Die Anfänge
Die kirchliche Geschichte Palzings reicht weit zurück. Schon 807 machte Hrodolt von Palzing eine Stiftung an den Freisinger Dom. Wann im Ort die erste Kirche entstand, ist jedoch nicht bekannt.
Über die früheste Zeit bestehen verschiedene Vermutungen. Möglicherweise waren die in den Reihengräbern bestatteten Bajuwaren bereits Christen. Auch eine Verkündigung des heiligen Korbinian in Palzing wurde erwogen. Die Annahme einer früheren heidnischen Kultstätte beruht auf dem hohen Alter des Ortes und seinem Georgspatrozinium. Gesicherte Nachrichten sind dies nicht.
Erstmals ausdrücklich erwähnt wird die Kirche 1315. Sie erscheint mit einem Friedhof unter den fünf Filialen der Pfarrei Kirchdorf. Die Sunderndorferische Matrikel des Bistums Freising nennt 1524 ebenfalls St. Georg von Baltzing mit einem Friedhof, nun unter sieben Filialkirchen der Pfarrei Kirchdorf.
Ein Neubau während des Dreißigjährigen Krieges
Ein Bild von 1608 zeigt die damalige gotische Kirche mit Spitzturm und vier hohen Fenstern an der Südseite des Langhauses. Östlich und südlich davon standen breite, hölzerne Bauernhäuser mit Strohdächern.
Die Kirche war zu dieser Zeit bereits baufällig. 1620 ließ der Hofmarksherr Theodor von und zu Haimhausen sie abbrechen und auf eigene Kosten neu errichten. Der Neubau wurde 1627 fertiggestellt.
An diese Stiftung erinnert ein Gedenkstein in der Nordmauer. Er berichtet vom Abbruch, Wiederaufbau und der Ausstattung des Gotteshauses zu Ehren Gottes und des heiligen Ritters Georg. Zugleich stiftete Theodor einen ewigen Jahrtag für sich, seine Angehörigen und die dort ruhenden christgläubigen Seelen.
Am Stein ist das Stammwappen der Vieböck von Haimhausen angebracht: eine männliche Figur mit einem Wecken in der Hand. Dasselbe Wappen befindet sich an der rechten Säule des Hochaltars. Die linke Säule und das Kanzeldach tragen das Wappen seiner Gemahlin Anna, geb. Patzinger zu Schernau im Gericht Dingolfing, mit drei Nägeln im Schild.
Der gestiftete Jahrtag wurde jährlich mit Lobamt, gesungenem Requiem, stiller Messe und Vigil gehalten. 1809 endete er. Graf von Lodron hatte beim Verkauf der Hofmark das zugehörige Jahrtagskapital zurückbehalten, sodass die Finanzierung fehlte.
Gottesdienst und kirchliches Leben
Die Schmidt’sche Matrikel von 1738–1740 beschreibt die Kirche mit drei Altären. Der Hochaltar war dem heiligen Georg geweiht; hier wurde das Allerheiligste aufbewahrt. Die Nebenaltäre waren der heiligen Jungfrau und der Witwe Elisabeth gewidmet.
Nach den Visitationsakten von 1713 wurde gewöhnlich an jedem dritten Sonntag, an den Marienfesten und am Apostelfest Gottesdienst gehalten. Die Kirchweihe feierte man am Sonntag von Mariä Geburt, das Patrozinium am Fest des heiligen Georg.
Zur Kirche gehörten ein Friedhof mit Beinhaus und Grabstätten. Die Sakristei war mit passenden Paramenten ausgestattet. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Der Pfarrvikar und der Hofmarksherr verwalteten die kirchlichen Einkünfte.
Über dem Ampertal
Die erhöhte Lage gibt St. Georg ihren besonderen Charakter. Von der Kirche aus öffnet sich der Blick weit über das Ampertal. Ortschaften und Kirchtürme, Äcker, Gehölze und Wiesen prägen die Landschaft. Die Amper und ihre Altwässer gehören zu diesem Rundblick.
Mit ihrem Kuppelturm ist die Kirche weithin sichtbar. Der Bau von 1627 gehört der Spätrenaissance an; seine Gestaltung wird mit der Münchner Michaelskirche verglichen.
An die Bauzeit erinnern die rechteckigen Fenster mit ihren jeweils zwei Halbkreisbogen, die geometrischen Rahmenverzierungen der Decke und der halbkreisförmige Bogen zwischen Kirchenschiff und Chor. Auch Hochaltar, Kanzel und Orgelempore werden dieser frühen Ausstattung zugeordnet.
Pilaster gliedern das Kirchenschiff in drei Joche. Darüber liegt ein Tonnengewölbe mit tief einschneidenden Stichkappen. Blattornamente schmücken Wände und Fensterumrahmungen. Der Chorraum ist gut belichtet; geflügelte Engelsköpfe tragen die kapitellartigen Auflager der Bögen.
Bei der Renovierung von 1927 wurde das Kircheninnere dem Charakter der Renaissance angepasst.
Der Hochaltar
Im Mittelpunkt des Hochaltars steht der heilige Georg zu Pferde. Er stößt dem Drachen die Lanze in den Rachen. Die plastische Darstellung bestimmt den Eindruck des Altars.
Seitlich stehen die heilige Barbara mit dem Turm und die heilige Katharina mit dem Rad. Beide halten Märtyrerpalmen. Blau, Rot, Grau und Gold prägen die farbige Fassung.
Den oberen Aufbau schmücken der Weltheiland und zwei Engel auf den seitlichen Voluten. Mit ihren weit geschwungenen Armen und Beinen erscheinen die Engel halb sitzend, halb gleitend. Die Figuren werden mit denen auf den Seitenaltären des Freisinger Domes verglichen.
Der Altar zeichnet sich durch seinen einheitlichen Aufbau und seine reiche Ornamentik aus. Die Holzfiguren geben ihm eine besondere Anschaulichkeit.
Die Seitenaltäre und die gotische Madonna
Die beiden Seitenaltäre stammen aus der Spätbarockzeit. Ihre gefassten Holzfiguren zeigen bewegte Körperhaltungen und reich drapierte Gewänder.
Auf dem linken Seitenaltar steht eine gotische Madonna aus der Zeit um 1480. Auf dem Mond stehend, hält sie in der rechten Hand das Kind und in der linken das Zepter. Die gut erhaltene Figur zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche. Neben ihr stehen Petrus mit dem Himmelschlüssel und Paulus mit dem Schwert.
Den rechten Seitenaltar schmückt eine Holzfigur der heiligen Anna. In den oberen Abschlüssen der beiden Altäre befinden sich Gemälde des heiligen Antonius und des Viehpatrons Wendelin.
Weitere Kunstwerke
Als ältestes Ausstattungsstück wird ein gotischer Christus von etwa 1440 in der Sakristei genannt. Links neben dem Hochaltar befindet sich ein Kruzifix aus dem Spätrokoko. Auf der rechten Seite steht ein lebensgroßes Kruzifix mit Madonna.
Die Pietà befand sich früher im Beinhaus, in der Außenwand des Vorhauses. Später wurde sie an die südliche Innenwand der Kirche versetzt. Zwei bewegte Engelsfiguren, die zu dieser Gruppe gehörten, wurden gestohlen.
Auch das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Palzinger gehört zur Ausstattung.
Der Taufstein aus der alten Kirche wurde bei der Renovierung von 1959 entfernt. Im selben Zuge tauschte man den damaligen Tabernakel aus.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Messgewänder. Die neueren wurden überwiegend von dem 1926 verstorbenen Münchner Künstler Augustin Pacher entworfen und von der Taubstummenanstalt Hohenwart gestickt.
Reparaturen und Erneuerungen
Über die Jahrhunderte wurde St. Georg immer wieder ausgebessert, renoviert und neu ausgestattet. Die Kirchenrechnungen bewahren viele Einzelheiten dieser Arbeiten.
Vom alten Kirchenbau bis zur Jahrhundertfeier
1616, noch vor dem Neubau, wurden für das Weißen der Kirche 6 Gulden und 2 Kreuzer bezahlt.
Zur Jahrhundertfeier 1727 erfolgten umfangreiche Reparaturen. Kirche, Turm und Friedhofsmauer wurden verputzt und geweißelt; die Dachdeckungen wurden umgedeckt beziehungsweise erneuert. Altarbilder und Engelsfiguren wurden ausgebessert, das Georgsbildnis im Choraltar neu gefasst.
1743 erhielt der Freisinger Bildhauer Johann Martin Sailler für die Herstellung eines Georgsbildnisses 12 Gulden und 30 Kreuzer. Joseph Dersch bekam für dessen Fassung 16 Gulden.
1750 mussten die beiden alten Seitenaltäre wegen ihrer Zermoderung ersetzt werden. Für die Herstellung durch Meister Rochosen Emaus zu Freising wurden 76 Gulden bezahlt. Benedikt Dersch erhielt für die Fassung der neuen Altäre 107 Gulden.
Arbeiten im 19. Jahrhundert
1803 wurden bei einer Versteigerung in Neustift drei benötigte Messgewänder für 15 Gulden und 6 Kreuzer erworben.
1862 erhielten die Seitenaltäre eine neue Fassung. Der Turm wurde eingedeckt und sein Putz teilweise ausgebessert. Die Arbeiten kosteten 1015 Gulden.
Nachdem 1890 eine Glocke zersprungen war, beschaffte die Kirchenverwaltung 1891 zwei Glocken für 1000 Mark.
Die Renovierung von 1905 und 1906
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Kirche stark reparaturbedürftig. Das Dach war durchlöchert, die Schindeldeckung der Turmkuppel schadhaft. Unter einem Storchennest waren Schalung und Schindeln völlig durchgefault.
Auf der Nordseite lag das Gelände 1,4 Meter höher als der Kirchenboden. Zur Entfeuchtung sollte dieses Erdreich abgetragen werden.
1905 begann eine gründliche Außenrenovierung. Der Dachstuhl der Turmkuppel und ihre Schindeldeckung wurden erneuert. Hinzu kamen Putzarbeiten und Arbeiten an der Friedhofsmauer.
1906 folgte die Innenrenovierung durch den Freisinger Maler Krippner. Hochaltar und Seitenaltäre wurden bearbeitet, die Figuren gereinigt und teilweise neu gefasst. Deckenstuck, Wände und Decke erhielten eine Überarbeitung. Das Kirchenpflaster und die verfaulten Beichtstühle wurden erneuert.
Kanzel und Treppe waren nicht mehr sicher zu benutzen und mussten repariert werden. Die Buntverglasung im Kirchenschiff wurde durch Weißverglasung ersetzt. Im Chor entfernte man die hölzerne Wandverkleidung.
Für die Außen- und Innenrenovierung werden insgesamt etwa 5000 Mark genannt. Zur Finanzierung trugen ein staatlicher Zuschuss, ein Kredit der Kirchenverwaltung, Holzspenden und Holzverkäufe sowie Umlagen der Palzinger bei. Die Nutzungsberechtigten des Gemeindewaldes stifteten 900 Mark; Graf von Holnstein spendete drei Bäume im Wert von 150 Mark. Aus dem Kulturbauzehentfonds kamen 200 Mark.
Die Maurerarbeiten führte Josef Trinkl aus Palzing aus, die Zimmerarbeiten Johann Riedl. Pfarrer war Franz Sturm.
Harmonium, Orgel und Jubiläumsrenovierung
1904 ersetzte ein Harmonium die nicht mehr reparierbare Orgel. Die Kosten von 400 Mark wurden durch einen Holzverkauf der Waldnutzungsberechtigten gedeckt.
Zur 300-Jahrfeier des Kirchenbaus erfolgte 1927 eine weitere Innenrenovierung durch Kirchenmaler Seibold aus Freising.
1929 kaufte die Kirchenverwaltung eine gebrauchte Orgel von der Lehrerbildungsanstalt in Freising für 900 Mark. Die Aufstellung durch die Münchner Firma März kostete weitere 688,50 Mark. Das Harmonium wurde in Zahlung gegeben.
Die Innenrenovierung von 1959
1959 wurden unter Pallottinerpater Hugo Wagner und Kirchenpfleger Peter Eicheldinger erneut Arbeiten im Inneren vorgenommen. Zur Kirchenverwaltung gehörten Franz Ball und Sebastian Scheidt. Christian Seibold aus Freising überarbeitete Altäre, Figuren, Stuck und Raumschale. Die Kosten waren auf 3098 DM veranschlagt.
Ölfarbanstriche an Kanzel, Gestühl, Beichtstühlen, Türen und Empore wurden entfernt. Wegen ihres schlechten Zustands ließ die Kirchenverwaltung die Kanzel samt Treppe aus der Kirche nehmen. Sie befand sich danach zeitweise bei Kratzer in der Weizengasse in Freising und später beim Anwesen Schelcher in der Gemeinde Kirchdorf.
Um die Kirche wurden Kiesgräben zur Entwässerung angelegt. Der Tabernakel wurde ausgetauscht, nachdem das Landesdenkmalamt bereits 1955 einen besser passenden Ersatz angeregt hatte.
Die Renovierungen der 1970er-Jahre
In den 1970er-Jahren wurde die Kirche außen und innen gründlich renoviert. Die Umfassungsmauern wurden trockengelegt, Kirche und Turm neu verputzt. Das Blechdach der Kuppel wurde entfernt und durch Schindeln ersetzt. Das teilweise undichte Kirchendach wurde ausgebessert; auch die hohe westliche Kirchenmauer wurde erneuert.
Die Außenarbeiten erfolgten unter Kirchenpfleger Sebastian Scheidt mit Josef Hoisl und Josef Thalhammer, Bäck, als Verwaltungsmitgliedern.
Die Innenrenovierung führte Kirchenmaler Böck aus Langenbach aus. Stuck und Figuren wurden überarbeitet, die Kirche geweißelt und das Kirchenpflaster erneuert. Die Kirchenstühle wurden ausgebessert und lasiert. Hinzu kam der Einbau einer Heizung.
Auch die Kanzel kehrte zurück. Das Denkmalamt hatte ihre Wiederaufstellung und Renovierung zur Bedingung für einen Zuschuss gemacht. In einem Schuppen beim Schelcher wurde sie in viele Stücke zerfallen aufgefunden. Sie konnte wiederhergestellt und in die Kirche eingebaut werden.
Die Innenarbeiten erfolgten unter Kirchenpfleger Franz Schmid mit Josef Thalhammer, Hermann Badhorn, Josef Hoisl und Josef Grepmair. Zuschüsse des Ordinariats, des Denkmalamts, des Kunstreferats beim Ordinariat, des Bezirks und der Gemeinde Zolling ermöglichten die umfangreichen Arbeiten.
Arbeiten von 2002 bis 2007
2002 wurden die Schindeln auf dem Turm erneuert. Kirche und Turm erhielten einen neuen Anstrich, die Fenster wurden teilweise repariert.
2005 wurde der Friedhof nach Norden erweitert.
2007 folgten Malerarbeiten an der Raumschale im Kircheninneren und die Erneuerung der Heizung.
Der Palzinger Friedhof liegt unmittelbar an der Kirche St. Georg und gehört der Filialkirchenstiftung Palzing. Kirchlich gehört Palzing zur Pfarrei Kirchdorf. Die Chronik beschreibt das Bestattungswesen zugleich als Pflichtaufgabe der Gemeinde.
Leichenhaus und Friedhofserweiterungen
1955 errichtete die Gemeinde unter Bürgermeister Johann Thalhammer ein Leichenhaus.
Für die Erweiterung des Friedhofs erwarb die Gemeinde Zolling 1975 ein Grundstück mit 451 Quadratmetern und 1990 eine weitere Fläche von 278 Quadratmetern. 1992 wurde die östliche Friedhofsmauer erneuert. Eine Erweiterung nach Norden folgte 2005.
Für das Jahr 2007 verzeichnet die Chronik 54 belegte Grabstellen.
Wenn jemand im Dorf starb
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts übernahmen Menschen aus dem Dorf und der Nachbarschaft die notwendigen Arbeiten bei einem Sterbefall. Eine Leichenfrau kleidete den Verstorbenen an und sorgte für die Einsargung. Ein Mann hob das Grab aus, vier Männer trugen den Sarg zur Bestattung.
Mit dem allgemeinen Wandel auf dem Land änderte sich auch die Organisation einer Beerdigung. 1994 wurden diese Aufgaben einem Bestattungsinstitut aus Freising übertragen. Es übernahm die Einsargung, die Überführung ins Leichenhaus, das Öffnen und Schließen des Grabes sowie die notwendigen Arbeiten bei der Beerdigung selbst.
Die kirchliche Begleitung
Für katholische Familien blieb der herkömmliche kirchliche Ablauf erhalten. Die kirchliche Begleitung lag beim Pfarrer: Er nahm die im Text als „Beisetzung im Leichenhaus“ bezeichnete Handlung vor, feierte am Tag der Beerdigung den Trauergottesdienst und sprach am Grab die Gebete und den Nachruf.
So veränderte sich im Laufe der Zeit vor allem die praktische Organisation der Bestattung, während die kirchlichen Handlungen weiterhin ihren festen Platz hatten.