Karte von 1568
Kupferstich „Schloss Flitzing“ von Michael Wening (um 1700–1723)
Die Grafen von Flitzing hielten bis zu ihrem Aussterben im 17. Jahrhundert die geschlossene Hofmark des Ortes, zu der auch die einschichtigen Güter Kratzerimbach und Schwarzberg gehörten. Den letzten Grafen ( der edle, gestrenge Herr von und zu Flitzing, der letzte seines Namens und Stammes - so im Frigisinga 1926, S. 376) "Adam von Flitzing" ist am 18.02.1630 gestorben - also mitten in den Wirren des 30-jährigen Krieges). 1632 heiratete ihre Tochter Maria von Flitzing den Grafen Franz von Lodron (in einer Urkunde auch als Franciscus Graf von Latron bezeichnet - siehe Frigisinga 1927, S.583). Dieser hatte zuvor bereits die Hofmark in Haag erworben. Das Paar gab das Herrenhaus in Flitzing auf und ließ sich im Schloss Haag nieder. 1687 starb mit dem Tod von Maria von Flitzing (Frigisinga 1925, S.376) das Geschlecht der Flitzinger aus.
Im Zuge der Gemeindebildung nach dem Zweiten Gemeindeedikt kam Flitzing 1818 zusammen mit der Hofmark Thann zur neu gebildeten Gemeinde Anglberg. Aus dem Jahr 1835 sind für Flitzing 111 Einwohner und für 1874 18 Häuser dokumentiert. Mit der Auflösung der Gemeinde Anglberg wurde Flitzing am 1. Januar 1971 nach Zolling eingemeindet.
Quelle: Walter Pollak
Das ehemalige Hofmarkschloss in Flitzing war Stammsitz der Grafen von Flitzing, deren Nachweise bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen.
Der Bau befand sich auf einer kleinen Anhöhe am südwestlichen Rand des Dorfes, etwa 80 m westlich der Filialkirche St. Bartholomäus.
Laut einem Stich des bayerischen Hofkupferstechers Michael Wening (1723) zeigte das Herrenhaus einen zweigeschossigen Walmdachbau mit umlaufendem Balkon; unterhalb der Anhöhe war ein Wassergraben erkennbar, der das Schloss umgab.
Bis etwa 1635 diente es als Sitz der Flitzinger Familie in der ihnen gehörenden Hofmark. Mit dem Tod von Maria von Flitzing im Jahr 1687 erlosch das Geschlecht; sie war nach ihrer Heirat mit Franz Graf von Lodron bereits um etwa 1635 ins nahegelegene Schloss Haag/Amper gezogen.
Danach verfiel das Anwesen zunehmend. Heute sind keine baulichen Überreste mehr erkennbar – allein Relikte des Wassergrabens weisen noch auf den ehemaligen Standort hin. Die Anlage ist als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-1-7536-0080 im Bayernatlas gelistet als „Burgstall des Mittelalters und der frühen Neuzeit (‚Hofmarkschloss Flitzing‘)“.
Noch 1926 war die einst mit Gräben umgebene Burgstelle der Flitzinger als solche erkennbar, wie man aus der Frigisinga Ausgabe 1926 (S.376) erfahren kann.
Bis 2021 stand an der Stelle noch ein altes, verfallenes Bauernhaus (Kratzerhof, siehe unten), rundum verwildert und stark eingewachsen. Ende 2021 wurden auch die letzten Fundamentteile und der wilde Bewuchs von diesem geschichtsträchtigem Grundstück entfernt und Platz geschaffen für einen Neubau der 2024 stattfand.
heute Lage Feuerwehrhaus
heute Lage Feuerwehrhaus
heute Lage Feuerwehrhaus
heute Lage Feuerwehrhaus
(ca. Anfang 1900)
Am Waldrand
Hofmarkstraße - Thanner Berg (circa 1900)
Hofmarkstraße - Höhe Waldrand
Eheleute Barbara und Lorenz Eisgruber
Das Foto zeigt den Wirt von Flitzing, der über viele Jahre ein beliebter Treffpunkt nicht nur für die Flitzinger, Thanner und Anglberger, sondern in besonderem Maße für Gäste aus dem Gemeindebereich von Zolling war. Die Aufnahme entstand in den 1930er-Jahren und zeigt Barbara und Lorenz Eisgruber mit ihren beiden Töchtern. Lorenz Eisgruber war zu dieser Zeit Bürgermeister.
Am linken Hauseck ist eine kleine Tafel zu erkennen, die als Bekanntmachungstafel der Gemeinde Anglberg diente und zugleich darauf hinweist, dass Lorenz Eisgruber damals das Bürgermeisteramt innehatte.
Hinter dem Kuhstall ist noch der natürliche Hang sichtbar – der spätere Kiesabbau hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen, sodass der Berg vollständig erhalten war. An der Hauswand lehnen mehrere leere Bierfässer, ein alltäglicher Anblick vor einem ländlichen Wirtshaus.
Zum Anwesen gehörte auch ein Saal, in dem so manche Hochzeit, ein Jubiläum oder auch ein Leichenschmaus stattfand. Ebenso bemerkenswert ist die ungeteerte Ortsstraße, die den ursprünglichen Charakter des Dorfes gut erkennen lässt.
Schloßstraße Kapelle (2019 abgerissen)
Schloßstraße oben bei Kapelle (heute unbewohnt)
(2021 verkauft und zum Abriss freigegeben)
Die Kapelle St. Bartholomäus bildet das älteste erhaltene Bauwerk im Ortsteil Flitzing und steht als barocker Zentralbau seit 1709 in der Mitte des Dorfes. Ihr ungewöhnlicher Vierpass-Grundriss mit Zeltdach und kleinem Dachreiter verleiht ihr ein charakteristisches Erscheinungsbild. Im Inneren bewahrt die Kapelle wertvolle Ausstattungsstücke, darunter eine spätromanische Figur des thronenden Hl. Bartholomäus aus der Zeit um 1300, eine Pietà als Wachsrelief aus dem 17. Jahrhundert sowie weitere barocke Heiligenfiguren.
Die Kapelle ist als Baudenkmal in der Denkmalliste des Freisinger Landes geführt und steht in enger Verbindung zur ehemaligen Hofmark Flitzing, die bis ins 17. Jahrhundert von den Grafen von Flitzing geprägt wurde. Durch ihre Lage in unmittelbarer Nähe zur früheren Schlossanlage gilt St. Bartholomäus bis heute als kultureller und historischer Mittelpunkt des Dorfes.
Bis in die späten 1960er-Jahre besaß Flitzing einen eigenen Bedarfshalt an der Lokalbahnstrecke Langenbach–Enzelhausen, dem „Holledauer Bockerl“.
Die Haltestelle lag bei Kilometer 8,5 und bestand aus einem einfachen Bahnsteig mit Hinweisschild – gehalten wurde nur, wenn jemand ein- oder aussteigen wollte. Ein kleines hölzernes Wartehäuschen gehörte zeitweise dazu und wurde nach der Streckenstillegung von einem Landwirt abgebaut und weiterverwendet.
Mit dem Ende des Personenverkehrs und dem Abbau des Gleises Anfang der 1970er-Jahre verschwand der Haltepunkt; heute ist sein Verlauf im Gelände nur noch schwer zu erkennen.
Auf der Aufnahme ist das traditionelle Maibaumaufstellen in Flitzing zu sehen. Der Baum wird – wie früher üblich – ausschließlich mit Stangen und gemeinsamer Muskelkraft aufgerichtet.
Bemerkenswert ist der Hintergrund: Dort zeigt sich der bereits fortgeschrittene Kiesabbau der Firma Kronthaler, der die Topografie des Hanges zu dieser Zeit deutlich veränderte.
Circa 1970
Im Herbst 2015 beauftragte die Gemeinde Zolling das Archäologie-Büro SingulArch mit einer systematischen Voruntersuchung im Gebiet Schlossfeld II. Der Hintergrund: Das geplante Baugebiet liegt innerhalb eines eingetragenen Bodendenkmals. Daher verlangten sowohl das Landratsamt Freising als auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eine fachkundige Prüfung.
Bereits in den 1990er-Jahren waren im benachbarten Bereich Schlossfeld I bei Ausgrabungen Reste einer jungsteinzeitlichen Siedlung festgestellt worden.
Zur Klärung der Fundlage wurden Anfang November 2015 mehrere 2 m breite Sondagen angelegt. Dabei zeigte sich, dass im Untergrund zahlreiche Befunde erhalten waren. Die in den Grabungsschnitten entdeckten Gruben erlaubten eine vorsichtige Hochrechnung auf rund 300 archäologische Strukturen im gesamten Plangebiet – teilweise von beachtlicher Größe.
Die Straßenbenennung in diesem Bereich orientierte sich an den Funden und ihrer Entstehungszeit und führte zur Benennung des Keltenwegs.
Quellen:
Bildmaterial und Texte: Sammlung Walter Pollak, Flitzing
Recherche und Bearbeitung: Elisabeth Obermeier und Manuela Flohr
Foto Weberhäusl: Josef Liebl, Bauunternehmer, Freising
Brückl, Josef / Widmann, Adolf (1994): Zolling. Eine Gemeinde im Ampertal. Freising: Freisinger Druck- und Verlags-GmbH.
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste Landkreis Freising, Eintrag D-1-78-157-7 (Kapelle St. Bartholomäus, Flitzing).
Erzdiözese München und Freising: „Kapelle St. Bartholomäus, Flitzing“ – Kirchenbeschreibung und Ausstattung.
Wikipedia: „St. Bartholomäus (Flitzing)“, Artikel zur Baugeschichte und Lage.
Bayerisches Denkmalinformationssystem / Geodaten Bayern: Eintrag zum Baudenkmal und Bodendenkmal Flitzing.
Gemeinde Zolling: Ortsinformationen Flitzing – Hinweise zur historischen Einordnung der Kapelle.
Bild Karte: Königreich Bayern - Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung. Lageplan von Schloss Flitzing auf dem Urkataster von Bayern