Sommersemester 2026
nebst Vorabbereich
PHAX
Phax ist nur klein, und, was den Witz betrifft,
Scharf, kurz und neu, im Beifall und im Zanken
An Worten karg, verschwendrisch in Gedanken:
Der ganze Phax gleicht einer Ueberschrift.
Friedrich von Hagedorn
nebst Vorabbereich
PHAX
Phax ist nur klein, und, was den Witz betrifft,
Scharf, kurz und neu, im Beifall und im Zanken
An Worten karg, verschwendrisch in Gedanken:
Der ganze Phax gleicht einer Ueberschrift.
Friedrich von Hagedorn
2. Juli 2026
"Selbst das berühmte NIHIL ADMIRARI hat einmal bessere Tage gesehen, meine Damen und Herren. - Schöne Ferien."
Prof. Aberfett, 1. Juli 2026
THRENOS
Zum Ableben der Literarischen Gesellschaften in Deutschland
Alles geht ein, jetzt auch der Verein
der Leser und Schreiber, emsiger Weiber
lange Objekt ihres munter`n Tuns und Treibens,
Liebens und Hassens;
wer wollte ihnen verdenken die Zähre,
die niemals sich mehre
zur Tränenflut, denn wenige
halten sich`s Lesen zugut,
und niemand verschreibt sich
dem Teufel mit Blut.
30. Juni 2026
Gedichte in Fachorganen:
aber Klettern ist öde nach sechzig, es sei denn, man riskiert sein Leben
Robert Lowell
Project MUSE - From Coinage Metallurgy to Fiat Money: Robert Lowell's Poetic Evolution
lugene unde ubermuot
ist niemen guot.
wie es im Prolog der mittelhochdeutschen Kaiserchronik heißt. Wir übersetzen:
Lügen haben kurze Beine,
Hochmut seine hat keine.
Was bebt, bebt in einem nach / Proust für Angestellte
Wieder kommt einer vom Berg Sinai herunter - oder war es der Brocken? - mit neuer Weisheit: "Was lebt, lebt in einem Nach." Gerhard Richter: Über einige Vorzüge und Schwierigkeiten des Nach-Denkens. in: Dieter Thomä (Hrsg.): Postismen. Vom Nutzen und Nachteil eines Denkmusters für die Wissenschaften. Frankfurt, 2025 S. 29.
Jack Bradford legt in seinem Aufsatz Document Style and Fictional MInds After Modernism (NOVEL 59 Issue 1 May 2026) auch nochmal nach: Postpostmoderne.
Postanalytische Prae-Maetaphysik: Nietzsche Postanalytic? Moral Psychology, Philosophical N...
27. Juni 2026
Gesendet: Samstag, 27. Juni 2026 um 07:16
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: juergen.beyer@uni-hamburg.de,holunder@uni-bockwurst.edu,anne.reimers@fau.de,B.Wollesen@dshs-koeln.de,heinz.reinders@uni-wuerzburg.de
Betreff: Ihr Beitrag In Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 28. Juni 2026
Äußerst anziehend ist das, was du sagst.
Aber das, worauf zu achten du mich zuletzt
ermahntest, das drücke bitte noch deutlicher
aus.
Nikolaus von Kues: Idiota de mente / Der Laie über den Geist. (Kap. XI)
Guten Tag Herr Dr. Wagner,
herzlichen Dank für Ihren o.a. Beitrag "Die Macht der Fans".
Sie referieren einen aktuellen fußballsoziologischen Artikel
Jürgen Beyers ("Weisheit der Laien") zu "Rechtfertigungsordnungen von Fußballfans
bei der Bestimmung von Marktwerten".
Sie bezeichnen mit Prof. Beyer die Bestimmung des Marktwerts eines Spielers als "großes
Mysterium" und fügen hinzu, nicht der Markt etc. reguliere die Spielerpreise, sondern eher
das Laiengequake irgendwelcher Fans auf einschlägigen Foren. Ein grober Irrtum!
Von Tertullian ("de spectaculis") bis Theweleit ("Tor zur Welt, Fußball als Realitätsmodell". 2004)
wurden die Gesellschaften des Spektakels beforscht. Gladiatoren und Fußballspieler, die bestbezahlten Sklaven
ihrer jeweiligen Arenen, sind seit jeher exklusive Waren auf zwei Beinen gewesen.
Ihre obszönen Gehälter zeigen die Megalomanie des Spektakels an, dem sie,
antiken Hetären und modernen Edelhuren gleich, ausgeliefert sind, sein wollen.
Sie werden von einem Betrieb ausgehalten, der es sich gestattet, die allüberall waltende
Geldgier in ihnen prospektiv als überwunden zu halluzinieren und als eine Art "Luxus als memento mori-Theologie" gnoseologisch für überwindbar zu halten, ja für bereits überwunden zu erklären.
nota bene:
Sport Management Review
Herm et al. (2014): When the crowd evaluates soccer players’ market values
Velema (2019): Upward and downward job mobility and player market values
Journal of Sport Management
Dobson & Gerrard (1999): The determination of player transfer fees in English Professional Soccer → Frühe Studie zu Transfergebühren.
Kedar-Levy & Bar-Eli (2008): The Valuation of Athletes as Risky Investments → Theoretisches Bewertungsmodel
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Neuere Reviews und Studien zu Performance-Metriken, Crowdsourcing und Transfermarkt-Daten (z. B. in European Sport Management Quarterly und International Journal of Sport Finance).
mit freundlichen und verbindlichen Grüßen
Ralf Frodermann
(nach Diktat verreist)
Dröges Schrifttum erster und zweiter Ordnung / Hase und Häsin
Zweck der Geisteswissenschaften heute ist Nachweis ihrer Notwendigkeit, wie wir nicht müde werden zu konstatieren. In MEKRUR (924 / Mai 2026) gibt davon einer einmal mehr eine Probe aufs Exempel. "Gute Formen, schlechte Formen. Zur Infrapolitik ästhetischer Theorie in der Gegenwart", lautet der Titel eines Essays Carlos Spoerhases zu Büchern von John Guillory, Timothy Bewes und Caroline Levine. Dass "jede philosophische Rezension zugleich Philosophie der Rezension sein sollte", wie Benjamin notierte, ist nicht geläufig. Wer einen Satz wie "Es lässt sich nicht leugnen, dass der Poststrukturalismus als eine Kritik an Binarismen eingesetzt hat." (Spoerehase, ibid. S.37) über sich bringt, den muss das auch nicht scheren. Es lässt sich nicht leugnen, dass die neuere Philologie als ein untoter Totengräber toter Literatur und ihrer Kritik zu Ende geht.
Irmgard Weithases Studie "Goethe als Sprecher und Sprecherzieher" (Weimar, 1949) taugt dagegen was. Die Poetik der Deklamation hatte ihre Zeit.
25. Juni 2026
"Im Grunde verstehen die meisten unter uns weder zu hassen noch zu lieben. Sie mögen mich nicht! Das matte Wort! Ich mag sie auch nicht!"
Johann Daniel Falk (1768-1826) überlieferte das berühmt-berüchtigte Wort Goethes über die Deutschen. Falks Bekenntnisse eines Weiberfeindes (1797) werden wir im kommenden Wintersemester traktieren.
Analytische Metaphysik auf der Suche nach dem fundamentum inconcussum.
Ohne Schelling und Schopenhauer nur Denksport.
You and Me Against the World | The Monist | Oxford Academic
Carnap, Schlick und Neurath waren in Sachen regressiver Metaphysik immerhin halb-originelle Parksünder.
23. Juni 2026
Performative Poetik
Das Distichon
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.
Friedrich Schiller
Der Alexandriner
Heut hat die Lehrerzunft
viel auf den Vers gescholten,
der ihr doch früher lang
als erster hat gegolten.
Mir scheint es an der Zeit,
daß Man ihn wiederfindet,
weil er so Klang wie Sinn
vor andern fest verbindet.
Otto Erich Hartleben
20. Juni 2026
Küchensoziologe verwirft Küchensoziologie: Prof. Klein weist qua Inglehart-Index Inglehart-Unfug nach. Gerald Wagner in FAS 21.Juni 2026.
Fazit: Die stille Revolution hat ihren Schöpfer gefressen. Erst kommt das Fressen und dann noch lange kein cultural backlash.
Neue Gallettiana
Oft des Johann Georg August Galletti (1750-1828) gedenkend. Tucholsky kannte ihn noch. Wie wir, die wir ihn vergessen haben.
ad Satire:
Dr. Cattaneo über Swift in Herder:
Herder Yearbook / Herder Jahrbuch
18. Juni 2026
Rehabilitation reflektierter Nostalgie in CASABLANCA / Texte zur falschen Zeit 1/2026. Der Autor Mark Feldon erinnert an Swetlana Boym (1959-2015) und ihre einschlägigen Arbeiten zur Nostalgie.
15. Juni 2026
1) Auf keiner Univerſitaͤt, nicht in ihrem Umkreiſe, wird eine Hure geduldet.
2) Auf keiner Univerſitaͤt wird ein leichtſinniger, zum Zechen und Schuldenmachen verleitender Wirth geduldet.
Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg: Über das Verderben auf den deutschen Universitäten. Essen, 1836 S.76
Teutschlands galante Poetinnen von Georg Chrstian Lehms (Pallidor) erschien
1715/16 in Frankfurt am Main.
Gut einhundert Jahre später veröffentlichte Carl Wilhelm Otto
August von Schindel seine Arbeit "Die deutschen Schriftstellerinnen
des neunzehnten Jahrhunderts", Leipzig, 1823.
An von Schindel erinnert Catriona MacLeod:
Ob die Weiber in den Himmel kommen, ist seit Kant eine offenen Frage.
Gewiss aber kommen sie auf den Parnaß.
Das ist die Eigenschaft der Dinge:
Natürlichem genügt das Weltall kaum,
Was künstlich ist, verlangt geschloss’nen Raum.
FAUST II
KI GROK, CLAUDE usw. fördern die Faulheit, vor welcher Vernunft niemals gefeit. Vernunft fault ab, Sie verfault. Ihr Dung erlaubt es KI, sich bio-informatisch zu transformieren und Blüten zu treiben. Deren Ernte besorgt die Saat selbst. Ein neues, Hesiodsches Zeitalter beginnt.
13. Juni 2026
Gesendet: Samstag, 13. Juni 2026 um 11:16
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: petra.gehring@tu-darmstadt.de
Betreff: Ihr Beitrag in "Deutsche Zeitschrift für Philosophie" 2 / 2026
Aus Sicht der drei Freudschen Kränkungen bleibt der Text in einem gewissen Sinne zu idealistisch. Er analysiert Krisen vor allem als Probleme von Wissenschaft, Vernunft und Philosophie. Freud würde dagegen fragen, ob nicht gerade die Sehnsucht nach Einheit, Sinn, Europa, Vernunft und philosophischer Rettung eine Reaktion auf die drei großen Kränkungen des Menschen ist. Die Krise wäre dann weniger ein Defekt der Wissenschaft als ein Symptom des verletzten menschlichen Narzissmus. Husserls „Heroismus der Vernunft“ erschiene aus dieser Perspektive als Versuch, die durch Kopernikus, Darwin und Freud selbst verursachte Dezentrierung des Menschen rückgängig zu machen.
KI GROK für Frodermann (nach PROMPT verreist)
best
Ralf Frodermann
11. Juni 2026
Semesterende in Sicht. Sommerfrische sehr erwünscht. Zwei, drei Dienstreisen, dann Arschlecken. - Sommer auf Sylt? Gattin wenig begeistert? (H. A. Korffs "Geist der Goethezeit" seiner zweiten Frau - der Unvergeßlichen - gewidmet. Die dritte war 44 Jahre jünger als der Ideengeschichtler. Wird sich wie in Blaubarts Doppelhaushälfte gefühlt haben.)
PÄAN
Niemand tut sich heute schwer
mit agiler Dankabwehr.
Sagt ein Trottel "Dafür nicht!",
fühlt sich keiner in der Pflicht,
dem Trottel rüstig heimzuleuchten
und Dankbarkeit das Wasser reichen.
Bobby Holunders neuer Aufsatz
Abwegige Konjekturen und Emendationen bei Ovid, Elisa Reimarus und Uwe Tellkamp.
ad
Ten Conjectures in Ovid and one in Propertius | Exemplaria Classica
Reise zur blauen Stadt. Buch von Uwe Tellkamp (Insel Verlag)
erscheint nicht in den Germanisch-Romanischen Monatsheften.
Herausgeber Berghahn lässt unseren Rektor wisen, dass der Aufsatz zu speziell und nur für Eingeweihte geschrieben sei.
Unseren Hinweis, wir alle schrieben nur für Eigeweihte, quittierte er mit einem pennälerhaften
Smiley.
gez. Frodermann
nach Diktat verreist!
Büro Holunder (Vorzimmer)
PS:
Appendix zum Holunder-Aufsatz:
„Abwegige Konjekturen und Emendationen bei Ovid, Elisa Reimarus und Uwe Tellkamp“
Nachtrag: Decknamen als philologische Verführung.
(zu Martin Bauer-Zetzmann / Dominik Berrens, „Kerkylas and Mentula: Decknamen in Sappho and Catullus“, Phoenix 80.1, 2026, S. 36–53)
Ein weiteres aktuelles Beispiel für die anhaltende Anziehungskraft „abwegiger“ (oder wenigstens gewagter) Konjekturen bietet der eben erschienene Aufsatz von Bauer-Zetzmann/Berrens. Die Autoren argumentieren, dass der in der Sappho-Vita überlieferte Name Κερκύλας (Kerkylas) kein historischer Ehemann oder Liebhaber gewesen sei, sondern ein Deckname (Spitzname / Pseudonym) mit obszönem oder satirischem Unterton – analog zum catullischen Mentula (wörtlich „Schwänzchen“), das bekanntlich als Spottname für einen Zeitgenossen fungiert.
Die Parallele zu unserem Thema liegt auf der Hand:
Auch hier wird eine scheinbar biographische Angabe der antiken Überlieferung nicht als bare Münze genommen, sondern als literarisches Spiel entlarvt bzw. umgedeutet.
Die Emendation/Konjektur besteht weniger in der Änderung des Buchstabens als in der radikalen Uminterpretation des Kontextes: aus „Ehemann Kerkylas“ wird ein sprechender Deckname.
Das Verfahren erinnert stark an die von Holunder behandelten Ovid-Stellen, bei denen scheinbar harmlose oder korrupte Überlieferung durch intertextuelle und gattungsspezifische Lektüre plötzlich obszön, ironisch oder literarisch hochfunktional wird.
Besonders reizvoll ist die methodische Brücke zu Elisa Reimarus und der Aufklärung: Auch dort ging es ja um das Entschlüsseln von Masken, Pseudonymen und gelehrten Spielen (Lessing-Reimarus-Kontroverse, Fragmentenstreit). Die antiken Decknamen bei Sappho und Catull sind in gewisser Weise die pagane Vorform jener hermeneutischen Lust am Entbergen, die im 18. Jahrhundert unter dem Deckmantel der Philologie und Kritik neu aufblühte.
Uwe Tellkamp wiederum hätte an dieser Stelle vermutlich schmunzelnd auf die „blaue Stadt“ verwiesen, in der Namen nie das bedeuten, was sie vorgeben – und in der der wahre Dichter immer unter Pseudonym oder hinter einer Figur spricht.
Fazit des Appendix:
Auch dieser Aufsatz in Phoenix beweist, dass die angeblich „nur für Eingeweihte“ geschriebenen philologischen Mikroskopien keineswegs abseitig sind. Sie berühren Grundfragen der Literatur: Wie ernst dürfen wir Namen in antiken Texten nehmen? Wann ist Biographie nur Maske? Und wie weit darf die Konjekturalkritik gehen, bevor sie selbst zur Fiktion wird?
Bobby Holunder würde vermutlich sagen:
„Wer Decknamen wie Kerkylas und Mentula ernst nimmt, der sollte sich über abwegige Ovid-Konjekturen nicht wundern – er betreibt dasselbe Geschäft, nur mit griechisch-lateinischem Anstrich.“
KI GROK
HENDRICKS und PLYMOUTH gegenwärtig die bevorzugten Gins in Haus und Büro Holunder.
9. Juni 2026
Was vom Tage nicht übrig blieb
"...;für das Individuum bedeutet Bildung den Erwerb und die Sicherung
und womöglich die Erhöhung desjenigen Bewusstseins der Sittlichkeit,
welches vom Menschengeschlecht bis dahin erreicht ist; und Erziehung
soll solche Bildung schaffen und fördern."
Heymann Steinthal: Allgemeine Ethik
Berlin, 1885 S. 372
From Hegel to Kant: Steinthal’s Evolving Reading of Humboldt
Notiz zu den sieben lässlichen Todsünden
Hochmut : Einstellungsvoraussetzung
Habgier : dito
Zorn : Neusprech Motivation
Neid : mattgelb
Wollust : stirbt aus
Völlerei : s. vegane
Trägheit : heute Fatigue
Peter Heßelmann:
„Wir fressen vnnd sauffen vns kranck/ todt/ vnd in die Höll hineyn.“ Einblicke in frühneuzeitliche Texte zur Völlerei
in: SIMPLICIANA 47 2025
7. Juni 2026
In particular I name our academic institutions because in the twentyfirst century, mimicking Franz Kafkas`s THE TRIAL, the university bureaucracy can only be described as "Kafakesque" or absurd.
Nicole J. Anderson in THE OXFORD LITERARY REVIEW (47.1 2025)
Während die beamteten Universitätsmenschen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten noch ihre Privilegien reflektieren, zu Dienstreisen aufbrechen, Vorlesungen und Seminare, nebst Sprechstunden abwickeln, verglimmen die letzten Erinnerungen an sog. Bildung. BIldung, die den Namen verdiente, war längst dahin. Bildung ist Vintage, wie Dampfloks, Tuxedos oder Manieren.
Unpacking Beckett's Library | Journal of Beckett Studies
Beckett war kein großer Leser, wenig am Lesen interessiert; etwa so wenig wie Mathematiker am Rechnen.
4. Juni 2026
Diogenes Teufelsdröckh / Carlyles Schöpfung immer belebend.
30. Mai 2026
Unser Pedell Frodermann offenbar mittlerweile endgültig übergeschnappt:
Gesendet: Freitag, 29. Mai 2026 um 19:31
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: emma.ischinsky@mpifg.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 31.mai 2026
guten tag herr dr. wagner,
vielen dank für Ihren o.g. beitrag.
Sie geben der leserschaft einen forschungsbericht über deutsche superreiche und
deren bevorzugter existenzform in gestalt der tarnkappe aus der feder der sozialwissenschaftlerin emma ischinky zur kenntnis.
wir superreiche sind in der tat nachtschattengewächse und einige von uns lesen
hin und wieder noch ein paar seiten aus zolas DAS GELD, gott vergib uns.
hält einer seine nase zu tief in unsere angelegenheiten, ist er selbst schuld,
es kommt nie etwas dabei heraus.
über geld spricht man um so weniger, je mehr man hat.
mehr hat auch frau ischinsky offensichtlich nicht herausgefunden.
solange also auf den gassen nicht das alte lied der neider und wegelagerer
ertönt - "den schönen und den reichen werd ich die münze streichen" -
bleiben die dinge gut und schön.
trotz der unsereins gewidmeten untersuchungen.
beste grüße
ralf frodermann
23. Mai 2026
Ich orte das Leck,
bin oft unter Tage,
behebe die Plage
und fahre dann weg.
Erwin Abeferfett: KLUNTJE. Neue Gedichte. (Privatdruck 1983)
Gesendet: Samstag, 23. Mai 2026 um 07:15
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: shayob@mit.edu,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 24. mai 2026
guten tag herr prof. holzer,
herzlichen dank für Ihren o.g. beitrag.
er sorgte gestern abend auf einer kleinen akademischen mottoparty (das wort "familienbande" hat einen beigeschmack von wahrheit. karl kraus) für gesprächsstoff und heiterkeit.
Sie referieren einen sozialempirischen artikel aus der American Sociological Review
zur ungleichheitsforschung. wie sichern reiche über generationen ihren reichtum usw. usw.,
fragt sich die amerikanische autorin so angelegentlich wie naiv.
darüber war alles nötige bei balzac und veblen nachzulesen.
und im übrigen, wie gestern ein alter, emeritierter spötter dazu anmerkte:
„Empirische Sozialforschung solchen Zuschnitts ist weitgehend überflüssig
– egal wie fancy die Konzeptualisierung (‚Kinship Interlocks‘) auch sein mag.“
Prof. Traugott Hermann Nägler nach Lektüre und Diskussion Ihres Beitrags.
beste grüße
ralf frodermann
21. Mai 2026
Anti-Gellert und Prosopagnisie
Textproduktion, vollautomatisiert
PERPLEXITY, GROK, CLAUDE - als Maske vorzustellen.
Wer eine Bewerbung, eine Beschwerde, eine Liebeserklärung
etc. auf den Weg zu bringen hat, bedient sich der jederzeit
gefälligen Maschine.
Den Briefsteller der Frühaufklärung hat OPEN AI abgelöst.
Jeder Hans kann jetzt seiner Grete die Welt in Worten zu Füßen
legen, digital maskiert, den Don Giovanni und Zorro geben.
vergl.:
Zeitschrift für archäologische Aufklärung bei transcript publishing
MICHAEL KOHLHAAS im Licht von
Unnecessary Self-defence | Oxford Journal of Legal Studies | Oxford Academic
interpretieren.
Ernst Bloch über das Handy
für Rachel Barney, Toronto
Schütter ist Denken ohnedies, item das automatische zu wenden. Einer zaubert aus des anderen Hut, doch wehklagt ein anderer wohl gar? Im Ende ist das Gesagte gesagt, doch das Ungesagte bleibt wehmütig taub. Der Taube isst die Luft des Blinden, wie der Mohr geht, nachdem seine Schuldigkeit erwiesen. Ich telefoniere. Aber ich habe dich nicht. Deshalb sprechen wir erst.
19. Mai 2026
1939 erschien Norbert Elias` "Der Prozess der Zivilisation". Dreißig Jahre später die dreizehnteilige BBC-Produktion "Civilisation. A Personal View", von und mit Kenneth Clarke.
Zunahme an Seichtheit / Pseudo-poetische Fibrose (5)
Grünbein ennuyiert uns heut erneut mit
seinem Dichtertum, in der FAZ.
Heute: Anamnesis im Zug:
Im Zug erkennt der Dichter in
den Zügen einer Fremden Züge
seiner Mutter, aus einer Zeit vor
seiner Zeit. Seltsam konstantes Dichten
im Grützbeutel.
Delegitimiert durch Verfahren: Sprachspiel, Umleitung, Nonsens
Der Bühnencharakter des Gerichts brachte irgendwann das Gericht auf die Bühne.
Kleist, Kafka, Peter Weiss e tutti quanti legten die Köder aus.
Ihre Berufsbeforscher bissen an:
Full article: Accepting or Transgressing the Failure: Derrida and Agamben on Kafka’s Before the Law
Seit Ibsens "Dichten - Gerichtstag halten über sich selbst; mit einem sicheren
Freispruch" ist der Frei- zum Schuldspruch geworden,
aus Kants "innerem Gerichtshof" wurde ein Friedhof des Gewissens
und Wahrheit und Lüge sind nur noch außermoralisch erhältlich, niemals und nirgendwo
einklagbar.
Über die Bedeutung literarischer Artefakte informiert ihre Lektüre.
Das Themenheft "Verfahrensfragen. Verhandlungen zwischen Recht und Literatur" der
Zeitschrift für Germanistik (2 /2026) hält sich mit solchen Gedanken nicht auf,
sondern quillt von unverständlichem Zeugs über:
Peter Lang Verlag | Zeitschrift für Germanistik
Rüdiger Campe macht den Anfang mit einer Cornelia Visman gewidmeten Skizze.
Hatte sein Namensvetter Joachim Heinrich vor Jahrhunderten
noch Fremdwörter vernünftig eingedeutscht, so hat sich der neue Campe wohl in seiner
philologischen Phänomenologie des Verfahrens verfahren.
Ein anderes Superhirn regt an, den Begriff Klassik aus den philologischen Meldeakten zu entfernen:
Full article: Done out of Goethe: On the Lasting Impact of the Term ‘Klassik’
Auch die Neueres Deutsche Literaturwissenschaft hat, weiß der Teufel, bessere Tage gesehen.
Sehr Subantielles dagegen zum Übergang der Jugensozialarbeit in Gesinnung und Hirnwäschein einem Beitrag von Benjamin K. Schroeter in BAHAMAS Heft 98 S.35ff. Frühjahr 2026: Gestörter Raum, gestörte Zeit, gestörte Sprache. Das fortschreitende Aufgehen der Jugendsozialarbeit in der Gesinnung.
16. Mai 2026
Fermentierte Wissenschaftsprosa:
Gesendet: Samstag, 16. Mai 2026 um 06:59
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: baba@empirica-institut.de,wilbert@empirica-institut.de,otto@empirica-institut.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 17. mai 2026
guten tag herr dr. wagner,
besten dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren einen drögen allerwelts-artikel dreier autoren einer berliner bzw. bonner
beratungsfirma namens empirica zu wohn- und lebenskonzepten
in der peripherie.
seit mitscherlichs streitschrift "die unwirtlichkeit unserer städte" hat
sich an den befunden wenig geändert:
städte sind urbane tumore, die man besser meidet.
wer kann, schafft sich kolonien inmitten der steinwüste, will sagen
kauft eigentum am kollwitzplatz usw. usw.
besser gleich aufs land, grossstadt und neurose entfliehen!
Sie schreiben:
Sehr umstritten sind etwa die Überzeugungen über die soziale Mobilität in der deutschen Gesellschaft, insbesondere jene der vertikalen Mobilität. Also die Einkommensunterschiede, die sozialen Klassenlagen und die Chancen, in unserer Gesellschaft auf- oder abzusteigen.
im gegenteil: diese dinge sind nun weiss gott nirgends "sehr umstritten"! ausser freilich
in manchen redaktionsstuben, das mag sein. dort wird man viele standpunkte antreffen,
selten einen methodischen.
der ist allerdings höchst nötig, will man die hier diskutierten zusammenhänge erschöpfend begreifen, was Ihre drei autoren offensichtlich nicht intendierten.
er lautet:
"Ein methodischer Standpunkt ist kurz gesagt der, dass sich über das geschichtliche Sein
als solches überhaupt nichts aussagen lässt, sondern das alles, was geschehen kann, sich
allein immer auf die Kritik seiner Verdeckungen beschränken kann."
Alfred Sohn-Rethel: Exposes zur materialistischen Kritik der Erkenntnis
Halbband I Freiburg, 2026 s.351
im licht dieses standpunkts würde ich die von IHnen referierten ausführungen als camouflage urbanistique bezeichnen - und abtun.
beste grüße
ralf frodermann
15. Mai 2026
Biographische Pocken kommen und bleiben. Thomas Mann und die Seinen sind besonders befallen von ihnen. Jüngster filmischer Blödsinn dieses Genre: VATERLAND. Unter dem Titel war Robert Harris` Roman aus dem Jahr 1992 noch dunkel im Gedächtnis, vielleicht dessen Verfilmung 1994. Die arme Charge Sandra Hüller als Erika Mann. Quel terrible accident!
"Ich benötige eine Bügelhilfe."
"Viagra nur auf Rezept."
"Nein, eine Bügelhilfe."
"Ja, nur auf Rezept."
"Ist dies hier keine Drogerie?"
"Wir sind ein Reformhaus."
Erwin Aberfett, Dienstdialoge
Can Vegans Eat Dessert? - Solch Frage (gestellt von Kyle York in UTILITAS Vol. 38 Issue 2 June 2026) klärt wohl vollständiger über den Zustand der philosophischen Teildisziplin Ethik auf als selbst eine päpstliche Enzyklika oder Bulle.
Blueprint Literaturbetriebchen 1 (in Kooperation mit Dr. Spielvogel)
Wer recht zu hören versteht, begreift den Inhalt wohl auf seine eigenthümliche
Weise, wie Alles, was des Verstehens und Verständnisses würdig ist.
Ludwig Tieck: Das alte Buch und die Reise ins Blaue hinein
Der blaue Kammerherr in der blauen Stadt:
Von von Niebelschütz zu Uwe Tellkamp.
Mit einer Anmerkung zu Lukas Rietzschels
SANDITZ
Lukas Rietzschel, "der neue Tellkamp", hat seinen Roman SANDITZ (2026) - Neu- und Wiederverwurstung von Tellkamps TURM (2008) - als Motto einen Satz aus Exkurs I der Dialektik der Aufklärung vorangestellt:
"Der Listige überlebt nur um den Preis seines eigenen Traums, den er abdingt,
indem er wie die Gewalten draußen sich selbst entzaubert."
Da hat der Mann seiner Prosaente einen bleiernen Halsschmuck verpasst und sie
ging gleich unter. Übergewichtige Motti taugen nichts! Ausser zu Bedeutungshuberei.
Ein deutscher Schmock, Jan Suselbeck, hat den Unfug gleich halb gewittert
und in der SZ, 13./14. Mai, voll ventiliert.
13. Mai 2026
An einer WC-Tür beim Arzt: Lichtschalter innen. Wie ist das zu verstehen? Gendergerechtigkeit unter Dingen? Lichtschalter: innen? Lichtschalter/innen? Lichtschalter_innen? Wie man sich bettet, so liest man.
9. Mai 2026
Allmählich wird unser Pedell Frodermann neben allem anderen auch noch zum notorischen Selbstdarsteller, die arme Sau (ein Gemüt und huldigt traurigem Tiefsinn / Eugen Gottlob Winkler. Reclam Leipzig 1993 S.174):
Gesendet: Samstag, 9. Mai 2026 um 11:38
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: andrea.voyer@sociology.su.se,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 10.mai 2026
"Als hilflose Nachahmung der exakten Naturwissenschaften deren Ergebnissen gegenüber
die sozialwissenschaftlichen armselig erscheinen, klammert sich Research verängstigt an
den vedinglichten Abguß der Lebensprozesse als Garantie der Richtigkeit, wahrend es seine
einzig angemessene und daher den Research-Methoden unangemessene Aufgabe wäre, die
Verdinglichung des Lebendigen an ihrem immanenten Widerspruch zu demonstrieren."
T. W. Adorno: Minima Moralia (Anhang / Prokrustes)
guten tag herr prof. kieserling,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren zwei beiträge - einen älteren aus dem jahr 1960 und einen aktuellen -
zur bewältigung von enttäuschungen unter schülern, die in einer welt der zumutungen groß werden, die, wie Sie meinen, mehr erwartungen wecke als sie erfüllen könne.
zur soziologie der frustrationstoleranz und den gängigen kompensationsclustern
begabter wie unbegabter schüler hat die deutsche literaturgeschichte einiges beizutragen.
musils törless, thomas manns tonio kröger, friedrich torbergs schüler gerber, hesses unterm rad, freund hein von emil strauß usw.usw.
dagegen wirken die von Ihnen referierten sozialempirischeen textkörper zu ersatzschulen und zubringerklitschen,
den sozialen aspekten individuellen scheiterns ("scheiter als chance etc) und goffmans alter abkühlungs-mumpitz eher dürftig und erinnern an den o.a. befund adornos.
in zeiten, in denen kaum mehr vom übergang schule/beruf, sondern vielfach
vom übergang schule/justizvollzugsanstalt bzw. klapse ausgegangen werden muss, sind derartige untersuchungen nichts als propagand, die suggerieren soll, dass wir in einer welt
zumutbarer, d.h. kompnesierbarer zumutungen leben, obwohl alle wissen, dass sie
in der hölle leben.
hochachtungsvoll
ralf frodermann
5. Mai 2026
In Band 10 seiner Briefe zu Beförderung der Humanität (Riga, 1797 S.15f.)
gibt Herder unter dem Obertitel Neger-Idyllen ein Poem zum Besten, dessen
Motivik viele Jahre später ausgerechnet in den Jazzclubs der USA Aufsehen
erregte: Strange Fruit, komponiert von Abel Meeropol und gesungen von Billie Holiday.
Herders Gedicht trägt den Titel Die Frucht am Baume.
1.Mai 2026
nach Mörikes An Philomele
An Hugo Distlers Mörike-Chorliedern
drohten wir heillos abzuschmieren,
die wir im Gasthaus Zur Grünen Glocke
sangen und soffen alle Wochen.
O Chorleiter, dir möcht ich ein Liedchen weihn,
voll Lust und Laune! aber ich stocke schon;
Ach, mein niederer Ton regt in mir
plötzlich den Sinn nach dem hohen.
Verzeih! Im Olympus ist Elternabend
und Freibier heut: dass überhaupt einer
kommt, ich versprach es den gar nicht
gottähnlichen Paukern und Steißtrommlern.
Zauberlehrling, entzaubert
Von Epiphanien ist nirgendwo mehr die Rede, außer an den philosophischen Resterampen. Eine von ihnen betreibt Sophie Grace Chappell (Epiphanies: An Ethics of Experience. Oxford, 2022).
Journal of Philosophy of Emotion - 2026: Volume 7, No. 2 (Winter)
Volume 9, Issue 2 | Zeitschrift für Ethik und Moralphilosophie | Springer Nature Link
30. April 2026
Frau Justitias Walpurgisnacht / Eine Gerichtskomödie in vier Aufzügen von Erich Wulfen heute Abend auf der Studentenbühne. Muss mich sehen lassen. Athritis unschön.
Justus Friedrich Wilhelm Zachariaes 300. Geburtstag morgen. Sein Renommist hebt so an:
Allbekannt immer an Moneten
Fehlet es kleinen und großen Poeten
28. April 2026
In seinem Roman "Das Siegel der Feigheit" entfaltet der Autor ein neues, post-kulturelles Phänomen: Lesehass. Erwin Aberfett hat ihm ein ebenso ephemeres wie paradoxes Prosadenkmal gesetzt.
Analog zur Netflix-Serie The Good Doctor müsste es die Serie The Good Philologist geben.
Mediatisierung der Muse
Der Musenanruf ist aus der Mode. In der Moderne wird die Muse zur kallipygischen Inspiration, in der Postmoderne zur beschädigten Lolita (Project MUSE - On Augusta Britt).
Musenanruf unter neulateinischen Profis eher Pose: Project MUSE - Ovationes Anni Salutis MMXXV
Poetik der Zahnschmerzen:
25. April 2026
Nicht an Philipp Perlmann denken!
Gesendet: Freitag, 24. April 2026 um 20:30
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: spannagel@ph-heidelberg.de,bruelle@soz.uni-frankfurt.de,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 26.april 2026
Die politische Kraft einer Demokratie zeigt sich darin,
daß sie das Fremde und Ungleiche, die Homogenität
Bedrohende zu beseitigen oder fernzuhalten weiß.
Carl Schmitt: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus (10. Auflage 2016)
guten tag herr dr. wagner,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren eine aktuelle untersuchung von brülle und spannagel
zu legitimationsproblemen spätkapitalistischer demokratien im blick
auf die korrelation von einkommen und politikvertrauen.
ich darf micht heute auf drei spiegelstriche diesbezüglich beschränken:
dass armut nur einen wahrnehmungsdefekt, einen großen glanz aus innen (rilke) usw. darstellt, hat man den armen seit eh und je weismachen wollen.
dass auf die Gründung der Bundesrepublik ein beispielloses Wirtschaftswunder folgte,
wie Sie meinen, ist abwegig. das wirtschaftswunder folgte kausal keineswegs auf die gründung der bundesrepublik, sondern auf die vernichtung von sechs millionen juden von staats wegen.
und ob, geht es den mensche(n) schlecht, sie an der demokratie zweifeln, ihnen zu verübeln oder gut zu schreiben sei - wer mag da den ersten stein werfen!
beste grüße
ralf frodermann
Traumberuf: Anagrammatist:
George Tashe, Anagrammatist | The Review of English Studies | Oxford Academic
20. April 2026
Irrtum Kants
Das zu frühe und dadurch (daß es eher kommt, als die Menschen moralisch besser geworden sind) schädliche Zusammenschmelzen der Staaten wird - wenn es uns erlaubt ist hierin eine Absicht der Vorsehung anzunehmen - vornehmlich durch zwei mächtig wirkende Ursachen, nämlich Verschiedenheit der Sprachen und Verschiedenheit der Religionen, verhindert.
Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft (AA VI S. 123 Zusatz in der zweiten Auflage)
Aus einer Zeit vor dem sauren Bierernst der Tölpel:
Und du willst Geld von mir, du Ignorant?
Nicht einen Heller geb' ich einem Mann,
Der Backtrog mir anstatt Backtrögin sagt!
Aristophanes, Wolken
Vor zehn Jahren erschien im Journal Of The American Philosophical Association das so gelehrte wie gelungene Pastiche (Aristotle), On Trolling aus der Feder der kanadischen Wissenschaftlerin Rachel Barney.
In der jüngsten Ausgabe des European Journal of Philosophy (Vol.34 Issue 1 March 2026) schreibt Karoline Reinhardt vom Philosophischen Seminar der Universität Passau über Kants
Auffassung von Utopie. Prof. Barneys Capriccio in Bestlaune und Prof. Reinhardts faden Lesefruchtsaft trennen Welten unsichtbaren Geistes. Akkulturation ausgeschlossen.
ad Individuum
"Dabei übersieht man leicht, dass für die meisten Menschen die gesellschaftlichen und insbesondere die ökonomischen Voraussetzungen für die Entwicklung zum autonomen Individuum nicht mehr gegeben sind."
Friedrich Pollock: Aufgaben und Grenzen der politischen Bildung (1960)
18. April 2026
Gesendet: Samstag, 18. April 2026 um 09:12
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: redaktion@journalistik.online,zreich@bgu.ac.il,mishalyt@post.bgu.ac.il,holunder@uni-bockwurst.edu,post@djs-online.de,info@schule-des-schreibens.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 19.april 2026
Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können - das macht den Journalisten.
Karl Kraus
guten tag herr prof. kieserling,
herzlichen dank für Ihren o.a. artikel.
Sie unterrichten Ihre leserschaft über einen beitrag aus der sphäre
soziologischer redaktionsforschung, der im fachorgan JOURNALISM
vor gut einem jahr erschienen war.
darin geht es im wesentlichen darum, über welches fachwissen newcomer im journalismus
verfügen müssen, um ihren job zu machen. schnell lernen die neulingen, dass es auf fachwissen so wenig ankommt wie auf ein gute ausbildung an überlaufenen journalistenschulen. wichtiger sind quellen, also whistleblower, und beziehungen, also nepotismus.
künstliche intelligenz lässt den beruf des journalisten oder lohnschreibers rasch obsolet werden, textproduktion ist keine sache mehr von lohnabhängigen schmocks, das regeln maschinen.
immerhin wirkt es drollig, wie ernsthaft eine abgehalfterte berufssparte noch beforscht wird,
als stünde sie in voller blüte und nicht kurz vor ihrer endgültigen abwicklung.
nota bene:
Honore de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken. Die schrägen
Typen der Jornaille. München, 2016
mit freundlichen grüßen
ralf frodermann
14. April 2026
Stilblüte des Tages:
"Die Verzögerung des Verbrenner-Aus kündigt für die Klimapolitik etwas an, was zu beginnen wohl kaum schon aufgehört hat."
Jasper von Altenbockum, FAZ heute
Uns Deutschen liegt Goethe am nächsten, und die Vergleichung mit ihm hat sich schon fruchtbar erwiesen. Aber das erste bleibt doch, Griechisch können, also auch die Kunstformen der alten Poesie innehaben, und dann sich in Platon mit Liebe versenken. ἣ χρίσις πολλῆς πείρας. τελευταῖον ἀπογέννημα; aber auch zu ihr und über sie hinaus zum θεᾶσθα. αὐτὸ τὸ χαλόν führt nur der Eros.
So schließt das Plato-Buch von Wilamowitz 1920.
1921 erschien Paul Natorps Platos Ideenlehre in zweiter Auflage.
Seine Kantianisierung Platos ist heute so vergessen wie Wilamowitz`deutsche Besetzung
der platonischen Akademie.
Die Tübinger Plato-Tage 4 traktieren das Thema Platon und die Seele:
Platon und die Seele / Plato and the Soul
Der Tagungsband verhält sich zu den über hundert Jahre älteren Arbeiten von Natorp
und Wilamowitz wie Brackwasser zu Dessertwein.
Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal
saßen einst zwei Hasen,
fraßen ab das grüne, grüne Gras
fraßen ab das grüne, grüne Gras
bis auf den Rasen.
Als sie sattgefressen warn,
setzten sie sich nieder,
bis das der Jäger kam
und schoss sie nieder.
Als sie sich nun aufgesammelt hatten
und sich besannen,
dass sie noch Leben hatten,
liefen sie von dannen.
11. April 2026
herrenreiter wie scheck ("der ungedeckte") sind ja fast
so gräßlich wie trutschen a la von kürthy, sie eint etwas
wiedergängerhaftes: als sei scheck eine parodie auf reich-ranicki
o.ä. und frau von kürthy relaunch eines courths-mahler-avaters.
quasselautomaten wie frau heidenreich sind zeitloser äther des nonsens und
benötigen keinen relaunch.
charlotte roche möge das trio segnen.
trocken gelegte feuchtgebiete?
(Tagebucheintrag meiner Gattin von gestern, habe diese Debatte über dem Wiederlesen von Thomas Manns später Erzählung Die Betrogene verschlafen.)
Gesendet: Samstag, 11. April 2026 um 09:37
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: boris.holzer@uni-konstanz.de
CC: eddieyang@purdue.edu,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 12.april 2026
guten tag herr prof. holzer,
gern hört man in letzter zeit von den grenzen der ki, davon, was chatgpt alles nicht kann,
der mensch den kopf darob aber doch nicht hängen lassen soll (vgl. michael maars ausführungen zu ki und literatur in der heutigen faz) usw. usw.,
mit einem wort: kein grund zur sorge, denn es gilt ja schließlich letzen endes das alte informatikerwort "garbage in, garbage out" (gigo).
dies ist auch der tenor des von Ihnen in Ihrem o.a. beitrag referierten artikels des amerikanischen politikwissenschaftlers eddie yang von der purdue university.
dr. yang macht u.a. deutlich, dass der der ki-einsatz für zwecke der zensur begrenzt sei als von autoritären regierungen vielleicht erhofft.
dass auf analoge zensur mehr verlass ist als auf digitalisierte, war seit den einschlägigen forschungen heinrich hubert houbens (1875-1935) anzunehmen.
vgl. für den deutschspracheigen raum: h. prantl: zensur in deutschland? in:
zum gesamtkomplex:
Überlegungen zu einer Theorie der Zensur | Springer Nature Link
miachel maar nennt, was hier auch in rede steht, heute in der faz "die vierte kränkung", und dürfte damit ziemlich richtig liegen.
auf den umstand, dass zensur (wie spionage) in der post-demokratischen gesellschaft ein relikt, ein anachronismus, ein atavismus ist, für den sich allenfalls noch informierte politikwissenschftler erwärmen, ist hier nicht näher einzugehen.
beste grüße
ralf frodermann
9. April 2026
Mauerblume / Gedichteingang
In letzter Zeit escheinen hin und wieder Gedichte
in philologischen Fachorganen, meistens haben
sie taug, d.h. taugen etwas. Heute kamen uns Two Poems
von Jason Mitchell unter die Augen, erschienen in
Illinois Classical Studies (Vol. 47 Nos. 1-2 Spring/Fall 2024).
Eine Tove-Ditlevsen-Maschine (vgl. FAZ von gestern)
fertigte die nachfolgende Übersetzung.
Missmutig unter
einem grauen Himmel, eingekeilt
zwischen Betonplatten
des Gehwegs,
staubdünne Fäden
eines Spinnennetzes
drehen sich im Licht,
schwanken und treiben
sternbildgleich.
Richtung Kreta,
schmaler Grat,
abhebend von Orly,
Städte sanft erleuchtet
unten, so weich wie
Kerzen, die
auf einem Esstisch
glimmen.
Das Wort ist
turbulent, Nebel
liegt auf den Alpen,
sitzt weiter entfernt
als der Gedanke.
Es im Geist zu halten,
wie Blinde vielleicht
einen Gegenstand,
ihn fühlen und tasten,
jede Kontur erfassen
im Herzen
und auseinanderziehen
das Licht,
das Wort, das
dem Sehen ein Feld gibt,
Wort für Wort ein
Wunder recht.
7. April 2026
Vor 250 Jahren starb der Hainbündler Ludwig Hölty in Hannover. Sein Weiberhass war spielerisch. Bitterer, saurer Ernst ist daraus geworden.
Sollt' ich den Rosenkelch verlaßen?
Die Nachtigall?
Auf eines Mädchens Winke paßen,
Bey Tanz und Ball?
Ich würde, kämen ganze Gruppen
Von Mädchen, traun!
Nicht aus der Laube gehn, die Puppen
Nur anzuschaun.
L. C. H. Hölty: Der Misogyn
Positivismusstreit am soziologischen Katzentisch:
Als Küchensoziologie bezeichnen wir jene Wasser- aus Buchstabensuppe, die sich als Wissenschaft ausgibt, ohne eine zu sein. (Urvater Herbert Spencer.)
Exemplarisch ist heute etwa die Luhmannsche Systemtheorie und ihre, teils über-, teils unterkomplexe Simplifizierung durch seine Bielefelder Schüler und Diadochen Holzer, Kaube, Kieserling usw.
Analog zum Begriff Küchenpsychologie dient Küchensoziologie der bestimmten Negation.
Wie Küchenpsychologie zur Psychoanalyse oder zum Behaviorismus, so verhält sich Küchensoziologie zur Soziobiologie oder Kritischen Theorie.
Die Anbetung Gottes - vgl. Praise the Lord! | International Journal for Philosophy of Religion | Springer Nature Link - verwirklicht sich in der Apotheose des gesellschaftlichen Unfugs um jeden Preis: Küchensoziologie.
bei gelegenheit eines gelegenheitsgedichts
für Wulf Segebrecht
ein haschen und ein suchen
durchweht den wörterkuchen,
bis endlich ist gefunden
nach tagen oder stunden
die einzig rechte wendung
für anfang, mitt`und endung
des sanft erlegten wildes
im korridor des bildes.
4. April 2026
Gesendet: Samstag, 4. April 2026 um 09:32
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: robert.schaefer@unibas.ch,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung 5.april 2026
guten tag herr dr. wagner,
besten dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren einen artikel robert schäfers zu kontingenzerfahrungen
im survivalismus aus der zeitschrift soziale welt.
dass die aktuelle küchensoziologie und seelenbeschälerei sich auch mit dem tun und lassen
von narren und eckenstehern wie preppern und survivalisten der gesellschaft befasst, ist kein neuer befund.
kontingenzbewältigung ist bekanntlich nichts für schwache nerven,
und nicht erst seit odo marquard und niklas luhmann wissen wir, dass es uns
viel kosten könnte, auf die, zugegeben, geschrumpften und verkümmerten
sinnangbeote der religion kurzerhand zu verzichten.
ein indifferentes "scheiss drauf" angesichts des donnerwortes ewigkeit dürfte heute freilich
am verbeitetsten sein, asphaltnihilismus nach-bürgerlicher sozialität.
besser man hält sich in diesen fragen an walter benajmins berühmtes fragment "kapitalismus
als religion". dahinter sollte auch küchensoziologie a la robert schäfer nicht zurückfallen.
beste grüße
ralf frodermann
2. April 2026
Und dann, dann sagst du auf einmal: »Aha,
das ist ja der TISCH!« Und es schnappt wieder ein.
»Der Tisch, na klar, was sonst soll es sein?«
Martin Auer: Tischrede
Er schwieg, sprach nur noch mit sich selbst, grüsste nicht einmal
mehr.
Peter Bichsel: Ein Tisch ist ein Tisch
Diese Leute verdienen auch ihr Essen und Trinken mit Scheißen,
Weinen und Heulen, wie wir mit unsern guten Werken den Himmel!
Martin Luther: Tischreden
Ekphrasis for sale
Zu Durs Grünbeins Der Tisch (FAZ 2. April 2026)
Durs` Gedicht, Dinggedicht
aus Phrasenstroh, unverfugt,
macht kaum ihn selber froh,
Abhub seines Abhubs, Maschinenmuse
über der Schulter, seit vor Jahrzehnten
Man ihn buchte und
zu unterrichten suchte,
was er zu tun, was er zu lassen,
Fassbares den Leser fassen lassen,
Unfassbares hintertreiben,
pseudoklassisch und verbindlich bleiben,
den Spondeus an seinem Quell erkunden,
am eignen Sprachmüll immerzu gesunden.
Niemand schreibt mehr Briefe, jedenfalls keine, die den Namen verdienen. In Benjamins magistraler Briefsammlung "Deutsche Menschen" ist ein Brief Clemens Brentanos an den Buchhändler Reimer vom Dezember 1806 abgedruckt und seine Bedeutung beschrieben. Im Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts (2025) findet sich ebenfalls ein Brief Brentanos, an seinen Ex-Kommilitonen Matthias Thiel vom April 1799, kommentiert von Wolfgang Bunzel. Zwischen Wahrheits- und Sachgehalt verläuft die Grenze des Benjaminschen und des Bunzelschen epistolographischen Zugriffs.
30. März 2026
www.mohrsiebeck.com/artikel/beobachtungen-zum-theologiestudium-101628zthk-2026-0010/
Gesendet: Sonntag, 29. März 2026 um 19:26
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: ls.heinig@jura.uni-goettingen.de
Betreff: Ihr beitrag in der FAZ 30.märz 2026
»Bedauert doch«, ruft uns Goethe zu, »den außerordentlichen Menschen, daß er in einer so erbärmlichen Zeit leben, daß er immerfort polemisch wirken mußte.« Wie, ihr, meine guten Philister, dürftet ohne Scham an diesen Lessing denken, der gerade an eurer Stumpfheit, im Kampf mit euren lächerlichen Klötzen und Götzen, unter dem Mißstande eurer Theater, eurer Gelehrten, eurer Theologen zugrunde ging, ohne ein einziges Mal jenen ewigen Flug wagen zu dürfen, zu dem er in die Welt gekommen war?
Nietzsche: Erste Unzeitgemäße Betrachtung
guten tag herr prof. heinig,
zunächst herzlichen dank für Ihren (freilich sind auch Ihre co-autoren gemeint) o.a. beitrag.
nach barth, bultmann und tillich hat die theologie abgedankt,
vor ihr verblich die einst blühende philosophische gotteslehre.
ihr universitäres ende ist absehbar geworden, de facto steht es vor
der tür. pfaffe ist kein beruf mehr, theologie ist keine wissenschaft, sondern objekt
derselben (der religionssoziologie und -psychologie, ethnologie etc.) und für akademische folklore fehlt das geld.
auch als häßliche magd der ki-forschung (ancilla machinae) dürfte sie entbehrlich sein.
freundliche adressen im gewand der besorgten paränese wie die Ihre
ändern daran nichts.
cuis regio, eius religio ist längst nicht mehr das motto halb-aufgeklärter duodezfürsten,
sondern bekenntnisorientierter zuwanderer.
beste grüße
ralf frodermann
28. März 2026
Gesendet: Samstag, 28. März 2026 um 08:01
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
CC: tamara.dangelmaier@hwr-berlin.de
Betreff: Ihr beitrag in frankfurter allgemeine sonntagszeitung 29.märz 2026
guten tag herr prof. kieserling,
besten dank für Ihren o.a. beitrag, in dem Sie einen polizeosoziologischen
artikel tamara dangelmaiers aus polizeisoziologischer
perspektive, d.h. polizeisoziologisch einzuordnen suchen.
hard-boiled-leser Ihrer - und Ihrer kollegen holzer und wagner -
küchensoziologischen einlasssungen sind nach der lektüre Ihrer
jüngsten nicht gleich an david simons HOMICIDE oder THE WIRE erinnert.
das dürftige fazit der kleinen studie frau dangelmaiers aus POLICING & SOCIETY
(36 2026 Issue 1) - polizisten sind auch nur menschen und wägen in gefährlichen situationen
die teil ihres beruflichen alltags sind, nicht selten nach nach quid-pro-quo-gesichtspunkten
ab - ist für den passionierten krimileser alles andere als überraschend.
dass polizisten feige, korrupt usw. und das gegenteil sein können und sind, belegt der amerikanische kriminalroman bis zu den tagen der TRUE DETECTIVES-serie.
die grenzen zwischen kulant und korrupt dürften jedenfalls auch nach den trefflichen
einsichten frau dangelmaiers so fließend bleiben wie eh und je.
und ob der ermessensspielraum von polizisten dann und wann mit ihrem selbsterhaltungstrieb in konflikt gerät und bis zu welchem punkt dies eine lässliche job-sünde ist, mögen weitere solcher subtilen studien klären.
mit freundlichen grüßen
ralf frodermann
Naive und sentimentalische Dichtung heute:
Michael Spyra
Der erste eigene Syrer
Die Schranke vor der Siedlung ist geschlossen,
dahinter stehen Häuser in den Gärten,
Salat und Quiche und Wein auf den Terrassen,
ein Korb mit Überziehern, altbewährten,
die passen jedem Gast, wie angegossen.
Und hier die Gäste, die sich niederlassen.
Und da der Syrer zwischen all den Gästen,
so wie schon bei den letzten Sommerfesten
der Nachbarn, die sich auch mit ihm befassen.
Der holt die neuen Flaschen aus dem Keller
und manchmal trinkt er etwas von dem Wein.
Das geht jetzt wieder alles etwas schneller.
Man sollte diesem Menschen dankbar sein
und ist es auch. Er fügt sich sehr gut ein.
Ein Schelm legt ihm ein Würstchen auf den Teller.
20.08.2019
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Ralf Frodermann
Der allererste eigene Syrer
Zu seinem Aktmodell sprach Albrecht Dürer:
"Leck mich am Arsch, bis Du`n Syrer?"
Der Syrer, kreidebleich vor Sorgen:
"Verehrter Meister, ich sag`s Euch morgen."
Unser Barockseminar im Sommer hat die Karschin inspiriert.
Im ersten ihrer autobiographischen Briefe an Sulzer schreibt sie:
Immer lag ein Buch unter dem Kopfkissen meines Kindes; ich holte
es hervor, so oft ich die Pflichten einer mütterlichen Amme erfüllte
oder die Stelle der Wärterin vertrat. Ich las die »Asiatische Banise«,
die arabische Geschichte: »Tausend und eine Nacht«, und einen syrischen Roman: »Aramena«.
Anton Ulrich von Braunschweig 1633-1714
(Sophie Albrecht 1782-1786 Bearbeitung der Aramena)
Heinrich Anselm von Ziegler und Kliphausen 1663-1697
Über Benjamins Humordeutung Forum For Modern Language Studies (Vol. 61 Issue 3 July 2025).
Deutschen Humor bestimmten wir vor etlichen Jahren als Humor der Humorlosen. Im Licht von Hegels Einem demokratischen Volke z. B., mit eigennützigen Bürgern, streitsüchtig, leichtsinnig, aufgeblasen, ohne Glauben und Erkenntnis, schwatzhaft, prahlerisch und eitel, einem solchen Volke ist nicht zu helfen; es löst sich an seiner Torheit auf (.) können wir ihn auch den demokratischen nennen.
24. März 2026
Ferienlektüre
In Fieldings Tom Jones (das horazische Motto mores hominum multorum vidit wie Grabspruch). Vom Blättern zum Scrollen. "Alles wird zu Scheiße", meinte Tony Soprano.
vor den casinos europas hocken die armen
und halten maulaffen feil / sie gewinnen
dadurch nichts / tiberius kam aus capri
zuweilen vorbei und setzte auf rot und
pair / und verlor niemals mehr als ein
mäßig großes grundstück.
In GREECE & ROME (Vol. 73 Issue 1 April 2026) hübsche Kleinigkeit zu TIBERIUS THE CAPRICIOUS. Zur Erinnerung an Edward Champlin.
21. März 2026
Aus Jabberwockys Spiegelkabinett
Der Holunder / Gedicht von Michael Donhauser
(Unter dem Nussbaum. Lyrik und Prosa 1986-2023. Berlin, 2025 S.18)
Er hält das Maßlose seiner Bewegung fest
Ein Rätselwort Herr Donhausers gibt auch auch das Motto ab (Es war es wird und ist und spricht) des neuen Gedichtbandes Wege durch die Spiegel seines Kollegen Mirko Bonné, s. FAZ gestern. Der zuständige Lyrik-Schmock Metz lobt den Quark, so gut wie fast jeden anderen, den sie ihm zu kosten geben, über den grünen Klee; wie gewohnt, ohne rot anzulaufen.
"Storms Schimmelreiter und Brittens Peter Grimes" im Oberseminar ab April. Erna Arnholds "Goethes Berliner Beziehungen" (1925) Proseminar. Goethes Berliner Beziehungen (Volltext)
Er hielte sowol Catoliken als Calvinisten
Für seine lieben Mitbrüder und Mitchristen,
Und verdammte keinen mit kaltem Blut,
Wärs` auch gewesen Türk`, Heid` oder Jud`.
C. A. Kortum: Die Jobsiade (III,3)
19. März 2026
Gesendet: Donnerstag, 19. März 2026 um 06:25
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: katrin.boerner@tu-dresden.de
CC: info@romanherzoginstitut.de,oliver.jahraus@germanistik.uni-muenchen.de,ksina@uni-muenster.de,j.kaube@faz.de,info@thomas-mann-gesellschaft.de
Betreff: @nikolaiott // Ihr beitrag in der heutigen faz
lieber herr ott,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie berichten von einem abend der roman-herzog-gesellschaft, der
dem zauberberg gewidmet war und unter anderem allerlei germanistischem gelichter gelegenheit
zur pirouette gab.
anfang der 80er erschienen in der faz unter dem motto "romane von gestern,
heute gelesen" in schöner regelmäßigkeit erinnerungen seinerzeit nahmhafter autoren usw.
an romane von vorgestern, die schon damals, vor mehr als vierzig jahren,kaum
einer mehr las, heute aber keiner.
um so befremdlicher Ihre rede von der "lesenden masse". die masse ist nach wie vor
einsam und brütet in "digiitaler gefolgschaft" (Türcke) eine ungute zukunft aus.
"ein volk braucht seine dichter und denker" schreiben Sie, und der leser wird des lesens
nicht mehr froh eingedenk solchen humbugs.
eine zeitung braucht gewiss noch eine zeitlang seine schmocks, auch die akademischen.
doch apodiktischer unsinn wie "ein volk braucht seine richter und henker (karl kraus)" o.ä.
sollte sich gute sitte und journalistische sittsamkeit auch heutigen tags versagen.
nit freundlichen grüßen
ralf frodermann
18. März 2026
FAZ heute, ad Ovid
seit aphra behn war das epische genre briefroman
auf achse und erfreute sich guten zuspruchs.
auf die idee, die heroides ovids mit den
ordinären fälschungen des vrain-lucas zu
vergleichen, kommt kaum einer.
fiktion und fälschung sind kategorial verschieden,
nicht graduell.
philologen wissen das in aller regel.
Grünbeins faul-elegischer Kohl zum Tod des Habermas
in der FAZ vom 18. März 2026. si tacuisses!
(Brechts "Zum Freitod des Flüchtlings W.B." war keine Pose.)
Der Dichter entblödet sich nicht, seine
unschicklichen Hände am Grab zu wärmen.
13. März 2026
Incentives für Abgehängte:
Gesendet: Freitag, 13. März 2026 um 19:15
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: g.wagner@snafu.de
CC: jonas.radl@uc3m.es,holunder@uni-bockwurst.edu
Betreff: Ihr beitrag in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 15.märz 2026
guten tag herr dr. wagner,
herzlichen dank für Ihren o.a. beitrag.
Sie referieren einen artikel dr. radls aus der American Sociological
Review. bildungssoziologe bzw. bildungsbehaviorist dr. radl erläutert darin seinen lesern, vulgo kollegen, dass bei
entsprechenden anreizen auch kinder aus dem gesellschaftlichen maschinenraum
in der schule erfolgreich sein können.
mit anderen worten: wenn arme kinder kinder reicher wären, könnten sie auch eher schulischen erfolg haben, wie eben kinder von reichen. chancengleichheit ist bekanntlich eine geldfrage, die unter reichen ausgehandelt wird, nicht unter armen und reichen.
man wird sie eher in internatsschulen wie salem oder lousienlund antreffen, als in gesamtschulen in gelsenkirchen-buer
oder köln-chorweiler.
hier und da war das schon bekannt:
Soziale Herkunft und Bildung | Soziale Ungleichheit | bpb.de
Waxmann Verlag GmbH: Zeitschriftendetails
empirische sozialforschung solchen schlages wird bald herausfinden, dass soziale ungleichheit nicht ein quantum trost enthält und eigentlich nicht sein sollte.
freundliche grüße
ralf frodermann
12. März 2026
Neues aus den Fachbereich Pädagogik (Working Paper 233/26bpx):
Internatspädagogische Thesen
"Ich glaube, daß Erziehung stets nur durch die Teilhabe des einzelnen am sozialen Bewußtsein der Menschheit vor sich geht."
John Dewey: Mein pädagogisches Glauben (1897)
»Die Erziehung als Verschwörung der Grossen.«
Franz Kafka, Oxforder Quartheft 11, 26v.
Das durchschnittliche Internat in Deutschland heute ist eine Einrichtung der Familien- und Jugendhilfe.
Spannungen vor Ort entstehen dadurch, dass unter Schulverweigerern auch solvente ausländische Schüler leben, die kein Objekt der Erziehungshilfe darstellen, sondern karrierebewusste Schüler sind.
Gegen einen in vollem Gang befindlichen Reduktionismus und nivellierenden Rollback des Internats zur Sozialstation wenden sich die folgenden Thesen.
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Thesen über Internatserziehung
1.
Das Internat ist nicht der Ort von Familien- und Erziehungshilfe.
Das Internat ist ein Ort der Ich-Bildung.
2.
Die Reorganisation des Internats zu einer Bildungseinrichtung hat Vorrang
vor sämtlichen anderen Vorgaben.
3.
Alphabetisierung statt Digitalisierung: digitale Surrogate ersetzen nicht das Denken,
sondern stereotypisieren, lähmen und schwächen es. Das Lesen anfassbarer Bücher,
wie das Leben in und mit Bibliotheken vereindringlichlicht dagegen das Denken.
Ort dieses Denkens ist das Internat.
4.
Kritik ist bündiger Nachweis ihrer Notwendigkeit. Sie ist erlernbar.
Das Internat erfüllt seinen Bildungsauftrag, indem es sie lehrt.
5.
Bildungs- und Erziehungsauftrag des Internats sind kongruent.
6.
Der Antagonismus zwischen ökonomischen Imperativen und pädagogischen Normen ist
aufzuheben.
7.
Die Erziehung zu Gerechten ist das Ziel internatspädagogischen Wirkens.
Für die Abrichtung austauschbarer Funktionsmonaden ist der schulische
Regelbetrieb wie bisher zuständig. Internatserziehung ist eine zur Mündigkeit.
8.
Individualität ist nicht Ichsucht, sondern das Vermögen, sich ohne Hilfe eines anderen seines
Verstandes zu bedienen (Kant). Autonomie in diesem Sinn bildet die raison d'etre jeder
Internatspädagogik.
9.
Internatspragmatik: Medienkompetenz mag Hobby sein, kein Erziehungsziel.
10.
Das Internat ist eine platonische Akademie, keine Eliteschmiede.
Ihr Patron heißt Sokrates, nicht Hephaistos.
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Literatur:
Internatspädagogik | Kohlhammer - eLibrary
Haep / Koci | Gegenwart und Zukunft des Internats | 1. Auflage | 2018 | beck-shop.de
Internate in ihrer Geschichte. Zur Histographie einer Bildungswelt
Internate in Deutschland. Annäherungen an ein heterogenes Feld
Global Perspectives on Boarding Schools in the Nineteenth and Twentieth Centuries | SpringerLink
Internate im Wandel der Zeit – Vom Kloster bis zur modernen Bildungseinrichtung
Engagement. Heft 3. 2020
Macht, Beziehung, Raum, Zeit
Spezifische Aspekte institutioneller Risiken im Internat
ältere Forschungsliteratur:
nota bene:
Bürgerliche Kälte und Pädagogik
Verständnis und Begreifen beobachten – in Unterricht und ...
Erziehung. Buch von Niklas Luhmann (Suhrkamp Verlag)
Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung. Buch von Siegfried Bernfeld (Suhrkamp Verlag)
Generation Angst - Jonathan Haidt | Rowohlt Verlag
Peter Lang Verlag | Zeitschrift für Germanistik
Kritik der Schulpflicht | Zeitschrift für Praktische Philosophie
10. März 2026
Bei Hitze ein Bier sehn,
das man nicht bezahlen kann.
Gottfried Benn
nüchtern eine rezension sehn,
die man nicht teilen kann
norbert hummelts "später Gedichte"
(so nennt der schmock christian metz
in seinem lobgesang faz 10. März 2026 den hummeltschen
dahabenwirdensalat Hellichte Tage /Gedichte
2025) gehören nicht eben
zu jenen, die einer schrieb, bevor er im
achten stock aus dem fenster sprang,
vilemehr zu jenen, die einer schrieb,
nachdem er in seiner souterrainwohnung
das fernstudium an irgendeiner schreibschulklitsche
zwischen hildesheim und leipzig mit gutem
erfolg absolviert hatte.
Nänie, gelehrt
2096 - Text von Daniel Lord Smail (SPECULUM Vol. 101 Number 1 January 2026). 1984 für Geisteswissenschaftler mit Sinn für Futur II:
In writing this, I have made peace with the past. My only regret is that I unwit-
tingly participated in a revival undertaken on someone else’s terms. A measure of
solace comes from one of the great lessons derived from the study of the past: no
institution, however mighty, can or even should endure beyond its sell-by date. It
is good to let things go. (ibid. S. 387).
6. März 2026
Gesendet: Freitag, 6. März 2026 um 20:01
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: andre.kieserling@uni-bielefeld.de
Betreff: Ihr Beitrag in FAS 8. März 2026
Guten Tag Herr Prof. Kieserling,
Besten Dank für Ihren o.a. Beitrag zum Komplex notorischer Streithammel und Händelsucher vor den Schranken des Gerichts.
Die von Ihnen referierten Arbeiten Kate Leaders dazu sind so einschlägig wie fad.
Viel interessanter als der Typus des unbekümmerten Dauerklägers und intransigenten Querulanten, ein Neurotiker eher unappetitlicher Provenienz, ist doch der Michael-Kohlhaas - Typ.
Nicht Querulant, sondern Moralist,
nicht Selbstdarsteller, vielmehr Gerechter,
Kein Nabob, sondern ein Sohn des Hiob.
Vor dem Gesetz freilich so verloren wie jener "Mann vom Lande" aus Kafkas berühmtem Prosastück.
Best
Ralf Frodermann
achtsamer humbug
Aber in dem Zurückgeworfensein auf das Menschsein
liegt auch etwas Tröstliches.
schreibt ein schmock, mit sicherem instinkt fürs
hohle und abgeschmackte, in der frankfurter anthologie
faz 7. märz 2026 über frau scheuermanns sog.
sonett Liebe, Roboter (das komma so arg arglos
gesetzt, wie in Sans, Souci) ins untröstliche
logbuch des vergessens.
4. März 2026
Meine Frau und ich lesen einander Abend für Abend abwechselnd aus Stifters BRIGITTA vor. Welch ein namenloses Glück, nicht voneinander getrennt zu sein oder sein zu müssen.
Heute wieder schreckliche Lobhudelei eines notorischen Schmocks auf die lyrische Wassersuppe Marit Heuss`("Verschlissenes Idyll". Gedichte. Leipzig, 2025) in der FAZ.
Über Django Reinhardt schrieben wir vor einigen Jahren eine kurze Notiz für das JAZZPODIUM:
Universität Bockwurst - The Art Tatum & Marian McPartland Institute
Sein Bild in der internationalen Lyrik untersucht Wilfried Ihrig in seinem Band "Fundsachen 2. Aufsätze zur modernen Literatur." Berlin, 2025.
Die schönsten Sagen des Klassischen Altertums wieder da:
Gesendet: Mittwoch, 4. März 2026 um 09:48
Von: "ralf frodermann" <ralf.frodermann@gmx.de>
An: jonas.grethlein@skph.uni-heidelberg.de
Betreff: Ihr beitrag in der heutigen faz
lieber grethlein,
den penelope-galimathias der merkels, draesners, webers, atwoods, köhlers und
cianis, wie den antiquarischen bildungsabhub des prosaunfugs mr. a.g. lombardos ("graffiti palace" 2019) und frau ali smiths ("girl meets boy" 2007) liest doch niemand.
das auspressen solcher lesefrüchte führt allenfalls zu einem alkohlofreien
"shirley temple". solche cocktails (ausser shirley temple!) tranken einst kinder, aber die lesen ja nicht mal mehr.
Ihr sammelsurium zwischen ovid und philostrat, euripeides und homer, herodot und george steiner wirkt beliebig und bemüht, wie jede name-dropping-orgie.
Ihr schlussatz:
Die blutige Rückkehr des männlichen Helden wird ersetzt durch den friedlichen Aufbruch von Frauen, die Ordnung wird nicht mehr restituiert, sondern in einer Utopie überwunden.
ist nur eine behauptung, die, wie der gesamte text, das insgesamt unanagenehme anbucken ans vermeintlich weibliche schreiben unter penelope-bedingungen tremoliert.
die einzige penelope-rezeption, die zählt, ist bekanntlich das letzte kapitel
des ULYSSES. dagegen sind die von Ihnen aufgezählten aufkocherinnen kalten
kaffees entbehrlich. wir brauchen sie nicht.
best
ralf frodermann
Vorspiel ab Februar 2026
Kapriziöse Szene
A: Ich meinte das spöttisch, mokant.
B: Ich weiß, was spöttisch bedeutet.
Wär jedes Wort eine Welle,
Und jede Welle ein Wort,
Kongruenz wär zur Stelle,
Metaphysischer Ort.