefunden hat. Da niemand über die Fähigkeit verfügt, den infizierenden Stamm „zu sehen“, ist es in solchen Fällen dringend angeraten, eine weiterführende Abklärung vorzunehmen. Es gibt keinen verlässlichen Weg, Borreliose allein anhand äußerer Hautveränderungen sicher auszuschließen.
Borreliose als gesellschaftliches und wirtschaftliches Problem
Die Forschung im Bereich der Borreliose schreitet kontinuierlich voran. Jedes Jahr kommen neue Erkenntnisse hinzu. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Erkrankung. Borreliose kann Menschen dauerhaft arbeitsunfähig machen. Wenn jährlich hunderttausende Menschen betroffen sind, entwickelt sich daraus zwangsläufig ein volkswirtschaftliches Problem.
Diese Dimension erklärt, warum intensiv nach Lösungen gesucht wird und warum das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dennoch bleibt ein zentraler Aspekt häufig unbeachtet: die Frage, wie das menschliche Immunsystem mit Borrelien und den zahlreichen weiteren durch Zecken übertragenen Erregern umgeht.
Weitere durch Zecken übertragene Erreger und Folgeerkrankungen
Zecken übertragen nicht nur Borrelien. Die Liste der möglichen Erreger ist lang und vielfältig. Dazu gehören unter anderem FSME‑Viren, Babesien, verschiedene Trichinen‑Arten sowie weitere bakterielle und parasitäre Erreger. In manchen Fällen können diese Infektionen sogar zu sogenannten Fleischallergien führen.
Dabei handelt es sich um Fehlsteuerungen des Immunsystems, bei denen bestimmte Proteine im Blut oder im Verdauungstrakt nicht mehr korrekt als körpereigen oder harmlos erkannt werden. In der Folge reagiert der Organismus auf den Verzehr von Fleisch mit allergischen Symptomen. Diese Reaktionen sind Ausdruck einer tiefgreifenden immunologischen Fehlregulation.
Mit der zunehmenden Veränderung der ökologischen Nischen in Europa – bedingt durch Klimawandel, Globalisierung sowie die Einfuhr neuer Pflanzen‑ und Tierarten – verändern sich nicht nur die Zecken selbst. Auch neue Zeckenarten und neue Erreger gelangen in unsere Regionen. Die Liste der potenziellen Infektionen wird dadurch weiter anwachsen. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig darauf vorzubereiten.
Immunsystem als zentraler Schlüssel der Borreliose‑Problematik
Das eigentliche Kernproblem der Borreliose liegt nicht allein im Erreger, sondern im Zusammenspiel zwischen Erreger und Immunsystem. Die entscheidende Frage lautet: Wie reagiert das menschliche Immunsystem auf Borrelien und auf die Vielzahl begleitender Erreger?
Viele therapeutische Ansätze setzen ausschließlich am Erreger an, ohne die immunologische Situation des Betroffenen ausreichend zu berücksichtigen. Doch genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der Erkrankung.
Ätherische Öle und Geruchswahrnehmung der Zecke
Zecken orientieren sich stark über Gerüche. Wird der menschliche Körpergeruch durch ätherische Öle verändert, kann dies die Zecke erheblich irritieren. Trägt man beispielsweise Lavendelöl an Fußgelenken, im Nacken oder an anderen exponierten Stellen auf, riecht der Mensch für die Zecke nicht mehr nach einem geeigneten Wirt, sondern nach einer Pflanze. In der Folge stuft die Zecke den Menschen als unbrauchbar ein und lässt von ihm ab.
Dieser Effekt ist jedoch nicht absolut. Sehr hungrige oder ältere, erfahrenere Zecken lassen sich weniger leicht täuschen als junge Tiere. Dennoch kann diese Maßnahme das Risiko eines Zeckenstichs deutlich reduzieren.
Temperatur, Hitze und Überlebensfähigkeit der Zecke
Zecken sterben erst bei Temperaturen ab etwa 60 Grad Celsius. Der menschliche Körper erreicht selbst bei hohem Fieber keine derart hohen Temperaturen. Auch Saunabesuche führen nicht dazu, dass Zecken am Körper absterben. Die Körpertemperatur steigt dabei nur moderat an, während das Schwitzen gleichzeitig für eine Kühlung sorgt.
Schweiß senkt die Körpertemperatur durch Verdunstung. Dieses Prinzip ist seit der Antike bekannt. Bereits die Römer nutzten Verdunstungskälte, um Wasser zu kühlen. Ein mit nassen Tüchern umwickelter Tontopf, der in der Sonne steht, kann den Inhalt abkühlen, obwohl er äußerer Hitze ausgesetzt ist. Dasselbe Prinzip wirkt auf der menschlichen Haut. Die Zecke profitiert davon und bleibt unbeeinträchtigt.
Auch das Waschen von Kleidung bei 40 Grad Celsius reicht nicht aus, um Zecken abzutöten. Erst Temperaturen ab etwa 60 Grad wirken tödlich. Der Umgang mit Zecken erfordert daher Geduld und vor allem Wissen.
Stichwahrnehmung und bevorzugte Körperstellen
Wird ein Zeckenstich bewusst wahrgenommen, deutet dies darauf hin, dass die Zecke einen Nerv in unmittelbarer Nähe des Blutgefäßes getroffen hat, den sie nicht vollständig lähmen konnte. Normalerweise sucht sich die Zecke gezielt dünne Hautpartien, um schnell an ein Blutgefäß zu gelangen. Dazu gehören Kniekehlen, Ellenbeugen, Achseln, Haaransätze und der Intimbereich.
Diese Körperstellen bieten nicht nur dünnere Haut, sondern auch besondere Geruchsbedingungen. In Hautfalten ist der Sauerstoffgehalt geringer, was für die Zecke ein zusätzliches Orientierungssignal darstellt.
Ätherische Ölmischungen und praktische Erfahrungen
Es existieren spezielle Ölmischungen, die ursprünglich nicht zur Zeckenabwehr entwickelt wurden, sich jedoch in der Praxis als äußerst wirksam erwiesen haben. Eine solche Mischung ist das Narko-Öl und besteht aus 16 verschiedenen ätherischen Ölen und wird normalerweise zur Muskelentspannung eingesetzt. Menschen, die sich damit eingerieben haben und anschließend in die Natur gingen, berichteten von einem auffälligen Rückgang von Zeckenbefall.
Dieser Effekt wurde experimentell überprüft, indem Zecken mithilfe von Milchsäure oder Buttersäure angelockt und anschließend mit dem Öl konfrontiert wurden. Die Zecken zeigten ein deutliches Fluchtverhalten. Entscheidend ist dabei nicht die spezielle Mischung, sondern der pflanzliche Geruch. Auch einfaches Lavendel‑ oder Rosmarinöl kann diesen Effekt erzielen.
Umgang mit entfernten Zecken und Diagnostik
Zecken sollten nicht gequält oder unsachgemäß behandelt werden. Nach dem Entfernen ist es sinnvoll, sie abzutöten und gegebenenfalls für eine Untersuchung aufzubewahren. Dazu eignet sich hochprozentiger Alkohol, idealerweise Ethanol mit etwa 95 %. Die Zecke stirbt darin nicht durch Vergiftung, sondern durch Ertrinken.
Eine Untersuchung der Zecke kann Aufschluss darüber geben, welche Erreger sie in sich getragen hat. Dies ist besonders wichtig, da Zecken häufig mehrere Erreger gleichzeitig übertragen. In manchen Fällen reagiert das Immunsystem auf einen Erreger, während andere unbemerkt bleiben und sich weiter ausbreiten. Um diese komplexen Zusammenhänge zu klären, kann die Analyse der Zecke wertvolle Hinweise liefern.
Praktische Schutzmaßnahmen, Haustiere und Grenzen gängiger Hausmittel
Kokosöl wird häufig als natürliches Schutzmittel gegen Zecken empfohlen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Kokosöl kein ätherisches Öl ist, sondern ein Fett. Es besitzt keine flüchtigen Duftstoffe, die das Wahrnehmungssystem der Zecke irritieren könnten. Aus diesem Grund stellt Kokosöl für die Zecke keinen relevanten Abschreckungsfaktor dar. Nur wenn man sich vollständig mit Öl einreibt und dadurch mechanisch eine Barriere erzeugt, könnte ein Effekt entstehen – praktisch ist das jedoch weder sinnvoll noch realistisch.
Bei Hunden stellt sich die Situation ähnlich dar wie beim Menschen, allerdings mit einer entscheidenden Besonderheit: dem Fell. Das Fell bietet der Zecke ideale Bedingungen, um sich lange Zeit unentdeckt aufzuhalten. Hunde sind daher sehr geeignete Wirte für Zecken. Ätherische Öle könnten theoretisch auch hier abschreckend wirken, allerdings reagieren Hunde empfindlich auf diese Stoffe. Ihr Eigengeruch spielt eine wichtige Rolle in der Kommunikation mit Artgenossen. Wird dieser Geruch durch ätherische Öle überdeckt, kann es zu Irritationen und sogar zu sozialen Konflikten mit anderen Hunden kommen. Deshalb ist bei der Anwendung solcher Mittel bei Hunden Vorsicht geboten.
Bei Katzen stellt sich die Situation noch schwieriger dar. Katzen lassen sich in der Regel kaum einsprühen, und auch hier ist das Fell ein idealer Rückzugsort für Zecken.
Verhalten der Zecke beim Stich und Entfernung
Hat eine Zecke einmal zugestochen, ist sie äußerst zielstrebig. Äußere Einflüsse wie Wasser oder Bewegung führen nicht dazu, dass sie den Stich abbricht. Selbst ein Bad oder Untertauchen im Wasser veranlasst die Zecke nicht, loszulassen. Auch ätherische Öle können eine bereits saugende Zecke nicht dazu bringen, den Stich zu beenden. Eine Zecke muss immer mechanisch entfernt werden.
Dabei ist es wichtig, nicht mit Gewalt vorzugehen und keine Öle oder andere Substanzen auf die Zecke zu geben. Ziel ist es, die Zecke vollständig und sauber zu entfernen, insbesondere den Kopfbereich. Hierfür eignen sich spezielle Zeckenpinzetten oder Hebelwerkzeuge, die in Apotheken erhältlich sind. Zecken springen nicht und lassen sich problemlos mit einer Pinzette oder den Fingern greifen und anschließend in ein Alkoholfläschchen geben.
Grenzen von Knoblauch und anderen Hausmitteln
Knoblauch wird häufig als natürliches Antibiotikum angepriesen. Zwar besitzt Knoblauch antibakterielle Eigenschaften, doch reicht seine Wirkung nicht aus, um Borrelien in der notwendigen Breite zu erreichen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Knoblauch in diesem Zusammenhang keine relevante Schutz‑ oder Heilwirkung entfaltet.
Untersuchung der Zecke als diagnostisches Werkzeug
Nach einem Zeckenstich kann es sinnvoll sein, die entfernte Zecke untersuchen zu lassen. In Europa gibt es verschiedene Labore, die solche Analysen anbieten. Dabei wird die Zecke auf die in ihr enthaltenen Erreger untersucht, und es wird eine Liste der nachweisbaren Keime erstellt.
Zecken können problemlos mehrere Tage in hochprozentigem Alkohol aufbewahrt werden, ohne dass die Erregernachweise verloren gehen. Diese Untersuchung ist besonders wichtig, da Zecken häufig mehrere Erreger gleichzeitig übertragen. In manchen Fällen reagiert das Immunsystem auf einen Erreger, während andere unbemerkt bleiben und sich weiter ausbreiten. Die Analyse der Zecke kann helfen, diese Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen.
Immunologische Abschirmung der Stichstelle
Die Zecke beschränkt sich nicht darauf, den Stich schmerzfrei zu gestalten und das lokale Immunsystem zu lähmen. Sie geht noch weiter und setzt gezielt Botenstoffe wie Histamin, Serotonin und andere Mediatoren außer Gefecht. Dadurch wird die Stichstelle zu einer Art immunologischer Enklave. Der Körper nimmt diesen Bereich kaum noch wahr, was die Ausbreitung der Erreger begünstigt.
Diese chemische Abschirmung wird nicht nur von der Zecke selbst genutzt, sondern auch von den Erregern, die sie überträgt. Die Borrelien profitieren direkt von den im Zeckenspeichel enthaltenen Substanzen.
OSP‑Proteine und Immunflucht der Borrelien
Borrelien produzieren spezielle Eiweiße, sogenannte OSP‑Proteine (Outer Surface Proteins), insbesondere OSP‑A und OSP‑C. Diese Proteine dienen ursprünglich dazu, die Borrelien im Gewebe der Zecke zu verankern. Gelangen die Borrelien jedoch in den menschlichen Körper, erfüllen diese Eiweiße eine weitere, entscheidende Funktion.
OSP‑Proteine senden den Makrophagen, den Fresszellen des Immunsystems, ein klares Signal: „Friss mich nicht.“ Sobald die Borrelien ins Blut gelangen, schütten sie diese Proteine aus. Die Makrophagen erkennen das Signal und unterlassen den Angriff. Es kommt zu keiner unmittelbaren Immunreaktion.
Erst wenn andere weiße Blutkörperchen aktiv werden und die Abwehr insgesamt gut funktioniert, kann dieser Mechanismus durchbrochen werden. Die Borrelien nutzen diese Strategie gezielt, um sich der Immunabwehr zu entziehen.
Gleichzeitig sind OSP‑A‑ und OSP‑C‑Proteine hervorragende Marker für den Nachweis einer Borrelienpräsenz. Sie eignen sich sehr gut, um festzustellen, ob Borrelien im Körper vorhanden sind oder nicht. Auf diese diagnostischen Möglichkeiten wird später noch genauer eingegangen.
Dauer des Saugvorgangs und Übertragungsrisiko
Der Saugvorgang einer weiblichen Zecke kann mehrere Stunden bis zu 48 Stunden dauern. Ab etwa der sechsten Stunde steigt das Risiko einer Übertragung von Erregern deutlich an. Daraus ergibt sich die klare Konsequenz, dass Zecken so schnell wie möglich entfernt werden sollten.
Übertragung von Erregern auf Zeckeneier
Nicht alle Erreger werden von der Zecke auf ihre Nachkommen übertragen. Viren und bestimmte Bakterienarten können auf die Eier übergehen, Borrelien jedoch nicht. Das bedeutet, dass Borreliose nicht direkt auf die nächste Zeckengeneration vererbt wird.
Zeckenlarven schlüpfen ohne Borrelien. Erst bei ihrer ersten Blutmahlzeit – meist an kleinen Nagetieren wie Mäusen – können sie sich infizieren. Ab dem dritten Entwicklungsstadium, nach mehreren Häutungen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Erregern deutlich erhöht. Statistisch gesehen trägt etwa jede siebte Zecke Borrelien in sich.
Historische Einordnung, Klimafaktoren und die Rolle des Immunsystems
Bevor man sich vertieft mit der Borreliose selbst beschäftigt, ist es sinnvoll, einen Blick auf die historische Entwicklung und die klimatischen Rahmenbedingungen zu werfen. In Europa gab es im 17. Jahrhundert eine sogenannte „kleine Eiszeit“. Diese Phase war geprägt von deutlich kälteren Temperaturen, unter anderem zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In historischen Berichten aus dieser Epoche finden sich wesentlich weniger Hinweise auf Erkrankungen, die heute mit Borreliose oder zeckenbedingten Problemen in Verbindung gebracht würden.
Das kältere Klima wirkte damals hemmend auf die Ausbreitung der Zecken. Parallel dazu gibt es moderne Forschungsansätze, die sich mit genetischem Material aus dieser Zeit beschäftigen. Anhand von Gewebeproben versucht man zu rekonstruieren, an welchen Erkrankungen Menschen damals litten. Dabei zeigte sich, dass das menschliche Immunsystem grundsätzlich in der Lage war, Antikörper gegen Borrelien zu bilden. Diese Erkenntnis ist entscheidend, denn sie zeigt, dass das Immunsystem prinzipiell über die Fähigkeit verfügt, mit diesem Erreger umzugehen.
Diese historische Perspektive ist wichtig, weil sie den Blick auf ein zentrales Thema lenkt, das bei der Borreliose immer wieder auftaucht: die Diagnostik und die Frage, wie das Immunsystem auf den Erreger reagiert.
Wanderröte als frühes Zeichen – und ihre Grenzen
In der klassischen Betrachtung der Borreliose gilt die Wanderröte, medizinisch Erythema migrans, als eines der wichtigsten frühen Anzeichen. Dabei handelt es sich um eine ringförmige Hautrötung, die einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern oder mehr erreichen kann. Tritt diese Rötung wenige Tage nach einem Zeckenstich auf, gilt dies als relativ sicheres Zeichen dafür, dass Borrelien von der Zecke auf den Menschen übergegangen sind.
Diese Hautveränderung kann über Wochen bestehen bleiben, wenn keine Behandlung erfolgt. In der schulmedizinischen Praxis wird in solchen Fällen in der Regel frühzeitig mit Antibiotika behandelt. Auf diese Therapieansätze wird später noch ausführlich eingegangen.
Entscheidend ist jedoch, dass die Wanderröte nur ein möglicher Ausdruck der Infektion ist. Sie ist kein zwingendes Merkmal und ihr Fehlen schließt eine Borreliose nicht aus. Um die Erkrankung wirklich zu verstehen, muss man betrachten, was die Borrelien im Körper tun, sobald sie übertragen wurden.
Verhalten der Borrelien im menschlichen Körper
Sobald Borrelien in den menschlichen Organismus gelangen, versuchen sie möglichst schnell, die Blutbahn zu verlassen. Das Blut ist für sie kein geeigneter Aufenthaltsort, da dort die weißen Blutkörperchen präsent sind, die eine unmittelbare Bedrohung darstellen. Borrelien suchen daher gezielt Gewebe auf, in denen die Dichte an Immunzellen geringer ist.
Ein entscheidender Faktor in diesem Prozess ist die Zeit. Ein Zeckenstich oder eine unbemerkte Wanderröte führt nicht zwangsläufig sofort zu Beschwerden. Es kann viele Jahre dauern, bis Symptome auftreten. In manchen Fällen vergehen bis zu zwanzig Jahre, bevor sich eine sogenannte Lyme‑Arthritis entwickelt, also eine entzündliche Gelenkerkrankung.
Die Geschwindigkeit, mit der sich Borrelien vermehren, hängt stark von den Bedingungen ab, die sie im Körper vorfinden. Ist das Immunsystem aktiv und präsent, verläuft die Vermehrung langsamer. Ist die Abwehr geschwächt oder fehlgeleitet, können sich die Erreger schneller ausbreiten.
Gelenke als bevorzugter Rückzugsort
Borrelien bevorzugen bestimmte Gewebe, insbesondere große Gelenke wie Knie, Hüften, Schultern oder Ellenbogen. Dort finden sie Knorpelmasse und Knochenhaut, Bereiche mit vergleichsweise geringer Präsenz weißer Blutkörperchen. Haben sie sich dort etabliert, beginnen sie sich zu vermehren.
Sind die Bedingungen günstig, kann es relativ rasch zu einer Entzündung kommen. Sind die Bedingungen weniger optimal, verläuft dieser Prozess deutlich langsamer, sodass Symptome erst nach vielen Jahren auftreten. Viele Betroffene erinnern sich dann nicht mehr an einen früheren Zeckenstich.
In solchen Fällen beginnen die Beschwerden oft schleichend. Ein Gelenk schmerzt, ohne dass eine klare Ursache gefunden wird. Untersuchungen beim Orthopäden oder Rheumatologen bleiben unauffällig. Die eigentliche Ursache bleibt lange unerkannt.
Diagnostische Problematik bei chronischer Borreliose
Borrelien, die über lange Zeit im Körper verbleiben, entwickeln Strategien, um der Immunabwehr zu entgehen. Das Immunsystem bildet zwar Antikörper, diese zeigen jedoch häufig nur an, dass irgendwann einmal ein Kontakt mit dem Erreger stattgefunden hat. Sie liefern keine klare Aussage darüber, ob aktuell noch eine aktive Infektion besteht.
Genau hierin liegt eines der größten diagnostischen Probleme der Borreliose. Antikörpertests können anzeigen, dass ein Stich in der Vergangenheit stattgefunden hat, sagen aber wenig darüber aus, ob die Borrelien noch aktiv sind oder welche Gewebe betroffen sind.
Immunmanipulation durch Borrelien
Gelangen Borrelien ins Blut, beginnen sie zunächst damit, die immunologische Lage zu sondieren. Sie schütten eine Vielzahl von Eiweißen aus, die sie selbst produzieren. Dazu gehören unter anderem die bereits erwähnten OSP‑A‑ und OSP‑C‑Proteine, aber auch zahlreiche weitere Eiweiße.
Diese Stoffe dienen dazu, das Immunsystem zu manipulieren, auf falsche Fährten zu locken und gezielt zu hemmen. Borrelien sind in dieser Hinsicht hochgradige Anpassungskünstler. Sie reagieren flexibel auf die Abwehrlage des Wirts und passen ihre Strategie entsprechend an.
Neuroborreliose und Abgrenzung zur Multiplen Sklerose
Wenn Borrelien feststellen, dass die Bedingungen in den Gelenken ungünstig sind, können sie einen anderen Weg einschlagen. Sie greifen dann das periphere Nervensystem an und können über dieses bis ins Rückenmark vordringen. In diesem Fall spricht man von einer Neuroborreliose.
Die frühen Symptome einer Neuroborreliose sind nahezu identisch mit denen der Multiplen Sklerose. Beide Erkrankungen betreffen die Schutzhülle der Nerven. Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem diese Hülle angreift. Bei der Neuroborreliose hingegen greift die Borrelie selbst diese Struktur an und nutzt sie als Nahrungsquelle.
Symptomatisch lassen sich diese beiden Erkrankungen zunächst kaum unterscheiden. Eine eindeutige Abgrenzung ist erst möglich, wenn Gewebsmaterial untersucht wird, etwa durch eine Liquorentnahme aus dem Rückenmark. Häufig erfolgt der Nachweis jedoch indirekt über die Eiweiße, die die Borrelien ausschütten.
Neuroborreliosen können auch als Folge einer länger bestehenden Lyme‑Arthritis auftreten. In diesem Fall handelt es sich um eine Kaskadenreaktion, bei der sich die Erkrankung schrittweise ausweitet.
Herzbeteiligung bei Borreliose
In etwa einem Prozent der Fälle betrifft die Borreliose das Reiz‑ und Leitungssystem des Herzens. Diese Form wird als Lyme‑Karditis bezeichnet. Dabei greifen die Borrelien insbesondere den AV‑Knoten an, der eine zentrale Rolle in der Steuerung des Herzrhythmus spielt.
Die Folge können Herzrhythmusstörungen sein, die sich mit herkömmlichen kardiologischen Medikamenten kaum beeinflussen lassen. Betroffene berichten häufig, dass keine der üblichen Therapien greift. Der Grund dafür liegt darin, dass nicht das Herz selbst das primäre Problem ist, sondern das bakterielle Geschehen im Gewebe des Reizleitungssystems.
Spätfolgen der Borreliose, Immunfehlsteuerung und Risiken bei der Therapie
Eine Lyme‑Karditis, also eine Beteiligung des Herz‑Reizleitungssystems durch Borrelien, ist trotz ihrer potenziellen Gefährlichkeit vergleichsweise gut behandelbar. Sie stellt in vielen Fällen sogar ein geringeres therapeutisches Problem dar als eine lange bestehende, chronische Borreliose. Der Grund dafür liegt in der Erregerlast. Bei einer Karditis ist die Menge an Borrelien im betroffenen Gewebe in der Regel deutlich geringer als bei einer über Jahre oder Jahrzehnte bestehenden Infektion. Dadurch lassen sich therapeutische Maßnahmen gezielter und kontrollierter einsetzen.
Wenn man sich die möglichen Folgen einer Borreliose vor Augen führt, wird deutlich, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Erscheinungsformen gibt. Neben Gelenk‑ und Nervenbeteiligungen können auch Hautveränderungen auftreten. Eine bekannte Spätform ist die sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA), auch als „Glashaut“ bezeichnet. Diese entsteht, wenn Borrelien aus dem Gelenksystem abwandern, auf eine geschwächte Immunabwehr treffen und sich in der Unterhaut ansiedeln.
In diesem Fall beginnen die Borrelien, das Unterhautgewebe zu zersetzen. Die Haut wird zunehmend dünn, glasig und verletzlich. Sie neigt zu Rissen, Vernarbungen und strukturellen Veränderungen. Solche Hautveränderungen treten vor allem bei schweren, wiederkehrenden Lyme‑Arthritiden auf und sind Ausdruck einer langanhaltenden, unzureichend kontrollierten Infektion.
Polyneuropathien als Folge immunologischer Fehlsteuerung
Ein weiteres mögliches Krankheitsbild sind Polyneuropathien, also entzündliche Veränderungen peripherer Nerven. Diese können im Anschluss an eine Lyme‑Arthritis auftreten. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, ist ein tieferer Blick auf die immunologischen Mechanismen notwendig.
Borrelien besitzen die Fähigkeit, eine Vielzahl von Stoffen auszuschütten, die das Immunsystem gezielt fehlleiten. Diese Strategie dient nicht nur dem unmittelbaren Überleben des Erregers, sondern kann langfristig schwerwiegende Folgen haben. Das Immunsystem kann diese permanente Irreführung so „falsch verstehen“, dass es beginnt, eigene Strukturen anzugreifen. In der Folge können autoimmune oder allergische Reaktionen entstehen.
Konkret bedeutet das, dass das Immunsystem nicht mehr primär gegen die Borrelien gerichtet ist, sondern sich gegen periphere Nerven wendet. Es kommt zu Entzündungen im Nervensystem, die sich klinisch als Polyneuropathie äußern. In solchen Fällen liegen zwei Prozesse gleichzeitig vor: eine fortbestehende oder zurückliegende Borrelieninfektion und eine autoimmune Reaktion des Immunsystems gegen das Nervengewebe.
Therapeutische Konsequenzen bei immunvermittelten Schäden
Die Behandlung solcher Erscheinungen kann nicht lokal an den betroffenen Nerven ansetzen. Es ist nicht sinnvoll, jede einzelne entzündete Stelle separat zu therapieren. Der therapeutische Ansatz muss vielmehr auf das Immunsystem selbst zielen. Ziel ist es, die fehlgeleitete Immunreaktion zu bremsen und die weitere Entwicklung der Entzündung zu blockieren.
Gleichzeitig ist es notwendig, das Immunsystem dazu zu befähigen, die Vielzahl der von den Borrelien ausgeschütteten Stoffe korrekt zu erkennen. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen. Die Abwehr lässt sich von den Borrelien regelrecht „an der Nase herumführen“. Sie reagiert auf falsche Signale, jagt an den eigentlichen Ursachen vorbei und richtet dadurch zusätzlichen Schaden an.
Endotoxine und ihre Auswirkungen auf den Organismus
Ein weiterer kritischer Punkt ergibt sich, wenn Borrelien im Körper absterben. Dies kann geschehen, wenn sie ihren biologischen Zyklus abgeschlossen haben oder durch therapeutische Maßnahmen geschädigt werden. Beim Zerfall der Borrelien entstehen Abbauprodukte, die toxisch wirken. Diese sogenannten Endotoxine können das Immunsystem zusätzlich belasten oder sogar lähmen.
Die Freisetzung dieser Stoffe kann zu extremen immunologischen Reaktionen führen. Eine besonders gefürchtete Reaktion ist die Jarisch‑Herxheimer‑Reaktion. Dabei reagiert das Immunsystem so heftig auf die freigesetzten Endotoxine, dass es zu schweren Entzündungsreaktionen kommen kann. In extremen Fällen kann dies bis zu einem anaphylaktischen Schock führen.
Vorsicht bei aggressiven Therapien
Aus diesem Grund ist bei fortgeschrittenen Borreliose‑Erkrankungen besondere Vorsicht geboten. Ein unkontrollierter, aggressiver Therapieansatz – etwa der Einsatz hochdosierter Antibiotika ohne begleitende Maßnahmen – birgt erhebliche Risiken. Das abrupte Absterben großer Mengen von Borrelien kann eine massive Endotoxinfreisetzung auslösen und den Zustand des Patienten erheblich verschlechtern.
Gerade bei Spätfolgen und chronischen Verläufen ist es daher entscheidend, nicht „mit der Keule“ vorzugehen, sondern therapeutische Schritte sorgfältig zu planen und das Immunsystem in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen.
Post‑Treatment‑Lyme‑Disease‑Syndrom und Fehlsteuerung der Immunantwort
Eine weitere zentrale Problematik im Zusammenhang mit Borreliose ist das sogenannte Post‑Treatment‑Lyme‑Disease‑Syndrom. Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, das nach einer scheinbar erfolgreichen Behandlung der Borreliose auftreten kann. Die ursprüngliche Infektion wurde möglicherweise lange Zeit nicht bemerkt, die Borrelien konnten sich über einen längeren Zeitraum im Körper ausbreiten und wurden schließlich therapeutisch bekämpft.
Nach Abschluss der Behandlung sind die Borrelien selbst oft nicht mehr direkt nachweisbar. Dennoch zeigen Betroffene weiterhin ausgeprägte Symptome. Dazu gehören eine massive Erschöpfung, vergleichbar mit einem Fatigue‑Syndrom, anhaltende Abgeschlagenheit, Energielosigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Gelenkbeschwerden. Das klinische Bild ähnelt stark einer aktiven Borreliose, obwohl der Erreger selbst nicht mehr vorhanden ist.
Was in diesen Fällen geschieht, ist eine Fehlreaktion des Immunsystems. Wurde die Erkrankung therapeutisch falsch angegangen, beginnt das Immunsystem einen sogenannten Stellvertreterkrieg zu führen. Es verhält sich weiterhin so, als wäre die Borrelie noch präsent, und löst im Körper eine Vielzahl von immunologischen Reaktionen aus. Diese Reaktionen richten sich nicht mehr gegen den eigentlichen Erreger, sondern gegen körpereigene Strukturen.
Das Immunsystem schlägt gewissermaßen quer und erzeugt Symptome, die der ursprünglichen Erkrankung ähneln. Diese Situation kann Ärzte in die Irre führen, da im Blut weiterhin Antikörper nachweisbar sind. Die Anwesenheit dieser Antikörper wird fälschlicherweise als Hinweis auf eine aktive Borreliose interpretiert. In der Folge wird erneut versucht, Borrelien zu bekämpfen, die gar nicht mehr vorhanden sind, während die eigentliche Ursache – die fehlgeleitete Immunreaktion – unbeachtet bleibt.
Diese Konstellation verdeutlicht, wie wichtig es ist, genau zu wissen, was tatsächlich behandelt wird. Bei komplexen immunologischen Problemen ist ein unreflektiertes Vorgehen nicht nur wirkungslos, sondern kann den Zustand des Betroffenen weiter verschlechtern.
Anpassungsfähigkeit der Borrelien und Grenzen toxischer Substanzen
Borrelien zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit aus. Substanzen wie Dimethylsulfoxid (DMSO) sind gegen Borrelien wirkungslos. Diese Stoffe können von den Borrelien metabolisiert, also regelrecht „verdaut“, werden. Diese Fähigkeit erklärt auch, warum Borrelien gegenüber vielen Antibiotika eine hohe Resistenz entwickeln können.
Im Labor zeigt sich immer wieder, wie erstaunlich diese Anpassungsmechanismen sind. Substanzen, die eigentlich toxisch wirken sollten, werden von den Borrelien aufgenommen und unschädlich gemacht. Die Borrelie reagiert auf solche Angriffe nicht mit Schwäche, sondern mit Anpassung. Sie merkt sich die Bedrohung und entwickelt Strategien, um ihr künftig zu entgehen.
Genau aus diesem Grund ist ein Frontalangriff mit immer stärkeren oder immer mehr Antibiotika nicht zielführend. Je mehr Druck auf die Borrelien ausgeübt wird, desto stärker reagieren sie mit Gegenmaßnahmen. Die eigentliche Lösung liegt nicht in der direkten Konfrontation, sondern in einem indirekten Ansatz – vergleichbar mit einem trojanischen Pferd.
Grenzen der Geruchsveränderung als Schutzstrategie
Theoretisch lässt sich die Attraktivität für Zecken durch eine Veränderung des Körpergeruchs beeinflussen. Werden weniger Stoffe wie Buttersäure oder Ammoniak abgegeben, sinkt die Wahrscheinlichkeit, von Zecken wahrgenommen zu werden. In der Praxis ist diese Strategie jedoch wenig effektiv. Die Zeckendichte ist in vielen Regionen so hoch, dass selbst geringe Restemissionen ausreichen, um als Wirt erkannt zu werden.
Ein wirksamerer Ansatz besteht darin, den eigenen Geruch so stark zu überlagern, dass die Zecke den Menschen nicht mehr als Tier, sondern als Pflanze wahrnimmt. Ätherische Öle können diesen Effekt erzielen, indem sie die Wahrnehmung der Zecke vollständig verfälschen.
Mehrfachinfektionen und therapeutische Fehlannahmen
Wird ein Mensch mehrfach von Zecken gestochen, ist es sehr wahrscheinlich, dass unterschiedliche Borrelien‑Stämme übertragen werden. In solchen Fällen geht man häufig davon aus, dass eine Antibiotikatherapie alle Erreger gleichermaßen abtötet. Diese Annahme ist jedoch falsch.
Antibiotika wirken nicht selektiv. Sie schädigen nicht nur krankmachende Bakterien, sondern auch nützliche Mikroorganismen, etwa im Darm oder im Blut. Je länger Borrelien im Körper vorhanden sind, desto besser sind sie an ihre Umgebung angepasst. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Antibiotikatherapie überleben, liegt bei über 80 Prozent.
Aus diesem Grund werden bei Borreliose häufig Langzeit‑Antibiotikatherapien eingesetzt. Ziel ist es, über einen langen Zeitraum einen konstanten Wirkstoffspiegel im Körper aufrechtzuerhalten, in der Hoffnung, alle Borrelien zu erreichen. Dieses Vorgehen ist jedoch problematisch, da es die Entwicklung weiterer Resistenzen begünstigt. In Europa ist bereits eine zunehmende Antibiotikaresistenz bei Borrelien zu beobachten.
Diagnostische Marker und Bedeutung der OSP‑Proteine
Für eine differenzierte Diagnostik sind direkte Marker von großer Bedeutung. Tests auf OSP‑Proteine können in bestimmten Phasen der Borrelienentwicklung wertvolle Informationen liefern. Sie zeigen an, ob Borrelien aktuell präsent sind und geben Hinweise auf den Entwicklungsstand der Infektion.
Darüber hinaus existieren weitere Eiweiße, die für eine umfassende Diagnostik relevant sind. Sie helfen dabei, einzuschätzen, wie lange die Borrelien bereits im Körper sind und in welchen Geweben sie sich angesiedelt haben. Diese Informationen sind entscheidend, um eine gezielte und sinnvolle Therapie zu planen.
Vermehrung der Borrelien und Bedeutung der Erregerlast
Borrelien vermehren sich durch Zellteilung. Aus wenigen Erregern können innerhalb kurzer Zeit Millionen entstehen, sofern die Bedingungen günstig sind. Die Geschwindigkeit dieser Vermehrung hängt maßgeblich von der Immunlage des Wirts ab.
Karde als therapeutischer Ansatz und ihre Grenzen
Die Karde enthält ein Glykosid, das als eine Art trojanisches Pferd wirkt. Borrelien benötigen eine Vielzahl von Rezeptoren auf ihrer Oberfläche, um ihre Anpassungsfähigkeit und Wahrnehmung aufrechtzuerhalten. Das Glykosid der Karde greift genau diese Rezeptoren an und macht die Borrelien dadurch angreifbar.
Der Wirkmechanismus beruht auf zwei Ebenen: Zum einen werden die Rezeptoren zerstört, zum anderen können die Borrelien selbst abgetötet werden. Allerdings sind Borrelien auch hier in der Lage, sich anzupassen. Sie können die Bedrohung wahrnehmen, ihre Population reduzieren und sich in andere Gewebe zurückziehen. Zudem lassen sich mit den üblichen Konzentrationen nicht alle Erreger vollständig erfassen.
Endotoxine und Belastung des Immunsystems
Beim Absterben von Borrelien entstehen Endotoxine, die vom Immunsystem entsorgt werden müssen. Diese Aufgabe übernimmt die Abwehr nur widerwillig, da die Endotoxine selbst toxisch wirken. Um sie zu neutralisieren, benötigt das Immunsystem erhebliche Mengen an Energie und Ressourcen.
Bei schweren Borreliose‑Verläufen mit hoher Endotoxinbelastung kommt es daher häufig zu allergischen oder autoimmunen Fehlreaktionen. Das Immunsystem scheut sich gewissermaßen davor, diese Stoffe vollständig abzubauen, was zu anhaltenden Beschwerden führt.
Diagnostik der Borreliose – warum gängige Verfahren in die Irre führen
Wenn man sich der Diagnostik der Borreliose zuwendet, wird schnell deutlich, dass hier eines der größten Probleme im Umgang mit dieser Erkrankung liegt. In vielen europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland, ist Borreliose ein Dauerthema. In einigen Bundesländern besteht sogar eine Meldepflicht, etwa in Bayern oder Sachsen. Dennoch folgt die medizinische Praxis häufig einem sehr vereinfachten Schema.
Kommt eine Person nach einem Zeckenstich in die Arztpraxis, wird zunächst die Einstichstelle begutachtet. Ist keine Wanderröte sichtbar, wird das Risiko oft als geringer eingeschätzt. Anschließend erfolgt meist eine Blutabnahme, um zu prüfen, ob das Immunsystem Antikörper gegen Borrelien oder deren Eiweiße gebildet hat. Zum Einsatz kommen dabei verschiedene Tests, etwa der LTT‑Test, ELISA‑Tests oder auch PCR‑Verfahren.
Das grundlegende Problem beginnt bereits an dieser Stelle. Wird jemand heute gestochen, kann es sein, dass bereits zuvor eine Borrelieninfektion bestanden hat, die nie bemerkt oder untersucht wurde. Ebenso kann es sein, dass das Immunsystem fehlerhaft reagiert. Besonders bei fortgeschrittenen oder zufällig entdeckten Borreliose‑Fällen lässt sich anhand der bloßen Antikörperpräsenz nicht sicher sagen, ob aktuell eine aktive Infektion vorliegt oder ob lediglich eine immunologische Erinnerung besteht.
Selbst nach einer Behandlung – etwa mit Antibiotika – bleiben Antikörper häufig weiterhin nachweisbar. Daraus ergibt sich die zentrale diagnostische Unsicherheit: Sind die Borrelien tatsächlich noch vorhanden, oder produziert das Immunsystem weiterhin Antikörper, obwohl der Erreger längst verschwunden ist?
Hinzu kommt, dass die meisten dieser Antikörper gegen Eiweiße der Borrelien gerichtet sind und nicht gegen die Borrelien selbst. Sie haben keine direkte abtötende Wirkung. Es handelt sich im Grunde um funktionell nutzlose Antikörper. Die Borrelien nutzen dieses Prinzip gezielt aus. Sie schicken dem Immunsystem ständig neue Eiweiße als Köder, beschäftigen die Abwehr mit der Produktion von Antikörpern und können währenddessen ihre eigenen Prozesse ungestört fortsetzen.
Hohe Fehlerquote antikörperbasierter Tests
Die gängigen Tests reagieren auf eine Vielzahl möglicher Antikörper. Da Borrelien eine enorme Bandbreite an Eiweißen ins Blut ausschütten, entsteht eine breite immunologische Reaktion. Diese bleibt im Gedächtnis des Immunsystems gespeichert und kann über lange Zeiträume hinweg weiterlaufen.
Das führt zu paradoxen Testergebnissen. In manchen Fällen zeigen Tests keinerlei Auffälligkeiten, obwohl eine relevante Antikörpermenge vorhanden ist. In anderen Fällen werden hohe Antikörpertiter gemessen, ohne dass eine aktive Infektion besteht. Die Diagnostik basiert damit auf der Reaktion der Abwehr – nicht auf dem tatsächlichen Vorhandensein der Borrelien.
Die eigentliche Frage müsste jedoch lauten: Ist der Erreger selbst noch vorhanden oder nicht? Dafür wäre es sinnvoller, die Borrelien direkt nachzuweisen, anstatt die Immunreaktion zu interpretieren.
Direkter Nachweis statt Antikörper‑Interpretation
Ein direkter Nachweis konzentriert sich nicht auf Antikörper, sondern auf spezifische Eiweiße der Borrelien selbst. Wird beispielsweise ein OSP‑Antigen‑Nachweis durchgeführt, sucht man gezielt nach diesen Oberflächenproteinen. Dabei ist es unerheblich, wie das Immunsystem reagiert. Entscheidend ist allein, ob diese Eiweiße vorhanden sind oder nicht.
In Frankreich hat man begonnen, solche direkten OSP‑Nachweise einzuführen. Der Hintergrund ist pragmatisch: Borreliose wurde zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor. Betroffene fallen aus dem Arbeitsleben heraus, sind langfristig eingeschränkt oder arbeitsunfähig. Ein klarer, verlässlicher Nachweis wurde notwendig.
In Deutschland hingegen stößt dieser Ansatz auf Widerstand. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig, die Praxis bleibt jedoch weitgehend bei antikörperbasierten Verfahren. Dabei bietet der direkte Nachweis einen entscheidenden Vorteil: Er liefert eine klare Ja‑oder‑Nein‑Aussage. Sind die entsprechenden Eiweiße vorhanden, ist eine Borrelie da. Sind sie nicht vorhanden, ist keine Borrelie da. Es handelt sich um ein Alles‑oder‑Nichts‑Prinzip, nicht um eine Schätzung.
Bedeutung der OSP‑Proteine und weiterer Marker
In der frühen Phase einer Infektion werden insbesondere OSP‑C‑ und OSP‑A‑Proteine in größerer Menge ausgeschüttet. Sie eignen sich daher gut als Marker für eine frische Infektion. Die Menge dieser Eiweiße steht in direktem Verhältnis zur Anzahl der vorhandenen Borrelien. Dadurch lässt sich nicht nur feststellen, ob eine Infektion besteht, sondern auch, wie hoch die Erregerlast ist.
Im späteren Verlauf der Borreliose werden andere Eiweiße vermehrt produziert, etwa das sogenannte VlsE‑Protein. Auch dieses dient als Marker, um die Dauer und das Stadium der Infektion einzuschätzen. In der Therapie ist es entscheidend zu unterscheiden, ob es sich um eine frische oder um eine alte, etablierte Borreliose handelt.
In der Schulmedizin werden diese Eiweiße zwar berücksichtigt, jedoch fast ausschließlich über Antikörpernachweise. Genau hier liegt der Fehler, da die Abwehrreaktion durch die Borrelien gezielt manipuliert wird. Der direkte Nachweis fehlt.
PCR‑Tests, die auf Borreliose abzielen, sind in diesem Zusammenhang ebenfalls problematisch. Sie basieren häufig indirekt auf immunologischen Reaktionen und weisen nicht zuverlässig den Erreger selbst nach. Zudem ist ihre Sensitivität im Blut gering, da Borrelien sich bevorzugt im Gewebe aufhalten.
Impfversuche gegen Borreliose und ihre Folgen
1998 wurde in den USA ein Impfstoff gegen Borrelien für den Menschen zugelassen. Damit stellte sich erstmals die Frage, ob eine Impfung gegen Borreliose möglich ist. Die Hoffnung war groß, doch die Realität ernüchternd.
Der Impfstoff wurde nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen. Der Grund lag in der enormen Anpassungsfähigkeit der Borrelien. Es traten vermehrt sogenannte Post‑Disease‑Syndrome auf, insbesondere Gelenkbeschwerden und immunologische Fehlreaktionen. Das Immunsystem verhielt sich ähnlich wie bei einer aktiven Borreliose, obwohl keine Infektion mehr vorlag.
Die Konsequenz war eindeutig: Die Impfung wurde gestoppt und 2002 vollständig vom Markt genommen. Heute existiert eine Borrelienimpfung nur noch in der Tiermedizin, etwa für Hunde. Der entscheidende Unterschied liegt in der Lebensdauer. Die langfristigen immunologischen Folgen spielen beim Tier eine geringere Rolle als beim Menschen.
Diese Erfahrung zeigt, dass eine Impfung nur dann sinnvoll ist, wenn das Immunsystem in der Lage ist, mit dem Erreger korrekt umzugehen. Andernfalls kann der Schuss nach hinten losgehen.
Immunsystem und Immunisierung als Schlüssel
Trifft das Immunsystem auf Borrelien, beginnt es zunächst damit, die Vielzahl der vom Erreger ausgeschütteten Stoffe zu bekämpfen. Es jagt Eiweiße, Proteine und Stoffwechselprodukte. Das eigentliche Bakterium wird dabei oft nicht direkt angegriffen, es sei denn, das Immunsystem ist in der Lage, gezielt Antikörper gegen den Erreger selbst zu bilden.
Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, werden durch OSP‑Proteine daran gehindert, Borrelien aufzunehmen. Dadurch bleibt der Erreger unbehelligt, während die Abwehr mit Nebenschauplätzen beschäftigt ist.
Ursprünglich ging man davon aus, dass Borrelien nur wenige Eiweiße ausschütten. Heute sind über hundert verschiedene Proteine bekannt. Diese Vielfalt erklärt, warum das Immunsystem so leicht fehlgeleitet wird.
Für eine erfolgreiche Borreliose‑Therapie ist es daher entscheidend, zunächst den Zustand der Abwehr zu beurteilen. Ist das Immunsystem in der Lage, korrekt zu reagieren, kann eine echte Immunisierung stattfinden – vergleichbar mit der Situation in der kleinen Eiszeit Europas, als Menschen Antikörper direkt gegen Borrelien ausbilden konnten.
In diesem Fall verliert die Borreliose ihren Schrecken. Zeckenstiche werden dann zwar weiterhin stattfinden, doch die Antikörper greifen den Erreger selbst an, nicht nur seine Eiweiße. Die Abwehr ist nicht mehr blind, sondern zielgerichtet. Genau darin liegt der entscheidende Punkt.
Therapeutischer Ansatz jenseits des Frontalangriffs – stufenweise Immunführung
Wenn man sich der Therapie der Borreliose nähert, wird es zwangsläufig komplex. In der schulmedizinischen Praxis ist der klassische Ansatz bekannt: der Einsatz von Antibiotika mit dem Ziel, das Bakterium direkt abzutöten. Diese Vorgehensweise ist mit zahlreichen Kritikpunkten verbunden, doch sie soll hier nicht im Zentrum der Diskussion stehen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob es alternative Strategien gibt, die den besonderen Eigenschaften der Borrelien besser gerecht werden.
Ein zentrales Problem des Frontalangriffs besteht darin, dass Borrelien auf Bedrohung mit massiven Gegenmaßnahmen reagieren. Befinden sie sich in einer Schwächeposition, schütten sie eine Vielzahl von Eiweißstoffen ins Blut aus, um das Immunsystem möglichst schnell zu beschäftigen. Diese Strategie dient der Ablenkung: Während die Abwehr mit der Produktion von Antikörpern gegen diese Eiweiße beschäftigt ist, zieht sich der Erreger zurück oder verändert seine Struktur. Der Effekt gleicht einer Rauchentwicklung auf dem Schlachtfeld – Sichtvernebelung, Täuschung, Verschwinden.
Ein solcher Frontalangriff kann daher kontraproduktiv sein. Stattdessen bietet sich ein indirekter Ansatz an. Wird der Borrelie ein Stoff angeheftet, der sie schwächt – etwa ein spezifisches Glykosid –, entsteht für das Immunsystem eine Art Fährte. Die Abwehr kann den Erreger wahrnehmen, ohne dass dieser sofort in den Überreaktionsmodus geht.
Stufenweise Reduktion statt massiver Zerstörung
Der entscheidende Punkt liegt in der Dosierung und im zeitlichen Vorgehen. Werden Borrelien nicht auf einmal, sondern schrittweise reduziert, verlieren sie die Möglichkeit, ihre üblichen Täuschungsmanöver einzusetzen. Sie erkennen nicht, was geschieht, da sie an eine andere Form der Bedrohung gewöhnt sind.
Parallel dazu wird das Immunsystem gezielt geführt. Es wird langsam an die Abbauprodukte herangeführt, lernt diese zu erkennen und zu verarbeiten. Steigt die Konzentration der Endotoxine – also der Abbaustoffe der Borrelien – an, wird gezielt gegengesteuert, um diese Belastung wieder auf ein Minimum zu senken. Auf diese Weise lassen sich Nebenwirkungen vermeiden, während die Erregerlast Schritt für Schritt reduziert wird.
Dieser Ansatz verhindert die Ausbildung von Resistenzen. Die Borrelien können sich nicht anpassen, da sie mit einem Mechanismus konfrontiert werden, den sie bislang nicht kannten.
Historische Parallelen und pflanzliche Strategien
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass genau dieses Prinzip bereits früher angewendet wurde. Während der kleinen Eiszeit standen keine Antibiotika zur Verfügung. Stattdessen nutzten die Menschen pflanzliche Mittel. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Karde, auch als Schäferkarde bekannt. Ihr lateinischer Name verweist auf ihre lange Nutzung in der Volksmedizin.
Die Karde wurde nicht isoliert eingesetzt, sondern gezielt mit anderen Pflanzen kombiniert. Ziel war es, den Erreger zu schwächen und gleichzeitig dem Immunsystem die Möglichkeit zu geben, eine nachhaltige Abwehr aufzubauen. Das Wissen um diese Zusammenhänge wurde über Generationen weitergegeben, auch wenn die biochemischen Mechanismen damals noch nicht bekannt waren.
Borreliose muss daher nicht zwangsläufig als dramatische Bedrohung betrachtet werden. Sie kann – richtig angegangen – sogar eine Chance darstellen, eine echte Immunisierung zu erreichen. Gelingt es dem Immunsystem, Antikörper direkt gegen den Erreger auszubilden, verliert die Borreliose langfristig ihren Schrecken.
Immunisierung statt endloser Abwehrschlachten
Der Mensch ist gut beraten, nicht ständig nur auf akute Bedrohungen zu reagieren, sondern langfristige Lösungen zu suchen. Ein Vergleich mit anderen Infektionskrankheiten zeigt, dass eine reine Symptombekämpfung selten zum Ziel führt. Ohne echte Immunisierung bleibt der Erreger präsent.
Übertragen auf die Borreliose bedeutet das: Ziel der Therapie muss es sein, das Immunsystem so zu führen, dass es lernt, den Erreger selbst zu erkennen und zu bekämpfen. Dazu gehört eine gezielte Steuerung der Abwehr. Man darf das Immunsystem nicht sich selbst überlassen, da es sonst erneut in Fehlreaktionen verfällt.
Individuelle Ausgangslage als Grundlage jeder Therapie
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die individuelle Ausgangslage des Betroffenen. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob jemand mit einer frischen Infektion und einer grundsätzlich stabilen Abwehr kommt oder ob eine langjährige, fehlgeleitete Immunreaktion vorliegt.
Ebenso wichtig ist die Erregerlast. Sind die Borrelien bereits seit langer Zeit im Körper etabliert oder handelt es sich um eine frühe Phase? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich eine sinnvolle therapeutische Strategie entwickeln.
Bildhafte Darstellung des therapeutischen Prinzips
Das Vorgehen lässt sich bildhaft mit Hühnern auf einer Stange vergleichen. Entfernt man ein Tier nach dem anderen, ohne großes Aufsehen zu erregen, verstehen die übrigen nicht, was geschieht. Sie reagieren nicht panisch, es kommt zu keiner Massenflucht. Auf diese Weise lässt sich die gesamte Gruppe nach und nach entfernen.
Übertragen auf die Borreliose bedeutet das: Die Borrelien werden schrittweise eliminiert, während das Immunsystem lernt, den Erreger zu erkennen. Am Ende bleibt kein Bakterium mehr übrig, und die Abwehr ist dauerhaft vorbereitet.
Bedeutung der Immunsteuerung
Diese Vorgehensweise erfordert eine gezielte Steuerung der Immunantwort. Die Therapie muss Elemente enthalten, die die Abwehr unterstützen, lenken und trainieren. Nur so kann eine nachhaltige Immunisierung erreicht werden.
Die Entwicklung dieses Ansatzes war das Ergebnis jahrelanger Forschung und zahlreicher Rückschläge. Erst durch das Verständnis, dass Borrelien anders bekämpft werden müssen als klassische Bakterien, wurde ein wirksamer Weg sichtbar.
Kritik an der FSME‑Impfstrategie und Fokus auf den Überträger
Im Zusammenhang mit zeckenübertragenen Erkrankungen wird häufig die FSME‑Impfung diskutiert. Angesichts der vergleichsweise geringen Fallzahlen erscheint diese Strategie jedoch fragwürdig. Stattdessen sollte der Fokus stärker auf den Überträger gelegt werden: die Zecke.
FSME‑Viren werden von Zecken auf der Haut abgelegt und von anderen Zecken aufgenommen. Der Mensch ist dabei nicht das eigentliche Reservoir. Die hohe Zeckendichte ist das eigentliche Problem. Eine nachhaltige Lösung müsste daher bei der Reduktion der Zeckenpopulation ansetzen.
Natürliche Gegenspieler wie Nematoden spielen hierbei eine zentrale Rolle. Durch den Einsatz von Nematodengiften in der Landwirtschaft wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört. Würden diese Eingriffe reduziert, könnten sich die natürlichen Feinde der Zecken wieder vermehren und die Population regulieren.
Exkurs: Pflanzen, Landwirtschaft und Wirkstoffverstärkung
Ein Beispiel aus der Pflanzenkunde verdeutlicht diese Zusammenhänge. In der Rosenzucht stellen Nematoden ein großes Problem dar. Gleichzeitig besitzen bestimmte Rosenarten, etwa die Damaszener‑Rose aus Regionen wie Isfahan im Iran, eine außergewöhnlich hohe Wirkstoffdichte.
Historische Quellen, unter anderem von Hildegard von Bingen, weisen darauf hin, dass Rosenextrakte die Wirkung anderer Heilpflanzen verstärken können. Sie wirken als Katalysatoren und erhöhen die Aufnahmefähigkeit der Wirkstoffe im Körper. Dieses Prinzip zeigt, wie eng Pflanzenkunde, Immunmodulation und Therapie miteinander verknüpft sind.
Natürliche Regulation statt chemischer Eingriffe – ökologische Zusammenhänge verstehen
Es gibt eine sehr einfache Pflanze, die viele der beschriebenen Probleme auf natürliche Weise lösen kann: die Studentenblume, botanisch Tagetes. Wird sie gezielt zwischen Rosen oder anderen Kulturen gepflanzt, reduziert sie die Nematodenbelastung im unmittelbaren Wurzelbereich erheblich. Dabei wird jedoch nicht das gesamte Bodenleben zerstört. Das Feld bleibt ökologisch intakt.
Das bedeutet konkret: Kriecht eine Zecke von einem offenen Feld in den Bereich, in dem Tagetes wächst, trifft sie dort auf Nematoden. Diese nutzen die Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme und fressen die Zecke. Auf diese Weise entsteht eine natürliche Regulation, ohne dass chemische Mittel eingesetzt werden müssen.
Die Natur stellt Lösungen bereit, die verstanden und angewendet werden müssen. Der reflexhafte Griff zur chemischen Keule erzeugt langfristig nur neue Ungleichgewichte und weitere Zerstörung. Nachhaltige Lösungen entstehen dort, wo natürliche Kreisläufe wiederhergestellt werden.
Ein zusätzlicher Vorteil: Tagetes lässt sich wirtschaftlich nutzen. Sie ist in der Floristik beliebt, kann verkauft werden und erfüllt gleichzeitig eine ökologische Funktion. Darüber hinaus besitzt sie entzündungshemmende Eigenschaften und kann sogar als Tee verwendet werden. Der Nutzen dieser Pflanze reicht also weit über den Pflanzenschutz hinaus.
Wird Tagetes über längere Zeit im Boden kultiviert, verbessert sich nicht nur die Bodenqualität. Es bildet sich eine veränderte Mikroflora, die dafür sorgt, dass Nematoden bestimmte Bereiche dauerhaft meiden. Die Pflanzen profitieren langfristig, ohne dass weitere Eingriffe notwendig sind.
Dieses Wissen stammt nicht aus modernen Laboren, sondern aus traditionellen Erfahrungen. Alte gärtnerische Methoden, etwa von Rosenliebhabern, die bewusst auf chemische Mittel verzichteten, zeigen, dass solche Strategien funktionieren. Die konsequente Anwendung natürlicher Prinzipien kann ganze Problembereiche dauerhaft lösen.
Antikörpertests – was sie leisten und was nicht
Antikörpersuchläufe werden in der Borreliose‑Diagnostik häufig eingesetzt. Sie zeigen an, ob das Immunsystem in der Lage war, Antikörper gegen Eiweiße der Borrelien zu bilden. Das ist grundsätzlich korrekt. Gleichzeitig kann man daraus ableiten, ob die Abwehr überhaupt noch reaktionsfähig ist. In diesem Sinne kann ein positiver Antikörpernachweis auch als Hinweis auf eine funktionierende Immunantwort gesehen werden.
Es gibt jedoch auch Menschen, bei denen keinerlei Antikörperreaktion nachweisbar ist. In solchen Fällen stellt sich die Frage, ob das Immunsystem überhaupt noch in der Lage ist, angemessen zu reagieren. Diese Aspekte müssen differenziert betrachtet werden.
Unklare Stiche und neue Erreger
Nicht jeder Stich lässt sich eindeutig zuordnen. Wird jemand gestochen, verspürt kurzzeitig Schmerzen, das Insekt verschwindet, und später treten Symptome auf, kann dies auf eine Übertragung von Erregern hindeuten. In Europa nehmen neue Insektenarten zu, darunter Stechmücken wie die Tigermücke, neue Zeckenarten aus südlichen Regionen sowie weitere Krabbeltiere und Spinnen.
Diese Organismen fühlen sich zunehmend wohl, weil sich die Umweltbedingungen verändert haben. Die Frage ist daher nicht nur, wie man sie bekämpft, sondern warum sie sich überhaupt ansiedeln konnten. Die Antwort liegt in veränderten ökologischen Gleichgewichten.
Natürliche Feinde als Schlüssel zur Regulation
Der sinnvolle Umgang mit neuen Plagegeistern beginnt mit dem Verständnis ihrer Biologie. Statt chemischer Bekämpfung sollten ihre natürlichen Feinde gefördert werden. Dadurch entsteht automatisch eine Regulation des Systems.
Früher wurden Landwirte belächelt, die auf natürliche Methoden setzten, etwa den Einsatz von Wespen gegen Schadinsekten. Heute werden Schlupfwespen gezielt per Drohne ausgebracht, um Insektenpopulationen zu regulieren. Die Wespen legen ihre Eier in die Schadinsekten, deren Larven diese von innen heraus fressen. Das Ergebnis ist ein stabiles Gleichgewicht ohne chemische Belastung.
Diagnostik erneut betrachtet – Wahrscheinlichkeiten statt Gewissheit
Antikörpersuchläufe liefern Hinweise darauf, wie das Immunsystem reagiert hat. Sie liefern jedoch keine klare Aussage darüber, ob eine Borreliose aktuell besteht oder nicht. Die Diagnostik basiert damit auf Wahrscheinlichkeiten, nicht auf einem eindeutigen Nachweis.
Ein direkter OSP‑Nachweis unterscheidet sich grundlegend von einem Antikörpernachweis. Wird OSP direkt gemessen, lässt sich anhand der Konzentration erkennen, ob es sich um eine frische oder um eine ältere Infektion handelt. Hohe OSP‑Werte sprechen für eine akute Phase, niedrige Werte bei gleichzeitig erhöhten anderen Eiweißen für eine länger bestehende Infektion.
Antikörpertests hingegen sind anfällig für Fehlinterpretationen. Es können sogenannte „True‑False“-Ergebnisse auftreten: Der Test zeigt eine Erkrankung an, obwohl keine Borrelien vorhanden sind, oder er zeigt nichts an, obwohl eine Infektion besteht. Die Fähigkeit des Immunsystems, Antikörper zu produzieren, ist dabei ein entscheidender Faktor.
Parallelen zu anderen Testverfahren
Ein vergleichbares Problem zeigt sich bei ELISA‑Tests für HIV. Auch hier kam es in der Vergangenheit zu Fehlalarmen, die erst durch genauere Tests korrigiert wurden. Die Fehlerquoten dieser Verfahren sind bekannt und werden selbst in öffentlich zugänglichen Quellen kritisch diskutiert.
Dasselbe gilt für PCR‑Tests bei Borreliose. Ihre Sensitivität im Blut ist gering, da sich Borrelien bevorzugt im Gewebe aufhalten. Die schulmedizinische Diagnostik liefert daher häufig keine klare Antwort auf die entscheidende Frage: Ist der Erreger vorhanden oder nicht?
Dabei ist es bemerkenswert, dass andere Spirochäten, etwa der Syphilis‑Erreger, heute problemlos nachgewiesen werden können. Die Borrelien besitzen ähnliche Eigenschaften, dennoch wird dieses Wissen nicht konsequent übertragen.
Notwendigkeit einer neuen diagnostischen Perspektive
Eine sinnvolle Diagnostik muss sich vom starren Fokus auf Antikörper lösen. Stattdessen sollte gezielt nach dem Erreger selbst gesucht werden. Wo befindet er sich? Welche Eiweiße produziert er? In welcher Phase befindet sich die Infektion?
Ein hoher direkter OSP‑Nachweis weist auf eine akute Infektion hin. Niedrige OSP‑Werte bei gleichzeitig erhöhten anderen Markern sprechen für eine ältere, etablierte Borreliose. Die Menge der nachgewiesenen Eiweiße erlaubt Rückschlüsse auf die Erregerlast. Je höher die Population, desto wahrscheinlicher sind entzündliche Prozesse.
Borrelien versuchen, ungestört zu bleiben. Greifen sie ein Gelenk an, schütten sie Eiweiße aus, um die Abwehr zu beschäftigen. Die Abwehr reagiert auf diese Eiweiße und lässt den Erreger selbst unbehelligt. Genau hier liegt das Kernproblem.
Krankheit verstehen heißt Dynamik verstehen – nicht frontal bekämpfen
Wer mit Krankheiten zu tun hat, muss die Krankheit als solche verstehen. Das bedeutet, ihre innere Dynamik zu begreifen: Wie etabliert sie sich im Körper? Wie reagiert sie auf äußere Einflüsse? Wo liegen ihre Schwächen? Es geht nicht darum, die Stärken einer Krankheit frontal anzugreifen – diese sind meist ausgeprägt genug. Entscheidend ist, ihre Mechanismen zu durchschauen und gezielt dort anzusetzen, wo sie verwundbar ist.
Dieses Prinzip gilt nicht nur für Borreliose, sondern für biologische Systeme insgesamt. In der Natur existiert kein Zustand völliger Freiheit von Plagegeistern. Entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht. Ein Beispiel aus der Landwirtschaft verdeutlicht das: Schnecken können in manchen Regionen ein großes Problem darstellen. In trockenen Gegenden hingegen treten sie kaum auf. Dort, wo sie vorkommen, lassen sich natürliche Lösungen finden – etwa durch den Einsatz von Tieren wie der indischen Stockgans, die Schnecken gezielt frisst. Das Problem wird nicht chemisch bekämpft, sondern biologisch reguliert.
Direkter Erregernachweis – Chancen und Risiken
Ein direkter Nachweis von Borrelien ist möglich, etwa durch die Punktion eines entzündeten Gelenks. Wird dabei Gewebe entnommen, bebrütet und untersucht, lässt sich der Erreger eindeutig nachweisen, sofern er vorhanden ist. Das ist ein klarer, direkter Nachweis.
Allerdings ist eine Gelenkspunktion kein harmloser Eingriff. Sie birgt Risiken und kann selbst zu Komplikationen führen. Zudem stellt sich die Frage nach der anschließenden Therapie. Wird in ein bereits geschädigtes Gelenk mit Antibiotika eingegriffen, kann dies die Regeneration des Gewebes erheblich verzögern. Knorpel und Gelenkstrukturen benötigen Zeit, um sich zu erholen. Ein aggressiver Eingriff kann diesen Prozess behindern.
Antibiotika sind nicht grundsätzlich abzulehnen, doch ihr Einsatz sollte gezielt und überlegt erfolgen. Ein natürliches Antibiotikum unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von synthetischen Substanzen: Es wirkt nicht nur gegen Erreger, sondern kann gleichzeitig die Abwehr stimulieren.
Antibiotika – Wirkung und Preis
Die Entdeckung der Antibiotika geht auf die Beobachtung zurück, dass bestimmte Pilze Stoffe ausschütten, mit denen sie sich vor Bakterien schützen. Diese Stoffe töten alles in ihrer Umgebung ab. Übertragen auf den Menschen bedeutet das: Antibiotika können in akuten, schweren Fällen lebensrettend sein. Gleichzeitig zerstören sie jedoch auch Teile der körpereigenen Flora – im Darm, auf der Haut und in anderen Geweben.
Der Einsatz solcher Substanzen ist daher immer mit einem Preis verbunden. Die Regeneration der geschädigten Flora benötigt Zeit und Energie. Natürliche Wirkstoffe bieten hier einen anderen Ansatz: Sie wirken antibakteriell, ohne die Abwehr vollständig zu schwächen, und können diese sogar unterstützen.
Pflanzliche Antibiotika und ihre spezifischen Wirkorte
Nicht jede antibiotisch wirkende Pflanze wirkt überall im Körper gleich. Knoblauch ist ein klassisches Beispiel. Seine antibiotische Wirkung entfaltet er vor allem im Darm. Historisch ist bekannt, dass römische Legionäre täglich Knoblauch zu sich nahmen, um Darminfektionen vorzubeugen. Die Nahrung musste über lange Strecken transportiert werden, ohne Kühlung, und war entsprechend anfällig für Verderb. Knoblauch half, diese Risiken zu minimieren.
Außerhalb des Darms entfaltet Knoblauch jedoch kaum antibiotische Wirkung. Andere Pflanzen sind hier geeigneter. Tormentil, eine spezielle Züchtung aus der Blutwurzfamilie, wirkt im Blut antibakteriell und antifungal. Sie verhindert, dass sich Bakterien und Pilze dort etablieren können.
Akelei ist ein weiteres Beispiel. In der richtigen Dosierung wirkt sie antibiotisch, virostatisch und antimykotisch. Gleichzeitig stimuliert sie das Immunsystem. Ihre Wirkung hängt entscheidend von der Dosierung ab – ein Prinzip, das bereits Paracelsus formulierte: Die Dosis macht das Gift.
Immunisierung durch kontrollierte Exposition
Ein historisches Beispiel verdeutlicht dieses Prinzip: Hannibal, der karthagische Feldherr, schützte sich vor Vergiftungen, indem er seinen Körper an geringe Mengen Arsen gewöhnte. Als man versuchte, ihn zu vergiften, blieb dies wirkungslos. Der Körper hatte eine Toleranz entwickelt.
Übertragen auf die Borreliose bedeutet das: Der menschliche Organismus ist grundsätzlich in der Lage, sich zu immunisieren – vorausgesetzt, die Exposition erfolgt kontrolliert und begleitet. Pflanzliche Wirkstoffe können diesen Prozess unterstützen, indem sie Erreger schwächen und gleichzeitig die Abwehr trainieren.
Antibiotikaresistenzen und alternative Strategien
Die zunehmende Antibiotikaresistenz stellt ein globales Problem dar. Das Potenzial klassischer Antibiotika ist weitgehend ausgeschöpft. Wenn eine Ressource zur Neige geht, muss nach Alternativen gesucht werden.
Ein Beispiel hierfür ist die Phagentherapie. In der ehemaligen Sowjetunion wurde jahrzehntelang mit Bakteriophagen gearbeitet – Viren, die gezielt Bakterien infizieren und zerstören. In Tiflis, Georgien, existiert bis heute ein Institut, das diese Therapieform anwendet. Schwerste bakterielle Infektionen, die in Europa kaum noch behandelbar sind, können dort innerhalb weniger Tage erfolgreich therapiert werden.
Phagen sind überall in der Natur vorhanden, insbesondere in feuchten, mikrobiell reichen Umgebungen. Dennoch wird der Aufbau entsprechender Institute in Europa bislang blockiert. Dabei wäre das Potenzial enorm.
Grenzen der Diagnostik und Bedeutung direkter Nachweise
Antikörpersuchläufe liefern Hinweise, aber keine Gewissheit. Sie zeigen, wie das Immunsystem reagiert hat, nicht jedoch, ob der Erreger aktuell vorhanden ist. Besonders bei Neuroborreliose oder Lyme‑Karditis sind Bluttests oft wenig aussagekräftig. Gelenkbeteiligungen lassen sich eher indikativ erfassen, doch auch hier fehlt die hundertprozentige Sicherheit.
Eine sinnvolle Diagnostik muss daher über den Tellerrand der klassischen Hämatologie hinausgehen. Sie muss den Erreger selbst in den Fokus rücken: Wo befindet er sich? Welche Eiweiße produziert er? In welcher Phase befindet sich die Infektion?
Ein hoher direkter OSP‑Nachweis spricht für eine akute Infektion. Niedrige OSP‑Werte bei gleichzeitig erhöhten anderen Markern deuten auf eine ältere, etablierte Borreliose hin. Die Menge der nachgewiesenen Eiweiße erlaubt Rückschlüsse auf die Erregerlast. Je höher diese ist, desto wahrscheinlicher sind entzündliche Prozesse.
Borrelien versuchen, ungestört zu bleiben. Sie beschäftigen die Abwehr mit Eiweißen, während sie selbst unbehelligt bleiben. Erst wenn diese Mechanismen verstanden werden, lässt sich eine wirksame Therapie entwickeln.
Therapie der Borreliose als Stufenmodell: Ausgangslage, Abwehrstatus, Erregerlast
Wenn man die verschiedenen Verläufe und Möglichkeiten einer Borreliose betrachtet, wird klar, dass es nicht „die eine“ Borreliose gibt, die man nach einem Standardrezept behandelt. Der erste Schritt besteht immer darin, die Situation einzuordnen. Es muss geklärt werden, ob es sich um eine frische Infektion nach einem neuen Stich handelt, ob eine ältere Borreliose bereits bestand und nun ein neuer Stich hinzugekommen ist, oder ob ein sogenannter Zufallsbefund vorliegt: Der Patient hat Beschwerden, niemand findet eine Ursache, und erst irgendwann wird eine alte Borreliose als möglicher Hintergrund sichtbar.
Bevor überhaupt an eine eigentliche Borrelientherapie zu denken ist, steht ein Punkt im Vordergrund: die Abwehr. Es muss bestimmt werden, wie das Immunsystem arbeitet, ob es effizient ist und ob es die Leistung erbringt, die es erbringen sollte. Ist das nicht der Fall, ist das bereits ein zentraler therapeutischer Ansatzpunkt. Eine Borrelientherapie zu beginnen, ohne zuvor die Abwehr zu stabilisieren und zu behandeln, ist ein grundlegender Denkfehler.
Gerade bei Langzeit‑Borreliose ist Zeit ein Verbündeter. Die Borrelien sind bereits im Körper, sie rennen nicht weg. Deshalb nimmt man sich Zeit, um den Organismus vorzubereiten, damit die Auseinandersetzung nicht verloren geht. Wer unvorbereitet und frontal in eine chronische Borreliose hineintherapiert, provoziert Gegenreaktionen und riskiert, dass die Therapie scheitert oder neue Probleme erzeugt.
Akutfall: frischer Stich, Wanderröte, schnelle Entscheidung
Im ersten Stadium liegt ein klarer Akutfall vor: Ein frischer Stich vor wenigen Tagen, eine Wanderröte, ein eindeutiger Hinweis auf eine aktuelle Übertragung. In dieser Phase stellt sich die Frage, wie man schnell und wirksam reagiert.
Die Karde allein einzusetzen ist grundsätzlich eine Möglichkeit und bei einer frischen Borreliose sogar sinnvoll. Das Problem ist jedoch, dass man häufig nicht weiß, wo das eigene Immunsystem steht. Ist die Abwehr stabil oder geschwächt? Ist sie klar in ihrer Reaktion oder bereits fehlgeleitet? Wenn man diese „Ampel“ nicht kennt, kann es passieren, dass die Borrelien beginnen, Stoffe auszuschütten, die die Wirkung der Karde ausbremsen oder die Abwehr erneut beschäftigen.
Um dieses Risiko zu mindern, wird die Karde nicht isoliert eingesetzt, sondern mit weiteren Pflanzenstoffen kombiniert – insbesondere mit Wirkstoffen ähnlicher Art, vor allem auf Glykosid‑Basis, die den Effekt puffern und stabilisieren. Zusätzlich werden Stoffe ergänzt, die die Immunabwehr stimulieren und gleichzeitig mitführen, sodass die Abwehr nicht in eine Fehlreaktion kippt, sondern im Prozess „hinterherkommt“.
Kombinationen, Extrakte und Aufbau einer abgestimmten Mischung
Zu dieser Strategie gehört, dass man nicht einfach „irgendwelche Kräuter“ nimmt, sondern genau wissen muss, was eingesetzt wird. Bei der Karde gehört nach dieser Darstellung beispielsweise die Nelkenwurzel dazu. Sie wird als fester Bestandteil genannt. Daneben werden weitere Kräuter bzw. deren Extrakte eingesetzt, die immunstimulierend wirken und zusätzliche Glykoside liefern.
Es werden verschiedene Kombinationsmöglichkeiten angedeutet. Entscheidend ist die Abstimmung der Proportionen, damit nicht ein Wirkstoff den anderen überlagert, sondern ein Gesamteffekt entsteht: direkter Angriff auf die Borrelien in der Frühphase, kombiniert mit einer begleitenden Abwehrführung.
Aus dieser Logik heraus wurden Cardo‑Tropfen als Mischung entwickelt. Sie sollen in einer frischen Infektionsphase dafür sorgen, dass die Borrelien direkt unter Druck geraten und die Abwehr parallel in eine arbeitsfähige Richtung geführt wird.
Warum Immunisierung im Akutfall oft nicht gelingt
Ein wichtiger Punkt ist: In der akuten Phase ist das Ziel meist nicht die Immunisierung, sondern die schnelle Kontrolle der Infektion. Die Infektion wird in diesem Stadium so rasch niedergedrückt, dass der Körper oft nicht genügend Zeit hat, eine nachhaltige Immunisierung aufzubauen – also Antikörper gegen die Borrelien selbst auszubilden.
Der Gedanke dahinter ist, dass eine Immunisierung Zeit braucht. Wenn die Borrelien zu schnell „zusammenklappen“, hat der Organismus keine ausreichende Gelegenheit, den vollständigen Prozess der Antikörperbildung gegen den Erreger zu durchlaufen. Man hat dann zwar den akuten Prozess gestoppt, aber das Immunsystem hat nicht dauerhaft gelernt.
Notfall‑Vorgehen ohne Zeit für Tests
Wird ein klassischer Akutfall beschrieben – etwa ein Wochenende mit Zeckenstich und anschließender Wanderröte – besteht häufig der Wunsch nach einer sofortigen Lösung. Für umfangreiche Tests bleibt dann keine Zeit. In dieser Situation wird eine Notfallmaßnahme beschrieben: eine Kombination aus Cardo‑Tropfen, Sentinel Tropfen, Sur-Tee und Vinum SUR A die als Puffer dienen sollen, um allergische oder autoimmune Fehlreaktionen zu vermeiden.
Der Puffergedanke ist zentral: Die Abwehr soll nicht „etwas in den falschen Hals bekommen“, sondern geführt werden, ohne aus dem Ruder zu laufen. Tests würden in solchen Situationen erst später erfolgen.
Warum die Abwehr später immer überprüft werden soll
Unabhängig davon, ob eine Borreliose akut oder chronisch war und unabhängig davon, ob das Immunsystem gut oder schlecht erschien, wird betont: Die Abwehr sollte immer überprüft werden. Der Grund ist klar: Man will wissen, ob das Immunsystem etwas gelernt hat. War die Abwehr zu schwach, hat sie möglicherweise keinen wirksamen Antikörper ausgebildet. Dann ist zwar das akute Problem gelöst, aber beim nächsten Zeckenstich beginnt alles von vorn.
Das langfristige Ziel ist, die Abwehr so weit zu entwickeln, dass sie eine echte Immunantwort aufbaut und nicht jedes Mal wieder in dieselbe Falle läuft.
Subakuter Verlauf: Beschwerden nach Wochen – Beginn der Stufentherapie
Wenn ein Zeckenstich nicht bemerkt wurde und nach Tagen oder Wochen Beschwerden auftreten, beginnt nach dieser Darstellung eine andere Vorgehensweise: die Stufentherapie.
In diesem Fall wird zunächst getestet: Wie hoch ist die Konzentration der Borrelien? Wie aktiv sind sie? Wie steht die Abwehr? Bei einer guten, starken Abwehr kann man schneller beginnen. Bei einer schwachen Abwehr muss zunächst aufgebaut werden. Ein Frontalzusammenstoß wäre in dieser Lage riskant und würde vermutlich scheitern.
Es wird beschrieben, dass in solchen Fällen ein abgestimmtes Vorgehen über bestimmte Präparate erfolgt. Cardo-Tropfen und Vinum SUR A. Diese A‑Form wird als passend für eine schnelle, neue Borrelie beschrieben, die beginnt, Ärger zu machen. Parallel werden Puffer‑ bzw. Begleitpräparate eingesetzt: Sur-Tee und Sentinel-Tropfen ( insbesondere dann, wenn Endotoxine abgebaut werden müssen)-
Die Grundidee bleibt: stufenweise in kurzen Sätzen reduzieren, messen, nachjustieren und den Organismus dabei so führen, dass eine Immunisierung möglich wird. In dieser Phase sei Zeit vorhanden, um Antikörper gegen den Erreger aufzubauen.
Gelenkbeteiligung, Herzbeteiligung und unterschiedliche Vorsicht
Bei Lyme‑Arthritis, also Gelenkbeteiligung, wird dieses Stufenmodell als Standard beschrieben. Bei Herzbeteiligung (Lyme‑Karditis) gilt ein noch vorsichtigeres Vorgehen. Herzrhythmusstörungen werden als frühes Symptom genannt, wenn das Herzleit‑Reizsystem betroffen ist.
In diesem Fall müsse man „herzstärkend“ arbeiten und gleichzeitig strikt vermeiden, dass es zu einer Überdosierung von Endotoxinen „an der Pumpe“ kommt. Der Hintergrund ist, dass Endotoxine massive Herzbeschwerden auslösen können. Deshalb gehört diese Situation in die Hand eines Fachmanns, der messen und kontrollieren kann.
Es wird beschrieben, dass Heilpraktiker in diesem System Blut abnehmen und prüfen, ob relevante Marker/Belastungen vorhanden sind. Wenn ja, müsse gehandelt werden.
Langzeitborreliose: hohe Last, unbekannter Stichzeitpunkt, andere Protokolle
Wenn eine Borreliose lange Zeit unbemerkt bestand, der Stichzeitpunkt unbekannt ist und bereits eine hohe Erregerlast vorliegt, ändern sich die Protokolle. In solchen Fällen wird nicht mehr nach dem Schema der „A‑Form“ gearbeitet, sondern mit einer „B‑Form“:„Vinum Sur B“, zusätzlich weiterhin Sur Tee und Sentinel-Tropfen.
Hier wird betont: Diese Situation ist von Fall zu Fall unterschiedlich, weil eine lang bestehende Borreliose bedeutet, dass die Borrelien sich erfolgreich gegen die Abwehr durchgesetzt haben. Das Immunsystem hat versucht, gegenzuhalten, wurde aber am Ende fehlgeleitet. Die Borrelien „kennen“ die Abwehr. Sie wissen, wie sie manipuliert werden kann. Diese Tatsache muss in die Therapie eingerechnet werden.
Deshalb darf man bei hoher Last nicht frontal hinein. Ein direkter Angriff würde sofort Gegenreaktionen provozieren. Das Stufenmodell ist notwendig, und gerade am Anfang sind kleine Schritte wichtig, die gegen Ende größer werden können, wenn der Organismus stabiler ist.
Ziele bei chronischen Verläufen: nicht nur Erreger weg, sondern Immunisierung und Schadensbegrenzung
Das Ziel in der langen Phase ist nicht nur, die Borrelien zu eliminieren. Entscheidend ist die Immunisierung und die Frage nach Folgeschäden. Dazu kommt das Konzept einer „immunologischen Narbe“: Was hat die Abwehr im Verlauf abbekommen? Welche Fehlsteuerungen wurden aufgebaut? Ist die Abwehr dauerhaft geschädigt oder überreizt?
Diese Faktoren müssen mitberechnet werden. Je nach Zustand der Borreliose ergeben sich unterschiedliche Vorgehensweisen – Protokolle –, die Schritt für Schritt aufgebaut werden, um die Erkrankung kontrolliert zurückzudrängen und langfristig Stabilität zu erreichen.
Neuroborreliose, Fehldiagnosen und Überwindung der Blut‑Hirn‑Schranke
Das zuvor beschriebene therapeutische Stufenmodell gilt in gleicher Weise auch für Neuroborreliosen. Gerade in diesem Bereich kommt es besonders häufig zu Fehldiagnosen. In der Anfangsphase wird eine Neuroborreliose nicht selten als Multiple Sklerose interpretiert, da sich die Symptome stark ähneln. Multiple Sklerose ist im Blut nicht direkt nachweisbar; der Nachweis erfolgt über Oligopeptide im Liquor, also durch eine Rückenmarkspunktion.
Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT liefern in beiden Fällen sehr ähnliche Befunde. Die Veränderungen, die durch Borrelien im Nervensystem entstehen, können im Bild nahezu identisch aussehen wie MS‑typische Läsionen. Deshalb ist es zwingend notwendig, einen klaren Nachweis zu erbringen: Liegt tatsächlich eine Autoimmunreaktion vor oder handelt es sich um eine Borrelieninfektion?
Bei der Neuroborreliose stellt sich ein zusätzliches zentrales Problem: Wie gelangen therapeutische Wirkstoffe hinter die Blut‑Hirn‑Schranke? Diese Barriere schützt das zentrale Nervensystem sehr effektiv und erschwert den Zugang für viele Substanzen.
Es gibt grundsätzlich zwei Wege, diese Hürde zu überwinden. Entweder versucht man, Wirkstoffe direkt durch die Blut‑Hirn‑Schranke zu schleusen, oder man nutzt das Immunsystem selbst als Transportmittel. In diesem Zusammenhang wird auf das glymphatische System verwiesen, das vor allem nachts aktiv ist. Während der Schlafphase übernimmt die Abwehr eine Art Reinigungs‑ und Transportfunktion im Gehirn.
Dieses System lässt sich gezielt nutzen, indem man dem Immunsystem Wirkstoffe „mitgibt“, die es während dieser Phase in das zentrale Nervensystem transportiert. Auf diese Weise gelangen die Substanzen ohne großen technischen Aufwand hinter die Blut‑Hirn‑Schranke. Dort beginnen die Borrelien, ihre Schwierigkeiten zu bekommen. Auch bei der Neuroborreliose wird konsequent das Stufenmodell angewendet: schrittweise, kontrolliert und ohne Überreaktionen zu provozieren.
Individualisierte Therapie statt Schema F
Borrelien sind kein einheitliches Krankheitsbild. Keine Borreliose gleicht der anderen. Deshalb ist es nicht möglich, alle Fälle gleich zu behandeln. Der Zustand des Patienten muss zuerst verstanden werden: Welche Borrelienform liegt vor? Welche Gewebe sind betroffen? Wie lange besteht die Infektion bereits?
Das übergeordnete Ziel bleibt stets die Immunisierung. Die Therapie soll nicht nur den Erreger reduzieren, sondern das Immunsystem in die Lage versetzen, dauerhaft selbstständig zu reagieren.
Neuer Zeckenstich während laufender Therapie
Ein wichtiger Aspekt, der häufig unterschätzt wird, ist die Möglichkeit eines erneuten Zeckenstichs während einer laufenden Borreliose‑Therapie. Dieses Szenario ist durchaus realistisch. Wird in dieser Phase erneut Borrelienmaterial übertragen, nehmen die frisch eingedrungenen Erreger den bestehenden „Kampfzustand“ sofort wahr.
Sie gelangen ins Blut und treffen dort auf eine Abwehr, die bereits hochaktiv ist. Diese Abwehr reagiert frontal, da sie die neuen Borrelien nicht von den bereits im Gewebe befindlichen unterscheidet. Es kommt zu Entzündungsreaktionen und verschiedenen Symptomen.
In dieser Situation ist fachliche Begleitung entscheidend. Die entstehenden Entzündungsreaktionen dürfen nicht automatisch als negativ bewertet werden. Im Gegenteil: Sie können genutzt werden, um eine gezielte Antikörperbildung gegen Borrelien anzustoßen. Genau das ist therapeutisch erwünscht.
Wird ein solcher Verlauf bemerkt – etwa durch plötzlich auftretende Reaktionen oder Beschwerden – sollte umgehend fachlicher Rat eingeholt werden. Zeckenstiche bleiben oft unbemerkt, und Veränderungen im Befinden sind häufig das erste Signal.
Grenzen antikörperbasierter Diagnostik – erneut betont
An dieser Stelle wird nochmals klar hervorgehoben, dass Antikörperbestimmungen keinen direkten Nachweis der Borrelien liefern. Sie zeigen lediglich, dass das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße reagiert hat. Diese Tests sind fehleranfällig und liefern nur Schätzwerte. Sie dienen als Indikatoren, nicht als Beweise.
Die Höhe der gemessenen Werte ist eine Einschätzung des Zustands, keine absolute Wahrheit. Deshalb wird betont, dass diese Verfahren allein keine verlässliche Grundlage für Therapieentscheidungen darstellen.
Fachliche Begleitung und strukturierte Protokolle
Es wird darauf hingewiesen, dass entsprechend geschulte Heilpraktiker zur Verfügung stehen, die nach denselben Protokollen arbeiten und fundierte Auskunft geben können. Diese Fachpersonen sind in der Lage, die Situation zu beurteilen, Messungen vorzunehmen und die Therapie anzupassen.
Eine vollständige Ausleitung der Borrelien aus dem Körper ist möglich, wenn die Therapie konsequent bis zur sogenannten Nullmarke durchgeführt wird. Ist keine Immunisierung erfolgt und kommt es zu einem erneuten Zeckenstich, kann es zu einer Neuinfektion kommen. Ist jedoch eine Immunisierung erreicht, werden Borrelien bei jedem weiteren Stich abgewehrt.
Geografische Verteilung der Borreliose und natürliche Konkurrenz
Ein weiterer interessanter Aspekt betrifft die geografische Verteilung der Borreliose. Die Erkrankung ist vor allem auf der nördlichen Hemisphäre verbreitet. In Afrika, Südamerika oder Australien existieren zwar zahlreiche Zeckenarten und andere zeckenübertragene Erkrankungen, Borreliose ist dort jedoch kaum verbreitet.
Der Grund liegt in der natürlichen Konkurrenz innerhalb der Zecke. Andere Erreger besetzen dort die ökologische Nische und verhindern, dass sich Borrelien durchsetzen. Dieses Prinzip der Konkurrenz zeigt, dass nicht jede theoretisch mögliche Infektion auch tatsächlich Fuß fasst.
Umgang mit weiteren Erregern und Ko‑Infektionen
Erreger wie Toxoplasmose, Yersinien oder andere Infektionen müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Sie lassen sich nicht einfach ausklammern. Jeder Erreger verfolgt dasselbe Ziel: Vermehrung auf Kosten des Wirts. Die Antwort darauf muss klar sein: keine Vermehrung, keine Toleranz.
Dazu ist es notwendig, die Biologie der jeweiligen Erreger zu verstehen. Nur wer weiß, wie sich ein Erreger verhält, kann gezielt gegen ihn vorgehen. Angst ist dabei kein hilfreicher Begleiter. Entscheidend ist das Wissen um die Schwachstellen.
Ein Beispiel aus der HIV‑Forschung verdeutlicht diese Perspektive. In Kenia wurden Frauen beobachtet, die Antikörper gegen HIV ausgebildet hatten und nicht erkrankten, obwohl sie regelmäßig exponiert waren. Dieses Phänomen zeigt, dass das menschliche Immunsystem grundsätzlich in der Lage ist, auch gegen sehr komplexe Erreger eine Immunisierung aufzubauen – wenn die Bedingungen stimmen.
Immunisierung als universelles Prinzip
Auch bei aktuellen Viruswellen zeigt sich dieses Prinzip. Es gibt Menschen, die nicht geimpft sind und dennoch immun bleiben, weil ihre Abwehr eine effektive Immunisierung aufgebaut hat. Diese Fähigkeit ist weltweit vorhanden.
Für andere Erreger wie Toxoplasmose oder Yersinien existieren ebenfalls gezielte Antworten. Diese Infektionen sind behandelbar, insbesondere wenn frühzeitig reagiert wird. Borrelien stellen dabei einen der schwierigeren Fälle dar, da sie besonders anpassungsfähig sind.
Die eingesetzten Produkte sind so konzipiert, dass sie gezielt die Schwachstellen der jeweiligen Erreger treffen und gleichzeitig die Bildung von Antikörpern gegen den Erreger selbst fördern – nicht gegen irrelevante Eiweiße.
Akutfall erneut zusammengefasst
Bei einem frischen Zeckenstich wird nochmals betont: Cardo‑Tropfen in Kombination mit begleitenden Präparaten führen in der Regel rasch zur Beruhigung der Situation. In diesem frühen Stadium sucht die Borrelie nach einem Schlupfloch, um der Abwehr zu entgehen. Genau dieses Schlupfloch wird durch die Therapie blockiert.
Der Nachteil dieses schnellen Vorgehens liegt darin, dass kaum Zeit für eine Immunisierung bleibt. Der Prozess verläuft innerhalb weniger Tage, zu kurz für den Aufbau einer nachhaltigen Antikörperantwort. Deshalb ist die spätere Abwehrkontrolle so wichtig.
Immunsystem als lernfähiges System – Fehlreaktionen erkennen und korrigieren
In der abschließenden Fragerunde wird nochmals deutlich gemacht, dass das Immunsystem kein starres, fehlerfreies System ist. Es ist lernfähig, zielstrebig und grundsätzlich kooperativ, macht jedoch – wie ein eifriger Schüler – auch Fehler. Diese Fehler äußern sich in Fehlinterpretationen, Überreaktionen oder falschen Zuordnungen.
Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Fruktoseintoleranz. Fruktose und Glukose besitzen die gleiche molekulare Zusammensetzung, unterscheiden sich jedoch in ihrer räumlichen Struktur. Diese unterschiedliche Geometrie führt dazu, dass sie an verschiedenen Stellen andocken. Reagiert das Immunsystem auf Fruktose mit Beschwerden, liegt das nicht zwangsläufig an der Fruktose selbst, sondern an einer Fehlinterpretation durch die Abwehr.
Wird das Immunsystem entsprechend geführt und „korrigiert“, kann diese vermeintliche Intoleranz verschwinden. In solchen Fällen ist es nicht sinnvoll, Fruktose pauschal zu meiden, sondern zu fragen: Was hat die Abwehr falsch gelernt? Wird dieser Fehler behoben, können auch fruktosehaltige Lebensmittel wieder vertragen werden.
Übertragung von Borrelien durch andere Insekten
Borrelien werden nicht ausschließlich durch Zecken übertragen. Auch Bremsen und Stechmücken können als Überträger fungieren, wenn auch deutlich seltener. Diese Möglichkeit sollte bei unklaren Stichereignissen mitbedacht werden.
Ernährung als Fundament einer stabilen Abwehr
Ein zentraler Punkt für eine gesunde Immunabwehr ist die Ernährung. Etwa 70 Prozent der Abwehrleistung sind im Darm angesiedelt. Bereits Hildegard von Bingen hat diesem Zusammenhang große Bedeutung beigemessen und umfangreiche Ernährungsempfehlungen formuliert.
Sie unterschied klar zwischen gesunden Menschen und Kranken. Ein gesunder Mensch sollte grundsätzlich in der Lage sein, eine breite Palette an Nahrungsmitteln zu vertragen. Ein Kranker hingegen sollte bestimmte Lebensmittel meiden, um die Abwehr nicht zusätzlich zu belasten.
Petroleum, Diesel und die Illusion einfacher Lösungen
Petroleum war lange Zeit als Heilmittel in Apotheken erhältlich. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen einzelnen Wirkstoff, sondern um ein Erdölprodukt mit zahlreichen problematischen Bestandteilen. Zwar besitzt Petroleum antiparasitäre Eigenschaften, ist jedoch gleichzeitig toxisch und potenziell krebserregend.
Ein anschauliches Beispiel aus Südamerika verdeutlicht diese Problematik: Ein Pferd mit einer offenen Wunde wurde mit Diesel behandelt, um Madenbefall zu verhindern. Zwar wurden die Parasiten abgetötet, gleichzeitig wurde das Tier jedoch massiv vergiftet. Der kurzfristige Erfolg ging mit langfristigen Schäden einher.
Die Natur bietet hierfür bessere Alternativen. Bestimmte Pflanzen, etwa aus der Familie der Wolfsmilchgewächse oder Eisenkraut, enthalten Wirkstoffe, die Parasiten effektiv abtöten, ohne den Organismus zu vergiften. Diese Lösungen sind gezielt, wirksam und deutlich schonender.
Aus diesem Grund wird vor dem Einsatz von Petroleum, Dimethylsulfoxid, Chlorverbindungen oder Methylenblau gewarnt. Diese Stoffe sind hochreaktiv und bergen erhebliche Risiken.
Grenzen der Selbstbehandlung bei Neuroborreliose
Bei lang bestehender Neuroborreliose – etwa über zwei Jahre – wird ausdrücklich davon abgeraten, eigenständig mit Hausmitteln zu experimentieren. In diesem Stadium hat sich der Erreger im zentralen Nervensystem etabliert. Eine gezielte, fachlich begleitete Therapie ist notwendig, um die Borrelien aus diesen Strukturen zu entfernen.
Vitamin D – Mythos, Geschäft und Realität
Vitamin‑D‑Mangel wird häufig als Ursache zahlreicher Beschwerden dargestellt. Dabei wird betont, dass Vitamin D kein Allheilmittel für eine geschwächte Abwehr ist. Die massive Vermarktung von Vitamin‑D‑Präparaten wird kritisch gesehen.
Eine einfache Möglichkeit zur natürlichen Vitamin‑D‑Versorgung besteht darin, Pilze wie Kräuterseitlinge oder Austernseitlinge für einen Tag dem Sonnenlicht auszusetzen. Diese Fruchtkörper sind in der Lage, unter UV‑Strahlung Vitamin D zu bilden. Dieser Effekt ist wissenschaftlich belegt.
Überdosierungen von Vitamin D können hingegen erhebliche Schäden verursachen. Bereits in den 1990er‑Jahren wurde in Beipackzetteln vor Schilddrüsenproblemen bei Überdosierung gewarnt. Heute existieren offizielle Warnhinweise zu Vitamin‑D‑Intoxikationen. Eine ausgewogene Ernährung und moderate Sonnenexposition sind der sicherere Weg.
Skepsis gegenüber vereinfachten Energie‑ und Frequenzkonzepten
Begriffe wie Biophotonen oder Photonenfrequenztherapie werden kritisch betrachtet. Photonen sind elektromagnetische Teilchen mit spezifischen Frequenzen. Die Existenz biologischer Lichtemissionen ist bekannt, ihre therapeutische Nutzung jedoch komplex und keineswegs trivial.
Es wird darauf hingewiesen, dass vereinfachte Heilsversprechen in diesem Bereich irreführend sein können. Eine fundierte Auseinandersetzung mit diesen Themen erfordert tiefes physikalisches und biologisches Verständnis.
Vorsicht bei anorganischen Reinsubstanzen
Anorganische Stoffe oder isolierte Reinsubstanzen werden mit Vorsicht betrachtet. In der Natur kommen Wirkstoffe fast nie isoliert vor, sondern immer in komplexen Gemischen. Diese Gemische sind so abgestimmt, dass sie wirksam und verträglich sind.
Die Naturheilkunde nutzt diese Komplexität gezielt. Eine einzelne Substanz – etwa ein isoliertes Glykosid – wirkt anders als das vollständige Pflanzenextrakt, das mehrere Wirkstoffe in ausgewogener Kombination enthält.
Dauer des Abwehraufbaus – abhängig von der Ausgangslage
Wie lange es dauert, eine stabile, funktionierende Abwehr aufzubauen, hängt stark vom Ausgangszustand ab. Bei einer einigermaßen intakten Abwehr kann dieser Prozess acht bis zwölf Monate dauern. Ist das Immunsystem stark geschwächt, können zwei bis drei Jahre notwendig sein.
Entscheidend ist die individuelle Ausgangslage. Diese kann nur durch gezielte Untersuchung und Messung erfasst werden. Erst auf dieser Basis lässt sich eine realistische Einschätzung und ein sinnvoller Therapieplan erstellen.
UV‑Strahlung, Vitamin D und die Anpassungsfähigkeit des Menschen
Die winterliche UV‑Strahlung reicht grundsätzlich aus, um die körpereigene Vitamin‑D‑Produktion anzuregen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass UV‑Strahlung nicht nur direkt von oben wirkt, sondern auch reflektiert wird – insbesondere durch Schnee und Wasser. Das erklärt, warum es in Höhenlagen beim Skifahren häufig zu Sonnenbrand kommt: Die Strahlung trifft den Körper sowohl von oben als auch von unten.
Unsere Vorfahren kannten keine Vitamin‑D‑Supplementierung. Auch als Kinder sind wir ohne zusätzliche Präparate aufgewachsen und dennoch normal gewachsen und gesund geblieben. Der menschliche Organismus ist grundsätzlich in der Lage, sich an die vorhandenen Umweltbedingungen anzupassen.
Kolloidales Silber – Wirkung und Grenzen
Kolloidales Silber ist ein stark wirksames anorganisches Antibiotikum und Antimykotikum. Richtig eingesetzt, kann es Bakterien deutlich zurückdrängen. Es ist jedoch fraglich, ob damit Borrelien vollständig eliminiert werden können. Wahrscheinlicher ist eine Reduktion der Erregerlast.
Silber wird heute auch in Textilien eingesetzt, etwa in Bettwäsche mit eingewebten Silberfäden, um Keimbelastungen bei Hautproblemen zu reduzieren. Diese Anwendungen zeigen Wirkung. Dennoch gilt auch hier: Die Dosis ist entscheidend. Zu hohe Mengen können für den Menschen toxisch werden.
Osteoporose, Vitamin D und hormonelle Zusammenhänge
Bei Osteoporose sollte der Fokus nicht ausschließlich auf Vitamin D gelegt werden. Entscheidend ist die hormonelle Regulation des Kalziumstoffwechsels. Wenn Kalzium nicht korrekt in die Knochen eingebaut wird, liegt das Problem meist nicht am Vitamin D selbst, sondern an einer gestörten hormonellen Steuerung.
Bei Frauen tritt Osteoporose häufig im Zusammenhang mit den Wechseljahren auf. In diesen Fällen sollte hinterfragt werden, warum der Östrogenspiegel abgesunken ist. Die Ursache zu behandeln ist sinnvoller, als lediglich Symptome zu kompensieren.
Eine Überdosierung von Vitamin‑D‑Präparaten kann Schilddrüsenreaktionen auslösen. Es kann zu einer Überfunktion kommen, die anschließend in eine Unterfunktion kippt. Diese Schwankungen können erhebliche Schäden verursachen. Entsprechend ist Vorsicht geboten.
Elektromagnetische Felder und Kochen
Induktionskochfelder erzeugen elektromagnetische Felder, die Wärme durch Infrarotstrahlung erzeugen. Starke Magnetfelder können Eiweiße denaturieren. Deshalb wird empfohlen, auf einfache Kochmethoden zurückzugreifen. Ein Keramikherd oder ein Gasherd reicht vollkommen aus. Ziel ist es, Lebensmittel zu erhitzen, nicht sie unnötig elektromagnetischer Strahlung auszusetzen.
Winter, Bewölkung und Bewegungsmangel
Ein bedeckter Himmel filtert einen Teil der Strahlung heraus. Das Hauptproblem im Winter ist jedoch nicht die Bewölkung, sondern der Lebensstil. Menschen ziehen sich in geschlossene Räume zurück, verbringen weniger Zeit im Freien und reduzieren ihre Sonnenexposition drastisch. Regelmäßige Spaziergänge – auch bei bewölktem Wetter – sind daher wichtig.
Kritik an der Vitamin‑D‑Industrie
Vitamin D wird in der Alternativmedizin stark propagiert. Vor wenigen Jahrzehnten spielte dieses Thema kaum eine Rolle. Heute wird es massiv vermarktet, häufig in Kombination mit weiteren Vitaminen wie K2. Diese Entwicklung wird kritisch gesehen.
Vitamin D wirkt als Stimulus für verschiedene Systeme im Körper. Es darf jedoch nicht im Übermaß vorhanden sein. Ein Mangel ist ebenso problematisch wie ein Überschuss. Der Körper reagiert nicht ausschließlich auf Vitamin D, sondern auf ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren.
Anpassung des Menschen – Beispiel Inuit
Die Inuit leben über Monate hinweg mit sehr wenig Sonnenlicht. Dennoch leiden sie nicht flächendeckend an Vitamin‑D‑Mangel. Ihre Ernährung ist fettreich und enthält tierische Produkte wie Fisch, Robben, Walross oder Walfleisch. Zudem ist ihre Haut dunkler pigmentiert und kann Sonnenlicht effizienter nutzen.
Der Mensch passt sich an seine Umwelt an. Ein wesentlicher Faktor für den vermeintlichen Vitamin‑D‑Mangel in modernen Gesellschaften ist der exzessive Einsatz von Sonnenschutzmitteln. Hohe Lichtschutzfaktoren blockieren die körpereigene Vitamin‑D‑Produktion nahezu vollständig.
Tagesabhängigkeit von Vitamin‑D‑Werten
Vitamin‑D‑Werte im Blut sind stark tagesabhängig. Nach intensiver Sonnenexposition kann der gemessene Wert paradoxerweise niedrig sein, da das Vitamin unmittelbar für Reparatur‑ und Regenerationsprozesse in der Haut verbraucht wird. Innerhalb weniger Tage normalisiert sich dieser Wert wieder.
Pilze als Vitamin‑D‑Quelle
Alle Seidlinge – etwa Kräuterseitlinge, Austernseitlinge oder Zitronenseitlinge – sind in der Lage, unter UV‑Strahlung Vitamin D zu bilden. Sie können einfach zu Hause gezüchtet werden und stellen eine natürliche Vitamin‑D‑Quelle dar. Andere Pilzarten besitzen ähnliche Fähigkeiten, sind jedoch schwerer zu beschaffen.
Säuglinge, Ernährung und Sonnenlicht
Bei Säuglingen ist eine ausgewogene Ernährung der Mutter entscheidend. Über die Muttermilch wird ausreichend Vitamin D weitergegeben. Zusätzlich reicht moderate Sonnenexposition aus. Eine Überversorgung ist nicht notwendig.
Zum Schluss noch:
Wenn du Fragen hast, etwas vertiefen möchtest oder Unterstützung brauchst, melde dich gerne bei mir.
Ich bin von Herzen gerne für dich da 💚
Martina Vötterl - Bergstraße 17d - 86508 Rehling - Mail: martina.voetterl@gmail.com - Telefon/WhatsApp: 0171 8653416