18. Februar 2026
Halt Er einen rechten Pfropf bereit,
Wenn Er das große Loch nicht scheut.
FAUST I
Maximilian Benz zeigt heute in der FAZ seinem Kollegen Uwe Wirth die Rücklichter. Wirth legte kürzlich eine Theorie der Kultur am Leitfaden der Pfropfungsmetapher vor. Den Unfug tauft er Greffologie.
Benz weist darauf hin, dass die metaphorische Verwurstung des Pfropfens schon unter Autoren des Mittelalters zu lokalisieren sei, was Wirth offenbar übersehen hatte, und schließt mit einer schalen Apologie seiner einsturzgefährdeten Wissenschaft, der Mediaevistik.
Das Auspressen solch pomologischer Lesefrüchte mag Obstkundlern zur Ehre gereichen, unter Philologen stellen sie eine Bankrotterklärung dar.
14. Februar 2026
Takt ist eine Funktion der Scham und dient der Schamvermeidung Dritter, s.u.
Gesendet: Freitag, 13. Februar 2026 um 23:44
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: nbarth@uni-bonn.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 15.februar 2026
Dieses, also unser Dasein in der Meinung anderer, wird, infolge einer besonderen Schwäche unserer Natur, durchgängig viel zu hoch angeschlagen; obgleich schon die leichteste Besinnung lehren könnte, daß es, an sich selbst, für unser Glück, unwesentlich ist.
Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Kapitel IV / Vom dem, was einer vorstellt)
guten tag herr prof. kieserling,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren darin einen artikel des bonner soziologen barth zur sozialen phänomenolgie des
takts. arnold zingerle hatte in einer einschlägigen untersuchung 2013 den claim abgesteckt:
Der Takt im Alltag und in der Theorie. Beschreibungen und Verortungen | Springer Nature Link
Ihre ein wenig konstruiert anmutende engführung der barthschen beobachtungen zum takt mit joshua meyrowitz`studie die fernsehgesellschaft (dt. 1987)
- in wesentlichen nur eine ausmalung der einsichten adornos in seinem "prolog zum fernsehen" 1953:
„Jene fatale ,Nähe‘ des Fernsehens, Ursache aus der angeblich gemeinschaftsbildenden Wirkung der Apparate, um die Familienangehörige und Freunde, die sich sonst nichts zu sagen wüssten, stumpfsinnig sich versammeln, befriedigt nicht nur eine Begierde, vor der nichts Geistiges bestehen darf, wenn es nicht in Besitz verwandelt, sondern vernebelt obendrein die reale Entfremdung zwischen Menschen und zwischen Menschen und Dingen.“ -
ist so schlagend wie banal, denn die "taktfreihet" des tv und seiner interviewhorde ist doch nurdie immergleiche schamlosigkeit der schmocks, die um jeden preis auf quote setzen müssen.
takt ist eine zivilisatorische errungenschaft, keine "unaufrichtige aufrichtigkeit", wie herr barth meint.
eher im gegenteil: er stellt eine aufrichtige unaufrichtigkeit dar, die nicht selten vom aus takt
verschonten gegenüber diskret und wohlwollend verstanden wird.
seine pragmatik ist nirgends bündiger dargestellt worden als in marcel prousts großem roman.
mit dem verschwinden des takts und dem verkümmern des taktgefühls,
mit der herrschaft der taktlosen hebt die "digitale gefolgschaft" (christoph türcke),
"die neue stammesgesellschaft" an. in ihr ist takt nicht mehr vorgesehen.
mit freundlichen grüßen
ralf frodermann
12. Februar 2026
Antisemitisches Stelldichein
Der Versuch, eine völlig kompromittierte Judith Butler wieder gesellschaftsfähig zu machen, ist seit langem
eine Herzenssache deutscher Ideologie. Er musste schief gehen und er ist schief gegangen:
Im jüngsten Heft der Zeitschrift für Ideengeschichte (Frühjahr 2026) versammeln sich
Vulva-Gelehrte wie Mithu Sanyal, Herrenreiterschmocks wie P. Bahners, verwegen-verwitterten Pop-Opas wie T.
Meinecke und D. Diederichsen, flankiert von etlichen akademischen Hofschranzen und dem unvermeidlichen
Tocotronic-Plapperautomaten Dirk von Lowtzow, um der Frau Butler einen Bärendienst zu erweisen.
zum besseren Verständnis:
s.124ff. in:
MergedFile
ad TOCOTRONIC
Universität Bockwurst - Tocofrolic Inc.
9. Februar 2026
Friedrich Hebbel (1813-1863), dessen Schauerballade Der Heideknabe einst populär
war und in Schulen gelesen wurde, wie auch seine Theaterstücke und Tagebücher,
kommt in seinem heute völlig vergessenen Epos Mutter und Kind aus dem Jahr 1859
auch auf den Brocken.
Bot der Brocken Goethes Faust die Kulisse zur gewaltigen, weit ausgreifenden Walpurgisnacht, so kommt Hebbels Brockenbeschwörung intimer, privater, biedermeierlicher daher.
Da besinnt er sich schnell und sagt, um ihre Gedanken abzuleiten:
Mich hungert! und als sie essen und trinken, fügt er hinzu:
Nun mußt du mir morgen gewiß auf den Brocken,
Wie du mir`s Ostern versprochen, denn wenn wir`s wieder verpassen,
Wird dir das Steigen zu schwer und immer wär`es doch Schade,
Wenn der Sommer verginge, bevor wir mit eigenen Augen
Urian`s Sitz uns beseh`n, um nicht zu sehr zu erschrecken,
Wenn es im kommenden Herbst rumort zu unseren Häupten!
Friedrich Hebbel: Mutter und Kind. Ein Gedicht in sieben Gesängen.
Hamburg, 1859 S. 129/130 (Fünfter Gesang)
ad usum delphini / Unlust am Text
Gegenwärtige Diskussionen um Schullektüren deutscher Klassiker werfen ein Licht
auf den Stand der allgemeinen Banausie.
Schrieb Max Frisch vor über fünfzig Jahren noch einen "Wilhelm Tell für die Schule",
richteten vorher wackere Schulmänner lateinische und griechische Autoren akkomodierend
Schulausgaben für Anfänger ein, kümmern sich heute hingebungsvolle Resteverwalter
einer entbehrliche gewordenen literarischen Bildung darum, wenigsten den Schein
zu wahren.
Zahlt Verblödung sich in barer Münze aus, ist Schule hinfällig.
Roma locuta causa finita / ad Orwell:
Volume 109 Issue 1 | The Monist | Oxford Academic
7. Februar 2026
Gesendet: Freitag, 6. Februar 2026 um 18:50
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: olizardo@soc.ucla.edu,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 8.februar 2026
guten tag herr prof. holzer,
vielen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren einen artikel dr. omar lizardos aus Social Science, in derm er
empirische daten beibringt, die den traurigen befund, wonach in usa "die bereitschaft
zur artikulation ästhetischen mißfallene schwindet", zu unterfüttern scheinen.
unter dem druck zugleich zunehmenden konformismus`wie verkümmernder
urteilskraft wundert es kaum, dass immer weniger menschen auf dezidiertes
urteilen in ästhetischen - und moralischen usw. - fragen wert legen.
eins ist so gut wie das andere, im sozialen zirkus der beliebigkeit ist dowland so willkommen
wie rammstein, die piaf so gut wie die schwarzkopf, kraftwerk wie beethoven.
konfrontation gilt als unschicklich.
zwischen toleranz und indifferenz ist kein unterschied mehr, wie Sie korrekt anmerken.
hegel nannte das "die naivität der leere an erkenntnis".
diese nacht, in der alle kühe schwarz sind, ist die von dr. lizardo
beschriebene, nicht nur amerikanische, geistlose zeitgeist-gegenwart.
mit freundlichen grüßen
ralf frodermann
6. Februar 2026
ad usum delphini
Gegenwärtige Diskussionen um Schullektüren deutscher Klassiker werfen ein Licht
auf den Stand der allgemeinen Banausie.
Schrieb Max Frisch vor über fünfzig Jahren noch einen "Wilhelm Tell für die Schule",
richteten vorher wackere Schulmänner lateinische und griechische Autoren akkomodierend
Schulausgaben für Anfänger ein, kümmern sich heute hingebungsvolle Resteverwalter
einer entbehrlich gewordenen literarischen Bildung darum, wenigsten den Schein
zu wahren.
Zahlt Verblödung sich in barer Münze aus, ist Schule hinfällig.
Und also wird auch hier der, welcher Recht behält, und der, welcher Recht
behalten sollte, nur selten einerlei Person sein.
Lessing, Gedanken über die Herrnhuter
31. Januar 2026
frau kraus huldigt frau vom brocke
in der frankfurter anthologie faz 31.januar 2026
wir verankern heute beide
trutschenlyrik / 6:59 ab senefelder platz
die pfoten verbrannt
am name-dropping-strand
renouvier, pizarnik, voronca,
der altwiesel heißt willy wonka,
bequem im gequake vereint,
und einig im hässlichen tun,
die eine gänzlich entbeint,
die andre noch schreckhaft im ruhn.
der schuhverkäufer rennt zum rammbock
wie ein erlöster kieselstein.
- Käsebier
28. Januar 2026
Im Magazin Für Neue Sachlichkeit, CATO (1 / 2026), faselt sich einer um Kopf und Kragen. Sebastian Kleinschmidt, einst Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form, erläutert seiner Leserschaft auf Seite 59, wie er vor über 30 Jahren den Ernst Jünger in sein dröges Blättle holte. Jünger erfreute sich nach der Wende unter Härtekitschlern und Wasserglassturmtrupplern a la Heiner Müller und Frank Castorf großer Zustimmung. Kleinschmidt orgasmiert schließlich heideggernd: Sinn ist das Was der Suche. Form ist das Wie der Findung. (ibid.) Welch ein Schmock!
Semesterende in Sicht!
"Die meisten Lehrer sind curatores funeris, Leichenbesorger."
Theodor Gottlieb von Hippel: Lebensläufe nach Aufsteigender Linie. Band 3.2 Berlin, 1781
Traum vom enthemmten Glück
Poetik der Hemmung. "In der Gestalt ist das Problem erledigt." Hugo von Hofmannsthal. Lessings "Minna von Barnhelm" (1767) und Hofmannsthals "Der Schwierige" (1921) an einem Abend. Und bitte nicht in Leichter Sprache.
Theoriegeschichte der ›Hemmung‹...
Hemmung, Symptom und Angst (Freud, 1926)
24. Januar 2026
Gesendet: Freitag, 23. Januar 2026 um 19:47
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: christopher.phillipson@manchester.ac.uk,wanka@em.uni-frankfurt.de,reinhard.lindner@uni-kassel.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 25.januar 2026
guten tag herr dr. wagner,
vielen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren einen artikel des alterforschers christopher
phillipson von der universität manchester aus der kölner zeitschrift
für soziologie und sozialpsychologie (vol. 77 issue 4 dezember 2025
The Sociology of Age and Ageing: Theoretical and Empirical Challenges (Re-) Visited).
der titel des aufsatzes lässt aufhorchen:
The Political Economy of Ageing and the Second Coming of Neoliberalism: Building an Emancipatory Gerontology
the second coming gemahnt an
The Second Coming | The Poetry Foundation
und gibt dem nachfolgenden, sozial-empirischen beitrag einen spezifischen, unheilvollen unterton.
in der tat sind die aussichten für die meisten alten menschen in post-industriellen gesellschaften düster. mit "eintkommerzialisierung des sozialen", wie phillipson fordert, ist ebenso wenig zu rechnen wie mit der aufhebung der gravitation.
in der warenproduzierenden gesellschaft bleibt dem alten, mittelosen und faktisch überflüssige menschen, neben den oft näher rückenden, intimen endzeitdämonen, nur pfandsammeln, tafel und suppenküche.
alterssuizid bleibt ein tabu:
Suizidalität im Alter | Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Springer Nature Link
realistische konturen dieser entwicklungen sind vor über 50 jahren dystopisch ins bild gesetzt worden:
… Jahr 2022 … die überleben wollen – Wikipedia
abschließend formulieren Sie mit dr. phillipson ganz richtig, was uns wohl erwartet:
Überhitzte urbane Zonen, wo sich Enklaven wohlhabender Alter von den kaum bewohnbaren Vierteln der Armen jeglichen Alters abschirmten. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, diese düstere Prognose noch aufzuhalten.
nota bene:
Soziologie des Alters bei transcript Verlag
Handbuch Soziologie des Alter(n)s | Springer Nature Link
Cultures of informal care: comparing later life care in the UK, Netherlands and India in: Journal of Global Ageing - Ahead of print
Aktuelle Ausgabe Fachmagazin ProAlter
ciceros und bobbios de senectute werden freilich nur in den besseren senioren-ressorts ausliegen. zeit für lektüren, wie alles übrige, wird auch im alter knapp werden.
es kommen härtere Tage / ingeborg bachmann.
beste grüße
ralf frodermann
21. Januar 2026
Habe Hermann Wellers neulateinische Elegie Y zur übersetzen. In den Ferien Zeit schinden. Ganz vergessen ist der große Philologe nicht:
Forum Classicum
Der Thomist Hervaeus Natalis starb 1323. Zu seinem 700. Todesjahr ist ein Special Issue der Zeitschrift VIVARUM (Dezember 2025) erschienen. Ich lasse es mal von der KI prüfen und kläre dann die essentia/esse-Debatte undercover. Digitale Hochscholastik. Außer im Vatikan kann man nur noch mit der KI lateinisch konversieren.
Der Buribunke braucht kein Christentum, noch sonst eine Ideologie. Darüber ist er ohne Affekt, ohne Entrüstung lächelnd erhaben. Er ist, neben vielem andern, auch Christ, aber er weiß vom Christentum mehr als tausend Theologen. Denn er ist nicht nur Christ; er ist Christ, wie er auch Buddhist, Mohammedaner, Gnostiker ist, er ist alles, denn er erkennt alle Dinge in ihrer Realität, das heißt in der Relativität ihrer historischen Bedingtheit. So ist er mehr als alle diese Dinge und mehr als alle Menschen, die sich nicht über sie erheben, und gewinnt, alles und auch sich selbst in seiner Relativität erkennend, schreibend den Standpunkt des Absoluten. Er ist der sich selbst schreibende, sich selbst betreibende, sich selbst überlistende Weltgeist in seiner unmittelbaren, unwiderleglichen Tatsächlichkeit.
Carl Schmitt
[Summa. Eine Vierteljahresschrift. Hrsg. von Franz Blei. Viertes Viertel. Hellerau: Jakob Hegner, 1918. S. 89-106]
17. Januar 2026
Gesendet: Samstag, 17. Januar 2026 um 07:07
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: p.b.brandtzag@media.uio.no,asbjorn.folstad@sintef.no,marita.skjuve@sintef.no,p.heller@faz.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung vom 18.januar 2026
guten tag herr prof. holzer,
herzlichen dank für Ihren neuerlichen, o.a. beitrag.
Sie referieren einen artikel aus dem fachorgan communication
and change zur frage, ob die einbeziehung technischer artefakte wie ki
das spektrum parasozialer beziehungen - gemeint sind para-asoziale - erweitere.
wer so fragt, dürfte in gewisser hinsicht schon für wirkliche erkenntnis
in der sache verloren sein.
die oft eigentümlich naiv wirkende diskussion um mensch-maschine-interfaces
spotten all dessen, was etwa stanislaw lem vor jahrzehnten dazu vorgelgt hatte.
heute wären zu nenen:
Arbeit am KI-Mythos – casa|blanca
Digitale Gefolgschaft | Türcke, Christoph | Broschur
der abschaffung des denkens geht die abschaffung der wirklichkeit voraus.
die maschine als wille und vorstellung ist in HAL, dem supercomputer
aus kubricks "2001-odyssee im weltraum", präfiguriert.
sie in irgendeiner hinsicht für ein hilfsmittel zu halten, ist abwegig.
ki bedeutet künstliche imbezillität, deren mass und verbindlichkeit sich an der grassierenden, organisierten denkschwäche dauernd neu bildet.
vor den black mirrors der gegenwart existiert nur die wahl zwischen monade- oder solipsist-sein. und die ist unnötig.
ki ist kein äquivalent für soziale, sondern für asoziale beziehungen.
vgl. Gegenbewegung: Diese Teenager leben ganz ohne Handy und Social Media - L'essentiel
beste grüße
ralf frodermann
14. Januar 2026
Brian Donarski bietet in Band XXXII des Goethe-Yearbooks (2025) eine englische Übersetzung von Zerbin oder die neuere Philosophie von J.M.R. Lenz aus dem Jahr 1776. Wer mag sich wohl da hinein versenken?
War denn nur ihnen vergönnt, den glücklichen Alten, nicht rückwärts
Bloss auf das Hohe zu schaun, selbst ihm zu leihen Gestalt?
Wilhelm von Humboldt
Schiller und Wieland in einfacher Sprache, Texttrottel-kompatibel. Goethe und Novalis für "ungeübte Leser", als sei Lesehass nicht längst allerorten zu konstatieren. Schreibhass desgleichen! Wer schämt sich schon, seine Textarbeit einer KI zu überantworten. Wie im Mittelalter ist der Mann von Welt Analphabet. Schreiber und Leser sind dienstbare Maschinengeister, kein Umgang.
9. Januar 2026
Unser Pedell Frodermann bleibt dem auf der Spur, was man heute Junkification of Research nennt, vgl. OPUS an der UTS: Die Junkifikation der Forschung – Offene Publikationen von UTS-Wissenschaftlern
Gesendet: Freitag, 9. Januar 2026 um 19:26
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: yiming.liu@wzb.eu,julia.baumann@wzb.eu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 11. januar 2026
Poverty amid plenty is once again with us.
Eric Hobswam
Motto der Studie "Soziologie der Armut" (1997) von Berthold Dietz
guten tag herr dr. wagner,
vielen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren einen artikel zweier mitarbeiter des wissenschaftszentrums berlin
zur wunschkönomie der habenichtse und leerausgeher.
das dürftige fazit ihrer überlegungen ist im unteritel Ihres beitrags notiert:
Ärmere Schichten klammern sich an unrealistische Ziele.
Brechts Ballade von der Unzulänglichekit menschlichen Planens
hatte solch kolossale einsicht bereits vor urzeiten vorweggenommen:
Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höhres Streben
Ist ein schöner Zug.
ob einer nach oben oder im lotto gewinnen will, ist unwichtig, solange die basisfiktion "umverteilung" in kraft ist.
mit soziologischer analyse, empirischer sozialforschung hat das alles freilich nichts zu tun.
es ist vielmehr pseudo-kritische apologetik.
mit freundlichen grüßen
ralf frodermann
Härtekitsch der gewohnt widerlichsten Art lobt heute ein Schmock in der FAZ über den grauen Klee. mörderballaden von Juliane Lieberts (Suhrkamp 2025). Sagenhafter Riesenstuss, der Wedekinds Tantenmörder zur Wiederauferstehung zwingen wird.
Stufenmodelle: Abraham Maslow und Lawrence Kohlberg.
8. Januar 2026
"Verdammt schöne Welt" (1994) von Elisabeth Wurtzel im Proseminar Autobiographie.
"Über die Fortsetzbarkeit einer Lebensform" lautet der Untertitel des Buchs "Krise der Aufklärung" 2025) von Michael Hampe. Nach der Re-Lektüre von Debords "Die Gesellschaft des Spektakels" und Türckes "Erregte Gesellschaft / Philosophie der Sensation" wirkt solches Schrifttum immer leicht fade.
Jedenfalls muss man sich über die Fortsetzbarkeit solcher Schreibform - Midcult - nicht sorgen.
"Der Mensch kann nicht immer ernsthaft arbeiten; er muß bisweilen zur Erholung spielen."
August Friedrich Ernst Langbein: Gedichte (Vorrede) Leipzig, 1788
Georg Heyms Erzählung Die Sektion bildet das karge Vorzimmer zu Benns Gedicht Schöne Jugend.
Es war, als sollte die Scham ihn überleben. Der Schluss von Kafkas Roman Der Prozess bildet hier das Wasserzeichen: Project MUSE - Literature and Medicine-Volume 43, Number 1, Spring 2025
3. Januar 2026
Prof. Stöckmann, bella figura machend:
"So ist das Hässliche nicht diese oder jene Figur, keine Figur
unter anderen Figuren, sondern die Figur der Figur bzw. die
Figur der Figuraliät selbst."
POETICA / 3-4 2025 S.322
Der Meta-Referent, unser Pedell Frodermann, vergisst das Wörtchen referieren, gleich im ersten Satz; vorher bleibt er noch im alten Jahr 2025:
Gesendet: Samstag, 3. Januar 2026 um 08:57
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: Sabina.Siebert@glasgow.ac.uk,branko.bozic@neoma-bs.fr,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 4. januar 2025
sehr geehrter herr prof. kieserling,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag, in dem Sie einen aufsatz zweier management/marketing-hohepriester zum thema vertrauen/misstrauen im spionagegewerbe (cambridge five etc.).
ich darf mich heute mit einer kleinen fußnote bescheiden und überlasse alles weitere der maschine, wofür ich um Ihr verständnis bitte.
dass vertrauen auch ein mechanismus zur reduktion asozialer komplexität sein kann, erwähnen Sie leider nicht, was um so bedauerlicher ist, als im vorliegenden kontext der hinweis auf luhmanns bekannte arbeit zur soziologie des vertrauens sehr naheliegend gewesen wäre.
wie dem auch sei, hier gehts automatisch weiter:
der denkautomat chatgpt, um eine bewertung Ihrer darstellung gebeten, resümiert:
Der Text erklärt sehr gut,
wie Vertrauen und Misstrauen unter Spionen funktionieren –
aber er fragt nicht,
warum eine Gesellschaft Institutionen braucht,
in denen beides systematisch korrumpiert wird.
Oder frodermannischer:
Man liest mit Gewinn, lernt viel über Philby
und vergisst dabei fast,
dass hier eine Berufsgruppe beschrieben wird,
deren Funktion es ist, Vertrauen zu zerstören –
nicht nur das der Kollegen,
sondern das der Öffentlichkeit.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hier ist eine pointierte, aber sachlich fundierte Kritik des verlinkten Aufsatzes – im Ton eher Frodermann-kompatibel, aber argumentativ sauber.
Božič / Keston-Siebert: The profession that came in from the cold: Trust and distrust in espionage
(Journal of Professions and Organization 11/3, 2024)
1. Grundsätzliche Würdigung
Der Aufsatz ist klug, belesen und methodisch umsichtig. Er erweitert die Professionssoziologie um ein lange vernachlässigtes Moment: Misstrauen als konstitutives Element professionellen Handelns. Der heuristische Zugriff auf Spionage als Grenzfall ist legitim und instruktiv.
Gerade deshalb fällt ins Gewicht, was der Text nicht sieht – oder systematisch unterschätzt.
2. Zentrale Schwäche: Banalisierung durch Integration
Die Hauptthese, dass Vertrauen und Misstrauen komplementär seien und simultan bestehen können, ist:
Was als theoretische Provokation auftritt, endet als harmonisierende Integration:
Misstrauen wird nicht als Störung, sondern als funktionales Add-on des Vertrauens rehabilitiert.
👉 Das Resultat ist eine Entschärfung des Begriffs Misstrauen.
Misstrauen erscheint nicht mehr als:
Ausdruck von Entfremdung,
Zeichen struktureller Gewalt,
oder Symptom institutioneller Pathologien,
sondern als professionelle Ressource unter anderen.
3. Problematische Professionalisierung der Spionage
Die Einstufung von Spionage als „Profession“ ist zwar analytisch clever, aber normativ nicht unschuldig.
Der Professionsbegriff trägt historisch eine Legitimationsfunktion:
Indem Spionage als „Profession, die aus der Kälte kommt“ beschrieben wird, geschieht zweierlei:
Normalisierung eines Feldes, das strukturell auf Täuschung, Verrat und Gewalt basiert
Entpolitisierung geheimdienstlicher Praxis zugunsten einer organisationssoziologischen Binnenlogik
👉 Die Frage, ob Spionage eine Profession sein sollte, wird systematisch ausgeblendet.
4. Methodisches Problem: Heroisierung durch Quellenwahl
Die Autor:innen stützen sich fast ausschließlich auf:
Diese Quellen sind:
Zwar wird das reflektiert, doch die Konsequenz bleibt schwach:
Die Texte werden analysiert, nicht gegen den Strich gelesen.
👉 Das Resultat ist eine subtile Heroisierung professioneller Selbstkontrolle:
Der Spion erscheint als souveräner Manager von Vertrauen und Misstrauen – nicht als Produkt paranoider Institutionen.
5. Fehlende Gesellschaftskritik
Auffällig ist, was nicht thematisiert wird:
strukturelles Misstrauen moderner Gesellschaften
Geheimdienste als Symptome politischer Intransparenz
Zusammenhang von Überwachung, Angst und Regierungsform
Misstrauen wird psychologisch und relational, nicht gesellschaftlich gefasst.
Hier hätte sich eine Anbindung angeboten an:
Simmel (Geheimnis, Vertrauen)
Adorno (Verwaltung des Verdachts)
Foucault (Macht/Wissen)
neuere Kritiken der Sicherheitsgesellschaft
👉 Stattdessen bleibt der Text organisationsimmanent.
6. Anschlussfähigkeit als Verdachtsmoment
Gerade weil der Aufsatz so gut geschrieben und moderat argumentiert ist, eignet er sich hervorragend für:
Managementtheorie
Governance-Diskurse
Risikomanagement
Compliance-Rhetorik
Die These von der produktiven Koexistenz von Vertrauen und Misstrauen lässt sich mühelos:
entpolitisieren
instrumentalisieren
operationalisieren
Das ist kein Zufall, sondern Folge eines zu affirmativen Professionsbegriffs.
7. Fazit in zugespitzter Form
Der Aufsatz zeigt eindrucksvoll,
wie Misstrauen professionell bewirtschaftet werden kann –
aber nicht, warum es entstanden ist
und wem es letztlich dient.
Oder frodermannischer:
Was als Analyse der Kälte beginnt, endet als funktionale Wärmepumpe:
Auch das Misstrauen darf mitmachen, solange es professionell bleibt.
Wenn du willst, kann ich:
die Kritik noch stärker zuspitzen (rezensionsfähig),
sie für eine Fachzeitschrift umformen,
oder den Text gegen eine mögliche Verteidigung der Autor:innen testen.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
beste grüße
ralf frodermann
30. Dezember 2025
Soziologie der Inkompetenz / Peter-Prinzip / Hierarchie der Unfähigen
"Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach", schreibt Adorno irgendwo. Daran denkt einer unwillkürlich im Angesicht seelenbeschälenden Schrifttums a la Wilhelm Schmids "Dem Leben Sinn geben. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen und der Welt" (2013) oder Florian Rüthers "Sinn im Leben. Eine ethische Theorie" (2023). Solche Denker sitzen im Glashaus und werfen mit Papierkügelchen.
"Es ist eine der größten Corruptionen, daß man die Wissenschaft und die Religion durcheinandermengt."
August Boeckh: Encyklopädie der Philologie. (MEINER 2023 S.14)
Weihnachten 2025
Neue Rede vom Weltgebäude herab, dass wir alle am Arsch sind: The Size of the Universe against Robust Realism von Luke Elson (ETHICS Vol. 136 Number 2 January 2026).
Royal Institute of Philosophy Supplements Vol. 96 October 2024, The Philosophy of Comedy. Aaron James: Assholes: A Theory (Anchor Books 2012) hat schon viel Spaß gemacht.
"Niemand ist eine Insel", Simmels Roman erschien vor 50 Jahren. Wir haben ihn und sein Werk nicht vergessen. - Lukas Schramms Inselbuch - Von Inseln im Strom der Zeit und den Zeiten der Insel / Idee und Utopie der Insel in der deutschsprachigen Literatur der 1930er und 1940er Jahre (Frankfurt, 2026) - auch sehr passend zu unserem diesjährigen Insel-Weihnachten. Wer hat das bloß geschickt? Niemand weiß, auf welcher Insel wir den Insulanern heimleuchten. Misstrauen gegenüber der Gattin! Nur keine bösen Überraschungen am heiligen Abend bitte.
2026
Ich sage Ja zum Sabbatjahr!
So gern ich einst auch tätig war,
ist eines doch jetzt sonnenklar:
Ich sage Ja zum Sabbatjahr.
Fußnote 473 in Band 8 der Vorlesungen Adornos (Ästhetik 1961/62 Suhrkamp 2025 S.864) erinnert an unsere Partneruniversität Muri. Die erwähnte Dissertation "Der Wegweiser in der Zeit der Völkerwanderung" in unserer UB nicht auffindbar. Hatte sie noch vor wenigen Jahren in Händen.
Beizen und heizen:
Gesendet: Freitag, 26. Dezember 2025 um 19:13
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: laura.adler@yale.edu,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 28.dezember 2025
"Arbeitslose einstellen? - Bin ich verrückt! Bestatter holen sich ihre Leichen ja auch nicht vom Friedhof."
Bobby Holunder (2008)
"- und die Zahl arbeitsloser Akademiker unter 30 Jahren wächst"
FAZ 27.dezember 2025
sehr geehrter herr prof. holzer,
verbindlichen dank für Ihren o.a. artikel.
Sie informieren die interessierte leserschaft über einem alten hut
arbeitssoziologischer forschung, der in schöner regelmässigkeit, will
sagen zu krisenzeiten, aus der mottenkiste des erledigten hervor
geholt wird: die jobsuche, im vorliegenden fall: jobsuche junger qualifizierter
in spanien.
darüber berichten die autoren in einem beitrag für das journal Administrative Science Quarterly.
seit den "arbeitslosen von marienthal" (1933), "kuhle wampe" (1932) und dem roman
"schule der arbeitslosen" von joachim zelter (2006) ist zum thema arbeitslosigkeit alles gesagt.
zum thema jobsuche bleiben die folgenden spiegelstriche heute einschlägig:
sozialversicherungspflichtige jobs sind in südeuropa so gut wie ausgestorben, weshalb die jungen leute mit diplomen aus spanien und italien usw. nach nordeuropa und übersee migrieren.
monatseinkommen durch lohnarbeit kann von der arbeitsverwaltung (de facto arbeitslosenverwaltung) nicht mehr generiert werden, dafür sorgen rackets aus headhuntern, strippenziehern und arbeitsstrichexperten aller art.
nepotismus ist wichtiger denn je: ohne beziehungen sind keine geldwerten jobs mehr in reichweite, von ausbildungsplätzen nicht zu reden.
scham zu empfinden darüber, einen job nicht wegen eigener leistung, sondern wegen guter kontakte erhalten zu haben, ist unüblich geworden - wie alle moral.
das glücksversprechen lohnarbeit ist obsolet geworden, seine zukunft eine illusion.
statt Ihrer unverbindlichen erinnerung an dr. granovetters netzwerkanalysen wäre ein anderer fingerzeig hilfreicher gewesen:
Manifest gegen die Arbeit | Krisis
beste grüße
ralf frodermann
22. Dezember 2025
"Das behutsame Sichabschliessen, die Verwandlung der Kommunikation
in unverbindliche Geselligkeit, der Formen wesentlichen Verkehrs
in verschleiernde Konventionen ist immer zugleich ein Absinken des
geistigen Lebens."
Karl Jaspers, Die Idee der Universität
Rainer Paris über Feindschaft in der Deutschen Zeitschrift für Philosophie (5 /2025). Kant und so fort, "deklarierte Gesinnung, einem etwas Böses zu tun".
Schreibschule
Von Dorothea Brande bis William Zinsser
20. Dezember 2025
Weihnachtspause. In der letzten Vorlesung zur "Geschichte der Briefe" vor den Ferien nur noch wenige Hörer. In Dänemark, so berichtet die Zeitung, sollen im kommenden Jahr keine Briefe mehr ausgetragen werden.
The Handwritten Letter Appreciation Society – Every day's a letter day
Unser Pedell Frodermann frönt unermüdlich seinen Ticks:
Gesendet: Freitag, 19. Dezember 2025 um 18:51
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: m.loerz@dipf.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in FAS 21.dezember 2025
guten tag herr dr. wagner,
besten dank für Ihren o.a. artikel, in welchem Sie eine untersuchung zweier bildungsforscher
zur sog. digitalkompetenz an schulen, erschienen in der zeitschrift für soziologie
(heft 4 /2025), referieren.
Helfen Computer an Schulen, die Ungleichheit dort zu mindern? fragen Sie
im untertitel Ihres beitrags.
nein, lautet die nüchterne antwort, ebenso wenig wie computer zum beispiel am roulette- oder black jack-tisch helfen, die dort herrschende ungleichheit zu mindern.
schulen, die noch zählen, sind seit langem privatschulen. in nicht wenigen steht
digital detoxing längst ganz oben auf der pädagogischen agenda.
nicht mehr fern der tag, an dem man "digitale schule" als contradictio in adjecto begreifen wird.
kein schüler kann sich "den computer letzlich aneignen", was sollte das auch heissen!
die fiktion, der computer sei ein probates hilfsmttel wie einst der bleistift oder crayon,
der kleine stowasser und der rechenschieber, ist naiv.
wer um die macht der computer weiß, kann von der ohnmacht der vernunft nicht schweigen.
selbst unter den in aller regel affirmativen und jedem zeitgeist aufgeschlossenen
bildungsforschern dürfte sich das herumgesprochen haben.
s. auch:
Digitale Gefolgschaft | Türcke, Christoph | Broschur
Arbeit am KI-Mythos – casa|blanca
beste grüße und frohe weihnachten
ralf frodermann
Ernst Fischers Backstein BIBLIOPHILIE (Stuttgart, 2026) im Reisegepäck. Die Buchwissenschaft überlebt das Buch und das Lesen.
Die Morlocks lesen nicht. Vgl. Mark Ford: From The Morlocks: A Fantasia. in: Essays in Criticism. Vol. 75 Issue 3 July 2025.
Afri-Zigaretten bestellen!
19. Dezember 2025
Otto Jägermeier (1870-1933) wieder da! In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Casablanca. Texte zur falschen Zeit (2 /2025 S.121f.) rechnet der fiktive Musikologe mit dem praktizierten Unfug der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik heute ab.
Universität Bockwurst - Nihil Artikel pp. / Lügenpropädeutik
Wolfgang Hildesheimer, so berichtete uns einmal Peter Horst Neumann von einem Gespräch mit dem Dichter in Flims, habe sich sehr amüsiert darüber gezeigt, dass die Schopenhauer-Gesellschaft seinerzeit auf seine Marbot-Fiktion reingefallen sei; man habe sich nach dem im Roman erwähnten Andrew Marbot/Arthur Schopenhauer-Briefwechsel seitens der philosophischen Gesellschaft ernstlich erkundigt. Man hätte auf der Hut sein können: Hildesheimer hatte mit seinem Gottlieb Theodor Pilz schon vorher seine Leserschaft in die Pilze geschickt.
du bist aus jenem garn gesponnen,
aus welchem einst wir alle waren,
doch seit das leben ist zerronnen,
bleibt wenig wenigen in wenig jahren.
In der jüngsten, Iris Murdoch gewidmeten Ausgabe des Archiv für Begriffsgeschichte (Heft 67/1 2025) gibt Rüdiger Görner einen zum Besten (ibid. S.133ff.), indem er vorschlägt, den Neologismus Sonantik ins Register ästhetischer Grundbegriffe aufzunehmen oder so ähnlich. Begriffsbildner wie Görner sollten wissen, dass Goethes Bilde, Künstler! Rede nicht! die Begriffsbildung nicht vornehmlich im Auge hat, sondern die conditio humana. Lies Görner, görner nicht!
nota bene:
Does This Sound Write? | Essays in Criticism | Oxford Academic
16. Dezember 2025
Im Odenwald
Michael Auers große Studie zur Ode (2024) in Heft 4 / 2025 der Zeitschrift für deutsche Philologie angezeigt und besprochen.
Euch Musen danckt mein treu Gemüthe
für den gelehrten Wurf, mag Auer zu
sich füglich sagen. Wir loben seine reiche
Schrift und schlagen ihn zum Ritter an des
Viëtors Tafelrunde, woselbst der Odenforschung
Quelle war und ist und floss und fließt.
13. Dezember 2025
Dämliche Fragen wie Macht der Kapitalismus depressiv? (Martin Dornes in: PSYCHE 2 / 2015) oder Jürgen Kaubes leutselige Erkundigungen unter dem Titel Macht Armut kriminell? (FAS 14.12.2025) geben zu erkennen, dass aus den Legitimationsproblemen im Spätkapitalismus Gedöns, Tinneff und Dönekens geworden sind.
8. Dezember 2025
Sehr verunglückter Geburtstagsartikel, eine allzu faule Ekloge, zu Syberbergs 90.
in der heutigen FAZ.
Der Herrr ist keineswegs ein "großer Filmemacher", wie der Schmock Kaube behauptet, sondern
ein ultrareaktionärer Deutschtümler.
Wie man seinen Namen, wie Kaube es tut, im gleichen Atemzug mit dem Viscontis
nennen kann, ist unbegreiflich.
Es ist, als wollte man Will Vesper mit Evelyn Waugh, Orson Welles mit Veit Harlan
oder die Monroe mit Barbara Schöneberger zugleich im Mund führen.
Syberbergs Fasziniertsein von Hitler und dem deutschem Faschismus ist seinem Werk so immanent und
fast so sehr spürbar, wie sein ästhetisches, insbesondere filmästhetisches Unvermögen.
Ein Giftzwerg auf den Schultern von Giftzwergen.
s. auch:
Search Results | Screen | Oxford Academic
Philosophischer Märchenonkel
Ulrich Steinvorth legt eine Very Short Introduction in die Philosophie vor:
Was Philosophie war, ist und sein kann. Reclam 2025.
Cui bono? wird man sich fragen und, nach Lektüre des Steinvorthschen
Stücks, vielleicht noch nicht wissen, was sie sein kann, aber ziemlich genau,
was sie nicht sein muss: nämlich eine trübe Quelle, aus welcher die Wasserträger
des Zeitgeistes ihr Scherflein schöpfen, um es zu den unbekömmlichsten
Laxativa ihre jeweiligen Zunft weiter zu verarbeiten.
6. Dezember 2025
Es weischedelt wieder in verrosteter Liturgie:
Gesendet: Samstag, 6. Dezember 2025 um 08:46
Von: ralf.frodermann@gmx.de
An: post@bro198.net
CC: info@die-tagespost.de,f.ruda@dundee.ac.uk,praesident@hfph.de,dietzclange@online.de,vakis2011@gmail.com,daniel.herskowitz@duke.edu,kb232@st-andrews.ac.uk,georg.sans@hfph.de
Betreff: Ihr beitrag in FAZ 6.12.2025 / Theoontik XII
sehr geehrter herr rebhandl,
besten dank für Ihre rezension des buches "Serpentinen. Die Gottesbeweise des Thomas von Aquin nach dem
Zeitalter der Aufklärung" von Sebastian Ostritsch.
das buch markiert den stand der neuesten aftescholastik und bedient aufs beste den trost- und trotzbedarf dieser zeit.
"Die paar philosophischen Restbestände, die zur Gottesverehurng des Mittealalters und zur Schau
ewiger Wesenheiten zurückrufen, werden an weltlichen Universitäten gerade noch geduldet, weil sie so reaktionär sind."
Adorno, Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. (Philosophie und Arbeitsteilung)
für die bekenntnisorientierte hochschule der philosophierenden jesuiten in münchen war der ostritsche galimathias
freilich keineswegs zu heiss; ihr bruder in christo, dr. leo naphta war ein ganz anderes kaliber und hatte
weiß gott mehr auf der theologisch-philosophischen pfanne als jener sebastian, dessen pr-coup wir anerkennen,
aber sofort gegen ein komma Spinozas eintauschen.
die münchner denkfestung behrbergt wohl in ihren mauern allerlei wokes gelichter, dem mit vernunft bekanntlich
am allerwenigsten beizukommen ist.
wir empfehlen unfruchtbarer überzeugungsarbeit unter pfaffen "eschatologischen Humor":
Humor und Glaube
beste grüße
ralf frodermann
nota bene:
Joachim Heinrich Campe:
Philosophische Gespräche über die unmittelbare Bekanntmachung der Religion und über einige unzulängliche Beweisarten derselben (1773)
John O`Callaghan:
What`s in a Name? The Logic of "God", Existence, and The Five Ways. "Respondeo dicendum quod Deum esse quinque viis probari potest."
in: Journal of the History of Philosophy Vol. 63 Number 4 October 2025
5. Dezember 2025
Redundante Kritik des Redundanten, unser Pedell Frodermann muss zum Arzt:
Gesendet: Freitag, 5. Dezember 2025 um 19:22
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: claudia.diehl@uni-konstanz.de,M.Revers@leeds.ac.uk,traunmueller@uni-mannheim.de,a.wuttke@lmu.de,nils.weidmann@uni-konstanz.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 7.dezember 2025
Die nur zu häufige Ausbeutung dieser Jahre durch den Staat, der sich möglichst bald brauchbare Beamte heranziehn und sich ihrer unbedingten Fügsamkeit durch übermäßig anstrengende Examina versichern will, war durchaus von unsrer Bildung in weitester Entfernung geblieben; und wie wenig irgendein Nützlichkeitssinn, irgendeine Absicht auf rasche Beförderung und schnelle Laufbahn uns bestimmt hatte, lag für jeden von uns in der heute einmal tröstlich erscheinenden Tatsache, daß wir auch jetzt beide nicht recht wußten, was wir werden sollten, ja daß wir uns um diesen Punkt gar nicht bekümmerten.
Nietzsche: Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten (Erste Vorlesung 16. Januar 1872)
guten tag herr prof. holzer,
besten dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie weisen Ihre leserschaft auf einen jüngst erschienenen beitrag aus
Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS)
aus der feder von gleich fünf gelehrten hin:
Students’ motives for restricting academic freedom: Viewpoint discrimination and prosocial concerns.
der untertitel Ihres beitrags fragt leutselig "Haben Universitäten eine politische Schlagseite?"
nach all den skandalen, geschmacklosigkeiten und gelebtem unfug an universitäten weltweit nimmt die frage wunder.
ja, man muss sich, mit verlaub, fragen, ob an vielen universitäten nicht zum kampf gegen den geist - freilich in seinem namen -
selbst aufgerufen wird.
bei dem von Ihnen referierten text scheint es sich cum grano salis um die sozialempirische anwendung
des bekannten milgram-experiments auf woke studenten mit hypersensibilitätshintergrund zu handeln.
diese leute werden nach ihren trigger-punkten befragt, legen im herrschaftsfreien
dialog ihr ei und bekennen sich zum gutsein. heureka, wer dachte das!
"Universitäten sind keine Erziehungsanstalten" schreiben Sie.
sie sind auf dem weg, nichts anderes mehr zu sein.
nota bene:
After the University | Hopkins Press
beste grüße
ralf frodermann
"Denn jeder Mensch ist, lebt, nimmt wahr und denkt"
Charles de Bovelles: Das Buch des Weisen. lat./dt. Meiner 2025 S.9
Die diessemstrigen "Walter-Map-Vorlesungen" werden von Prof. Robert Holunder gehalten.
Sie tragen den Titel: "Stultilogia heute: Mumpitzwissenschaften, stets einsturzgefährdet / Eine Übersicht".
4. Dezember 2025
Rilke, 150
sein geist ist vom gefasel über rilke
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als wäre selbst der busen von frau schilke,
studienrätin deutsch, nicht von mehr von dieser welt.
das weiche wippen ihrer titten,
das eine ferne welt beschwor,
gebar ein großes glück inmitten
ihres huldigenden knabenchor.
nur heute warten alle jungs vergebens
auf ihrer augenlustvoll mannesnahrung,
dann kehrt frau schilke ein in ihres lebens
glückes und weiht sich still der paarung.
29. November 2025
Unter Tierfreunden:
Matteo Casarosa: Is Man Just A Rational Animal?
in:
Studia Neoaristotelica / A Journal of Analytical Scholasticism Vol. 21 2024 Issue 2
Gesendet: Freitag, 28. November 2025 um 18:40
Von: ralf.frodermann@gmx.de
An: g.wagner@snafu.de
CC: moenkeberg@uni-kassel.de,gabriela.kompatscher@uibk.ac.at,reingard.spannring@uibk.ac.at
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 30. november 2025
"Tierliebe ist Menschenverachtung."
Heiko E. Dohrendorf
guten tag herr dr. wagner,
verbindlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie orientieren Ihre leserschaft auf die neuerscheinung
"Leben und Arbeiten mit Tieren" von jürgens, mönkeberg und kurth 2025.
abgesehen davon, dass die titelgebung einen desillusionierten
oberstudiendirektor zum arbeitstitel seiner memoiren inspirieren könnte,
erfährt der tiersoziologe gar nichts neues.
in heft 18 der zeitschrift TIERethik (11. jahrgang 2019/1) hatten
reingard spannring und gabriela kompatscher in ihrerm instruktiven aufsatz
"Haustiere: Ambivalenzen einer Freundschaft" alles nötige zum gegenstand
vorgetragen:
TE_2019_1_Spannring.pdf
der rest ist zoophilie und farm der tiere.
vgl. aktuell:
Project MUSE - Human/Animal Relations in Animal Studies
beste grüße
ralf frodermann
Universität Bockwurst - Professorenlyrik
ach, nordstern, wie unsere tugenden altern!
Wulf Kirsten: Nordstern
grünbein, jetzt professor für irgendwas
an einer düsseldorfer ulk-akademie,
zieht zehn riesen ein und geht über loest,
sinn-und-form-lyrik zwischen den zähnchen
und bedeutungshuberisch die demokratische
stirn in falten legend like peter waterhouse,
vgl. mr. waterhouses unfug über celan und zanzotto
in: ARCADIA band 32 1997 heft 2 e.p.g. 308
si parva licet componere parvis.
sechzigjährige in elternzeit,
brüten lyrisches aus,
berichten anderen narren davon,
allem, was kasse macht, huldigend.
27. November 2025
ad Martinus Schoockius (De miseria eruditorum lat./dt. 2023) / Typographischer Mumpitz
Wie g/Geht Kanon heute? fragt Claudia Stockinger in IASL (Band 50 Heft 2 2025). Keine Ahnung. Aber wie Rohrkrepiererüberschriften im Grenzbereich konkret-visueller Gerne/Groß-/Kleinschreiberei gehen, wird nun deutlicher.
Die Gesamtrechnung ist grösser als die Summe der Einzelrechnungen.
Einzelrechnungen können hier und da noch bezahlt werden. Die Gesamtrechnung keinesfalls.
Curt Goetz in seinem Film "Dr. med. Hiob Prätorius" von 1950 immer wieder eine Wohltat.
In den späteren Verfilmungen mit Cary Grant (1951) und Heinz Rühmann (1965) wenig Tröstliches.
Seine kleine Ersatzvorlesung vor den Studenten der Anatomie zum Brüllen.
Fast unbemerkt bleibt darin der höchst gelehrte, so gut wie unmerklich gebliebene, küchenlateinische Ausrutscher makra bibasa.
24. November 2025
About a month before his passing, Professor Ameriks gave a talk
at the University of Wisconsin-Milwaukee, my home institution. Afterwards, I asked
him if there was one key point that he would like readers to take from the book. ‘Yes’,
he replied, ‘Change the world!’
Schreibt Nataliya Palatnik abschließend in ihrer Rezension des Buches Kantian Dignity and Its Difficulties von Karl Ameriks. Oxford, 2024.
(Kantian-Review Vol. 30 Issue 2 June 2025 S. 337). Vgl. den Nachruf auf Ameriks von Katharina T. Kraus in: Kant-Studien 4 / 2025.
In Summa; Jede Staatsverfassung ist rechtmässig und man kann ihr mit
gutem Gewissen dienen, die das Fortschreiten zum Bessern im allgemeinen,
und für die Einzelnen, nicht unmöglich macht.
Völlig rechtswidrig ist nur diejenige, die den Zweck hat,
alles so zu erhalten, wie es gegenwärtig ist.
Fichte: Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre. 1798 S. 488
In der jüngsten Ausgabe der Deutschen Zeitschrift für Philosophie (4 / 2025) lesen wir einen Aufsatz über Fichtes "systematische Rekonstruktion der transzendentalen Handlungstheorie". Zuweilen fragt man sich, ob die Fichte-Forschung seit Medicus nicht allmählich den Fichte vor lauter Fichten nicht mehr sieht.
Seit Felix Dahns "Ein Kampf um Rom" und "Ich, Claudius" von
Robert von Ranke-Graves ist viel Wasser den Tiber hinunter geflossen.
"The battle, that stopped Rome: Emperor Augustus, Arminius,
and the slaughter of the legions in the Teutoburg Forest" von
Peter S. Wells (2003 dt. 2005) knüpft an jene Erzähltradition an.
In Orbis Litterarum (Vol. 80 Issue 6 December 2025) nimmt sich eine Philologin des Gedichts Vergissmeinnicht des in Deutschland nicht eben bekannten Keith Douglas an. Für diese Verse geben wir gern den ganzen Jünger Ernst hin.
Trollopes Weihnachtsgeschichten bestellen! Finde nichts mehr. Gattin auf Reisen. Auch Scotch unauffindbar. Anthony Hopkins als Lear, im TV. Es ist das Schlimmste nicht, solang man sagen kann: dies ist das Schlimmste. Wem sagt man das.
22. November 2025
Gesendet: Freitag, 21. November 2025 um 19:30
Von: ralf.frodermann@gmx.de
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: holunder@uni-bockwurst.edu,buchstein@uni-greifswald.de,buchstei@uni-greifswald.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung vom 23.november 2025
guten tag herr prof. kieserling,
verbindlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie erinnern darin im zusammenhang mit der aktuellen debatte um losentscheid und wehrpflicht
an die studie "Demoratie und Lotterie. Das Los als politisches Entscheidunginstrument von der
Antike bis zur EU" aus dem Jahr 2009.
buchstein ist, wie Sie anmerken, ein befürworter der zufallswahl qua losentscheid.
das lotteriespiel ist, s. martin andersen nexös novelle "der lottereischwede", oft ein
letztes, verzweifeltes und in der regel untunliches mittel, ein übles blatt zu wenden.
in defizitären situationen ist es beliebter als in solchen des überflusses: niemand käme auf
den gedanken, millionäre, sexbomben, men-of-the-year - typen usw. per losentscheid
zu bestimmen.
gerechtigkeitsforscher wie jon elster und freundliche wasserträger des zeitgeistes
wie buchstein in allen ehren, doch den zufall als iudicium divinum durch die hintertür des losentscheids
wieder politisch salonfähig zu machen, ist nichts als eine schnapsidee, wie viele wissen
und jeder ahnt. sie mag unter den gegebenen umständen opportun erscheinen, sie ist
jedoch vernunfswidrig, nur ein beleg kompromittierter politik.
mit freundichen grüßen
ralf frodermann
In Notes & Queries (September 2025 S.294) gibt Luke Maxted die Zahl der Wörter in Joyces ULYSSES mit 262869 an. O Korpora, o mores, möchte man ausrufen.
21. November 2025
In ihrer (vorsichtshalber) in konstruktiver Absicht formulierten Provokation "Was, wie und für wen wollen wir in Zukunft (noch) edieren?" (editio 39 2025) schreibt Petra Gehring unter anderem, von den Geisteswissenschaften werde erwartet, "ihre Zeit in Worte zu fassen" (ibid. S.9. Anführungszeichen im Original). Offenbar soll hier Hegels bekannte Bestimmung der Philosophie als "ihre Zeit in Gedanken erfasst" anklingen, allerdings als Missklang. - Von den Geisteswissenschaften wird, außer ihrer Abwicklung, tatsächlich nichts erwartet, am wenigsten Akkuratesse.
Erwin Aberfett: Was, wie, warum, wozu und für wen wollen wir in Zukunft noch zitieren? Eine Meditation
Vorlesung 20.11.2025
logorrhoe für den anfang, ersatzweise das ende einer zeit /
über alexander schnickmanns schnickschnack
Komm nicht zurück.
Rilke: Requiem
Der Rest in Särge.
Benn: Requiem
und die Luft beginnt zu flimmern.
Alexander Schnickmann: requiem. Berlin, 2024 S.8
Pseudo-erhabener Öko-Shooter gibt posend Volldampf. Vermutlich hat da wieder einer ein Requiem bestellt, allerdings nicht bei den Mozarts, sondern im Späti am Gurkeneck. Besser in der Welt Edna St. Vincent Millays volltrunken sein.
Quod non est in mediis, non est in mundo.
Motto Hermann Schweppenhäusers in Christoph Türckes "Erregte Gesellschaft / Philosophie der Sensation" 2002 / 2. Auflage 2010.
Material fürs Privatissimum "Universität" im Dezember, Cafe Wellenbrink:
Raabes "Die alte Universität".
Project MUSE - Among the Ruins of the University
City of Intellect
17. November 2025
Das schlechte Allgemeine ist auch in den Maschinen.
Peter Fuchs:
Vom schweigenden Aufflug ins Abstrakte:
Zur Ausdifferenzierung der modernen Lyrik
in: Luhmann, Fuchs: Reden und Schweigen
Suhrkamp 8. Auflage 2025
Pseudepigraphisches erster und zweiter Ordnung
Christian Freiherr von Auchjauche, akademischer Priapus und Professor an unserer Alma mater, hat sich
den - bekanntlich fälschlicher Weise - Friedrich Schlegel zugeschriebenen, zehn erotischen Sonetten in Reimform annotierend-kommentierend angenommen:
Wer einmal mit der schönen Müllerin im Engtanz war,
Dem ward nach kurzer Zeit vollständig klar,
Dass unmöglich Schlegel konn`t Urheber sein,
Der ihm zugeschrieb`nen Sonettschweinereien:
Der Müllerbursche schiebt hinauf zur Mühle
Auf seinem Karren einen Mühlenstein.
Und in die Öffnung schob er glatt hinein
Sein steifes Glied und schaffte so sich Kühle.
Die blonde Müll'rin sieht's im Sonnenschein.
Und trotz der unerträglich dumpfen Schwüle
Läuft sie hinab, daß prüfend sie's befühle:
Sie faßt und fühlt, es ist von Fleisch und Bein.
»Na hör', mein Junge«, ruft sie sehr brutal,
»Was soll die Schweinerei mit deinem Schweif? .. !
Ist das die Prüfung, die ich dir befahl.
Ob du auch würdig wärest für mein Bett?«
Doch er zeigt nur die Inschrift um den Reif.
Und ach, sie liest gerührt: Elisabeth ... !
Ps.-Schlegel (VII)
Wer ganz allein zu Weihnachten,
Der mag Giovanni Pontanos
Natalem Domini sine me Ianique calendas
et sine me Regum tempora tristis agis.
lesen und sich trösten lassen.
Die Schlemmer schwelgen im Pseudo-Schlegel
Und lassen ihren Schwanz zu Wasser:
Du meine Hand bist mehr als alle Weiber,
Du bist stets da, wie keine Frau erprobt,
Du hast noch nie in Eifersucht getobt,
Und bist auch nie zu weit, du enger Reiber.
Ovid, mein Lehrer weiland, hat dich recht gelobt,
Denn du verbirgst in dir ja alle Leiber,
Die ich mir wünsche. Kühler Glutvertreiber,
Dir hab ich mich für immer anverlobt.
Ich stehe stolz allein mir dir im Raume
Und streichle meine bläulichrote Glans.
Schon quirlt sich weiß der Saft zum Schaume,
So zieh ich aus Erfahrung die Bilanz:
Die Zweiheit paart sich nur im Wollusttraume,
Sonst paart sich meine Faust mit meinem Schwanz.
Ps.- Schlegel (II)
Catull verschüttet keine Tinte
und kauft auch nicht bei ALDI ein,
er spart niemal an Lob und Finte,
um schöner Weiber Knecht zu sein.
So liegst du gut. Gleich wird sich's prächtig zeigen
Wie klug mein Rat: ich schiebe meinen Dicken
In dein bemoostes Tor – man nennt das Ficken.
Du fragst warum? – Davon laß jetzt mich schweigen.
Schon seh' ich Schmerz in deinen blanken Blicken,
Das geht vorbei: du mußt zurück dich neigen,
Gleich wird dein Blut dir jubeln wie die Geigen
Von Engeln, welche ihre Brünste schicken
In bebender Musik zum Ohr der Welt.
Famos! ... Du einst dich mir in bravem Schaukeln,
Die Schenkel schmiegen pressend, es umgaukeln
Mich Düfte, die mich locken in die Unterwelt.
Ein Stoß – ein Schrei! ... Die weißen Glieder zittern
Im Kampf wie Apfelblüten in Gewittern.
Ps.-Schlegel (V)
Nicolas Chorier in memoriam
14. November 2025
Gesendet: Freitag, 14. November 2025 um 20:41
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: impressum@gerald-huether.de,yasemin.soysal@wzb.eu,irem.ebeturk@wzb.eu,jessica.kim@pitt.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeiutng 16.november 2025
all children are insane.
jim morrison
sehr geehrter herr prof. holzer,
besten dank für Ihren o.a. beitrag. Sie geben Ihrer leserschaft einen artikel
aus der fachzeitschrift Social Forces zur kenntnis, deren drei autorinnen das thema adhs
sozial-phänomenologisch in den blick zu nehmen suchen.
13 jahre nach der einschlägigen publikation christoph türckes (Hyperaktiv! - Kritik der
Aufmerksamkeitsdefizikultur) ist der geneigte leser doch einigermaßen verblüfft ob
der tatsache, dass die debatte von neuem zu beginnen scheint, obgleich es zu einer reprise gar
keinen sachlichen anlass gibt. die aufmerksamkeitsökonomie ist, wie jede andere, in der krise,
jonathan haidt hat in seinem bestseller "Generation Angst" alles nötige dazu ausgeführt.
dieser zerfallsprozess dürfte irreversibel sein und durch sozialtherapeutische massnahmen usw.
nur unzureichend zu mildern oder gar aufzuhalten bzw. nur zu sistieren.
bereits in ausgabe 7 / 2022 der zeitschrift DER NERVENARZT hatten überdies holger steinberg
und maria strauß die genealogie dessen, was heute adhs geheißen wird, dargetan, zugegeben
bei erwachsenen:
ADHS | Die Aufmerksamkeitsdefizit‑/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen in den klinischen Beschreibungen und klassifikatorischen Reflexionen von Gustav Specht (1905) und Hermann Paul Nitsche (1910) | springermedizin.de
johann gottfried hasse überliefert uns in seinem büchlein" Letze Aeusserungen Kant`s von einem seiner Tischgenossen"
(zweyter abdruck / königsberg, 1804 s.35) eine empfehlung des königsberger weltweisen, die auch für jene gelten mag,
die irrtümlich glauben, den nordpol zu wiederholten male entdecken, beschreiben und ins buch des wissens eintragen
zu müssen:
Wer da hat nichts zu thun und zu schaffen,
der kauf sich eine Uhr,
der nehm sich eine Hur,
der schlage sich mit einem Pfaffen,
so hat er genug zu thun und zu schaffen.
in diesem sinn, beste grüße
ralf frodermann
"Trump dagegen hat vor den Vereinten Nationen die für Europas Zukunft entscheidende Frage aufgeworfen, warum die europäischen Länder dem amerikanischen Beispiel nicht folgen und die illegale Einwanderung von vor allem Moslems nicht sofort stoppen."
BAHAMAS Heft 97 Herbst 2025 S.58
Eine überaus feinsinnige Stilanalyse liefert Siegfried Döpp in seinem Beitrag Ein "überaus feinsinniges" Propemptikon (1674) im jüngsten Neulateinischen Jahrbuch (Vol. 26 /2025).
nota bene - materialgestützte Schreiben im Glashaus:
Project MUSE - Material Studies and Medieval Narrative: The Case of Glass
Gegen Ponyhöfe
"Eine halbwegs realitätstüchtige kommunistische Programmatik jedenfalls hätte jedem Kult der Unmittelbarkeit und Transparenz zu entsagen."
Thomas Maul: Wert und Wahn. Beiträge zur Marxschen Ökonomiekritik. Berlin, 2025 S.366
13. November 2025
Aber das Wertebewusstsein verschiebt sich. (Nicolai Hartmann: Ethik. 1925)
Genealogie der Ethik
Das philosophische Sachbearbeitertum sogar ostwestfälischer Provenienz steht weltweit wieder in morscher Blüte:
Was ist gesollt, wenn epistemische und praktische Gründe konfligi...: Ingenta Connect
Es tummelt sich in den Sümpfen nördlich des Prädikators, südlich des Prädiktors, redet wunders viel von Rationalität, Normativität, Respektabilität und Credibility. Was William Frankena, Richard M. Hare, Elizabeth Anscombe, John Leslie Mackie und andere auf dem Teller ließen, frisst dieser jämmerliche Konsequentialismus intuitiv auf. Im Licht solch analytischen Abblendlichts bleibt nicht meher zu bedauern als der Umsatnd, dass es Adorno nicht vergönnt war, sein moralphilosophisches opus magnum, das den Titel Die Kälte tragen sollte, zu schreiben. Immerhin liegt seit 1996 eine Transkription seiner Vorlesung "Probleme der Moralphilosophie" vom Sommersemester 1963 vor. vgl.: August Seiffert: Ethik. Philosophisch-sozialpsychologische Untersuchung. Herford, 1979
Schon stimmen Ethiker die Welt der praktizierten Unvernunft auf eine neue Haltung der Hinnahme ein:
Why Pain Matters More than Pleasure for Well-Being | The Journal of Ethics
Das kleine Bestiarium der modernsten Literatur / Die Thripse
Der alte Spruch wird gerne umgepflanzt,
Wenn rings Revolten durch die Städte blitzen.
Das Erbe, dem du nicht entgehen kannst,
Ermord es, um es – zu besitzen!
Franz Werfel, SPIEGELMENSCH
Das Journal of Austrian Studies - Wer wird es nicht loben? Doch wer es lesen? - veröffentlicht
in seiner jüngsten Ausgabe (Vol. 58 Number 2-3 Summer - Fall 2025) ein Gespräch mit
der Schriftstellerin Katherina Braschel, nebst einer Kleinigkeit aus ihrem im kommenden Jahr
erscheinenden Roman Heim holen.
Ohne Zweifel handelt es sich dabei um eine degoutane Mixtur aus Chic lit, Sendungsbewußstsein
und schlechtem Geschmack:
Unser Lachen wird lauter, raumnehmender. ibid. Kapitel 6
Bei der SS. ibid. Kapitel 7
In meinem Gedächtnis gibt es keine graduelle Veränderung in meiner Großmutter, keinen Verlauf. ibid. Kapitel 12
11. November 2025
Zum 80. Geburtstag haben Freunde und Getreue dem Münchener Bücherwurm Reinhard Wittmann eine Tollität auf den Gabentisch gelegt, einen hübschen Nachdruck nämlich der "Gelehrten-Verstaigerung nach dem Lucian" David Christoph Seybolds aus dem Jahr 1781. Kommt uns eben recht zum Karneval.
Wird ja in kleinen Ländern, wo man eigentlich kein Talent
nöthig hat, die Wahl für die Stellen meistentheils nie nach
Fähigkeiten vorgenommen, sondern wie sich das so schiebt
und macht.
Karl Ziegler: Grabbe`s Leben und Charakter.
Hamburg, 1855 S.62/63
Was Thomas Mann Goethe war, ist mir Grabbe.
Morose Romanze Lucky Jim in memoriam
Mein Fluch war unerfüllt geblieben,
Wohlauf war meiner Feinde Schar,
Es waren wohl noch Stücker sieben,
Und jeder war mit Bargeld da.
Ich hatte keins, war insolvent,
Und sollte dennoch spielen mit;
Nun wohl, ein jeder, der mich kennt,
erinnert sich: ich halte Schritt.
Die Weiber schrie`n, die Kerle soffen,
Ich hielt bis 100.000 mit,
Die Kugel fiel, man schwieg betroffen,
Das Falschgeld fiel mir aus dem Schritt.
Flugs schlugen mich die sieben tot.
Ich war so froh, mein Leben zu verlieren,
Ergab mich freudig letzter Not,
Die endlich mich erlöste vom Kassieren.
8. November 2025
Gesendet: Freitag, 7. November 2025 um 19:21
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: e.barloesius@ish.uni-hannover.de,rike.stotten@uibk.ac.at,holunder@uni-bockwurst.edu,redaktion@der-feinschmecker.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 9.november 2025
sehr geehrter herr dr. wagner,
herzlichen dank für Ihre zusammenfassung eines ernährungssoziologischen aufsatzes
aus der feder zweier sozial-botanisierender damen von der innsbrucker universität, frau blaas und frau stotten, in der
zeitschrift soziale Welt (3 / 2025).
den soziologischen claim zwischen rohem und gekochtem hatte eva barlösius in ihrem
vielbeachteten semi-klassiker "soziologie des essens. eine sozial- und kulturwissenschaftliche
einführung in die ernährungsforschung" (3. auflage 2016) hinreichend abgesteckt.
fachorgane wie das Journal of the Science of Food and Agriculture und der feinschmecker begleiten seit jahr und tag
alltag und metabolismus des ernährungsbewussten und autonomen genießers.
"das große fressen" ist vergessen. wokismus hat auch in die küche einzug gehalten.
dass so mancher millionär, der sich bio-food ohne weiteres leisten könnte, aus spass an der freud zu essen und
zugleich aus dem heimlicheren spass daran, hier und da in seiner woken peer-group anzuecken und anzustoßen
in eine bratwurst oder eine wurstsemmel beisst, wen schert`s.
die akademisch-empirische sozialforschung mag solche dinge weiterhin untersuchen, de facto sind sie erledigt, aus- und wundgeforscht und
ihr ergebnisse können mit grund jedem satisfaktionfähigen sozialfoscher hekuba sein.
Ihr satz
Der traditionelle Ernährungsstil ist nicht mehr ökonomisch erzwungen, sondern wird auch bewusst gewählt
als Abgrenzung des eigenen Lebensstils von jenem der „links-grünen Eliten“, die das Leben der
„normalen Leute“ kaputtmachen wollen.
macht allerdings denn doch stutzig. denn freilich ist auch der traditionelle ernährungsstil, was immer das sein soll,
ökonomisch erzwungen. hunger ist bekanntlich kein zahlungsmittel und brot wird seinetwegen nicht gebacken.
musik wird nicht an jeder tafel gespielt und thomas lieven ist lange vergessen.
stammte nicht von ihm das denkwürdige bonmot
erst kommt das fressen, dann das distinktionbedürfnis?
beste grüße
ralf frodermann
Klassizismus und Krieg / Okkultismus in praxi
Syntaxis convinientiae ist das erste Kapitel des einst
berühmten Repetitorium der Lateinischen Syntax und Stilistik
(7. Auflage Wolfenbüttel, 1900) von Hermann Menge überschrieben.
Menge, der 1939 in Goslar hochbetagt starb, hatte im
zweiten Kriegsjahr, 1915, eine kleine Trostpredigt publiziert, die
aus der Feder des kriegslüsternen Paukers zu Anfang des Milestone-Films "Im
Westen nichts Neues" stammen könnte: Wir fürchten nicht den Tod.
Ein Wort des Trostes für alle, insbesondere für die Hinterbliebenen
der im Felde Gefallenen.
"Wir werden sehen", schreibt Menge in der Vorrede seiner consolatio, "es ist nicht nur möglich,
sondern höchst wahrscheinlich, was unser Verstand nicht zu fassen vermag;
die gefallenen Helden des Vaterlandes sind nicht tot, sondern, wie wir aus
besonderen Gründen zuversichtlich hoffen dürfen, lebendiger als wir."
In ihrer Dialektik der Aufklärung weisen Horkheimer und Adorno in einer Fußnote
auf den Deutsch-Hellenen Wilamowitz-Moellendorff hin, dessen Gelehrsamkeit
aufs beste mit seinem papierenen Blutrausch korrespondierte.
Sein Humanismus war keiner, korrespondiert er doch aufs Allerbeste, will sagen Deutscheste
mit der allgegenwärtigen, universellen Barbarei, dem schlechtesten Allgemeinen.
6. November 2025
Gesendet: Donnerstag, 6. November 2025 um 07:11
Von: ralf.frodermann@gmx.de
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
Betreff: ad notam gruppe 47
»jede philosophische Rezension sollte
zugleich Philosophie der Rezensionen sein«
Walter Benjamin
lieber prof. dr. kieserling,
herzlichen dank für Ihren beitrag in der heutigen faz über die gruppe 47.
interdisziplinäre semiotiker wie Sie, george ritzer oder robert holunder
wissen, dass die die frösche am teich 47 um richter, walter jens und reich-ranicki
ein bundesrepublikanisches teekränzchen bildeten, das nach stipulierten regeln
eine art vorstandssitzung öffentlich parodierte, indem , statt über geld, gewinnerwartung und
konkurrenz, über literatur gequakt wurde.
niemand interessierte sich für jenes wunderliche tabakskollegium, vulgo selbsterefrentielle system in poeticis, es wirkte bereits zu seiner zeit unter erwachesenen wie aus der zeit gefallen, komisch bis pittoresk:
schreibtischmänner und ein paar wenige frauen, die sich gegenseitig ihren
seim vorlasen, gütiger gott!
beste grüße
ralf frodermann
5. November 2025
Gesendet: Dienstag, 4. November 2025 um 21:33
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: writetojoerg@piringer.net
CC: c.metz@germlit.rwth-aachen.de
Betreff: morgige faz / impromptu
fabelphase drei
von ZÜNDKERZEN, durs grünbeins nudelverse
von 2017 über VERBRENNER*, gedünsteter trash
jogi piringers von 2025 zu erwin aberfetts
AUSPUFF, erscheint vorauss. 2033, vorab, gemäß
anachronistischer anakreontik:
stand der blödsinn auch in blüte,
vor dem luftschloss begann er
zu wanken; schleunigst verbarg
sich die malvenfarbene wehkerze
und begrub ihre asche zwischen
den vergilbten seiten des silius
italicus, dem hüter der asche.
*vollmund-rezension in der faz 5.november 2025
durch den notorischen christian "jubelperserle" metz.
Weiberlatein / Lean-and-mean-schnipsel (XXIII)
In einer Hotel-Suite / Szene
Champagner-Flaschen auf den Tischen, Konfekt, Rosen usw. / Schlachtfeld nach einem großen Abend
Dame mittleren Alters, sehr attraktiv und halbnackt: Das Hotel bezahlst du, ich bin nicht deine Bank.
Herr, jünger, bereits in Hose und beschuht, Oberkörper nackt: Sicher, ich zahle den Spaß.
Dame, plötzlich sehr wütend: Das war ja klar, jetzt bin ich also schon deine Hure.
Denn überall zeigt sich ja, daß nicht Talent, Verstand, List und Kunst – wie sich jetzt so viele einbilden, nachdem Verstand und Talent lange Zeit allerdings mehr wie billig hintangesetzt werden – sondern der Charakter das letzte Entscheidende ist.
Schelling, Weltalter
Das gilt auch für die Beschäftigten der Hölderlin-Industrie. Einer von ihnren hat jüngst
einen Blick (POV:Hyperion meets Schelling) auf "Brod und Wein" und Neomaterialismus
geworfen, William S. Davis:
Words like Flowers: Vital Materialism in Hölderlin’s “Bread and Wine” and Schelling’s Ages of the World
in: Essays in Romanticism Vol.32 Number 2 2025
2. November 2025
Jedoch was werden mir die blassen Kinder bringen?
Johann Christian Hallmann: SOPHIA (2. Akt)
ANTIKE UND ABENDLAND Band 71 2025 erscheint im 80. Jahrgang und bringt unter anderem lausige Lyrik. Man kennt das: Gelehrte Philologen bitten ungelehrte Dichter o.ä. um Herausgabe von Dichtung, in diesem Fall Übersetzungen griechischer und lateinischer Sapphos und Horaze etc., um ihren obsolet gewordenen Lesesport ein wenig hoch zu jazzen.
Andere Autoren (Astrid Erll) denken Nachleben neu und halluzinieren "Praktiken der Hoffnung" herbei, ibid. S.30) - statt Nachdenken neu zu leben -, sie sondieren, einige Monate vor Christopher Nolans ODYSSEE-Premiere, die Rezeption des homerischen Epos im kollektiven Gedächtnis.
Weihnachten wirft auch schon Schatten - popkulturelle! - voraus:
Full article: Last Christmas? Depicting Christmas in Apocalyptic and Postapocalyptic Film and Television
Nichts Neues zur "Kritischen Glossographie", wie unsereins sie betreibt, dennoch lesenswert: Rezension eines einschlägigen Bandes von Katerina Somers in Journal of English and Germanic Philology Vol. 124 Number 4 October 2025.
Erdbeben von Lissabon vor 270 Jahren. Verblüfft darüber, dass kein Schmock sich darüber heuer verbreitet. Man wird unempfindlicher gegen gewisse Jubiläen und Jahrestage.
31. Oktober 2025
Unser Pedell Frodermann erinnert mich angelegentlich seiner u.a., impertinenten Zuschrift an Koll. Kieserling daran, endlich die Übersetzung von Theodor Geigers Konkurrence. En sociologisk analyse. Munksgaard, København 1941 anfertigen zu lassen.
Gesendet: Freitag, 31. Oktober 2025 um 20:26
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: fabian.kosse@uni-wuerzburg.de,ranjitamrajan@gmail.com,m.tincani@ucl.ac.uk,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 2. november 2025
sehr geehrter herr prof. kieserling,
für Ihre o.a. zusammenfassung des artikels aus dem Journal of the European Economic Association
von kosse, rajan und tincani - The persistent effect of competition on prosociality - sei Ihnen dank gesagt.
zwar sind die ergebnisse derlei schrifttums, wie gewöhnlich und oft angemerkt, mehr als mager (auch der von Ihnen
referierte text bildet da keine ausnahme), doch nehmen wir den guten willen ruhig für die wissenschaftliche tat.
dass weniger konkurrenzdruck ein soziales verhalten im allgemeinen befördert,
wie der beitrag im britischen fachorgan mit blick auf das schulsystem in chile darlegt, bedurfte keiner neuerlichen
bestätigung.
und dass es wenig geistfeindlichers als eine aura der konkurrenz gibt, in deren
äther nichts gutes, wahres und schönes (sc. moral, wissenschaft, kunst) gedeihen kann, weiß auch wohl jeder,
der einmal bernfelds "sisyphos oder die grenzen der erziehung" von 1925 gelesen hat, ersatzweise
Schule der Konkurrenz | GegenStandpunkt
in der meritokratischen gesellschaft kann sich niemand grundlose hilfsbereitschaft leisten,
altruismus ohne kalkül ist tödlich.
die schulen tun gut daran, ihre zöglinge möglichst früh und nachhaltig mit diesem
grundsatz vertraut zu machen.
sozialempirische ideologieproduktion ihrerseits tut gut daran, diesen so lange und
nachhaltig wie irgend möglich zu verschleiern.
dies haben die drei autoren der zitiereten studie auf befriedigende bis ausreichende weise getan.
beste grüße
ralf frodermann
Ein Pedant kommt selten allein. Für unpedantische Pedanterieforscher gilt das gleiche. 1957 war die Studie "Die Pedanterie" des Psychologen Karl Sacherl erschienen, eben erreicht uns "On Pedantry / A Cultural History Of The Know-It-All" von Arnoud. S. Q. Visser. Princeton UP, 2025.
Unsere dies-semestrige Vorlesung zur "Geschichte der Ballade in Balladenform" (vgl. Rezension der Studie Adrian Daubs von 2022 in SEMINAR: A Journal of Germanic Studies Vol.61 Number 3 2025) lockt keinen Hund/Hündin hinterm Ofen hervor. Dafür gehen Schmähverse, natürlich anonym, ein:
Die Füße im Feuer
waren mir niemals sehr teuer,
eines nur war größ`rer Stuss:
Die Kraniche des Ibykus.
30. Oktober 2025
"Das Medium Kind ist nicht binär codierbar." (Niklas Luhmann: Das Kind als Medium der Erziehung. Zeitschrift für Pädagogik 37 1991 S.34) Der Luhmannsche Galimathias kommt nirgendwo anders als in seinen systemtheoretischen Expektorationen zur Erziehung am schönsten zum Ausdruck. Nach "Das Erziehungssystem der Gesellschaft" (2002) erwartet seine Leserschaft im kommenden Jahr "Erziehung. Funktion und System". Der Nachlassquell des Soziologen scheint nicht versiegen zu wollen. Der Vulkan bleibt tätig, mit Nachbeben und allerlei neo-sozialtechnologischer Lava ist zu rechnen, mit soziologischer Erkenntnis nicht.
Alte Geschichte, vom Zeitgeist befallen
Dieses Buch kann Spuren von Gewalt, sexuelle Inhalte, Schimpfwörter und politische Unkorrektheiten aller Art enthalten, ist dafür aber garantiert zucker- und kalorienfrei. Es darf nicht in die Hände von Kindern oder Besucherinnen und Besuchern humanistischer Gymnasien gelangen. Die Lektüre kann verstörend wirken. Zu weiteren Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihre Ärztin, Ihren Arzt, in Ihrer Apotheke oder wo Sie wollen.
Mit diesem launigen Warnhinweis schließt das Vorwort eines dem Zeitgeist geschuldeten Machwerks, das besser ungeschrieben geblieben wäre: Die verdammt blutige Geschichte der Antike. Ohne den ganzen langweiligen Kram. Von Michael Sommer und Stefan von der Lahr. München, 2025. Offenbar waren Verlag und Autoren der Ansicht, eine reißerisch-populäre Darstellung des antiken Athens und Roms
Sommer hatte immerhin eine "Römische Geschichte" (3. Auflage Stuttgart, 2025) vorgelegt, die seinen Absturz in die Pulp-Fiction-Welt antiker Videospiele keinesfalls erahnen ließ. Eduard Meyer, Karl Julius Beloch usw. sind lange hin und vergessen, aber ist das Grund genug, sich banausisch einem Lesepublikum anzudienen, das es gar nicht gibt, sich ganz uneigentlich und mit Augenzwinkern einer Klientel anzuwanzen, die nicht nur von der Antike, sondern von aller Geschichte nichts wissen will, und schließlich auf Readers-Digest-Ticket endgültig ins Nichts und Vergessen abzugehen?
Im Verlagswesen gebiert die Nacht der Vernunft keine Ungeheuer mehr, sondern infantilen Ramsch. Nicht mehr lang, dann werden Bücher wieder wie warme Semmeln weggehen. Bestseller wie Geschichte des Nationalsozialismus. Ohne den ganzen antisemitischen Scheiß oder Leben Goethes. Ohne das ganze Bücherzeugs.
Vom Nutzen und Nachteil der KI für das Leben / Eine zeitgemäße Betrachtung
rentner ohne gott für Atzbacher
kennst du den flur, wo die aerosole blühn,
in neondunklen ecken widerlinge stehn,
kein hoffnungsschimmer weit und breit,
nur menschenähnliches auf zeit,
kennst du es wohl, yo?
dahin möcht ich um keinen preis.
kennst du das siechenhaus? auf lügen ruht sein dach,
famulatur, der chefarzt legt die schwester flach,
und nächtens fliegt geschmeiß durch alle räume,
schatten, gnome, molche, giftg`ge schäume.
kennst du es wohl, yo?
dahin möcht ich mein lebtag nicht.
kennst du den ort, an dem du morgen bist?
ein flecken nur, wo duch nichts mehr vermisst,
an wänden wohnen fliegen wohl,
fressen, saufen das aerosol.
kennst du sie wohl, yo?
dahin will ich niemalen.
26. Oktober 2025
Blasen ist nicht flöten, ihr müsst die Finger bewegen. Über Goethes Spruch in Prosa Arthur Henkel, in dessen Kleinen Schriften (Band 1 - Goethe-Erfahrungen - und Band 2 - Der Zeiten Bildersaal - 1982/1983) große Fischzüge zu machen sind.
Die Geisteswissenschaften ziehen sich aus dem Dreck, indem sie sich eigenhändig aufknüpfen.
Annette von Droste Hülshoffs Weiterung der Redensart "Früh gefreit, nie gereut" in "Spät gefreit, immer gereut" (DIE JUDENBUCHE) erläutern. Abituraufsatz 1979. Leider unauffindbar.
Im Licht der "clausula rebus sic stantibus" ist die Wette zwischen Gott und Mephisto im FAUST zu interpretieren.
Pauli-Prinzip, poetologisch. Quantenpoetik.
24. Oktober 2025
Seelenbeschälende Bonität: Koll. Holzer wieder auf Holzwegen, unser Pedell Frodermann ihm auf den Fersen:
Gesendet: Freitag, 24. Oktober 2025 um 21:02
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: bkiviat@stanford.edu,hyoon28@stanford.edu,greene@law.duke.edu
Betreff: Ihr beitrag in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung 26.oktober 2025
„Die Soziologen sind eine Bande von Ideologen, welche die Aufgabe erfüllen, das Denken der
Menschen über gesellschaftliche Dinge auf Gegenstände abzulenken, die ungefährlich sind.“
Max Horkheimer 1955/56
zit. nach:
Microsoft Word - Lehmann_Luhmanns_Liberalismus.doc
sehr geehrter herr prof. holzer,
vielen herzlichen dank für Ihren aktuellen, o.a. artikel, dem referat eines organistaionssoziologischen beitrags dreier soziologinnen
aus der American Sociological Review zum noch
mangelhaften Ki-handling im kontext automatisierter sozialkredit-systeme.
maschinen, denen algorithmisierte operationen obliegen, ist das paradigma "ausnahmen vom prinzipiellen"
zu implementieren, d.h. sie sind entsprechend zu programmieren.
der sonderfall ist dann nur ein fall unter fällen, er bleibt ein fall.
ob ein mieter dann etwa aufgrund einer unverschuldeten notlage, einer straftat oder wegen simpler
zahlungsunfähigkeit vom vermietertrust aussortiert oder ein kreditanfrager von der bank wegen konkurs oder erbschleicherei aussortiert wird, kann die maschine entscheidungslogisch ohne weiteres weise berücksichtigen.
doch armut bleibt in jeder, für die maschine oder für den analogen koofmich denkbaren welt ein ausschlusskriterium.
diese dinge - wie viele andere - werden seit langem nicht mehr von der sozologie adäquat traktiert, sondern viel eher
von tv-serien wie BLACK MIRROR.
eine "bürokratie der nachsicht", wie Sie die flexiblisierte form des scorings nassforsch zu belobigen belieben,
hat es übrigens nie gegeben, bürokratie ist immer "bürokratie der vorsicht".
beste grüße
ralf frodermann
(nach diktat verreist)
21. Oktober 2025
Sagenhafter Riesenstuss: Rückkehr von Krähe. Abenteuergedicht. Von Ulf Stolterfoht.
Und horchen der Suade
Der alten Krähenfrau
Annette von Droste-Hülshoff: "Die Krähen"
Willst mich nicht verlassen?
Wilhelm Müller: "Die Krähe"
Jede Krähe.
Joachim Ringelnatz: "Die Krähe"
Dem gähnenden Blödsinn Herrn Stolterfohts a tempo mit Filmvorführung (THE CROW) und ein paar Versen aus John Shades PALE FIRE entgegen wirken.
Über die Nachwelt informiert immer noch am zuverlässigsten die Vorwelt: EULOGIUS AND IALSMA von Kenneth Baxter Wolf. In: SPECULUM Vol. 100 Number 4 October 2025.
18. Oktober 2025
Gesendet: Samstag, 18. Oktober 2025 um 01:01
Von: ralf.frodermann@gmx.de
An: g.wagner@snafu.de
CC: bernd.werse@fra-uas.de,larissa.steimle@fra-uas.de,stallwitz@eh-freiburg.de
Betreff: Ihr artikel in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung 19.oktober 2025
sehr geehrter herr dr. wagner,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie informieren die leserschaft über einen aktuellen "projektbericht" zur frage,
wie sich die teillegalisierung von cannabis auswirke.
drogen und alkohol sind bekanntlich urlaube des kleinen mannes / der kleinen frau.
nicht erst seit den haschisch-exkursionen walter benjamins und ernst jüngers literaturgeschichtlich aktenkundig und nicht allein im englischen sprachraum von thomas de quinceys "bekenntnissen eines englischen opiumessers"
bis willlaim burroughs "nakres lunch" usw. auf leserfang, sind sie antidot gegen schlechte laune, welt- und gelenkschmerzen, geldmangel u.a. in allen sozialen fibern gesellschaftsfähig geworden, wie das tattoo oder der fetischclub.
dass die teillegalisierung von thc zu vermehrtem haschisch-konsum führt, wer hätte das gedacht!
der scheibenwelt einer empirischen suchtfotschung war es vorbehalten, diese banalität zu
ratifizieren.
solche wissenschaft wird bald herausfinden, dass der papst katholisch ist und der tod ein unding.
beste grüße
ralf frodermann
Im Biographie-Oberseminar hat keiner die Goethe-Biographie Thomas Steinfelds (2024) in der Hand gehabt. Ich lasse eine solide Rezension aus der Historischen Zeitschrift (Band 321 Heft 2 2025) verteilen, als Appetitanreger.
Nach Andrew R. Dycks neuer Cicero-Biographie (Cambridge, 2025) frage ich lieber nicht.
11. Oktober 2025
Vortrag beenden!
"Trüffelschweine, die auf Lichtungen den Mond anbellen."
Zur Lage der Philosophieprofessorenschaft
Alle Versuche, den Kindern und jungen Leuten Bücher und Lesen schmackhaft zu machen, wirken so abwegig wie naiv.
Es ist, als wollte man einen endlich trocken gewordenen Alkoholiker, der längst LSD und Heroin konsumiert, wieder ans Saufen bringen.
FAZ ad usum delphini
An der Bad Qeynhausener Kinder-Uni hielt der Schmock Jan Wagner
im vergangenen Sommer einen Vortrag, der sich heute in der FAZ
abgedruckt findet. Die Netzwerke solcher Literaturvermittler/Seelenbeschäler
sind wahrlich Kultur schaffend.
10. Oktober 2025
An Impertinenz kaum zu überbieten! Jetzt wagt dieser unser Pedell Frodermann, dieser Kretin, uns zu zitieren, als wären wir seinesgleichen:
Gesendet: Freitag, 10. Oktober 2025 um 18:44
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: fran.osrecki@hwr-berlin.de
Betreff: Ihre buchanzeige in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung vom 12.oktober 2025
sehr geehrter herr prof. kieserling,
recht herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
dieses mal ist der leser nach der lektüre Ihrer, verzeihen Sie, doch recht verquasten
einlassungen nicht ganz sicher, ob tatsächlich das buch gemeint, das sie vorzustellen vorgeben.
im funzellicht orthodoxer küchensoziologie mögen sich die dinge aber genau so darstellen und abspielen, weiß der himmel.
quid ad me? möchte man angesichts solch inkonsistenter hobelspäne ausrufen.
prof. robert holunder hatte sich der studie osreckis in einem tagebucheintrag vom 20.september 2025 ein wenig komplexer angenommen:
Der letzte satisfaktionsfähige Laie war der Philosophieprofessor (vor ihm der Philosoph, vgl. etwa
Cusanus: Idiota de mente / Der Laie über den Geist)
Über dessen Profession hat Odo Marquard 1973 in seinem Beitrag
"Inkompetenzkompensationskompetenz" katexochen das Nötige gesagt.
Fran Osreckis hat zu alldem in seiner Studie "Laien / Eine Soziologie des Nichtwissens" (Suhrkamp 2025)
nichts Nennenswertes beizutragen.
Das wird ihren Erfolg gewährleisten.
vgl.
Universität Bockwurst - Salzburger Tagebuch VII -
beste grüße
ralf frodermann
Zur Rezension der neuen C. F. Meyer Biografie in der heutigen FAZ durch Pia Reinacher:
Wer wird nicht eine C.-F. Meyer - Biografie ignorieren?
Doch wird sie einer kaufen? -
Die Hölle wird zuvor zufrieren,
die Säufer eher nicht mehr saufen.
Tilman Borsche fragt sich in der Allgemeinen Zeitschrift für Philosophie (Heft 50.2/2025) - einer Art Fachhandel für noetische Ladenhüter und anderen Mumpitz - Was konnte, kann und könnte »philosophieren« heißen und für uns bedeuten?
Zu solch leutseliger Fragerei, die wir vor etlichen Semestern erledigten, vgl.:
sites.google.com/site/universitaetbockwurst/logon-didonai
Moscherosch senior und junior, d.h. Johann Michael Moscherosch und
sein Sohn Ernst Bogislav veröffentlichen 1666 ein Buch, das mit "Der
Weiber ABC" schließt.
"Wann das Weib nur schweigen kan
So ergötzt sie ihren Mann."
"Wann das Weib nur schweigen kan
Zuckersüß wird ihr der Mann."
"Wann das Weib recht schweigen kan
Wird ein Engel auß dem Mann."
"Wann das Weib nur schweigen kan
So versöhnt sie den Mann."
vgl. Beihefte zu SIMPLICIANA Band 11 2025
8. Oktober 2025
Kants Katzen für Alf
Ehregott Andreas Wasianskis kommt in seiner Schrift "Immanuel Kant in seinen letzten Lebensjahren" (Königsberg,1804) auf Kants Erklärung des Katzentods durch Elektrizität zu sprechen:
"Ein zweytes Zeichen seiner Schwäche war seine Theorie über das allerdings merkwürdige Phänomen, den Katzentod in Basel, Wien, Kopenhagen und anderen Orten. Er hielt ihn für eine Folge der damals nach seiner Meinung herrschenden Elektrizität von eigener Art, und diese insbesondere von nachtheiligen Folgen für diese an sich elektrischen Thiere." (ibid. S.49)
Diese, eines Athanasius Kirchers würdige Theorie wird zur Ehrenrettung aufgewärmt in einem Beitrag Martin Walters in den aktuellen KANT-Studien ( 3 / 2025 Quellen Kants zur "Luftelectricität" und zum "Katzentod").
Kant im Komparativ
Entbehrt es nicht einer geheimnisvollen Ironie, dass der Name des Verlegers der Kantischen Schrift "Träume eines Geistersehers", in Königsberg 1766 erschienen, "Kanter, Johann Jacob Kanter" lautet?
denn nichts Schlimmeres kann einem widerfahren, als Argumente zu hassen. Der Argumentenhass entsteht aber auf dieselbe Weise wie der Menschenhass.
Plato, PHAIDON (89d)
Nachdem aus Lesewut Lesehass geworden und im Haus des Lesers die Stromversorgung aus Kostengründen abgeschaltet worden war, ging der letzte Bibliothekar, der nur Buchhalter war, nach Hause zu seiner Frau und sagte zu ihr: "Endlich ist der Scheiß vorbei."
3. Oktober 2025
Gesendet: Freitag, 3. Oktober 2025 um 18:48
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: andreas.genoni@bib.bund.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 5.oktober 2025
Die letzten Jahrhunderte haben einerseits den objektiven Interessen, der dinglichen Kultur eine Ausbildung von sonst unerhörter Macht und Selbständigkeit geschaffen, andrerseits die Subjektivität des Ich, das Sich-selbst-gehören der individuellen Seele gegenüber allen sachlichen und sozialen Präjudizierungen ebenso unerhört vertieft.
Dies scharf differenzierte Sach- und Selbstbewußtsein des modernen Menschen läßt die Kampfform der Konkurrenz wie für ihn geschaffen erscheinen.
Georg Simmer: Soziologie der Konkurrenz (1903)
guten tag herr prof. holzer,
herzlichen dank für Ihren o.a.beitrag "Gebildete kommen mit hohen Erwartungen".
Sie referieren einen aktuellen artikel aus dem fachorgan Social Forces,
in welchem die beiden soziologen andreas genoni und didier ruedin
eine migrationssoziologische variation auf brechts
Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens
Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht
mit blick auf die schweiz vorlegen.
ob nun gebildete mit hohen erwartungen kommen oder nicht, sei dahin gestellt,
und ob sie, erfüllen sich ihre erwartungen nicht, andere ausbrüten, um wieder auf
den damm zu kommen, ob sie sich mit dem aufnahmeland verbunden fühlen, wie weit ihre ambiguitätstoleranz
hinsichtlich diskriminierender erfahrungen reicht, weiß der teufel
oder ähnliche reservatio-mentalis-fachleute.
fest steht, dass ungebildete mit noch höheren erwartungen gekommen sind, erwartungen, die sich
im wesentlichen erfüllt haben.
gemessen an der zahl dieser menschen dürften die migrantischen fachkräfte samt ihrer beschwerden, enttäuschten hoffnungen usw.
in der kontingenzfalle konkurrierender lohnempfänger
eine quantité négligeable darstellen.
vgl. auch:
(DOC) Die Iden der Armut
beste grüß
ralf frodermann
Verse für Linguistinnen (Vorspiel)
Einst liebte ich ein Hilfsverb,
Es liebte mich im Schilf herb.
Ich küsste scheu sein Glied,
Da ward es infinit.
Die Gutenberg-Elegien: Lesen im elektronischen Zeitalter von Sven Birkerts, dt. 2017. Auch eine Betrachtung über den Weltlauf.
In der Zeitschrift für Kulturphilosophie (1 / 2025) hübsche Kleinigkeit zum Ende der Bildung: Einer KI geht es um nichts / Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter.
Oktober 2025
Im Wintersemester lese ich über "Die Grenze meines Kontos ist die Grenze meiner Welt."
Unrühmliches Ende mancher Künste, vieler Fertigkeiten und aller Wissenschaft
Ein Lehrgedicht
Weiter noch kann man bemerken, wie vielerlei oft auf den Menschen
Widrigsten Eindruck macht, ihm Ekel erregt und ihm schadet.
Lukrez, Über die Natur der Dinge (6)
Inhalt:
Teil I
1. Kapitel: Die Franse und ihr Aus
2. Kapitel: Kindheit ohne Kinder / Künstler ohne Kunst
3. Kapitel: Im Namen der Afterrose
4. Kapitel: Über das Nichtkönnen
5. Kapitel: Sein als Verratensein
6. Kapitel: Lüge als Sexsymbol
7. Kapitel: Im Bett mit de docta ignorantia
8. Kapitel: Wer von Grund aus Lehrer ist, nimmt alle Dinge nur in bezug auf seine Schüler ernst - sogar sich selbst. Über einen Satz Nietzsches (Intermezzo)
9. Kapitel: Welt ohne Wahrheit
10. Kapitel: Das Ende des Zorns
Teil II
1. Kapitel: Lord Chandos in Epikurs Garten
2. Kapitel: Empfindsame Maschinen
3. Kapitel: Husserls Krisendiagnose
4. Kapitel: Volldampf aus Unlust (Intermezzo 2)
5. Kapitel: Schreiben ohne Schrift
6. Kapitel: Unmögliche Welten
7. Kapitel: Cocktails for Two
8. Kapitel: 450 Jahre Jakob Böhme sind nicht genug
9. Kapitel: Kalter Bachofen
10. Kapitel: Heuristik der Schießscharte
Teil III
1. Kapitel: "Und wir Pädagogen wollen uns nicht aufs hohe Roß setzen." Alfred Adler
2. Kapitel: Leichtes Alphabet
3. Kapitel: Versucher Wittgenstein I & Verlierer Wittgenstein II
4. Kapitel: Die Sinnbrause. Partikel, Haufenparadox, Glockenkurve
5. Kapitel: Vom Brocken zu Mont Ventoux
6. Kapitel: Descartes wohnt hier nicht mehr
7. Kapitel: Von Hobbes lernen heisst Abschiednehmen lernen
8. Kapitel: Kritische Topik
9. Kapitel: Der fränkische Koran (Intermezzo II)
10. Kapitel: Ende und Ausweg
Teil IV (Appendix)
1. Kapitel: Im Pfandhaus der Selbsterhaltung
2. Kapitel: Wissenschaft (W) und Gesellschaft (G): W - G - W`
3. Kapitel: Im Freudenhaus der Noetik
4. Kapitel: Dummheit als Verhängnis (Intermezzo III)
5. Kapitel: Wiedersehen mit Parmenides
6. Kapitel: Horkheimer und Adorno in Baden Baden
7. Kapitel: Im Geburtshaus der Lüge
8. Kapitel: Unbehagen in der Natur
9. Kapitel: Neues Weltalter
10. Kapitel: Im Kartenhaus der Arschlöcher
Nachwort