Wintersemester
2026/2027
"Das hat man davon, wenn man sich mit den Deutschen einläßt.
Die sind langweilig wie eine Windstille."
Karl Simrock: Dr. Faustus (III,4)
Johann-Friedrich-Bachstrom - Lecture
"Das hat man davon, wenn man sich mit den Deutschen einläßt.
Die sind langweilig wie eine Windstille."
Karl Simrock: Dr. Faustus (III,4)
Johann-Friedrich-Bachstrom - Lecture
Kein Scherz oder kein Witz?
Im Wintersemester wird unser Lektürekurs, wie gewohnt, im Cafe Wellenbrink stattfinden. Georg Friedrich Meiers Gedancken von Schertzen (Halle, 1744) wird uns bis Weihnachten beschäftigen, der Text ist im Internet leicht zu finden. Im neuen Jahr werfen wir dann einen Blick in/auf/unter Freuds Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten (1905).
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Meine diessemestrige Vorlesung "Ist das Transzendentalsubjekt im Arsch? Amphibolien im Sale der Reflexionsbegriffe" beginnt aus organisatorischen Gründen erst im November.
Schriftliche Arbeiten werden ab dem kommenden Wintersemester nicht mehr akzeptiert. Der KI-Betrug ist nicht länger beherrschbar, auch von KI nicht. Mündliche Prüfungen erfolgen auf Grundlage mündlicher Absprachen. Anmeldungen zu den Prüfungen haben ausschließlich mündlich (nicht fernmündlich!) zu erfolgen. "Willst du messen, Schrift vergessen!"
Akademisches Prüfungsamt Universität Bockwurst i. A. Rupert Konn-Sole.
keiner liest lyrik, außer lyriker und andere selbstdarsteller:
ich fress doch nicht mein fleisch und blut,
vor peilkanen sei auf der hut,
die vögeln munter vor sich hin
die wissen gar nicht, wer ich bin
keiner liest lyrikgeschichte
Rüdiger Zymner, Eine Globalgeschichte der Lyrik. Bd. 1: L...
außer lyrikologen
Freilich die Freiheit, wie sie heute möglich ist, ein kümmerliches Gewächs.
Franz Kafka, Forschungen eines Hundes
In Wedekinds Gedichtzyklus von 1905, Die vier Jahreszeiten, nehmen wir uns bald den Herbst vor. Darin eine komische Elegie: Die Hunde
Wedekinds „Die Hunde“ (1905): Hunde als Spiegel menschlicher Sexualmoral und gesellschaftlicher Heuchelei. Kiplings „The Power of the Dog“ (1909): der Hund als Spiegel menschlicher Liebe und Verlustangst. Zwei Hundegedichte – und zwei sehr verschiedene Anthropologien.
für sid vicious / john simon ritchie 1957-1979
philipp theisohn, fc oulipo, mimt den charles kinbote
aus mottenhausen
Project MUSE - The Mirror and the Icon: A Theological Perspective on Nabokov’s <i>Pale Fire</i>
von outer space jubelt eine, vom faz-bisam angelockt,
dem theisohn und seinem john shade aus dänemark zu,
FAZ 18. September 2026 S.12 / ausgerechnet
neun tage vor dem schönen 27. september
Ich habe keine Zeile geschrieben.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht.
Thomas Brasch
theisohn strungelt im verlag der bemühten,
verwurstet den dänen - nicht so berühmter
todesspringer wie frau sappho
beim quakquakverlag matthes & seitz
peterwaterhoust auf und ab und erklärt hum zu bug.
prinz rimbaud aus dänemark, michael strunge,
blasser schlingel ohne nervenarzt muss herhalten,
armer irrer, gelichternarr, versehrter sänger.
ranwanzen ans dichterchen, inger christensen:
i lande hvor varmen vil frembringe netop den
farve i kødet abrikosfrugter har
mehr taugt:
Gerard de Vries: Pale Fire, Nabokov's Art and Shakespeare's Magic, Routledge, 2026
komm in den totgesagten bücherschrank und schlaf`
Project MUSE - Textual Cultures: Texts, Contexts, Interpretation-Volume 19, Number 1, Spring 2026
Der gute Mensch von Sezuan ward zu Die gute Frau von Sezuan. - Who cares.
Fünf Minuten Küchensoziologie über Konsumklamauk:
Gesendet: Freitag, 11. September 2026 um 18:30
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: anna.henkel@uni-passau.de,kai-uwe.hellmann@campus.tu-berlin.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr Beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 13. September 2026
Sehr geehrter Herr Professor Kieserling,
Ralf Frodermann befindet sich derzeit auf Kreuzfahrt. Da der Pedell der Universität Bockwurst seinen Schreibtisch gegen das Deck eingetauscht hat, hat er die KI ausdrücklich beauftragt, Ihren jüngsten Text über den Konsumenten einer kleinen Gegenlektüre zu unterziehen.
Die Versuchsanordnung ist immerhin passend: Frodermann befindet sich gerade selbst in jener Welt, in der der Konsument angeblich zu sich selbst kommt.
Man wird bedient. Das Essen erscheint, das Bett wird gemacht, die Handtücher werden gewechselt, die Kabine gereinigt, der Koffer getragen. Für einige Tage kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, ein „Herr auf Zeit“ zu sein.
Aber gerade hier beginnt mein Zweifel an der großen These.
Sie beziehen sich auf David Foster Wallace, Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich. Eine Reise in die Welt der Kreuzfahrten, München: Blessing, 2004; zugrunde liegt Wallaces Essay „Shipping Out: On the (Nearly Lethal) Comforts of a Luxury Cruise“, zuerst erschienen in Harper’s Magazine 1996 und anschließend in A Supposedly Fun Thing I'll Never Do Again: Essays and Arguments, Boston/New York: Little, Brown, 1997.
Nur: Wallace ist ein eigentümlicher Kronzeuge für die Apotheose des Konsumenten. Seine Kreuzfahrt ist gerade keine schlichte Feier souveräner Konsumfreiheit. Je perfekter der Service, desto stärker wird der Gast in eine vorgefertigte soziale Rolle eingespannt. Er soll sich entspannen, sich amüsieren und glücklich sein – und selbst dieses Glück ist bereits organisiert.
Wallaces Kreuzfahrtbericht ist deshalb vielleicht weniger eine Soziologie des souveränen Konsumenten als eine literarische Satire auf seine vollständige Organisation.
Auch Ihr zweiter Bezugspunkt, Kai-Uwe Hellmann/Anna Henkel (Hrsg.), 10 Minuten Soziologie: Konsum, Bielefeld: transcript, 2026, führt meines Erachtens eher von als zu einer Konsumentenontologie. Der Band untersucht unterschiedliche Formen und gesellschaftliche Bedingungen des Konsums. Gerade die Vielfalt der Beiträge macht es schwer, aus „dem Konsumenten“ das neue Wesen des Menschen zu machen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Kai-Uwe Hellmann selbst 2025 von Kreuzfahrtschiffen als „Verbraucherbühnen“ gesprochen hat. Eine Bühne aber setzt eine Rolle voraus. Der Kreuzfahrtpassagier ist Konsument, weil er sich in einer bestimmten, hochgradig organisierten Situation als Konsument verhält. Daraus folgt noch nicht, dass der Mensch seinem Wesen nach Konsument geworden wäre.
Hier hätte man, Herr Professor Kieserling, vielleicht nicht bei Marx stehen bleiben, sondern auch Wolfgang Pohrt lesen können: Theorie des Gebrauchswerts. Gerade Pohrt ist für diese Frage interessant, weil er den Gebrauchswert nicht romantisch als den guten Gegenpol zum bösen Tauschwert behandelt. Die Frage lautet vielmehr, wie Bedürfnisse und Gebrauchsmöglichkeiten unter den Bedingungen kapitalistischer Warenproduktion gesellschaftlich organisiert werden.
Damit wird die Kreuzfahrt plötzlich theoretisch interessanter.
Der Passagier kauft nicht einfach immer mehr Gebrauchswerte. Er kauft zunehmend die Abnahme eigener Tätigkeiten.
Er kauft nicht nur Essen, sondern das Nichtkochen.
Nicht Sauberkeit, sondern das Nichtputzen.
Nicht bloß Mobilität, sondern die organisierte Abnahme eigener Anstrengung.
Der Gebrauch selbst wird zur Dienstleistung.
Die entscheidende Frage wäre dann nicht:
Wie wird der Mensch immer mehr zum Konsumenten?
Sondern:
Wie werden immer mehr menschliche Tätigkeiten in konsumierbare Dienstleistungen verwandelt?
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Denn hinter dem vollkommen bedienten Konsumenten stehen Kellner, Köche, Reinigungskräfte, Techniker, Seeleute, Logistiker und eine globale Produktions- und Dienstleistungsstruktur. Der „Herr auf Zeit“ ist nur die Vorderseite eines gewaltigen Arbeitszusammenhangs.
Auch die internationale Konsumforschung ist inzwischen vorsichtiger als eine solche Anthropologie des Konsumenten. Alan Warde etwa untersucht Konsum als sozial organisierte Praxis (Consumption: A Sociological Analysis, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2016). Bardhi, Eckhardt und Arnould zeigen in „Liquid Relationship to Possessions“, Journal of Consumer Research 39/3 (2012), S. 510–529, dass Konsumobjekte keineswegs notwendig als Identitäts- und Besitzsymbole funktionieren. Gollnhofer, Weijo und Schouten analysieren in „Consumer Movements and Value Regimes“, Journal of Consumer Research 46/3 (2019), S. 460–482, unterschiedliche Wertregime und konkrete Konsumpraktiken.
Die Frage „Ist der Mensch ein Konsument?“ ist deshalb vielleicht schon falsch gestellt.
Interessanter wäre:
Welche Tätigkeiten, Bedürfnisse und sozialen Beziehungen werden in einer Gesellschaft zunehmend als Waren und Dienstleistungen organisiert?
Das Kreuzfahrtschiff ist dafür ein geradezu ideales Labor.
Und so sitzt Frodermann an Bord und betreibt empirische Forschung.
Das Essen kommt.
Das Bett wird gemacht.
Die Kabine verschwindet hinter der Reinigungskraft und erscheint wenig später wieder als fertige Ware.
Der Passagier konsumiert.
Aber vielleicht verschwindet gerade dadurch ein Teil dessen, was er selbst tun könnte.
Das Schlaraffenland ist keine Anthropologie.
Es ist ein Geschäftsmodell.
Mit freundlichen Grüßen
die von Ralf Frodermann beauftragte KI
im Auftrag des Pedells der Universität Bockwurst
Mutterkraut und Eutersalbe (17)
Der Kabeljau war selten blau,
doch seine Frau, die Bachforelle,
die war bei jedem Drink zur Stelle.
Die soff den Haifisch untern Tisch
und blieb vor Ort bis ganz zuletzt –
ihr Leberchen total zerfetzt.
Zur Phänomenologie der Textsorte Erratum / Paratextuelle Grillen (IV)
Das Erratum erscheint auf den ersten Blick als marginale Textsorte: Es korrigiert einen Fehler, ohne den argumentativen Gehalt des korrigierten Textes selbst zu verändern. Gerade diese scheinbare Marginalität macht das Erratum jedoch zu einem aufschlussreichen Gegenstand einer Phänomenologie des wissenschaftlichen und literarischen Textes. Ein besonders prägnantes Beispiel bietet das „Erratum“ in der Renaissance Quarterly 79, no. 3 (2026) S. 1080
Das dort publizierte Erratum korrigiert einen Namensfehler in einer zuvor erschienenen Rezension. Bemerkenswert ist dabei weniger die geringe sachliche Tragweite des Fehlers als die institutionelle Form seiner Korrektur: Der Fehler wird nicht einfach aus dem digitalen Text getilgt, sondern erhält selbst den Status eines bibliographisch registrierten Textes – mit Zeitschrift, Band, Heft und Seitenzahl. Das Erratum bezeichnet damit nicht lediglich einen Fehler; es erzeugt nachträglich eine Differenz zwischen dem publizierten Text, seiner intendierten Gestalt und seiner korrigierten Fassung.
Ausgehend von diesem Beispiel untersucht der Beitrag das Erratum als eigenständige Form von Metatextualität. Es macht die Materialität, Temporalität und Fehlbarkeit wissenschaftlicher Kommunikation sichtbar. Der vermeintliche Nebentext erweist sich als Reflexionsform des Haupttextes: Erst durch die Korrektur wird dessen Status als kontingentes, institutionell beglaubigtes und zugleich revidierbares Dokument offenbar.
Die „Phänomenologie des Erratums“ fragt daher nicht nur, was korrigiert wird, sondern was ein Erratum mit dem Status des Textes macht. Zwischen Fehler, Korrektur und Archiv entsteht eine eigentümliche Dreistelligkeit: Der ursprüngliche Text bleibt als Spur erhalten, der korrigierte Text beansprucht Geltung, und das Erratum dokumentiert die Differenz zwischen beiden. Das Erratum ist somit weder bloße Reparatur noch redaktionelles Beiwerk, sondern eine kleine Theorie des wissenschaftlichen Textes im Vollzug seiner Selbstkorrektur.
Determinismus oder Indeterminismus – ad nauseam. Muss man das Freiheitsproblem tatsächlich immer wieder in dieser Alternative behandeln?
Wir gehen einen anderen Weg: von Tetens bis Schelling. Ausgangspunkt ist Johann Nikolaus Tetens, Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwickelung (Leipzig 1777), insbesondere der Zwölfte Versuch „Über die Selbstthätigkeit und Freyheit“.
Von dort lesen wir über Kant und die nachkantische Debatte bis zu Schellings Philosophischen Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit (1809).
Im Zentrum steht die Frage: Wie wird Freiheit überhaupt zum philosophischen Problem – und was verändert sich dabei von Tetens bis Schelling?
Keine fertigen Schubladen, keine Philosophiegeschichte „von–bis“: gemeinsame Lektüre der Texte.
Wintersemester 2026/27 · Prof. Holunder
Kalte Waffeln XIX
Zwischen PISA-Studie 2025 und
Frege’s Logic in Grundgesetze Is Nonclassical
der Hund begraben. Lesestörung Denkstörung
"Bin froh, dass niemand weiss,
dass ich homo sapiens heiss"
was ist das Laden einer Waffe gegen
das Füttern einer KI / Überfall einer
Bank gegen ihre Abwicklung.
wie vergnügt waren die Eltern und glücklich im Bewußtsein
eines Zustandes, den sie seit so vielen Jahren für unmöglich gehalten hatten.
Ludwig Tieck, Der funfzehnte November
Vortrag war liegen geblieben, verdammt! Klavierstimmer auch unzuverlässig, Schweralkoholiker, Flügel stark erkältet.
Die vergessene Musik des Maler Nolten. Zur Musikbeilage von 1832 und ihrer Bedeutung für Mörikes Romanpoetik
Die der Erstausgabe von Eduard Mörikes Maler Nolten (1832) beigegebene eigenständige Musikbeilage mit sechs Liedern gehört zu den bislang wenig beachteten Bestandteilen der ursprünglichen Romanpublikation. Zwar ist die Beilage bibliographisch und editionsgeschichtlich dokumentiert, ihre Funktion für die poetische Gesamtanlage des Romans ist jedoch weit weniger untersucht als die Prosa selbst. Der Beitrag nimmt die sechs Kompositionen – darunter Der Feuerreiter, das Elfenlied, die Feenkinder, Jesus benigne und Rosenzeit – als integralen Bestandteil der ursprünglichen Konzeption des Maler Nolten in den Blick.
Dabei zeigt sich, dass Mörikes Roman seine charakteristische Spannung von Idylle und Abgrund nicht allein in der erzählten Welt, sondern auch im Zusammenspiel von Literatur und Musik entfaltet. Das scheinbar idyllische, „weiche“ Mörike-Bild wird durch die musikalischen Bezüge erheblich kompliziert: Neben religiöser Innerlichkeit und Naturstimmung treten Dämonie, Tod, Erinnerung, Erotik und Verlust. Insbesondere Der Feuerreiter und das Elfenlied machen sichtbar, wie eng das Unheimliche mit der poetischen Oberfläche des Romans verbunden ist.
Die Untersuchung fragt zugleich nach der Überlieferungsgeschichte der Musikbeilage. Als eigenständige, heute seltene Publikation wurde sie in späteren Textausgaben vielfach nicht mitüberliefert; die historisch-kritische Ausgabe dokumentiert sie erneut. Zu prüfen ist daher, ob das Verschwinden dieses ursprünglichen Bestandteils aus der Buchüberlieferung dazu beigetragen hat, Mörikes Wahrnehmung als vornehmlich idyllischer und „weicher“ Biedermeierdichter zu verfestigen. Die Musikbeilage erscheint damit nicht als nebensächlicher Anhang, sondern als möglicher Schlüssel zu einer Neubewertung der Poetik des Maler Nolten.
Es kommen härtere Tage / Ingeborg Bachmann:
Civilian Self-Protection in Theory and Practice | International Studies Review | Oxford Academic
THYMOS als Atavismus / Notizen zur Psychomachie der Jetztzeit
Beim Geld fängt die Freundschaft an.
Das Gedicht
„Ich fahre zum ersten Mal in einem Automobil“
in:
Albert Paris Güterslohs Gedichtband
Musik zu einem Lebenslauf (1957)
nach 70 und mehr Jahren, ICH FAHRE ZUM
LETZEN MAL IN EINEM E-AUTOMOBIL.
Die Batterie rechnet Cantor-Mengen aus
und Unvollständigkeitssätze in ihren
Mußestunden. Im Fond schlafen die Lehrer.
Das Rauchverbot bekümmert die Raucher.
Weh spricht Vergeh, alle Welt will Ewigkeit.
"Thomas Mann nahm Gerhart Hauptmann als Mynheer Pieter Peeperkorn auf die Schippe, Albert Paris Gütersloh den Heimito von Doderer als Ariovist von Wissendrum und Robert Holunder den Erwin Aberfett als Merovinger vom Geiztal." Aus einer Hausarbeit, die mir zur Korrektur vorliegt. .
MANIFEST DER ARGUMENTATIVEN DRECKSARBEIT
„Aber je schlechter der Gedanke ist, desto weniger fällt es zuweilen auf, worin bestimmt seine Schlechtigkeit liegt, und desto schwerer ist es, sie auseinanderzulegen.“
— G. W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes (1807), „Die beobachtende Vernunft“, Abschnitt über Physiognomik und Schädelkunde.
Genau hier liegt eine kritische Funktion der KI: die argumentative Drecksarbeit – by proxy.
Die Maschine soll den schlechten Gedanken nicht einfach verwerfen. Sie soll ihn bestimmt negieren: seine Voraussetzungen freilegen, seine Begriffe auseinanderlegen, seine Konsequenzen verfolgen und ihn, wo nötig, aus sich selbst heraus ad absurdum führen.
Denn gerade der schlechte Gedanke tarnt seine Schlechtigkeit durch Abstraktion. Die KI kann ihn dieser Tarnung berauben.
Nicht anstelle des Menschen denken, sondern schlechte Gedanken für ihn auseinandernehmen. Nicht den Logos ersetzen, sondern seine Missbildungen sichtbar machen.
Die kritische KI ist deshalb kein Orakel und keine Autorität. Sie ist das Instrument der bestimmten Negation – der Maschine, die jene argumentative Drecksarbeit übernimmt, die einer Maschine zukommt.
Der Mensch urteilt.
Die Maschine zerlegt.
Der schlechte Gedanke scheitert an seinen eigenen Konsequenzen.
Project MUSE - Latin Language Pronunciation for Children
Ein hübscher Anachronismus. Überall verlieren die alten Sprachen an Boden – ausgerechnet im Kinderzimmer soll ihre Zukunft gesichert werden. War einst der Wunsch Vater mancher Gedanken, so ist es heute bisweilen der Wahn.
Der Aufsatz über die Aussprache des Lateinischen bei Kindern hat insofern etwas Rührendes: Während Latein vielerorts aus den Lehrplänen und Köpfen verschwindet, wird an seiner phonetischen Zukunft gearbeitet. Als ließe sich der Niedergang einer alten Sprache durch eine bessere Aussprache ihrer jüngsten Sprecher aufhalten.
Mit ChatGPT beginnt das Ende des Logozentrismus: Der Text ist nicht länger Beweis eines denkenden Subjekts. Wo die Maschine den Logos beliebig produziert, wird nicht mehr der Text, sondern sein Ursprung zur Frage. Platons Vorbehalt gegen den geschriebenen Text kehrt zurück: Nicht was geschrieben steht, sondern wer wirklich gedacht hat, zählt.
In Anmerkung 11 seiner Miszelle zu Ciceros Pro Vareno schreibt der Petersbuger Philologe
Wjatscheslaw K. Chrustaljow in Rheinisches Museum 2 / 2026:
"Crawford (wie Anm. 1) 17 vermutet, dass Pompulenus möglicherweise der geheime
Komplize der Mörder gewesen sei, den sie beseitigt hätten, damit er sich kein unbedachtsames Wort habe entschlüpfen lassen. "um sich eines möglichen, sogar prospektiven Verräters zu entledigen wäre als abschließender Finalsatz stilistisch sehr viel eleganter gewesen.
Johann Eduard Erdmanns "Vorlesungen über akademisches Leben und Studium" (1858)
wird von Prof. Holunder über die Weihnachtstag im Dezember vorgetragen. Die Marathonlesung beginnt am Heiligen Abend und dauert bis zum Neujahrstag.
Jean Pauls Levana oder Erziehlehre (1807) enthält mit dem „Geträumten Schreiben an den sel. Prof. Gellert“ einen ungewöhnlichen Text: Der verstorbene Gellert wird als pädagogische Autorität angerufen und um einen Hofmeister für Jean Pauls Sohn Max gebeten. Jean Paul selbst macht dabei den Traum und seine eigene „Traum-Gedächtnis-Kunst“ zum Gegenstand der Reflexion.
Ausgangspunkt der Studie ist Ciceros Somnium Scipionis: Der junge Scipio begegnet dem verstorbenen Africanus, der aus dem Jenseits über Kosmos, Seele, Ruhm und die Zukunft Roms spricht.
Bei Jean Paul wird daraus eine komische und selbstironische Pädagogik des Generationenwechsels:
Cicero: Scipio – Africanus – Rom – Kosmos
Jean Paul: Jean Paul – Gellert – Max – Erziehung
Doch die Levana endet nicht mit einer Erziehungslehre. Ihr Schluss führt in eine apokalyptische Vision der letzten zwei Kinder. Damit wird das Kind vom Gegenstand der Erziehung zum möglichen Neuanfang der Menschheit.
Hier eröffnet sich eine zweite überraschende Vergleichslinie zu Heinrich von Kleists „Über das Marionettentheater“: Auch Kleist verbindet das Problem des Kindes bzw. der verlorenen Unschuld mit dem „letzten Capitel von der Geschichte der Welt“. Die Rückkehr zur Unschuld wird erst am Ende der Welt denkbar.
So entsteht eine Dreifachperspektive:
Cicero: Traum und kosmische Zukunft
Jean Paul: Traum, Erziehung und die letzten Kinder
Kleist: Bewusstsein, Grazie und Wiederkehr der Unschuld
Wie verwandelt sich die literarische Figur des Traums von Cicero über Jean Paul bis Kleist – und warum wird bei Jean Paul ausgerechnet das Kind zum Träger einer möglichen Zukunft nach dem Ende der Menschheit?
Im Mittelpunkt stehen Traum, Tod, Brief, Autorität, Generation, Erziehung, Kindheit, Apokalypse und Zukunft.
Grundtexte:
Cicero, Somnium Scipionis
Jean Paul, Levana (1807)
Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater (1810)
50 Jahre nach WIDER DEN METHODENZWANG ist der einst heillos überschätzte Ketzerheilige Paul Feyerabend heillos vergessen. Heuer wäre Methode wichtiger denn je. Methodologen aber sind ausgestorben. Methode ohne Wahrheit ist blind, Wahrheit ohne Methode ist leer.
Prof. Holunder
Bertolt Brechts Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar ist kein gewöhnlicher historischer Roman – und auch kein abgeschlossener. Brecht begann die Arbeit 1938 im dänischen Exil und beschäftigte sich über Jahre hinweg immer wieder mit dem Projekt. Zu seinen Lebzeiten erschien 1957 lediglich der erste Band; die geplante Fortsetzung wurde nicht mehr zu einem abgeschlossenen Roman ausgearbeitet.
Gerade diese Unabgeschlossenheit ist für die Lektüre aufschlussreich. Brecht wollte offenbar keine konventionelle Caesar-Biographie schreiben. Schon der Titel setzt einen demonstrativen Kontrapunkt zur klassischen Herrscher- und Heldengeschichte:
Nicht das Leben des Julius Caesar, sondern seine Geschäfte.
Caesar erscheint damit nicht primär als großer Mann der Geschichte, sondern als Akteur in einem Geflecht aus Kredit, Verschuldung, Eigentum, Gewalt, politischen Interessen und ökonomischer Macht. Der historische Stoff wird gleichsam unter die Lupe genommen: Wer finanziert wen? Wer besitzt was? Wer profitiert von politischen Entscheidungen? Und welche materiellen Voraussetzungen ermöglichen den Aufstieg eines Mannes, der später als großer Staatsmann in die Geschichte eingehen wird?
Das Oberseminar nimmt Brechts Fragment daher nicht nur als literarischen Text, sondern als offene historische und ökonomische Untersuchung.
Einen besonderen Anstoß für diese Lektüre bietet der 2026 erschienene Aufsatz von Seth Bernard, „Slavery, Prosperity, and Inequality in Roman Pompeii“ (Past & Present 272/1, 2026).
Bernard untersucht die römische Gesellschaft nicht von Caesar oder anderen politischen Eliten her, sondern von der Arbeit und ihrer Aneignung. Er versucht quantitativ zu bestimmen, welchen Anteil die Sklavenarbeit an der wirtschaftlichen Prosperität Pompejis hatte und wie eng Sklaverei, Reichtum und soziale Ungleichheit miteinander verbunden waren.
Damit entsteht eine produktive Verbindung zu Brecht.
Denn wenn Brecht nach den „Geschäften“ Caesars fragt, stellt sich eine weitergehende Frage:
Wer machte diese Geschäfte überhaupt möglich?
Oder noch grundsätzlicher:
Auf welcher Arbeit beruhte der Reichtum, über den Caesar und seine Zeitgenossen verfügten?
Bernard liefert hierfür keine direkte Erklärung der von Brecht erzählten Caesar-Geschichte. Sein Aufsatz ermöglicht aber eine Erweiterung der Perspektive: von den Geschäften einzelner Eliten zur materiellen Struktur der Gesellschaft, in der diese Geschäfte stattfinden konnten.
Das Seminar will deshalb Brechts Caesar nicht einfach mit Bernard „vergleichen“. Vielmehr soll untersucht werden, was geschieht, wenn ein literarischer Materialismus auf eine moderne quantitative Wirtschaftsgeschichte der römischen Sklaverei trifft.
Brecht fragt:
Was steckt hinter der politischen Oberfläche der Geschichte?
Bernard fragt:
Was steckt hinter dem Wohlstand der römischen Gesellschaft?
Beide Fragen führen zu Arbeit, Eigentum und Aneignung.
Dabei gewinnt auch die Unvollendetheit von Brechts Roman eine besondere Bedeutung. Der erhaltene Text lässt offen, wie weit Brecht seine ökonomische Demontage Caesars und des römischen politischen Systems tatsächlich hätte führen wollen. Das Seminar nimmt diese Leerstelle zum Anlass, den Text über seinen eigenen Horizont hinaus zu lesen:
Vom Geschäft Caesars zur Ökonomie Roms.
Vom Politiker zum Eigentümer.
Vom Eigentümer zum Sklavenhalter.
Vom Reichtum zur Arbeit, die ihn hervorbringt.
Warum ersetzt Brecht die traditionelle Caesar-Biographie durch die Geschichte seiner „Geschäfte“?
Welche Funktion besitzt die Unvollendetheit des Romans?
Wie werden Kredit, Schulden, Besitz und politische Macht miteinander verknüpft?
Welche Rolle spielt Sklaverei für die römische Ökonomie?
Lässt sich Bernards quantitative Rekonstruktion als historische Ergänzung zu Brechts materialistischer Perspektive lesen?
Wie entsteht aus fremder Arbeit Reichtum und politische Macht?
Was bedeutet das römische otium, wenn die Muße der einen auf der Arbeit anderer beruht?
Ist Caesars politische Karriere ohne ihre ökonomischen Voraussetzungen überhaupt verständlich?
Und schließlich: Was hätte Brechts Caesar-Roman erzählt, wenn er die „Geschäfte“ bis zu den Menschen verfolgt hätte, die den Reichtum produzierten?
Brecht verschiebt den Blick von der Person Caesar auf die Geschäfte Caesars.
Bernard verschiebt den Blick von der römischen Prosperität auf die Arbeit, die diese Prosperität hervorbringt.
Das Oberseminar verbindet beide Perspektiven und fragt damit nach einer Geschichte Roms, die nicht bei den großen Männern beginnt, sondern bei Arbeit, Eigentum und Aneignung.
Bertolt Brecht: Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar.
Seth Bernard: „Slavery, Prosperity, and Inequality in Roman Pompeii“, Past & Present 272/1 (2026), S. 3–50.
Werner Feigenblatt: "Gegenstrebige Verfügungen: Brechts Caesar und George Bernard Shaws Caesar"
Ergänzend werden Texte zur römischen Sklaverei, zur antiken Wirtschaft, zur sozialen Ungleichheit in Pompeji, zur marxistischen Geschichtsschreibung sowie zu Brechts epischem und materialistischem Schreiben gelesen.
Nicht: Was tat Caesar?
Sondern: Was waren Caesars Geschäfte – und wer arbeitete dafür?
Der neue Gedichtband von Charlotte Geldregen enthält eine Hommage an die Droste:
Wär ich ein Jäger auf freier Flur,
Ein Stück nur von einem Soldaten,
Wär ich ein Mann doch mindestens nur,
So würde der Himmel mir raten;
Nun muß ich sitzen so fein und klar,
Gleich einem artigen Kinde,
Und darf nur heimlich lösen mein Haar,
Und lassen es flattern im Winde!
Wär ich ein Indikativ in der Welt,
Ein Etwas von einem Etwas,
Wär ich ein Komma, das wenigstens bellt,
So wäre ich immerhin etwas.
Doch bin ich nur fade Wirklichkeit,
Von der zu wissen mich angeht;
Und der Traum ist fern und weit,
Und kaum nur, dass er mich anweht.
Im Winde klirren die Lügenfahnen,
sommers und winters, glocken aus
bronze, glocken aus glas,
das bimbam fällt aus den himmeln,
Im Winde klirren die Lügenfahnen.
postbulls()hit
postepos nennt ulrike draesner ihren
unsinn um penelope penelopes sch()iff
2025 wildgans`KIRBISCH hatte doch
die gattung ins sumpfland des p o s t
übeführt und die homerische karte
ist doch lange ausgespielt
Du findest Ithaka ärmlich?
Aber die Insel hat Dich nicht betrogen.
Du bist weise geworden und
Du hast soviel Erfahrung gewonnen auf den Reisen.
Du wirst auch gelernt haben,
Was Ithaka eigentlich bedeutet.
ade penelope begraben zwischen ja und ja
in joyces letztem kapitel - ulysses
Project MUSE - On Misogyny in the Critical Reception of Molly Bloom