Gerlhausen liegt eingebettet in die sanfte Landschaft des Ampertals und gehört heute zur Gemeinde Zolling.
Bereits im frühen Mittelalter wird Gerlhausen urkundlich erwähnt. In einer Schenkungsurkunde aus der Zeit Karls des Großen erscheint der Ort unter dem Namen Kerhiltahusir. Diese frühe Nennung zeigt, dass hier schon damals Höfe bestanden, eingebunden in die Grundherrschaft des Hochstifts Freising.
Von Riemenpech bis Saupech
Man schrieb das Jahr 1925, als Josef Finkenzeller aus Gallersberg und die Wirtstochter Franziska Bacherl das Wohnhaus mit dem kleinen Kramerladen in der Ortsmitte von Gerlhausen erbauten. Hier boten sie die Dinge des täglichen Gebrauchs für das Dorf und die Umgebung an.
Mit dem Fahrrad fuhr Josef Finkenzeller oft täglich nach Freising, um die von seinen Kunden benötigten Sachen zu besorgen. Dies waren z. B. Schulsachen wie Griffel und Schultafeln, Tinte und Schreibfedern, Haushaltswaren wie Hosengummi, Nadeln und Faden, Druckknöpfe, Patentknöpfe sowie natürlich Lebensmittel wie Feigenkaffee und Malzkaffee und besondere Gewürze. Die frischen Brotwaren kamen vom Bäcker. Es wurden auch Kuhketten, Kälberstricke, Kälberditzel, Riemenpech und Saupech, verschiedene Nägel, Zimmererklammern, Bohnerwachs und vieles mehr angeboten.
Nebenbei betrieben sie eine kleine Landwirtschaft mit Viehhaltung.
1926 kam Sohn Josef auf die Welt. Durch die Anschaffung eines Autos wurden die täglichen Besorgungen für den Laden erleichtert.
Während des 2. Weltkriegs wurden Vater und Sohn zum Wehrdienst einberufen. Franziska Finkenzeller musste die Landwirtschaft und den Kramerladen alleine weiterführen.
Nach dem Krieg arbeitete Josef Finkenzeller jun. nebenbei bei den Isar-Amperwerken in Anglberg. Er heiratete 1964 die Nachbarstochter Anni Kraft. 1965 wurde die Tochter Anneliese geboren. 1974 übernahm Anni Finkenzeller die Krämerei.
Kramerladen Gerlhausen 2024
Alles für den täglichen Gebrauch
Das Sortiment wurde stets nach den Wünschen der Kundschaft erweitert. Es gab alles für den täglichen Gebrauch wie Sämereien, Zeitschriften, Eis, Mohrenköpfe, Obst und Gemüse, Käse, Hygieneartikel, Getränke, Gebäck und Wurstwaren usw. Besonders Kinder bekamen von der Kramerin immer etwas Süßes geschenkt. Am Sonntag Vormittag trafen sich Stammkunden auf ein Bier und einen Ratsch. Die Krämerei war zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar, auch wenn am Hl. Abend noch schnell eine Mausefalle gebraucht wurde oder ein Kind nicht einschlafen wollte, weil es seinen Schnuller verloren hatte.
Seit 1996 führte die Tochter Anneliese, verheiratete Lorenzer, zusammen mit der Mutter den Kramerladen. Sie haben stets gute Qualität und frische Ware angeboten. Als die Mutter 2022 verstarb, wurde es für Anneliese immer schwieriger, die frische Ware zu besorgen und gleichzeitig den Kramerladen zu betreiben. So wurde die Ladenöffnungszeit auf werktags vormittags beschränkt.
Wegen anstehenden Investitionen und zunehmender Digitalisierung musste leider der Entschluss gefasst werden, die Krämerei zum 31.12.2025 zu schließen. Für die Bevölkerung rund um Gerlhausen ist dies ein großer Verlust.
Josef Holzer, 2026
Urkundliche Erwähnung 806
Im Namen Gottes und seines Sohnes Jesus Christus. Nachricht oder Erwähung über die Schenkung, die nach dem Tode des Grafen Droantus für das Seelenheil ihres Vaters seine Söhne, das sind Drudmunt, Cundpald und der Diakon Chuanrat, zum Altar der heiligen Maria vor dem Leib des Bekenners Christi Corbinian auf der Freising genannten gemacht haben. Und das geschah in Gegenwart ihrer Mutter namens Judith und sehr viel anderer Leut, die dort aus der Familie anwesend waren. Es ist dies ein Bauerngut, ausgestattet mit Dienstleuten und mit anderem Eigentum, was immer er damals besaß, und der Name des Mannes lautet Swarzo, mit dem persönlich sie die Schenkung machten in einem Ort, der Feldtuchuing heißt, und ein zweiter Hof mit ähnlicher Ausstattung wie der oben erwähnte. Und der Name des Mannes ist Deganolt mit seiner Frau und seinen Kindern und was immer zu ihm gehört. Und er liegt in einem Ort namens Gerlhausen (Kerhiltahusir), mit ihrem ganzen Gesinde, das vor seiner Herrschaft gedient hat.
Und andererseits sei erwähnt, was sie bezüglich des Mannes der Deganolt genannt wird besprochen haben: Wenn sich für sie einmal die Möglichkeit ergebe, ungeschmälert das, was wir oben erwähnt haben, zu verpachten für eine andere Summe entsprechend seinem Wert, so sollten sie die freie Verfügungsgewalt über das Pachtgut haben, das heißt mit anderen Dienstboten oder Pferden oder Gold und Silber oder allem, was sie hätten hinzuerwerben müssen. Und inzwischen solle er dienen, wie es oben besprochen wurde. Und Zeugen sind jene zeugen, die an den Ohren gezogen wurden, und andere Zeugen, deren Namen sind vor allem der Kaplan Uvago, Engilhart, Reginpert, Cundpato, Memmo, Tenil, Teneol, Chadolh, Herirat.
Und das ist geschehen unter der unvergänglichen Herrschaft unseres Herrn Jesus Christus, im 6. Jahr der Regierung des Herrn Kaisers Karl sub die consule, was ergibt der 17. Oktober in der 14. Indiktion.
Wenn jemand versuchen sollte, gegen diese Schenkung anzugehen, so möge er sich in acht nehmen, dass er nicht dem Zorne Gotte anheim falle und sich weiter entferne von der Wohnung der Heiligen.
Und ich der Priester und mansionarius Hiltipert, habe gebeten, dies inzwischen zur Erinnerung aufzuschreiben, damit, wenn mit Gottes Hilfe unser Herr Bischof Atto gekommen ist, es dann verbessert und dann von Fehlern gereinigt wird. Denn: Was Ungeschicklichkeit nicht vermag, das besorgt die Liebe.
Und ich, Starcholf, habe diese Aufzeichnung geschrieben.
Text: Gemeinde Zolling
Text: Josef Holzer, 2026
Fotos: Josef Holzer
Quellen:
Urkundliche Erwähnung: Münchner Digitalisierungs Zentrum: Die Traditionen des Hochstifts Freising. 1, 744 - 926