In allen Regionen entstanden im Lauf der Jahrhunderte eigene Bautraditionen. Maßgeblich dafür waren die Materialien, die man vor Ort vorfand, sowie die Fertigkeiten der örtlichen Handwerker. Auf diese Weise entwickelte sich eine typische Bauweise, die sich nur allmählich wandelte – meist dann, wenn neue Werkzeuge, Techniken oder Baustoffe verfügbar wurden.
Über viele Jahrhunderte errichtete man Bauernhäuser im Ampertal überwiegend aus Holz. Die Dächer deckte man mit Stroh oder Holzschindeln. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich der massive Ziegelbau auch im ländlichen Raum durch.
In Thann ist ein Kleinbauernhaus aus Holz erhalten geblieben, dessen älteste Bauteile in die Zeit um 1600 zurückreichen: das sogenannte Hafneranwesen (Sebastianstraße 4). Dieses Gebäude veranschaulicht gut die für die Region typische Bauweise.
Das Wohnhaus ist als Gretdachhaus ausgeführt. Charakteristisch dafür ist ein traufseitiger Dachüberstand, der die darunterliegende Arbeitsfläche – die sogenannte Gret – überdeckt. Diese Bauform ist ein anschauliches Beispiel für die traditionelle Baukultur im Ampertal.
Fotos: Elisabeth Obermeier 2023