Eine Kindheitsgeschichte von Franz Obermeier
Es gibt Dörfer, in denen kennt man sich. Und wenn einer etwas anstellt, dann dauert's meistens nicht lang, bis es auch die anderen wissen. So ein Ort ist Zolling, mitten im bayerischen Ampertal. Und ein Stückerl oberhalb, in Abersberg, steht ein alter Bauernhof. Ein mächtiger Vierseitenhof, auf dem früher viele Menschen unter einem Dach gelebt und gearbeitet haben. Dort beginnt unsere Geschichte.
Es ist die Geschichte vom Franz Obermeier. Von einem Buben, der schon früh seinen eigenen Kopf gehabt hat. Neugierig war er, aufgeweckt und immer wieder für einen Schabernack zu haben. Sein Sohn Christoph hat sich viele Jahre später auf die Suche nach diesen frühen Erinnerungen gemacht. Er hat mit Angehörigen und Weggefährten gesprochen, Geschichten zusammengetragen und sie mit viel Liebe und einer gehörigen Portion Humor aufgeschrieben.
Und aus diesen Erinnerungen wollen wir heute erzählen. Dazu drehen wir die Zeit zurück. Zurück in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. In eine Zeit, in der das Leben auf einem Bauernhof noch ganz anders ausgeschaut hat als heute.
Am 25. August 1946 herrschte auf dem Abersberger Hof hektischer Betrieb. Genauer gesagt: „Es gab ein furchtbares Theater“, wie Martha Hanrieder, geborene Obermeier und eine der älteren Schwestern von Franz, die Situation beschreibt. Sie und Tante Mare, die unverheiratete Schwester des Abersberger Vaters, wie man den Bauern und Hausherrn des Hofes nannte, waren froh, als die hochschwangere Mutter endlich auf dem Weg in den Kreissaal war.
Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Trotzdem war die Geburt vermutlich das unkomplizierteste Schlüsselereignis im Leben des Franz Obermeier. Er war das sechste von acht Kindern. Deshalb strapazierte die Niederkunft weder ihn noch seine Mutter sonderlich. Die Taufe wurde gleich im Krankenhaus erledigt. Seine Eltern, seine drei Schwestern und der Bruder Sepp durften dabei sein.
Als Baby ist ihm die Milch schlecht bekommen. Seine Schwester Marl erinnert sich: „Der ganze Kopf war voller Kruste, bis jemand gesagt hat, dass man ihm nur noch die Milch von der gleichen Kuh geben soll.“ Weil sich das Kind ständig am Kopf gekratzt hat, wurden ihm die Hände am Bett festgebunden. Der Schorf verschwand und bald schon bedeckten schwarze Haare das Haupt des jungen Abersbergers, zumindest für die nächsten 30 Jahre.
Einige Zeit konnten Franz und sein Bruder Georg, den alle nur „Schohs“ nannten, noch durch den vier Quadratmeter großen Laufstall in der Küche gebändigt werden. Aber dieses Gehege war nicht lange ein Hindernis für die beiden ...
Die Eltern und Geschwister hatten es oft nicht leicht. Heute würde das Kind Franz vielleicht als „hyperaktiv“ gelten und entsprechende Therapieangebote annehmen müssen.
„Stundenlang und furchtbar laut“ hat der frühe Franz gesungen, berichtet die Schwester Marl. „Und bevorzugt auf dem Abort.“ So nannte man damals das Klo.
Aber Franz war nicht nur laut, er hat sich auch schrecklich gerne dreckig gemacht. Besonders geschickt war er beim Formen von Lehmkugeln am Schweigerhof, damals dem dritten Hof in Abersberg. Die großen Schwestern mussten ihn dann mit dem Schlauch abwaschen.
„Laut, stets dreckig und besonders neugierig“, so lässt sich dieses Kind beschreiben, das im Alter von zirka fünf Jahren bereits regelmäßig mit dem Dreirad in die Moosmühle fuhr. Besorgt warnte der Vater einmal: „Da kommt ein großes Auto, fährt Dich zam‘ und dann bist Du tot!“ Aber der kleine Franz wusste es besser: „Auto scho kemma, aa net tot g‘wesn!“
Von rasanten Vehikeln war Franz schon früh fasziniert. Was später der metallisch-graue 530er BMW war, war damals ein Leiterwagen, den „Prinz“, der Bernhardiner, ziehen musste. Als anno 1951 der Getreideboden ausgebaut wurde, brausten Franz und sein Bruder Georg damit auf dem Hof herum. Dazu hatten sie Stahlhelme auf dem Kopf, die sie am Schweigerhof gefunden hatten.
Jahre später hat Franz sich dem Stahlhelm verweigert. Aber von rasanten, motorgetriebenen Gefährten fühlte er sich sein Leben lang angezogen. Und ganz ohne Folgen blieb diese Leidenschaft nicht.
Die Beziehung der beiden Brüder Schohs und Franz beschreibt Schwester Martha: „Der Franz hat immer die Einfälle gehabt und der Schohs hat alles mitgemacht. Sie waren damals ein Herz und eine Seele.“
So war das auch bei der Heuernte im Moos, als der Traktor nicht mehr anspringen wollte. Der Abersberger Vater erkannte die Ursache des Problems schnell. „Er wusste sofort, wo er hinschauen musste“, erzählt Martha. Und die roten Ohren von Franz und Schohs gaben der Vermutung Recht. ... die beiden hatten nämlich in den Tank uriniert.
Franz und seine Brüder
Erfahrungen mit einem Hamperer
Die Küchentische im Wohnhaus des Abersberger Hofes waren von imposanter Größe. Jahrzehntelang stachen dort zahllose fleißige Hände an weit gestreckten Armen in unzählige Knödel.
Auch wenn man viele Details seines Elternhauses vergisst: Eine Tafel, an der die Familie regelmäßig zusammenkommt und gemeinsam isst, ist immer von einer besonderen Magie. Traurig, wer nie in den Genuss einer solchen Regelmäßigkeit kommt.
Zu einer Zeit, in der Arbeit vor allem noch körperliche Betätigung bedeutete, war vieles anders als heute: die Tischgebete waren aufrichtiger, die Mägen hungriger und die Tische größer.
Aber ganz gleich, wie die tatsächlichen Ausmaße des Abersberger Esstisches nun waren: Fakt ist, dass der Familientisch zu klein war. Der Platz für die Bauersleut', also Vater und Mutter, Tante Mare, Liesbeth und alle Kinder reichte nicht aus. Deshalb musste einer an den Tisch der Knechte, Hermann und Otto, umziehen. Die zwei Mannsbilder stammten aus Pommern und Frankfurt an der Oder, beide Jahrgang 1900. Sowohl ihre Hände, als auch ihr Mundwerk waren vom Krieg gestählt. Sie wohnten zusammen mit Anton Bauer senior im „Mannerkammerl“, einer höchst einfachen Behausung am Abersberger Hof.
Nicht einmal ein Bad gab es dort. Zum Waschen mussten die Knechte in den Rossstall gehen. Beim Rasieren half ein dreieckiges Stück Spiegel, das am Waschplatz stand. Gebadet wurde im Milchkammerl, neben dem Kuhstall. Dort war ein Wasserkessel, der jeden Tag in der früh angeheizt werden musste. Jedenfalls hatten die Knechte beim Mittag- und Abendessen einen eigenen Tisch in der Küche. Und an dieser Tafel war nun ein Platz zu besetzen. Die Wahl des Vaters fiel auf seinen jüngsten Sohn Franz, eine folgenschwere Entscheidung. Noch Jahrzehnte später konnte sich Franz detailliert daran erinnern, wie sehr ihm diese unfreiwillige „Versetzung“ gestunken hat.
An diesem riesigen Esstisch, an dem Vater, Mutter, Tante sowie die Brüder und Schwestern saßen, soll kein Platz für ihn sein? Was Vater Georg nicht bedacht hatte: Das derbe Gerede der Knechte am Esstisch erwies sich als durchaus unterhaltsam für seinen Filius Franz. Schließlich waren die Gespräche am kleinen Nebentisch mit ebenso derben wie kräftigen Ausdrücken angereichert. Die meisten dieser Vokabeln hat der junge Spund aus dem Munde der Eltern noch nie gehört. Aber gemerkt hat er sie sich. Und das hatte unerwartete Folgen.
Eines Sonntags war der Zollinger Pfarrer Semmelmaier bei seinem wöchentlichen Besuch im Holzbrünnl, einer Waldkapelle nahe Abersberg. Beim Rückweg kehrte er am Hof der Obermeiers ein. Schließlich gab es dort einen vorzüglichen Johannisbeerwein, den Tante Mare selbst angesetzt hatte. Die Bäuerin sagte zu ihrem Sohn, der im Hof spielte: „Franze, geh ins Haus und sag dem Herrn Pfarrer Grüß Gott“. Der Franz parierte und ging ins Haus. Aber anstatt „Grüß Gott“ sagte er zum Pfarrer „Grüaß Di, Du Hamperer“.
Ein Hamperer, das war nun wirklich keine besonders respektvolle Anrede für einen Herrn Pfarrer. Es folgte eine kurze Stille, bei der man beinahe die Fliegen auf den Fenstern laufen gehört hätte. Aber bevor jemand die Ohren spitzen konnte, bekam Franz vom Vater die Quittung für seine unüberlegte Wortwahl. Er erfuhr an seinem eigenen Hintern, dass der Gebrauch bestimmter Vokabeln schmerzhafte Folgen nach sich ziehen kann.
Die Knechte Hermann und Otto konnten über den Vorfall jedenfalls herzlich lachen.
Franz und Onkel Stefan
Volles Haus und alte Brüder
Es war die Zeit, in der Konrad Adenauer die Regierungsgeschäfte im Nachkriegsdeutschland führte. Gemessen an den heutigen Verhältnissen war sie entbehrungsreich und hart.
Millionen Schulkinder wuchsen in Deutschland nur mit der Mutter auf. Viele litten unter der Wohnungsnot. Im Jahr 1949 schlief jedes vierte Kind in Deutschland auf einer Behelfsschlafstelle. Rund 1,5 Millionen Menschen, überwiegend Männer, galten als „versehrt und schwerbeschädigt“. Staatliche Hilfsprogramme gab es während dieser Zeit nicht. Und bei der grassierenden Arbeitslosigkeit war es schwierig, auf die Barmherzigkeit der Mitbürger zu zählen. Der Zweite Weltkrieg bescherte Deutschland die größte Völkerwanderung aller Zeiten. Mehr als 13 Millionen Menschen zogen nach Kriegsende gen Westen. Die Heimatvertriebenen wurden in Bayern auf zahlreiche Höfe verteilt.
So kam es, dass am Abersberger Hof auch Maria Vogler, geborene Bründl, eine neue Heimat fand. Sie stammte aus dem heutigen Tschechien. Ihr Mann war im Krieg gefallen.
Mit ihr wohnten ihre Eltern, das Ehepaar Bründl, und ihre drei Kinder Pauline, Edwin und Albert am Abersberger Hof. Die Kinder haben in der Stube gewohnt.
In Abersberg hat Maria einen großen Garten angelegt. Sie baute dort Mohn und anderes Gemüse an. Ihre Eltern haben am Hof mitgearbeitet.
Die Schwester Martha erinnert sich an eine Anekdote aus dieser Zeit: Der Nikolaus kam zu den insgesamt elf Kindern am Abersberger Hof. Den sechs Abersberger Kindern, den zwei Kindern der Stallgehilfen, den sogenannten „Schweizerkindern“, und den drei Flüchtlingskindern. „So saßen wir in einer Reihe auf der Küchenbank“, berichtet sie.
Als der Franz dran kam, hatte er die Hose „gestrichen voll“. Da hat er sich schnell bei seinem kräftigen Freund, dem über 50-jährigen Knecht Hermann versteckt. Als ihn der Nikolaus fragte, wer denn der Mann sei, bei dem er Zuflucht sucht, stotterte Franz:
„Des, des ist mei Bruader.“
Der „Hauwe“ – mehr als eine Schafkopffreundschaft
Nicht nur der Pfarrer Semmelmaier, auch der Zollinger Hauptlehrer „Hauwe“ Fritz Toth war am Abersberger Hof gerne zu Besuch. Der zwei Zentner schwere, weißhaarige Mann war nicht nur ein angesehener und strenger Lehrer, sondern auch der Schafkopfsepezl des Vaters. Die beiden spielten also gerne miteinander Schafkopf. Insofern war der Spitzname „Hauwe“ am Abersberger Hof bekannt und gängig. Diese Tatsache und eine gewisse Neigung zur Respektlosigkeit führten schließlich zum Eklat am ersten Schultag von Franz.
Bruder Georg erinnert sich: „Der Lehrer Toth hat im ersten Stock zum Fenster heruntergeschaut, als wir zur Schule gefahren sind. Da hat der Franz sein Radl hingeschmissen, gewunken und ‚Grüaß Di, Hauwe!‘ gerufen.“
Ein weiteres Kuriosum an diesem ersten Schultag war, dass Franz seine Mutter partout nicht dabeihaben wollte. „Was würden die sagen, wenn ich mit meiner Mama daherkammat“. Seine Klassenlehrerin hieß Fräulein Zeiler. Martha erinnert sich genau: „In die hat er sich sofort verliebt. Schließlich war sie nicht nur nett, sondern hat auch recht adrett ausgeschaut.“
Das Schulleben hat ihm offenbar viel Freude gemacht, nicht nur wegen dem Fräulein Zeiler.
Genussmittel, Schlägereien und Verhandlungen
Der Kramerladen in Zolling befand sich dort, wo heute die Familie Reisinger wohnt, gegenüber vom Altmann-Hof bei der Kanalbrücke. Die Inhaberin war Frau Spannrad, eine Norddeutsche. Eines Tages kaufte Franz bei ihr eine Flasche Wein. Angeblich als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter.
Einige Tage später kam die Abersberger Bäuerin selbst in den Kramerladen zum Einkaufen. Da gratulierte ihr die Kramerin noch freundlich zum Geburtstag und fragte, ob denn der Wein geschmeckt habe. Die Mutter bedankte sich überrascht und tat so, als hätte sie die Weinflasche tatsächlich bekommen.
Dabei hatte sie gar nicht Geburtstag! Das wusste sie natürlich genauso gut wie ihr Sohn Franz. Und dass der sich wieder einmal etwas hatte einfallen lassen, um zu einem Flascherl Wein zu kommen, war ihr wohl auch klar. Den Geburtstagswein hatte Franz nämlich längst mit seinem besten Freund Albert, genannt „Weixe“, getrunken. Heimlich, hinter dem Amperkanal.
Alles Sündhafte zog ihn während dieser Zeit an, so scheint es. Neben den beschriebenen Eskapaden hinter dem Kanal kam es beinahe täglich zu Raufereien mit den Oftlfinger Holzer-Zwillingen. Meistens haben die Oftlfinger und das Duo Weixe-Obermeier vor und nach der Schule gekämpft.
Der langjährige Freund Ludwig, der „Wigg“ konnte damals nicht mitraufen. „Mein Schulweg war einfach zu kurz“, sagt er. Und fügt hinzu: „Trotzdem sind meine Knie heute kaputt“.
Immer wenn eine Schandtat aufgeflogen ist, war „Verhandlung“ beim Schulrektor Hauwe. Und das machte in der Schule die Runde. Als wär er vor Gericht, musste dann der Schuldige beim Hauwe im Büro antreten und sich für seine Schandtaten verantworten. Und meistens gab es auch eine Strafe.
Die Schwester Martha erinnert sich: „Wenn es geheißen hat ‚Es ist wieder Verhandlung‘ hab ich mir gedacht: Der Franz wird doch nicht schon wieder dabei sein!“
Meistens war er aber dabei. Oft deshalb, weil er, angeblich „für den Papa“, Zigaretten gekauft hat. Natürlich hatte der Abersberger Vater seine Zigaretten genauso wenig zum Holen in Auftrag gegeben, als dass die Mama alle paar Wochen Geburtstag hatte und eine Flasche Wein bekommen sollte. Das übliche Strafmaß daheim war eine kräftige Watschn, also eine Ohrfeige. Damals war das ein Erziehungsmittel.
Interessant ist, dass Franz sich während dieser Zeit langsam vom großen Bruder Schohs gelöst hat und eigenständiger wurde. Wigg Frühbeis erinnert sich, dass Franz und sein Freund Weixe den Schohs einmal nicht dabeihaben wollten.
Darum haben sie das Fahrrad des großen Bruders gleich nach der Schule an einem Baum aufgehangen. Anschließend sind sie mit ihren Rädern hinter den Kanal getürmt.
Franz Obermeier
Ja, so war das damals mit dem Franz.
Ein Lausbub, der seinen eigenen Kopf hatte, der gern einmal über die Stränge schlug und sich nicht so leicht etwas sagen ließ. Und wenn es irgendwo etwas zu erleben gab, dann war der Franz meistens nicht weit.
Es gäbe noch viel von ihm zu erzählen. Von seiner Begeisterung für schnelle Autos zum Beispiel, die ihn auch später nicht losgelassen hat. Von seinen Unternehmungen und von so mancher Geschichte, über die man heute noch schmunzeln kann.
Aber was ist aus dem kleinen Franz vom Abersberger Hof später geworden?
1978 wurde er Bürgermeister von Zolling. Achtzehn Jahre lang hat er die Geschicke der Gemeinde mitbestimmt. Und später führte ihn sein Weg sogar bis nach Bonn und Berlin, in den Deutschen Bundestag.
Aus dem Buben, der schon früh seinen eigenen Kopf hatte, wurde ein Mann, der Verantwortung übernahm. Einer, der sich um die Dinge kümmerte, der etwas bewegen wollte und der auch vor schwierigen Entscheidungen nicht zurückschreckte.
Vielleicht hat er sich dabei manches von dem bewahrt, was ihn schon als Kind ausgezeichnet hat. Seine Neugier, seinen Einfallsreichtum und den Mut, auch einmal einen anderen Weg zu gehen.
Und wer weiß, vielleicht hat ihm dabei sogar die eine oder andere „Verhandlung“ beim alten Hauwe geholfen. Die Geschichten aus seiner Kindheit jedenfalls wären wohl längst vergessen, wenn sein Sohn Christoph sie nicht gesammelt und aufgeschrieben hätte.
Und so bleibt uns die Erinnerung an einen kleinen Lausbuben vom Abersberger Hof, der seinen ganz eigenen Weg gegangen ist: An den Franz Obermeier aus Zolling.
Text: Christoph Obermeier
Bearbeitung und Hörfassung: Manuela Flohr - You Tube Hörspiel
Eine Kindheitserinnerung von Elisabeth Obermeier
Fasching in einer Zeit, in der Schnee noch Schnee war
Ich wurde 1948 als erstes von vier Kindern geboren. Damals wusste ich noch nicht, dass das automatisch bedeutete, Verantwortung zu übernehmen – vor allem für Geschwister, die man eigentlich lieber irgendwo geparkt hätte, wo sie nicht ständig im Weg herumstanden und Fragen stellten.
1949 kam Gertrud, 1951 Adolf und 1954 Maria dazu, die von unserer Mutter liebevoll „Herzerl“ genannt wurde. Wir wuchsen auf dem Stettnerhof in Thann bei Zolling auf, einem Dorf, das so überschaubar war, dass man abends schon wusste, wem an diesem Tag eine Laus über die Leber gelaufen war.
Thann hatte ungefähr hundert Einwohner. Mal ein paar mehr, mal ein paar weniger. Das hing davon ab, ob gerade jemand geboren wurde, einheiratete oder beschloss, dass es jenseits der Dorfgrenze vielleicht doch auch noch ein Leben gab. Landwirtschaft war die Lebensgrundlage – für alle. Nur ein Einziger war zusätzlich Maurer. Der Hausname war beim Pfeiffer, er bewirtschaftete ein paar Tagwerk Grund und nannte sich stolz „Maurerpalier“.
Man kannte sich. Namen waren zweitrangig, Hofnamen waren entscheidend. Da gab es den Hoffna, den Wingemo, den Kopp, den Benimo, den Moar, den Stettner, den Sellmer usw.. Wer neu war, fiel sofort auf. Und wer dazugehörte, wusste genau, zu wem er gehörte – ob er wollte oder nicht.
Kinder gab es reichlich, in jeder Größe, in jeder Lautstärke und meistens dort, wo man sie gerade nicht brauchen konnte. Die Regel war einfach: Sobald die Kleinsten halbwegs stehen konnten – manche lagen noch in der Kinderchaise, der „Scheesn“ – wurden sie den älteren Geschwistern mitgegeben. Die hatten dann immer etwas dabei, das bremste, quengelte oder plötzlich spurlos verschwunden war. Wir Kinder vom unteren Dorfteil hielten uns meist an die jüngeren Wingemo-Kinder, die oben bei der Kirche wohnten.
Wir lebten in einer Freiheit, die heute vermutlich sofort eine Meldung beim Jugendamt auslösen würde. Das ganze Dorf war unser Spielplatz. Am Milchbankerl oder an der Kratzer-Schupfa traf man fast immer jemanden. Aufsicht im heutigen Sinn gab es nicht. Dafür ein Dorf voller Augen, Ohren und gut gemeinter Ratschläge. Erzogen wurde gemeinschaftlich – manchmal auch dann, wenn man gar nicht erzogen werden wollte.
Eine Regel galt für alle: Beim Gebetläuten musste man zu Hause sein. Im Winter früher, im Sommer später. Nur für uns Stettnerkinder galt diese Regel nicht immer ganz so streng. Vielleicht war man einfach froh, wenn wir während der Stallarbeit draußen waren und im Haus keine neuen Ideen entwickelten.
Spielplätze gab es keine. Dafür Fantasie. Und die war unerschöpflich – und manchmal auch ein bisschen gefährlich.
Haustüren waren nie abgesperrt. Man ging einfach hinein. Manchmal wurde man gleich wieder hinausgeschickt, manchmal geduldet. Nur bei der Wingemo Resi, Jahrgang 1947, schien alles erlaubt zu sein. Dort war Platz für Lachen, für Unordnung, für das Gefühl, dass nichts wirklich zählte. Adolf, mein Bruder, war kaum je dabei – wir waren ihm wohl zu viele Deandl. Wo er sich in jener Zeit aufhielt, das liegt heute im Dunkel der Erinnerung, Bei Resi durften wir uns frei bewegen – und fanden dabei in der hinteren Kammer eine Kiste mit alter Kleidung. Für uns war das kein Gerümpel, sondern ein Kostümfundus, von dem heutige Theater nur träumen könnten.
Stettner Kinder, 1957
Resis Kommunion
Thann von Südwest, ca. 1950
Es muss Februar 1957 oder 1958 gewesen sein. Fasching. Winter. Kalt. So kalt, dass die Kälte nicht nur biss, sondern sich regelrecht festklammerte. Resi hatte die zündende Idee: Wir könnten uns verkleiden. Resi, ihr kleiner Bruder Bernhard, Gertrud, das Herzerl und ich. Zuerst spielten wir im Haus, doch irgendwann wurde es langweilig. Dann sagte Resi diesen Satz, der rückblickend betrachtet vielleicht nicht ganz ungefährlich war:
„Mia gengan jetzt Maschkera.“
Ich wusste nicht, was das genau war. Aber es klang nach Abenteuer – und nach Ärger. Beides fand ich äußerst vielversprechend.
Resi wusste, wie es ging. Von Haus zu Haus ziehen und einen Spruch aufsagen:
Lustig ist die Fasenacht,
wenn die Muadda Kiache bacht.
Wenn sie aber koane bacht,
dann pfeif ich auf die Fasnacht.
Je nach Stimmung und Mut wurde dieses „pfeif“auch etwas deutlicher formuliert. Fasching war schließlich nur einmal im Jahr, und man musste die Gelegenheit nutzen.
Am späten Nachmittag zogen wir los. Viel zu dünn angezogen, mit kleinen Geschwistern im Schlepptau und ohne den leisesten Gedanken an mögliche Folgen. Offenbar bemerkte niemand unseren Abmarsch – oder man traute uns mehr zu, als gut für uns war.
Resi führte uns an, und bald konnten wir alle den Spruch auswendig. Wir begannen beim Moar in Ölpersberg. „Über die Felder, das ist kürzer“, bestimmte Resi. Also stapften wir durch Schnee und Verwehungen, der Wind blies uns ins Gesicht, aber wir fühlten uns großartig. Beim Moar war die Tür offen. Wir marschierten hinein und brüllten unseren Spruch, als hinge unser Ansehen davon ab. Die Bäuerin lachte – und wir bekamen Süßigkeiten. Ein voller Erfolg.
Mutig geworden beschlossen wir, auch noch nach Gerlhausen zu gehen. Zwei Kilometer weiter. Beim ersten Hof, dem Omer wieder der Spruch. Eine Frau kam heraus und fragte, woher wir seien. Leise sagte ich unseren Familiennamen. Sie kannte ihn nicht.
„Vom Stettner aus Thann“, erklärte ich.
Ihre Antwort kam trocken und ohne jede Faschingsstimmung: „Habt ihr das nötig, dass ihr so etwas macht?“
Inzwischen war es dunkel geworden. Der Wind wurde stärker, die Kälte unerträglich. Die kleinen Geschwister weinten, wir wollten nur noch nach Hause. Kurz vor Thann blieben wir in tiefen Schneewehen stecken. Wir kamen nicht mehr vor und nicht zurück. Die Fasenacht war endgültig vorbei – und der Ernst des Lebens überraschend früh da.
Plötzlich stand der Wingemo vor uns. Wortlos zog er uns aus dem Schnee. Er hatte uns gesucht – als Mesner war er fürs Gebetläuten zuständig, und weil seine Kinder nicht aufgetaucht waren, machte er sich auf den Weg.
Unsere Eltern waren am Ende einfach nur froh, dass wir wieder da waren. Ein Donnerwetter blieb aus.
Nur meine Zehen sahen das anders. Die Frostbeulen haben sich das Abenteuer gemerkt und melden sich bis heute gelegentlich zurück – offenbar, um sicherzugehen, dass ich es auch nicht vergesse.
Resi und Bernhard
Pfeiffer-Maurerpalier
Gedanken zur Omer-Szene und zum „Maschkera gehn“
Der Satz der Omerin – „Habts ihr des notwendig, dass ihr sowas machts?“ – hat mich lange begleitet. Als Kind konnte ich ihn nicht einordnen. Erst mit zeitlichem Abstand wurde mir klar, dass diese Frage weniger uns Kindern galt als vielmehr einem unausgesprochenen sozialen Verständnis, das in den dörflichen Strukturen der Nachkriegszeit fest verankert war.
Das „Maschkera gehn“ hatte im altbayerischen Raum rund um Freising nicht nur einen spielerischen, sondern auch einen sozialen Hintergrund. Vor allem Kinder aus kleineren Anwesen gingen zur Faschingszeit verkleidet und möglichst unerkannt von Haus zu Haus, um Kiachl, Gebäck oder kleine Gaben zu bekommen. Die Winter waren lang, die Lebensverhältnisse einfach, und solche Bräuche brachten ein wenig Abwechslung in den Alltag. Die Verkleidung diente dabei nicht nur dem Spaß, sondern auch dem zeitweiligen Verbergen der eigenen Herkunft.
Der alte Faschingsspruch macht diesen Zusammenhang deutlich: Lustig war die Fasenacht nur dann, wenn am Ende auch etwas zu essen dabei heraussprang. Was für uns Kinder ein Spiel war, hatte für viele Familien eine tiefere Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, was die Omerin meinte, als ich sagte, dass wir vom Stettner z’Thann kamen. Der Stettner gehörte zu den größeren Höfen. Dass wir Kinder in den Nachkriegsjahren nicht mehr hatten als andere, spielte dabei keine Rolle. Entscheidend war das Bild, das mit einem Hofnamen verbunden war, und die stillen Erwartungen, die damit einhergingen.
Thann war in jener Zeit ein kleines Dorf mit klaren, wenn auch selten ausgesprochenen sozialen Strukturen. Die Landwirtschaft bestimmte das Leben, jeder kannte jeden, und die Unterschiede zwischen den Anwesen waren allen bewusst. Kinder wuchsen ganz selbstverständlich in dieses Gefüge hinein, ohne es benennen zu können.
Erst heute, mit dem Abstand vieler Jahre, verstehe ich, dass dieser eine Satz mehr über die Zeit erzählt als über uns Kinder – und dass ich ihn genau deshalb nie vergessen habe.
Thann, ca. 1950
Sprachlich ist das Wort „heischen“ sehr alt. Es stammt aus dem Althoch- und Mittelhochdeutschen (eiscōn / eischen) und bedeutet fordern, ansprechen, erbitten, verwandt mit dem englischen „to ask“. Ursprünglich meinte es ein offenes, öffentliches Ansprechen, eingebettet in feste Regeln und Zeiten.
Volkskundlich ist gesichert, dass solche Heischegänge ritualisiert und an bestimmte Tage im Jahreslauf gebunden waren, etwa an die Faschingszeit oder an kirchliche Feste, und dass sie im dörflichen Zusammenleben als legitim galten. Das Erbitten war an Sprache, Formeln und Rituale gebunden und damit Teil einer gemeinsamen Ordnung. Über die Entstehung des Heischens geht die Forschung heute davon aus, dass mehrere Motive zusammenwirkten: einerseits praktische Notwendigkeiten in Zeiten knapper Ressourcen, andererseits aber auch der Wunsch nach Geselligkeit, nach Kontakt und nach einem gemeinsamen Erlebnis.
In dieser Verbindung von Nutzen und Begegnung liegt vermutlich die besondere Beständigkeit des Brauchs. In veränderter Form lassen sich solche Strukturen bei uns bis heute erkennen, etwa wenn Kinder als Sternsinger von Haus zu Haus gehen oder wenn die Christbaumsammlung der Feuerwehr organisiert wird.
Fasching 1957 in Oberappersdorf
Der früher übliche Faschingsumzug der Schulkinder in Appersdorf, da ist auf alle Fälle beim Bürgermeister „eingekehrt“ worden und bei den zwei Wirten, Oberwirt (jetzt Berta Forster) und Seumer-Wirt (jetzt: Landgasthof Obermeier).
Kindheitserinnerungen von Maria Westermeier aus Siechendorf
„Da Kiwe“ – Erinnerungen an den Maler Felix Kiby in Unterappersdorf
In meiner Kindheit lebte einige Jahre lang ein Maler in unserer Gegend: Felix Kiby. Für uns Kinder war er einfach „da Kiwe“. Viel wussten wir damals nicht über ihn. Nur dass er Bilder malte, eine Staffelei besaß und mit seiner Familie auf dem Huber-Hof in Unterappersdorf wohnte.
Seine Tochter Margot ging mit uns in die Volksschule in Appersdorf. Sie war etwa ein Jahr jünger als ich und eines der wenigen evangelischen Kinder in der Schule. Nach dem Krieg lebten zwar einige Flüchtlinge und Evakuierte im Dorf, aber evangelische Kinder waren dennoch selten.
Margot war ein stilles Mädchen. Sie hielt sich eher im Hintergrund. Aber sie zeichnete gern. Einmal brachte sie eine Zeichnung mit in die Schule und hängte sie im Klassenzimmer auf. Ich weiß heute nicht mehr, was darauf zu sehen war. Doch ich erinnere mich, dass mich das beeindruckte – so sehr, dass ich es ihr nachtat und ebenfalls eine Zeichnung aufhängte.
Ihr Vater war für uns Kinder keine leicht zugängliche Gestalt. In meiner Erinnerung erscheint er eher als ein Mann, der schnell schimpfen konnte, wenn ihm etwas missfiel – ein echter „Grantler“, wie man in Bayern sagt.
Einmal sollten wir in der Schule ein Gedicht lernen. Es war eines jener Kinderstücke mit vielen Lautspielereien, etwa in der Art von „Wi-Wa-Weihnachtsmann“. Kiby fand das offenbar so albern, dass er seiner Tochter verbot, es auswendig zu lernen. Margot berichtete das dem Lehrer, was für einige Verlegenheit sorgte.
Ein anderes Mal hatten mein Bruder und ich vor dem Huber-Anwesen einen toten Spatz gefunden und betrachteten ihn neugierig. Da rief Kiby aus dem Fenster herunter, wir sollten die Spatzen in Ruhe lassen – sie würden doch auch im Winter so schön zwitschern.
Und während er einmal im Saal des Wirts an den Kulissen für das Bauerntheater malte, tobten wir Kinder dort herum. Offenbar befürchtete er um seine Farben und Leinwände; jedenfalls wurden wir recht energisch hinausgeschimpft.
Ganz anders erinnere ich mich an seine Frau. Sie war ein ausgesprochen freundlicher Mensch und kam gelegentlich zu uns ins Haus. Nach dem Krieg verkaufte meine Mutter Milch von den Bauern an Dorfbewohner, die keine eigenen Kühe hatten – Flüchtlinge, Evakuierte oder Zugezogene. Ein kleiner Raum in unserem Haus diente dazu; lange Zeit wurde er einfach „der Milchladen“ genannt.
Einmal hatte ich im Wohnzimmer ein kleines Kasperltheater aufgebaut. Frau Kiby blieb stehen und schaute zu. Am Ende gab sie mir zehn Pfennig „Eintritt“. Für mich als Kind war das eine große Anerkennung.
Den Maler selbst sah ich einmal bei der Arbeit. Auf der Straße in der Nähe unseres Hauses, auf dem Weg zum Limmerschmid, hatte er seine Staffelei aufgebaut und malte eine Dorfansicht.
Besonders fiel mir damals auf, dass er auch die ganz unscheinbaren Dinge genau wiedergab – sogar die Pferdeäpfel auf der Straße. Für mich als Kind war das erstaunlich: Ein Maler ließ offenbar nichts weg von dem, was er vor sich sah.
Im Hauseingang des Huber-Hofes hing damals ein Bild von ihm: eine Ansicht des Hofes selbst. Dieses Bild blieb mir in Erinnerung.
Die Familie Kiby lebte noch einige Jahre im Dorf. Eine Zeitzeugin berichtete später, dass sie 1953 auf den Huber-Hof eingeheiratet habe und die Kibys damals noch dort wohnten – vielleicht noch zwei oder drei Jahre. Danach zog die Familie nach München. Für uns Kinder verschwand der Maler damit einfach aus unserem Leben.
Jetzt, viele Jahrzehnte später, tauchte sein Name in meinen Erinnerungen wieder auf. Ich suchte im Internet – und tatsächlich wurden dort Bilder von ihm gehandelt. Er war der Maler, den ich als Kind gekannt hatte. Einige seiner Bilder werden sogar in Amerika angeboten.
Das ist vielleicht weniger überraschend, als es zunächst scheint. Nach meiner Erinnerung verkaufte seine Frau damals Bilder ihres Mannes auch an amerikanische Soldaten, die in Erding stationiert waren.
Ich begann nachzuforschen. Ein Bekannter aus dem Dorf, der sich ebenfalls mit Ortsgeschichte beschäftigt, suchte nach weiteren Spuren. Dabei stellte sich etwas Erstaunliches heraus: Das Bild des Huber-Anwesens, das ich aus meiner Kindheit kannte, existiert noch immer. Es hängt heute im Wohnzimmer des Hofes, der inzwischen von der Familie Zeilhofer bewohnt wird. Sogar ein zweites Kiby-Bild ist dort noch vorhanden.
Und noch eine weitere Entdeckung kam hinzu. Unter den Bildern, die heute im Kunsthandel auftauchen, fand sich auch ein Gemälde, das mir sofort vertraut vorkam: eine Ansicht der alten Kirche von Oberappersdorf, jener Kirche, die in meiner Jugend noch stand und im Herbst 1962 abgebrochen wurde.
Auf diesem Bild erkennt man die Kirche noch so, wie sie damals war – mit der alten Friedhofsmauer, einigen Grabsteinen und der Umgebung des Dorfes. Für mich war es, als würde ein Stück der verlorenen Landschaft meiner Kindheit plötzlich wieder sichtbar.
So ist der Maler meiner Kindheit nach vielen Jahrzehnten noch einmal aufgetaucht – nicht mehr als der Mann, der uns Kinder ausschimpfte, sondern als eine Figur der Erinnerung: mit seiner Staffelei auf der Dorfstraße, mit seiner stillen Tochter Margot in der Schulbank und mit einer freundlichen Frau, die einem kleinen Kasperltheater-Direktor zehn Pfennig Eintritt zahlte.
Und irgendwo in Amerika steht noch immer auf einem seiner Bilder die alte Kirche unseres Dorfes – so, wie sie einmal gewesen ist.
Text Franz Obermeier: "Wenn's koana macht, dann mach's hoit i!", Christoph Obermeier, Selbstverlag 2006
Bearbeitung: Manuela Flohr
Text Maschkera: Elisabeth Obermeier; Fotos Maschkera: Sammlung Elisabeth Obermeier
Text Heischebrauch: Manuela Flohr
Foto Fasching beim Bürgermeister: Sammlung Rita Schweiger
Text: "Da Kiwe", Alfred Lohr, 2026
Quellen:
Der Deutsche Wortschatz: https://www.dwds.de/wb/heischen
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Heischebrauch