Eine Gruppe religiös orientierter Menschen hat sich zur Aufgabe gemacht, sich mit dem GLAUBEN intensiv zu beschäftigen. Um die Bibel und unzähligen anderen Möglichkeiten herum wurde eine Diskussionsgruppe gegründet, an der jeder teilnehmen kann. Die Ergebnisse dieser Gruppe wird zusammengefasst und hier veröffentlicht. Wenn Sie uns ihre Meinung über Ihre Glaubensrichtung mitteilen möchten und an dieser Gruppe mitarbeiten möchten, dann senden Sie uns eine
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55. Du kannst das Sterben simulieren
Unglaublich aber wahr:
Forscher der Universität Barcelona haben herausgefunden, dass eine simple Simulation dabei helfen kann, die Angst vor dem Tod zu lindern.
Die Untersuchung beruht auf der Erkenntnis, dass Menschen mit Nahtoderfahrungen meist weniger Angst vor dem Tod haben als andere.
Die Forscher haben festgestellt, dass dieses Phänomen auch künstlich durch die Simulation einer außerkörperlichen Erfahrung („Out-of-Body-Experience“) erzeugt werden kann. Dazu benutzten sie einen relativ simplen Versuchsaufbau:
Dem Probant wird mittels einer Virtual-Reality-Brille und Vibrationssensoren sugeriert, dass Bälle auf ihn herabregnen. Dabei befindet er sich in der Ego-Perspektive und spürt die Bälle über die Sensoren.
Nach einer Weile wird in die Perspektive einer dritten, außenstehenden Person gewechselt und die Sensoren werden deaktiviert. Der Probant spürt nichts mehr, sieht aber seinen ursprünglichen virtuellen Körper von außen, der immer noch mit Bällen beregnet wird.
Die anschließende Befragung und der Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die die Bälle durchgehend spürte, zeigte:
Ein virtuelles Nahtoderlebnis lindert die Angst vor dem Tod!
Die Ergebnisse legen nahe, dieses Verfahren künftig zur Therapie für Menschen mit großer Todesangst zugänglich zu machen.
Leider habe ich noch keinen Weg gefunden, das Verfahren mit überschaubarem Aufwand selbst nachzustellen. Falls du jemanden kennst, der das kann oder vielleicht sogar tut, lass es uns bitte in den Kommentaren wissen. Vielleicht kann es jemandem helfen, der sich mit der Angst vor dem Tod sehr stark quält.
56. Du kannst lernen loszulassen
Das Loslassen ist das elementare Prinzip, das dem Überwinden der Angst vor dem Tod zugrunde liegt.
Es ist ja schon in vielen Punkten angeklungen:
Der Tod bzw. das Aufgeben des eigenen Lebens ist die ultimative Loslass-Herausforderung.
Wäre es da nicht von Vorteil, wenn man sich schon zu Lebzeiten im Loslassen üben würde?
Ich finde es geradezu fahrlässig, die Augen davor zu verschließen und so zu tun, als würde man sein Leben niemals loslassen müssen, obwohl man weiß, dass es irgendwann zwangsläufig soweit kommt!
Weil diese Fähigkeit des Loslassens so elementar ist und weil ich viele Fragen dazu bekommen habe, habe ich beschlossen, ein Buch zu schreiben, in dem ich dir Schritt für Schritt zeige, wie du das Loslassen erlernst und dich damit von deinen Ängste befreist und zu einem freien und leichten Leben findest und selbst dieses am Ende loslassen kannst: Zum Buch >>
Fazit
Die Angst vor dem Tod hält uns vom Leben ab, nicht vom Sterben!
Wir haben gesehen, dass du weder Angst vor dem Sterben, noch vor dem tot sein haben musst und, dass es viele Gründe für ein mögliches Weiterexistieren in einer anderen Form gibt.
Ich wünsche mir sehr, dass dir diese Auflistung dabei hilft, den Tod zu akzeptieren und ihn als Teil des Lebens anzusehen. Berichte mir in den Kommentaren, ob es bei dir funktioniert hat:
Welche Gründe haben dich überzeugt? Welche gar nicht? Kennst du vielleicht noch weitere?
So geht es weiter
Du kennst nun über 40 beruhigende Gründen, keine Angst mehr vor dem Tod zu haben.
Aber welche davon haben die beste Wirkung? Oder wichtiger, welche davon solltest du dir unbedingt ins Gedächtnis rufen, wenn dich die Angst vor dem Tod mal wieder übermannen will?
Ich habe eine gute Nachricht für dich, denn ich habe die Top 5 Tipps gegen die Angst vor dem Tod in einem handlichen PDF für dich zusammengefasst.
Druck sie dir aus, leg sie dir in die Nachttischschublade oder trag sie bei dir, um dich mit ihrer Hilfe jederzeit schnell und effektiv daran zu erinnern, warum du keine Angst vor dem Tod haben musst:
OK Passt!
Nachtrag EMC DIE IDEE 2019
Dankbarkeit in jeder Lebenslage, daß ist eine Möglichkeit das Leben als herrliche Gelegenheit zu erkennen, und das Sterben als eine natürliche Begebenheit anzunehmen. Hast du schon gehört, der und die sind gestorben! Jeden Tag die Zeitung aufschlagen und Menschen suchen, die Jünger oder Älter sind, und die jetzt gestorben sind und man dann selber froh ist, wenn man viele gefunden hat, die schon mit jüngeren Jahren verstorben sind, und das einem dann glücklich und froh macht, daß man älter geworden ist. Der Vergleich mit Verstorbenen macht den Menschen froh und man hat das Gefühl, je länger man auf dieser Erde lebt, "SIeger" über jüngere Verstorbene zu sein. "Schau, der ist jetzt vor mir gestorben und war viel jünger als ich, mein Gott bin ich froh, daß ich noch leben kann"!
Nicht umsonst ist in vielen Glaubensgemeinschaften eine "Software" eingebaut, die meint, "Sterben ist eine Geburt, oder Sterben ist ein Gewinn, oder Sterben ist Auferstehung auf der anderen "Straßenseite". Bei vielen Grabreden wird gesagt, daß der Verstorbene nur die Straßenseite gewechselt hat, und wir nur hinüberblicken müssten, um diese Person zu sehen.
Und so gibt es vielerlei deren "Softwareteile" die einem "eingespielt" wird, und diese Webseite versucht sicher auch ein "Softwareuptatepaket" bei Ihnen, bei dir zu installieren.
Nachdem das gelesen wurde, werden eventuell neue Gedankengänge eingeschaltet und programmiert.
Und dafür heisst es ja immer schon, "Alt lernt Jung", oder "Alt hilft jung", und so wollen wir unseren Beitrag leisten, über das Internet diese Zeilen als Bereicherung des Lebens weiter zu verbreiten.
Herzliche Grüße
Das Management des EMC DIE IDEE
Europäischer Management Club
(c) 2019 Velden am Wörthersee
Jesus Christus Software 11774 Version 51 / Version 272 - 268 - 264
Neue Updates! 2019
( Teil 1)
Ich rede gut über dich, Oder:
Die Macht der Sprache: Was macht die Sprache?
"Die Sprache tastet wie die Liebe im Dunkel der Welt einem verlorenen Urbild nach."
(Karl Kraus, 1913)
1. Die Macht der Sprache über die Wirklichkeit
Schlechtreden und Schönreden sind zwei geläufige Vorgänge in der gesprächigen Welt. Zusammenleben findet nicht einfach nur statt, sondern muss besprochen werden. Deutung legt sich wie ein Netz über die Dinge. Text heißt wörtlich Gewebe, und längst leben wir in der "weltweiten Webe", wie (man das angelsächsische "world wide web" ins Sächsische zurückübersetzen kann). Dieses Gewebe legt sich als zweite Wirklichkeit über die erste - nicht selten so dicht, dass die erste darunter verschwindet - oder eine andere Gestalt annimmt.
Die Griechen - längst bevor sie Philosophen waren - sprachen als Bauern und Fischer von dem Netz, logos, mit dem sie Fische an Land zogen. Die Maschenweite bestimmte die Größe des Fangs. So wird das Netz zur Sprache: Dinge werden durch die Sprache ausgelesen oder erst sichtbar; Sprache hebt sie im Netz des logos ans Licht - nicht selten aber breitet sie auch Verdunkelung darüber.
Sprache gehört - wie die Kleidung, wie das Haus, wie die Familie - zur Kultur, um die rohe Natur, die unbeherrschte Wildnis dem Menschen wohnlich zu machen.
In dieser unersetzlichen Aufgabe der Deutung, der Humanisierung von Welt liegt aber auch die Versuchbarkeit der Sprache. Stellt sie letzten Endes nicht erst her, was sie nur zu deuten vorgibt? Überlagert die Vergegenwärtigung durch Sprache nicht die Gegenwart des Wirklichen? Oder, anders gefragt, ist wirklich nur, was die Sprache erst hinstellt? Die "linguistische Wende" des 20. Jahrhunderts hat einen außersprachlichen Bezug auf Wirklichkeit, erst recht auf außersprachliche Wirklichkeit, abgelehnt. Auch Denken sei nur sprachgebunden. "Was man aber das Denken nennt, das ist nur eitel Sprache", so Fritz Mauthner 1901. (1)
Von dort ist es nur ein Schritt zur Behauptung, dass es "in Wirklichkeit" die Wirklichkeit gar nicht gebe - wie das am zeitgenössischen Beispiel der gender-Ideologie abzulesen ist: Frausein und Mannsein seien nur sprachlich erstellt. Auch Biologie sei Kultur, nicht Natur; es gebe kein vorsprachliches Geschlecht. Der Funken Wahrheit, der darin steckt, wird damit zum lodernden Feuer der Konstruktionsthese, mit deren Hilfe es nichts mehr "gibt". Das reine Gegebensein wird verbrannt und erlischt - im Kopf. Das Spiegelkabinett der Konstrukte kennt nur noch Gemachtes, nichts Naturwüchsiges mehr. Ein Witz kann das beleuchten: Es sieht aus wie eine Ente, es quakt wie eine Ente, es watschelt wie eine Ente - na, was ist es? Klar: Das soziale Konstrukt einer Ente!
Festzuhalten ist, dass das "Reden über" Macht ausübt - wie die Worte "über" immer von einem erhöhten Standpunkt aus nach unten schauen: über-reden, über-zeugen, über-legen. Sofern Gegenstand dieser Macht die Dinge sind, steigert sich die Macht zu vergrößern oder zu verkleinern, zu heilen oder zu verletzen je nach deren Wertigkeit und Wichtigkeit, die ihnen eignet. Redet man aber "über" Menschen, kann sich solche Macht bis zum Rufmord (welch ein treffsicheres Wort!) steigern oder zum guten "Leumund" verdichten.
2. Die Barmherzigkeit von Sprache: Zusprechen = Leben geben
"Am Du gewinnt sich das Ich." (Martin Buber)
Die Verhaltens- und Sozialisationsforschung stellt das elementare menschliche Angewiesensein auf das Einwirken anderer in exakten Beobachtungen fest. Sie hat nach den bahnbrechenden Arbeiten von Jakob von Uexküll und Konrad Lorenz im Tier-Mensch-Vergleich einige Ergebnisse zu Tage gebracht, welche die Notwendigkeit von Resonanzen zwischen der älteren und der jüngeren Generation von Grund auf beleuchten. Am eindrucksvollsten war wohl das bekannte Experiment von Konrad Lorenz mit der Graugans Martina, die er nach dem Schlüpfen "mütterlich" mit "ga-ga" begrüßte, was er auch nachts stündlich wiederholte, wenn die kleine Gans regelmäßig ängstlich piepste und er mit der Stimme eine Entwarnung geben musste (ohne dass er dabei noch aufwachte).
Das Tier - allgemein gesprochen - ist identisch mit seiner Instinktordnung, kann weder aus ihr aussteigen noch sie erfinden, sie nur - in einigen Fällen - innerhalb fester Grenzen variieren, nämlich innerhalb bestimmter, kurzer "Prägezeiten". Der Mensch dagegen ist offen: Er hat Welt, nicht bloß Umwelt. Aber er hat "unfertige", ungedeutete, alles meinende Welt. Diesen ursprünglich unbesetzten, entsprechend bedrohten Zustand nannten Heidegger und der ihm folgende Existentialismus ein Geworfensein. Deutlich ist dieser feine "Daseinsriss" schon im Wort Existenz enthalten, das übersetzt "Hinausstehen" bedeutet, Hinausstehen nämlich aus dem Gesicherten. Oder stärker naturwissenschaftlich ausgedrückt: Der Mensch ist im Vergleich zum Tier ein Mängelwesen, wie Arnold Gehlen ausführte. Nach ihm ist der Mensch von Anfang an gezwungen, auf den Schultern der vorangegangenen Generationen stehend, Unbekanntes zu deuten, Richtlinien im Chaos der Eindrücke aufzustellen, um rein biologisch zu überleben. Wo das Tier immer schon daheim ist, muss der Mensch im Un-Heimlichen erst heimisch werden.
Eben diesem Vorgang entspricht die Sprache: das Vorfindliche in Tat und Wort zu zähmen, in Dienst zu nehmen. Grundlegend dafür ist vor allem die Sprache: als Deutung des Vieldeutigen, als Tradition erprobter und bewährter Ordnung. Sprache bannt die Welt in ihrer gefährlichen Unbekanntheit; den Namen wissen heißt Macht haben. Sprachverlust ist Rückkehr ins Chaos, Aufhebung der menschlichen Gemeinschaft, Kaspar-Hauser-Elend.
So kürzt die Sprache das Lebenlernen ab, indem sie den Prozess der Einzelerfahrung vorwegnimmt und verbindliche Ordnungen aufstellt: durch die Festlegung von gut und böse, nützlich und schädlich. Der individuelle Erfahrungsablauf wird durch Übernahme fremder Erfahrungen beschleunigt. Sprache greift den gesamtkulturellen Lebensentwurf auf, um nicht jedes Kind wieder am Punkt Null im Lebenskampf anfangen zu lassen. Hinter jeder Kultur steht der Wunsch, das jüngere Leben in die erprobten Ordnungen einschwingen zu lassen, damit nicht "wiederkehrt uralte Verwirrung", wie Hölderlin in anderem Zusammenhang formuliert (2).
Damit ist ein anthropologisches Bedürfnis nach Struktur, nach Prägung, mit einem Wort: nach "zugesprochener, zugespiegelter Welt" von mehreren Wissenschaften, falls man der eigenen Erfahrung nicht traut, bestätigt. Das heißt freilich noch nichts über die Richtigkeit oder Angemessenheit oder den Widersinn solcher Vorgaben. Die uns bekannten Kulturen sind bei genauer Betrachtung höchst unterschiedlich, gerade was die Art der Beziehungen angeht, in welcher die Menschen "mitschwingen".. "Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt... Aber verhängt in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie", so Franz Kafka (3).
3. Gut reden = Leben steigern
"Wie klein kann ein Feuer sein, das einen großen Wald in Brand steckt", weiß der Jakobusbrief (Jak 3, 5). Das ist ohne Zweifel zur Warnung gesprochen; gilt es nicht aber auch im zustimmenden, guten Fall?
Bekannt ist die Legende, wonach die Jünger Jesu auf einer der Wanderungen an einem Hundekadaver vorbeikamen. Während man sich allenthalben die Nase vor dem Gestank zuhielt, wies Jesus auf das zerfallende Fleisch und sagte: "Wie schön seine Zähne in der Sonne blitzen!"
Der Ausruf "wie schön!" vermag das Hässliche zu übergolden. Während die Normalwelt an einer stadtbekannten Sünderin nur die Prostituierte wahrnimmt, wird Jesus an ihr die Geste der Hingabe festhalten: "Solange das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, wird man auch sagen, was sie getan hat."
Jeder Mensch beginnt, von Geburt an, zunächst mit etwas, was ihm zugesprochen wird, oder mit sozialer Identität: die Familie, die Gruppe spiegelt mir zu, wer ich bin; ich finde mich als Teil eines größeren Wir und werde von ihm angeregt. Dies gilt so tief, dass diese mangelnde "Außenhaut" böse Verletzungen, unreifes Klammern, unsicheres Wachstum, im letzten eine Ichschwäche hervorruft. Wer keine starke Stützung durch ein Wir kennt, kann nicht zu einem Ich übergehen.
Die erste Einsicht lautet also: Identität baut sich auf in der Resonanz auf andere, von außen nach innen. Selbstsein beginnt im "Gehäuse" der Familie, der Gruppe, der Kultur, vor allem der Sprache. Längst bevor das Neugeborene zu sehen beginnt, kann es schon hören. Erasmus von Rotterdam (1466-1536), als Humanist ein bedeutender Pädagoge, wagte zu Beginn der Neuzeit den bis dahin ungeheuren Satz: Wie die Bärin die unförmigen Knäuel, die sie geboren hat, in Bärenform zurechtleckt, so werde der Mensch nicht nur geboren, er werde von den Eltern erst zum Menschen gemacht. (4) Die Wahrheit dieser lebensnotwendigen Resonanz ist im 20. Jahrhundert brutal ideologisiert und in eine mörderische Unwahrheit umgewandelt worden: Die Gesellschaft produziert ihre (Un-)Menschen. Das entbindet freilich nicht von der Aufgabe, für jede neue Generation die notwendige Arbeit des Zurechtformens zu leisten. Wenn sie gelingen soll - entgegen dem katastrophalen Experiment des letzten Jahrhunderts -, dann hat sie auf zwei Elemente zu achten, ohne welche "Resonanz" nicht zustandekommt. Das eine ist die Bestätigung, die Anerkennung, die Schätzung des anvertrauten Du (und zwar in seiner Eigenheit, nicht als Kopie). Wir alle leben in einem unersättlichen Hunger nach Bestätigungen, leiden, wenn sie ausbleiben. "Ich habe dir doch schon gesagt, dass ich dich liebe" - ein solcher Satz, mürrisch gesagt, streicht seinen Inhalt durch: Jede Beziehung bedarf der immer neuen Liebe, muss immer neu das Selbstbewußtsein im "Zuspruch" wecken. "Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du", so Martin Buber. (5)
Heute fällt solche Resonanz nicht selten aus; statt Personen werden Sachen als Ersatz für Beziehung angeboten, als Ersatz des lebendigen Ansprechens. Dazu ein naives, aber eindrucksvoll ironisches Gedicht:
"Ich besitze ein Zelt und einen Kran
und eine elektrische Eisenbahn siebzehn Puzzles und andere Spiele und weichgepolsterte Kinderstühle. Ein Fahrrad, einen Zauberkasten, sechs Bälle, achtzig Autos mit einer Tankstelle. Farbfernseher und Tischtennisplatte,
Trimm-Dich-Bodenübungsmatte. Auch Baukästen hab ich, ich glaube sieben, und Kuscheltiere zum Streicheln und Lieben. Kassettenrecorder und Autobahn schafften für mich meine Eltern an. Ein handgeschnitztes Kasperltheater. "Paß auf, es ist teuer!" sagte mein Vater. Bücher und Platten, Bonbons und Konfekt.
Ich bin mit allem gut eingedeckt.
So hocke ich im Kinderzimmer
allein und langweile mich immer."
(Rolf Krenzer [6])
Person ist auf Person resonant, und eben nicht auf Kassettenrekorder oder noch so teure Objekte. Oder nochmals mit Martin Buber: "Im Anfang ist die Beziehung: als Kategorie des Wesens, als Bereitschaft, fassende Form, Seelenmodel; das Apriori der Beziehung; das eingeborene Du." (7)
Es ist grundsätzlich das, was das vielsagende deutsche Wort Gegen-Stand ausdrückt: Gegen-Stand der Wirklichkeit, die zu bewältigen ist. Vor allem ist es Gegen-Stand der eigenen Person: sich stellen, auseinandersetzen mit dem Gegenüber, Gesicht und Meinung zuwenden, "Sparringspartner" sein. Auch hieran bildet sich das schwache, noch unzentrierte Ich.
Beide Elemente enthalten für dieses schwache Ich aber auch Gefahr: einerseits nur auf Bestätigung hin zu leben, nur in der Aura der Zustimmung handeln zu können, von anderen gebraucht werden zu müssen; andererseits, falls der Widerstand zu groß ist und nicht verarbeitet werden kann, unentwickelt zu bleiben, kindlich-abhängig - oder in den (selbst)zerstörerischen Protest abzurutschen. Eltern wie Erzieher wandeln auf dem schmalen Grat, wo sie möglicherweise zu stark, zu widerständig für das anvertraute Leben sind, möglicherweise zu verhalten ("sollen die doch selber ihre Fehler machen"). Wirkliche Autorität kommt von augere, das heißt wachsen lassen, zum Eigenen entbinden, ohne dass zu frühe, unüberwindliche Verletzungen das Wachsen verhindern. Der berühmte, bei allen Selbstvorwürfen entlarvende Brief Kafkas an seinen Vater von 1919 zeigt kaum gutzumachende Verstörungen durch eine übermächtige Ü;berformung: "Ich verlor das Vertrauen zu eigenem Tun. Ich war unbeständig, zweifelhaft. Je älter ich wurde, desto größer war das Material, das Du mir zum Beweis meiner Wertlosigkeit entgegenhalten konntest (...) du verstärktest nur, was war, aber Du verstärktest es sehr, weil Du eben mir gegenüber sehr mächtig warst und alle Macht dazu verwendetest." (8) Weder die Monotonie unterwürfiger kindlicher Wiederholung noch die Kakophonie des blinden Ausbruches sind Lösungen eines solchen Konflikts.
Von den frühesten Kulturen an, den magischen, bis zur neuzeitlich-kausalen Kultur wachsen die Menschen in solchen Resonanzen auf: in dem, was ihnen die anderen zusprechen. Homo factus, non natus - "der Mensch wird gemacht und nicht geboren", formuliert die Renaissance fast erschreckend (so in ironischer Frage Joachim Camerarius (1500-1574), Dürer-Freund und Philologe des 16. Jahrhunderts [9]). Diese genaue Umdrehung des Credo-Satzes, der Sohn sei "gezeugt, nicht geschaffen" (genitus, non factus), ist das Credo nicht nur der Neuzeit, sondern frühestes Verhalten von Menschengruppen: Der Mensch ist auch, vielleicht vor allem zu verstehen als Werk des Menschen am Menschen. Der bloße Naturbursche, der als Robinson wortlos, antwortlos vor sich hinlebt, ist eine Erfindung später Phantasie; sie entsteht in den müden oder romantischen Phasen der "Western Civ", die der menschlichen Resonanz überdrüssig ist und zum Autistischen neigt. Genau besehen bedarf selbst dieser Robinson eines Freitag, der mit ihm "schwingt" oder schweigt oder jubelt. Angst, Hoffnung, Freude wollen geteilt sein: um sich zu vermindern oder zu vermehren. Wir sind nicht als Autisten, wir sind als Liebende geboren. "Ich muss veröden, wenn ich nur ich bin." (10)
Freilich kann man den anderen auch totschwätzen, oder wie Chesterton sagte: "Nun rede ich schon so lange zu den Leuten, dabei haben sie mir nichts getan." Daher gibt es noch eine schweigende Art, Leben zu geben, Leben zu steigern.
4. Den Anderen redenlassen: Die Barmherzigkeit des Gesprächs
"Was ist herrlicher als Gold?" fragte der König. "Das Licht", antwortete die Schlange.
"Was ist erquicklicher als Licht?" fragte jener.
"Das Gespräch", antwortete diese.
(Goethe, Das Märchen)
Was aber ist das Gespräch? Eine erste Antwort sei mit Martin Heidegger versucht: "Jedes Gespräch kommt indessen sogleich ins Stocken und ins Fruchtlose, wenn es sich nur im unmittelbar Gesprochenen einrichtet und sich darin versteift, statt dass die Sprechenden durch das Gespräch sich wechselweise erst in den Aufenthaltsort einlassen und sich zu ihm hinbringen, von dem her sie jeweils sprechen. Dieses Sicheinlassen ist die Seele des Gespräches. Es führt die Sprechenden ins Ungesprochene (...) Diese (Konversation) besteht darin, dass man sich am jeweils Gesprochenen entlang schlängelt und sich auf das Ungesprochene gerade nicht einlässt." (11)
Im Gespräch schwingt also ein Ungesprochenes mit, Reden vollzieht sich auf einem Resonanzboden. Person ist auf Person resonant. Man könnte folgende Kette von Zusammenhängen formulieren: Erst wo es Zuhören gibt, gibt es auch ein Reden. Erst wo es Freiheit gibt, gibt es ein Eingeständnis von Enge. Erst wo es Erbarmen gibt, gibt es ein Sich-Öffnen. (Erst wo es Vergebung gibt. gibt es auch Schuld.)
So ist das Freigeben zum Reden auch ein Erbarmen, eine Notwendigkeit, ein Vollzug von Liebe. Peter Handke schreibt: "Den Gedanken an eine Frau kannte ich [...] allein als das Wunschbild von dem schönen Gegenüber - ja, das Gegenüber sollte schön sein! -, dem ich, endlich, erzählen könnte. Was erzählen? Einfach nur erzählen. Der Zwanzigjährige stellte sich das Einander-in-die-Arme-Fallen, das Lieb-Haben, das Lieben als ein beständiges, so schonendes wie rückhaltloses, so ruhiges wie aufschreihaftes, als ein klärendes, erhellendes Erzählen vor." (12)
5. Benedicere, segnen
Eine besondere Form des "guten Redens" ist benedicere, segnen. Ihm steht das Fluchen, maledicere, entgegen. In magischen Kulturen gibt es das gute wie böse Zaubern, Bannen, Beschwören mit Worten und Zeichen (segnen kommt unmittelbar von signum, Zeichen). Erinnern wir uns an die vergangene Müttergeneration, die das Brot, das Haus, ja die Kinder beim Weggehen noch segnete.
Die Bergpredigt Jesu enthält die Herausforderung: "Segnet die, die euch verfluchen." (Lk 6, 28) Nur so kommt es zum Aufbrechen des Kreislaufs des Bösen, zum Versacken der Anklage. In der irischen Sagenwelt gibt es den Helden Fionn, der - um ein Held zu werden - in seiner Jugend einen unbezwingbaren Zauberer bezwingen muss. Dieser Aillen schläfert den Gegner mit einem unirdisch berückenden Ton ein - worauf eine wilde blaue Flamme aus dem Munde des Zauberers pfeift und den Schlafenden zu Asche brennt. doch Fionn "breitete seinen gefransten Mantel aus und fing die Flamme auf - vielmehr, er fing sie ab, denn sie glitt von seinem Mantel und fuhr sechsundzwanzig Soannen tief in die Erde. (...) Aillen blies ein zweites Mal mit der ganzen schrecklichen Macht, die ihm gehorchte, und der große Strahl blauer Flamme fuhr brüllend und pfeifend aus ihm und wurde gefangen und verschwand." (13) Jener "Mantel" ist der Schirm gegen das Tödliche. Ein solches Abfangen der Bosheit, eigener und fremder, ist nicht nichts. Eine solche Tapferkeit des Herzens meint: das Auge im Orkan zu sein, die Ruhe im Sturm, das Schweigen in der Anklage.
Allerdings geht die Bergpredigt aus dem Schweigen heraus ins Segnen über: das gute Reden im Horizont des Göttlichen. Es ist um so notwendiger, als es heute eine neue Unkultur des magischen Verfluchens im Neuheidentum, in den Praktiken der Esoterik gibt. Dagegen haben vor allem Gruppen aus dem Raum der evangelischen Freikirchen eine Bewusstsein für die "Vollmacht" des Segnens neu entwickelt. (14) Allerdings wird dies mit einem bewussten ritualisierten "Brechen" des Fluches verbunden, während das Segnen - vor allem im Bereich des Alltags - nicht so stark ritualisiert werden sollte: Ein Christ ist schon erlöst und muss Segen nicht immer wieder "herholen", oder im obigen Bild: Er ist bereits vom "Mantel" des Heils umgeben.
6. Gottes Rede über den Menschen