Vom Kraut zum Heilkraut – Mitschrift zum Vortrag
Hier findest du meine Mitschrift zum Vortrag „Vom Kraut zum Heilkraut“.
Es geht darum, wie aus einem einfachen Kraut ein echtes Heilkraut wird – und warum Wachstumsbedingungen, Boden, Standort und der Umgang mit der Pflanze entscheidend für die Bildung der Wirkstoffe sind.
Der Vortrag wurde von Alessandro Rochira gehalten. Er teilt darin seine Vorgehensweise beim Anbau von Heilkräutern sowie viele Erfahrungen aus der Praxis.
Bitte sieh mir Rechtschreibfehler oder Ungenauigkeiten nach – es handelt sich um eine Mitschrift, nicht um ein perfektes Skript. Dafür ist sie ehrlich, lebendig und direkt aus dem Vortrag entstanden.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Mitnehmen 🌱
Was macht ein Kraut zum Heilkraut?
Der Vortrag wird in zwei große Teile gegliedert:
Teil A – Grundlagenwissen
Was macht eine Pflanze überhaupt zu einer Heilpflanze?
Welche Wirkstoffe stecken in ihr?
Wie entstehen diese Wirkstoffe?
Warum wirken manche Pflanzen – und andere scheinbar nicht?
Teil B – Praktische Umsetzung
Wie baut man Heilpflanzen an?
Was nutzt man von der Pflanze? (Blatt, Wurzel, Blüte …)
Wann und wie muss man ernten?
Wie verarbeitet man sie?
Der heutige Teil behandelt vor allem Grundlagenwissen rund um Pflanzen und ihre Wirkstoffe. Bilder aus dem eigenen Anbau in Übersee werden später gezeigt.
Warum sprechen wir von Heilpflanzen?
Wenn wir über Heilpflanzen sprechen, dann sprechen wir immer über Wirkstoffe, die im menschlichen Organismus eine nachweisbare Wirkung entfalten.
Beispiele:
Zimt → kann blutzuckersenkend wirken
Knoblauch → antibiotisch wirksam
Johanniskraut → stimmungsaufhellend / gemütsausgleichend
Bertramwurzel (Hildegard) → reguliert Speichel- und Verdauungsenzyme
Wermut → klassisch als Wermutwein zur Immunstärkung
Ysop → unterstützt Magenenzyme und Eiweißverdauung
Diese Beispiele zeigen:
👉 Eine Heilpflanze ist nur so wirksam wie ihre Wirkstoffe.
Warum ist Ringelblume nicht gleich Ringelblume?
⭐ Der Unterschied liegt in der Qualität der Wirkstoffe.
Viele Menschen achten bei Pflanzen nur auf:
Vitamine
Mineralstoffe
Spurenelemente
Doch das ist nicht das Entscheidende.
Der eigentliche Schatz liegt in den „Phytaminen“.
„Phytamine“ – Die entscheidenden Wirkstoffe der Heilpflanzen
Definition
👉 Phytamine sind sekundäre Pflanzenwirkstoffe.
Diese Stoffe sind:
nicht lebensnotwendig für die Pflanze selbst
aber entscheidend für ihr Immunsystem
und entscheidend für jede medizinische Wirkung
Wichtige Erkenntnis
👉 95 % der Heilwirkung einer Pflanze stammen aus diesen sekundären Pflanzenstoffen.
Nicht aus Vitaminen, nicht aus Mineralien – sondern aus Phytaminen.
Diese Stoffe ermöglichen oft erst:
die Aufnahme von Vitamin C
die Wirkung ätherischer Öle
die Aktivierung von Enzymen im Darm
die Unterstützung des menschlichen Immunsystems
Warum produziert die Pflanze diese Stoffe überhaupt?
Weil die Pflanze:
nicht fliehen kann
Angriffen und Umweltreizen ausgeliefert ist
Beispiel:
Schaf frisst an einem Kraut → Pflanze reagiert sofort
sie bildet Bitterstoffe
sie setzt Terpene frei (Duftstoffe als Signal)
umliegende Pflanzen „riechen“ das und reagieren ebenfalls
sie schützen sich kollektiv
Die Pflanze „kommuniziert“ also über Wirkstoffe.
👉 Diese Schutzstoffe = Phytamine = unsere Heilmittel.
Warum ist die Pflanzenheilkunde manchmal wirkungslos (oder wird belächelt)?
Weil:
Pflanzen nicht auf Wirkstoffgehalt geprüft werden
es kein Qualitätssiegel für Phytamine gibt
selbst Bio-Anbau nicht garantiert, dass die Pflanze wirkstoffreich ist
viele Produkte im Handel kaum aktive Stoffe enthalten
Schlussfolgerung:
👉 Ringelblume ist nicht gleich Ringelblume.
👉 Ceylon-Zimt ist nicht gleich Cassia-Zimt.
👉 Wermut ist nicht gleich Wermut.
Die Heilwirkung hängt immer ab von:
Standort
Stressfaktoren
Wachstumsbedingungen
Erntezeitpunkt
Pflanzensorte
Verarbeitung
Wie viele sekundäre Pflanzenstoffe gibt es?
Schätzungen:
Publikationen: 100.000 – 1.000.000
Biochemie: 38 Millionen (Tendenz steigend)
Jede neue Pflanze → neue Stoffe
Jeder Stressfaktor → neue Kombinationen
Beispiel Zimt – ein tiefer Einblick in die Praxis
Es gibt zwei Hauptarten:
1. Ceylon-Zimt (echter Zimt)
wirkt blutzuckersenkend
wirkt immunstärkend
enthält ca. 170 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe
enthält kaum Cumarin
wird im ersten Jahr geerntet
Rinde ist dünn → gesund & hochwertig
2. Cassia-Zimt (China-Zimt)
billiger
dicke Rinde, mehrere Jahre gewachsen
enthält viel Cumarin → kann leberschädigend sein
deutlich weniger heilsame Stoffe
👉 Der Erntezeitpunkt entscheidet, ob ein Kraut heilt oder schadet.
Medienberichte („Zimt ist gefährlich“) sind irreführend.
Richtig müsste es heißen:
Achtung bei Cassia-Zimt
Ceylon-Zimt ist sicher und gesund
Die Vielfalt der sekundären Pflanzenstoffe
Wenn man in die Stoffgruppen dieser Phytamine eintaucht, wird schnell klar:
Es ist eine nahezu unendliche Welt.
Zu den wichtigsten Gruppen gehören:
Phenole
Polyphenole
Xanthone / Xanthorine
Terpene (große Klasse der ätherischen Öle)
Steroide
Alkaloide
verschiedene Aminosäuren und Peptidverbindungen
Ein besonders bekanntes Beispiel:
Koffein ist ebenfalls ein sekundärer Pflanzenstoff.
Es gehört biochemisch zu den Alkaloiden und ist damit ein Vitamin im Sinne dieser Heilkunde.
Kaffee bildet Koffein,
Tee bildet Teein,
Kakao bildet Theobromin.
Diese Stoffe entstehen ausschließlich dann, wenn die Wachstumsbedingungen stimmen. Ohne die richtigen Bedingungen sind sie nicht vorhanden – und die Pflanze verliert ihre Heilwirkung.
Wachstumsbedingungen – der Schlüssel für Heilenergie
Jede Pflanze sucht sich eine ökologische Nische, in der sie optimal wachsen kann.
Sie möchte dort gedeihen, wo ihr Fortbestand gesichert ist und wo sie ihr Wirkstoffspektrum am besten ausbilden kann.
Beispiel aus dem Alltag
Ihr habt sicher selbst Kräuter angebaut: Basilikum, Salbei, Petersilie …
Je nach:
Sonneneinstrahlung
Wassermenge
Bodenbeschaffenheit
schmecken die Kräuter intensiver oder schwächer.
Warum?
Funktion der Duftstoffe
Unsere Geschmacksknospen reagieren auf Duft- bzw. Aromastoffe – also auf Terpene.
Warum produziert eine Pflanze überhaupt Duftstoffe?
→ Um Insekten anzulocken.
Da Pflanzen nicht gehen können, müssen die Pollen transportiert werden.
Also produziert die Pflanze Stoffe, um Bienen, Hummeln & Co. anzulocken.
Diese Duftstoffe sind für uns angenehme Aromen – doch für die Pflanze sind sie ein elementarer Überlebensmechanismus.
Funktionen der sekundären Pflanzenstoffe in der Natur
Diese pflanzlichen Wirkstoffe haben mehrere Aufgaben:
Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen
Kommunikation zwischen Pflanzen
(→ Beispiel mit Wermut und dem Schaf aus Teil 1)
UV-Schutz
Pflanzen in der Wüste oder den Alpen bilden spezielle Schutzstoffe
Verdunstungsschutz (bei großer Hitze)
Elastizität & Stabilität
Verholzung, Lignin, Festigkeitsmoleküle
Symbiosen mit dem Bodenleben
sehr wichtiger Punkt
Symbiosen – das geheime Kraftwerk im Boden
Eine Pflanze kann nur dann voll wirksam werden, wenn das Bodenleben intakt ist.
Zum Bodenleben gehören:
Bakterien
Pilze
Mikrofauna
Mikroalgen
Diese kleinen Lebewesen treten mit den Pflanzenwurzeln in Symbiose – sie tauschen Stoffe aus.
Dieser Austausch löst eine Kaskade von sekundären Pflanzenstoffen aus.
Experiment für zuhause
Wenn man Basilikum in:
normaler Gartenerde → schmeckt mild
Waldboden → schmeckt intensiver, aromatischer, kräftiger
Warum?
Weil Waldboden Mykorrhiza-Pilze und Mikroorganismen enthält, die mit der Pflanze in Symbiose gehen.
Ergebnis:
Mehr sekundäre Pflanzenstoffe → heilkräftigere Pflanze.
Wie reagieren wir Menschen auf diese Pflanzenstoffe?
Der menschliche Körper hat sich über Jahrtausende daran gewöhnt, mit diesen Substanzen umzugehen – inklusive der giftigen Stoffe darunter.
Giftstoffe als Heilmittel
Auch Gifte gehören zu den Phytaminen.
Eine Pflanze bildet Giftstoffe nie isoliert, sondern in Kombination mit anderen Stoffen, die diese Wirkung modulieren.
Beispiel:
Akelei
Laut Internet „hochgiftig“
Nimmt man jedoch ein einzelnes Blatt, passiert gar nichts
Warum?
→ Weil die Pflanze gleichzeitig ausgleichende sekundäre Stoffe bildet
In sehr kleinen Dosen wirkt sie
bakterizid
viruzid
fungizid
immunsystemstärkend
In großen Mengen wäre sie toxisch, aber dafür müsste man absurde Mengen essen.
Das bestätigt den alten Satz von Paracelsus:
„Die Dosis macht das Gift.“
Heilpflanzen als Grundlage der modernen Medizin
Die moderne Pharmakologie nutzt diese Pflanzenstoffe – nur inzwischen synthetisch hergestellt.
Frage:
Wie viele Medikamente basieren ursprünglich auf Pflanzenwirkstoffen?
Antwort: ca. 80 % aller Medikamente weltweit.
Beispiel: Digitalis (Fingerhut)
Enthält Digitalin
In winzigen Mengen → reguliert Herzrhythmus & Blutdruck
In großen Mengen → Lebensgefahr
Pharmakon = Gift & Heilmittel zugleich.
Grapefruit – warum sie Wirkstoffe verstärkt
Alle kennen Grapefruit – leicht bitter, spezieller Duft, nicht jedermanns Geschmack.
In ihr stecken zwei hochaktive Terpene:
Naringin
Bergamottin
Diese beiden Stoffe haben eine bemerkenswerte Eigenschaft:
➡️ Sie öffnen die Darmzotten.
Das bedeutet: Wirkstoffe aus Nahrung und Medikamenten werden stärker aufgenommen.
Warum kann das gefährlich werden?
Wenn jemand z. B. blutdrucksenkende Medikamente nimmt und dazu eine Grapefruit isst, passiert Folgendes:
Normalerweise wird ein Teil des Medikaments über den Darmstoffwechsel nicht aufgenommen.
Naringin und Bergamottin machen die Zotten weit – dadurch gelangt mehr Wirkstoff ins Blut, als vorgesehen.
Ergebnis: Der Blutdruck kann zu stark abfallen.
Darum steht im Beipackzettel (den fast niemand liest) die Warnung:
➡️ Keine Grapefruit + Medikament zugleich.
Aber: Man kann es therapeutisch nutzen
Bei Darmentzündungen, Nährstoffmangel, Resorptionsproblemen kann man dieses Prinzip umgekehrt positiv einsetzen:
➡️ Gezielte Kombination = bessere Aufnahme von Eisen, Vitaminen, Mineralien.
Der „Küchen-Werkzeugkasten“
Du bekommst damit ein neues Verständnis:
➡️ Nahrungsmittel wirken wie Heilpflanzen.
Ob Obst oder Gemüse – sie alle bilden sekundäre Pflanzenstoffe, die therapeutisch nutzbar sind.
Beispiel:
Wo wächst die Grapefruit?
Wie viel Sonne, Wasser, Stress bekommt sie?
Wie natürlich ist die Kultivierung?
➡️ Wildere Bedingungen = höhere Wirkstoffdichte.
Eine perfekt runde, große Supermarktfrucht sieht schöner aus –
aber ihr Gehalt an Naringin und Bergamottin ist drastisch geringer.
Wie gut ist unser Obst & Gemüse heute wirklich?
Frage an das Publikum: „Skala 0–10 – wie hoch ist die Vitamindichte eines klassischen Bio-Gemüses?“
Die Antwort ist ernüchternd:
➡️ Der Durchschnitt liegt bei 3.
Wir bekommen also nur ein Drittel dessen, was möglich wäre.
Warum?
Massenproduktion
Monokulturen
Überzüchtung
gleichförmige Bewässerung
fehlende Mischkulturen
arme, ausgelaugte Böden
Pflanzen, die unter „Wohlstand“ wachsen, produzieren weniger sekundäre Pflanzenstoffe.
➡️ Stress macht Pflanzen stark – und diese Stärke essen wir mit.
Darum liefern Streuobstwiesen, alte Sorten, Wildpflanzen, Mischkulturen um ein Vielfaches mehr an Wirkstoffen.
Blattgemüse, Bitterstoffe & ihre echte Wirkung
Die meisten kennen Blattgemüse als:
„Wasser, Chlorophyll und bisschen Ballaststoff.“
Aber: Endivien enthalten Bitterstoffe – wenn sie natürlich wachsen, sogar sehr viel mehr.
Was machen Bitterstoffe wirklich?
Nicht nur Leberanregung! Viel mehr:
Sie fördern die Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse.
Sie wirken reinigend, da sie die Galle und andere Ausscheidungsprozesse ankurbeln.
Sie helfen beim Entgiften.
➡️ Bitterstoffe lösen ganze Wirkungskaskaden aus.
Je wilder die Pflanze wachsen darf, desto „ehrlicher“ wird ihr Bitterstoffprofil – und desto größer der gesundheitliche Nutzen.
Granatapfel – warum der aus dem Supermarkt enttäuscht
Viele kennen den Geschmack von Granatapfel aus dem Handel: hübsch, aber wenig Aroma.
Ein reif geernteter Granatapfel direkt vom Baum schmeckt völlig anders – tiefer, fruchtiger, deutlicher in seinen Polyphenolen.
➡️ Intensiver Geschmack ist ein Hinweis auf hohe Wirkstoffkonzentration.
Pektine in Äpfeln – Streuobst schlägt Spalier
Pektine sind Mehrfachzucker, die:
das Lymphsystem reinigen
Cholesterin senken
Schwermetalle binden und ausleiten
In Hochstammäpfeln ist die Pektinkonzentration:
➡️ ca. 2/3 höher als in Spalier-/Massenproduktionsäpfeln.
Darum waren Streuobstwiesen früher Medizin.
Heute sind sie ein Luxus – aber einer, der wirkt.
Thymian – kleines Kraut, riesige Kraft
Thymian ist viel mehr als ein Küchenkraut:
antiviral
bakterizid
schleimlösend
astmatisch entkrampfend
stärkt die Atemwege
Hildegard nutzte verschiedene „Familienmitglieder“:
Quendel,
Oregano,
Steingewendel für Salben,
Oreganowein für Abwehr und Verdauung.
Wo wächst Thymian?
karge, kiesige, sandige Böden
wenig Nährstoffe
viel Sonne
kaum Feuchtigkeit
➡️ Er reagiert empfindlich auf Dünger – dann bildet er keine Wirkstoffe mehr.
Der absolute Wahnsinn: Wirkstoffdichte
Um 1 Liter ätherisches Thymianöl zu gewinnen, braucht man:
➡️ ca. 170 kg Pflanzenmaterial.
Nur Pflanzen, die „kämpfen müssen“, bilden so viel ätherisches Öl.
Wie viel Basilikum braucht man für 1 Liter ätherisches Basilikumöl?
Für 1 Liter Basilikumöl benötigt man etwa 4,5 Tonnen Basilikum.
Warum so viel?
Basilikum besitzt zarte, leichte Blätter mit sehr wenig Pflanzenmasse und entsprechend wenig Ölzellen. Wir nehmen seinen Duft zwar gut wahr, aber die tatsächliche Menge an ätherischem Öl ist minimal.
Zum Vergleich:
Thymian ist hart, kompakt, harzig und enthält eine extrem hohe Konzentration an ätherischen Ölen.
Beim Trocknen zeigt sich der Unterschied:
Thymian behält sein Aroma.
Basilikum verliert fast alles.
Das liegt daran, dass Basilikum nur winzige Ölanteile besitzt, die beim Trocknen sofort verdunsten.
Was bedeutet das für ätherische Öle allgemein?
Ätherische Öle sind hochkonzentrierte sekundäre Pflanzenstoffe.
Je nach Art braucht man riesige Pflanzenmengen, um 1 Liter Öl zu gewinnen.
Deshalb sind hochwertige ätherische Öle teuer.
Damit wird klar:
Nicht jede Pflanze lässt sich gleich gut anbauen oder gleich effizient für Öle nutzen.
Pflanzenanbau: Jede Art braucht ihre "ökologische Nische"
Um hochwertige Heilpflanzen zu bekommen, muss man die Pflanze so anbauen, wie sie in der Natur wachsen würde. Das bedeutet:
Thymian → liebt kargete, sandige, durchlässige Böden, kaum Dünger
Basilikum → braucht Nährstoffe, Wasser, Pflege, ist aber trotzdem schwach an Öl
Jede Pflanze verlangt ihren eigenen Boden, ihr eigenes Klima, ihre eigene Pflege.
Wenn diese Bedingungen stimmen, wird die Pflanze heilkräftig, denn sie bildet reichlich sekundäre Pflanzenwirkstoffe. Und zwar aus einem einzigen Grund:
Die Pflanze bildet Wirkstoffe nicht für uns, sondern für ihr eigenes Überleben.
Sie produziert sie, um:
sich gegen Fressfeinde zu schützen
sich gegen Trockenheit oder Stress zu wappnen
ihre Nachkommen zu sichern
ihre Umgebung optimal zu gestalten
Wir sind nur die Nutznießer dieses natürlichen Überlebensprogramms.
Erntezeitpunkt: Die „balsamische Phase“
Der Gehalt an Wirkstoffen hängt vom richtigen Erntezeitpunkt ab:
Blätter & Blüten → Ernte in der Blütezeit, wenn die Pflanze ihren höchsten Wirkstoffgehalt hat
Wurzeln → Ernte im Herbst, wenn die Pflanze ihre Kraft in den Boden zurückzieht
Wer eine Wurzel erntet, vernichtet die Pflanze und muss sie wieder aussäen
Wer Blätter/Blüten erntet, sollte so schneiden, dass die Pflanze weiterlebt
Laborqualität statt Geruchsprobe
Ob eine Pflanze wirklich heilkräftig ist, erkennt man nicht an:
Geruch
Aussehen
Bauchgefühl
Sondern an:
Chromatogrammen
Mengenverhältnissen der Wirkstoffe
Qualitätskontrolle im Labor
Nur so weiß man:
Wirkt die Pflanze?
Hat sie ihre natürliche Wirkstofffülle erreicht?
Warum Bio-Anbau allein NICHT reicht
Bio ist gut – aber nicht automatisch wirksam.
Wichtig ist:
Die Pflanze muss ihren natürlichen Lebensraum bekommen.
Erst dann schöpft sie ihr Potenzial aus.
Umweltgifte – der größte Feind der Pflanzenkraft
Agrargifte wie Glyphosat und andere Umweltgifte hemmen die Bildung sekundärer Pflanzenstoffe MASSIV.
Beispiel Glyphosat:
Nach dem Ausbringen entsteht im Boden der Stoff AMPA
AMPA bleibt bis zu 20 Jahre im Boden
AMPA hemmt:
Mikroflora
Mikrofauna
Pflanzenwachstum
sekundäre Pflanzenwirkstoffe
So entstehen Heilpflanzen, die zwar wachsen, aber nicht wirken.
Mikroplastik – das stille Gift in unseren Böden
Oft vergessen, aber riesiges Problem:
Mikroplastik gelangt über Landwirtschaftsfolien, Gülle und Futterreste in die Böden
Wird nicht abgebaut
Enthält Weichmacher, Farbstoffe (oft Schwermetalle)
Blockiert Bodenprozesse
Schädigt Mikroorganismen
Verringert Wirkstoffbildung der Pflanzen
Der wichtigste natürliche Qualitätsindikator: Flechten
Flechten zeigen:
reine Luft
sauberes Wasser
intakten Boden
Wo viele bunte Flechten wachsen, ist die Umwelt gesund.
Wo keine Flechten sind → Vorsicht!
Mikroorganismen – das heimliche Kraftwerk im Boden
Zur Mikroflora und Mikrofauna gehören:
Bakterien
Pilze
Hefen
Einzellige Mikroalgen
Beispiel:
Kompost wird schneller warm, wenn man Hefe + Melasse dazugibt → der Konkurrenzkampf der Mikroorganismen startet → Umsetzung beschleunigt → gesunder Humus entsteht.
Gesunder Boden =
mehr Wirkstoffe in der Pflanze.
Wässerig vs. alkoholisch – Tee oder Tinktur?
Was ist der Unterschied zwischen Tee und Urtinktur?
Tee: löst nur wasserlösliche Stoffe
Urtinktur (Alkohol + Wasser): löst
Terpene
Duftstoffe
Harze
Fette
viele lipophile Wirkstoffe
Beide haben komplett unterschiedliche Wirkprofile.
Akelei-Beispiel – Tagesdosis auf einer Euromünze
Ein eindrucksvoller Vergleich:
Ein Blatt von der Größe einer Euromünze enthält bereits die Tagesmenge wichtiger Vitamine (bei guter Qualität).
Blütenpollen – Kraftpakete der Natur
Der Vortrag erklärt sehr klar:
Pollen = pflanzliches Sperma → genetisches Material + Eiweißpaket
Pollen enthalten:
extrem hochwertige Eiweiße
alle essentiellen Aminosäuren
Deshalb gelten sie als hochwertige Nährstoffe – für Bienen und auch für uns.
Wichtig:
Bitte nie den Bienen alle Pollen wegnehmen
Kein Sojaeiweiß als Ersatz füttern → qualitativ minderwertig und unnatürlich
Bodensanierung – machbar, aber aufwendig
Böden in Europa sind stark belastet
Sanierung braucht:
Mikroorganismen
Bodenaufbereitung
Geduld
Fachkenntnis
Mikroplastik, Schwermetalle und Agrargifte sind schwer zu entfernen
Aber: Mikroflora wiederaufbauen → Boden regeneriert sich → Flechten kommen zurück
Kompost: Ein natürlicher Prozess wie im Waldboden
Ein Kompost bildet im Grunde exakt das nach, was im natürlichen Waldboden passiert:
Bakterien, Pilze und Mikroorganismen zerlegen organisches Material, demineralisieren es und bauen neue Stoffe wieder auf.
Dieser Vorgang ist katabolisch (abbauend) und anabolisch (aufbauend) – ein Kreislauf.
Wichtig ist dabei:
In Europa muss man immer den Winter mitdenken. Unsere Böden haben keine dauerhafte Vegetationsperiode wie in den Tropen.
Wie baue ich den Kompost optimal auf?
a) Unterlüftung – das A und O
Ein guter Kompost braucht Luft.
Das erreichst du, indem du:
unten Geäst, Äste, grobes Schnittgut einbaust
oder eine Luftröhre / Lüftungsrohr hineinsetzt
→ Dadurch entsteht ein Sauerstoffzug, der die Bakterien aktiv hält.
b) Standort – schattig, geschützt, nicht in der prallen Sonne
Kompost darf im Sommer nicht austrocknen.
Ideal ist ein Platz:
im Schatten,
geschützt vor direkter Mittagssonne,
aber so, dass du ihn im Winter mit Laub abdecken kannst.
c) Temperatur – der Kompost „gärt“
Ein guter Kompost erreicht in der ersten Phase bis zu 70 °C.
Diese Hitze sorgt dafür, dass sich der Kompost selbst desinfiziert.
3. Frage aus dem Publikum: „Wie heißt das Mittel gegen glyphosatbelastete Böden?“
Es gibt verschiedene Methoden, aber eine der besten ist:
→ Eine Bakterienlösung aus der Regenwurmflora
Entweder:
eine Regenwurmfarm aufbauen,
aus den Regenwürmern die Bakterienlösung gewinnen,
diese füttern, vermehren,
und anschließend auf den Boden spritzen.
Warum?
Regenwurmbakterien fressen sich durch den Boden, bauen Giftstoffe ab und lösen Rückstände – das ist wissenschaftlich gut belegt.
4. Kurzer Exkurs: Leberentgiftung (Praxisfrage)
Viele verwechseln Leberentgiftung mit Gallenfluss.
Das sind zwei verschiedene Dinge!
Die Leber ist ein Fettorgan, kein „Wasserorgan“.
Ihr Hauptbestandteil ist Fett – sie ist ein Chemielabor des Körpers.
Geeignete Pflanzen zur Leberunterstützung
Mariendistelsamen (Blätter reichen nicht!)
Artischockensamen
Tausendgüldenkraut (als Tee, bitter – aber wirksam)
Endivie
Lebertees auf Tausendgüldenkraut-Basis
Wichtig:
Man muss nicht gleich zu Giftpflanzen wie Geißkraut greifen – das ist unnötig.
Die Leber verzeiht viel, ganz anders als die Bauchspeicheldrüse, die dauerhaft Narben behält.
Elektrokultur – Chancen und Grenzen
Pflanzen reagieren massiv auf:
Schall
elektromagnetische Felder
geomagnetische Störungen
Unter Hochspannungsleitungen wachsen manche Pflanzen besser, andere schlechter.
Bei der Elektrokultur wird eine schwache elektrische Spannung durch den Boden geleitet.
Dadurch:
bewegen sich Ionen leichter,
und die Bakterienaktivität steigt.
Es hilft – aber man muss wissen, was man tut.
Bodenfliese & Mulchmaterial
Wenn man Mulchmatten oder Bodenfliese einsetzen möchte, empfiehlt der Vortragende:
Hanf- oder Wollfasern
ohne Kunststoff
Sie fördern die Bodenatmung und sind ökologisch sinnvoller.
Ätherische Öle – nur kurz angeschnitten
Ätherische Öle gehören zu den sekundären Pflanzenwirkstoffen.
Das Spektrum ist riesig, eine eigene Ausbildung wert.
Amazonasboden als Lehrmeister für Bodenfruchtbarkeit
Viele denken, der Amazonas sei ein Paradiesboden – ist er aber nicht.
Der typische Boden ist:
gelber Ocker
sehr nährstoffarm
kaum Pflanzenbau geeignet
Und dennoch existiert dort eine gewaltige Pflanzenvielfalt.
Das Geheimnis: Terra Preta
Etwa 10 % der Fläche besteht aus schwarzem, extrem fruchtbarem Boden – der berühmten Terra Preta.
Sie entstand durch:
Pflanzenkohle
Kompost
Küchenabfälle
organische Reststoffe
→ über Jahrhunderte
Dieser Boden ist einer der fruchtbarsten der Welt.
Warum Pflanzenkohle so wertvoll ist
Pflanzenkohle:
ist wie ein Schwamm, extrem porös
lockert schwere Böden
speichert Wasser ohne Staunässe
bietet Wohnraum für Mikroorganismen
wandert nach unten und „grubbert“ den Boden
Wichtig:
Pflanzenkohle düngt nicht, sie enthält keine Mineralien mehr – sie ist ein Gerüst, das mit Leben gefüllt werden muss.
Wie man Pflanzenkohle richtig aktiviert
Die entscheidende Mischung:
Pflanzenkohle
Kompost (Bakterien!)
Mineralien
optional: Pflanzenjauchen
später: spezielle Bakterienpräparate (werden eingeführt)
Das Ganze bildet einen Boden, der atmet, Nährstoffe verfügbar macht und über Jahrzehnte fruchtbar bleibt.
Warum dieses System so nachhaltig ist
Sekundäre Pflanzenwirkstoffe bestehen hauptsächlich aus:
Kohlenstoff
Wasserstoff
Sauerstoff
→ Sie entziehen dem Boden kaum Mineralstoffe wie:
Phosphor
Kalium
Magnesium
Deshalb muss man nicht dauernd nachdüngen.
Der Boden wird durch die Bakterien in einem geschlossenen Kreislauf immer wieder regeneriert.
Autarker Anbau: Wenn Mais wie eine Rakete wächst
Wenn man – nach all den Bodenaufbau-Prozessen – tatsächlich den Anbau startet, passiert etwas Beeindruckendes:
Legt man zwischen Obstbäume, Gehölze und andere Kulturen ein kleines Maisfeld, dann:
👉 schießt dieser Mais wie eine Rakete aus dem Boden – ganz ohne Dünger.
Warum?
Der Boden ist lebendig,
voller Bakterien,
voller Mineralien,
voller Struktur,
und perfekter Wasserführung durch den Mulch.
So entsteht eine Nutzpflanze, die qualitativ weit über dem liegt, was wir im Handel kennen.
Autarkie als Notwendigkeit – nicht als Idealismus
In solchen Regionen ist man autark, weil man autark sein muss.
Kein Einkaufsbummel,
keine Supermärkte um die Ecke,
kein „ich fahr mal schnell in die Stadt“.
➡️ Zwei Stunden hin. Zwei Stunden zurück.
Das lohnt sich nicht – also produziert man sein Essen selbst.
Und dieses Essen soll natürlich:
👉 hochwertig,
👉 nährstoffreich,
👉 gesund
sein.
Zeaxanthin – der „vergessene“ Mais-Farbstoff
Dann kommt die Frage:
„Habt ihr schon mal von Zeaxanthin gehört?“
Ein sekundärer Pflanzenwirkstoff,
verwandt mit Astaxanthin, also hochwirksam:
zellregenerierend,
gefäßregenerierend,
antioxidativ,
einer der stärksten pflanzlichen Farbstoffe.
Er kommt natürlicherweise im Mais vor – aber nur, wenn er auf gutem Boden wächst.
Problem in Europa:
In Cornflakes-Mais, 08/15-Mais & Industrieware ist davon so gut wie nichts enthalten.
Warum?
ausgelaugte Böden
keine Mikrobiologie
Hybridzucht
hochoptimierte Erträge statt Nährstoffe
In gutem Boden dagegen:
➡️ liefert der Mais Zeaxanthin gratis und franko.
Ohne Dünger.
Ohne Zusatzstoffe.
Das ist echte Pflanzenmedizin.
Europa müsste es genauso machen – aber es fehlt der Mut
„Wir sollten das in Europa genauso machen können. Ja, wir sollten mal anfangen – schleunigst.“
„Capire die Natur – and copie the.“
(Verstehe die Natur – und kopiere sie.)
Diese Haltung ist die Grundlage der weiteren Methoden.
Woher kommen die Heilkräuter? – Der Weg nach Südamerika
Der Referent erzählt, wie er dorthin kam:
Nicht aus romantischen Gründen.
Nicht, weil Südamerika ein Sehnsuchtsort war.
Sondern wegen Gesetzgebung, Qualität und Freiheit.
Er suchte:
gesunden Boden,
keine spritzenden Nachbarn,
viel Platz
und einen großen Puffer, um in Ruhe arbeiten zu können.
In Europa wird das schwierig.
Man muss entweder:
in Brüssel Geld herausholen,
oder Europa abschreiben.
2006 war für ihn der Punkt erreicht:
➡️ Er war die Streiterei mit Kräuterbauern leid,
weil Laborergebnisse oft nicht passten.
Er wollte stabile Qualität.
Die ETH Zürich erstellt eine Standortstudie
Er ging nicht planlos vor.
Er ging zur ETH Zürich – Agrarabteilung.
Dort entwickelte ein Team eine wissenschaftliche Standortanalyse:
politische Stabilität
ökonomische Stabilität
Biomöglichkeiten
Verfügbarkeit von Land
Umweltbedingungen
Ergebnis:
👉 Ein kleines, stabiles Land in Südamerika: Uruguay.
halb so groß wie Deutschland
3,2 Millionen Einwohner
große Viehwirtschaftsregionen
Viehwirtschaft in Uruguay – 365 Tage Weide
Ein Aha-Moment für viele Besucher:
„Wo sind die Ställe?“
Die Antwort:
Es gibt keine.
Rinder draußen
Schafe draußen
Ganzjährig
Natürlich
Robust
Bei seinen Nachbarn entsteht ein Golfrasen – ständig abgefressen.
Bei ihm dagegen:
👉 hohes, üppiges Gras – weil er es wachsen lässt,
um es als Mulchmaterial zu verwenden.
Er braucht das hohe Gras, um Feuchtigkeit im Boden zu halten.
Bertram zwischen rosa Pfeffer
Bertram wächst zwischen
zwei Reihen rosa Pfeffer
👉 gebrochene Kulturlinien
Das bedeutet:
verschiedene Pflanzen
in Streifen
in Mischkultur
jede hat ihren Platz
Im nächsten Jahr kommen andere Kulturen hinein. Alles in Rotation.
Beginn der Symbiokultur – die Grundidee
Er erklärt:
Symbiokultur =
die Kombination verschiedener Pflanzen, Zeigerpflanzen, Symbiosepflanzen und Pilze, die gemeinsam ein Ökosystem bilden.
Frauen pflanzen verschiedene Kulturen
im Halbschatten
auf Mulch
in einem kargen Boden (kein Terra Preta)
Warum karg?
👉 Diese Pflanzen mögen es so.
Also respektiert man das.
Was passiert im Boden?
Die Bäume:
spenden Schatten
binden Wasser
lockern die Erde tief unten
schaffen ein eigenes Mikroklima
Leguminosen:
binden Stickstoff
arbeiten mit Azotobakterien
Zwischenbepflanzung:
fördert das Ökosystem
wird nicht abgeerntet
Die Kulturpflanzen:
einjährig, zweijährig, mehrjährig – je nach Bedarf
wachsen in Reih und Glied
Die Bodenflora:
Bakterien
Pilze
Mykorrhiza
→ Sie erledigen den Rest.
Warum braucht man Fläche?
Weil man:
rotieren muss,
Böden ruhen lassen muss,
Böden sich erholen lässt,
die Bodenfruchtbarkeit permanent stabil hält.
Ohne Rotation: keine Qualität.
Beispiel: Zypressen – rosa Pfeffer – Gräser
Ein weiteres Bild:
Zypressenreihe
Rosa Pfeffer
Gehölze
freie Grasnarbe
Man mulcht das Gras ein, man gibt Kompost dazu, und wenn das Labor bestätigt:
👉 Bodenfruchtbarkeit hergestellt,
dann erst kommt die nächste Kultur.
Warum das Ganze? – Qualität, Qualität, Qualität
Es ist mehr Aufwand.
Aber das Ergebnis:
👉 extrem hohe Konzentrationen an sekundären Pflanzenwirkstoffen.
Deshalb funktionieren die Kräuter, darum spüren Menschen die Wirkung, darum bleibt die Qualität stabil.
Und das alles nur, weil man:
➡️ die Natur kopiert.
Oder wie er sagt:
„Capire – and copie.“
Die überraschende Kraft der Baumreihen – mehr als nur Schatten
Herr Rochira erklärt, dass man bei der Planung solcher Symbiokulturen zunächst gar nicht wusste, welche zusätzlichen Effekte die Baumreihen auslösen würden. Heute weiß man:
Bäume geben Wasserdampf ab
aber zusätzlich auch Aerosole, also feine Duft- und Zuckermoleküle
diese Stoffe binden Feuchtigkeit
und schaffen eine schützende Atmosphäre, die Schadinsekten fernhält
Wesentliche Erkenntnis:
Aromatische Ölpflanzen und Baumreihen erzeugen ein natürliches Schutzfeld, in dem Schadinsekten wie Heuschrecken, Termiten oder Blattschneiderameisen gar nicht erst einfliegen.
👉 Es wurde in all den Jahren kein einziges Pestizid gebraucht.
Das liegt daran, dass ätherische Öle und schwerere Zuckermoleküle eine Art „Duft-Microclimate“ schaffen, das für viele Insekten wie eine unsichtbare Barriere wirkt.
Ein Effekt, der fast zufällig entdeckt wurde: Bienen ohne Varroa
Ein sensationeller Nebeneffekt:
Die Bienen am Hof haben keinerlei Varroa-Probleme.
Die Milbe gedeiht dort nicht.
Es muss nie behandelt werden.
Das könnte langfristig eine Lösung für Imkereien sein – ein ökologisch funktionierendes Schutzsystem.
Der Blick auf eine besondere Pflanze: Nopal (Kaktusfeige)
Die Kaktusfeige (Opuntia / Nopal) ist nicht nur eine Fruchtpflanze – ihre Blätter besitzen erstaunliche Fähigkeiten:
A) Symbiose mit Obstbäumen
Setzt man Nopal unter einen Apfelbaum:
steigt die Ertragsmenge massiv
der Baum wird robust gegen Schädlinge
der Nopal selbst bildet keine Früchte mehr, dafür sehr viel Blattwerk
Das Blattwerk enthält wichtige Mehrfachzucker, die folgende Effekte haben:
In Wasser eingeweicht → bildet eine schleimige Kaliumlösung
Diese Lösung ist ein hochwertiger Naturdünger
Beim Kontakt mit Wasser quellen die Polysaccharide wie Schwämme auf
→ der Boden wird bewegt und gelockert
👉 Man spart sich das Hacken.
B) Frostschutz
Die „Nopal-Brühe“ kann:
stark verdünnt auf Pflanzen gesprüht
Blüten vor Frostschäden schützen
C) Essbar
Junge Blätter schmecken wie Spargel.
Übertragbarkeit auf Europa
Nopal wächst in Mitteleuropa nicht zuverlässig.
Aber:
Es gibt europäische Pflanzen mit ähnlichen chemischen Eigenschaften
Man muss sie lokal finden
Beispiel:
Karagin-Algen (Bretagne & Irland)
Bauern sammeln Algen, trocknen sie und bringen sie auf die Felder.
Warum?
Enthalten Alginat, ein Mehrfachzucker
→ dieselbe Bodenstruktur-Verbesserung wie beim Nopal
Enthalten viele Mineralstoffe, besonders Phosphate
Europas Küsten wären reich genug, um Tausende Algenbauern auszubilden – Lösungen sind vorhanden, wir nutzen sie nur nicht.
Kreisläufe verstehen – das Geheimnis der Symbiokultur
Ein wichtiger Lehrsatz:
Wer im Kreislauf mit der Natur denkt, wird ernten.
Beispiele:
Wurzelunkräuter
ziehen Phosphor, Kalium, Bor und andere Nährstoffe aus der Tiefe
man soll sie nicht vernichten, sondern:
ausgraben
fein hacken
in Wasser vergären lassen (3–4 Wochen)
1:10 oder 1:20 verdünnt als Dünger nutzen
→ Das liefert extrem nährstoffreiche Lösungen.
Klima in Uruguay – warum der Standort ideal ist
Klima ähnlich Süditalien
aber mehr Sonnenstunden
mildere Winter (ca. 300 Winterstunden, knapp über 0 °C)
optimale Bedingungen für:
Getreide
Gemüse
Food-Forest-Systeme (Waldgarten)
→ Kombination aus Obstbäumen, Gemüse und Kräutern
→ liefern viel mehr Ertrag pro Fläche
Terra Preta – der Schlüssel für kräftige Pflanzen
Ein gemeinsamer Nenner aller erfolgreichen Pflanzsysteme:
Terra Preta – Schwarzerde
extrem stabil
sehr humusreich
speichert Wasser
speichert Nährstoffe
fördert Mikroorganismen
Darauf basieren:
hohe Wirkstoffkonzentrationen in Kräutern
stabile Ernten
Resilienz gegen Stress
Urin als Nährstoffquelle – Wissen aus der Antike
Eine Überraschung aus der Geschichte:
Die Römer sammelten menschlichen Urin – ganz bewusst.
Warum?
Harnstoff und Harnsäure liefern Stickstoff, ein zentraler Pflanzen-Nährstoff.
Auch in China wurde Urin traditionell gesammelt und genutzt.
Heute noch gibt es moderne Beispiele:
In Holland steht eine Anlage, die Phosphorverbindungen aus Urin gewinnt, um das Phosphorproblem zu lösen.
Das Phosphorproblem
Phosphat ist endlich.
Wie Erdöl. Wenn die Gesteinsvorkommen erschöpft sind, wird es kritisch:
→ Ohne Phosphor keine Lebensmittelproduktion.
Kreislaufwirtschaft ist die Lösung:
Phosphor dort belassen, wo er hingehört – im Boden – und nicht ständig herausziehen.
Kompost – kein Düngerhaufen, sondern eine lebendige Kultur
Kompost darf man nicht als Masse, sondern muss ihn als Bakterienkultur verstehen.
Kompost ist ein Starter, ein Zünder für den Boden.
Bodenstruktur verbessern ist entscheidend – und dabei hilft:
Pflanzenkohle
Bakterienkulturen
Pflanzenjauchen
Pflanzenkohle (Biochar) – die Basis guter Böden
Wichtig beim Kauf:
PAK-frei (keine polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe!)
→ Zertifikat prüfen.
Kohle entsteht bei Pyrolyse. Wenn diese unsauber abläuft, können schädliche Stoffe entstehen.
Empfehlung:
Kohle + Kompost mischen
Mit Pflanzenjauchen aktivieren
Und mit den richtigen Bodenbakterien beleben
Achtung:
Die in Südamerika natürlich vorkommenden Bakterien funktionieren im deutschsprachigen Raum nicht – sie sind nicht frosthart.
Es braucht spezielle frostresistente Mikroben (sie existieren bereits).
Symbiosepflanzen – Beispiel Apfelbaum & Nopal
Jemand fragt nach der passenden Symbiosepflanze für Apfel in Deutschland.
Antwort:
Die spezielle Symbiose mit Nopal (Opuntia) wurde zufällig in Uruguay entdeckt.
In Deutschland ist diese Pflanze nicht frosthart genug.
Aber:
Es existieren europäische Pflanzen mit ähnlichen Eigenschaften – man muss sie nur finden.
Nopal als Energieträger – unglaubliche Zahlen
Ein faszinierendes Beispiel zur Biogasproduktion:
In Mexiko und Chile nutzt man Nopal statt Mais in Biogasanlagen.
Vergleich:
1 m³ Nopal = 15 m³ Mais
→ Faktor 15!
Dazu kommt:
Nopal enthält keinen Schwefel
→ Das Gas muss nicht entschwefelt werden.
Ergebnis: 96 % Methan – extrem hochwertig.
Eine 10-Kubik-Meter-Anlage mit Nopal kann den Strombedarf einer ganzen Familie decken.
Der Referent arbeitet aktuell selbst in Uruguay daran, so eine Anlage aufzubauen.
Kaktusblätter kaufen?
Ja, man kann Kaktusblätter kaufen – aber:
Sie sind teuer.
Dabei wachsen sie im Mittelmeerraum wie Unkraut.
Die Pflanze ist extrem robust, braucht fast nichts und liefert:
Nährstoffe
Futter
Energie
Medizin
Dünger
Bodenverbesserer
Wesentliche Kernbotschaft: Bäume erzeugen Regen
Herr Rochira erklärt, dass Terra Preta ein extrem hohes Wasserhaltevermögen besitzt und ergänzt etwas, das er selbst neu gelernt hat:
👉 Bäume geben Aerosole ab
👉 Aerosole bilden Wolken
👉 Wolken sorgen für mehr Regen
Damit entsteht nach und nach ein eigenes Mikroklima, das den Niederschlag deutlich erhöht.
Beispiel Uruguay
In Uruguay wurde über 30 Jahre hinweg aktiv aufgeforstet – mit Gesetzen, die auch durchgesetzt wurden.
Ergebnis:
ursprüngliche trockene Steppenlandschaft
wurde zu grünen Weide- und Waldflächen
600 mm → 1400 mm Regen pro Jahr
allein durch gute Forstwirtschaft
Und dann der Seitenhieb auf Europa:
„Bei uns machen wir das Gegenteil – wir hauen die Bäume ab und forsten kaum auf.“
Blätter – die Solarzellen des Baumes
Was machen Blätter eigentlich?
sie ermöglichen Photosynthese
sie nehmen nicht nur auf, sondern geben auch ab → Transpiration
dieser Kreislauf aus Geben & Nehmen erzeugt Mikroklima
In Agroforstsystemen sieht man das sofort:
Getreide zwischen Baumreihen wächst gesünder
enthält mehr Eiweiß
hat mehr Vitamine
reift zwar 2 Wochen später, aber mit höherem Nährwert
👉 Bäume erhöhen die Qualität unserer Nahrungsmittel.
Was Europa tun müsste
Wälder neu denken
Die große Aufgabe:
weg von Monokulturen, v. a. Fichte
hin zu Mischwäldern
Laub + Nadel gemeinsam
keine Exoten nötig (wie Douglasie)
es gäbe genügend heimische Arten
Beispiel:
In Bayern werden große Flächen mit Edelkastanie neu bewaldet – sie:
wächst hervorragend
liebt Mischwald
ist trockenresistenter
liefert wertvolles Holz & Nahrung
Aerosolflüsse – die unsichtbaren Regenwege
Erkenntnisse aus Brasilien:
Aerosolströme verhalten sich wie Flüsse in der Luft
sie bestimmen Niederschlagsmenge und -häufigkeit
man kann genau sehen, wo Regen entsteht oder verloren geht
Diese Aerosolflüsse gibt es auch in Europa, aber:
👉 Wir kümmern uns nicht um sie.
👉 Wir verstehen sie nicht.
👉 Wir nutzen sie nicht.
Mit dem richtigen Wissen könnte man gezielt aufforsten:
um „Bruchlinien“ zu schließen
um stabile Regenzyklen zurückzubringen
und Regen wieder zuverlässig vorherzusagen
Der Wald zieht Wasser
Das wussten schon die Alten – sie wussten nur nicht, warum.
Heute weiß man:
Wurzeldruck,
Blattausdünstung,
Aerosole,
Mikroklimaeffekte
→ all das sorgt dafür, dass Wälder Regen anziehen.
Aufruf: Zurück zur Natur – praktische Agroforstsysteme
auf dem eigenen Land, Garten oder größeren Grundstück
mit Agroforstsystemen zu beginnen
Bäume + Kräuter + Nutzpflanzen kombiniert anbauen
Stecklingsproduktion & Gewächshäuser
Er zeigt Schattengewächshäuser (kein Nylon, sondern Schattengewebe).
Die Jungpflanzen sind dort geschützt vor Austrocknung.
Er produziert:
👉 60.000 Stecklinge pro Monat
Effektive Mikroorganismen – richtig erklärt
EM bestehen aus:
Milchsäurebakterien,
Hefen,
nützlichen Bodenbakterien,
gezüchtet in Melasse.
Wichtig:
Melasse ist kein Dünger, sondern Futter für Mikroorganismen.
Wie man eigene Mikroorganismen sammelt (genial einfach!)
normalen Reis kochen
im Wald vergraben
zwei Wochen liegen lassen
herausnehmen: der Reis ist durchzogen von Mikroben & Pilzen
in guten Kompost mischen
mit EM kombinieren
so entsteht eine breite Mikrobiom-Kultur für Terra Preta
Natürliche Schädlingskontrolle – Beispiele
Gegen Meerschweinchen (Uruguay) & Schlangen
Katzen, die wenig gefüttert werden
→ beginnen zu jagen
→ lösen das Problem ganz natürlich
Gegen Blattschneiderameisen
👉 Dalmatischer Bertram
Er wirkte zufällig – die Ameisen machten kehrt.
Gegen Schnecken (Europa)
Indische Laufenten
oder allgemein jede Art Ente
→ die zuverlässig Schnecken fressen
Petersilie & Sellerie in der Blüte
in der balsamischen Phase
extrem hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen
kann für Allergiker problematisch sein
für Nicht-Allergiker kein Problem
Samen sind stark antirheumatisch
Exkurs: Quitten & Rosengewächse
Unsere Obstsorten in Europa gehören überwiegend zur Familie der Rosaceae:
Äpfel
Birnen
Kirschen
Pflaumen
Quitten
Himbeeren
Brombeeren
→ eine botanisch extrem einflussreiche Pflanzenfamilie.
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