Hildegard-Medizin – ganzheitlich heilen nach Hildegard von Bingen – Mitschrift zum Vortrag
Hier findest du meine Mitschrift zum Vortrag „Hildegard-Medizin – Gesundheit verstehen und fördern“.
Es geht darum, wie die ganzheitliche Lehre Hildegards von Bingen Körper, Seele und Geist in Einklang bringt – und warum Lebensstil, Ernährung, Kräuter, Heilmittel und Rhythmus entscheidend dafür sind, dass Heilkräfte optimal wirken.
Der Vortrag wurde von Alessandro Rochira gehalten. Er gibt praxisnahe Einblicke, wie man die Grundprinzipien der Hildegard-Medizin im Alltag anwenden kann, um die Gesundheit zu stärken, Beschwerden vorzubeugen und die natürliche Regulationskraft des Körpers zu unterstützen.
Bitte sieh mir Rechtschreibfehler oder kleine Ungenauigkeiten nach – es handelt sich um eine Mitschrift, nicht um ein perfektes Skript. Dafür ist sie ehrlich, lebendig und direkt aus dem Vortrag entstanden.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Inspiration, die heilkräftigen Schätze Hildegards im Alltag zu entdecken.
Vortrag Hildegard‑Medizin vom 21.02.2024
Hildegard von Bingen gilt als eine der bemerkenswertesten Frauen des 12. Jahrhunderts. Obwohl sie selbst kaum formale Bildung besaß, entwickelte sie ein umfassendes Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Heilung, das bis heute fasziniert. Ihre medizinischen Schriften, ihre Beobachtungsgabe und ihre konsequente Haltung gegenüber Körper, Geist und Lebensführung machen ihre Lehre erstaunlich modern.
Herkunft des Wissens
Hildegard konnte nur begrenzt lesen und nicht selbst schreiben. Alles, was wir heute von ihr kennen, wurde diktiert und von Schreibern festgehalten. Trotzdem verfasste sie medizinische, theologische, musikalische und sogar architektonische Werke. Sie war das zehnte Kind ihrer Familie und wurde als sogenannter „Zehnt“ im Alter von acht Jahren in ein Kloster gegeben. Dort erhielt sie die übliche klösterliche Grundbildung: liturgisches Lesen, Singen, geistliche Unterweisung – jedoch keine naturwissenschaftliche Ausbildung.
Gerade deshalb stellt sich die Frage, wie sie zu ihrem umfassenden Wissen gelangte. Die Diskussion darüber ist bis heute lebendig. Für die praktische Anwendung ihrer Medizin ist jedoch entscheidend, wie sie dachte – nicht, woher sie ihr Wissen hatte.
Die drei Ebenen der Hildegard‑Literatur
Wer sich mit Hildegards Medizin beschäftigt, begegnet drei Arten von Quellen:
Primärliteratur: die mittelalterlichen Werke, die ihr zugeschrieben werden – vor allem Physica („Heilkräfte der Natur“) und Causae et Curae („Ursachen und Behandlungen“).
Sekundärliteratur: Autoren, die diese Originaltexte studiert und interpretiert haben.
Tertiärliteratur: moderne Bücher, die sich auf Sekundärquellen stützen, ohne selbst die Originale zu prüfen.
Für eine seriöse Beschäftigung empfiehlt sich immer der Blick in die Primärtexte, auch wenn sie sprachlich anspruchsvoll sind.
Zentrale Grundannahmen der Hildegard‑Medizin
Selbstverantwortung für Gesundheit
Hildegard formuliert klar: Gesundheit ist kein Zufall und keine Frage göttlicher Willkür. Jeder Mensch trägt Verantwortung für seinen Zustand und kann aktiv zu seiner Genesung beitragen. Diese Haltung war im Mittelalter revolutionär, denn Krankheiten wurden damals häufig als Strafe oder Prüfung verstanden.
Ernährung als Fundament
Im 12. Jahrhundert war die europäische Ernährung sehr eingeschränkt – viele heute alltägliche Lebensmittel existierten nicht. Dennoch erkannte Hildegard die enorme Bedeutung der Ernährung für Gesundheit und Heilung. Ihr wichtigstes Prinzip lautet:
Der Gesunde und der Kranke brauchen unterschiedliche Ernährung.
Der Kranke soll alles meiden, was den Körper zusätzlich belastet.
Der Gesunde darf auch einmal „Fehler“ machen, weil sein Organismus genügend Kraft besitzt, um Belastungen auszugleichen.
Damit beschreibt sie ein frühes Konzept von Resilienz und Stoffwechselregulation.
Bemerkenswert ist, dass sie bestimmte Lebensmittel ablehnt, die sie selbst kaum kennen konnte – etwa Nachtschattengewächse. Sie kannte nur die hochgiftige Einbeere, schloss daraus aber, dass die gesamte Pflanzenfamilie für Kranke ungeeignet sei. Moderne Beobachtungen bestätigen, dass manche Menschen empfindlich auf Nachtschatten reagieren.
Körperpflege und Hygiene
Hildegard betont die Bedeutung von Sauberkeit, Bädern, Dampf und Wärme. Im Mittelalter galt Körperpflege oft als eitel oder sogar sündhaft. Sie widersprach dieser Haltung entschieden und sah Hygiene als Voraussetzung für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Damit stellte sie sich mehrfach gegen kirchliche Autoritäten und geriet zeitweise sogar in Konflikt mit der Kirche.
Psyche, Lebenshaltung und innere Balance
Hildegard integriert seelische und emotionale Faktoren konsequent in ihr Gesundheitsmodell. Sie beschreibt, dass innere Unruhe, ungelöste Konflikte oder fehlende Lebensfreude den Körper schwächen. Ihre psychologischen Empfehlungen sollen Menschen helfen, unabhängig von sozialem Stand oder Lebensumständen eine innere Mitte zu finden.
Ausleitung und Entgiftung
Ein weiterer zentraler Baustein ist die Vorstellung, dass der Körper Gifte aufnehmen und speichern kann. Um diese Belastungen zu lösen, empfiehlt sie Methoden wie:
Schröpfen
Aderlass
Schwitzkuren
Kräuteranwendungen
Diese Verfahren sollen den Organismus entlasten und die Selbstheilung fördern.
Heilmittel und Ursachenorientierung
Hildegard unterscheidet nicht nur Krankheiten, sondern deren Ursachen. Für ein einziges Organ – etwa das Herz – beschreibt sie zahlreiche unterschiedliche Heilmittel, je nachdem, welche Ursache vorliegt. Damit arbeitet sie nicht symptomorientiert, sondern ursachenorientiert.
Für Krankheiten, die sie nicht explizit beschreibt, liefert sie eine Anleitung, wie Menschen selbst Heilmittel herstellen können. Sie nennt dies die Subtilitätenlehre – ein System, das die feinen Eigenschaften von Pflanzen und Stoffen beschreibt.
Bedeutung für die Gegenwart
Hildegards Ansatz wirkt heute modern, weil er zentrale Prinzipien der integrativen Medizin vorwegnimmt:
Ernährung als Therapie
Lebensstil als Gesundheitsfaktor
Psyche und Körper als Einheit
Ursachen statt Symptome behandeln
Stärkung der Selbstverantwortung
Naturheilmittel differenziert einsetzen
Ihre Lehre ist kein starres System, sondern ein lebendiges Konzept, das Beobachtung, Eigenverantwortung und individuelle Anpassung betont.
Dinkel als zentrales Grundnahrungsmittel
Hildegard stellt den Dinkel an die erste Stelle ihrer Ernährungsempfehlungen. Sie bezeichnet ihn als das „beste Getreide“, das den Menschen nährt, stärkt und zufrieden macht. Diese Einschätzung wirkt zunächst überraschend, denn im Mittelalter standen viele Getreidearten zur Verfügung: Gerste, Roggen, Weizen, Hafer – und eben Dinkel.
Dinkel stammt ursprünglich nicht aus Europa, sondern aus dem iranischen Hochland. Er gehört zur Familie der alten Urgetreide wie Einkorn und Emmer. Diese Getreide wurden über Jahrtausende kaum gezüchtet oder gekreuzt. Dadurch haben sie ihre ursprüngliche Struktur, ihren hohen Nährstoffgehalt und ihre gute Verträglichkeit bewahrt.
Der echte Dinkel (Triticum spelta) besitzt:
einen hohen Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen
reichlich B‑Vitamine und Folsäure
hochwertige Eiweiße
eine gute Sättigungswirkung
Hildegard beschreibt genau diese Eigenschaften: Dinkel macht schneller satt, stärkt den Körper und liefert „gute Säfte“, also stabile Energie und Stoffwechselkraft. Im Mittelalter wurde Dinkel meist als Brei gegessen – das sogenannte Habermus. Es war ein Grundnahrungsmittel, das mit Kräutern, Obst oder Gemüse angereichert wurde.
Gemüse und Hülsenfrüchte
Hildegard beschreibt die Gemüsewelt ihrer Zeit sehr differenziert. Sie kannte keine Tomaten, Kartoffeln oder Paprika, weil diese Pflanzen erst Jahrhunderte später aus Amerika nach Europa kamen. Dennoch war ihre Gemüsekunde breit:
Pastinaken
Mangold
Spinat
Melde
verschiedene Wurzelgemüse
regionale Salate
Sie empfiehlt Gemüse als wichtigen Bestandteil der täglichen Ernährung, betont aber, dass nicht jedes Gemüse für Kranke geeignet ist. Die Unterscheidung zwischen gesunden und belastenden Lebensmitteln bleibt ihr roter Faden.
Auch Hülsenfrüchte spielen eine Rolle: Linsen und Kichererbsen waren bekannt und wurden aus dem Nahen Osten importiert. Bohnen hingegen kamen erst später nach Europa.
Gewürze als Wirkstoffe
Ein besonders moderner Aspekt ihrer Lehre ist der Einsatz von Gewürzen als therapeutische Begleiter der Nahrung. Hildegard nennt sieben zentrale Kochgewürze, die sie „Frohmacher“ nennt, weil sie Körper und Seele stärken. Jedes dieser Gewürze beschreibt sie mit einer spezifischen Wirkung, die sich heute biochemisch nachvollziehen lässt.
1. Bertram
Ein Wurzelgewürz aus dem Mittelmeerraum. Wirkung nach Hildegard und moderner Analyse:
regt Speichel- und Enzymproduktion an
unterstützt die Bauchspeicheldrüse
verbessert die Verdauung
Schon kleine Mengen, mitgekocht im Essen, aktivieren Verdauungssäfte und fördern die Nährstoffaufnahme.
2. Galgant
Ein asiatisches Gewürz, verwandt mit Ingwer. Hildegard beschreibt ihn als Herz‑ und Kreislaufmittel. Moderne Pharmakologie bestätigt:
durchblutungsfördernd
herzstärkend
wärmend
verdauungsfördernd
Galgant gilt heute sogar als pflanzliches Akutmittel bei Herzbeschwerden.
3. Fenchel
Hildegard schätzt sowohl Samen als auch Gemüse:
Fenchelsamen: entzündungshemmend, magenstärkend, krampflösend
Fenchelgemüse: ballaststoffreich, reinigt den Darm mechanisch
Die Fasern des Fenchels unterstützen die Darmzotten und fördern eine gesunde Verdauung.
4. Kubebenpfeffer
Ein exotisches Gewürz von den Molukken (Indonesien). Hildegard beschreibt es als hormonregulierend und allgemein stärkend. Moderne Analysen zeigen:
ätherische Öle mit regulierender Wirkung auf Schleimhäute
mögliche Einflüsse auf hormonelle Prozesse
Sie nutzt Kubeben auch in anderen Heilzusammenhängen, was auf ein breites Wirkungsspektrum hinweist.
5. Zimt
Hildegard meint ausdrücklich den echten Ceylon‑Zimt, nicht den später verbreiteten Cassia‑Zimt. Wichtige Unterschiede:
Ceylon‑Zimt: dünne, helle Rinde, feines Aroma, kaum Cumarin
Cassia‑Zimt: dicke, dunkle Rinde, hoher Cumaringehalt, potenziell leberschädigend
Hildegard nutzt Zimt als wärmendes, kreislaufstärkendes und verdauungsförderndes Gewürz.
6. Quendel
Eine alpine Thymianart. Wirkungen:
verdauungsfördernd
hautheilend
schleimlösend
Er besitzt ein feines, leicht zitroniges Aroma und wirkt ähnlich wie Thymian, jedoch milder.
7. Ysop
Eine heimische Pflanze, die nur gekocht verwendet werden darf, da sie roh giftig ist. Gekochter Ysop:
stärkt den Magen
fördert die Eiweißverdauung
unterstützt die Bildung von Magensäften
Hildegard beschreibt genau diese Effekte – und moderne Labortests bestätigen sie.
Obst, Essig und weitere Empfehlungen
Hildegard rät zu vollreifem Obst, weil unreife Früchte den Magen belasten. Außerdem empfiehlt sie Rotweinessig als Desinfektions‑ und Konservierungsmittel. Essig wurde im Mittelalter tatsächlich zur Sterilisation von Werkzeugen genutzt. Hildegard verwendet ihn zum „Kaltkochen“ von Speisen, also zur hygienischen Zubereitung ohne Hitze.
Bedeutung dieser Beobachtungen
Die Genauigkeit, mit der Hildegard die Wirkungen von Pflanzen, Gewürzen und Lebensmitteln beschreibt, ist bemerkenswert. Sie verfügte über kein anatomisches oder naturwissenschaftliches Wissen im modernen Sinn, doch ihre Beschreibungen stimmen in vielen Fällen mit heutigen Erkenntnissen überein.
Ihr Ansatz verbindet:
Ernährung
Kräuterkunde
Stoffwechselphysiologie
Hygiene
Psychosomatik
und macht damit deutlich, warum ihre Lehre bis heute als ganzheitlich und erstaunlich zeitgemäß gilt.
Tierische Lebensmittel in der Hildegard‑Ernährung
Fleisch: erlaubt, aber maßvoll
Hildegard unterscheidet nicht pauschal zwischen „gut“ und „schlecht“, sondern bewertet Fleisch nach Art, Qualität und körperlicher Belastbarkeit des Menschen. Sie empfiehlt:
Lamm
Ziege
Wild wie Reh und Hirsch
Geflügel
Wildschwein schließt sie aus. Fleisch soll nur in Mengen gegessen werden, die der Körper verarbeiten kann. Wer körperlich arbeitet, darf mehr essen; wer wenig Bewegung hat, soll sparsam damit umgehen. Zu viel Fleisch bremst den Stoffwechsel und belastet die Körpersäfte.
Im Mittelalter war Fleisch ein Luxusgut. Hildegards Warnung vor Übermaß war daher ungewöhnlich und zeigt ihr Verständnis für Stoffwechselprozesse.
Fleischzubereitung: Beizen als Schutz
Hildegard empfiehlt, Fleisch vor der Zubereitung zu beizen – in Wasser und Essig, mit Lorbeerblättern. Diese Methode:
reduziert Keime
entzieht Harnsäure
senkt das Risiko für Gicht und rheumatische Beschwerden
verbessert die Haltbarkeit
In einer Zeit ohne Kühlung, ohne Hygiene und mit hoher Keimbelastung war dies ein lebenswichtiger Schritt.
Fisch: Meeresfisch bevorzugt
Hildegard stuft Meeresfische als gesünder ein als Süßwasserfische. Der Grund liegt im Milieu:
Meerwasser ist alkalisch und wirkt natürlicherweise desinfizierend
Süßwasser schwankt im pH‑Wert und bietet Keimen mehr Raum
Ihre Empfehlung entspricht damit einer frühen Form mikrobiologischer Vorsicht.
Fette und Öle
Warum Olivenöl abgelehnt wurde
Hildegard lehnt Olivenöl ab – allerdings aus Gründen, die im historischen Kontext liegen. Das Olivenöl ihrer Zeit war:
nicht kaltgepresst
aus überreifen, dunklen Oliven gewonnen
stark gesättigt
kaum aromatisch
schwer verdaulich und leberbelastend
Es handelte sich um Lampenöl, nicht um das hochwertige Olivenöl, das heute bekannt ist. Für die Ernährung empfiehlt sie stattdessen:
Butter und Schmalz (in Maßen)
Distelöl
Walnussöl
Diese Öle waren regional verfügbar und besser verträglich.
Nüsse und ihre Wirkungen
Hildegard beschreibt Nüsse differenziert und ordnet ihnen spezifische Wirkungen zu:
Mandeln stärken die Abwehr. Historisch enthielten sie leichte Bitterstoffe (Amygdalin), die das Immunsystem stimulieren.
Edelkastanien stärken das Nervensystem.
Walnüsse bauen aus und helfen bei Schwäche, können aber bei Übergewicht ungünstig sein.
Haselnüsse „machen dumm“ – eine drastische Formulierung, die auf ein reales Problem hinweist: Haselnüsse wurden schnell ranzig und konnten dadurch den Körper belasten.
Diese Aussagen zeigen, wie genau Hildegard Verderb, Qualität und physiologische Wirkung beobachtete.
Milchprodukte
Milchprodukte sind erlaubt, aber mit Einschränkungen:
Kuhmilch kann Schleim in den Atemwegen fördern
Butter und Sahne sollen bei Übergewicht sparsam verwendet werden
Auch hier zeigt sich ihr Prinzip: Ernährung soll stärken, nicht belasten.
Die verbotenen Lebensmittel: Nachtschattengewächse
Hildegard warnt vor Nachtschattengewächsen – obwohl sie Tomaten, Kartoffeln und Paprika selbst nicht kannte. Diese Pflanzen kamen erst Jahrhunderte später nach Europa. Ihre Warnung basiert auf einem Grundprinzip: Pflanzen mit bestimmten „schädlichen Säften“ sollen gemieden werden.
Moderne Toxikologie bestätigt, dass Nachtschattengewächse Solanin enthalten – ein Phytohormon, das für Pflanzen wichtig ist, aber bei warmblütigen Tieren immunbelastend wirken kann.
Solanin:
ist immunotoxisch
kann in hoher Dosis giftig sein
kommt in grünen Stellen, Keimen und unreifen Früchten vor
Die historische Anekdote über den spanischen König, der nach dem Verzehr der oberirdischen Kartoffelfrucht vergiftet wurde, zeigt, wie unbekannt und gefährlich diese Pflanzen damals waren.
Historische Einordnung der Nachtschattengewächse
Kartoffeln wurden in Preußen aus militärischen Gründen eingeführt: Sie brennen nicht und sind schwer zu zerstören.
Tomaten galten lange als Zierpflanzen und wurden erst im 19. Jahrhundert in Neapel als Nahrungsmittel akzeptiert.
Damit sind diese Pflanzen sehr junge Bestandteile der europäischen Küche.
Hildegard erweitert die Gruppe der belastenden Lebensmittel über die Nachtschattengewächse hinaus um zwei Früchte, die auf den ersten Blick nicht in diese Kategorie passen: Erdbeeren und Zwetschgen. Beide gehören botanisch zu den Rosengewächsen und haben mit Nachtschatten nichts zu tun. Dennoch stuft sie sie als problematisch ein.
Erdbeeren und Zwetschgen
Erdbeeren lösen bei vielen Menschen allergische Reaktionen aus. Diese Beobachtung ist bis heute bekannt: bestimmte Eiweißverbindungen in der Erdbeere können das Immunsystem reizen. Hildegard ordnet sie deshalb als „krankmachend“ ein, besonders während einer Therapie, in der das Immunsystem entlastet werden soll.
Zwetschgen bilden eine Ausnahme innerhalb ihrer Pflanzenfamilie. Während Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen, Aprikosen und sogar Mandeln als gesund gelten, beschreibt Hildegard die Zwetschge als ungünstig. Erst moderne Untersuchungen zeigen, dass Zwetschgen bestimmte Stoffe enthalten, die neurologisch und immunologisch belastend wirken können. Für die Dauer einer Therapie empfiehlt sie daher, sie wegzulassen.
Weißer Spargel und Chicorée
Hildegard rät vom weißen Spargel ab, obwohl er im Mittelalter kaum verfügbar war. Der grüne Spargel hingegen ist erlaubt. Der Unterschied liegt in der Verarbeitung und im Gehalt bestimmter Bitterstoffe, die im weißen Spargel durch die Anbaumethode verändert werden. Chicorée zählt ebenfalls zu den Lebensmitteln, die während einer Therapie nicht empfohlen werden, da seine Bitterstoffe den Stoffwechsel in einer Weise beeinflussen, die Hildegard als ungünstig einstuft.
Süßes: Honig statt Zucker
Die heutige Vorstellung, Hildegard sei grundsätzlich gegen Zucker, entspricht nicht ihrer tatsächlichen Lehre. Zucker war im Mittelalter ein Luxusgut, das aus China importiert wurde und mit Gold aufgewogen wurde. Nur der Adel konnte ihn sich leisten. Für die breite Bevölkerung spielte Zucker praktisch keine Rolle.
Hildegard empfiehlt nach körperlich anstrengenden Tagen eine süße Speise – jedoch ausdrücklich mit Honig. Honig galt für sie als wertvolles, stärkendes Lebensmittel. Ein echter Blütenhonig enthält Hunderte pflanzlicher Wirkstoffe, die die Bienen aus den Blüten sammeln. Dieser natürliche Honig unterscheidet sich deutlich von industriell erzeugtem Honig, bei dem Bienen mit Zucker gefüttert werden.
Der heutige Überkonsum von Zucker entstand erst, als die Zuckerrübe in Europa verbreitet wurde. Die industrielle Herstellung machte Zucker billig und allgegenwärtig. Hildegards Empfehlung bleibt daher zeitlos: Süßes ja, aber in Form von naturbelassenem Honig und in kleinen Mengen.
Alkohol: klare Regeln und therapeutischer Einsatz
Im Mittelalter gab es keinen Schnaps und keine destillierten Alkoholika. Die Destillation war in Europa noch nicht verbreitet. Die alkoholischen Getränke der Zeit waren:
Rotwein
Weißwein
Met
Bier
Hildegard bewertet sie nicht pauschal, sondern nach ihrer Wirkung und ihrem Nutzen.
Rotwein als bevorzugtes Getränk
Hildegard empfiehlt ausdrücklich kräftigen, schweren Rotwein. Der Grund liegt in den roten Farbstoffen, den Anthocyanen. Diese wirken antioxidativ und schützen Zellen vor oxidativem Stress. Rotwein dient ihr außerdem als Lösungsmittel für Heilmittel: Alkohol löst Pflanzenwirkstoffe effizient aus Kräutern und Wurzeln.
Leichte Weine lehnt sie ab, weil sie weniger Wirkstoffe enthalten und den Körper eher belasten. Weißwein erlaubt sie nur in Ausnahmefällen, wenn Säure benötigt wird – etwa zum Ausziehen bestimmter Kräuter oder in speziellen Rezepturen.
Met und Bier
Met und Bier sind für sie nur zweite Wahl. Sie können für Heilmittel genutzt werden, sind aber nicht die bevorzugte Grundlage. Für den Genuss gelten strenge Regeln: kleine Mengen, niemals übertreiben. Ein Achtel Rotwein ist erlaubt, Humpen oder große Mengen lehnt sie ab. Sie weiß, dass Alkohol schnell missbraucht wird und langfristig schadet.
Geröstete Lebensmittel
Hildegard warnt vor allem, was stark geröstet oder verbrannt ist. Dabei geht es nicht um Kaffee als Pflanze, sondern um das Prinzip des Röstens: Kohlenhydrate werden unter Hitzeeinwirkung teilweise verbrannt. Moderne Forschung bestätigt diesen Zusammenhang durch den Stoff Acrylamid, der bei stark gebräunten oder verbrannten Lebensmitteln entsteht und als krebserregend gilt.
Der Röstprozess zerstört die ursprüngliche Struktur der Kohlenhydrate. Sie sind dann schwer verdaulich, belasten den Stoffwechsel und erzeugen Stoffe, die der Körper nur mühsam abbauen kann. Röstaromen schmecken zwar gut, sind aber metabolisch problematisch.
Kaffee ist ein Beispiel dafür: Die Bohne wird vollständig durchgeröstet. Deshalb wird traditionell ein Glas Wasser dazu serviert – um die Nieren zu entlasten. Hildegard kannte keinen Kaffee, aber sie erkannte das Grundprinzip: Verbranntes belastet den Körper.
Koffein und seine Wirkung
Koffein selbst ist ein Aufputschmittel und kann in bestimmten Situationen hilfreich sein. Viele Menschen berichten, dass Kaffee Kopfschmerzen oder Migräne lindert. Das liegt an der gefäßerweiternden und neuronalen Wirkung von Koffein.
Für therapeutische Zwecke empfiehlt sich jedoch eine andere Quelle: Guarana, eine südamerikanische Pflanze mit hohem natürlichem Koffeingehalt. Guarana wirkt:
wachmachend
konzentrationsfördernd
migränelindernd
langanhaltend, ohne die starke Spitze des Kaffees
In der Hildegard‑Heilkunde kann Guarana helfen, chronische Kopfschmerzen und Migräne zu begleiten – immer eingebettet in eine ursachenorientierte Behandlung.
Zucker, Süßstoffe und das Prinzip der Discretio
Hildegard lebte in einer Zeit, in der Zucker ein Luxusgut war. Er wurde aus China importiert und war so teuer, dass nur der Adel ihn nutzen konnte. Für die breite Bevölkerung spielte Zucker kaum eine Rolle.
Sie empfiehlt Süßes – aber ausschließlich mit Honig. Honig war für sie ein wertvolles, stärkendes Lebensmittel mit bis zu 700 pflanzlichen Wirkstoffen. Echter Blütenhonig, nicht industriell erzeugter Honig, galt als Heilnahrung.
Der heutige Überkonsum von Zucker entstand erst, als die Zuckerrübe in Europa verbreitet wurde und Zucker billig wurde. Seitdem ist Zucker in nahezu allen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten.
Hildegards Grundsatz lautet: Discretio – Maß und Mitte. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Zucker ist Treibstoff, aber der Körper ist nicht dafür gemacht, ihn löffelweise zu erhalten. Übermaß führt zu Stoffwechselproblemen, Diabetes und Energieeinbrüchen.
Fette und Käse
Hildegard warnt vor hartem Käse. Ihre Begründung: Er belastet die Leber, fördert Gallensteinbildung und führt zu einer ungünstigen Zusammensetzung der Blutfette. Diese Beobachtung deckt sich mit modernen Erkenntnissen über gesättigte Fettsäuren und deren Einfluss auf den Stoffwechsel.
Fette sind für sie Treibstoffe – notwendig, aber nur in der richtigen Menge und Qualität.
Schweinefleisch: ein klarer Ausschluss
Hildegard bricht mit der Esskultur ihrer Zeit, indem sie Schweinefleisch ablehnt. Schwein war das billigste und am weitesten verbreitete Fleisch. Ihre Begründung ist bemerkenswert präzise:
Schweine haben nahezu identische Hormone wie Menschen
diese Hormone liegen in deutlich höherer Konzentration vor
der Verzehr führt zu hormonellen Übersteuerungen
die Fettsäuren des Schweins ähneln den menschlichen so stark, dass sie den Stoffwechsel irritieren
Nur extrem ausgezehrte Menschen – was wir heute als schwere Mangelernährung bezeichnen würden – dürfen laut Hildegard Schweinefleisch essen, um schnell Substanz aufzubauen. Für alle anderen gilt: meiden.
Rindfleisch: erlaubt, aber nur richtig vorbereitet
Rindfleisch enthält viel Harnsäure. Diese belastet Gelenke, Nieren und Stoffwechsel. Hildegard erlaubt Rindfleisch nur unter einer Bedingung: Es muss vorbereitet werden.
Die Vorbereitung umfasst:
Einlegen in Wasser
Zusatz von Essig
Lorbeerblätter und Thymian
mindestens eine Nacht ziehen lassen
Dadurch wird Blut ausgeschwemmt, Harnsäure reduziert und das Fleisch bekömmlicher. Die bekannte Kalbsfußsuppe empfiehlt sie nur bei Knorpelproblemen – und nur, wenn das Fleisch sauber und unbelastet ist.
Moderne Problematik: Fleischqualität heute
Hildegard konnte nicht wissen, wie stark sich die Tierhaltung verändern würde. Heute kommen weitere Belastungen hinzu:
Impfungen kurz vor der Schlachtung
Antibiotikaeinsatz
hormonelle Belastungen
industrielle Fütterung
Viele Länder impfen Rinder wenige Tage vor der Schlachtung, um Exportstandards zu erfüllen. Diese Stoffe gelangen in das Fleisch und damit in den menschlichen Körper. Auch in Europa wird in der Tierhaltung häufig medikamentös eingegriffen.
Hildegards Grundprinzip bleibt daher aktueller denn je: Nur Fleisch essen, das sauber, natürlich und unbelastet ist – und nur in Maßen.
Eiweiß, Entzündung und die Rolle der Gewürze
Hildegard beschreibt sehr klar, dass Fleisch grundsätzlich entzündungsfördernd wirkt. Das liegt nicht am Fleisch selbst, sondern an der Art, wie Eiweiße im Körper verarbeitet werden. Werden Eiweiße nicht vollständig gespalten, gelangen sie unverdaut in tiefere Darmabschnitte. Dort beginnen Fäulnisprozesse, die:
die Darmschleimhaut reizen
das Immunsystem belasten
Entzündungen fördern
Deshalb betont sie die Bedeutung der Gewürze. Ysop ist ein Beispiel: Es aktiviert Verdauungsenzyme und dämpft die Entzündungsreaktion. Gewürze dienen nicht nur dem Geschmack, sondern wirken wie kleine „Verdauungskatalysatoren“.
Arthrose und Knorpelaufbau
Für Knorpelverschleiß empfiehlt Hildegard nicht primär Fleisch, sondern spezifische Substanzen, die den Knorpelaufbau unterstützen. In der modernen Anwendung wird häufig Haifischknorpel genannt, weil er reich an Strukturproteinen ist. Die Grundidee ist dieselbe: Knorpel braucht Bausteine, die der Körper verwerten kann, ohne entzündliche Prozesse zu verstärken.
Bio – ein schwieriges Thema
Hildegard fordert Reinheit und Natürlichkeit. Moderne Bio‑Labels erfüllen diesen Anspruch nicht immer. Zertifizierungen können lückenhaft sein, und ohne echte Boden‑ und Pflanzenanalysen bleibt vieles unklar. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern die tatsächliche Qualität.
Salz, Getränke und weitere kleine, aber wichtige Bausteine
Meersalz statt Steinsalz
Hildegard bevorzugt Meersalz. Der Grund: Steinsalz verliert sein natürliches Jod durch Sublimation. Jod ist flüchtig und verschwindet innerhalb weniger Monate. Meersalz enthält anfangs mehr Jod, verliert es aber ebenfalls mit der Zeit. Frisches Meersalz ist daher die bessere Wahl.
Kohlensäurehaltige Getränke
Kohlensäure senkt den Sauerstoffgehalt im Blut. Hildegard stuft solche Getränke als belastend ein. Sie bevorzugt stilles Wasser und Kräuterauszüge.
Milchprodukte
Milchprodukte sind für Hildegard heikel. Ohne Kühlung verdarben sie schnell und konnten schwere Infektionen auslösen, etwa das sogenannte maltesische Fieber. Deshalb erlaubt sie nur:
Schafkäse
Ziegenkäse
Alles andere wird gemieden, besonders bei Kranken.
Die Heilmittel: Tees, Kräuterweine und die Logik dahinter
Kräuterweine als Lösungsmittel
Hildegard nutzt Wein nicht als Genussmittel, sondern als Extraktionsmedium. Alkohol löst Wirkstoffe aus Pflanzen, die in Wasser allein nicht ausreichend herauskommen. Ein Esslöffel eines Kräuterweins enthält nur minimale Alkoholmengen, aber eine hohe Konzentration an Pflanzenwirkstoffen.
Honig dient als Konservierungsmittel. Beim Kochen verliert er seine heilsamen Eigenschaften, aber er stabilisiert das Präparat. Propolisreste im echten Honig wirken zusätzlich antibakteriell.
Die moderne Weiterentwicklung: Tinkturen
Die Idee, Hildegards Rezepte in Form von Tinkturen umzusetzen, folgt ihrer Logik: Wirkstoffe sollen schnell und vollständig verfügbar sein. Alkoholische Auszüge werden über die Schleimhäute rasch aufgenommen und wirken unmittelbar.
Ein Beispiel ist Galgant:
als Wurzel gekaut wirkt er langsam
als alkoholischer Auszug wirkt er schnell, herzstärkend und stoffwechselaktivierend
Die Kunst der Kombination
Hildegard betont, dass Kräuter nicht additiv wirken, sondern reaktiv. Die Mischung verändert die Wirkung. Moderne Analytik bestätigt das: Die Proportionen bestimmen, welche Reaktionsprodukte entstehen.
Ein Beispiel:
Brennnessel + Poleiminze + Galgant in gleichen Teilen ergeben ein Herzmittel
dieselben Kräuter in anderen Mengenverhältnissen ergeben ein Nervenmittel
Die Wirkung entsteht aus der Kombination, nicht aus der Summe der Einzelteile.
Der Werkzeugkasten
Hildegard beschreibt über 120 Kräuter und mehr als 2300 Rezepturen. Die Kombinationen sind nahezu unendlich. Die Kunst besteht darin, aus diesem Werkzeugkasten genau jene Mittel auszuwählen, die zur Ursache einer Krankheit passen.
Damit wird die Hildegard‑Medizin zu einem hochdifferenzierten System, das:
Ursachen erkennt
individuell behandelt
Ernährung, Lebensführung und Heilmittel verbindet
Ursachenorientierte Behandlung statt Symptomunterdrückung
Hildegard unterscheidet bei jeder Krankheit verschiedene Auslöser. Ein einziges Symptom – etwa Migräne – kann völlig unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb gibt es bei ihr nicht „das eine Mittel“, sondern viele Wege, je nach Ursprung.
Migräne als Beispiel
Sie beschreibt mehrere Migräneformen:
Nackenmigräne durch Verspannungen Behandlung: Massagen, Öle, Wärme, Entspannung des Muskelapparats
Darmmigräne durch gestörte Darmflora oder unzureichende Versorgung des Gehirns Behandlung: Birnbrei, Aufbau der Darmflora, Ernährungsumstellung
Immunmigräne durch Fehlreaktionen des Immunsystems Behandlung: spezifische Kräuterweine, entzündungsregulierende Pflanzen
Hormonmigräne durch hormonelle Dysbalance Behandlung: hormonregulierende Kräuter wie Kubeben
Jede Form hat eine andere Ursache – und deshalb eine andere Therapie.
Augenheilkunde: das Auge als „kleines Herz“
Hildegard bezeichnet das Auge als „kleines Herz“. Diese Aussage wirkt poetisch, ist aber physiologisch erstaunlich präzise. Der Augeninnendruck hängt eng mit Kreislauf, Herzleistung und Gefäßspannung zusammen.
Die moderne Medizin behandelt erhöhten Augeninnendruck mit Betablockern – denselben Wirkstoffen, die auch das Herz entlasten. Hildegard geht den Weg über die Ursache:
Herz stärken
Kreislauf regulieren
Blutfluss harmonisieren
Wenn das Herz stabil arbeitet, sinkt der Augeninnendruck. Sie lehnt invasive Eingriffe ab und setzt auf systemische Regulierung statt lokaler Unterdrückung.
Autoimmunerkrankungen, Allergien, Rheuma, Tumore
Hildegard beschreibt Autoimmunprozesse, ohne den modernen Begriff zu kennen. Sie erkennt:
Fehlsteuerungen des Immunsystems
entzündliche Überreaktionen
toxische Belastungen
Stoffwechselentgleisungen
Ihre Heilmittelkombinationen sind darauf ausgelegt, diese Ursachen zu korrigieren. Sie liefert damit eine frühe Vorlage für ganzheitliche Immuntherapie.
Bei Tumoren beschreibt sie Pflanzenkombinationen, die das Wachstum hemmen oder den Körper stärken sollen. Auch hier gilt: nicht ein Mittel, sondern eine Kombination, abgestimmt auf die Ursache.
Die Bedeutung der Umweltbelastung heute
Der Vortrag wechselt an dieser Stelle zu einem wichtigen Thema: Kontamination. Hildegard konnte nicht wissen, wie stark moderne Umweltgifte den Körper belasten würden. Heute wirken:
Pestizide
Herbizide
Schwermetalle
hormonaktive Substanzen
Mikroplastik
Medikamentenrückstände
Industriechemikalien
Viele davon sind in Luft, Wasser, Böden und Lebensmitteln nachweisbar.
Das Problem der Grenzwerte
Grenzwerte werden politisch festgelegt, nicht biologisch. Sie sagen nicht aus, dass ein Stoff harmlos ist – nur, dass er in dieser Menge als „vertretbar“ gilt. Doch viele Stoffe:
reichern sich im Körper an (Bioakkumulation)
wirken erst nach Jahren
entfalten ihre Wirkung im Zusammenspiel mit anderen Stoffen
Ein Stoff unter dem Grenzwert ist nicht automatisch unbedenklich.
Bio – ein unvollständiges System
Bio-Zertifikate prüfen selten:
Abdrift von Pestiziden vom Nachbarfeld
Bodenbelastungen
Luftkontamination
Wasserqualität
organische Schadstoffe
Ein Feld kann biologisch bewirtschaftet werden und dennoch kontaminiert sein. Ohne umfassende Messungen bleibt „Bio“ ein Teilversprechen.
Wasser als Beispiel
Selbst sehr sauberes Trinkwasser enthält heute oft:
Medikamentenrückstände
hormonaktive Substanzen
Industriechemikalien
Mikroplastik
Diese Stoffe werden selten vollständig gemessen. Die offiziellen Werte konzentrieren sich auf wenige Parameter wie Nitrat oder Phosphat. Die organischen Verbindungen bleiben weitgehend unberücksichtigt.
Warum diese Themen in einen Hildegard‑Vortrag gehören
Hildegard fordert Reinheit, Klarheit und Ursachenverständnis. In einer modernen Welt bedeutet das:
Belastungen erkennen
Quellen von Giften identifizieren
Bioakkumulation verstehen
Ernährung und Heilmittel anpassen
Ursachen statt Symptome behandeln
Ihre Lehre ist nur dann wirksam, wenn die Umgebung berücksichtigt wird, in der Menschen heute leben.
Unsichtbare Belastungen: ein Beispiel mit Uran
Ein Thema, das heute kaum jemand kennt, aber enorme Bedeutung hat, ist die Belastung landwirtschaftlicher Böden durch Uran. In mineralischen Phosphatdüngern – den klassischen NPK‑Düngern – steckt natürlicherweise Uran, weil es im Phosphatgestein gebunden ist. Wird dieses Gestein abgebaut, gelangt das Uran automatisch in den Dünger und damit auf die Felder.
Der Landwirt weiß davon meist nichts, denn es steht nicht auf der Verpackung. Die EU diskutiert seit Jahrzehnten über Grenzwerte, ohne klare Vorgaben zu verabschieden. Die Mengen sind erheblich: Jedes Jahr gelangen so große Uranmengen auf europäische Böden, dass sie theoretisch zwei Atomkraftwerke betreiben könnten. Das Uran landet schließlich in Pflanzen, Tieren und im Menschen.
Dieses Beispiel zeigt, wie komplex moderne Umweltbelastungen sind – und wie wenig davon im Alltag sichtbar wird.
Warum dieses Wissen wichtig ist
Wer Gesundheit verstehen will, muss die gesamte Umgebung betrachten. Hildegard fordert genau das: Ursachen erkennen, Zusammenhänge sehen, nicht blind vertrauen. Moderne Landwirtschaft, industrielle Prozesse und globale Lieferketten bringen Stoffe in den Kreislauf, die sich im Körper anreichern können.
Viele Schadstoffe wirken nicht sofort. Sie sammeln sich über Jahre an – Bioakkumulation. Erst wenn eine kritische Menge erreicht ist, treten Symptome auf. Das gilt für Schwermetalle, Pestizide, hormonaktive Substanzen und viele organische Verbindungen.
Grenzwerte helfen hier wenig. Sie sagen nur, dass ein Stoff in dieser Menge „akut nicht schädlich“ ist. Sie sagen nichts darüber aus, was passiert, wenn er sich über Jahre im Körper ansammelt.
Warum Bio nicht automatisch Reinheit bedeutet
Bio‑Zertifikate prüfen nur einen kleinen Ausschnitt. Sie kontrollieren:
wie ein Landwirt arbeitet
welche Mittel er selbst einsetzt
Sie prüfen jedoch selten:
Abdrift von Pestiziden vom Nachbarfeld
Belastungen im Boden
Schadstoffe im Wasser
Luftkontamination
organische Rückstände
Schwermetalle
Ein Feld kann biologisch bewirtschaftet werden und trotzdem kontaminiert sein. Ohne umfassende Messungen bleibt „Bio“ ein Teilversprechen. Für echte Reinheit braucht es 360‑Grad‑Analytik – etwas, das in der Praxis kaum stattfindet.
Dasselbe gilt für Trinkwasser. Offizielle Messungen konzentrieren sich auf wenige Parameter wie Nitrat oder Phosphat. Tausende organische Stoffe bleiben unberücksichtigt, obwohl sie in Flüssen, Seen und Grundwasser nachweisbar sind.
Zurück zu Hildegard: Therapie als System, nicht als Einzelmittel
Heilmittel wirken miteinander
In der Hildegard‑Medizin reagiert kein Heilmittel isoliert. Jede Pflanze, jeder Wein, jede Tinktur interagiert mit anderen Bestandteilen der Therapie. Die Kunst besteht darin, die Mittel so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig verstärken, statt zu stören.
Dafür muss die Ursache der Krankheit klar sein. Hildegard beginnt immer mit dem Verstehen:
Was ist die Wurzel des Problems?
Wo ist der Körper aus dem Gleichgewicht geraten?
Welche Systeme sind beteiligt?
Erst dann wird der Werkzeugkasten geöffnet.
Diagnostik als Grundlage
Um Ursachen zu erkennen, braucht es präzise Diagnostik. Blutwerte, Stoffwechselparameter, Immunmarker – all das zeigt, wo der Körper aus der Balance geraten ist. Nur mit diesem Wissen lässt sich eine Therapie sinnvoll zusammenstellen.
Ziel der Therapie: vollständige Wiederherstellung
Hildegard verfolgt ein klares Ziel: Der Mensch soll am Ende keine Heilmittel mehr brauchen. Die Therapie ist zeitlich begrenzt. Sie soll den Körper so weit stabilisieren, dass er wieder selbst regulieren kann.
Das bedeutet:
Während der Therapie: konsequent bleiben
Nach der Therapie: wieder frei leben können
Ernährung: wieder flexibel
Heilmittel: nicht dauerhaft, sondern kurweise
Das unterscheidet Hildegard grundlegend von vielen modernen Ansätzen, die auf lebenslange Medikamenteneinnahme setzen.
Ausleitungsverfahren: sanft, gezielt, niemals radikal
Aderlass
Der Hildegard‑Aderlass ist kein radikaler Blutverlust. Er umfasst nur 20–60 ml Blut – weniger als ein Reagenzglas. Entscheidend ist:
der richtige Zeitpunkt
die richtige Vene
der richtige Mondstand
die richtige Vorbereitung
Der Aderlass dient der Entgiftung, aber immer sanft. Der Körper soll entlastet werden, nicht geschwächt.
Schröpfen, Dampfbäder, Kräuterbäder
Alle Ausleitungsverfahren folgen demselben Prinzip:
Giftstoffe lösen
den Körper entlasten
gleichzeitig Nährstoffe und Pflanzenkräfte zuführen
Die Haut ist durchlässig. Sie kann aufnehmen und abgeben. Hildegard nutzt diese Eigenschaft gezielt, indem sie Kräuter in Bäder und Dämpfe einbindet.
Der Unterschied zur Schulmedizin
Die Schulmedizin behandelt Symptome:
Schmerz → Schmerzmittel
Entzündung → Entzündungshemmer
hoher Blutdruck → Blutdrucksenker
Hildegard fragt:
Warum ist der Schmerz da?
Warum entzündet sich etwas?
Warum steigt der Blutdruck?
Sie behandelt die Ursache, nicht das Symptom. Und sie erwartet, dass der Körper wieder vollständig gesund wird – nicht nur stabilisiert.
Der Kern ihrer Botschaft
Hildegard fordert:
Hinschauen
Verstehen
Verantwortung übernehmen
Ursachen erkennen
Gesundheit aktiv gestalten
„Wisse die Wege“ – so lautet der Titel ihres Hauptwerks. Es bedeutet: Erkenne, wie dein Körper funktioniert, und handle danach.
Dünnkräuter: warum gekocht?
Hildegard unterscheidet zwischen Kräutern, die roh wirken, und solchen, die erst durch Hitze ihre heilsame Qualität entfalten. Dünnkräuter – also Kräuter, die den Stoffwechsel anregen, Schleim lösen und die Verdauung unterstützen – sollen gekocht werden. Durch das Kochen verändern sich ihre Inhaltsstoffe so, dass sie:
besser verträglich sind
ihre Wirkung gezielter entfalten
den Körper nicht reizen
Quendel kann auch als Tee oder fein gemahlen über Speisen verwendet werden, wirkt aber gekocht am stärksten. Ysop hingegen muss gekocht werden, weil er roh toxisch ist. Die Hitze neutralisiert die giftigen Bestandteile und aktiviert gleichzeitig die magenstärkenden Eigenschaften.
Bier: warum es kein Getränk ist
Bier ist für Hildegard kein Durstlöscher, sondern ein Nahrungsmittel. Es besteht aus:
gemälzter Gerste
Eiweißen
Kohlenhydraten
Hefe
Hopfen
Es ist flüssiges Brot – energiereich, sättigend und schwer. Wer körperlich hart arbeitet, kann die Energie sofort verbrauchen. Wer jedoch überwiegend sitzt, belastet mit Bier:
Leber
Stoffwechsel
Gewicht
Hormonhaushalt
Bier ist nicht „schlecht“, aber es ist kein neutrales Getränk. Es gehört in die Kategorie der energiereichen Nahrungsmittel, die bewusst und sparsam eingesetzt werden sollten.
Kapseln, Pulver und die Frage nach der Form
Hildegard arbeitete nie mit Kapseln. Für sie zählte ausschließlich der Inhalt, nicht die Verpackung. Kräuter wurden:
gemahlen
in Wasser, Wein oder Essig ausgezogen
mit Honig verrührt
oder direkt gekaut
Kapseln sind eine moderne Bequemlichkeitsform, aber nicht notwendig. Pulver in Dosen, die mit einem Löffel dosiert werden, entsprechen ihrer ursprünglichen Anwendung deutlich besser.
Intelligenzkekse: Zimt, Nelke, Muskat
Die berühmten „Intelligenzkekse“ – ursprünglich „Nervenkekse“ – bestehen aus drei Gewürzen:
Zimt
Nelken
Muskat
Alle drei wirken:
nervenstärkend
konzentrationsfördernd
stimmungsaufhellend
durchblutungsanregend
Sie eignen sich morgens, um geistige Leistungsfähigkeit und Ausdauer zu steigern. Abends hingegen können sie den Schlaf stören, da sie aktivierend wirken.
Süßes als Nervenfutter
Süßes beruhigt das Belohnungszentrum des Gehirns. Statt Schokolade oder Industriezucker empfiehlt Hildegard:
Datteln
Rosinen
Cranberries
dunkle Schokolade mit sehr wenig Zucker
Trockenfrüchte
Diese liefern natürliche Süße, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe – ohne den Stoffwechsel zu überlasten.
Kleine Rituale zur Entspannung
Ein kleines Stück dunkle Schokolade und ein Achtel Rotwein am Abend können beruhigen und entspannen. Hildegard erlaubt solche kleinen Mengen ausdrücklich – unter dem Prinzip der Discretio, der Maßhaltung.
Edelsteinwasser: physikalische statt chemische Wirkung
Hildegard beschreibt Edelsteinwasser als unterstützendes Heilmittel. Moderne Untersuchungen zeigen:
Chemisch verändert sich das Wasser kaum
Physikalisch jedoch verändert sich die Oberflächenspannung
Jeder Stein erzeugt ein eigenes Spannungsprofil
Diese Veränderungen sind messbar und reproduzierbar
Damit bestätigt sich: Edelsteine wirken nicht über gelöste Stoffe, sondern über physikalische Eigenschaften des Wassers. Das erklärt, warum Hildegard ihnen eine spezifische Wirkung zuschreibt.
Galgant: warum keine Tabletten?
Galganttabletten enthalten meist:
Laktose
Zucker
Füllstoffe
Das widerspricht Hildegards Ansatz. Sie empfiehlt:
die frische Wurzel zu kauen
oder eine Tinktur zu verwenden
Beides bringt die Wirkstoffe direkt über die Schleimhäute in den Körper – schnell und effektiv.
Nachtschattengewächse: die vier problematischen
Hildegard warnt vor:
Tomate
Kartoffel
Paprika
Aubergine
Alle vier enthalten Solanin oder verwandte Stoffe, die:
das Immunsystem belasten
Entzündungen fördern
neurologisch wirken können
Sie gehören zu den Lebensmitteln, die während einer Therapie konsequent gemieden werden sollten.
Wermutkur: die große Präventionsmaßnahme
Die Wermutkur ist eines der wichtigsten Präventionsmittel der Hildegard‑Medizin. Sie wird im Mai begonnen und drei Monate lang durchgeführt. Ihre Wirkung:
stärkt die Abwehr
stabilisiert den Stoffwechsel
verhindert Winteranfälligkeit
gleicht Frühjahrsmüdigkeit aus
Moderne Blutbilder bestätigen: Die Leukozytenaktivität steigt während der Kur deutlich an und bleibt über Monate stabil.
Warum die Wermutkur im Mai beginnt
Im Frühjahr ist der Körper geschwächt:
der Winter zehrt an der Abwehr
die Temperaturen schwanken
die Darmflora ist oft reduziert
Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind häufig
Die Wermutkur fängt den Körper genau in dieser Phase auf und baut ihn systematisch wieder auf.
Jodversorgung: warum die Form entscheidend ist
Die Schilddrüse kann ohne Jod keine Hormone bilden. Das ist unstrittig. Entscheidend ist jedoch wie Jod im Körper ankommt. Die Schilddrüse ist evolutionär darauf eingestellt, Jod in kleinen, natürlichen Mengen aufzunehmen – so, wie es in Lebensmitteln vorkommt.
Stückweise Aufnahme: über Meeresfisch, Meeresalgen, Meersalz, Pflanzen aus jodreichen Regionen
Stoßweise Aufnahme: über jodiertes Salz, Tabletten oder hochkonzentrierte Zusätze
Stoßweise Jodzufuhr überfordert die Schilddrüse. Jod gelangt innerhalb von etwa 15 Minuten nach dem Essen direkt und unverändert in die Schilddrüse. Eine große Menge auf einmal wirkt wie ein Schlag – die Schilddrüse reagiert mit Stress, Überproduktion oder Entzündung.
Das erklärt, warum jodiertes Salz problematisch sein kann. Die natürliche, kleinteilige Aufnahme ist für die Schilddrüse physiologisch sinnvoller.
Historische Hintergründe
Die deutsche Bevölkerung wurde im 20. Jahrhundert mehrfach zwangsweise jodiert. Die Folge war ein deutlicher Anstieg von:
Schilddrüsenknoten
Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto
Schilddrüsentumoren
Das Buch Die Jodlüge beschreibt diese Entwicklung ausführlich. Trotz jahrzehntelanger Jodierung hat sich die Schilddrüsengesundheit nicht verbessert – im Gegenteil.
Fluoriertes Salz
Fluor ist eines der reaktivsten Elemente überhaupt. Es ist nicht essentiell und kann in größeren Mengen toxisch wirken. Fluoriertes Salz gehört deshalb nicht in die tägliche Ernährung.
Ersatzmilchsorten: was sie sind – und was nicht
Mandelmilch, Hafermilch, Reismilch und ähnliche Produkte sind keine Milch, sondern pflanzliche Emulsionen. Milch im biologischen Sinn ist:
eine Emulsion aus Fett, Eiweiß und Wasser
ein vollständiges Nahrungsmittel
ein Produkt von Säugetieren
Pflanzliche „Milch“ ist:
püriertes Pflanzenmaterial
mit Wasser vermischt
oft mit Emulgatoren stabilisiert
Sie kann sinnvoll sein, wenn sie frei von Zusatzstoffen ist. Doch sie ersetzt nicht die physiologischen Eigenschaften tierischer Milch.
Wasserfilter: Nutzen und Grenzen
Wasserfilter können Schadstoffe entfernen, aber sie erzeugen ein neues Problem: Der Filter sammelt die Stoffe hochkonzentriert an. Der Filter selbst wird zu Sondermüll. Das löst das Grundproblem nicht, sondern verschiebt es.
Langfristig wäre entscheidend:
Verschmutzung an der Quelle zu verhindern
klare Grenzwerte für organische Stoffe einzuführen
Wasserwerke zu verpflichten, alle relevanten Stoffe zu entfernen
Antibiotika, Hormone und Medikamentenrückstände gehören nicht ins Trinkwasser. Punkt.
Diamantwasser und Edelsteinphysik
Edelsteinwasser wirkt nicht über Chemie, sondern über Physik. Messungen zeigen:
Die Oberflächenspannung des Wassers verändert sich je nach Stein
Jeder Stein erzeugt ein charakteristisches Spannungsprofil
Diese Veränderungen sind reproduzierbar
Diamantwasser wirkt blutdrucksenkend. Dafür braucht es keinen geschliffenen Schmuckdiamanten – ein einfacher Industrie-Diamant genügt.
Leberreinigung: Lebertee- die Teemischung
Die Leber besitzt ein eigenes Immunsystem – die Kupffer‑Sternzellen. Sie schützen das Organ vor Schadstoffen und Entzündungen. Hildegards Lebertee unterstützt diese Funktion. Er enthält:
Tausendgüldenkraut
Weidenröschen
Rosenblüten
Mariendistel
Fenchel
In der richtigen Mischung wirkt er:
leberreinigend
regenerierend
gallensteinabbauend
fettlebersenkend
blutfettsenkend
immunstärkend
Die Mischung ist entscheidend – nicht die Einzelkräuter.
Wermut: Tropfen, Tee und der Mai‑Trank
Wermut ist eines der stärksten Bitterkräuter. Als Tee ist er extrem bitter und wirkt:
verdauungsfördernd
gallentreibend
schleimlösend
entzündungshemmend
Als alkoholischer Auszug verändert sich der Geschmack und die Wirkung wird breiter, weil ätherische Öle besser gelöst werden.
Der berühmte Mai‑Trank dient der Immunstärkung:
Beginn im Mai
Einnahme über 90 Tage
Aufbau der Abwehr für Herbst und Winter
Blutbilder zeigen: Die Leukozytenaktivität steigt während der Kur deutlich an und bleibt über Monate stabil.
Meersalz, Steinsalz und Himalayasalz
Hildegard unterscheidet Salz nicht nach Marketingbegriffen, sondern nach Entstehung und Wirkung. Meersalz entsteht durch Verdunstung von Meerwasser. Dabei spielen:
Mineralgehalt
Mikroalgen
Sonneneinstrahlung
Kristallisationsprozesse
eine Rolle. Die oberste Schicht, die Salzblüte, schmeckt feiner, ist aber mineralisch ärmer. Das grobe, unraffinierte Meersalz enthält mehr natürliche Spurenelemente und Mikroalgenreste, die dem Körper zugutekommen.
Himalayasalz ist ein Steinsalz. Es enthält Mineralien, aber kein natürliches Jod mehr, weil Jod aus Steinsalz über Jahrtausende verdampft (Sublimation). Es ist daher nicht mit Meersalz gleichzusetzen.
Laktoseintoleranz: ein Enzymproblem, kein Schicksal
Laktoseintoleranz bedeutet nicht, dass Milch „schlecht“ ist, sondern dass der Körper zu wenig Laktase bildet. Dieses Enzym spaltet Milchzucker. Fehlt es, reagiert der Darm mit:
Blähungen
Durchfall
Entzündungen
Hildegard beschreibt bereits im Mittelalter, dass Enzymbildung anregbar ist. Muskatellersalbei (Sclarea) ist eines der Kräuter, die die Enzymproduktion unterstützen können. Das Ziel ist nicht Verzicht, sondern Wiederherstellung der Funktion.
Jod aus natürlichen Quellen
Jod gehört in die Schilddrüse – aber in kleinen Mengen, so wie es in der Natur vorkommt. Gute Quellen sind:
Meeresfisch
Meeresalgen aus unbelasteten Gewässern
Pflanzen aus jodreichen Regionen
Wichtig ist die Herkunft. Algen aus belasteten Zonen (z. B. Fukushima, Industriehäfen) sind ungeeignet. Traditionelle Algenkulturen wie auf Sansibar oder in Teilen Irlands und der Bretagne liefern hochwertige, unbelastete Ware.
Auch Kastanien aus jodreichen Böden enthalten Jod – solche aus jodarmen Regionen nicht. Pflanzen spiegeln immer den Boden wider, aus dem sie wachsen.
Tee als Heilmittel
Tee ist in der Hildegard‑Medizin kein Getränk, sondern ein Heilmittel. Seine Wirkung hängt ab von:
der Pflanze
der Mischung
der Ziehzeit
dem Zeitpunkt der Einnahme
Beispiele:
Fenchel‑Balsam‑Tee stärkt das Nervensystem, wirkt aber am besten, wenn er vormittags getrunken wird.
Beifußtee hilft bei schwerem Essen und verhindert Magenbrennen.
Teemischungen wirken nicht additiv – sie verändern sich durch die Kombination.
Für eine Tasse genügt ein Teelöffel, für einen halben Liter ein Esslöffel.
Kinder und Hildegard‑Heilmittel
Kinder können viele Hildegard‑Mittel nutzen – aber angepasst:
Tee nur kurz ziehen lassen (2 Minuten)
kleine Mengen (z. B. 100 ml)
milde Kräuter bevorzugen
Kinder, die früh mit Tee, Wasser und natürlichen Getränken aufwachsen, entwickeln ein gesundes Bewusstsein für Ernährung. Sie greifen später intuitiv zu dem, was ihnen guttut.
Rohkost: warum Hildegard vorsichtig ist
Rohkost ist nicht per se schlecht, aber sie birgt Risiken:
Keime und Bakterien
Belastungen aus Dünger oder Bewässerung
schwerere Verdaulichkeit
stärkere Immunreaktionen
Hildegard bevorzugt kalt gekochte Speisen – also Essigbeizen, Kräuterbeizen und schonende Zubereitung. Gekochte Speisen sind immunologisch leichter zu verarbeiten. Das Immunsystem wird nicht unnötig gereizt.
In einer Welt voller Umweltgifte ist das Immunsystem ohnehin überlastet. Rohkost kann es zusätzlich strapazieren.
Hautausschläge: von innen oder außen?
Die Haut ist das größte Organ des Menschen und reagiert auf innere wie äußere Reize. Bei Hautausschlägen ist die erste Frage immer:
Kommt der Reiz von außen? (Pilze, Bakterien, Verletzungen, Kontaktstoffe)
Oder von innen? (Allergien, Unterhautentzündungen, Stoffwechselprobleme, hormonelle Ursachen)
Hildegard empfiehlt, die Selbstregeneration der Haut zu nutzen. Die Haut erneuert sich täglich, schiebt neue Zellen nach und kann viele Störungen selbst ausgleichen.
Eine zentrale Anwendung ist die Tausendgüldenkraut–Carqueja‑Mischung als Badesud. Beide Kräuter zu gleichen Teilen gekocht, dann als Vollbad angewendet. Das:
fördert die Hauterneuerung
beruhigt Entzündungen
unterstützt die Abheilung
Erst wenn klar ist, welche Art von Hautproblem vorliegt, wird spezifisch behandelt – etwa bei Pilzen, Ekzemen oder allergischen Reaktionen.
Meeresfrüchte: warum Hildegard sie meidet
Meeresfrüchte sind Filtertiere. Sie reinigen das Wasser, indem sie alles aufnehmen, was darin schwimmt – inklusive:
Schwermetalle
Antibiotika
Mikroplastik
Industriechemikalien
Deshalb sind sie heute besonders riskant. Wer sie dennoch essen möchte, sollte nur Ware aus offenen, unbelasteten Fanggebieten wählen – weit draußen, nicht aus Küstennähe oder Aquakulturen.
Kochen: nicht zerstören, sondern verwandeln
Die Vorstellung, Kochen zerstöre Vitamine, ist nur teilweise richtig. Kochen ist ein chemischer Reaktionsprozess, der Stoffe verändert – manchmal zum Vorteil.
Beispiele:
Vitamin B12 bleibt beim Kochen erhalten, wenn es im Lebensmittel vorhanden ist und die Darmflora es verwerten kann.
Vitamin C (Ascorbinsäure) bleibt stabil, wenn es in einer sauren Umgebung gekocht wird, etwa mit Zitrone.
Pilze bilden Vitamin D, wenn sie nach der Ernte einen Tag in der Sonne liegen. Dieses Vitamin bleibt beim Kochen erhalten, wenn etwas Fett zugegeben wird.
Karotten geben ihr Beta‑Carotin nur frei, wenn Fett vorhanden ist.
Kochen kann also Nährstoffe aktivieren, nicht nur zerstören.
Nachtschattengewächse: warum Vorsicht
Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Auberginen enthalten Solanin oder verwandte Stoffe. Diese können:
das Immunsystem reizen
Entzündungen fördern
neurologisch wirken
Ein gesunder Mensch kann gelegentlich kleine Mengen vertragen. In einer Therapie oder bei geschwächter Abwehr sollten sie jedoch gemieden werden.
Haut, Akne und Wasserstoffperoxid
Wasserstoffperoxid sterilisiert die Haut vollständig. Das klingt gut, führt aber zu einem Problem:
Eine sterile Haut wird sofort neu besiedelt
Die ersten Keime, die kommen, sind oft die falschen
Die Hautflora gerät aus dem Gleichgewicht
Bei Akne ist es sinnvoller, Hormone, Darmflora und Entzündungsneigung anzuschauen, statt die Haut radikal zu desinfizieren.
Ernährung: Abwechslung statt täglicher Wiederholung
Nahrung soll heilen – das ist Hildegards Grundsatz. Deshalb gilt:
Heilmittel → regelmäßig, um einen Wirkstoffspiegel aufzubauen
Nahrung → abwechslungsreich, um den Körper nicht einseitig zu belasten
Wer täglich dasselbe isst, riskiert Mangel oder Überlastung. Vielfalt schützt.
Fermentierte Lebensmittel
Fermentation ist eine der ältesten Formen der Lebensmittelveredelung. Milchsäurebakterien:
stärken die Darmflora
verbessern die Verdauung
unterstützen das Immunsystem
Nicht nur Kohl lässt sich fermentieren. Auch:
Karotten
grüne Bohnen
Rote Bete
Rettich
können fermentiert werden.
Blutdruck: Bertramwein und Petersilienwein
Hildegard kennt zwei einfache, aber wirksame Mittel:
Bertramwein
Für niedrigen Blutdruck. Rezept:
Rotwein
2 gehäufte Esslöffel Bertramwurzel
30–40 g Honig
kurz aufkochen, abfiltern, abfüllen
Morgens 20 ml heben den Blutdruck sanft an und machen wach. Nicht geeignet bei Bluthochdruck.
Petersilienwein
Für hohen Blutdruck. Aufwendiger in der Herstellung, aber wirksam blutdrucksenkend.
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