Das alte Schulhaus
Der Gemeinderat Palzing hat am 04.04.1865 beschlossen, zusammen mit der Ortschaft Jägersdorf, die ebenfalls zur Pfarrei Kirchdorf gehörten, ein Schulhaus zu bauen. Die Jägersdorfer machten jedoch nicht mit, da Wolfersdorf näher lag. Die Kosten wurden bei einer gewissen Eigenleistung, insbesondere Erbringung des Bauholzes, mit 3700 Mark angenommen. Der Bezirk sagte am 28.01.1866 einen Zuschuss von 2000 Mark zu. Die restlichen Kosten wurden von den Palzinger Bürgern als Umlage entsprechend der Grund-, Haus- und Gewerbesteuergulden eingehoben. Das Schulhaus wurde am 04.11.1867 fertig gestellt. Bereits im Jahre 1895 und auch einige Jahre vorher hat das Bezirksamt Freising angemahnt, die Schule wegen Platzmangels der Schüler zu vergrößern, einen Abort getrennt zwischen Buben und Mädchen und ein Dachzimmer für die Lehrerfamilie zu errichten. Dies wurde vom Gemeinderat jedoch immer wieder aus Kostengründen abgelehnt. Das Bezirksamt hat jedoch immer wieder dies moniert. Die Gemeinde Palzing begann nun am 11.05.1897 mit dem Schulhausanbau durch Errichtung eines Abortes für Buben und Mädchen im Erdgeschoß, Aufbau eines 1. Stockwerkes auf den Anbau und Schaffung eines Dachzimmers. Fertig gestellt wurde der Anbau am 20.1.1897. Der Gastwirtschaftspächter Huber in Palzing (später Weißbräu Huber in Freising) gab der Gemeinde hierzu einen Baukredit von 1500 Mark mit Zinsen von 4 Prozent.
Über das Schulhaus aus dem Jahr 1868 liegen exakte Unterlagen nicht mehr vor. In einem Bericht, den Bezirksbaumeister Leonhard am 26. Dezember 1912 gelegentlich von Überlegungen für einen Neubau an das Bezirksamt gegeben hatte, ist das alte Schulhaus jedoch wie folgt beschrieben:
„Das jetzige Schulhaus in Palzing ist vor 46 Jahren erbaut worden und befindet sich in mittlerem Unterhaltungszustande. Dasselbe besteht lediglich aus Erdgeschoß; im Dachraum mit Kniestock befindet sich auf den beiden Giebelseiten je ein Dachzimmer; unter dem Hausgang ist ein Keller hergestellt. Die Umfassungsmauern (Ziegelsteinmauerwerk) des Erdgeschosses haben 52 cm Stärke, die Fundamentmauern sind 70 cm stark und 80 cm tief gegründet. Der Untergrund ist festgelagerter Lehm. In statischer Hinsicht sind die Umfassungsmauern genügend, ein weiteres Stockwerk zu tragen. Die alte Plattendachung muß erneuert werden“.
Soweit die Schilderung des alten Schulhauses.
Schulhausneubau
Im Jahre 1912 entsprach das Schulhaus nicht mehr den Anforderungen. Hierzu hat das Bezirksamt Freising am 27. Juli 1912 festgestellt, dass im Ganzen nur mehr zwei Sitze frei sind und auch diese in kürzester Zeit besetzt sein werden, „obgleich der Raum bereits bis aufs äußerste ausgenützt und der frei Platz um Katheder soweit als möglich beschränkt ist“. Ebenso war die Wohnung des Lehrers auch für bescheidene Ansprüche als zu klein erachtet worden; sie genügte eigentlich nur für einen unverheirateten Lehrer. Das Bezirksamt empfahl, das Schulhaus um ein Stockwerk aufzubauen, den Hausgang zum Schulzimmer zu schlagen und vom Garten des Nachbarn, des „Herrn Gräflichen Försters Brieschenk“ eine Fläche von ca. 10 Dezimalen zu erwerben.
Die Gemeinde ließ demzufolge für den Um- und Erweiterungsbau eine Planung erstellen. Diese sah nun einen Anbau von 3 m und den Aufbau eines vollständigen Stockwerkes vor. Das Schulhaus erhielt einen ausreichend großen Schulsaal und eine entsprechende Lehrerwohnung. Die Kosten für diese Baumaßnahme waren auf 14.700 Mark veranschlagt. Die Angebotseinholung für die Vergabe erfolgte in der Weise, dass die Baufirmen auf den Kostenvoranschlag einen in Prozenten ausgedrückten Abschlag geben konnten. Nach einer im Juni 1913 durchgeführten Angebotseinholung erhielt Maurermeister Sebastian Hilz aus Mauern den Zuschlag für die Maurerarbeiten. Mit den Bauarbeiten wurde am 21. Juli 1913 begonnen. Die Arbeiten gingen so rasch voran, dass der Schulunterricht schon Mitte Oktober desselben Jahres im neuen Schulhaus wieder aufgenommen werden konnte.
Der Verkauf des Schulhauses
Die Neugliederung der Schulen auf dem Lande brachte es mit sich, dass die Kinder von Palzing Schulen in anderen Orten besuchten. Das Schulhaus stand leer bzw. wurde als solches nicht mehr benutzt. Nachdem die Gemeinde Palzing schon in die Gemeinde Zolling eingemeindet worden war, bewarb sich Matthias Neumair aus Palzing 1972 um den Kauf des Schulhauses. Der Verkauf des Schulhauses an die Eheleute Matthias und Anna Neumair erfolgte schließlich am 9. August 1972. Der Kaufpreis für das Schulhaus auf Grundstück Fl. Nr. 249/3 der Gemarkung Palzing einschließlich Nebengebäude, Hofraum und Garten zu 990 qm betrug 85000 DM. Damit hatte die Volksschule Palzing nach 104 Jahren endgültig aufgehört zu existieren.
Heute befindet sich das ehemalige Schulgebäude im Privatbesitz von Markus Neumair, der es sanierte und es heute als Wohngebäude nutzt. Bei der Sanierung wurde auf der Südseite eine Sonnenuhr hinzugefügt, ansonsten wurde die Ansicht des Gebäudes kaum verändert.
In den 100-Jahren in denen es in Palzing eine eigene Schule gab, wirkten hier folgende Lehrer:
1868-1876 Joh. Georg Göbl – Lehrerssohn von Petershausen, versetzt nach Gebensbach
1876-1877 Hieronymus Schauer, kam nach Wolfersdorf
1877-1878 Jakob Strobl, geboren zuHaidhausen
1878-1881 Johann Riebl, geboren zu Hohenthann – versetzt nach Attenkirchen
1881-1884 Karl Bitschineder, zog nach Schrobenhausen
1885-1896 Theodor Ried, – heiratete Maria Hundseder von Wolfersdorf - wurde Lehrer in Paunzhausen.
1896-1901 Valentin Maier – heiratete Rosina Müller von Neustift
1901-1904 Alois Jägerhuber – heiratete Katharina Brunner von Palzing; kam nach Tüntenhausen und Haindlfing
1904-1907 Johann Blümel – heiratete Regina Reindl von Neustift; zog nach Egenhofen
1907-1910 Karl Grainer – kam nach Allershausen
1910-1914 Otto Yblagger - starb als Offiziers-Stellvertreter am 8.9.1917 bei Reims den Heldentod fürs Vaterland.
1914-1916 Moritz Deschl
1916-1918 Zwei Schulverweserinnen
1918-1923 Alphons Grodl – kam nach Altenerding
1923-1934 August Deller, gründete 1925 den Sportverein und war zugleich Trainer und aktiver Spieler beim SVA
1934-1945 Adolf Putz
1945-1946 Mina Wastl
1946-1951 Adolf Putz
1952-1959 Karl Kreil
1959-1969 Karl Schwarz – der 1922 geborene Pädagoge hat bereits von 1947-1954 eine kombinierte Klasse 7/8 mit insgesamt 58 Schülern geführt. 1959-1969 war er Lehrer in Palzing und unterrichtete dort die Klassen 1-8; alle Schüler waren in einem Raum untergebracht und wurden von einem Lehrer in allen Fächern unterrichtet, außer in Religion und Handarbeit. Heute wäre dies unvorstellbar.
1969 wurde die Dorfschule in Palzing geschlossen. Lehrer Karl Schwarz übernahm die 6. Klasse in Kirchdorf. Bereits 1970 wurde er dort stellvertretender Schulleiter und 1975 wurde er Konrektor. Von 1977-1986 war er als Hauptlehrer und Rektor in Kirchdorf tätig. Er war Leiter des Palzinger Kirchenchors und gleichzeitig Organist. 1960-1961 war er als Wiedergründungsmitglied der Palzinger St. Georg-Schützen beteiligt, die den Schießbetrieb während des 2. Weltkriegs einstellen mussten.
Karl Schwarz starb am 20.11.1988.
Am 1.9.1969 wurde die Volksschule Palzing geschlossen und die Klassen aufgelöst. Die Klassen 1-6 kamen in die Volksschule nach Kirchdorf und die Klassen 7-9 (es wurde die 9. Klasse eingeführt) kamen zur Volksschule Allershausen. Ab 1973 gingen die Palzinger Kinder der Klassen 7-9 in die Hauptschule nach Zolling. Die Klassen 1-6 blieben noch in Kirchdorf. 1983 beantragte man eine Schulsprengeländerung.
Zeitungsartikel vom 10.11.1983 aus dem Freisinger Tagblatt:
Beschluß einstimmig gefasst
Zolling/Palzing (vg) – Die Palzinger Grundschulkinder – derzeit in der Teilschule Kirchdorf untergebracht – sollen demnächst nach Zolling gehen. Einen entsprechenden einstimmigen Beschluß fasste der Gemeinderat in seiner Sitzung. Das Gremium folgte damit dem eindeutigen Votum, das die Bürger von Palzing anlässlich der Bürgerversammlung zum Ausdruck gebracht hatten.
Der Ort Palzing, 1971 in die Gemeinde Zolling eingegliedert, fährt, was die Erziehung der Kinder betrifft, noch immer mehrgleisig. Während die kleinsten Gemeindebürger den Kindergarten in Zolling besuchen, müssen die Schüler der Klassen 1 bis 6 zur Teilhauptschule nach Kirchdorf. Die Klassen 7 bis 9 besuchen dann in der Oberstufe wiederum die Hauptschule Zolling.
Diesem Hin und Her wollen nun die Eltern aus Palzing ein Ende bereiten. Mit Nachdruck haben sie sich an den Gemeinderat mit der Bitte um Abhilfe gewandt. Bürgermeister Franz Obermeier konnte darauf verweisen, dass die Gemeinde Zolling bereits im Jahr 1979 einen entsprechenden Antrag gestellt hat, dem jedoch bis jetzt kein Erfolg beschieden war.
Nun hat die Regierung von Oberbayern von sich aus ein Anhörverfahren zu Änderung des Volksschulsprengels für den Gemeindeteil Palzing eingeleitet. In seiner Begründung für die Notwendigkeit der Umsprengelung wies Bürgermeister Obermeier nochmals darauf hin, dass die Palzinger Kinder schon in den Kindergarten von Zolling gehe. Die Anfahrt zum Kindergarten erfolgte mit dem Schulbus. Damit hätten die Palzinger Schulanfänger sowohl den Vorteil, mit den bekannten Kindern in die Schule einzutreten, als auch in gewohnter Weise befördert zu werden. Einen weiteren Vorteil sieht Obermeier in den zu erwartenden Klassenstärken.
Während in der Zollinger Grundschule der Klassendurchschnitt unter 20 Kinder je Klasse liegt, sind die Klassen in Kirchdorf erheblich stärker belegt. Im übrigen, so Obermeier weiter, sei es wirtschaftlich nicht vertretbar, dass der Ort Palzing täglich mehrmals sowohl von Zolling als auch von Kirchdorf her mit Schulbussen angefahren werde.
2. Bürgermeister Matthias Neumair, selbst Palzinger Bürger, sieht sogar einen gewissen Rechtsanspruch auf Umgliederung. Er verwies darauf, dass die Gemeinde Palzing im Jahr 1971 die gemeindliche Eingliederung nach Zolling davon abhängig gemacht hat, dass Palzing auch schulisch voll nach Zolling integriert wird. Da die Regierung von Oberbayern die gemeindliche Gebietsreform in Kenntnis des Gemeinderatsbeschlusses voll vollzogen hat, müsse sie nun auch insoweit konsequent sein.
Gegendarstellung der Gemeinde Kirchdorf vom 10.11.1983 aus dem Freisinger Tagblatt
Gemeinderat sagt nein
Kirchdorf gegen Schulsprengeländerung
Kirchdorf (le) – Ein klares Nein sprach der Kirchdorfer Gemeinderat zu der von der Gemeinde Zolling beantragten Schulsprengeländerung aus. Aus dem Zollinger Gemeindebereich besuchen 18 Palzinger Kinder die Klassen 1 bis 6 der Kirchdorfer Schule. Als es vor Jahren darum ging, die Kirchdorfer Schule zu erweitern und die Turnhalle zu bauen, hatte das Schulamt diesem Vorhaben unter Einbeziehung der Kinder aus der damals noch selbständigen Gemeinde Palzing zugestimmt.
Inzwischen gehört Palzing zu Zolling, und nun sollen mit den Kindern des Gemeindebereiches nicht nur die dortigen schülerschwachen Klassen aufgefüllt werden, sondern auch die Gastschulbeiträge an Kirchdorf eingespart werden.
Nach 1979 hat Zolling diesen Antrag zum zweiten Mal gestellt. Bürgermeister Erich Ismaier erläuterte dazu die Situation aus Kirchdorfer Sicht und belegte diese mit einer umfassenden Schülerstatistik. Sollte der Zollinger Antrag bei der Regierung Erfolg haben, besteht die Gefahr, dass einige Kirchdorfer Schulklassen zumindest bis einschließlich 1986 unter die erforderliche Mindestzahl von siebzehn Schülern je Klasse fallen.
Damit könnte eventuell eine vorübergehende Schließung der Kirchdorfer Schule in Erwägung gezogen werden. Nachdem sich Kichdorf als eine gute Schule präsentiere, sollte auch die Meinung der Palzinger Eltern berücksichtigt werden. Falls sich die Entscheidung gegen Kirchdorf richtet, soll versucht werden, durch eine jahrgangsweise Verlagerung der Schulklassen nach Zolling die Gliederung der Kirchdorfer Schule zu erhalten.
Ab 1987 werden die zu erwartenden Schülerzahlen die Kichdorfer Schule wieder absichern.