Bei der Betrachtung der Hausnamen Palzings tut sich vor uns eine bunte Welt auf. Fast durchwegs haben sie ein hohes Alter und führen mehrere Jahrhunderte zurück. In ihnen liegt ein Stück Besiedelungs- und Familiengeschichte. Viele alte Hausnamen gingen schon verloren durch Änderung der Namen selbst und durch Verschwinden der Anwesen.
Der Bauer wurde bei Freund und Feind nach seinem Hofnamen genannt. Im täglichen Verkehr wird dieser heute noch allein gebraucht. Einen Schreibnamen hat auch der Inwohner, aber einen Hausnamen nur der erbgesessene Bauer.
Die erste und größte Gruppe der Hausnamen leitet sich vom Familiennamen eines ehemaligen Besitzers ab. Dabei stellt sich die Frage, ob der Name des Besitzers zum Hausnamen wurde oder umgekehrt der Hausname zum Familiennamen. Bei Meir, Huber, Lechner, Bauer, Fischer u. a. dürfte letzteres der Fall sein. Gerade bei diesen Familiennamen lässt sich feststellen, wie lange die Hausnamen beharren, wenn auch die Besitzer wechseln.
Aus einstigen Familiennamen entstanden folgende Hausnamen: Waldhauser (1774 Georg Waldhauser), Omer (1465 Obermair), Hagl (1820 Johann Hagl), Roberger (1615 Christoph Roberger), Kratzer (1615 Johann Kratzer), Bruckmair (1380 Rudel Bruckmair), Wagenpfeil (1615 Wolf Wagenpfeil), Zellner (1798 Johann Zellner) und Kettner (1883 Georg Kettner).
Eine zweite Gruppe leitet sich von Taufnamen ehemaliger Besitzer ab. In manchen Lebensverhältnissen war der Familienname nur der Schreibname auf dem Papier und der Taufname der naturgemäße Rufname. Ein Beispiel ist Gotthartl (1791 Gotthard Holzmann).
Neben Familien- und Taufnamen trugen auch Beruf und Gewerbe zur Bildung von Hausnamen bei. Viele Handwerke vererbten sich vom Vater auf Sohn und Enkel. Durch die moderne Technik ist manches Handwerk verschwunden und lebt nur mehr in Hausnamen fort.
Zu den namensbildenden Gewerben zählen Wirt, Bäck, Mesner, Schuster, Schäffler (Kuffer), Schmied, Fischer, Hüter, Schreiner, Sattler, Weber, Wagner, Ziegler, Weißgerber, Bader, Mautner, Geiger, Pfeifer, Bläser, Jäger, Saizler (Salzer), Kramer und Hödel (Getreidehändler). Zur Unterscheidung findet sich besonders häufig die Zusammensetzung mit Taufnamen, wie Schustermichel, Mühlsimmer, Schneidergori, Schmiedmichel, Martlböck und Spannhansl (Spann = Dachschindel).
Gelegentlich gibt auch die Umgebung dem Anwesen den Namen: in Palzing der Bruckmaier, der Maier an der Brücke, und der Mühlbauer, der Bauer an der Mühle. In diesen beiden Fällen wurde der Hausname zum Schreibnamen des Besitzers.
Da die Namensgebung von Personen der Umgebung ausgeht, kommt es auch vor, dass einer beim Gutsverkauf seinen alten Hausnamen auf die neue Ansiedlung mitbringt. So verkauft 1789 Martin Riepl das Kupfermanngut zu Nörting, ersteht das Baderhaus in Palzing und wird in der Folgezeit Kupfermann genannt.
Die Art des Hausbauens und die Anlage des Hofes unterscheiden sich zeitlich und individuell. Aufzeichnungen über einzelne Häuser sind deshalb für das Ortsbild und für die ganze Ortsgeschichte von großem Interesse. Im Folgenden werden einzelne Häuserbeschreibungen zeitlich geordnet wiedergegeben.
Der Gründler gehört zu den ältesten Gehöften in Palzing. Schon 1465 wird Jorig Grintlör genannt. Über die Jahrhunderte begegnet uns der Hof unter verschiedenen Schreibweisen, darunter Obergründler und Obergrüntler.
Es war ein großer Bauernhof. Eine Aufzeichnung von 1710 nennt 4 Pferde, 13 Rinder, 5 Schafe und 2 Schweine. Dazu kamen 2 Wägen und 2 Pflüge. Diese Angaben geben einen Einblick in die damalige Ausstattung des Hofes.
Über mehrere Generationen ist die Familie Eisenmann mit dem Anwesen verbunden. Der hier geborene Johann Eisenmann heiratete 1709 in das Glücksanwesen in Ampertshausen ein. Später wechselte der Hof durch Einheirat und Verkauf mehrfach seine Besitzer.
1909 wurde das Anwesen bis auf das Haus und geringe Gründe zertrümmert. Damit blieb vom einst großen Hof nur ein kleiner Teil erhalten. 1931 kaufte Josef Heigl von Nörting das Anwesen. Sein Name blieb im örtlichen Sprachgebrauch bestehen: Statt Gründler sagte man nun häufig „beim Heigl“. 1960 wurde das Anwesen an Josef und Sofie Dörrich, geb. Heigl, übergeben.
Beim Palzinger Wirt kamen die Menschen zu Hochzeiten, Tanzveranstaltungen und zum Leichenschmaus zusammen. Dass solche Zusammenkünfte nur hier stattfinden durften, gehörte zu den besonderen Rechten des Hauses.
Der Wirt war eine sogenannte Ehehaftstafern. Mit dem Anwesen waren die Wirts-, Kramer- und Metzgergerechtigkeit verbunden. Kein anderer im Ort durfte Bier ausschenken oder es vom Wirt einer Nachbarortschaft holen. Bei Zuwiderhandlungen drohten hohe Strafen. Für Durchreisende mussten ein Fremdenzimmer und ein Stall für 4 Pferde bereitstehen.
Bis 1913 fanden hier große Fischerfeste statt. Fischer aus der näheren Umgebung kamen zusammen; im Wirtsgarten hinter der Kegelbahn grillte man die in langen Reihen am Boden aufgestellten Steckerlfische.
Von 1887 bis 1919 gehörte das Anwesen dem Grafen von Holnstein. Zu seinen Pächtern zählten Franz Xaver Huber, der später den Weißbräu in Freising kaufte, und Josef Grepmair. Grepmair erwarb das Wirtshaus 1919 zurück. Der Gastwirtschaftsbetrieb wurde 1965 eingestellt. 2006 erfolgte die Übergabe an Ludwig Grepmair jun.
Der Hausname Bäck erinnert an das Handwerk, das Anton Mayr hier um 1700 ausübte. Zuvor mögen auf dem Anwesen einfache Taglöhner gelebt haben.
Die Bäckergerechtigkeit war ein Realgewerbe: Sie haftete am Anwesen und nicht an der Person des Bäckers. Seine Kundschaft musste der Bäck auch außerhalb des Dorfes suchen. Denn die Bauern und Gütler buken ihr Brot selbst. So bot er seine Erzeugnisse auf Jahrmärkten, Kirchweihen, Wallfahrten und in Wirtschaften feil.
1863 heiratete Martin Thalhammer von Wölfing ein. Über mehrere Generationen blieb der Name Thalhammer mit dem Anwesen verbunden. 2002 wurde es an Jakob und Monika Berghammer, geb. Thalhammer, übergeben.
Der Hausname Mesner verweist auf den Dienst an der Palzinger Kirche. Er lässt darauf schließen, dass das Mesneramt über lange Zeit mit diesem Anwesen verbunden war.
Als früher Besitzer wird 1627 Matthäus Sellmair genannt. 1713 heiratete Lorenz Eichler von Kirchdorf ein. Von da an erscheint die Familie Eichler über mehrere Generationen in der Besitzerfolge.
1979 erfolgte die Übergabe an Walter und Erna Mathias, geb. Eichler. So verbindet die Geschichte des Hauses den kirchlichen Dienst mit einer langen Familiengeschichte.
Der Name Mühlbauer kam mit einem Besitzer auf diesen Hof. Ursprünglich befand sich das Mühlbauerngut beim späteren Gotthartl, näher an der Mühle.
Das hier beschriebene Anwesen war einst die Wagenpfeilhub. Um 1600 nahm der Hofmarksherr Theodor Viepöck dem damaligen Besitzer die Hub weg und errichtete an ihrer Stelle ein Herrschaftsjagdhaus. Es war mehrfach unterkellert und besaß Stallungen sowie Wohnungen für die Bediensteten. Das Jägerhaus stand ungefähr 20 m südlich vom späteren Mühlbauernhaus. Die Hofmarksherren hielten hier aufwendige Hochjagden ab.
1790 verkaufte Maximilian Graf von Lodron das Jägerhaus mit Stall, Zehent- und Jägerstadl, Garten und Hofraith an Georg Waldhauser. Dieser übersiedelte vom bisherigen Mühlbauerngut hierher und brachte den Hofnamen mit.
1851 heiratete Matthias Sperrer von Unterappersdorf ein. 1993 erfolgte die Übergabe an Georg Sperrer jun.
Herrengütl, Kraftengütl und Kramer: Die verschiedenen Namen erzählen von der Lage, den Besitzern und der Nutzung dieses Anwesens.
Herrengütl hieß es, weil es im Bereich des herrschaftlichen Jagdhauses lag. Das Einfahrtstor zum Jagdhof befand sich vor dem Mühlenberg, nördlich des späteren Schusteranwesens. Der Name Kraftengütl geht auf den Besitzer Kaspar Kraft zurück. Zeitweise nutzte der Palzinger Wirt das Anwesen als Zubau.
1780 erhielten die Besitzer die Kramers- und Fragnersgerechtigkeit. Ein Fragner war ein Gemischtwaren- oder Kleinhändler. Später wurde neben der Kramerei auch das Schusterhandwerk ausgeübt.
1910 entstanden Haus und Stadel unter Verwendung von Steinen und Balken der alten Mühle. Damit fand Baumaterial eines anderen Palzinger Anwesens hier eine neue Verwendung. 1958 wurde der Besitz an Lorenz Widmann übergeben.
Das kleine, einst Saghies genannte Haus stand im Gärtl des Waldhauser. Hier wohnten Tagwerker der Mühle. Der alte Hausname wird auf den Mühlknecht Matthias Pöttinger zurückgeführt.
1826 kaufte Josef Bauer, ein Schuhmacher aus Au, das Anwesen. Mit seinem Handwerk erhielt das Haus den Namen Müllerschuster.
Der spätere Besitzer Johann Schmid wechselte 1888 auf das Haglanwesen. Das hölzerne Häuschen verlor seine Wohnfunktion und wurde zu einem Heustadel umgewandelt. Einige Jahre später wurde es abgebrochen.
Am Waldhauser stand die erste Gastwirtschaft in Palzing. Die frühen Besitzernamen erinnern daran: 1465 wird Jorig Wirt genannt, 1580 Sebastian Alterwirt. Das Anwesen hieß auch alte Wirtshub oder Flizinger.
Möglicherweise wurde der Hof geteilt und oberhalb der Straße entstand daraus der spätere Wirt. In der Folgezeit bewirtschaftete der Mühlbauer das Waldhauseranwesen als Zubau. 1805 übernahm es sein Sohn Bartlme Waldhauser wieder in eigener Bewirtschaftung.
1963 kaufte Matthias Neumair das Anwesen von Karl und Barbara Rehle aus Haunstetten bei Augsburg. Als 1990 die Ampertalstraße ausgebaut wurde, brach man das Haus ab. Die Chronik nennt an dieser Stelle das ehemalige Baugeschäft Matthias Neumair.
Die Palzinger Mühle hatte einen weiten Kundenkreis: Aus 23 Ortschaften kamen die Menschen hierher. Neben der Getreidemühle betrieb der Müller eine Schneidsäge für Schnittholz und einen in der Vorlage als Leinschlag bezeichneten Betrieb.
Die Wasserkraft des Mühlbaches hielt die Anlagen in Gang. An seiner Abzweigung von der alten Amper, beim heutigen Grimmweiher, sorgte ein Faschinenwehr für ausreichend Wasser. Hochwasser und Eisschub beschädigten es immer wieder. Für den Müller bedeutete das ständige Reparaturen und Kosten. Als das Wehr 1899 erneut schadhaft war, ergänzte er die Wasserkraft durch eine Dampfmaschine.
Auch die Räumung des Mühlbaches und die Reparatur der Brücke beim Gotthartl führten zu Streit mit der Gemeinde. Ein beschädigtes Mitteljoch gefährdete bei Hochwasser das Gotthartlanwesen. Nach längeren Verhandlungen einigte man sich, Arbeiten und Kosten der Brückenreparatur und Bachräumung je zur Hälfte zu tragen.
1907 wurden die Mühlen in Palzing und Inkofen wegen der Amperkorrektion aufgekauft und stillgelegt. Die Palzinger Mühle wurde 1910 abgebrochen.
Es folgten andere Nutzungen: 1913 entstand eine Bäckerei. Geheimrat und Konsul Hugo Kustermann aus München, Palzinger Jagdpächter und Besitzer des Fischgutes bei Moos, machte aus dem Haus ein Jagdhaus. 1929 kaufte es der Schuster Thomas Badhorn aus Helfenbrunn. Von 1962 bis 1976 war hier auch die Post untergebracht.
Der Omer hieß früher Obermaier und wird schon 1465 als Obermair erwähnt. Einst war er ein großer Hof. Seine Geschichte ist eng mit der benachbarten Mühle und dem Wasser der Amper verbunden.
1762 erhielt der Müller den damals ziemlich heruntergekommenen Hof als Gegenleistung für den Bau eines Dammes im Wagenpfeilwinkel. Dieser lag auf der Palzinger Seite der noch unregulierten Amper.
Südlich des Omers verlief ein Fallbach. Bei Hochwasser schloss der Müller die Schleuse zum Mühlbach und leitete das Wasser in den Fallbach. Dabei wurden auch die Gründe des Omers und seiner Nachbarn überschwemmt. Zwischen dem Müller und den Anliegern entstanden deshalb zahlreiche Streitigkeiten.
1806 wurde der Hof zertrümmert. Es folgten viele Besitzerwechsel. 1904 kam das Anwesen an Jakob Thalhamer von Gehausen. 1974 wurde es an Josef und Kreszenz Thalhammer übergeben.
Das früher Schäfflerschneider genannte Anwesen war ein Taglöhnerhäusl. Es stand im Garten des Gotthartl. Möglicherweise lebten hier wegen der Nähe zur Mühle deren Tagwerker.
Vor 1700 wird Georg Stitzinger als Besitzer genannt. Nach zahlreichen Verkäufen und Einheiraten erwarb 1874 Georg Kleidorfer von Garten das Haus. Nach seiner Vergantung wurde es in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts abgebrochen.
An derselben Stelle erbaute Marie Dörrich 1953/54 ein neues Haus. Für 1962 nennt die Chronik Georg und Lotte Scheuerl, geb. Dörrich.
Beim Gotthartl lag ursprünglich der Mühlbauernhof. 1611 wird Johann Bruckmair als Mühlbauer genannt.
Georg Waldhauser, der 1774 Agnes Peuntner geheiratet hatte, kaufte 1790 das herrschaftliche Jägerhaus und übersiedelte dorthin. Neben dem Kaufpreis von 525 fl. musste er Platz für die herrschaftlichen Zehenden bereitstellen. Dafür war in seinem Stadel ein Bereich von 42 Werkschuhen Länge und 36 Werkschuhen Breite vorgesehen. Auch die Dreschtenne und das Strohdach hatte er auf eigene Kosten instand zu halten.
1791 verkaufte Waldhauser das frei gewordene untere Haus mit Brunnen, kleinem Getreidekastl, Backhaus und einigen Feldgründen um 300 fl. an Gotthard Holzmann. Dieser war zuvor Wirt von Hernau und nun Gerichtsdiener in Palzing. Sein Vorname gab dem Anwesen den Hausnamen Gotthartl.
1879 kaufte Josef Koch den Besitz. Auf ihn geht die ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung „beim Koch“ zurück. 2006 erfolgte die Übergabe an Familie Siebler.
Im einstigen Tagwerkerhäusl lebten auch Handwerker. 1715 wird Peter Schnuderer als Schneider genannt. 1795 heiratete Johann Hoisl ein, ein Schusterveitlsohn aus Palzing, der ebenfalls das Schusterhandwerk ausübte. Auf diese Einheirat führt die Chronik den Namen Schusterhans zurück.
1900 kam Johann Ball von Golzhausen durch Einheirat auf das Anwesen. Sein Familienname wurde zur weiteren Hausbezeichnung: „beim Ball“. 1976 erfolgte die Übergabe an Franz und Maria Ball.
Der Hagl war ursprünglich eine Abzweigung vom Bruckmeierhof und hieß Söldnerbruckmeier. Möglicherweise entstand das kleinere Anwesen für weichende Erben.
Seinen späteren Namen erhielt es vom Zimmermann Jakob Hagl, der 1787 als Besitzer genannt wird. Der Name blieb bestehen, obwohl das Anwesen später mehrfach den Besitzer wechselte.
1888 kaufte Johann Schmid den Besitz. Für 1994 nennt die Chronik Regina Baur, geb. Schmid.
Wo später der Schmied arbeitete, befand sich ursprünglich der Fischer von Palzing. Bereits 1351 wird „Gyseln des Vischers sun zu Paltzing“ erwähnt, 1465 Ott Vischer.
An der heutigen Mühlbachstraße floss früher die Amper. Dort standen bis nach dem 1. Weltkrieg Fischbehälter im Wasser, in denen gefangene Huchen und Hechte gehalten wurden.
1834 erwarb Anton Radlmaier das Anwesen. Er übertrug die Fischerei auf das Anwesen Nr. 30 und brachte das Schmiederecht hierher. Damit wechselten auch die Tätigkeiten, an die die Hausnamen erinnern.
1865 heiratete Xaver Schmid von Wolfersdorf ein. 1979 erfolgte die Übergabe an Kastulus und Martina Zeilhofer, geb. Schmid.
Bis zu einem Brand im Jahre 1757 stand hier das Palzinger Baderhaus. Seine Lage war für diesen Betrieb günstig: Direkt dahinter floss die Amper.
Der Bader verrichtete eine Reihe von Diensten. Er barbierte, schrepfte, ließ zur Ader, behandelte Wunden und bereitete Schwitz- und Wasserbäder. Auch schmerzende Zähne zog er. Für die Hofmarksherrschaften musste er diese Arbeiten anstelle des Scharwerksdienstes unentgeltlich leisten. Die übrigen Dorfbewohner bezahlten dafür.
1789 kaufte Martin Riepl, Zimmermann und Kupfermann zu Nörting, den Grund des abgebrannten Baderhauses um 135 fl. Er brachte seinen bisherigen Hofnamen mit nach Palzing. Die Chronik vermutet dahinter das alte Gewerbe eines Pfannen- und Kesselflickers.
1910 erwarb Xaver Birkner, Dorfhirte von hier, das Anwesen. Auch für 2006 nennt die Chronik die Familie Birkner.
Hier stand einst das Amtmannhaus der Palzinger Hofmarksherrschaft. 1786 verkaufte Graf von Lodron das eingezogene Amtmannhaus mit zwei kleinen Wurzgärtl, Backofen und Hofraith an Kastulus Hehensteiner aus Moosburg. Der Käufer war Bader. Mit dem Erwerb erhielt er auch die seit 1757 unbesetzte Ehehaft des Bades.
Nach weiteren Besitzerwechseln kam das Anwesen an Franz Josef Brieschenk, herrschaftlicher Jäger und Förster in Palzing. Auf ihn geht der Hausname „beim Jäger“ zurück.
Später folgten unter anderem die Familien Burg, Kern und Riedl. 2000 wurde das Anwesen an Andreas und Christine Riedl übergeben. Im selben Jahr wurden die bestehenden Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Der Schustermichl hieß früher auch Schusterveitl. Beide Namen erinnern an das Schusterhandwerk. Nach der Chronik geht die Bezeichnung auf einen hier tätigen Schuster oder auf die Einheirat eines Schustersohnes zurück.
Als früher Besitzer wird 1660 Michael Aigner genannt. Über die Jahrhunderte wechselte das Anwesen mehrfach durch Einheirat und Verkauf seine Besitzer.
1909 kaufte Johann Mauermayer von Wolfersdorf das Anwesen. Für 1953 wird Georg Mauermayer genannt; 1980 erfolgte die Übergabe an Georg Mauermayer.
Im Robergergarten stand einst die Ehehaftsschmiede von Palzing. Schon 1465 wird das Anwesen als Schmid erwähnt. Bis 1794 wurde hier das Schmiedehandwerk ausgeübt.
Später verkaufte Matthias Radlmaier das Schmiedgütchen und errichtete das Anwesen Nr. 30. Das Schmiederecht kam auf das frühere Fischergut. So veränderten sich im Dorf die Standorte der alten Gewerbe.
Das ehemalige Schmiedanwesen wechselte danach mehrfach den Besitzer. 1899 wurde es abgebrochen.
Der Ampermann war einst das Tagwerkerhaus des Mühlbauernhofes. 1629 wird Martin Sixt genannt.
Im 18. Jahrhundert war das Haus mit dem Weberhandwerk verbunden. 1712 heiratete Georg Gsell ein, ein Leinweber aus Wolfersdorf. Später werden Korbinian Gsell und Josef Grill ebenfalls als Weber genannt.
1787 kaufte Georg Bernböck, ein Zimmermann aus Haimhausen, die inzwischen baufällige Behausung. Die vereinbarten 60 fl. sollte er selbst für deren Instandsetzung verwenden.
1877 kam das Anwesen an Matthias Hölzl. 1939 wurde es an Jakob und Cäcilie Ismaier, geb. Hölzl, übergeben. Für 2000 nennt die Chronik Erwin Ismaier.
Der Mautner wohnte nahe der Amperbrücke. Von hier aus nahmen die Besitzer den Brückenzoll ein, die sogenannte Maut. Die Brücke musste damals von der Gemeinde Palzing unterhalten werden.
Das ursprünglich als Tagwerkerhaus genutzte Anwesen wurde dadurch zum Zollhaus. 1807 verkaufte es der Palzinger Wirt an Georg Jäger von Neustift.
1862 wurde die Straße eine Distriktsstraße. Das Landgericht Moosburg übernahm die Brücke, und die Erhebung des Brückenzolls endete. Der Hausname blieb als Erinnerung an diese Aufgabe erhalten.
1928 brannte das Haus ab. 1931 wurde es wieder aufgebaut. 2000 erfolgte die Übergabe an Leopold und Emma Morgner, geb. Holzmair.
Der Hofname bewahrt den Namen früherer Besitzer. Um 1600 wird Christoph Roberger genannt, 1638 Urban Roberger.
1686 kam Jakob Radlmaier auf den Hof, ein 1656 geborener Fischerssohn aus Palzing. Seine Witwe Maria heiratete 1710 Simon Riesch, Schidlsohn von Helfenbrunn. Von da an begegnet der Name Riesch über viele Generationen in der Besitzerfolge.
1982 wurde das Anwesen an Johann und Marlene Riesch übergeben. Der ältere Hofname Roberger blieb bestehen.
Beim Gmainschuster verbinden sich Handwerk und Dienste für die Dorfgemeinschaft. Simon Grad wird als von der Gemeinde aufgestellter Schuster und Hirte genannt. 1780 erscheint Michael Grad als Roßhirte.
Für den Hausnamen führt die Chronik mehrere mögliche Erklärungen an. Er könnte auf das Schusterhandwerk eines Besitzers zurückgehen, auf die Nähe zur „Gmoa“, dem Gemeindeweiher, oder auf Lorenz Neumeier, der 1863 als langjähriger Gemeindediener genannt wird.
1908 kaufte Johann Thalhammer aus Gerlhausen das Anwesen. 1949 erfolgte die Übergabe an Johann Thalhammer. Für 1988 nennt die Chronik Maria Thalhammer.
Im Hüthaus wohnte der Dorfhirte. Er hütete die Pferde, Kühe, Schweine und Schafe auf den zahlreichen Weidegründen in den Amperauen. Durch eine Abmachung stand er im Dienst der Bauern, musste dem Hofmarksherrn aber keine Frondienste leisten.
Das gemeindliche Haus bestand schon vor 1840. Als es 1897 ein neues Strohdach erhalten sollte, hatten die Gemeindemitglieder das Stroh zu liefern. 1908 wurde ein neues Hüterhaus „mit Armenwohnung“ errichtet.
Mit der Kultivierung von Ödland und der Intensivierung der Viehhaltung wurde der Hirte immer weniger gebraucht. Er konnte zusätzlich als Tagwerker arbeiten, während seine Frau das Vieh hütete. Einige Dorfhirten konnten sich auf diese Weise ein kleineres Anwesen erwerben. Der letzte Palzinger Hüter beendete 1924 seinen Dienst.
1983 brannte das Haus und wurde anschließend abgerissen. Auf dem Grundstück errichtete die Freiwillige Feuerwehr Palzing von 1983 bis 1985 in Eigenregie ihr neues Feuerwehrhaus. Die Erweiterung von 2002 bis 2005 wurde am 7. Oktober 2005 feierlich eingeweiht.
Krazer und Krazerschneider waren ursprünglich ein einziges Anwesen. Als der große Krazerhof 1814 zertrümmert wurde, kaufte Matthias Glück aus Dürnzhausen das hölzerne Wohnhaus mit Schupfe und 2 ½ Tagwerk Grund.
Der neue Besitzer wurde Hauskrazer genannt. Die Chronik überliefert für das Anwesen auch die Bezeichnung Glückkatzer. Später kam das Haus an einen Schneider und erhielt den Namen Kratzerschneider.
Nach weiteren Besitzerwechseln kam es an die Familie Neumaier beziehungsweise Neumair. 1993 erfolgte die Übergabe an Franz Neumair.
Der Krazer war einst ein großer Hof. 1593 wird Johann Krazer genannt. Den Hausnamen führt die Chronik auf einen Besitzer namens Pankraz zurück.
1766 brannte das Haus. Eine entscheidende Veränderung folgte 1814: Andreas Kern verkaufte infolge großer Schulden drei Viertel des Anwesens. Das alte Wohnhaus ging mit einem Teil der Gründe an Matthias Glück und wurde zum späteren Krazerschneider.
Der bisherige Hofbesitzer errichtete sich beim oder im Stadel ein neues Wohnhaus. Daher hieß dieser Teil nun Stadelkrazer.
1872 wurde das Anwesen nochmals zertrümmert. Jakob Mair, Schäfflerschneider, erwarb das Haus und zog seine Gründe hierher. 1992 erfolgte die Übergabe an Rudolf und Brigitte Haage, geb. Brummer.
Der Bruckmaier gehört zu den besonders früh erwähnten Höfen Palzings. Bereits 1380 wird Rudel Pruckmair genannt, 1465 Steffl Prugmair.
Seinen Namen erhielt der Hof durch die Brücke am Abfluß des Dorfweihers. Ihre Unterhaltung gehörte zu seinen Aufgaben.
1859 starb der Besitzer Xaver Erl im Alter von 55 Jahren. Seine Witwe verkaufte den Hof 1862 um 54.000 Gulden. Nach der Darstellung der Chronik waren die Käufer Juden, die den Besitz zertrümmerten. Die Witwe zog mit ihren Kindern nach Freising. Ihr jüngster Sohn, geboren 1845, erbte 1871 den Scheichhof zu Oberhirschbach.
Das Restgut, amtlich als Gütl bezeichnet, erwarb Johann Völkl, Christl von Helfenbrunn. 1878 folgte ein Hausbrand. 2002 wurde das Anwesen an Michael Völkl jun. übergeben.
Schon 1465 wird der Wagenpfeil erwähnt. Es war einst ein großer Hof. Namen wie Anna Wagenpfeil, 1533, und Wolf Wagenpfeil, 1615, begegnen in seiner frühen Besitzerfolge.
1837 kaufte der Palzinger Anton Radlmaier den Hof um 9900 fl. Der Grundbesitz wurde zertrümmert und die großen Gebäude wurden abgebrochen. 1854 erwarb Stephan Summerer aus Dürnzhausen den Rest.
Der Name Summerer blieb über mehrere Generationen mit dem Anwesen verbunden. 2003 erfolgte die Übergabe an Johann Summerer jun. Im selben Jahr wurde das alte Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Der Zellnerhof war ursprünglich eine Wasenmeisterei oder Abdeckerei. Der Wasenmeister beseitigte und häutete die toten Tiere der Gemeinde. Wegen der Gefahr einer weiteren Ausbreitung von Viehseuchen lag dieser Betrieb in einiger Entfernung vom Dorf. Daher befindet sich der Hof abseits des alten Ortskerns.
Zu seinen Pflichten gehörte außerdem, 8–10 Jagdhunde der Hofmarksherrschaft zu füttern und die anfallende Jagdbeute unentgeltlich auszuziehen. Dafür durfte er einen öden Fleck von Gestrüpp befreien und kultivieren.
1798 heiratete Josef Zellner, Excoriator von Oberrohrbach, ein. Er war auch als Vieharzneikundiger geschätzt. Über ihn heißt es: „Er ist in der Vieharzneikunde wohl erfahren und hat hierin schon viele Beweise seiner Geschicklichkeit gegeben“.
Der Wasendistrikt umfasste 1805 etwa 35 Orte. Später besaß Anton Zellner Verträge mit mehreren umliegenden Gemeinden. 1899 legte er das Gewerbe nieder; sein Nachfolger wurde Hamberger.
Das Anwesen zählte einst zu den kleinsten Gütl des Dorfes. Die Chronik beschreibt es für ihren späteren Stand als einen der größten Höfe Palzings.
Der Fischer liegt im oberen Dorf und hat keinen direkten Zugang zum Wasser. Seine Geschichte erklärt diese zunächst ungewöhnliche Lage.
1819 baute der Schmied Matthias Radlmaier das Haus und zog etliche Tagwerk Grund vom Schmiedgut hierher. Sein Sohn Anton kaufte später das alte Fischeranwesen und übertrug dessen Fischerrecht auf diesen Besitz. Der Hausname folgte damit dem Recht und der Tätigkeit an einen neuen Standort.
1897 wurde das Anwesen an Josef Hoisl, Schmiedbauerssohn von hier, verkauft. 1981 erfolgte die Übergabe an dessen Enkel Georg Mair.
Franz Brieschenk, Jägerssohn von hier, erhielt 1827 die herrschaftliche Jägerei und erbaute im Mühlbauergarten dieses Haus. Damit zog er den Hausnamen vom eigentlichen Jäger hierher.
Der Name Jagermichl stammt von einem späteren Besitzer, Michael Hoisl. 1962 erfolgte die Übergabe an Josef Hoisl. Das Haus wurde 1966 abgerissen. 1993 errichtete Bernd Hoisl an alter Stelle einen Neubau.
Genauere Beschreibung hier... Palzing Kirche
Georg Widmann, der Schusterhans aus Palzing, baute hinter dem Fischerstadel ein neues Haus. 1872 übergab er es seinem Sohn Xaver Widmann.
Später gehörte das Anwesen Georg Widmann und seiner Frau Maria. 1954 ging es an die beiden Töchter Maria und Rosalie. Maria hatte 1952 Michael Seel aus Wolfersdorf geheiratet.
Nach dem Tod der Schwestern erbte 1989 Frau M. Sossau, eine Lehrerin aus Freising, das Anwesen. Es folgte eine Erbengemeinschaft. 2006 kauften die Geschwister Maria und Michael Ball aus Palzing den Garten des Anwesens.
Georg Widmann, Schusterhans von hier, baute hinter dem Fischerstadel ein neues Haus und übergab es 1872 seinem Sohn Xaver Widmann.
1954 ging das Anwesen an die Töchter Maria und Rosalie Widmann. Maria hatte 1952 Michael Seel aus Wolfersdorf geheiratet. Nach dem Tod der Schwestern erbte 1989 Frau M. Sossau, eine Lehrerin aus Freising, das Anwesen. Danach folgte eine Erbengemeinschaft. 2006 kauften die Geschwister Maria und Michael Ball aus Palzing den Garten des Anwesens.
Michael Kettner war zuvor Besitzer des Müllerschusteranwesens. 1873 verkaufte er diesen Besitz und errichtete ein neues Haus.
1883 wird Georg Kettner genannt. Die Familie verarmte und musste das Anwesen an Andreas Loibl von Tegernbach verkaufen.
1925 heiratete Peter Eicheldinger von Aufham ein. Der ältere Familienname Kettner blieb als Hausname erhalten.
Bevor Palzing eine eigene Schule erhielt, gingen die meisten Kinder nach Kirchdorf oder Haindlfing. Die weiten Wege und die wachsende Kinderzahl führten schließlich zum Bau eines Schulhauses.
1868 begann die Geschichte der eigenen Palzinger Schule. In der Werktagsschule waren damals 11 Buben und 20 Mädchen, in der Feiertagsschule jeweils 7 Buben und Mädchen.
Weil der Platz nicht mehr ausreichte, wurde das Gebäude erweitert. 1913 erhielt es einen größeren Schulsaal und eine entsprechende Lehrerwohnung. Von 1959 bis 1969 unterrichtete Karl Schwarz die Klassen 1–8 gemeinsam in einem Raum. Mit Ausnahme von Religion und Handarbeit erteilte ein Lehrer den Unterricht in allen Fächern.
Am 1. September 1969 wurde die Dorfschule geschlossen. Die Kinder gingen fortan nach Kirchdorf und Allershausen, später teilweise nach Zolling. 1972 wurde das Schulhaus an Matthias und Anna Neumair verkauft.
Anton Brieschenk verkaufte das Jägeranwesen Nr. 17 und errichtete dieses Haus. Der Hausname bewahrt seinen Familiennamen.
1924 heiratete Josef Riesch aus Palzing ein. Für 1958 nennt die Chronik Anton und Anna Riesch. 1998 wurde das Anwesen an Anton jun. und Marianne Riesch übergeben.
1922 kaufte Jakob Summerer das Haus von den Gütlerseheleuten Matthias und Anna Schmid. Sein Familienname wurde zur Bezeichnung des Anwesens.
1958 werden Martin und Rita Summerer genannt. 1997 erfolgte die Übergabe an die Söhne Wolfgang und Martin Jakob Summerer.
Dieses Krämerhaus entstand 1925. Sein Erbauer Ludwig Geisinger war zuvor Förster gewesen.
In den folgenden Jahren wechselte das Haus häufig den Besitzer. Es wurde unter anderem an Johann Sponraft aus Pfeffenhausen, Lorenz Schranner und Dora Babl aus München verkauft.
1934 erscheint Georg Hellinger in der Besitzerfolge. Auch für 1958 nennt die Chronik diesen Namen, für 2003 Irma Hellinger. Der Hausname Kramer erinnert an die ursprüngliche Nutzung.
Johann Zintl war der letzte Dorfhirte von Palzing. Nachdem der Hüterdienst 1924 geendet hatte, errichtete er 1928 dieses Haus.
Maria und Johann Zintl starben im April 1968 innerhalb einer Woche. 1975 kaufte Hans Vater das Haus von deren Sohn. Der Name Zintl blieb als Erinnerung an die frühere Besitzerfamilie bestehen.
Johann Summerer errichtete 1929 auf Wagenpfeilgrunde ein Wohnhaus. Bereits am 15. Februar 1930 wurde darin die neu eingerichtete Poststation untergebracht. Diese Nutzung gab dem Haus seinen Namen.
1962 zog die Post zu Hermann Badhorn in das ehemalige Mühlenanwesen um. Hier blieb sie bis 1976.
Theresia Summerer, geb. Kern, starb im Dezember 1976, Johann Summerer im Januar 1977. Für 1977 nennt die Chronik Georg Kern.
Als das Gründleranwesen 1930 zertrümmert wurde, kaufte Ludwig Thalhammer, Bäckerssohn aus Palzing, einen Teil des Gartens. Dort errichtete er ein Wohnhaus mit Krämerei.
Während des Krieges wohnte Herr Hörl im Haus. Im Keller betrieb Herr Winter eine Radlwerkstatt. So waren in dem Anwesen zu verschiedenen Zeiten Einkauf und Handwerk untergebracht.
1950 kauften Michael und Frieda Bauer aus Wolfersdorf das Haus von der Erbengemeinschaft Hörl und Forstner. 1990 erfolgte die Übergabe an den Sohn Sebastian Bauer.
Der Hausname Kastlschuster verbindet den Familiennamen des Erbauers mit seinem Handwerk. Franz Kastl, Schuhmacher und Mesner aus Buchers im Böhmerwald, errichtete das Haus 1952/53.
1959 wurde es an Hermann und Maria Vater, geb. Kastl, übergeben. Auch der kirchliche Dienst erscheint in der Familiengeschichte wieder: Für 1962 nennt die Chronik Maria Vater als Mesnerin in der Palzinger Kirche.
Hofübergabe, Austrag und Abgaben
Wenn ein Bauernhof an die nächste Generation übergeben wurde, wechselte mehr als der Besitzer. Die Geschwister mussten abgefunden und die übergebenden Eltern versorgt werden. Zugleich übernahm der Nachfolger die Verpflichtungen des Hofes gegenüber der Grundherrschaft.
Wie genau solche Vereinbarungen ausfielen, zeigt der Übergabe- und Austragsbrief des Bruckmair vom 7. Juli 1736. Lorenz und Maria Wilhelm übergaben ihren Hof an ihren Sohn Jakob und dessen Frau Ursula. Für die Eltern wurden die Wohnung im Nebenhäusl, Getreide, Milch, Fleisch, Kleidung, Brennholz und weitere Leistungen festgelegt. Auch die Ausstattung der noch ledigen Geschwister und ihre Unterkunft im Krankheitsfall waren geregelt.
Andere Aufzeichnungen zeigen die Lasten, die auf den Anwesen lagen. Am Wagenpfeilhof und am Robergerhof gehörten dazu Geld, Getreide, Eier, Geflügel und weitere Erzeugnisse. Hinzu kamen Fuhrdienste, Arbeiten für die Herrschaft und Verpflichtungen bei der Jagd. Selbst ein kleines Anwesen wie die zur Hofmark Palzing gehörige Stubersölden in Hirschbach musste Abgaben und Dienste leisten.
Diese Urkunden geben ein lebendiges Bild vom alten Bauernleben. Sie zeigen, wie eng die Bewirtschaftung eines Hofes mit familiären Verpflichtungen und den Ansprüchen der Grundherrschaft verbunden war.
Der Bruckmair: Versorgung bis ins Einzelne geregelt
Am 7. Juli 1736 übergaben Lorenz und Maria Wilhelm den Bruckmairhof in Palzing an ihren Sohn Jakob und dessen Frau Ursula, geb. Schredl aus Zellhausen. Der zur Herrschaft Haimhausen gehörige Hof wurde mit seiner gesamten Zugehör übergeben: mit Pferden und Rindern, Gerätschaften, Hausrat sowie Schulden und Gegenforderungen.
Der Übergabebrief nennt eine Gesamtsumme von 1673 Gulden und 15 Kreuzern. Darin wurden unter anderem Zahlungen an die Eltern, an die sieben Geschwister des Übernehmers und an weitere im Brief genannte Personen aufgeführt.
Auch die Ausstattung der noch ledigen Geschwister war festgelegt. Matthias, Veitl und Bärtl sollten jeweils ein Kirchengewand erhalten. Für Josef waren 25 Gulden für ein Pferd vorgesehen. Jeder der vier Brüder bekam eine verschließbare Truhe. Walburga standen eine Kuh, ein Kasten, eine Bettstatt, Bettzeug und ein Kleid für die Kirche zu.
Für den Fall einer Erkrankung gab es eine besondere Regelung: Erkrankt eines der ledigen Geschwister im Dienst, durfte es auf dem Hof Unterkunft und Hausmannskost beanspruchen. Die Medizin musste es jedoch aus eigenen Mitteln bezahlen.
Der Austrag: Wohnung, Nahrung und Kleidung für die Eltern
Lorenz und Maria Wilhelm zogen sich in das vorhandene Nebenhäusl zurück. Ihre Versorgung, der sogenannte Austrag, war ausführlich beschrieben.
Neben 200 Gulden Zehrpfennig erhielten sie jährlich einen Scheffel Weizen und vier Scheffel Korn. Das Getreide musste für sie zur Mühle gebracht werden. Eine Kuh war für sie zu füttern; auch das jeweilige Kalb stand ihnen zu. Gab die Kuh keine Milch mehr, musste täglich ein Kändl Milch gereicht werden. Zwei Schafe durften mitlaufen, und zum Ausreiten war jeweils ein Pferd bereitzustellen.
Zur Versorgung gehörten außerdem Öl, Schmalz, Rüben, Erbsen, Kraut, jeden Montag Eier und ein Drittel des Obstes. Auch Flachs, vier Paar Schuhe sowie die nötige Kleidung für den Vater waren vorgesehen. Holz, Licht und Salz musste der Hof ebenfalls liefern.
Selbst die Festtage waren bedacht. Am Kirchtag sollten die Eltern freigehalten werden und acht Pfund Rindfleisch erhalten. Zu Weihnachten waren weitere acht Pfund Rindfleisch vorgesehen, dazu drei Pfund Schweinefleisch, wenn ein Schwein geschlachtet wurde. Zu jedem Quatembertermin standen ihnen zwei Gulden zu.
Starb einer der beiden Elternteile, fiel die Hälfte des Austrags wieder an den Hof zurück. Das nach den Begräbniskosten und den im Brief genannten „Beimessen“ verbleibende Geld sollte unter sämtlichen Kindern verteilt werden.
Der Wagenpfeil: Die Lasten eines ganzen Hofes
Als Matthias Erl 1797 den Wagenpfeilhof seiner Tochter Maria übergab, wurden auch dessen jährliche Verpflichtungen festgehalten.
Neben Geldzahlungen schuldete der Hof unter anderem 100 Eier, 10 Hendl, 6 Gänse, eine Fastnachthenne und 12 Käse. Für mehrere dieser Leistungen waren Geldbeträge als Ersatz angegeben. Dazu kamen Abgaben für Obst, Gespinst und die Haltung eines Jagdhundes.
Auch Getreide musste geliefert werden: zwei Scheffel Weizen, sieben Scheffel Korn und sechs Scheffel Haber sowie weitere, gesondert bezeichnete Getreideabgaben.
Mit Geldzahlungen waren die Verpflichtungen nicht vollständig erfüllt. Der Hof musste den Zehent vom Feld einbringen und das gedroschene Getreide nach Thalhausen fahren. Bei Bedarf der Herrschaft waren außerdem zwei Scharfuhren zu leisten oder dafür zwei Gulden zu bezahlen. Der Brief betonte, dass weder Krieg noch „Schauer“ von dieser Pflicht befreiten.
Bei einer Schätzung des Gutes auf 6000 Gulden wurden zudem weitere Zahlungen aufgeführt: 300 Gulden Anstand, 150 Gulden Abfahrt, 11 Gulden Leihkauf, ein Gulden Totenfall und drei Gulden Siegelgeld.
Der Roberger: Abgaben, Fuhrdienste und herrschaftliche Jagd
1784 übergab Jakob Riesch den als halben Hof eingestuften Roberger an seinen Sohn Lorenz. Grundlage seiner Verpflichtungen war das Stiftbuch von 1721.
Die aufgeführten jährlichen Geldbeträge und Ersatzleistungen beliefen sich auf 16 Gulden und 42 Kreuzer. Dazu gehörten unter anderem eine Weihnachtssemmel, Käse, Gänse, Hendl, Eier und eine Fastnachtshenne beziehungsweise die dafür festgelegten Geldbeträge.
Der Getreidedienst umfasste jeweils einen Scheffel Weizen, Korn, Gerste und Haber sowie weitere Abgaben. Das Getreide musste in gereinigter, marktgerechter Qualität an den angewiesenen Ort geliefert werden.
Auch die Fuhrdienste waren geregelt. Als die Hofmark noch zu Haimhausen gehörte, musste der Roberger den Zehent in den Stadel und das gedroschene Getreide unentgeltlich nach Haimhausen bringen. Nach dem Verkauf der Hofmark nach Haag änderten sich diese Verpflichtungen teilweise.
Besonders anschaulich beschreibt der Brief die Jagdscharwerk. Die Untertanen mussten Wagen in den Wald und wieder zurückführen, den Küchenwagen und weitere benötigte Dinge abholen und nach Palzing bringen. Außerdem hatten sie die Herrschaft mit Pferden abzuholen und bei der Jagd herumzuführen.
Wenn das vorgesehene Scharwerksgeld nicht bezahlt wurde, war die Arbeit mit zwei Pferden zu leisten. Anstelle des Gespinstgeldes mussten vier Pfund Flachs gesponnen werden. Zur Hofübergabe kamen weitere Zahlungen hinzu, darunter Leibgeld, Leihkauf und Siegelgeld.
Die Stubersölden: Verpflichtungen eines kleinen Anwesens
Auch kleine Anwesen trugen solche Lasten. Das zeigt die Übergabe der Stubersölden in Hirschbach von 1784. Sie gehörte zur Hofmark Palzing und wurde als Sechzehntelgütl eingestuft.
Nach dem Stiftbuch von 1721 schuldete der Besitzer Geld, eine Fastnachthenne, 50 Eier und die Haltung eines Jagdhundes beziehungsweise die jeweiligen Ersatzbeträge. Zusammen mit weiteren aufgeführten Zahlungen ergaben sich neun Gulden und 23 Kreuzer. Dazu waren zwei Metzen Haber in guter Qualität zu liefern.
Wer das Scharwerksgeld nicht entrichtete, musste Handarbeit leisten. Anstelle der Geldzahlung für das Gespinst waren fünf Pfund Werg zu spinnen.
Für herrschaftliche Bauarbeiten in Palzing galt eine zusätzliche Verpflichtung: Fünf Tage musste der Besitzer unentgeltlich arbeiten. Für die übrigen Tage waren vier Kreuzer Taglohn vorgesehen. Bei der Übergabe wurde außerdem ein Leibgeld von 28 Gulden und 12 Kreuzern genannt.
Die Aufzeichnungen zeigen, wie viele Ansprüche auf einem Hof zusammenkamen. Zur Versorgung der eigenen Familie und zum Austrag der Eltern traten Geldzahlungen, Naturalabgaben und Dienste für die Grundherrschaft. Die Übergabebriefe machen diese Verpflichtungen bis in die Einzelheiten sichtbar.
Die Dorfstraße nahm früher einen anderen Verlauf als die heutige Hauptstraße. Vom Krazerhaus führte sie am Bruckmair vorbei und am Mühlbach entlang zur einstigen Mühle, dem späteren Anwesen Badhorn. Dort verlief sie links durch den Zellneracker und anschließend zwischen Jagermichl, dem Anwesen Hoisl, und dem Schulhaus bergauf. Von hier führten die Wege weiter in Richtung Wölfing und Jägersdorf sowie zu den westlichen Feldern.
Beim Hagl, Haus Nr. 14 und einstige Bruckmairsölde, zweigte ein weiterer Weg rechts ab. Er führte durch den Grindlerhof hinauf zu den Feldern und war wohl die früheste Straße ins Oberdorf. Noch innerhalb der im Text überlieferten Jugenderinnerung wurde er als öffentlicher Fahrweg genutzt.
Auch die alte Straße nach Wolfersdorf folgte einem anderen Verlauf: Sie führte am Hütgraben entlang und dann durch den Wald hinauf zum Fürst.
Die heutige Hauptstraße entstand um 1830 als Umgehungsstraße. Die Gemeinde errichtete sie mit Scharwerksdiensten, also durch die Arbeitsleistungen der dazu Verpflichteten.
Mitte der 1960er-Jahre verfolgte die Bayerische Staatsregierung das Ziel, größere und leistungsfähigere Gemeinden zu bilden. Kleine Gemeinden würden, so die damalige Einschätzung, ihre wachsenden Aufgaben künftig finanziell und verwaltungsmäßig kaum noch bewältigen können. Die kommunale Selbstverwaltung sollte durch den Zusammenschluss gestärkt werden.
Ab 1970 empfahl die Regierung freiwillige Zusammenschlüsse und unterstützte sie durch finanzielle Zuweisungen. Nach Möglichkeit sollten Grundschulsprengel, katholische Pfarrei und künftige Gemeinde eine gemeinsame gebietliche Einheit bilden. Diese Vorstellung ließ sich jedoch nicht überall verwirklichen.
Kirchdorf oder Zolling?
Für Palzing sah der sogenannte Hauerplan des Landratsamts einen Anschluss an Kirchdorf vor. Dafür sprach auch die kirchliche Zugehörigkeit Palzings zur Pfarrei Kirchdorf. Die meisten Palzinger Bürger wollten jedoch einen anderen Weg gehen.
Die Gemeinde beantragte fristgemäß beim Landratsamt Freising einen Bürgerentscheid mit schriftlicher Abstimmung. Federführend war der damalige zweite Bürgermeister Matthias Neumair.
Am 17. Januar 1971 stimmten die Wahlberechtigten geheim über die künftige Gemeindezugehörigkeit ab. Die Beteiligung lag bei 86,84 Prozent. Mit 81,82 Prozent sprach sich eine deutliche Mehrheit für den Anschluss an Zolling aus. Für Kirchdorf stimmten 13,64 Prozent.
Die Eingliederung am 1. April 1971
Das Landratsamt Freising teilte der Gemeinde Zolling das Ergebnis am 25. Januar 1971 mit. Zugleich wies es darauf hin, dass „die Gemeinde Palzing nur 12160 Mark Schulden und keine Gemeindeverbindungsstraßen auszubauen hat“.
Am 1. April 1971 wurde Palzing in die Gemeinde Zolling eingegliedert. Damit endete die Zeit als selbstständige Gemeinde.
Für die Schulkinder änderte sich zunächst nichts: Die Klassen 1 bis 6 besuchten weiterhin die Schule in Kirchdorf, die Klassen 7 bis 9 gingen nach Allershausen. Erst 1983 wurde eine Änderung des Schulsprengels angestrebt.
Kupferstecher und Beschreiber der bayerischen Landschaft
Michael Wening wurde am 11. Juni 1645 in Nürnberg als Sohn eines Metzgers geboren. Auch er erlernte zunächst das Metzgerhandwerk, wandte sich jedoch der Kunst zu und wurde Kupferstecher.
Ähnlich wie der Mathematiker und Geograph Philipp Apian bereiste Wening die bayerische Landschaft. Er skizzierte Städte, Märkte, Dörfer und Schlösser. In den Wintermonaten übertrug er die Zeichnungen mit Unterstützung seines Sohnes Balthasar auf Kupfer. Im Jahre 1700 stellte ihm der Kurfürst eine zweispännige Kutsche zur Verfügung, die seine Arbeit wesentlich erleichterte.
Wenings Beschreibung der Hofmark Palzing
Auf seinen Reisen kam Wening auch durch die Hofmark Palzing. Seine Beschreibung berichtet von einem Schloss, das durch eine Feuersbrunst zerstört und bis dahin nicht wiederhergestellt worden war. Ein Jägerhaus war dagegen noch vorhanden und wurde vom Jäger bewohnt.
Auch die Kirche erwähnt er. Nach seinem Bericht war sie vom kurfürstlichen Geheimen Rat und Obristen Theodor von Haimbhausen erbaut und unterhalten worden.
Wening beschreibt Palzing zusammen mit den Hofmarken Gerlhausen und Helfenbrunn. Alle drei gehörten damals zur gräflichen Haimbhausischen Familie. Neben der niederen Gerichtsbarkeit nennt er die Jagdrechte in den zugehörigen Waldungen. Für Gerlhausen und Helfenbrunn hält er ausdrücklich fest, dass dort niemals ein Schloss oder ein anderes herrschaftliches Gebäude gestanden habe.
Seine Worte geben einen Einblick in die damaligen Herrschaftsverhältnisse und in Gebäude, die heute nicht mehr bestehen.
Historischer Originaltext
> Djse Orth seynd alt geschlossne Hofmarchen / worunder die erste denen von Preysing zuegehörig gewesen / welche in fünff vng zwaintzig / drey Viertlhöf Summariter bestehen / vnd ligen an dem Ampper-Fluß / ungefähr drey stundt von Mospurg / der auch selbigem Gericht mit denen Landsfürstlichen Praestatonibus incorporiert.>
> Vor geraumber Zeit war zu Paltzing ein Schloß gestanden / welches aber nachmahls durch eine Feuersbrunst verwuestet / vnd ruiniert, auch bißhero noch nit ergäntzet worden / doch ist darbey ein Jägerhauß / warinnen der Jäger wohnet / verhanden / Jtem eine Kirch / so von dem geweßten Churfürstlichen geheimben Rath / vnd Obristen Theodor von Haimbhausen erbauet / vnd vnderhalten worden / alle drey erkennen noch heut zu Tag für jhr Herrschafft die Gräfliche Haimbhausische Famili, vnd zwar Paltzing hat neben Hofmarchs Gerechtsambe in denen herumb entlegenen Waldungen die Freyheit so wol das kleine / als auch grosse Waydwerch zu exercieren / so derselben an statt der bey der Hofmarch Haimbhausen von Jhro Durchl. Hertzog Wilhelm 1594. verlyhen / vnd darauff hin widerumb solch freywillig angelassnes Erb-Jagen / von Jhro Durch. Hertzog Maximilian den 30. September 1625. auff ein neues genädigist concediert, vnd gleichfalls Erblich eingeritten worden ist.>
> Weiters seynd mehrberührte Hofmarchen dene Jnhabern mit nidern Gerichtbarkeit zuegehörig / worvon auch zur Gemainer Loblichen Landschafft die Rittersteur geraicht werden muß.>
> Und letztlichen ist bey denen übrigen zwey Hofmarchen Gerlhausen / vnnd Helfenbrunn niemahls einiges Schloß / oder ander Herrschafftliches Gebäu zu sehen geweßt / sondern je / vnd allzeit alleinig gestanden / doch haben beyde Oether in denen darzue gehörigen Waldungen die Jagens-Gerechtigkeit so wol / als Paltzing zu geniessen.
Kupferstich: Michael Wening
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schreibt Josef Hazzi über die Verhältnisse im Landgericht Moosburg. Dabei erwähnt er auch die Tracht der Ampertaler:
Der Mann trägt im Ampertal einen feinen blauen Rock, rote West, grüne Hosenträger, darüber einen Gurt, dann schwarzlederne Beinkleider, blaue Strümpfe und Schuhe mit Bändern.
Die Weiber haben zwar kurze, aber dick gepolsterte schwarze Röcke, eine schwarzen Ganges, steifes Mieder und am Hals ist alles eng zusammengezogen, den Kopf bedeckt eine große schwarze Mütze von Otter.
Die jüngeren Mädchen haben blaue Hauben mit Spitzen, auch eine Art Casquet, worunter ihre Haare zu Zöpfen geflochten sind. Nebenbei bemerkt hat jede einen Gürtel von Silber oder Metall um den Leib. Auf dem Tanz sieht man bei ihnen schöne weiße Strümpfe und feine weiße Tücher mit Spitzen auf dem Kopf.
KFoto: Simon und Anna Prechsl
Vom Hausbrunnen zur gemeinsamen Wasserversorgung
Lange Zeit versorgten sich die Haushalte aus eigenen Brunnen. Nach 1960 wurde jedoch zunehmend deutlich, dass deren Wasser den Qualitätsansprüchen nicht mehr genügte. Zudem lieferten die Hausbrunnen zeitweise nicht ausreichend Wasser.
Eine eigene zentrale Wasserversorgung für jeden Ort aufzubauen, wäre zu aufwendig gewesen. Deshalb schlossen sich Gemeinden zu Zweckverbänden zusammen, die die Versorgung eines größeren Gebietes übernahmen. Palzing wurde 1971 an die Wasserversorgung des Wasserzweckverbands Paunzhausen angeschlossen.
Der Wandel im Umgang mit dem Abwasser
Als die Dörfer noch überwiegend bäuerliche Siedlungen waren, ging man sparsam mit Wasser um. Es musste von Hand geschöpft werden. Was im Haushalt übrig blieb, wurde häufig für das Vieh oder zum Gießen im Garten verwendet.
Spülklosetts waren vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem Land selten. Auf den Bauernhöfen standen Trockenaborte häufig neben dem Misthaufen oder über einer abflusslosen Grube. Deren Inhalt wurde auf die Felder ausgebracht oder im Garten als Dünger verwendet. Eine zentrale Abwasserbeseitigung spielte bis etwa 1950 im Dorfleben kaum eine Rolle.
Mit der zunehmenden Besiedlung nach 1950 und der Verbreitung der Spülklosetts änderten sich diese Verhältnisse. Besonders bei Einfamilienhäusern ließ sich das Abwasser immer schwieriger auf den eigenen Flächen unterbringen. Zunächst behalf man sich mit Dreikammer-Ausfaulgruben, in denen das Abwasser vorgeklärt wurde. Das überlaufende Wasser versickerte anschließend im Untergrund.
Als die damit verbundene Verunreinigung des Grundwassers erkannt wurde, drängten die staatlichen Behörden auch in den Dörfern auf eine geordnete Abwasserbeseitigung. Kanäle sollten das Schmutzwasser sammeln und zu Kläranlagen führen. Dort wurde es mechanisch beziehungsweise biologisch gereinigt und anschließend in ein aufnehmendes Gewässer, den sogenannten Vorfluter, eingeleitet.
Die Palzinger Kläranlage
Auch in Palzing machten die wachsende Siedlung und die Belastung von Bächen und Gräben eine gemeinsame Lösung erforderlich. Unzureichend gewartete Hauskläranlagen trugen zu diesen Verunreinigungen bei.
Ab 1986 wurden Ortskanäle verlegt. Auf einem Grundstück im Süden des Dorfes entstand eine belüftete Teichkläranlage, ausgelegt für 800 Einwohnergleichwerte. Diese Größe beschreibt die vorgesehene Abwasserbelastung der Anlage.
Die Planung übernahm das Ingenieurbüro Franz Lohr aus Oberappersdorf. Die Bauarbeiten führte im Wesentlichen die Firma Ohneis aus Nandlstadt aus. Für die Bauabschnitte 03 bis 06 beliefen sich die Gesamtbaukosten auf 2.289.621,82 Mark. Der Staat unterstützte das Vorhaben mit 891.700 Mark und übernahm damit rund 39 Prozent der Kosten.