Familie Prechsl
Simon Prechsl (1845–1910) und seine Frau Anna, geborene Holzer (1851–1928) aus der Moosmühle bei Zolling, heirateten im Jahr 1874.
Die Familie war kinderreich: 16 Kinder wurden geboren, von denen 10 das Erwachsenenalter erreichten. Drei der Töchter entschieden sich für ein Leben im Orden und traten in eine geistliche Gemeinschaft ein.
Auf dem Foto sind mehrere typische Elemente der Holledauer Tracht erkennbar. Auffällig sind die gefalteten Stiefel. Ebenso charakteristisch ist der breitkrempige Hut, der zur Festtracht der Männer gehörte.
Die Männer tragen zudem eine Talerweste, eine reich verzierte Weste mit Metall- oder Münzknöpfen, wie sie in der Hallertau verbreitet war.
Diese Trachtenteile geben dem Foto seinen besonderen historischen Charakter und zeigen, wie fest die traditionelle Festtagskleidung im Raum Zolling an die Holledau angelehnt war.
Das hinter Glas gerahmte Hochzeitsbild zeigt Maria Wöhrl (1888-1964) aus Zolling, die 1909 Simon Prechsl (1875-1940) aus Thann heiratete. Besonders bemerkenswert ist die kunstvolle Gestaltung: Der Myrtenkranz des Brautschleiers– traditionelles Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit – wurde dekorativ um das Foto gelegt und mit dem Schleier kombiniert. Damit entstand ein einzigartiges Erinnerungsstück. Die Idee zur Gestaltung ging von Maria selbst aus, die ihren Wunsch auf dieses besondere -und wohl auch teure- Bildgestaltung mit Nachdruck verfolgte und so diesem Hochzeitsbild eine sehr persönliche Note verlieh.
Die Feier
Die Trauung fand am Montag, dem 12. Juli, um 10 Uhr in der Pfarrkirche in Zolling statt. Gefeiert wurde anschließend im Gasthaus von Alois Wiesheu in Anglberg – das „Hochzeits-Mahl“, wie man es damals nannte.
Ein hübsches Detail ist der Brauch rund um den sogenannten „Branntwein des Brautpaares“. Am Vortag lud der Bräutigam im Eisgruber’schen Gasthaus in Flitzing ein, die Braut tat dasselbe im Wiesheu’schen Gasthaus in Anglberg. Solche Zusammenkünfte dienten dem geselligen Miteinander und banden die Dorfgemeinschaft in das Fest mit ein.
Mahlgeld
Johann Ziegltrum aus Thann und Maria Schranner aus Abersberg kamen beide aus bäuerlichen Familien der Umgebung. Auf der Einladung ist auch das sogenannte Mahlgeld angegeben – in diesem Fall 22 Mark. Solche Angaben waren damals nicht ungewöhnlich und dienten dazu, den Gästen zu zeigen, welcher Beitrag für das gemeinsame Festessen im Wirtshaus zu leisten war. In den frühen 1920er-Jahren, als viele Preise stark schwankten, war es für die Leute wichtig, diese Summe vorab zu kennen.
Diese Hochzeitseinladung ist ein sorgfältig erhaltenes Stück unserer eigenen Ortsgeschichte. Sie zeigt, wie man hier in der Gemeinde vor gut hundert Jahren Feste ankündigte und welche Formen damals üblich waren.
Einladungstext
Die Sprache wirkt heute ungewohnt feierlich und streng, doch genau so wurde hier damals geschrieben. Wendungen wie „Wir beehren uns, Sie hiemit … einzuladen“ gehörten zum respektvollen Ton, den man im Dorf wie in der ganzen Umgebung pflegte. Auch die Bezeichnungen „Jüngling“ und „Jungfrau“ waren keine Besonderheit, sondern ganz normale Ausdrücke für unverheiratete junge Männer und Frauen. Diese Wörter dienten der förmlichen Ansprache, wie sie hier in der Gegend zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich war.
Die Einladung führt an die wichtigsten Orte der damaligen Gemeinde: zur Pfarrkirche als Mittelpunkt, nach Anglberg zum Festessen und nach Flitzing zum Branntweinbrauch. Die Wirtshäuser spielten in dieser Zeit eine bedeutende Rolle – sie waren Treffpunkt, Kommunikationsort und für Feste unverzichtbar.
Hochzeitseinladung von 1928
– ein Blick in die Dorfgeschichte
Diese Einladung zur Hochzeitsfeier von Martin Frühbeis aus Oberzolling und Kreszenz Frühbeis aus Thann gibt einen warmen Einblick in das dörfliche Leben der späten 1920er-Jahre. Die Karte selbst ist sorgfältig gearbeitet: ein elfenbeinfarbener Karton mit geprägtem Rahmen, feiner Struktur und sauber gesetztem Druck – zurückhaltend, aber deutlich wertiger als ein einfacher Aushang. Solche gedruckten Einladungen waren in unseren Dörfern noch nicht selbstverständlich und zeigen, dass man dem Fest einen würdigen Rahmen geben wollte.
Die Trauung fand in der Pfarrkirche Zolling statt, das Hochzeitsmahl beim Eisgruber-Wirt in Flitzing, einem beliebten Wirtshaus, zu dem viele Zollinger gern gingen.
Auf der Einladung zur Hochzeit von 1928 ist ein Mahlgeld von 7,50 Mark angegeben. Diese Angabe wirkt heute unscheinbar, erzählt aber viel über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit.
Nach den stabilen Reichsmark-Jahren der späten 1920er entsprach dieser Betrag ungefähr dem, was man heute als 30 bis 35 Euro für ein festliches Essen rechnen würde. Für ein ländliches Wirtshaus war das ein ordentlicher, aber gut kalkulierter Preis – man gönnte sich ein schmackhaftes Hochzeitsmahl, blieb aber im Rahmen dessen, was sich eine bäuerlich geprägte Dorfgemeinschaft leisten konnte.