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Waschtag und andere Katastrophen


Der ganz normale Wahnsinn

Kennen Sie den ganz normalen Wahnsinn eines freien Tages? Nein? Na dann kommen Sie mal mit.

Montagmorgen, fünf Minuten vor dem Weckerklingeln, kam mein Hund, wie üblich, vier Uhr fünfundzwanzig an mein Bett. Das tägliche Ritual, mit leisem Winseln und Wange beschnüffeln, nahm seinen Lauf. Ein paar Minuten später Gassi-Runde mit dem Vierbeiner. Trotz freiem Tag hatte ich nun mal versprochen, meinen Mann in die Firma zu fahren. Kein Problem, ich bin ja Frühaufsteher. Bis zum Frühstück alles wie immer – gut. Kaum hatte ich das Haus verlassen, ging der Ärger los. Zwei Stufen an der Treppe zum Parkplatz waren locker und zudem dezent überfroren. Am Auto waren die Scheiben vereist und die Handschuhe lagen irgendwo in der Wohnung. Mist! Also tapfer kratzen und Zähne zusammen beißen. Zähne zusammen beißen? Schön wär‘s – schon am Freitagabend hatten mich Zahnschmerzen eiskalt erwischt. Egal – irgendwann hatte ich freie Sicht und wir konnten losfahren. Bis zur Arbeitsstelle meines Mannes ging es auch ganz gut, aber dann … Sieben Uhr sollte das Fahrzeug in der Werkstatt sein. Bei DEM Eis auf der Straße ein kleines Kunststück. Dass es noch eine Steigerung gab, stellte ich dann auf dem Parkplatz der Werkstatt fest. Also raus aus dem Auto und rein an die Anmeldung. »Was? Sie haben einen Termin? Steht aber nicht im Buch?« Mir fror das Lächeln ein. Ich hatte schließlich wenige Tage vorher noch einen Anruf vom Autohaus bekommen, wo ich an meinen Termin erinnert worden war. »Zum TÜV wollen Sie? Na lassen Sie das Auto mal da.« Uff. Warum nicht gleich so. Der Meister nahm die Daten des Autos auf und fragte nach Wünschen zur Durchsicht. Aber ja, na klar hatte ich die. Es waren ja extra zwei Gasdruckfedern für die Kofferraumklappe für diesen Tag bestellt worden. Und der Warnblinkschalter hatte sich neulich auch für immer verabschiedet. O.k. also kurz Auto anschauen, Schlüsselübergabe und nix wie weg, in Richtung Zahnarzt. Genau fünf Minuten nach Sprechstundenbeginn kam ich an der Haustür an. Eine andere Patientin rüttelte gerade an ihr – zu. Zu? Wieso denn das nun wieder? Oben brannte Licht und das Schild sagte: Sprechstunde ab sieben Uhr dreißig. Also noch mal an der Tür rütteln – zu, tatsächlich zu. Ich klingelte. Die Sprechstundenschwester fragte nach meinem Begehr. »Ich würde gerne in die Sprechstunde kommen …«
»Na dann tun Sie es doch. Die Tür klemmt nur ein bisschen.«
Ein bisschen? Na meinetwegen. Mit vollem Krafteinsatz mit der Tür ins Haus. Es funktionierte. Nun konnte ich endlich zur Behandlung gehen, aber auch wieder nicht. Eine langwierige Operation war gerade im Gange und so musste ich, trotz der lästigen Schmerzen wieder gehen. Na dann bis vierzehn Uhr dreißig. Ich hatte ja keine andere Wahl. Mit hängenden Ohren trabte ich nach Hause und ließ mich von meinem Hund trösten. Da klingelte das Telefon. Man hatte soeben mein Auto durchgecheckt und defekte Querlenker und ein Ölleck festgestellt. »Und der Preis?« – »Oh Gott!! Hilft ja alles nichts, machen sie es, sonst komme ich doch nicht durch den TÜV.« Fünfhundert Euro – kein Kommentar. Zeit, um darüber nachzudenken, hatte ich auch nicht, der ganze Tag war mit Terminen gespickt. Also raffte ich die Manuskriptblätter, die ich schon lange für den Verlag binden lassen wollte und eilte aus dem Haus. Schnell die Treppe rauf zum Computerladen gleich um die Ecke. »Äh, können Sie es dalassen? Ich hab jetzt keine Zeit. Holen Sie es Mittag wieder ab.« Na gut, passte halbwegs in den Kram. Raus aus dem Geschäft und ab zum Bus, den ich gerade noch von Ferne wegfahren sah. Sch …! Nach einer Viertelstunde kam endlich der nächste Bus. Rein in die Stadt, raus aus dem Bus und geradenwegs in den T-Punkt. Nichts, wie wieder raus, der Laden war voll. Keine Zeit – Termine! Nächste Station Fotograf. »So, Sie brauchen also Ihr Foto inklusive CD? Kostet bei uns fünfzig Euro.« Ich war schneller zur Tür wieder raus, als ich drin war! Auweia. Also ab zur nächsten Anlaufstelle. »Nein, die Kollegin ist heute nicht da. Rufen Sie doch noch mal wegen eines Termins an.« Also ab durch die Mitte und noch mal zum T-Punkt. Diesmal war das Geschäft leer, das hatte mir am Ende aber doch nichts genutzt. Die gesuchte Software gab es nur in Verbindung mit einem neuen Handy. Ein kurzer Blick auf die Uhr und flink in den nächsten Bus zur Heimfahrt. Schließlich wartete das Manuskript auf seine Abholung. Dachte ich jedenfalls. Im Geschäft brannte Licht! Aber die Tür war zugeschlossen. Wie ein begossener Pudel zog ich ab. Und noch eine halbe Stunde bis zum Zahnarzttermin! Heim rennen, Zähne noch mal putzen und ab zum Doc. Und weil ich es schon zweimal da war, durfte ich auch zwei Tage später noch mal wiederkommen. Es war kein Loch, sondern eine hässliche Entzündung. Fünfzehn Uhr fünfzehn beim Arzt wieder raus, den ganzen Weg zurück zum Computerladen, das Manuskript greifen, Kehrtwendung, ab in die Gegenrichtung, weil der Bus in der Nähe der Zahnarztpraxis abfährt und ich sechzehn Uhr das Auto abholen sollte. Fast pünktlich ins Autohaus rein und die Rechnung bezahlt. Na wenigstens hat einmal was am heutigen Tag geklappt. Dachte ich. Als ich dann im Auto saß und vom Hof fahren wollte, dachte ich es nicht mehr. Mich hatte der Teufel geritten und ich wollte meinen schönen neuen Warnblinkschalter testen. Es blieb beim Wollen. Hm. Wie jetzt? Ich machte Licht und schaute genauer hin. Zwei Minuten später stand ich wieder an der Annahme und reklamierte den Schalter. »Schalter? Der stand gar nicht auf dem Auftrag. Den haben wir nicht gewechselt.« Mein Unterkiefer war inzwischen fast an den Schuhspitzen angekommen. Eine Stunde und eine Rechnung später, konnte ich mein Auto mit neuem Schalter mit nach Hause nehmen. Ich freute mich riesig auf einen geruhsamen Abend. Ja aber nicht gleich, schien sich da jemand gedacht zu haben. Ich schloss die Tür auf und stand in einer Hundepfütze. Den armen Kerl hatte ich in der ganzen Aufregung fast vergessen und ausgerechnet heute kam auch noch mein Mann später heim.

Wie gesagt, es war ein ganz normaler freier Tag, dieser 10.12.2007.

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