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Vom Hügelland ins Ampertal
Der Hutgrabenbach entspringt in Heigenhausen bei Oberhaindlfing, etwa 7,5 Kilometer nördlich von Palzing. Von dort fließt er über Jägersdorf und an Wölfing vorbei nach Palzing.
Sein Weg führt durch das tertiäre Hügelland und eines der kleinen Seitentäler des Ampertals. Als Gewässer dritter Ordnung gehört er zu den kleineren Fließgewässern der Gegend.
Ein Bachlauf im Wandel
Um 1900 gelangte der Hutgrabenbach in Palzing noch über den Dorfweiher, die „Gmoa“, zwischen Robergerhof und Mauermayerhof in den Mühlbach. Von dort floss das Wasser weiter in die Amper. Die „Gmoa“ lag an der Stelle des späteren Hauses Kapellenstraße 8.
Wiederkehrende Überschwemmungen innerhalb des Dorfes führten zu Veränderungen des Bachlaufes. Der Hutgraben wurde schließlich in einen Entwässerungsgraben des Amper- und Bodenverbandes Amper III geleitet.
Damit verlängerte sich sein Weg zur Amper um ungefähr fünf Kilometer. Der Entwässerungsgraben nimmt seit etwa 1950 auch den Mühlbach auf. Er führt durch mehrere Altwässer, unter dem „Siechenbach“ hindurch bis nach Oberzolling und anschließend durch ein Rohrsystem unter dem Amperkanal. Erst bei Zolling gelangt das Wasser in die Amper.
Bei starkem Regen werden im Einzugsbereich dieses Entwässerungsgrabens viele Hektar Land überschwemmt. Die Geschichte des Hutgrabenbaches zeigt damit, wie eng Bachverlegungen, Entwässerung und Hochwasser im Ampertal miteinander verbunden sind.
Die Amperauen als geschützter Lebensraum
Die Altwässer, Verlandungsbereiche und Feuchtwiesen bei Palzing bilden einen besonderen Ausschnitt des Ampertals. Mit einer Verordnung vom 14. Oktober 1986 wurden die „Amperauen mit Altwasser bei Palzing“ als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Verordnung trat am 1. Dezember 1986 in Kraft.
Sie beschreibt ein etwa 66 Hektar großes Gebiet südöstlich von Palzing in den Gemeinden Zolling und Kirchdorf an der Amper. Geschützt werden sollen die charakteristischen Lebensgemeinschaften der Auen und die Standortverhältnisse, auf die sie angewiesen sind. Besonders seltenen und gefährdeten Pflanzen und Tieren sollen ihre Lebensräume erhalten bleiben.
Dabei gehören auch Verlandungsbereiche zum Schutzzweck. Sie sind ausdrücklich Bestandteil der geschützten Landschaft.
Pflege und Schutz
Die Verordnung von 1986 untersagt unter anderem Veränderungen der natürlichen Wasserläufe und Wasserflächen, Eingriffe in den Zu- und Ablauf des Wassers sowie Entlandungsmaßnahmen. Auch Wasserpflanzen, Uferröhrichte und Schilfflächen werden geschützt.
Für bestehende Nutzungen und notwendige Unterhaltungsarbeiten enthält sie besondere Regelungen. Dazu zählen land- und forstwirtschaftliche Nutzung, Jagd und Fischerei sowie die Unterhaltung von Wegen, Gewässern, Gräben und technischen Anlagen. An den Altwässern bleiben die Einschränkungen für Entlandungsmaßnahmen und Eingriffe in die Wasser- und Ufervegetation ausdrücklich bestehen.
Zugleich sieht die Verordnung Schutz- und Pflegemaßnahmen vor, die von den Naturschutzbehörden angeordnet oder zugelassen werden. Für bestimmte Eingriffe sind Zustimmungen oder Genehmigungen erforderlich; außerdem enthält sie Regelungen für Befreiungen im Einzelfall.
So stehen die Amperauen sowohl für die Geschichte der Wasserläufe als auch für den Schutz einer Landschaft mit Altwässern, Feuchtwiesen und ihren besonderen Lebensgemeinschaften.
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Die Amper war einst eine „wilde Gebirgstochter“. Immer wieder durchbrach sie ihre Ufer. Die Palzinger leisteten alljährlich viele Scharwerksdienste, um die Durchbrüche einzudämmen – doch ihre Mühen blieben vergeblich.
Jedes Jahr überschwemmte der Fluss vor der Heuernte das Ampertal. Auf den Wiesen blieben Schlamm, Sand und Schmutz zurück, sodass die Bauern nur selten sauberes Heu einbringen konnten. In tiefer gelegene Häuser, Stadel und Stallungen drang das Hochwasser ein und blieb dort oft wochenlang stehen. Die Überschwemmungen konnten sich über Wochen und Monate hinziehen.
Auch der Lauf der Amper veränderte sich wiederholt. Alte Landkarten zeigen zahlreiche Flusswindungen, die schräg oder quer zur Talrichtung verliefen und stellenweise sogar talaufwärts führten. Zwei Arme des Flusses reichten an das Dorf Palzing heran.
Ein fischreiches Tal
Das Ampertal war zugleich ein Paradies für Vögel und galt als fischreich. Die Fische bereicherten die Ernährung seiner Bewohner. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieben Forscher einen auffallenden Unterschied zu den Hallertauern: „Das männliche und weibliche Geschlecht ist hier groß und wohlgestaltet.“ Die vielseitigere Ernährung wurde als Erklärung dafür angesehen.
Durchstiche, Dämme und Entwässerungsgräben
Zwischen 1907 und 1914 wurde das Flussbett begradigt. Im Abschnitt von Allershausen bis Wang entstanden 64 Durchstiche mit einer Gesamtlänge von 10,6 Kilometern. Dadurch verkürzte sich der Flusslauf von 50 auf 35 Kilometer.
Zum Schutz des Talgeländes wurden außerdem 64,4 Kilometer Hochwasserdämme errichtet und 84 Kilometer Entwässerungsgräben ausgehoben. Rund 2.200 Hektar Land waren damit vor Überschwemmungen geschützt. Innerhalb einiger Jahre sank der Grundwasserspiegel um etwa einen halben Meter.
Die Amperkorrektion veränderte damit nicht nur den Flusslauf, sondern auch die Wasserverhältnisse auf den Wiesen und Feldern des Tales.
Die eisernen Amperbrücken
An den Distriktsstraßen, die in diesem Gebiet über die Amper führten, errichtete MAN Augsburg-Nürnberg sechs eiserne Brücken. Jede bestand aus rund 2.000 Eisenkonstruktionsteilen. Für die Brücken werden vier Flutöffnungen, eine Länge von 95 Metern und Baukosten von jeweils 40.000 Mark genannt.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs sprengte die zurückweichende SS Teile der Brücken. Die Palzinger Brücke wurde am 30. April 1945 teilweise zerstört. Ihre Wiederherstellung erfolgte 1952 und kostete 67.000 Mark.