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Landeskunde

(Autorenteam)

Lieder eignen sich grundsätzlich nicht nur für die Sprachvermittlung, sondern auch als Bestandteil eines landeskundlich orientierten Unterrichts und können zu einer weiterführenden Beschäftigung mit den deutschsprachigen Ländern führen.

Die Bandbreite der Themen ist groß, allerdings sind für die Niveaustufen A1/A2 in Hinblick auf den Wortschatz vor allem Informationen zu Personen und Orten oder die Vermittlung alltäglicher Themen wie beispielsweise Essen und Trinken, Freizeit, Reisen, Familie, Beziehungen, Wohnen und so weiter interessant und vermittelbar.

Neben Alltagskultur vermitteln manche deutschsprachige Lieder aber auch andere landeskundliche Aspekte, etwa historische (Stefan Gwildis: „Papa will da nicht mehr wohn'“, 2004) oder politische (Die Toten Hosen: „Sascha, einaufrechter Deutscher“, 1992). Lieder aus vergangenen Epochen stehen wiederum oftmals selbst als Zeitdokumente zur Verfügung, indem sie Werte, Normen und Kultur der Vergangenheit direkt widerspiegeln.

Andere Lieder stellen Orte und Regionen vor. So gibt es Hunderte von neuen und alten Berlin- und Wien-Songs. Ebenfalls bekannt ist Herbert Grönemeyers Hymne „Bochum“ (1984). Rainald Grebe hat eine ganze Reihe von Liedern veröffentlicht, die sich ironisch mit Städten (Bielefeld in „ICE“, 2005; „Mike aus Cottbus“, 2011), Bundesländern („Doreen aus Mecklenburg“, 2007 oder „Sachsen-Anhalt“, 2011) oder der Region Berlin/Brandenburg („Brandenburg“, 2005) beschäftigen. Diese Lieder vermitteln viel landeskundlichen Hintergrund, eignen sich in der Regel aber für den Deutschunterricht erst ab dem Ende der Stufe A2 oder ab B1. 

Für die österreichische Landeskunde existiert sogar eine Zusammenstellung von Liedern in monografischer Form: Allmayer, Sandra et al. (Hrsg.): Österreich - schon gehört? Materialien zur österreichischen Landeskunde für den Unterricht aus Deutsch als Fremdsprache. Wien 2009.

Die Arbeit mit geeigneten Liedern setzt oft voraus, dass zum Einstieg neben sprachlichen Vorentlastungen auch landeskundliche Basisinformationen angeboten werden. Für eine verständnisfördernde Didaktisierung verspricht eine Kombination und Vielfalt von Methoden und Medien (weiterführende Texte, Bilder und Fotos, Video, Internet) den größten Erfolg.

Entscheidend bei der Liederauswahl in landeskundlicher Hinsicht ist, dass die Künstler tatsächlich im Text des Liedes oder in den Bildern des Videos auf ein Thema Bezug nehmen, das einer Vertiefung lohnt. Herbert Grönemeyers „Currywurst“ eignet sich hervorragend als Einstieg in das Thema „Ernährung in Deutschland“ oder für eine Beschäftigung mit dem Ruhrgebiet. An das Thema „Migration nach Deutschland“ können die Torpedo Boys mit „Ich bin Ausländer“ heranführen. Daneben zeigt das Video so viele Berliner Orte und Aspekte, dass es auch als Einstieg für eine Behandlung Berlins dienen kann.

Für Lernende, die das erste Mal mit deutschsprachiger Popmusik in Berührung kommen, könnte bereits die Frage, welche Titel in D-A-CH gerade die vorderen Plätze der Charts belegen und in welcher Sprache vorwiegend gesungen wird, interessant sein. Lehrende können hierzu selbständig eine Recherche im deutschsprachigen Internet initiieren. Der Vorteil einer Webrecherche ist natürlich, dass die Lernenden sich mit Hilfe von YouTube gleich ein Bild von den aktuellen Songs machen und eventuell vertiefend recherchieren können. Auf Webseiten wie YouTube, aber auch in Social Media finden sich oft spontane Kommentare zu Liedern, die in die Aufgabe einbezogen werden können. Es ergeben sich landeskundlich interessante Hinweise auf den aktuellen Musikgeschmack in Deutschland.